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Donnerstag, 19.04.2012

2010 Oestrich Doosberg Riesling 3 Trauben, Peter Jakob Kühn - Rheingau


93+ Punkte - Keine Ahnung wie, aber Peter Jakob Kühn hat offensichtlich die Kurve gekriegt, man könnte auch formulieren, den Stein des Weisen gefunden, aber das würde schon wieder die berufsmäßigen Skeptiker in meinem Weinbekanntenkreis auf den Plan rufen, die es einfach nicht zulassen wollen, dass das von ihnen selbst so erklärte biodynamische Spinnertum richtig (sorry wegen der Wortwahl) geilen und spannungsgeladenen Wein auf die Flasche bringt. Zugegeben, der 2010er Oestricher Doosberg 3 Trauben erschliesst sich nicht sofort jedem "Henker" einer Flasche, aber wer dem Wein ein wenig Zeit zur Beatmung und Entfaltung gibt, sich selbst ebenfalls Zeit nimmt und bereit ist, sich mit seinen Sinnen einzulassen (ich weiss, ich wiederhole mich mit diesen Anforderungen bei Kühn Weinen), der wird sie erleben ... die strahlenden Facetten dieses geistreichen Stoffs. Bei diesem Wein glaube ich, dass Peter Jakob Kühn dort angekommen ist, wo er mit seinem selbstauferlegeten, "historischem" Biowinzertum  immer hinwollte.

Selbst als eher ungeübter Geniesser - wird man erkennen, dass dieser Wein eine perfekte Mischung aus definierter Eigenständigkeit, perfektem Handwerk, richtig angewandter Ideologie, Rheingauer Geschmacks- und Weintradition sowie einem Schuss Glück ist:

Wunderbar tiefe Nase, Assemblage von diversen Citrusfrüchten mit getrockneten Kräutern und frischem Heu, dazu ein Touch von gekühltem, gelbem Kernobst. Am Gaumen dicht und fest, mit viel Zug und einem gewissem Tannin, das mich zur Frage bringt, ob der überwiegende Teil der Weintrinker (ich inklusive) im schwarzen Glas erkennen würden, dass es sich um Weißwein handelt. Sie werden jetzt sagen, was ist dass denn für ein selbsterklärter Weinfreak, der noch nicht mal Rot- von Weisswein unterscheiden kann, aber machen Sie einfach mal öfter diesen banalen Test: schwarze Gläser von Riedel und los geht es! - Selbstversuch only, man will ja niemanden vorführen ;-).  Richtig straffer Riesling, mit viel pflanzlicher Würze, im Hintergrund dicht bepackt mit einer Mineralik, die den Wein glockenklar und rein wie einen Gebirgsbach erscheinen lässt. Hat ordentlich Muskeln, ist aber gleichzeitig drahtig und ausdauernd. Zeigt jetzt schon einiges an Weinstein/Depot. Tief, klar  und mineralisch, aber die Oberfläche hat auch eine sanfte, schmelzige Seite zu bieten -  einen schönen Teint eben. Die vorhandene, aber etwas hinter der Mineralik versteckte, vielseitige, weißgelbe Steinobst-Frucht sowie  die perfekt eingebundene Säure und Nachhaltigkeit nehmen mich mit auf ihrer Geschmacksreise und meine Flasche vor mir ist viel zu schnell leer.

Montag, 09.04.2012

2004 Riesling Oestricher Doosberg 3 Trauben, Peter Jakob Kühn - Rheingau


89 Punkte - Nach langer Zeit (7 Jahre; vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=72 ) mal wieder einen 2004er Doosberg von Kühn im Glas und ich bin immer noch überzeugt von diesem ungewöhnlichen Riesling. Peter Jakob Kühn war damals noch mitten in den ersten Jahren seiner Umstellung des Betriebes auf biodynamischen Weinbau. Sowohl seine bisherigen Kunden als auch die geneigte "Weinexpertenschar" hatten reichlich Diskussionstoff, ob dieser neuen Ausrichtung im Weinberg und Keller. Zugegeben, diese neue "alte Art" von Riesling ist alles andere als mainstream und sicherlich keine easy drinking, aber wer Zeit mitbringt und Lust verspürt sich einzulassen, reinzuhorchen in die Tiefen eines Weines geht auf eine Entdeckungsreise zu "unbekannten Welten" - ganz im Sinne des Raumschiffes Enterprise. Heute hat Peter Jacob Kühn seinen Weg gefunden, die Symbiose aus biodynamischem Weinbau und bekannten rheingauer Wein-Geschmackswelten - doch ich gehe gerne zurück in seine Experimentierphase (die es auch heute noch gibt, z.B. bei seinem 2009er Amphorenwein), in denen z.B. lange Maischestandzeiten / Vergärung auf den Schalen  solche Weinunikate formten, wie dieses, das gerade vor mir im Glas steht.

Goldgelb fliesst dieser acht Jahre alte, trockene Riesling ins Glas.  Die Nase zeigt wenig Frucht, dafür gibt es Noten von Bienenwachs, grünen Walnüssen, grünen Oliven und (sehr) reifen Äpfeln. Am Gaumen überrascht die Frische, sicherlich gut unterstützt von einer schönen, kräftigen Säure. Geschmacklich fallen mir Dinge wie Brioche; Toffee; reife, etwas mehlige Äpfel, Heu und grüne Mandeln (wer schon einmal junge, grüne Mandelfrüchte - bestehend aus Haut und Haaren, also noch ohne harte Schale probiert hat, weiss wovon ich rede) ein. Insgesamt ein kräftiger Bursche, mit Kraft, Saft (extraktreich) und Spiel, aber kein Sinnbild für leise Töne und aristokratische Eleganz. Mir gefällts trotzdem - auch wegen der großen Länge am Gaumen.

http://youtu.be/7VkRsfHz0r8

Dienstag, 13.03.2012

Down Under Cellar Doors - TORBRECK



Die Seppeltsfield Road ein wenig weiter hinunter (vom Barossa Valley Estate kommend) und schon war ich an der Kellertür von Torbreck Vintners, dem Inbegriff eines erfolgreichen, inhabergeführten Weinbaubetriebes in Australien. Wer die Chance hat, große Teile - oder vielleicht sogar die gesamte Range - der Weine von Torbreck zu verkosten, kommt nicht umhin, diesem Weingut ein hohes Maß an Streben nach Individualität und Perfektion zu bescheinigen.  Mich hat insbesondere die Akribie im Umgang mit jedem einzelnen Weinberg (bzw. Teilen davon) fasziniert. Dies unterscheidet Torbreck von vielen anderen australischen Winzerbetrieben und ist wohl auch ein entscheidender Grund dafür, dass so herausstehende Gewächse auf die Flasche gebracht werden. Der umfangreiche Schatz alter Rebanlagen - teilweise über 100-jährige Weinstöcke – sind ein weiteres Pfund, mit dem man bei Torbreck wuchern kann.

Auf der anderen Seite kann man in Sachen Selbstbewusstsein und „Wie schöpfe ich die maximale Marktrendite ab“, von David Powell, dem Eigentümer von Torbreck, sicherlich noch gehörig lernen. Schon vor Jahren war sein RUN RIG im obersten Weinpreissegment etabliert, aber mit seinen $700,- (ab Hof!!  :shock:  :roll: ) für einen neu lancierten „THE LAIRD“ schießt er den Vogel ab. Ihm gehört damit die Krone für den teuersten Ausi-Wein, den ich kenne. Einerseits setzt David Powell und seine Mannschaft konsequent das riesige Weinbergspotential in herausragende Qualität um, andererseits hat er erkannt, dass es nicht einmal einer langen Tradition und Geschichte bedarf (wie z.B. bei Chateau Latour oder Margaux), um den snob effect der Reichen und Schönen in Asien, Amerika und Europa zu bedienen. Auf die Frage wie viel Arbeit der Verkauf eines solch teuren Weins macht, bekam ich von dem freundlichen Menschen bei dieser „open cellar Verkostung“ zur Antwort: „meist viel einfacher als bei preiswertem Wein“.

Wer eintauchen will in die Vielfalt der Torbreck-Weine, dem sei die Webseite  ans Herz gelegt – ich habe selten eine so informative und klar gestaltete webpage gesehen. Was hatte ich nun im Glas bei meinem Besuch vor Ort? - Los geht’s:


2010 Woodcutter’s Semillon
(100% Semillon) $ 17,50 – Der erste und preiswerteste Wein auf der langen Liste von Torbreck ist ein frischer und lustiger Geselle. Sauber, klar und unkompliziert.  Ein schneller, jung zu genießender Schluck, der den Gaumen mit seinen Citrusaromen erfrischt. Viel mehr Worte muss man nicht machen. – 84 Punkte 


2010 Woodcutter’s RVM
  (63% Roussanne, 21% Viognier, 16% Marsanne) $21,50: Duftiger, dichter Stoff im klassischen Rhone-Stil; mittelgewichtig, mit ansprechendem Schmelz und ausreichend Säure. Insgesamt  mangelt es ihm etwas an aromatischer Tiefe, aber seine nicht zu schwere Art empfinde ich als sehr angenehm. Die Grundweine dieser Cuvée wurden jeweils einzeln ausgebaut, dann lagen sie – jeder für sich 7 Monate - auf der Feinhefe, um anschließend zu dieser Cuvée vermählt wurden. Jetzt trinken. - 86 Punkte


2009 Roussanne, Marsanne Viognier
(55% Rousanne, 25% Marsanne, 20% Viognier) $37,50:  Eine richtig ansprechende Cuvée! Weich und schmeichelnd auf der Zunge, durchaus mit Anspruch. In der Nase dezente Wachsnoten, florale Anklänge (weiße Blüten), kombiniert mit exotischen Früchten und einem Touch Honig. Am Gaumen ganz ähnliche Eindrücke; schöner Schmelz, angenehme Säure, mittlere Länge.  Jetzt und in den nächsten 3 Jahren herrlich zu trinken. – 88 Punkte


2010 Cuvée Juveniles
(60% Grenache, 20% Shiraz, 20% Mataro) $25,00: Bei Mataró musste ich erst einmal nachfragen – man sagte mir, dass sich dieses Wort leichter sprechen lässt als Mourvèdre (letztlich ist Mataró das katalanische Wort für eben diese Rebsorte) und sich dieses Synonym - in Australien und im asiatischen Markt - durchgesetzt hat. Würzige, kühle Nase mit etwas an Blut erinnernden Anklängen. Am Gaumen saftig, fruchtig, mit dezent würzig-erdigem Einschlag. Schöner Einstiegswein in die rote „Fraktion“.  – 88 Punkte


2008 The Steading
(60% Grenache, 20% Shiraz, 20% Mataro) $37,50: Vielen deutschen Weintrinkern mit Interesse an australischen Weinen dürfte dieser Name bekannt sein, denn er wird auch in Deutschland vermarktet und ich kann mich erinnern, dass der 99er Jahrgang mit seinen 94 Parker-Punkten und einem noch bezahlbaren Preis bei uns Furore machte.  Der jüngere Bruder aus 2008 war mir dann doch ein wenig zu geschminkt und überreif. Die Frucht ist voll und saftig; die Aromen von dunkeln Waldbeeren sind dem Rumtopf aber zu nahe und die 15% Alc. kann er ebenfalls nicht einfach wegstecken. - 86 Punkte 


2010 Fish’s Shiraz
(100% Shiraz) $29,50: Ein Wein aus ganz jungen Reben (Jungfernjahrgang aus  Marananga Vineyard). Der Erlös aus dem Verkauf dieses Weins kommt den flying doctors zu Gute, einer Institution, die das weite Land, mit seinen abgelegenen Farmen, in Notfällen ärztlich versorgt. Dieser schöne und saftige Shiraz besitzt eine herrlich frische Frucht von dunklen Beeren, ein wenig weißen Pfeffer und macht mir richtig Spaß zu trinken. – 87 Punkte


2010 Woodcutter’s Shiraz
(100% Shiraz) $21,50: Der Einstiegs-Shiraz stammt von 10-15 jährigen Reben und ist ein farblich sehr tiefer sowie aromatisch würziger Shiraz. Die Frucht ist geprägt von dunklen Beeren und einem Touch geräucherten Speck. Mittlerer bis voller Körper, schöner Saft. Die guten Tannine sollten dafür sorgen, dass der Wein ein paar Jahre gut zu trinken sein wird. Voll, aber nicht zu schwer, hinten heraus fehlt es etwas an Länge. - 87 Punkte


2010 The Loon
(90% Shiraz, 10% Rousanne) $29,50: Dieser eher im Rhone-Stil gehaltene Shiraz ist ein ziemlich würziger Geselle; er besitzt eine gute Struktur, die von kräftigen und dunklen Tanninen getragen wird. Körperreich, mit schönem Schmelz und einer duftenden Frucht. Im Abgang hat er ein kleines Bitterle, dieses ist jedoch ein Teil seines Charakters und es passt gut zum sonstigen Eindruck. Interessant ist, dass - nachdem der Saft der Roussanne-Trauben abgelaufen ist - die Schalen bei der Fermentation des Shiraz zu „ihrem“ Einsatz kamen. – 88 Punkte


2010 The Struie
(100% Shiraz) $48,50: Dieser 100%ige Shiraz stammt von verschiedenen Weinbergen aus dem Barossa und Eden Valley. Beide Regionen grenzen unmittelbar aneinander, wobei das Eden Valley etwas höher liegt und die Weine von hier etwas weniger alkoholisch sind und in ihrer Würzigkeit (insbesondere Pfeffer) etwas kräftiger ausfallen. Der Strui ist ein saftiger und dichter Tropfen. Die Aromen sind fruchtig-würzig und der volle Körper sowie die hervorragend gemanagten Tannine ergeben ein Maul voll Wein, das aber auch durch Qualität zu überzeugen weiß. Sehr reife Himbeere zu Beginn, dann kommen eher die würzigen Aromen durch: schwarze Oliven, etwas schwarzer Pfeffer und dazu ein paar schöne Röstaromen. Die Tannine aus vollreifen Beeren sind rund und weich gemacht, sorgen aber für Struktur im Wein.  Eine runde Sache dieser Wein, kann sicherlich ein paar Jahre reifen, macht jetzt aber schon richtig Freude. Mittlerer Abgang, hinten heraus ein wenig zu alkoholisch. – 89 Punkte


2009 The Celts
(100% Shiraz) $75,00:  Dieser ebenfalls 100%ige Shiraz kommt aus dem gutseigenen Weinberg Roennfeldt Road (Marananga), wobei die Pflanzen aus selektionierten Reben der „Run Rig Anlagen“ stammen. Der Wein hat einen natürlichen Alkoholgehalt von 14,8% - seine Vergärung erfolgte über 7 Tage im offenen Holzfass. Nach der Pressung reifte er 26 Monate in französischen barriques. Er ist ungeschönt und ungefiltert. Mir hat der „The Celts“ von allen reinsortigen Shiraz-Weinen am besten gefallen, er ist im Ansatz recht kühl und besitzt - sowohl in der Nase als auch am Gaumen - einen dunklen, erdigen Charakter. Die Frucht zeigt Anklänge an Kirschen und dunkle Beeren, dazu etwas Tabak. The Celts ist tief und zeigt Komplexität, er hat wunderbare nicht zu weichgespülte Tannine und auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Ich denke, dass dieses Weinbaby beste Anlagen besitzt, um als eleganter Gentleman für viel Gesprächsstoff und Genuss zu sorgen. Braucht noch etwas Zeit für seine weitere Entwicklung. Sicherlich hervorragend über die nächsten 10 bis 12 Jahre.  – 92 Punkte


2007 The Factor
(100% Shiraz) $125: Dieser 100% Shiraz stammt von sehr alten (80-100 Jahre) Reben, weist einen Alkoholgehalt von 14,9% und eine Säure von 7 Gramm/Liter auf; 40% neues Holz kamen beim Ausbau zum Einsatz. Ein sehr opulenter Wein, der mir in der Frucht ein wenig über den Punkt ist - da kommen die satten Früchte aus dem Rumtopf. Trotzdem sollte man diesen Stoff unbedingt probieren, denn das Bouquet ist berauschend ;-) – Potpourri von vielen duftenden Früchten, dazu Anklänge von Lakritze und rauchigem Speck. Am Gaumen ähnlich komplexe, satte/dicke Kompottfrucht, Anklänge an Espresso, Tabak, schwarzen Pfeffer, aber auch scharf vom Alkohol. Tiefe Frucht, voller Körper und viele weiche Tannine. Samtiger Stoff mit Rückgrad, massiv und voller Kraft, gute Länge. Bin gespannt, wie sich dieser Wein in den nächsten Jahren entwickelt. - 91 Punkte


2009 Les Amis
(100% Grenache) $187,50: Für mich war dies der beste Wein der gesamten Reihe, die ich an diesem Tag auf dem Weingut vor Ort verkosten konnte. Die Trauben stammen aus einem, im Jahr 1901 gepflanzten, Weinberg in Seppeltsfield. Per Hand wurde der 2009er Jahrgang am 9.April geerntet, anschließend lag er 7 Tage im offenen Zementfass auf der Maische, dann wurde er direkt für 18 Monate in neuem französischen Holz ausgebaut. Im Januar 2011 ohne Schönung und Filtration auf die Flache gezogen.  Die Farbe des Les Amis ist intensiv und glänzend. Dicht,  voll und tief sind sein Duft und der Eindruck am Gaumen - mit der nötigen Frische und ohne jegliche Überreife. Auffallend schön sind die zahlreichen feinkräutrigen und- würzigen Aromen, die sich mit der dunklen Frucht zu einem sehr komplexen Aroma verbinden, dazu passen die erdigen Anklänge (Holzkohle) hervorragend. Der hohe Alkoholgehalt von 15,2% ist sehr gut integriert; die zahlreichen Tannine sind Struktur bildend, weich und geschmeidig. Der Wein ist saftig, bestens balanciert und komplex - bis ins lange Finale. Lage für Lage öffnet sich dieser Wein dem Genießer und es fiel mir schwer an diesem Tag, das Glas aus der Hand zu geben, um den nächsten Wein zu verkosten. Macht jetzt richtig Freude; ich denke jedoch, dass der Wein mit dem Alter noch etwas an Komplexität und Eleganz zulegen wird. Teuer, ja – aber dieser Wein ist besonders!  - 97 Punkte


2007 The Pict
(100% Mataro) $187,50: Mataro ist die australische Bezeichnung für Mouvedre. Dieser reinsortige Mouvedre aus dem nicht so einfachen Jahr 2007 hatte es schwierig nach dem „Les Amis“, trotzdem hat er die „Situation“ gut gemeistert.  Ein Vorteil ist sicher, dass es sich hier um alte Reben (1927 angepflanzt) handelt, die auch in sehr trockenen Jahren ihr Auskommen finden (wobei in Australien zu 99,9% bewässert wird). Die Vergärung auf den Schalen fand über 7 Tage statt, die anschließende „Malo“ erfolgte direkt im Holz aus neuer, französischer Eiche. Die besten Fässer wurden nach 24 Monaten im Holz assembliert und auf die Flasche gezogen.  Tiefer Aromenansatz mit erdigen Noten, dem Duft von frischen Oliven und Sattelleder. Die Frucht ist aromenintensiv, etwas süßlich und  erinnert an roten und schwarzen Beeren. Am Gaumen einerseits dicht und fruchtig, andererseits mit einer gut erkennbarer Tanninstruktur, die etwas rauer wirkt als bei den Shiraz dominierten Weinen aus gleichem Hause. Ein reinsortiger, mittelgewichtiger  Mouvedre, der so immer noch recht selten zu finden ist; ich empfehle diesen Wein in eine Probe mit seinen „Schwestern und Brüderns“ aus Frankreich und Spanien zu stellen. Richtig schöne Länge, die ihn abhebt. Hat das Potential für weitere Jahre. – 91 Punkte


2008 Descendant
(92% Shiraz, 8% Viognier) $125: Dieser Wein stammt aus einem hauseigenen Weinberg, der 1994 mit Material (Ablegern) aus dem Run Rig Weinberg bestockt wurde. Die Viogniertrauben stammen aus der gleichen Anlage. Der Saft der Viogniertrauben wird bereits mit den Shiraztrauben „co-fermentiert“ und anschließend als Cuvee im Holz gemeinsam ausgebaut. Die mit Run Rig – über 30 Monate - erstbelegten Fässer finden hier für 18 Monate ihre weitere Bestimmung.
Die 2008er Ausgabe des Descendet ist ein „halbstarker Junge“, einerseits saft-und kraftvoll, andererseits mangelt es ihm für richtig große Weihen an Charakter und Intelligenz. Eine dunkle Beerenfrucht, Pflaumen, etwas Kaffee und dezent erdige Noten sowie ein voller Körper stehen ebenso auf der Habenseite dieses Burschen, wie die saftige Frucht und eine ordentliche Länge. Aber er wirkt  – trotz der weichen Oberfläche seiner Tannine – irgendwie etwas ungehobelt und ein bisschen zu breit. 2008 war ein weiteres heißes Jahr und so wundert es denn auch nicht, daß man dies im Glas schmecken kann.  Ich bin gespannt, wie der Wein in ein paar Jahren sein wird, denn das Hause Torbreck gibt an, dass der Wein entweder in den ersten 6 Monate nach dem release (mit ausreichender Zeit in der Karaffe) oder  dann erst wieder nach 5 Jahren Lagerzeit im Keller ins Glas kommen sollte.  - Aktuell 91 Punkte


2007 Run Rig
(98% Shiraz, 2% Viognier) $225:  Zum Ende der ausführlichen Probe im Weingut Torbreck kam der langjährige Star des Weingutes ins Glas und ich war sehr gespannt. $ 225 für eine Flasche Shiraz sind schon eine Hausnummer, andererseits war dieser Wein noch nie billig (für unter 100 Euro habe ich ihn selbst vor 10 Jahren nicht gesehen) und die wenigen Beeren aus den ältesten Shiraz-Reben Australiens sind etwas Besonderes.
Der 2007er Jahrgang bescherte dem Team um David Powell einige Herausforderungen. 2007 war in Australien eines der schlimmsten Dürrejahre innerhalb einer 9-jährigen Trockenperiode (2000-2008), die es zu überstehen galt.  Die signifikante Trockenheit lies  Laubwände nur eingeschränkt wachsen und die Versorgung der Rebe mit Nährstoffen war ebenfalls negativ beeinflusst. Die Folge waren sehr kleine Erträge.

Die Parzellen für den Run Rig sind über das gesamte Barossa Valley (mit Weinbergen  in Marananga, Greenock, Moppa, Gomersal, Kalimna & Ebenezer) verteilt und mit super alten Reben (weit über 100 Jahre) bestockt. Mit diesen Anlagen hatte man noch die besten Chancen den widrigen Bedingungen des Jahrgangs zu trotzen.

Sehr tief und voll in der Farbe fließt der Run Rig ins Glas, der aufsteigende „Duftstrom“ ist intensiv und überaus ansprechend. Ein Potpourri an Früchten (erstaunlich kühl), bestens vermählt mit Noten von Leder, schwarzem Tee, Mokka, Früchtebrot und erdigen Noten. Der Wein besitzt einen vollen Körper und ist nachhaltig mit Tannin ausgestattet, welches samtig und poliert auf der Zunge liegt. Bei aller Dichte und Intensität wirkt der Wein  zu keiner Zeit überreif oder  schwer.
Der Wein braucht noch ein wenig Zeit, um seine volle Klasse auszuspielen. Er hat viel Potential für ein langes Leben und mit weiteren Jahren der Lagerung wird er an Differenziertheit und Eleganz zulegen. – Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht, denn 15,35% Alk.  sind eine recht hohe Marke und manchmal frisst der Alkohol die Frucht. Auf der anderen Seite hat der Wein eine wirklich schöne Säure, labortechnisch stehen 6,79 Gramm bei einem PH-Wert von 3,58 zu Buche. Bei allen Zahlen soll nicht unerwähnt bleiben, dass das  Finale lang ausfällt und mir mit seiner Betonung auf Obst(kuchen mit Mürbeteig) besonders gut gefällt.  – 95 Punkte


 

 

Dienstag, 07.02.2012

Down Under Cellar doors – ich bin da mal hin...Tag 1


Nein, nein, keine Weinreise, aber in 7(!) Wochen Australien kommt man bzw. ich nicht daran vorbei, das außerordentlich freundliche und großzügige Angebot vieler Kellereien anzunehmen, einfach vorbeizuschauen, um die aktuellen Weine zu verkosten und gegebenenfalls auch zu kaufen – „open cellar door“ nennt sich das ganze und ist ein Teil des australischen Weinbusiness. Die für mich eher unverständliche Seite ist jedoch, dass der Begriff „open cellar door“ eher eine Irrleitung ist, denn in die wenigsten Keller kommt man wirklich rein. Hier gibt man sich eher zugeknöpft und ich frage mich:  warum eigentlich ...? Doch der Reihe nach.....

Kaum gelandet (und nach über 30 Stunden Flug- und Aufenthaltszeit an den Flughäfen in London und Hongkong auch ziemlich zerrupft und k.o.) will ich nicht gleich ins Bett, um so dem jet lag ein Schnippchen zu schlagen. Ich beschließe den Tag (es ist 8.00 Uhr morgens) noch „dranzuhängen“ und etwas zu unternehmen, um gegen meine Müdigkeit anzukämpfen. Also rein in den Mietwagen, Koffer im Hotel abgestellt, noch kurz frisch gemacht und los geht’s: Das Barossa Valley ist die in Deutschland bekannteste Weinregion, wenn es um australische Rote geht - und nur 50 km nördlich von Adelaide. Als die zarten Hügel näher kommen und ich anschließend durchs Valley fahre, bin ich erstaunt, wie eng alles beieinander liegt. So klingende Namen wie z.B. Greenock Creek, Torbreck oder das Barossa Valley Estate findet man alle in einer Strasse, der Seppeltsfield Road.

Barossa Valley Estate; da ich - in kleiner Runde - im letzten Jahr eine schöne Vertikalprobe des E&E Black Pepper Shiraz gemacht habe und gerade die älteren Jahrgänge mich voll überzeugt haben, wähle ich die Kooperative des Barossa Valley Estate als Startpunkt meiner australischen Weinentdeckungsreise.


Los geht’s mit einem jahrgangslosen N.V. Sparkling Shiraz für $20 die Flasche (bitte bei allen Preisen beachten, dass in Australien auf jeder Flasche Wein 39% (ja, ja richtig gelesen, 39%) Steuern lasten. Doch dieser Stoff überzeugt mich auch gekühlt nicht, das ist ein sauberer, fruchtiger, recht süßer sparkling wine, der etwas plump und schlecht geschminkt daher kommt. - 79 Punkte.


Nicht viel besser ist der 2010 E Bass Eden Valley Riesling ($18). Dieser Riesling kommt aus dem Eden Valley, dass bei den meisten als Teil des Barossa geführt wird, aber eigentlich eine eigene Weinbauregion ist, denn hier liegen die Weinberge auf einer Höhe von 400-700 Metern und unterscheiden sich klimatisch doch recht deutlich von dem wärmeren Kleinklima des übrigen Barossa Valley. Das sogenannte cool climate des Eden Valley zeigt sich insbesondere in der starken Tag-/Nacht Abkühlung mit Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad Celsius. Ein in der Nase eher verhaltener Riesling, der am Gaumen eine gewisse Sortentypizität zeigt, eine ordentliche Säure mitbringt, sauber gemacht ist, aber mehr auch nicht. – 82 Punkte.


Völlig überrascht bin ich von einem kühl servierten 2009 Entourage Grenache ($24), der nur an der Kellertür verkauft wird, ein eher leichter bis mittelgewichtiger, frischer Grenache, mit einer schönen Frucht, einer aromatischen Sortentypizität und reichlich Trinkspaß. Pur, frisch und gut. Gute-Laune-Grenache für den lauen Sommerabend. - 83 Punkte.


Den internationalen Lecker-Schmecker-Bauernfänger-Markt im Visier hat der 2007 E Bass Shiraz Tempranillo ($20); ein mit amerikanischem Holz und entsprechenden Vanillenoten getrimmter Fast-Spanier - weich, saftig, rund und schmackhaft. Verkauft sich sicherlich gut, ein erfolgreicher Mitläufer, leider jedoch ohne eigene Persönlichkeit. - 83 Punkte.


Der mittleren Preislinie entstammt der 2007 Ebenezer Shiraz ($35) – ein ordentlich strukturierter Shiraz, mit einer guten, frischen Säure. Vom Körper eher noch mittelgewichtig. Die Fruchtaromen wirken auf mich leider ein wenig gekocht, dafür sind die Tannine schön mürbe und gut eingebaut. Insgesamt nicht zu schwer. – 86 Punkte


Aus der gleichen Linie und dem selben Jahr stammt der 2007 Ebenezer Cabernet Sauvignon ($35). Ein jetzt trinkfertiger Cabernet, mit schönen, polierten Tanninen, einer angenehmen Frische und Aromen von schwarzen Johannisbeeren, Lakritze und einer gut erkennbaren Mint-Note. Ein wenig mehr aromatische Tiefe und Komplexität und schon würde dieser eher kühle, schön zu trinkende Cabernet an die 90er-Marke anklopfen. – 87 Punkte.


Eine beachtliche Schippe obendrauf legte der 2006 E&E Black Pepper Shiraz ($90) – ein feinwürziger Shiraz, mit einem Touch weißen Pfeffer. Am Gaumen vielschichtig und mit aromatischer Tiefe; die Tannine geben dem Wein Struktur, sind aber weich und - gemeinsam mit der schönen, saftigen Frucht von dunklen Beeren ergibt sich ein stimmiges Bild. Trotz seiner 15% Alc. wirkt der Wein gut balanciert und entwickelt eine gewisse Eleganz – 92 Punkte


Zum Abschluss gab es noch einen 2005 E&E Black Pepper Sparkling Shiraz ($50) - dieser nach der Champagner-Methode bereite sparkling wine entstammt einer kleinen Partie des E&E Black Pepper Shiraz, die jedes Jahr „zur Seite gelegt“ wird. Überraschend trockener, recht reicher, aber auch frischer und eleganter sparkling Wein, der mir gut gefällt, da er eine ausdrucksvolle Fruchtigkeit mit einer gewissen Noblesse und Feinheit zu verbinden weiß, die ich einem Shiraz basierenden Sparkling nicht zugetraut hätte. – 88 Punkte.


Montag, 30.01.2012

2005 Spätburgunder Devonschiefer, Weingut Kreuzberg - Ahr

87 Punkte - Ich bin während meiner Düsseldorfer Zeit immer wieder gerne zu den Kreuzbergs an die Ahr gefahren. Ein herrlich unkompliziertes Weingut im Umgang mit seinen Gästen (Burschenschank) und Weinkäufern. Vom Devonschiefer ist es leider die letzte Flasche, aber:

Auch in 2012 noch herrlich zu trinken, ich würde sagen, dass er erst jetzt in seine Genussphase kommt. In der Nase rauchig, ein Touch von Speck, recht würziger Duft. Das große Bordeauxglas von Zalto füllt er schön aus. Am Gaumen kühl und mineralisch, dazu gesellt sich eine schöne Frucht,die an Kirschen, Hagebutten und andere rote Früchte erinnert. Der rauchig, speckige Touch aus dem Holz steht leider etwas vor, vielleicht hätte ein etwas geringeres Toasting des Fasses dem Wein nicht geschadet. Ordentliche Länge.

Für mich der richtige Wein zu später Stunde, nicht so mächtig, aber gut strukturiert und mit Druck. So läßt sich an Teil 2 & 3 der großen big five - Verkostung gut arbeiten. Die Gedanken sind zwar bei Chateau Latour und Margaux, aber die Zunge freut sich enorm über diesen schönen dt. Spätburgunder.

Montag, 02.01.2012

2003 Château Leoville Barton - St.Julien


96 Punkte - Lange Jahre war Anthony Barton, Eigentümer des Weinguts Leoville Barton, für mich so etwas wie die Garantie, dass klassische Werte im neuen Zeitalter des Bordeaux-Monopoly nicht untergehen. Beim Stil seiner Weine wird das jedes Jahr aufs Neue deutlich, bei den Preisen ist er wohl spätestens mit dem Jahrgang 2010 – zumindest partiell - den Verlockungen des Marktes erlegen. Der 2003er ist für mich noch so etwas wie der Preis-Leistungs-Sieger in seinem Jahrgang.

Der 2003er Léoville Barton verbindet Saft, Kraft mit aromatischer Tiefe und Eleganz nahezu vorbildlich. Die Nase ist aromatisch dicht, vielschichtig, dunkelbeerige Aromen, Kohle, Waldboden, Cassiscreme, dazu Anklänge an Leder und feinen Tabak. Am Gaumen bestens strukturiert: viel vollreifes und edles Tannin, druckvoll und sehr tief. Die Aromatik kann man als eher dunkel und maskulin umschreiben, wobei die feinsaftige Frucht viel Druck entfaltet und der ausgesprochen gelungene Holzeinsatz einen tollen Rahmen um dieses schöne Kunstwerk bildet. Der Wein ist jetzt in einem ersten Trinkfenster, wobei er sicherlich an Differenziertheit und Eleganz noch eine Spur zulegen kann. Mein Tipp auch hier: eine Flasche jetzt verkosten und dann selbst entscheiden, ob man liegen lässt oder den jugendlichen Verlockungen erliegt.

2003 Château Leoville Las Cases - St. Julien


90 Punkte - Leoville Las Cases gehört nicht nur für mich zu den Klassikern im Bordeaux. Entsprechend sind auch die Preise. Diese 2003er Ausgabe ist jedoch eher ein Neue Welt Wein  als ein klassischer 2ème Grand Cru. Die Cuvee, bestehend aus ca. 70% Cabernet Sauvignon, 17% Merlot und 13% Cabernet Franc ist ein erstaunliches Ergebnis in vielerlei Hinsicht. Trotz des Hitzejahrgangs hat der Wein (vgl. Robert Parker) mit 13,2% Alkohol weniger Umdrehungen als der Jahrgang 2002, der bekanntlich einen eher durchschnittlichen Witterungsverlauf aufwies. In der Nase dominieren Aromen von dunklen Beeren und Pflaumen, kombiniert mit einer leicht laktischen Note, man könnte auch von Waldbeeren in Joghurt sprechen. Am Gaumen recht saftig, deutliche Extraktsüße;  runde und eher weiche Tannine; sehr dicht; kräftiger Körper mit weicher Oberfläche. Trotz aller Süße und Saftigkeit kann man nicht von einem fetten oder gar überextrahierten Wein sprechen. Der Wein wirkt auf mich irgendwie geschminkt, aber es ist keine dralle Lady, die zu viel Speck auf den Rippen hat, und trotzdem empfinde ich einen Mangel an Struktur und Definition. Der 2003er Leoville Las Cases wird trotzdem seine Liebhaber finden, denn er ist einfach zu verstehen und auf Grund seiner fruchtigen Süße, seiner hinreichend aufgelegten Schminke (und nicht jeder empfindet eine "falsch" gewählte Farbzusammenstellung so wie ich), ist er vielleicht sogar „mehrheitsfähig“. Ich weiß nicht, was hier im Keller gemacht wurde, aber dieser Wein ist für mich ein Produkt der Kellertechnik, ihm mangelt es an Ursprünglichkeit, Individualität und der femininen Eleganz, die ich bei großen Leoville Las Cases Weinen häufig empfinde. Ich bin gespannt, wie sich dieser Wein entwickeln wird, seinen ursprünglichen Subskriptionspreis von ca. € 145,- kann ich genauso wenig verstehen wie den Winespectator, der ihm 97 Punkte zuspricht. Selbst der Beschreibung von Parker (der ihn immerhin von 94-96 auf 93 Punkte abgewertet hat), kann ich nicht zustimmen, denn er ordnet ihn immer noch unter den besten Weinen des Jahrgangs ein.

Donnerstag, 29.12.2011

2003 Chateau Duhart-Milon Rothschild – Pauillac


94 Punkte - Einen wunderbaren Auftakt bildete an diesem Abend der 2003 Duhart-Milon Rothschild. Duhart-Milon gehört heute zum Imperium der Domaines de Barons Rothschild und segelt aktuell im Windschatten des großen Bruders Lafite Rothschild sehr erfolgreich auf der Welle des wirtschaftlichen Erfolgs mit. Eigentlich hat man bei Duhart-Milon den Windschatten nicht nötig, denn das, was da im Glas war, ist richtig toller Stoff – klassisch und sehr genussreich.


Bis zum Jahr 1962 war Château Duhart-Milon - seit über 100 Jahren – im Eigentum der Familie Castéja. Mehrere Erbteilungen führten bis dato zu einer Aufsplitterung der Weinberge und zu einem Qualitätsverlust bei den Kellerergebnissen. Als die Rothschilds das Chateau im Jahr 1962 aufkauften, umfasste das Gut nur noch 17 Hektar. Man beschloss umfangreiche Investitionen, die Château Duhart-Milon wieder zu seiner alten Größe verhelfen sollten. Die Weinstöcke wurden in 1963 fast vollständig erneuert, dazu kamen neue Weinlager und Gärkeller in Pauillac.

Es ist für mich immer schwierig, wenn mich jemand fragt: Was ist ein klassischer Bordeaux oder noch schlimmer, was ist ein klassischer Pauillac? – jetzt habe ich eine Antwort: „Trink einen Schluck Duhart-Milon Rothschild 2003!!“ Wie ich auf der Webpage von Barons de Rothschild jedoch feststellen musste, hatten diese Idee jedoch schon andere vor mir: „Der Grand Vin des Château Duhart-Milon wird oft als klassisches Beispiel der Herkunftsbezeichnung Pauillac bezeichnet. Er zeugt von einer „zurückhaltenden Vornehmheit und von großem Raffinement“, so die Beurteilung des Agenten Abraham Lawton, der dem Wein im Jahre 1815 „eine große Bestimmtheit und einen ziemlich ausgeprägten Saft“ bescheinigt. (Der „Saft“ der Premiers Crus des Médoc wird auf schöne Weise mit dem Geruch verglichen, „der sich im Raum verbreitet, wenn man einen Siegellack erster Güte verbrennt.“)“ – Wie toll, dass diese Einschätzung fast 200 Jahre später immer noch ihr Gültigkeit hat.

Also - was hatten wir nun im Glas? Einen Wein, dessen Nase so betörend ist, dass es einem schwer fällt, das Glas abzusetzen. Herrliche „Bordeauxnase“, Aromen feinsten Tabaks, Mokka und getrocknete Kräuter. Dazu passen die Eindrücke von Leder, Paprika und Lakritze. Die ausdrucksvolle, feine Frucht verbindet sich mit den ätherischen Aromen und die feinen, weichen Tannine bilden ein hervorragendes Rückgrat für diesen bestens strukturierten, ausgewogenen und jetzt schon eleganten Bordeaux. Die feine Fruchtsüße wirkt – trotz einer auf Grund des Jahrgangs eher geringen Säure – fein und zieht sich durch bis in den schönen, ausgewogenen und langen Abgang. Insgesamt ein klassischer Bordeaux aus einem Jahrgang, der auf Grund seiner sommerlichen Hitze – häufig vollkommen zu Unrecht – mit „Trinkmarmelade“ gleichgesetzt wird. Aktuell ein wirklicher Trinkgenuss, Eile bedarf es jedoch keiner. Wer nur eine Flasche im Keller hat, sollte sie jetzt trinken. Warum? Jetzt kann man noch nachkaufen ;-) Wehmutstropfen dabei sind die davon gelaufenen Preise. In der Subskription mal für ca. Euro 25,- zu haben, dürfte es jetzt schwierig werden, ihn im Handel für unter Euro 100,- zu bekommen. Etwas günstiger vielleicht auf Auktionen.

So und So – kleine Bordeauxprobe 2003


In der Vorweihnachtszeit waren liebe Freunde zu Gast und der Abend war in Sachen Kulinarik „So und So“ – meine Küchenleistung kann ich wohl bei der Vorspeise noch als gut bezeichnen, aber beim geschmorten Ochsenschwanz wollte ich lieber in den Keller gehen, um das Ergebnis nicht länger mitansehen zu müssen. Die Schmorsoße, fruchtig mit Cranberries abgeschmeckt noch lecker, aber das Fleisch war weit davon entfernt „mürbe“ zu sein. Der gespendete Trost meiner Gäste half mir nur bedingt - ich glaube, jeder, der gerne in der Küche steht, wird das verstehen.

Aber auch beim Wein: So und So - ein gemischtes Bild. Thema des Abends war eine kleine Auswahl von Bordeauxweinen aus dem Hitzejahr 2003. Zwei Weine konnten klar mit den Vorurteilen aufräumen, dass in 2003 nur früh reifende Weine entstanden sind, die ein Mangel an Struktur und Eleganz auszeichnet. Andererseits gab es mit dem in der Subskription hochgelobten 2003 Château Leoville Las Cases auch genügend Diskussionsstoff. Die Weine:

2003 Château Duhart-Milon Rothschild

2003 Château Leoville Las Cases

2003 Château Leoville Barton

2003 Château Phélan Ségur

Samstag, 17.12.2011

BIG FIVE – Nashorn und Mouton (Teil 2)


2004 Chateau Mouton Rothschild

92 Punkte - Das ist ein Mouton!?  Ein junger Pauillac und so fruchtbetont, weich und mit seidener Oberfläche; auf mich wirkt der Wein eher wie ein sonnengereifter US-Bordeaux-blend a la Opus One. Diese Bemerkung bitte richtig verstehen, als Beschreibung, nicht als Kritik. Ich mochte diesen hedonistischen Stoff, den man etwas verkürzt so beschreiben kann: fruchtig, tief, dunkel und weich. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Frucht ist nicht nur dicht, sie ist überaus komplex und hat viele Facetten, da findet man Kirschen, rote Grütze, Pflaumen, aufregende Gewürze, wie Zimt, Nelken und einen Hauch von Orient. Die Anklänge an Kakao, verbunden mit einer schönen Extraktsüße haben mich wohl bewogen auf meinem Verkostungszettel "milky way“ zu notieren. Die fruchtige Kraft und Konzentration sind wirklich gut gemacht und bemerkenswert, denn der Wein wirkt trotzdem kühl, edel und elegant. Die Tannine haben einerseits eine schmeichelnde, weiche Oberfläche, aber andererseits durchaus Kraft und sind strukturgebend. Wer Parkers Notiz aus 2007 liest, muss annehmen, dass die Tannine einmal deutlich(!) heftiger wahrgenommen wurden, denn er attestiert dem 2004er Mouton eine: „impressive concentration, and a primordial backwardness that will require 10-15 years of cellaring, (…) but the biting tannins will preclude any enjoyable consumption over the next decade. Anticipated maturity: 2020-2035” Aus meiner Sicht ist der Wein jetzt in einer ersten, schönen Genussphase, über seine Zukunft zu spekulieren ist aber schwierig, dennoch sollten die nächsten 15-20 Jahre kein Problem sein.

 

1983 Chateau Mouton Rothschild

84 Punkte - Die Notiz zu diesem Wein fällt etwas kürzer aus, denn ich glaube, dass die Flasche einen Vorbesitzer hatte, der sie falsch gelagert hat.  Tiefer, dunkelroter Farbkern. Am Gaumen eine Mischung aus Sylvesterkracher (Schießpulver), Liebstöckel, Sauerkraut und Molke. Am Gaumen gewisse malzige Süße, die Säure steht dagegen etwas außen vor, wirkt sehr reif. Malz, Sojasoße, deutliche Tertiäraromatik. Nach kurzer Zeit im Glas fällt der 83 Mouton ziemlich schnell in sich zusammen. 

 

1998 Chateau Mouton Rothschild

96 Punkte - Für mich der einzig große Mouton an diesem Abend. Der Wein zeichnet sich durch eine sehr tiefe, edle und genießerische Aromatik in Nase und Mund aus. Reich, fest gebaut, hervorragend strukturiert und mit aromatischer Tiefe und Vielfalt drückt sich dieser tolle Bordeaux an den Gaumen. Saftige und konzentrierte dunkle Frucht; Duft von dunkler Schokolade, Cohiba-Zigarren, Lakritze, Espresso-Bohnen, Cassis sowie einem Hauch von Minze. Auffallend schön auch die feinsandigen Tannine, die komplexe Art und die tolle Länge des Weins. Ein Beau, der noch viele Jahre nachhaltig Freude und Genuss bereiten wird. Wer einmal Mouton Rothschild kennenlernen möchte ist mit diesem Jahrgang sicherlich gut bedient, denn Euro 300,- sind sehr, sehr viel Geld, aber man bekommt einen großen, klassischen Pauillac, der immer noch deutlich günstiger ist als Flaschen aus aktuellen Jahrgängen, bei denen man nicht nur Zeit mitbringen muss, sondern auch eine gewisse Portion Unsicherheit in den Keller einlagert. 

1979 Chateau Mouton Rothschild

91 Punkte - Die letzte Benotung von Robert Parker im Jahr 1998 mit 76 Punkten ist vernichtend für einen Premier Grand Cru Classé. Er schrieb in der 3.Ausgabe seines Bordeaux-Führers: „It is a high acid Mouton that has always been austere. (…) It is the tannin, acidity, alcohol, and wood that make up much of the uninspiring aromatics and flavors. The 1979 Mouton is an uninteresting wine that has no place to go.” Auch ansonsten ist der Jahrgang 1979 nicht gerade als Riesenjahr bekannt; Achim Becker (www.weinterminator.de) schreibt z.B. „Wer Weine aus 1979 sucht, muss dreimal hingucken. Zu heterogen war das, was in diesem Jahr erzeugt wurde.
In Bordeaux wurde die größte Ernte seit 1934 eingebracht.“ - Aber probieren geht eben doch über studieren und wer nicht wagt, der nicht gewinnt ;-))

In der Nase eine ausgeprägte Aromatik von getrockneten Kräutern und Wiesenblumen, ein nicht namentlich genannter Teilnehmer freute sich sichtlich, denn er meinte: „der riecht wie ein guter „Roter Libanese“, die ganz leicht harzigen Noten sind vergleichbar. Am Gaumen zeigt der Wein Anklänge an rote Früchte, Zigarrenkiste und feine Gewürzaromen (Muskatnuss); mich überzeugt er mit seiner Standhaftigkeit und der schönen Harmonie, die er inzwischen aufweist. Die Tannine sind ziemlich abgeschmolzen, die Säure passt sich aber gut ein und ist jetzt richtig gut zu trinken. Wichtig: Ein paar Stunden vor dem Genuss öffnen, gerade die etwas älteren Herren brauchen die Luft.

 

Montag, 12.12.2011

BIG FIVE – Nashorn und Mouton Rothschild (Teil 1)


Als vor zwei, drei  Wochen mein Freund Bernd aus Frankfurt anrief und mich fragte, ob ich nicht mal wieder Lust hätte nach Frankfurt zu kommen, man wolle sich jetzt, in der Weihnachtszeit um die BIG FIVE kümmern,  stand ich doch ziemlich auf dem Schlauch – was will er von mir?  Zwar möchte ich in Kürze nach Südafrika und so hatte ich auch schon von den BIG FIVE gehört - aber Löwe, Nashorn, Büffel, Leopard und Elefant in Frankfurt? Ein geplanter, gemeinsamer Zoobesuch - wohl eher nicht.

Völlig ahnungslos fragte ich nach, er solle etwas konkreter werden. Na, Mouton, Lafite, Latour, Haut Brion und Margaux eben.  Ach so, na klar, Mouton, Lafite, Haut Brion, Latour und Margaux – eben! Jeder bringt eine Flasche mit  und schon geht’s los. Angefixt war ich nun schon, man bekommt selten die Gelegenheit solche Pretiosen nebeneinander verkosten zu können und gerade in solchen Vertikalvergleichen liegt die Chance, wirklich etwas lernen zu können.  Aber nicht von jedem Weingut habe ich etwas im Keller, aber erst einmal zusagen und Lösungen wird es immer geben. Also Teil 1 der BIG FIVE war nun Mouton…

Mein persönliches Fazit: Alle haben Recht und probieren geht über studieren!!

Die Probe fand blind statt und keiner wusste (außer der selbst mitgebrachten Flasche) welche Jahrgänge angestellt worden sind. Auffallend bei vielen Mouton Jahrgängen sind die extrem (!) unterschiedlichen Bewertungen in der Weinliteratur, insbesondere Winespectator und Robert Parker haben sehr widersprechende Notizen veröffentlicht.

 

1990 Mouton Rothschild

89-93 Punkte – Jaaaa, grrrr, was für eine betörende Nase; so wunderbar tief, vielschichtig, fein und elegant(!!).  Feinste Röstaromen, edles Holz, ein Hauch animalisch. Ein sinnliches Erlebnis, man möchte gar nicht mehr aufhören zu riechen – und dann? Fast als wenn man es geahnt hätte, am Gaumen dann das abrupte Erwachen; Coitus interruptus sozusagen. Auf der Habenseite stehen zwar eine schöne Frische, angenehme, abgeschmolzene Tannine sowie eine noch recht jung wirkende Kirschfrucht und ein paar eher ungewöhnliche Aromen (wie z.B. nach Reisnudeln), aber insgesamt kommt der 90er Mouton nicht rüber, der Wein läuft irgendwie „durch“, es fehlt an Substanz. Die Säure steht außen vor und leider endet der Wein auch auf dieser. Meine Erstbewertung an diesem Abend waren 89 Punkte und die waren ausschließlich diesem unglaublich sinnlichen Duft gewidmet.  Doch es war nicht aller Tage Abend und wir rückverkosteten den Wein später noch zweimal – und jedes Mal wurden die Punkte mehr.  Nach dem ersten Durchstreichen standen dann 91 Punkte zu Buche, zum Ende wurden es dann noch 93 Punkte. Obwohl die Flasche schon ein paar Stunden vorher geöffnet worden war, legte der Wein mit mehr Luft (und Wärme) nochmals deutlich zu. Er entwickelte am Gaumen balsamische Noten, eine feine Süße (wo er die herholte, ist mir völlig rätselhaft) und irgendwie eine schöne, etwas laktisch wirkende Frucht, die mich an Heidelbeersahne erinnerte. Schade, dass schon so vieles getrunken war…

Zuletzt von Parker in 2009 mit 84 Punkten bewertet – da hat er dem Wein wohl nicht genug Luft gegeben. Der Wine Spectator hat in 2001 noch 97 Punkte vergeben, in 2005 waren es nur noch 87 Punkte – meine Meinung dazu: der Wein lebt!!

 

 

1992 Mouton Rothschild

89 Punkte - Diese Flasche war schon um 09.00 Uhr morgens geöffnet worden und vielleicht lag es an der ausreichenden Luftzufuhr, dass sich dieser 92er Mouton von Anbeginn in guter Verfassung präsentierte. Ich habe mir notiert: dunkle, angenehme Nase, mit schmeichelnden Mokkatönen. Am Gaumen ein klassischer Pauillac. Die schöne, recht ausgewogene Aromatik mit Noten von Cassis, Heidelbeeren sowie Kaffee und Graphit überzeugt mich. Die feine Süße und das reife Tannin runden das harmonische Geschmackserlebnis ab.  Kein wirklich großer Wein, dazu fehlt es ihm an Tiefe und Struktur, aber jetzt schön zu trinken (fast 12 Std. geöffnete Flasche). Kellerbestände sollten ausgetrunken werden.

Parker hat den 1992er mit 88 Punkten bewertet und ihm eine Genussphase bis 2004/2006 bescheinigt. René Gabriel prophezeite 1996: „Wenn Sie noch keinen 90er oder 89er Mouton im Keller haben, dann kaufen Sie jetzt sofort den 92er. Einen so billigen und doch relativ großen Mouton gab es schon lange nicht mehr und wird es vermutlich nie mehr geben.“ Irgendwie Recht hat er, der Herr Gabriel, vor allem, was die Preise angeht!!

 

1988 Mouton Rothschild

93 Punkte – Auch diese Flasche war bereits 12 Stunden vorher geöffnet worden und für mich war bei diesem 88er das im Glas, was ich mir unter einem Mouton vorstelle: Leichter Stinker zu Beginn, etwas animalische Noten, dann aber Frucht, edle Hölzer und etwas Kaffee.  Am Gaumen eine feine Würzigkeit, etwas Malz, wiederum edles Holz. Druckvoller Bursche, hat Substanz, Kraft und Struktur; wirkt maskulin. Feine, körnige Tannine, Graphitnote, schöne aromatische Tiefe, deutliche Cassis-Aromatik. Insgesamt beeindruckender Stoff, meine Hand geht massiv zum Glas. Entwickelt an diesem Abend eine schöne Süße, die mit zunehmender Luftzufuhr immer schöner wird. Vielleicht fehlt ihm das letzte Quentchen Eleganz, aber mir macht dieser 88er Mouton richtig Spaß und ich schwelge.

Vom Wine Spectator zwischen 92 und 100 Punkten (100 Pkt. in 1991 und 92 Pkt. in 2009) und von Parker nur zweimal in 1993 mit konsistenten 89 Punkten bewertet.

 

1970 Mouton Rothschild

93 Punkte – Wirklich schöne Nase, etwas animalisch, Leder, dezente Rauchnote, kräutrig-balsamische Eindrücke. Wirkt distinguiert, ein Wein zum Philosophieren. Am Gaumen tief und nachhaltig; feine Tanninstruktur (die Tannine wirken dabei immer noch erstaunlich jung). Kräutrige Aromen verbinden sich mit Noten von Cassis, Graphit und hochwertigem Holz. Anklänge von Pfefferminze und Eukalyptus. Schöne Nachhaltigkeit; richtig gute Länge – toller Stoff! Diesen Wein möchte man genießen und entsprechend braucht an Zeit, um sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Bei Nachkauf ist jedoch Vorsicht geboten. Angeblich sind sehr unterschiedliche Flaschen im Umlauf, so soll seinerzeit eine große Charge spekulativ aus den U.S.A. gekauft worden sein, die zwar ab Chateau versandt wurde, aber letztlich nicht abgerufen wurde. So hat der Container viel Zeit im Hafen in den U.S.A. verbracht und einen entsprechenden Hitzeschaden erlitten, bevor die Reise zurück angetreten hat.  

Der Wine Spectator hat beim 70er Mouton eine schöne Varianz in seinen Bewertungen, 1986 und 1991 mit 86 bzw. 84 Punkten bewertet, dann in 1993 bislang die letzte Bewertung: 96 Punkte !! Auch bei Parker ist die letzte Notiz schon veraltet, in 1996 gab es 93 Punkte.

Die Notizen zu den Jahrgängen 2004, 1983, 1998 und 1979 folgen bald.

Sonntag, 04.12.2011

2001 - 2010 Hubacker Großes Gewächs Vertikalverkostung, Weingut Keller - Rheinhessen


Das Weingut Keller ist  weltweit eines der bekanntesten Aushängeschilder für deutschen Riesling und in der Champions League internationaler Weine angekommen und etabliert. Wer jedoch die Möglichkeit hat, die handelnden Menschen dieses Weingutes kennenzulernen, wird sehr schnell feststellen, dass es ihnen nicht darum geht, „Star“ zu sein, sondern eher das Gegenteil der Fall ist, die Mitglieder der Familie Keller, die heute mit 4 Generationen Hand in Hand auf dem Weingut arbeiten, sind allesamt angenehm unaufgeregt und im besten Sinne bodenständig. Man spürt als Besucher des Weingutes Keller, dass hier ein jeder seiner Passion/Berufung folgt, die vier Generationen eint: Jahr für Jahr der Natur DEN besten Wein abzuringen.

Parallel pflegen die Kellers seit vielen Jahren den nationalen und internationalen Austausch mit anderen Winzern und man versucht das eigene Wissen an die nächste Generation von Winzern und denen, die es werden wollen, weiterzugeben – die talentierten Lehrlinge und Praktikanten kommen z.B. von der Mosel – oder aus Norwegen und Japan. Verbundenheit mit der eigenen Scholle und Berücksichtigung  regionaler Stärken stehen eben nicht im Widerspruch zu Internationalität und Weltoffenheit.

Die Geschichte des Weingutes Keller ist eng verbunden mit der Geschichte des Dalsheimers Hubackers. Die Keimzelle des Weingutes Keller wurde im Jahr 1789 von Johann Leonhard Keller erworben, der dieses besondere Stückchen Erde vom Andreasstift in Worms erwarb. Die 4,03 ha (bis 1971 als „Oberer Hubacker etikettiert) sind somit seit über 200 Jahren im Eigentum der Familie Keller. Dass dieses Stück bis heute ungeteilt im Familienbesitz verblieben ist, darf einer glücklichen „Familienplanung“ oder dem Zufall zugeschrieben werden, denn es gab bis zur 9. Generation immer nur einen männlichen Erben.

Unter Georg III, der fünften Keller Generation, wandelte sich der Hubacker in den heutigen, sanften Südost-Hang. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Hubacker ein Terrassenweinberg, auf dem es auch Buschwerk und offenen Felsen gab. Friedrich Heinrich, der Sohn von Georg III, machte in zwei Jahren die felsigen Abschnitte als Weinberg urbar, indem er schwere Felsbrocken sprengte. „Allein um die Felsen auf dem Hubacker beseitigen zu können, soll Friedrich Heinrich seine Sprengmeister-Prüfung gemacht haben. Weil Vater und Sohn von einem optimal nutzbaren Weinberg träumten, ebneten sie dann auch noch die Terrassen.“ (vgl. S. 153f., Junko Iwamoto, Kellergeschichten – Zwölf Monate auf dem Weingut Keller, 2.Aufl. ISBN 978-3-00-034169-4). Ein paar Jahre nach den Sprengungen konnte kein Wein gelesen werden und als endlich wieder daran zu denken war, wurde Erwin, der einzige Sohn von Friedrich Wilhelm und seiner Frau, in die Wehrmacht eingezogen.

1945 wurde das Haupthaus durch Bomben der Amerikaner zerstört und nach Kriegsende wurde der gesamte Wein, der im Keller des Weingutes lagerte, durch die französische Armee beschlagnahmt. Erst 1947 kehrte Erwin aus der Kriegsgefangenschaft  zurück, ein tschechischer Bauer hatte ihm bei der Flucht geholfen. 1948 heirate Erwin seine Jugendliebe, mit der er schon vor seiner Einziehung verlobt war und begann mit seinem Vater, dem Sprengmeister, das Weingut wieder aufzubauen. Aber da ein Übel selten allein kommt, hatte 1945 die Reblaus „Einzug“ im Hubacker gehalten. Glücklicherweise hat man sie frühzeitig entdeckt und der Schaden blieb eng begrenzt. Seit 1948 wurden dann Pfropfreben mit amerikanischer Unterlage gepflanzt und bis Anfang der 50er Jahre der Hubacker saniert. Mitte der 70er Jahre war der Hubacker nochmals in Gefahr, denn die geplante Autobahn A61 sollte direkt durch den Weinberg geführt werden. Doch Dank der Einwendungen der Familie und der regionalen Politik hatte man im Verkehrsministerium von Rheinland-Pfalz ein Einsehen und die lokale Weinkultur blieb erhalten, und so macht die A61 in Ihrer aktuellen Streckenführung von der Ausfahrt Worms nach Gundersheim eine Kurve – um den Hubacker  herum.

Heute liegt der Kellersche Teil des Hubackers  „in seinen niedrigsten Höhen 170 Meter und in seiner höchsten Erhebung 230 Meter über dem Meeresspiegel. Die maximale Hangneigung beträgt 28% (…). ‚Als ich jung war, hieß es in Rheinhessen, man sollte in Höhen über 200 Metern über dem Meeresspiegel besser keinen Wein anbauen. Im Süden der Pfalz gibt es Wälder, die den Wein in dieser Höhe schützen, aber in Rheinhessen nicht. Deshalb sind die Reben dem Wind ausgesetzt. Damals kühlte der Boden in der Höhe aus, weshalb dort kein guter Wein wuchs,‘ so Erwin.“ (vgl. S. 153f., Junko Iwamoto, Kellergeschichten – Zwölf Monate auf dem Weingut Keller, 2.Aufl. ISBN 978-3-00-034169-4).

Dem Hubacker und dem Weingut Keller hat der Klimawandel sicherlich geholfen, die Trauben im Hubacker reifen heute immer noch spät, aber sie erreichen eine bessere Reife und  aus dem einstigen Nachteil ist ein Vorteil geworden:  die kühlen Winde tragen heute dazu bei, dass man eine stärkere Tag-Nacht-Abkühlung hat, was einer guten Säureausbildung helfen dürfte. Unterirdisch erstreckt sich im Hubacker  eine große Platte von gelbem Kalksteinfels, darüber liegt ein tonhaltiger Boden mit Humusschicht. So wird das Regenwasser gehalten und selbst in heißen und trockenen Sommern kommt kein Trockenstress auf.

Interessanterweise stammen sämtliche Rieslingklone des Hubackers von der Saar. Bis in die 70er Jahre gab es auf dem Weingut Keller kaum Riesling, erst mit der Hochzeit von Klaus Keller mit Hedi, einer Winzertochter von der Obermosel kam die Begeisterung für Riesling in die Familie Keller. Die – inzwischen leider verstorbene – Frau von Klaus Keller und Mutter von Klaus Peter Keller besuchte die Weinbauschule in Trier und arbeitete anschließend in dem der Weinbauschule angeschlossenen Institut zur Selektion von Klonen.

Auf Grund der gemeinsamen Liebe zum Riesling beschlossen Hedi und Klaus Keller nunmehr Riesling im Hubacker anzupflanzen. Der erste Versuch mit Rheingauer Klonen scheiterte jedoch, die Weine entsprachen nicht den gemeinsam gesteckten Zielen. Hedi Keller konnte nun ihren Mann überzeugen, Klone zu pflanzen, die sie bereits aus Ihrer Arbeit am Institut in Trier kannte. Das Ergebnis: Heute stammen sämtliche Reben im Hubacker von Saar- Selektionen, die aus  alten Beständen der Oberemmeler Hütte und dem Scharzhofberg – gemeinsam von Hedi Keller und Eberhard von Kunow (Weingut von Hoevel) - selektioniert wurden.

Vor 10 Jahren, im Jahr 2001, hat Klaus Peter Keller  (die 9.Generation der Familie Keller im Weingut)  erstmals die Vinifikation des Jahrgangs übernommen und so auch das Ergebnis des Großen Gewächses aus dem Hubacker zu verantworten. Ich war sehr gespannt, wie sich diese 10 Jahrgänge - im Vergleich einer Vertikalverkostung - nebeneinander präsentieren werden.

Selten ist mir ein Fazit über 10 Jahrgänge leichter gefallen, als nach dieser Verkostung: Alle Weine haben eine unglaubliche Kraft und innere Spannung, sie eint die vom Kalkstein geprägte Mineralik. Die Säure ist stets perfekt integriert und mich hat vor allem die sehr klare und präzise Definition überzeugt, am besten zu vergleichen mit dem austrainierten Körper eines Balletttänzers oder einer Skulptur eines Athleten der frühen olympischen Spiele in Athen.  

Auffallend auch die hervorragende Alterungsfähigkeit, wir hatten 10 aufeinander folgende Jahrgänge am Tisch, aber eine Alterung zwischen den Jahrgängen ist kaum feststellbar, selbst der 2001 zeigt eine Frische und Lebendigkeit, die viele, wesentliche jüngere Große Gewächse nach 3 oder 4 Jahren schon nicht mehr vorweisen können.

Da das Wetter zur Zeit so schön kalt und klar ist, habe ich sämtliche Flaschen 2 Tage auf dem Balkon stehen lassen und die Weine nochmals nachverkostet. Überzeugendes Ergebnis: alle Weine noch intakt, insbesondere die jüngeren Jahrgänge zeigen teilweise noch deutlicher, was in ihnen steckt, aber auch der 2004 braucht die Zeit. Wer die Zeit und die Muse hat, sollte den Hubackers von Keller mindestens viel Zeit im Keller geben, sie reifen nicht nur perfekt, sie brauchen das Lager im Keller, um ihre Finesse und Eleganz überhaupt ausspielen zu können.  Vom Stil gibt es einen Ausreißer für mich im Gesamtkontext dieser 10 Jahre Hubacker GG – der 2005; doch dazu gleich mehr.

Dankenswerter Weise hat Klaus Peter Keller mir zu jedem Jahrgang eigene Informationen zur Verfügung gestellt, die nachfolgend meine Verkostungseindrücke jeweils einleiten.

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Mittwoch, 09.11.2011

2009 Prestige des Hautes Garriques, Domaine Santa Duc - Gigondas



95 Punkte - Nachdem ich vor Kurzem den 2001 im Glas hatte und ihn mehr als prächtig fand, kam ich nicht vorbei aus dem hervorragenden Jahr 2009 ein paar Flaschen zu kaufen. Ungeduldig habe ich nun eine Flasche "aufgerissen" ....und, und, .... Resultat ???

 .... das haut den stärksten Bär um. Ein mächtiger Stoff: massives Tannin, Tonnen von Frucht, Mega-Struktur und geile Konzentation. Das ist die Kurz-Zusammenfassung, aber wer sich bei aller Kraft und power ein wenig Zeit nimmt und nicht gleich unentwegt die Hand zum Glas gehen läßt (mit fatalen Folgen bei 15,5% Alkohol auf dem Etikett und lt. Parker 16,5% "natürlichem Alkohol"), der empfängt auch die Zwischentöne und bekommt eine erste Idee davon, wie sich dieser Wein mit zunehmendem Alter entwickeln wird.

Heute sind die Fruchtnoten von dunklen Beeren, Wacholder, geräuchertem Speck und Dänischer Lakritze das "overriding principle"; der Wein ist ungemein druckvoll, etwas süß-bitter und einfach unglaublich saftig. Doch bei aller power, hat er bereits jetzt eine gewisse Kühle (Menthol) und ja, auch Eleganz, die ihn besonders macht und aus der "peer group" herausragen läßt.

Grundlage dieses Traumstoffs sind alte Grenache-Reben in der Kernlage des Weingutes: "Hautes Garriques", die 80% des Weins bestimmen, daneben geben 15% Mourvèdre Struktur und 3% Syrah sowie 2% Cinsault runden das Bild ab. Der Wein kam unfiltriert auf die Flasche, vorher lag er 24 Monate im Holz, davon waren ca. 20% neue Fässer. Wie man bei 2 kompletten Monaten Maceration so massive Tannine in den Wein bekommt, kann ich mir noch vorstellen, aber wie man sie andererseits so bändigen und "weichzeichnen" kann, bleibt wohl das Geheimnis von Yves Gras.

Es war toll, diese Flasche so jung getrunken zu haben, aber die verbleibenden gehen in eine dunkle Kellerecke und werden frühestens in 5,6 oder 7 Jahren mal wieder rausgeholt. Euro 32,- sind alles andere als ein Pappenstiel, aber der Wein ist es wert!!!! 

Donnerstag, 03.11.2011

2008 Schioppettino, La Tunella - Friaul


90 Punkte - Saulecker !!! Ich habe selten einen Wein getrunken, bei dem meine Hand so schnell immer und immer wieder zum Glas ging; ein Trinkfluss - wow.

Der Wein entstammt der autochthonen Rebsorte Schioppettino. Im Weingut La Tunella (bitte unbedingt die wunderschön gestaltete webpage www.latunella.it anschauen) werden die Reben im Juni massiv ausgedünnt; die Lese erfolgt von Hand und anschliessend werden die geernteten Trauben in Kisten leicht angetrocknet. Dann werden die Beeren entrappt, natürlich vergoren, um anschliessend etwas mehr als 2 Jahre in französischem Holz zu reifen. Das Ergebnis ist dieser köstliche Stoff, der eine hohe Frische mit eiener herrlich saftigen Frucht verbindet. Im Glas habe ich 14,5% Alk., aber der Wein wirkt leichtfüssig, frisch und elegant. Aroamtisch ist das eine Mischung aus Waldbeerengelee; Kirschsaft; feinen, etwas orientalisch angehauchten Gewürzen, frischem Pfeffer und einem Hauch verbrannter Erde. Ich kann jeden verstehen, der hier eine gewisse Ähnlichkeit mit Hermitage-Weinen zum Besten gibt. Ich freue mich immer sehr, wenn mir solche Weine angeboten werden, die einerseits eigenständig sind, aber andererseits das Spezielle nicht zum Selbstzweck wird, sondern die einfach viel Spaß und Genuss bereiten. Es gibt sicherlich aristokratischere und erhabenere Weine, aber dieser REbsaft ist einfach saulecker. 

Quell dieser Freude war heute Mario Zini, Chef vom Restaurant La Scala in Hamburg- Eppendorf. Meine geschmorte Kalbsbacke harmonierte perfekt zum Wein.

Sonntag, 11.09.2011

1991 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Charta, Georg Breuer - Rheingau


85-89 Punkte -  Dieses Wein-Sammelstück wird bis heute jedes Jahr mit einem anderen, besonderen  Künstleretikett auf den Markt gebracht. Das Etikett für den überaus schwierigen Weinjahrgang 1991 gestaltete Marrku Hakuri, der 1946 in Finnland geboren wurde. Das Bild auf dem Etikett trägt den schönen Titel "Der frohe Klang vom Wachsen der Trauben"

Doch alle Kunst hilft nicht, wenn der Inhalt im Glas nicht stimmt und selten war ich so indifferent bei der Punktevergabe wie bei diesem 91er Riesling. Einerseits ist dieser mit nur 10% Alkohol daher kommende Riesling kaum gealtert, er zeigt nur einen Hauch von Firne, dazu schöne Citrusnoten (von Pampelmusen und Pomelos), Eisenkraut und Pfirsichen. Insgesamt sehr klar und rein, der Wein wirkt für sein Alter sehr frisch. Die Frische entstammt jedoch einer Säure, die den Wein bis heute zusammen gehalten hat, die aber auch als "krass" bezeichnet werden kann. Mal war mir die Säure einfach nur zuviel, in einem anderen Moment fand ich sie dann doch erträglich und den Wein ausdrucksvoll, frisch und durchaus elegant.

Samstag, 03.09.2011

2001 Prestige des Hautes Garrigues, Domaine Santa Duc - Gigondas


94 Punkte - Das ist purer, maskuliner Stoff und damit ungeeignet für Schönwettertrinker, Parkscheinholer, Sauna-Untensitzer, ADAC-Goldkarteninhaber, Babybrei-Reste-Esser, Bei-Mutti-Wäsche-waschen-Lasser, Comicsocken-Träger, Duschgel-Vorwärmer, Elektrorasierer, Fettaugen-aus-der-Suppe-Löffler, Fußföner, Gesundheitsballhocker, Handschuh-Schneeballformer, Im-Bett-Sockenträger und andere Weicheier.

Diese Cuvee aus überwiegend Grenache und etwas Mouvedre stammt heute von über 80 Jahre alten Reben mit Kleinsterträgen - Das ist purer Stoff, ungemein kraftvoll, maskulin und zupackend. Noten von getrockenten Kräutern, Schwarzkischen, Creme de Cassis, Moschus und anderen "Herr-lichkeiten".

Ein Schluck und ich kann die Hand nicht mehr vom Glas nehmen, so saftig, kraftvoll, widerstandsvoll, zupackend, anregend, und mineralisch ist dieser Stoff. Schwarzkischen, ein Hauch Vanille, getrockente Kräuter der Provence - 15% Alkohol und trotzdem kein "Sattmacher", sondern ein Wein, der animiert und die Hand zum Glas gehen läßt. Die wunderbar gereiften Tannine geben Struktur, die Säure ist perfekt und  kombiniert mit der vielschichtigen Frucht entsteht ein großartiger Gigondas... ein Stoff aus dem Helden gemacht werden. Jetzt perfekt zu trinken, aber sicherlich die nächsten 5 Jahre ebenfalls großartig, hat das Zeug zum Langstreckenläufer.

Donnerstag, 04.08.2011

2006 Quasaar Riesling, Weingut Herrenberg / Loch - Saar


88 Punkte

- Was für ein kraftvoller, feinherber Stoff, hier ist ordentlich Riesling im Glas - einfach ein Maul voll Wein. Herrliche Pfirsichfrucht, angereichert mit einer angenehmen Honigsüße, mit schönem Säure-Süße-Spiel und einer deutlichen Mineralik. Die Botrytis ist gut eingebunden und verleiht dem Wein eine tragende Säule. So etwas macht richtig Freude und belehrt mich mal wieder eines Besseren, dass auch in wirklich kritischen Jahrgängen tolle Weine produziert werden können. Ich finde das "Teil" so schmatzig, schmelzig, dicht und - doch, ja, ja - auch fett, aber er ist nicht breit und langweilig, sondern durch seine Säure und Mineralik durchaus fordernd und läßt die Hand zum Glas gehen. Wer die Erbtante bestechen will - hiermit gelingt es - versprochen.
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Mittwoch, 20.07.2011

Beaujolais Villages Le Rang du Merle und Brouilly Cuvee des Fous, Jean-Claude Lapalu - Beaujolais



eigentlich wollte ich die letzten Tage vermeintliche Jahrgangsproblemflaschen aus dem Beaujolais vernichten, doch ich wurde mehr als positiv überrascht.

 2004 gilt nicht gerade als Topjahrgang und in der Vergangeheit war ich von meinen Vor-Ort-Einkäufen auch nicht mehr sonderlich überzeugt, denn irgendwie waren die 04er von diesem Weingut immer ein wenig garstig, unausgewogen und deutlich hinter meinen Erwartugnen zurückgeblieben.

Doch das ist nun völlig anders. Ich hatte zwei wunderbare Weine im Glas, die beide eine tolle Frucht zeigen und herrlich "im Trunk" sind - wie das Herr Kössler stets so schön formuliert. Das Holz ist zu erkennen, jedoch bestens integriert. Beide Tropfen sind unglaublich trinkig und es fällt mir sehr schwer die Hand vom Glas zu nehmen. Im Stil sind und bleiben sie ungewöhnlich für Beaujolais, aber eine eigene Handschrift ist auch die Maxime des Hauses, denn im barrique wird im Beaujolais immer noch wenig ausgebaut, die Maischestandzeiten sind wohl mit die Längsten in der ganzen Region und die Reben gehören zu den ältesten, die es heute vor Ort noch gibt.  Was hatte ich im Glas??

Gestern einen 2004er  Brouilly Cuvée des Fous von Jean-Claude-Lapalu, eine Schatz an feinfruchtiger Süße und Eleganz, saftig und ausgewogen. Jetzt in der Blüte seines Weinlebens, mit allem ausgestattet, was zu einem hedonistischen Wein gehört. Besonders gut gefällt mir die Kombination aus rotbeerigen Früchten, mittelgewichtigem Körper, bestens integrierten Holzaromen, weichen Tanninen und einer gewissen Leichtigkeit des Seins. Einerseits ein "Strahlemann", andererseits auch mit Charm und einer gewissen Eleganz ausgestsattet - Bourgeoisie wie sie schöner nicht sein kann. (Grundlage für diesen schönen Tropfen sind 100 Jahre alte Reben mit einer Pflanzdichte von ca. 14.000 Stück pro Hektar) - 92 Punkte

Heute dann die eine andere Flasche aus gleichem Hause, einen 2004er Beaujolais-Villages Le Reng du Merle. Entsprechend der Aussage meines Weinhändlers von damals die reifesten Trauben des Brouilly Cuvée des Fous; dieser Wein ist jetzt Sinnlichkeit pur; weich im Trunk und mit einer  sooo schönen Fruchtigkeit von roten Beeren ausgestattet, dass ich mir jeden Joghurt damit verfeinern möchte. So soll Frucht schmecken und nicht wie die ganzen verzuckerten und mit Aromen voll gekleisterten Joghurt-Dinger, die man Land aus Land ab im Kühlregal findet. Die Frucht ist vielleicht noch ein wenig ausdrucksvoller als beim Brouilly. Beide Weine haben gemeinsam eine nahezu perfekte Harmonie und sind wohl jetzt in der Blüte ihres Lebens. - 93 Punkte

Sonntag, 17.07.2011

1991-2002 E&E Black Pepper Shiraz, Barossa Valley Estate BVE - Barossa Valley


Zu Beginn der 80er Jahre war der Rotweinkonsum in Australien stark rückläufig und die Regierung zahlte Prämien für die Neuanpflanzung von Chardonnay bei gleichzeitiger Rodung alter Shiraz-Reben. Achtzig Winzerfamilien im Barossa Valley, die schon Weinbau in der 3. und 4. Generation betrieben, weigerten sich jedoch ihre schönen alten Reben zu opfern und beschlossen stattdessen ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die Familien wollten nicht länger ihre geernteten Trauben für kleines Geld am Markt verkaufen, sondern man gründete eine Kooperative und produzierte und vermarktete seine Weine selbst. Dies war die Geburtsstunde des Barossa Valley Estate (BVE). In ersten Jahren verkaufte man zwar noch Trauben und Fasswein, doch wegen der gesunkenen Nachfrage nach Trauben, stellte man dies 1991 komplett ein und konzentrierte sich fortan ausschließlich auf die Vermarktung von Premium-Flaschenwein.

 

Im Jahr 1993 kam der nächste Schritt, die Kooperative kaufte Grundstücke und Gebäude, die man bislang mit Berri Renmano (gehörte nun zum BRL Hardy) gemeinsam genutzt hatte. Gleichzeitig ging man eine Vertriebsvereinbarung mit BRL Hardy, einem der großen Weinunternehmen in Australien, um in der Vermarktung einen Quantensprung zu vollziehen.

 

1998 stand man dann vor der Entscheidung die bestehenden Fazilitäten im Angle Vale zu modernisieren oder im Barossa Valley, der Heimat der meisten Mitglieder, eine völlig neue Kellerei zu errichten. Da die Finanzierung dieses Vorhaben durch die Genossenschaftsmitglieder allein nicht mehr gestemmt werden konnte, entschied man sich 50% der Anteile vom BVE – im Rahmen eines joint ventures – an BRL Hardy zu verkaufen. 2001 ging die neu errichtete Kellerei in Betrieb.

 

Im März diesen Jahres (2011) dann die Wende, Constellation Wines, die fusionierte Nachfolgegesellschaft von  BRH Hardy, willigte in der Rückkauf der Anteile eine und nun gehört BRE wieder zu 100% den Winzerfamilien, die es letztlich mit ihrer Arbeit und ihrem Qualitätsstreben in den letzten 20 Jahren geschafft haben, die beiden Flaggschiff-Weine E&E Black Pepper und Ebenezer langfristig zum Erfolg zu führen und beide Weine unter den Stars der australischen Weinszene zu positionieren.

 

Die stets aufstrebende Entwicklung des Barossa Valley Estates im Allgemeinen und des E&E Black Pepper Shiraz im Besonderen ist eng verwoben mit dem Namen Colin Glaetzer (heute mit dem eigenen Weingut, das er mit seinem Sohn Ben betreibt, extrem erfolgreich). Nach der Gründung der Kooperative engagierte man Colin Glaetzer als Weinmacher und Manager und in dieser Funktion erschuf der den E&E Black Pepper Shiraz, der mit dem Jahrgang 1988 erstmals vermarktet wurde. Beim Winespectator scheint man von diesem Shiraz besonders angetan zu sein, denn seit dem 95er Jahrgang (bis zum letzten verkosteten: 2006) hat man den Wein stets – und das immerhin in 11 Jahrgängen – mit mindestens 91 Punkten bewertet, meist jedoch noch deutlich höher (1996, 1998 und 2000 mit 95 Pkt. Oder 2002 mit 97 Pkt.)

 

Ich war nun gespannt, wie meine kleine Vertikale, bei den Weinfreunden ankommen würde. Aktuelle Jahrgänge des E&E kosten leider richtig Geld (ca. €80,- pro Flasche), doch da der Wein in Deutschland nicht so bekannt ist, habe ich auf der einen oder anderen Auktion ein Schnäppchen gemacht und insbesondere freute ich mich auf den 91er, denn so etwas bekommt man heute gar nicht mehr zu fassen. 

 

 

1991

 

96 Punkte - Würde man die Schönheit und Komplexität der nasalen Eindrücke eines Wein isoliert bepunkten, dann wäre der 91er Black Pepper Shiraz für mich ein klarer 100-Punkte Kandidat. Unglaublich differenziert und nachhaltig sind die Aromen, die einem - wie von einem Schleier getragen – entgegenströmen; soooo schön. Sehr ätherische Eindrücke kombinieren sich mit Aromen von Brombeeren, Minze, Mon Cherry, schwarzen Johannisbeeren und vielen anderen Nuancen zu einem Bild von großer Dichte und Strahlkraft. Durch den ätherischen Grundton wirkt der Wein in der Nase kühl. Dieser Eindruck von kühler Noblesse bestätigt sich auch am Gaumen und zieht sich als Charakterzug durch alle nachfolgend verkosteten Jahrgänge.

Ein feiner Gerbstoff in Form von weichen, runden Tanninen gibt diesem 20 Jahre alten Wein eine noch beeindruckende Struktur. Die ätherischen Aromen aus der Nase finden sich auch am Gaumen wieder (Lorbeeren, Muskatnuss, schwarzer Pfeffer, Zimt, Vanille); eine ganz zarte Süße und eine feiner Schmelz unterstreicht die sehr filigranen Fruchtnoten genauso wie den Eindruck von feiner, dunkler Schokolade, Nougat und Blut (wer jetzt ekelig schreit, hat wohl noch kein Rinder- oder Straußensteak in einer - mit Schokolade verfeinerten - Bratensoße gegessen). Meine Hand geht ständig zum Glas und ich bin beeindruckt von diesem wunderbaren und langen Finale, das sich in die Erinnerung einbrennt.

 

 

1995

 

92 Punkte – Im Vergleich zum 91er E&E Black Pepper Shiraz präsentiert sich der 95er deutlich verwandt, aber nicht ganz mit der gleichen, faszinierenden Differenziertheit und Eleganz des 91er - dafür sind seine Rundungen etwas üppiger. In der Nase saftige, reife, dunkle Beerenfrüchte. Auch hier wieder deutlich ätherische Noten, hinten heraus kommt der Alkohol etwas stärker zum Ausdruck; sehr dunkel in der Aromatik, feinschmelzig und fruchtsüß. Schöner Trinkfluss; ein Wein, der nicht zuletzt durch die eher kühle Art  zu überzeugen weiß – selbst wenn der Alkohol gegen Ende etwas deutlicher in den Vordergrund tritt. Schöne Länge.

 

 

1997

 

94 Punkte – Fast nicht zu glauben, dass dieser Shiraz bereits 14 Jahre „auf dem Buckel“ hat. Der Wein wirkt noch sehr jung und ich vermute, dass er in ein paar Jahren noch ein einen oder zwei Punkte drauf legen kann. Wie bereits mehrfach ausgeführt, überzeugt auch die 97er Ausgabe durch ein hohes Maß an ätherischen Noten, hier kommt hinzu, dass man den Eindruck hat, man kann eine gewisse „Salzigkeit“ riechen. Am Gaumen dicht, saftig, mit viel Biss und wunderbar abgerundeten, aber doch erstaunlich zupackenden Tanninen. Der Wein besitzt viel innere Kraft und einen festen Körper. Kein gedopter Muskelprotz, sondern ein wohl definierter und proportionierter Wein, der seine Kraft in einer geschmeidigen Hülle angenehm verpackt. Schwarzer Pfeffer (bei dem Namen ja eigentlich ein „must have“), Lakritze, dunkle Beerenfrüchte und dunkle Schokolade sind nur ein paar Eindrücke, die ich mir notiert habe. Eine schöne, reife Säure rundet das geschmeidige Bild ab und der Wein zeigt bis in das lange Finale, was er für ein „Beau“ ist. 

 

 

1998

90 Punkte – Der 98er Jahrgang gilt im Barossa Valley allgemein als besonders gelungen (vgl. Parkers Jahrgangsbewertung für Barossa-Weine des Jahrgangs 1998: 95 Punkte), doch in unserer kleinen Vertikalen bildet der 98er das bisherige Schlusslicht - wenn auch auf sehr, sehr hohem Niveau. In der Stilistik ähnelt er  dem 95er: fruchtbetont, etwas fülliger, so erinnert er mich an die besten Schwarzwälderkirschtorten meines Lebens. Eine dezente Mineralität verleiht ihm Komplexität - der etwas kräftiger wirkende Alkohol trägt leider davon etwas wieder ab; insgesamt jedoch ein wirklich schöner und Genuss stiftender Tropfen, der sicherlich noch ein paar Jahr auf gleichem Niveau Freude stiftet.

2002

91 Punkte – Mit großen Erwartungen näherte ich mich der letzten Flaschen in der kleinen Jahrgangsvertikalen des E&E Black Pepper Shiraz von BVE – 97 Punkte im Winespectator und einen hervorragenden 21.Platz in der TOP 100 Liste der gleichnamigen Zeitschrift (Ausgabe 12/2005)  konnte ich im Vorfeld nicht komplett ausblenden. In der Farbe sehr dunkel und leuchtend floss der Wein ins Glas. Eine üppiger, mit Fruchtaromen voll beladener Schwall an Aromen entflog dem Glas; Erinnerungen an Eckes Edelkirsch und meine ersten, heimlichen  „Nipper“ an der Flasche meiner Eltern im Keller zauberten mir ein abwegiges Grinsen aufs Gesicht. Aber auch fast jede andere Beerenfrucht drängte sich ins Bewusstsein: Brombeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Preiselbeeren und Pflaumen (ja, letzte sind keine Beeren ;-))

Am Gaumen unfassbar jung, fast nicht zu glauben, dass der Wein schon 9 Jahre ist. Er wirkt sehr fruchtig und stoffig; besitzt viel Substanz, eine schöne Säure und „rollige“ Tannine. Interessant ist, dass er nicht die auffallenden ätherischen Noten der anderen Jahrgänge aufweist, sondern ganz und gar von seiner Frucht lebt. Trotzdem wirkt er nicht überladen oder fett, auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Trotzdem hat der Wein für mich zurzeit weniger zu bieten, als die älteren Jahrgänge. Aber was nicht ist kann noch werden; ich kann mir gut vorstellen, dass der Wein in 10 Jahren deutlich komplexer und ausdifferenzierter wirkt – wahrscheinlich nicht auf dem Niveau des 91er, aber doch besser als die 91 Punkte, die ich ihm aktuell gegeben habe.  

Mein persönliches FAZIT: Mehr Mut zur Reife bei australischen Weinen. Diese kleine Vertikale hat mir gezeigt, dass es sich lohnt.

Freitag, 01.07.2011

2008 Lagrein Riserva, Josephus Mayr / Erbhof Unterganzner - Südtirol


92 Punkte - Die Weine von Josephus Mayr schätze ich seit vielen Jahren sehr. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich die erste Flasche Lamarein getrunken habe, einen Wein, den es aus Südtirol eigentlich gar nicht geben kann. Im Stile eines Amarone aus angetrockneten Lagrein-Trauben gemacht, ist er für mich jedes Jahr aufs Neue ein wunderbares Erlebnis, diesen Stoff aus aktuellem Jahrgang geniessen zu dürfen. Das klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber die Menge an Lamarein ist Jahr für Jahr wahnsinnig gering. In den ersten Jahren waren die Flaschen noch von Hand durchnummeriert - von "meinem" ersten Jahrgang (1997) gab es ganze 550 Flaschen. Inzwischen ist der Lamarein kein Geheimtip mehr, denn die italienischen Weinführer überschlagen sich mit Lob für diesen Wein. So hat seinerzeit Luca Maroni - in seinem 2004er Weinführer - dem 2001er Lamaein den Titel des Bestes Rotweins Italiens verpasst oder der Gambero Rosso schrieb einmal: "Wir sind nahe daran, einen Josephus-Mayr-Fanclub zu gründen. Warum? Dieser Mann ist einfach ein großartiger Winzer, aber auch ein grandioser Interpret seiner Weine, die immer etwas Persönliches ausstrahlen, vielleicht sogar eine Spur Verrücktheit, aber das genau macht macht sie so faszinierend und fesselnd wie nur wenige andere in Italien." In einem anderen Jahr verwehrtem sie dem Lamerein aus einem einzigen Grund die drei Gläser - die verfügbaren Menge ist so gering, dass kein Mensch eine volle Flasche zu Gesicht bekommt.

Inzwischen war ich ein paar Mal vor Ort (auch wenn es - trotz Navi - verdammt schwierig ist, den Hof zu finden) und es war jedes Mal ein Erlebnis. Mit welcher Passion und mit welcher "Handwerkskunst" Josephus Mayr seine Weine erzeugt, ist wirklich beeindruckend.  Dass Josephus Mayr ein ganz "spezieller" Mensch ist, merkt man schnell, denn viele Worte macht er nicht, dafür hat er umso mehr Überzeugungen, die seine Arbeit leiten und die man in seinen Weinen schmecken kann. Winzerhände verraten mehr als glänzende Imagebroschüren und ich kenne wenige, ..., eigentlich keinen, der im November nach Meran auf das schicke Weinfestival mit den 100 besten italienischen Weingütern kommt, und sooo schwarze Fingernägel hat, weil er gerade noch "auf Arbeit" war.


Doch heute habe ich keinen Lamarein im Glas, sondern den aktuellen Jahrgang des Lagrein Riserva  - Jahrgang 2008: Kohlrabenschwarz in der Farbe, mit purpurnem Rand; hochglänzend, aber völlig undurchsichtig. Die Nase ist kühl und eher verhalten, aber am Gaumen "brennts": Saftiger, dichter Stoff, dunkle Beerenfrucht, Brombeeren, schwarze Kirschen Lakritze, ein Hauch wilde Kräuter und für einen Rotwein eine außergewöhnliche Mineralik. Ein voller Körper, reichlich schmelzige Tannine und eine frische Säure sind die Grundlagen eines hervorragenden Lagreins, der insbesondere durch seine tolle Frucht und seine Saftigkeit besticht. Dass der Wein über eine gute Länge besitzt, versteht sich fast von selbst.

Samstag, 18.06.2011

2001 Vina Ardanza Reserva Especial, La Rioja Alta - Rioja


93 Punkte - La Rioja Alta ist ein Klassiker im Rioja. Bereits 1890 von 5 Basken und Rioja Winzern unter dem Namen "Sociedad Vinicola De La Rioja Alta" gegründet und seit 1941 unter dem heutigen Namen La Rioja Alta erfolgreich im Markt tätig, steht der Name heute für berühmte Weine, eine lange  Tradition sowie ein Konglomerat an Marken.

Vina Ardanza ist ein 30 Jahre altes Weingut in Fuenmayor im Rioja Alta Distrikt. Von hier stammen die 80% der Trauben dieser Special Reserva, die bislang nur in den Jahren 1964, 1973 und 2001 gefüllt wurde. Die verbleibenden 20% sind Garnacha aus Ausejo und Tudelilla, gelegen in Rioja Baja (wer denkt da nicht gleich an die Werbung mit dem Spülmittel ;-)

Der Wein wurde 14 Tage auf der Maische in Temperatur-kontrolierten Stahltanke vergoren, anschliessend durchlief er 21 Tage die malolaktische Gärung und blieb 3 Jahre in Fässern aus amerikanischer Eiche, die eine durchschnittliches Alter von 4 Jahren hatten (die ist für mich erstaunlich, denn der Wein ist sehr deutlich vom Holz geprägt und ich habe vermutet, dass er überwiegend im neuen Holz lag). Im März 2004 kam er dann auf die Flasche; allerdings startete man mit dem Verkauf erst in 2011.


Im Glas ist er er klar und glänzend, dunkel-kirschrot und von mittlerer Dichte. Die Nase ist überschwänglich und zunächst geprägt von Kirschen und anderen roten Beeren. Die Noten aus dem Holz sind sehr deutlich, aber auch sehr animierend. Deutliche Noten von Kokos, Zimt, Tabak und diverse etherischen Anklänge bilden - gemeinsam mit der Frucht - einen wunderbaren Aromenstrauss, der ungeduldig die Hand zum Glas gehen läßt. Auf der Zunge ist der Wein dann erstaunlich elegant, fast ein wenig burgundisch. Der volle Körper bildet gemeinsam mit den weichen und reifen Tannine sowie der sehr schönen Säure ein gutes Gerüst, auf der sich die reiche Frucht sehr, sehr gut entfalten kann. Im langen und wunderbar harmonischen Abgang ist der Wein fruchtbetont. Aktuell kann der Wein mit reichlich Genuss getrunken werden, jedoch sollte man ihn vorher dekantieren.

Wer Zeit und Muse hat, wird sich sicherlich die nächsten 15 Jahre an diesem herrlichen Rioja erfreuen können, wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass er sich in den kommenden zwei oder drei Jahren noch einmal verschliessen wird. Für  knapp unter 20 Euro ist das ein perfekter Einstieg in die Welt großer Riojas.

Dienstag, 10.05.2011

1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn - Baden


Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur - bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur - kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine - höchst subjektiven - Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen ;-)

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war ;-) Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  - ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  - schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

Donnerstag, 30.12.2010

2005 Grüner Veltliner „M“, F.X. Pichler – Wachau (Best Bottle Nr. 5)


95 Punkte - Diesen Wein gab es aus der Magnum zum Essen und ich was soll ich sagen: „Saustark“!! Was für ein kompaktes Paket! Ich mag nicht viel Worte machen, sondern einfach meine Verkostungsfetzen niederschreiben:

 

Dichte und kompakte Nase! Weißer Pfeffer, würzige Kräuterwiese; mit Energie geladen; sehr stoffig und dicht am Gaumen, Hammer-Extrakt, wieder weißer Pfeffer; Mineralik ohne Ende; viel Schmelz, salzige Mineralität, platzt fast vor Spannung und Kraft, trotzdem ungemein trinkig. Klasse Länge!!

 

Fazit: Für mich ein "Bilderbuch-GV" und ein GV, wie ich ihn liebe! Jetzt und in den nächsten drei, vier Jahren sicherlich ein perfekter Rausch für die Sinne.

1990 Forster Kirchenstück Riesling Spätlese, Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz (Best Bottle Nr.4)


91 Punkte – Ich liebe die Weine der Forster Lagen am Fuße des Haardtgebirges. Die Weine aus dem Kirchenstück sind stets üppige und im besten Sinne „reiche“ Weine – gleichzeitig bringen sie das Kunststück fertig, Eleganz und  Harmonie auszustrahlen. So auch diese sehr schöne Spätlese aus dem Jahr 1990. Die Nase ist faszinierend (!): Bienenwachs und ein Hauch  Petrol sind Boten des Alters, in Verbindung mit den saftigen Fruchtaromen von reifen Nektarinen, Mirabellen, kandierten Kumquats und anderen Südfrüchten entwickelt sich ein dichter und betörender Aromenstrauß, der es mir schwer macht, die Nase wieder aus dem Glas zu nehmen. Am Gaumen ist der Wein rund und intensiv, mit „dicken Backen“. Die Säure spielt mit und schafft ein Gegengewicht zur Opulenz des Weins. In letzter Konsequenz kann der Wein das Niveau, welches die Nase verspricht, am Gaumen jedoch nicht ganz halten.

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Dienstag, 28.12.2010

1990 Grüner Veltliner Ried Loibner Berg 19 Terrassen Smaragd, F.X. Pichler - Wachau (Best Bottle Nr.3)


87 Punkte – Heute gehören die Weine, insbesondere die Smaragde von F.X. Pichler zu den besten Weinen Österreichs und die internationale Presse kennt in ihrem Lob kaum Grenzen. Doch 1990 hatte man in Österreich immer noch mit den Folgen des Weinskandals von 1985 zu kämpfen und der Export war schwierig. Doch gerade darin lag wohl auch die Chance alles besser zu machen und ein Beitrag war das Klassifizierungssystem (Steinfeder, Federspiel und Smaragd)der Wachau, das 1986 eingeführt wurde, um die Einzigartigkeit der Weine der Wachau zu betonen. Doch Weinskandal hin oder her, im Hause F.X. Pichler setzte man schon seit vielen Jahrzehnten auf Qualität und die Selektion des besten Rebmaterials (ein eindrucksvolles Zeugnis dafür ist die alte Gladde des Großvaters, heute der Rahmen für den Internetauftritt: vgl. www.fx-pichler.at)

 

Nun hatten wir einen 20-jährigen Wein im Glas, der aus einem TOP-Jahrgang und aus einer Lage stammte, die zu den besten GV-Lagen Österreichs gehört – beste Voraussetzungen für ein schönes Weinerlebnis also. In der Nase kräutrig, etwas käsig (ein Eindruck, den ich bei gereiften GVs durchaus typisch finde), jedoch nicht mehr so intensiv wie es für junge Smaragde typisch ist. Man musste sich schon ein wenig einlassen auf diesen Stoff, um die Nuancen zu erfassen, doch der kräutrige/pflanzliche Einschlag war auch am Gaumen zu erkennen und der für die Rebsorte typisch weiße Pfeffer war ebenfalls noch  vorhanden. Insgesamt hat der Wein seine besten Tage schon gesehen, denn im Abgang mangelte es ihm etwas an Komplexität und Länge - doch interessant und schön war dieses Trinkereignis immer noch.

Montag, 27.12.2010

2005 Puligny Montrachet Les Combettes, Domaine Leflaive – Burgund (Best Bottle Nr.2)


93 Punkte - Die Domaine Leflaive ist sicherlich zu den besten und berühmtesten Weingütern Burgunds zu zählen. Kurz und knackig das Wichtigste zusammengefasst findet man bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Domaine_Leflaive). Die Rebestöcke in der Premier Cru Lage „Les Combettes“ wurden zwischen 1963 und 1972 gepflanzt und werden seit 1997  biodynamisch  bewirtschaftet.

 

Mich hat dieser Wein – gerade nach dem „Les Clos 2004“ – komplett überzeugt. Die füllige und ausdrucksstarke Nase ist geprägt von vielerlei kräutrigen Eindrücken, gerösteten Nüssen und gelbfleischigen Früchten. Das kraftvolle Paket am Gaumen ist sehr ausgewogen und stimmig: Einerseits gibt es eine kräftige, den Wein tragende Säure – andererseits besitzt der Wein eine schöne, volle Frucht (vorwiegend gelbe Früchte; Haselnüsse), einen kraftvollen Körper und mineralische Komponenten. Die Noten (Karamell und Buttergebäck) aus dem Holz (ca. 25% neues Holz) sind sehr gut integriert. Gute Länge! Insgesamt steht der Wein erst am Beginn seiner Trinkreife – ich denke, dass er mit der Zeit noch etwas an Komplexität und Eleganz zulegt.

Sonntag, 26.12.2010

2004 Les Clos, William Fevre - Chablis (Best Bottle Nr.1)


97 Punkte - Die Nase lässt einen in diesen kalten Wintertagen von Sommer, Obst- und Blumenwiesen träumen. Klares, ausdrucksvolles Bukett mit feinen Aromen, sehr rein. Am Gaumen das Gefühl von großer Klarheit und Mineralität; tiefe und komplexe Aromatik, dabei sehr fein, ja ziseliert und filigran. Dieser Wein ist ein Maß für Reinheit, Anmut  und erfrischender Lebendigkeit – habe selten einen so feinen, komplexen und dabei unglaublich lebendigen Weißwein im Glas gehabt. Am Tisch sprach ein Weinfreund das aus, was ich mir (als Gastgeber) nicht traute zu sagen: Dieser Wein ist perfekt, was kann man da noch besser machen??

 

 

Die Grand Cru Lagen im Chablis haben zusammen nur eine Größe von ca. 100ha; insgesamt sind jedoch mehrere Tausend Hektar mit Reben bepflanzt. Von den  ca.100ha ist „Les Clos“ mit 26ha die größte Einzellage, davon sind 4,11 ha im Besitz von William Fevre. Die Lage ist ein Südhang mit starker Sonneneinstrahlung; der Boden ist felsig, eine Mischung aus  kreidig-weißer, kompakter und tief reichender Lehmerde, durchzogen mit vielen Mineralien und Konglomeraten aus Fossilien (versteinerten Muscheln). Die Kalkverdichtungen im 80cm Tiefe verleihen diesem Grand Cru schon in jungen Jahren vielfältige Aromen und einen würzigen Geschmack. Um seine Komplexität erleben zu können, braucht er jedoch ein paar Jahre der Reife. Ich meine, Alan Medows hat dazu geschrieben, dass das  Alter wahre Wunder an Sublimität für den bereit hält, der Geduld mit seinen Chardonnays aus Burgund/Chablis aufbringt. Einen furchtbaren Irrtum dagegen derjenige begeht, der meint, burgundische Grand Crus in ihren ersten Jahren vollumfänglich beurteilen zu können. Womit kein Verbot des „Jung-Verkostens“ propagiert wird – denn die Weine haben auch jung schon viel zu geben – aber ein gut konstituierter Wein hat mit der Zeit unendlich mehr zu bieten.

 

Schon bei meinem Besuch auf dem Weingut vor ein paar Jahren war ich begeistert von der großen Klarheit und Präzision der Weine von William Fevre - und der Jahrgang 2004 (der damals als aktueller Jahrgang im Verkauf war)  gehört für mich zu den großen Jahrgängen im Chablis innerhalb der letzten 25 Jahre.

 

Die 2004er Ausgabe des „Les Clos“ – aus der vielleicht besten Grand Cru Lage in Chablis – ist ein ideales Beispiel dafür, dass sich die großen Chardonnays aus Chablis nicht hinter den  großen Namen der Côte d’Or verstecken müssen. Billig ist keiner dieser großen Weine, doch mit ca. Euro 30,- bis Euro 50,- kostet ein großer Chablis nur einen Bruchteil der großen Grand Crus von der Cote des Beaune.

Freitag, 03.12.2010

2003 Chateau Duhart Milon (Rothschild) - Bordeaux


92 Punkte - Schöne dunkle Farbe. Nach dem Öffnen ist die Nase noch dominiert von Lederaromen, Tabak und getoastetem Holz, aber mit zunehmend Luft entwickelt sich die Frucht mit Aromen von Waldbeeren und Pflaumenkuchen, dazu Anklänge von Kaffee und Schokolade.

Am Gaumen ein schöner Bordeaux mit guter Tanninstruktur, aber erstaunlich weich auf der Zunge für einen Pauillac. Erdige Noten, Holz, Kaffee und Schokolade. Am folgenden Tag kommt die saftige Waldfrucht deutlicher durch und der Wein gewinnt an Harmonie.

Im Ergebnis ein schöner Bordeaux, der bei der Subskription knapp  Euro 25,- gekostet hat und jetzt am Beginn seiner Trinkreife steht. In den nächsten 10 Jahren sicherlich schön. Jetzt wahrscheinlich nicht mehr unter  Euro 50,- zu bekommen, denn das Weingut gehört zur Lafite Rothschild Familie und für den großen Bruder bezalht man in Asien Euro 1.000,- für ein Flasche.

Nice, dark colour. At the beginning the nose is dominated by leather, wood and toasty notes, but with time the fruit becomes stronger and evolved aromas of wild berries and plum tart. A full bodied wine with a good tannin structure; much of earthy notes, wood and a bit of coffee and chocolate. After 24 h the juicy fruit of wild berries becomes stronger and the wine finds its balance. Silky on the palate. 

Sonntag, 31.10.2010

Grosse Gewächse 2006 - Stand der Dinge

Ich habe mich nach längerer Abwesenheit in den Hamburger Weinrunden sehr auf diese Probe gefreut und auch das Thema „Große Gewächse 2006“ klang gewohnt. Doch dieser Abend war voller Überraschungen…

 

Eine Herausforderung für die Winzer waren die Witterungsbedingungen im Jahrgang 2006  - ich erinnere mich noch gut, dass ich zu Zeiten der Lese ein Wochenende im Rheingau verbracht habe und ungemein erschrocken darüber war, dass es ganze Weinberge gab, in denen keine einzige gesunde Traube zu sehen war. Doch bislang bin ich davon ausgegangen, dass die deutsche Winzerelite, die ihre Großen Gewächse als Spitze der Qualitätspyramide verkauft, dieses Problem durch penible Weinbergsarbeit im Vorfeld oder durch eine superstrenge Selektion erfolgreich umschifft hat. Auch marktseitig habe ich seinerzeit die gestiegenen Preise des Jahrgangs so interpretiert, dass wohl nicht alle Regionen derartige Probleme gehabt haben können.

 

Im Ergebnis hat unsere Probe (eines nicht repräsentativen Durchschnitts) der Großen Gewächse renommierter Häuser jedoch bei einigen klare Mängel aufgezeigt. Dies legitimiert eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob in solchen Jahren nicht einige der Top-Erzeuger darauf verzichten sollten, Große Gewächse in bestimmten Jahren zu füllen, um den eigenen Qualitätsansprüchen genügen zu können.

                                       

In 2006 sind Rieslinge auf die Flasche gekommen, die inzwischen derart reif und aromatisch diskussionswürdig sind, dass die Preise der 2006er Großen Gewächse absurd erscheinen. Letztlich wurde hier eine Kapitalverzinsung  zu Lasten der Weinliebhaber und Verbraucher betrieben, die noch bereit sind, für sehr gute Produkte auch hohe Preise zu bezahlen. Es ist jedoch bei den 2006er Großen Gewächsen davon auszugehen, dass bereits der Zustand des Ausgangsmaterials derart negativ beeinflusst war, dass die Produktion von „ehrlichen“ Großen Gewächsen von vornherein nicht möglich war. Ich kann jetzt jeden Weinliebhaber verstehen, der sich nach solchen Erfahrungen - wie den unsrigen - von den Großen Gewächsen wegen mangelndem Preis-/Leistungsverhältnis abwendet. Scheinbar konnten nur wenige Betriebe, wie z.B. die Gebrüder Knipser aus der Pfalz, dem „Kasse machen“ widerstehen – sie haben richtigerweise auf das Füllen ihrer weißen Großen Gewächse verzichtet.  

 

Für die Organisation der Probe und das leckere Essen zwischendurch danke ich meinem Freund Ole recht herzlich. Die Weine wurden vor der Probe ca. zwei Stunden gelüftet und waren perfekt konditioniert. Die Reihenfolge hatte Ole per Losverfahren vorher bestimmt.

 

2006 Riesling Westhofener Morstein, Weingut Keller – Rheinhessen

 

88 Punkte – Der erste Wein einer Probe hat es bei mir immer ein wenig schwer, ich muss mich ein „eintrinken“ und die „Aromen des Tages“ aus dem Kopf  bzw. von der Zunge bekommen. Hinzu kommt  immer mein Vorurteil, dass kein Weinfreund mit dem vermeintlich besten Wein die Probe beginnt. Doch letztlich gehörte dieser Tropfen aus dem Hause Keller für mich deutlich zu den Besten an diesem Abend.. Recht reife Aromatik in der Nase, Noten von Quitten und Äpfeln, aber auch etwas Kräutrigkeit. Am Gaumen recht dicht, mit immer noch deutlichem Zuckerschwänzchen, rauchige Noten, auch etwas Mineralik, aber insgesamt etwas zu fett. Hinten heraus der Eindruck von mürben Äpfeln (der sich an diesem Abend durch fast alle Wein zog, sodass ich die nächsten Monate auf Apfelmus jederzeit verzichten kann)  und einer leichten Kräuterbitternis. Insgesamt ein guter Wein, aber ohne den üblichen „Kitzel“, den ich bei Kellerweinen empfinde.  In der Stilistik aber dem Kirchspiel von Keller, das ich ein paar Wochen vorher gerade im Glas hatte, sehr ähnlich – die Jahrgangseigenschaften setzen sich deutlich durch.

 

 

2006 Riesling Nackenheimer Rothenberg, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

 

Leider korkig

 

 

2006 Riesling Scharzhofberger „P“, Weingut van Volxem – Mosel

 

88 Punkte – Ebenfalls ein Wein, der zu den Guten gezählt werden darf. Schon recht reife Noten in der Nase: Waldhonig, Orangenkonfitüre. Angenehme Cremigkeit am Gaumen, mit Anklängen von Karamell, mürben Äpfeln und Mineralität. Gut eingebundene Säure, trotzdem wirkt der Wein nicht animierend, sondern etwas „flau“ im Abgang.

 

 

2006 Riesling Oestricher Doosberg Drei Trauben, Weingut Kühn - Rheingau

 

85 Punkte - Dieser Wein war der (!!) Diskussionspunkt an diesem Abend. Einige am Tisch folgten der Meinung von Felix und kippten den Wein – wegen entstellender Fehler – gleich wieder aus; Punkte wurden daher nicht wirklich vergeben, denn dann hätte man wohl unter die 70 Punkte gehen müssen. Ich sehe das etwas anders, wenngleich auch ich dem Wein attestieren muss, dass dieser mit allgemein bekannten Geschmacksmustern von Rieslingen keine, aber auch gar keine Schnittmenge bildet. Die Nase ist außergewöhnlich: ausgeprägt pflanzliche, vegetabile Noten, frisch abgeschnittenes Efeu; dazu Anklänge von Tankstellenbenzin. Den Gaumen empfängt eine lebendige Säure, Noten von Apfelwein (Cidre) Jod, ich habe Assoziationen von in Weißwein gekochten Miesmuscheln. Erstaunlich erfreulich für mich war die schöne Länge, mit der Wein am Gaumen bleibt. Hier endet er (klassisch für einen Riesling) auf Citrusnoten.  Da ich weiß, dass in diesen Jahren die biodynamischen Ideen im Hause Kühn sehr konsequent umgesetzt wurden und man versuchte, jahrhundert alte Ausbaumethoden wieder zu beleben, kann ich gut verstehen, dass dieser Wein einfach anders ist und ich habe an der geschmacklichen und intellektuellen Auseinandersetzung damit meinen Spaß, verstehe aber jeden, der sagt, dass ist mir einfach zu speziell und hat mit meinen Erwartungen eines Rieslings nichts gemeinsam. Seit dem Jahrgang 2008 ist man im Hause Kühn wohl im Ausbau seiner Weine wieder etwas zeitgemäßer, denn die Weine sind inzwischen wieder so, wie man es heute erwartet und zwar auf allerhöchstem Niveau, ich kann jedem nur empfehlen die 09er Kollektion von Jakob Peter Kühn einmal zu verkosten.

 

 

2006 Riesling Birkweiler Kastanienbusch, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

 

81 Punkte - Auch wenn ich es am Ende der Verkostung erst erfahren habe, dieser Wein hat mit seinen 14,5% Alkohol meine Vorbehalte gegen diese Alkoholbomben (die es meiner Meinung nach bei Rieslingen einfach nicht geben sollte) voll bestätigt. Mit praller goldgelber Farbe strömt dieser Wein in unsere Gläser. Nachdem ich meine Nase ins Glas gehalten habe, muss ich gleich an das Apfelmus meiner Mutter denken, das es früher  - im Herbst - immer zu den frisch geriebenen Kartoffelpuffern gab. Dass in diesen Wein nicht nur gesunde Trauben gekommen sind, ist offensichtlich, aber Botrytis mit einer so hohen Alkoholgraduation gefällt mit einfach nicht, da dies einfach nur einen brandigen Eindruck hinterlässt. Ganz schön sind die Anklänge an die britische Orangenmarmelade. Am Gaumen einerseits sehr weich und schmelzig, andererseits brandig scharf, mit nicht eingepasster Säure. Fazit: „Essigessenz mit Waldhonig“ – Sorry, vielleicht etwas krass formuliert, aber wie man als einer der Topbetriebe in Deutschland so ein Großes Gewächs auf den Markt bringen kann, ist mir ein Rätsel.

 

 

2006 Riesling Kanzemer Altenberg, von Othegraven – Saar

 

85 Punkte – Hier ist man dem Alkoholexzessen nicht erlegen, denn die ca. 12,5% Alkohol liegen in einem Bereich, den ich als ideal für GG empfinde – doch leider hat es in diesem Jahrgang nicht wirklich geholfen. Die Nase zeigt auch wieder diese typischen Anklänge an Äpfel, dazu kommen schöne, florale Noten. Am Gaumen etwas Honig, Apfelkuchen mit einem schönen, mürben Teig, gelbe Früchte; zeigt durchaus aromatische Dichte  – „Frucht und Spaß“ habe ich auf meinem Verkostungszettel stehen,  leider bricht er hinten sehr schnell ab und ein paar Bitternoten bleiben stehen.

 

 

2006 Riesling Westhofener Morstein, Weingut Wittmann – Rheinhessen

90 Punkte – Vielleicht ist es die Konzentration auf den biologischen Anbau, oder vielleicht einfach nur eine gute Weinbergsarbeit und das richtige Fingerspitzengefühl für den Zeitpunkt der Ernte - egal! Die Wahrheit liegt im Glas und das, was ich da vor mir hatte, war zumindest an diesem Abend bislang der beste Wein. In der Nase zeigt sich eine frische Frucht; zwar finden sich auch hier die obligatorischen Noten von Äpfeln, aber immerhin sind diese frisch angeschnitten und knackig. Hinzu kommen Citrusfrüchte und Ananas. Am Gaumen zeigt der Morstein ein schönes Frucht-Säure-Spiel, frische gelbe und Citrusfrüchte sowie erdig-mineralische Noten. Abgerundet wird der positive Eindruck durch eine schöne Länge.

 

 

2006 Riesling Schlossböckelheimer Felsenberg, Weingut Schäfer-Fröhlich – Rheinhessen

 

90 Punkte – Der erste Eindruck in der Nase war schon etwas abstoßend, denn irgendwie erinnerte mich das an „Erbrochenes“ – der Wein brauchte Luft und die Noten der spontanen Vergärung gingen immer weiter zurück. Es setzten sich kräutrig-mineralische Noten sowie Aromen von weißen Blüten durch. Am Gaumen hat der Wein eine schöne innere Spannung, eine schöne kräutrige Mineralik sowie Grapefruit- und Apfelaromen. Nicht ganz so gut gefallen hat mir die leichte Bitternote, die er Richtung Abgang entwickelt. Insgesamt aber ein spannender und ansprechender Tropfen, der trinkig ist und die Hand zum Glas gehen lässt (sofern er etwas Luft bekommen hat).  

 

 

2006 Riesling Norheimer Dellchen, Weingut Dönnhoff – Nahe

 

90 Punkte – In der Nase eine sehr fest gewirkter Riesling mit klaren, frischen und sehr schön definierten Aromen. Am Gaumen überrascht eine feste Säure, die jedoch gut integriert ist und dem Wein Frische verleiht. Die eigentliche Fruchtaromatik ist aber überraschend entwickelt; neben den Noten von Quitten, reifen Pfirsichen/Aprikosen und Feigen zeigt der Wein würzige Anklänge. Insgesamt einer schöner Riesling, der jedoch auch schon ein paar Jahre älter sein könnte. Für Dönnhoff-Weine recht kurz im Abgang. Aber wie bei allen Dönnhoff-Weinen muss man sich ein wenig einlassen können und sie in Ruhe genießen, es sind meist stille und natürlich elegante Schönheiten, die völlig ohne Schminke und Botox auskommen. 

 

 

2006 Riesling Königsbacher Idig, Weingut Christmann – Pfalz

 

88 Punkte – Der IDIG aus der Monopollage des Hauses Christmann gehört sicherlich in vielen Jahrgängen zu den besten trockenen Rieslingen der Pfalz, häufig auch in ganz Deutschland. Aber auch hier zeigt sich beim 2006er, dass in einem solchen Jahrgang die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Nase ist geprägt von reifen gelben Früchten. Am Gaumen fasst der Wein im ersten Moment noch recht kräftig zu und erinnert mich in seiner Art ein wenig an Wachauer Gewächse. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Noten von weißem Pfeffer, die ich eigentlich so nur vom Grünen Veltliner kenne. Dieser Riesling animiert mit seinen Noten von Quittengelee und kandierten Citrusfrüchten zum Trinken, bricht dann aber recht schnell ab, sodass er hinten nicht das hält, was er vorne verspricht.

 

 

2006 Riesling Erbacher Marcobrunn, Schloss Rheinhartshausen – Rheingau

 

84 Punkte – Wieder so ein Kandidat, von dem ich deutlich mehr erwartet habe. Die Mischung  aus Top-Lage und renommiertem „Stall“ sind eigentlich Voraussetzungen für 90 Punkte und mehr. Doch leider ist dieser Riesling mit seinen Aromen von reifen Äpfeln und Quitten  schon in der Nase nicht mein Fall. Am Gaumen wird es dann in Sachen Aromatik noch etwas undefinierter bzw. wie es mein Freund Ole immer in solchen Fällen ausdrückt: der Wein ist „mulschig“ (!???) – einerseits zeigt er für sein Alter eine sehr reife Aromatik, anderseits ist da eine  unbalancierte Säure, die einem Frische vorgaukeln möchte. Zusammen genommen ist die Geschichte leider nicht rund/balanciert und macht wenig Spaß.

 

Samstag, 16.10.2010

2005 Gabarinza, Weingut Heinrich – Burgenland

 

87 Punkte – Die Zusammensetzung der Cuvee für die  2005er Ausgabe des Gabarinzas vom Weingut Heinrich ist ein Schlüssel zu diesem Wein. Wenn ich nicht irre, ist erstmals der Merlot mit 50% dominant in der Cuvee vertreten; für gewöhnlich übernimmt der Zweigelt diese Rolle. Bevor es zu meinen Eindrücken geht, hier die offiziellen Angaben von der Webseite des Weingutes:

 

 

50% Merlot, 30% Zweigelt, 20% Blaufränkisch; (Alkohol/Säure/Restzucker: 13,5/5,8/1,5); 6- bis 25-jährige Rebstöcke in der gleichnamigen Lage Gabarinza, gewachsen auf Paratschernosem aus feinem Lockermaterial/kalkhältigem Kulturrohboden. Lese von Hand vom 25. September bis zum 6. Oktober 2005, Selektion im Weingarten, sorgfältige Nachselektion im Weingut am Sortierband, Verarbeitung nach Schwerkraftprinzip (kein Einsatz von Pumpen), Vergärung in Eichenholz-Gärständer bei 28 bis 32°C, manuelles und pneumatisches Untertauchen der Maische, Maischestandzeit 4 Wochen, Malolaktik im Holzgärständer, 80 % neues Holz, 18 Monate Ausbau, abgefüllt am 6. und 7. August 2007.

 

 

Wer den Zweigelt-betonten Gabarinza kennt, wird bei diesem Wein überrascht sein, denn die sonst so übliche würzige Üppigkeit ist nicht gegeben. In der Nase dunkle Früchte (Pflaumen, Brombeeren und Schwarzkirschen) mit einem Hauch von Orangen. Am Gaumen ähnliche Eindrücke, die Kirsche etwas deutlicher durch; hinzu kommt eine recht feine Schokonote; mittelgewichtig.  Die Säure erscheit mir nicht optimal eingebunden. Trotzdem ein angenehmer, recht eleganter Wein, wirkt aber ein wenig international und erscheint mir recht austauschbar. Sollte jetzt oder bald ausgetrunken werden. (2.Abend Urlaub Österreich)

2006 Pintia, Bodegas y Vinedos Pintia – Toro


93 Punkte – In diesem Stadium ein Schmakofatz-Wein!! Geballte Fruchtaromen, dazu viel Schokolade, etwas Vanille und Spuren diverser Gewürze. Der Wein tritt mit seinen 15%-Alkohol sicherlich in der Schwergewichtsklasse an,  weiß aber mit seiner einschmeichelnden Art und seiner Klasse - auch die Damen  - zu überzeugen. Am Gaumen sehr schön rund und schmelzig, kleidet Mund und Rachen komplett aus. Dieser Wein ist eine Kombination aus bester mousse au chocolat und frischen Beerenfrüchten (Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren), dazu etwas Muskatnuss, ein Hauch Zimt und Vanille sowie ein kleiner Schuss Kirschwasser. Geht aber nicht nur als flüssiges Dessert -  hat mir z.B. hervorragend zu meiner kross gebratenen Ente geschmeckt; kann ich mir aber auch gut zu einem schönen Stück Rinderfilet oder Wild vorstellen. Die Jahrgänge 2004 und 2005 sind noch einen Tick komplexer und eleganter. Meine Liebste hat er trotzdem begeistert, dafür sollte es eigentlich noch 2 Punkte extra geben. Kleiner Nachtrag: Die Bodegas Pintia gehören zu der Unternehmesgruppe von Vega Sicilia (das über viele Jahrzehnte als Spaniens bestes Weingut galt)  und im Jahr 2004 ist man erstmals mit dem Jahrgang 2001 offiziell im Verkauf gewesen. (1.Abend Urlaub Österreich)

Donnerstag, 14.10.2010

2007 Côtes-du-Rhône Mon Coeur, J.L. Chave - Rhone


88 Punkte - Eigentlich ist die Domaine J.L. Chave einer der Toperzeuger der nördlichen Rhone und  Flaschen dieser kleinen Produktion (weiß und rot) gehören Jahr für Jahr zu den gesuchten Pretiosen, die man nur allzu gerne sein Eigen nennt. Doch Preise rund um die € 100,- pro Flasche sind eine „Eintrittbarriere“ über die nur wenige Weinliebhaber springen (können).

 

Doch wer sich diesen Luxus nicht leisten möchte/kann, hat mit dem Côtes-du-Rhone eine einfachere Möglichkeit sich die Klasse dieses familiengeführten Hauses (seit 1481 im Familienbesitz) zu erschließen.

 

Die Trauben stammen zwar weder von den eigenen Weinbergen, noch stehen die Reben an der nördlichen Rhône, aber trotzdem hat man hier einen individuellen und ausdrucksstarken Wein im Glas. Die Cuvee aus Grenache und Syrah stammt von der südlichen Rhone und ist ein Spiegelbild ihrer Herkunft. Lange sonnige Tage lassen die Trauben prall und reif werden und schenken ihnen eine üppige Frucht; die kühlenden Mistralwinde sorgen dagegen für eine deutliche Tag-Nacht-Absenkung und somit für eine gute Säurebildung in den Trauben.

 

Die Vertragsbauern, die das Ausgangsmaterial für diesen Wein liefern, arbeiten rein organisch und reduzieren die Erträge. Das Ergebnis ist ein Stoff, der mir sehr viel Spass macht, der ursprünglich und kraftvoll ist. Die 2007er Ausgabe ist in der Farbe tief purpur und dunkel. Zwar zeigt der Wein (insbesondere nach dem Öffnen) Noten von Brettanomyces (kurz Brett genannt – also Noten, die bei den meisten Leuten Assoziationen von Pferd hervorrufen), doch mit etwas Luft gewinnen die Noten von Dörrobst, Kirschen, Pflaumen und Schokolade die Oberhand; richtig gut gefällt mir auch der ausgeprägt würzige Geschmack, der mich an schwarzen Pfeffer und Lebkuchengewürz erinnert. Insgesamt ein intensiver Geschmackseindruck, mit schönem Druck und – trotz aller Intensität und 14% Alkohol – recht kühl und mineralisch. Angenehme Länge. Passt hervorragend zu einem gegrilltem Stück Rindfleisch (mit Röstaromen) oder Lammsteaks.

 

Samstag, 18.09.2010

1996 Valpolicella Superiore, Romano Dal Forno


94 Punkte - Wow, ich kann es einfach nicht fassen, was Romano Dal Forno hier auf die Flasche bringt. Eine "normaler" Valpolicella ist ein Wein (häufig auch: +"chen"), der fruchtbetont ist und im besten Sinne fruchtig, schmatzig, lecker daher kommt. Diese Art von Wein sollte möglichst jung getrunken werden, bevor die pralle Schönheit verwelkt. Ganz anders dieser Einzellagen-Valpolicella "Vigneto di Monte Lodoletta". Lodoletta, der Name einer rassigen Italienierin ?? - Der Name des Weinberges ist hier wohl Programm. Nur ist das nicht irgendeine Bauernschönheit von den Hüglen des Valpolicella! Das hier ist die Wein gewordene Carla Bruni - zumindest, wenn man den aktuellen Gazetten Glauben schenken mag. Einerseits ganz auf Tiefe, Kühle und understatement angelegt, sicherlich auch mit einer distanzierenden Arroganz ausgestattet - andererseits aber: sinnliche Verführung - und zwar über Ecken, so dass man gar nicht merkt, wie man langsam, aber sicher willenlos wird. So sitze ich z.B.gerade  in meinem kühlen Weinkeller (ca. 16° Grad Celsius) und versuche alle Neuzugänge in die Kellerverwaltung einzugeben.  Dieser Wein macht mich so wuschig und ich kann die Hand gar nicht vom Glas lassen; mit der Folge, dass langsam, aber sicher die Konzentration schwindet. Egal, so einen Genuss stiftenden Wein hat man nicht alle Tage im Glas, also Arbeit bei Seite, zurück in die Wohnung, eine schöne CD einlegen und geniessen!!!


Betörende Nase von ganz dunklen Kirchen und Blaubeeren - mit einem Schlag Sahne darüber; dazu Eindrücke von Thai-Basilikum, Waldboden, Leder, Lorbeeren und Tabak. Am Gaumen immer noch sehr fest, reife, aber noch erstaunlich zupackende Tannine. Dazu kommt eine zarte Fruchtsüße, die aber kaum merklich ist, denn auf der anderen Seite sind da dunkle, fast schon bitter anmutende Eindrück von 80/90%-iger Schokolade, Kirschen und etwas grün wirkenden Kräutern. Geile Länge!!!! Wow, warum ist das nur meine einzige Flasche - ich brauche mehr davon....

Meine Notiz aus 2005 stimmt immer noch - nur sind schon wieder 5 JAhre ins Land gegangen und der Wein ist kaum verändert: http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=38

 

Montag, 06.09.2010

Ein Kirchspiel; zwei Topwinzer (Keller / Wittmann); acht Verkoster und fünfzehn Flaschen



sollten Aufschluss auf eine Frage geben, die mir schon lange unter den Nägeln brennt: Was dominiert einen Top-Riesling mehr – die Handschrift des Winzers oder das Terroir??

Sieben aufeinander folgende Jahrgänge aus dem Westhofener Kirchspiel der beiden deutschen Spitzenwinzer Philipp Wittmann und Klaus-Peter Keller standen deshalb im Mittelpunkt dieses Verkostungsabends. Ergänzt wurden die in Jahresflights (d.h. paarweise, jeweils mit dem gleichen Jahrgang) servierten Westhofener Rieslinge um einen „Piratenflight“, also zwei Weine, die nicht aus der Lage bzw. nicht aus Rheinhessen stammten.


2004 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – In der ex post Betrachtung startete die Probe für mich mit dem Knaller! Grüngelber Eindruck; in der Nase vielschichtige Citrusnoten, Kräuter und frische Äpfel. Am Gaumen ein sehr mineralischer Stoff, der einerseits herrlich viel Zug aufweist, auf der anderen Seite, aber eine tänzelnde Art besitzt, die mich total begeistert. Der Wein hat viel Kraft und innere Spannung, ist strukturiert, saftig und gleichzeitig fein und komplex. Ich glaube, die britische Weinjournalistin Jancis Robinson hat mal gesagt oder geschrieben, dass die Kellerweine die deutschen Montrachets sind – ich weiß jetzt, was sie meinte, denn so etwas kann nur auf einem kalkbetonten Boden wachsen. Dieser Riesling hat immer noch so viel Kraft und innere Spannung, dass ich mir absolut sicher bin, dass „Kellerschätze“ über weitere 10 Jahre mit viel Genuss getrunken werden können.


2004 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

90 Punkte – goldgelb fließt der Wein ins Glas und wirkt vom ersten Eindruck an sehr extrahiert. Er duftet dann auch nach goldgelben, exotischen Früchten und besitzt ein sehr intensives, breites Fruchtaroma. Sehr voller Ansatz, köperreich, sehr rund und mir insgesamt einen Tick zu voluminös - ich fühle mich ein wenig geplättet. Schöne Länge - die Aromen bleiben lange am Gaumen stehen. Ein paar mit Botrytis behaftete Trauben haben wohl Eingang in die Kelter gefunden. Die Säure ist gut eingepasst und eine mineralische Ader durchzieht diesen Riesling, jedoch dominieren die reiche Frucht und der voluminöse Körper den Eindruck bis zum Schluss.


2002 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

91 Punkte – Ein immer noch junger Riesling, der zwar für den geübten Weintrinker ein paar kleine Hinweise auf sein Alter bereit hält, aber eigentlich eher wie ein Filmdiva wirkt, die mit viel Sport und Disziplin ihr Alter seit vielen Jahren erfolgreich verbirgt - trotzdem kein bisschen verschroben oder unentspannt wirkt. Der Wein kommt recht schlank daher, begeistert mit seiner feinen Mineralik und einer leichten Rauchigkeit, die mich an Feuersteine erinnert. Am Gaumen ein vergleichbares Bild: immer noch recht jugendlich, fein und mineralisch, dazu ein paar verwirrende Noten von Sahne-Toffees, nahezu ohne Fruchtaromatik – ganz von der mineralischen Noten geprägt. Mir macht so etwas sehr viel Freude und diese 2002er Ausgabe des Kirchspiels erinnert mich an einen gereiften Chablis Grand Cru. Trotz seiner fast 10 Jahre, die er als trockener Wein auf dem Buckel hat, würde ich mich sehr freuen, wenn mein Bestand größer wäre, als die eine Flasche, die ich noch im Keller habe – bleibt noch für viele Jahre ein großer Genuss.

2002 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – auffallend schöne Mineralik, dazu samtfruchtige Noten von Quitten und kandierten Citrusfrüchten; das Ganze verbunden mit einem herrlichen Frucht-Säure-Spiel. Momentan in einem perfekten Reifezustand, sehr tief und hervorragend balanciert. Zeigt am Gaumen eine dichte und konzentrierte Art sowie auffallend schön definierte Konturen. Mich begeistert dieser Riesling mit seiner Komplexität und Harmonie – die so selbstverständlich wirken, dass man fast vergisst, was so ein Wein aufweisen muss, damit man so empfindet.


2006 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

89 Punkte (??) – Noch ein recht unausgewogener Jahrgangsvertreter mit einer merkbaren Restsüße; in der Nase kräutrig-mineralische Noten und verhältnismäßige duftige Fruchtaromen. Am Gaumen ebenfalls von der Mineralik getrieben, Aromen von Anis und anderen Kräutern, substanzreich, aber im Vergleich zu den bisher verkosteten Jahrgängen nicht auf dem gleichen Niveau – hier steht mir alles zu sehr nebeneinander und irgendwie fehlt mir der Glaube, dass dies noch wesentlich besser wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen...


2006 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

92 Punkte – Erstaunlich monolithischer Riesling für diesen Jahrgang; noch sehr verschlossen – wirkt wie ein Stein, auf dem man lutscht. Aber außer ein paar tabakig-mineralischen Noten ringt man diesem Riesling nicht viel ab. Trotzdem gefällt mir diese Wittmann-Interpretation des Kirchspiels besonders gut, da sie nicht so sehr von der opulenten Frucht lebt, sondern die fokussierte Mineralik aromatisch in den Vordergrund bringt und die lebende Säure aufreizend über die Zunge tanzt. Ich glaube, dass dieser Wein ein Musterexemplar in diesem Jahrgang ist, denn in ganz Deutschland haben viele Winzer aus Angst vor dem Regen entweder zu früh geerntet und die Befürchtungen sind wahr geworden und großen Teile der Ernte sind ihnen unter den Händen weggefault - mancherorts hat dies zu Totalausfällen geführt.


2006 Niederhäuser Herrmannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff - Nahe

90 Punkte – Bereits in der Nase eine für mich eher ungewöhnliche Aromatik, die nicht in die Reihe der bisherigen Kirchspiel-Rieslinge passt – eine so ausgeprägte Etherik habe ich bei keinem Kirchspiel erlebt. Am Gaumen fallen die besondere Weichheit und der Schmelz auf, auch hier wieder etherische Noten und Anklänge an Rosen und Kuchen (Mürbeteig); recht komplexes Spiel, auch Rosinen und Honig. Ich vermute, dass auch bei diesem Wein das Lesegut nicht frei von Botrytis war und so auf den 2006er Jahrgang stilprägend Einfluss genommen hat.


2006 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

92 Punkte?? – Im Vergleich zum Flight zuvor, ein ähnlicher Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Wein innerhalb des flights. Auch hier wirkt der Wein noch sehr unentwickelt, allerdings spielt hier nicht die (sicher vorhandene) Mineralik die erste Geige, sondern der Wein besitzt eine – für mich noch unfassbare – Gärnote, die eigentlich nur spontan vergorene Weine in ihrer Jugend aufweisen. Sollte der Wein diese Noten nicht ablegen und die leicht laktische Note sich weiter entfalten, dann ist ein Punktabzug nicht zu vermeiden. Aktuell interpretiere ich es einfach so, dass dieser Riesling seine Kinderstube noch nicht verlassen möchte und sich deshalb seine reichlich guten Anlagen noch nicht voll entfalten konnten. Besonders schön ist die ausgeprägte, kräutrige Mineralik, die diesem muskulösen Riesling mit viel innerer Spannung einen rauchigen Ausdruck verleiht.


2007 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

94 Punkte – wunderbarer Stoff !! Wirkt noch sehr jugendlich, strahlt dabei aber schon eine Eleganz und Finesse aus, die mich in ihren Bann zieht. Sehr klar und rein, dieses junge Kirchspiel zeigt eine schöne innere Dichte und feine Saftigkeit, die kombiniert mit der perfekt integrierten Säure und der präzisen mineralischen Art bei mir eine Assoziation aus Herr der Ringe hervorruft – die Elbenprinzessin Arwen war von ähnlicher sinnlicher Schönheit, Feinheit und Eleganz. Wenn man es etwas profaner ausdrücken möchte, dann spricht man von Eindrücken, die an Melonen, weißen Pfeffer; Gletscherwasser, Citrusfrüchte oder geröstete Haselnüsse erinnern, vielleicht auch von der auffallend klaren Mineralik; aber diese sinnliche Eleganz lässt sich einfacher mit dem Bild der von Liv Tyler verkörperten Elbenprinzessin transportieren.


2007 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte - In 2007 haben die Reben in der Lage Kirchspiel wohl ideale Bedingungen gefunden, denn auch das Ergebnis von Philipp Wittmann ist bestens gelungen. In der Nase präsentiert sich ein wunderbarer, satter Duft von reichlich gelben Früchten, unterlegt von einer kräutrig-mineralischen Note. Der gesamte Mund wird ausgekleidet von einer Kombination von gelben und exotischen Früchten, Keksen, Karamell und Orangen. Die recht kräftige Säure passt gut zu der kompakten, dichten Art dieses Rieslings; sehr saftiger Eindruck. Auch wenn die Fruchtaromen klar im Vordergrund stehen, so verleiht die hintergründige Mineralik diesem Wein die notwendige Komplexität, um klar über 90 Punkte zu kommen. Bleibt lange am Gaumen stehen. Um den Trinkgenuss in den nächsten fünf bis zehn Jahren mache ich mir keine Sorgen.


2008 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Noch sehr junger und unentwickelter Riesling, in der Nase sehr klar und fokussiert, dezent kräutrig (Eindruck des Tages ;-) - Gurke); erinnert mich wieder an einen TOP-Grand-Cru Chablis. Am Gaumen klar und deutlich von der sehr festen Mineralik geprägt, sehr viel Zug und Kraft - ein wenig adstringierend. Was für ein schöner und stattlicher Bub!! Wenn der mal erwachsen wird, verdreht er sämtlichen „Töchtern“ den Kopf. Aber auch als Jungspund eine wahre Freude. Erinnert mich irgendwie an unseren mittwöchlichen Kick, wenn die Männer um die 40 mal wieder meinen Fussball spielen müssen und das Niveau sich auf Not gegen Elend einpendelt – dann aber die 15-jährigen Jungs fragen, ob sie mitspielen dürfen und uns links und rechts machen, so dass man manchmal nur noch mit offenem Mund dasteht und von dieser Spielanlage und dem Ballgefühl fasziniert ist. Leider sind ein paar Jungs so spielverliebt, dass sie vergessen, die wichtigen Tore zu machen. Doch dass wird bei diesem Kirchspiel nicht passieren, der begeistert in zwei, drei Jahren jeden, der ihn ins Glas bekommt und Konkurrenz braucht er auch nicht zu fürchten – das wird ein „Knipser“ (einer, der jedes Tor macht und nicht aus der Pfalz kommt )


2005 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

93 Punkte - Auffallend an den beiden 2005er Ausgaben von Kellers und Wittmanns Kirchspiel ist die stilistische und aromatische Annäherung der beiden Rieslinge; wobei das Kirchspiel von Wittmann sich der sehr reinen, filigranen und die Mineralik betonenden Art der Kellerweine annähert.

Das Kirchspiel von Keller ist kühl, sehr klar und reintönig. Aromatisch wunderbar tief und fest. Die feingliedrige Säure und die mineralische Prägung animieren zum Trinken, ich kann kaum die Hand vom Glas lassen. Bei aller Eleganz, der Wein hat Zug und Kraft und wirkt engmaschig gewoben. Gute Länge. Ein sicherer Trinkgenuss in den nächsten fünf bis acht Jahren.


2005 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

92 Punkte – Bereits in der Nase vermittelt dieser Wein einen sehr klaren Eindruck mit seiner schönen, leicht tabakigen Würze; Aromen von gelben Steinobstfrüchten und Citrusfrüchten runden das Bild ab. Auch am Gaumen dominiert die kräuterwürzige, tabakige Mineralität. Die sehr gut integrierte Säure, verbunden mit dem kräftigen Körper, lassen bei mir die Zunge schnalzen. Ich liebe diese Form von feiner, salziger Mineralität, die diesen Riesling vom ersten Eindruck in der Nase bis in den schönen Abgang durchzieht. Insgesamt eine „griffige und zupackende“ und gleichzeitig komplexe und feine Interpretation des Kirchspiels von Wittmann, die ansonsten deutlich fruchtbetonter und runder wirkt.


2003 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

92 Punkte – Unglaublicher substanzreicher Riesling; diese aromatische Opulenz macht wach! Die zupackende Mineralik und die feste, bestens integrierte Säure bilden ein Team, das ein komplexes und raffiniertes Zusammenspiel ermöglicht. Klar und reif in der Aromatik; sehr ausdrucksstark. Mich erinnert dieser Wein an eine Brausewürfel aus der Kindheit – und das ist nicht als Beleidigung, sondern als großes Kompliment gemeint, denn ich habe es geliebt, dieses Kribbeln auf der Zunge und die intensive Aromatik, bevorzugt Waldmeister. Auch dieser Wein erzeugt bei mir dieses gewisse Kribbeln, nicht weil er etwa nachvergoren ist, sondern weil er einerseits den ganzen Rachenraum mit vielfältigen, klaren und reintönigen Fruchtaromen ausgekleidet und andererseits die Mineralik fast schon kribbelt. Insgesamt sehr animierend und auf sehr hohem Niveau trinkig; hinten heraus leider nicht ganz so lang wie erhofft. Sicherlich noch viele, viele Jahre mit Freude zu trinken.


2003 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

91 Punkte – in der Nase immer noch Noten, die eher junge spontan vergorene Weine aufweisen. Dazu kommen Aromen von Citrusfrüchten und gelben Früchten. Hat einen schönen Druck und Zug am Gaumen; insgesamt mit guten Struktur unterlegt. Am Gaumen durchzieht eine feine Mineralik den Wein, aber die gelben Früchte behalten aromatisch klar die Oberhand. Gute Länge – well done!



Als Fazit der Probe möchte ich meinen Weinfreund Reiner zitieren, der auch meine Eindrücke perfekt zusammengefasst hat:

„Ein wichtiges Ergebnis war sicher (außer dass Keller und Wittmann hervorragende Winzer sind und Kirchspiel eine herausragende Lage ist), dass offensichtlich der Einfluss des Winzers auf den Charakter eines Weins stärker ist als der Einfluss der Lage. Es ließ sich durchgehend ein eher auf Frucht und Opulenz gerichteter Stil (Wittmann) und ein eher puristischer, die Mineralität hervorhebender Stil (Keller) unterscheiden. Die Ausprägung dieser Unterschiedlichkeit variierte zwar je nach Jahrgang, war aber in der Tendenz immer spürbar. Dass das Terroir bei aller Unterschiedlichkeit der Weine doch eine Gemeinsamkeit herstellt, merkte man aber an den beiden Nahe-Weinen, die relativ schnell als Piraten identifiziert werden konnten.“

Sonntag, 13.06.2010

2006 Grüner Veltliner Vinothekfüllung, Weingut Knoll - Wachau


92 Punkte - fast gleiche Punktzahl wie vor einem Jahr (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=387); braucht aktuell aber deutlich mehr Luft und zeigt eigentlich erst am zweiten Tag, was in ihm steckt. Immer noch ein fettes Baby, das im Vordergrund über viel Frucht von reifen Äpfeln, Quitten und Citruaromen verfügt, aber hinten heraus brennt (im wörtlichen Sinne) die Mineralik mit deutlich salzigen und kräutrigen Noten, leider auch wenig der Alkohol. Dieser Wein ist defintiv (!!) nicht für Liebhaber filigraner Weine, das ist ein Wein, der den Hammer raus holt und der es mit seinen 14,5% Alkohol (so viel stehen zumindest auf dem Etikett, mich würde es nicht wundern, wenn er in Wirklichlkeit noch etwas höher ist) es auch nicht verzeiht, wenn man eine Flasche über den Abend verteilt trinkt. Trotzdem mag ich solche gut gemachten Weißweingrananten, da sie über viele Schichten verfügen und so -wie diese Vinothekfüllung - eine erhebliche Länge im Abgang aufweisen.

Mittwoch, 26.05.2010

2008 Riesling Winninger Uhlen R / Roth Lay - Heymann-Löwenstein


94 Punkte - Jedes Jahr freue ich mich, wenn dieser Stoff im zweiten Frühjahr nach der Ernte freigegeben und geliefert wird. Auch dieses Jahr musste eine Flasche gleich wieder daran glauben, um meine Neugier zu befriedigen.

 

Doch vorab ein paar Infos, die ich gerne in Form von links wiedergebe, denn es wird und wurde so viel über die Reinhard Löwenstein und seine Frau Cordula Heymann-Löwenstein geschrieben, dass eine kurze Zusammenfassung hier nur mangelhaft ausfallen kann. In erster Linie empfehle ich dem geneigten Leser die homepage des Weingutes und hier speziell die Pressesammlung als Quelle der Inspiration:
http://www.heymann-loewenstein.com/Neu/Presse/100_Presse.htm

Als Einstieg eignen sich hier die Essentials und hinsichtlich der Weinbergslagen sollte man den Artikel "Die 1.Lagen Uhlen und Röttgen" lesen. Echten Weinfreaks und Hobby-Geologen kann ich den tollen Artikel "Erste Lage Uhlen - Von der Geologie zum Terroir" von Dr. Ralf Kröll und Reinhard Löwenstein empfehlen. Und wer sich für die (nicht nur) vinophilen Weltanschauungen des Reinhard Löwenstein interessiert, dem sei sein Buch "Terroir - Weinkultur und Weingenuss in einer globalen Welt", erschienen im KOSMOS-Verlag, an Herz gelegt. 

Sehr informativ ist auch das Probenprotokoll einer sensationellen Vertikalverkostung Winninger Uhlen von 1996 bis 2007, nachzulesen unter: http://www.weinkaiser.de/?p=1131
 

Genug der Theorie, jetzt zur Praxis: Am ersten Tag nach dem Öffnen wirken die jungen Weine von Heymann-Löwenstein immer recht üppig, fast schon ein wenig barock und der Zuckerschwanz ist vielleicht sogar ein wenig aufdringlich. Zwar bin ich ein Verfechter der These, dass ein großer Wein zu jedem Zeitpunkt überzeugen sollte, doch die Erfahrung zeigt, dass sich speziell bei den großen Lagenrieslingen von Heymann-Löwenstein die Lagerung über ein paar Jahre nicht nur empfiehlt, sondern geradezu aufzwingt. Aber was macht man da mit seiner Neugier, wenn der neue Jahrgang geliefert wird?? Man zwingt sich einfach, die Flasche nicht gleicht auszutrinken, sondern - so wie bei mir durch die Abwesenheit zu Pfingsten - ein paar Tage angebrochen gut temperiert stehen zu lassen. Heute ist Tag 5 nach dem Öffnen und ich freue mich, dass ich die Geduld aufgebracht habe, denn jetzt zeigt der Wein schon eher, welche Klasse in ihm steckt. Besonders auffallend ist jetzt die seidige Textur, mit deren Hilfe dieser tiefe und hochelegante Riesling Mund-und Rachenraum auskleidet. Dabei ist er sehr fest gewoben und körperreich und die Aromen von weißen und gelben Steinobstfrüchten fechern sich langsam auf, wenn man den Stoff kauend geniesst. Die wunderbar kräftige Mineralik kommt aromatisch durch eine feine Tabakwürze und kräutrige Noten zum Tragen und entfacht eine Vibration, die auch nach dem "Schlucken" noch lange nachklingt. Für mich ist dies ein Riesling wie aus einem Guss, der sich zur Zeit nur langsam und  noch etwas widerwillig Schicht für Schicht abtragen lässt.


Fazit: Bilderbuchstoff für forgeschrittene Weintrinker, die beim Genuss Zeit und Muse mitbringen und sich auf so einen Stoff einlassen können. Ein Wein zum "Entschleunigen"

Mittwoch, 19.05.2010

2003 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese, Weingut Flick - Rheingau


91 Punkte - Da sag mir doch einer noch mal, dass es im Jahrgang 2003 nur breite Weine, ohne Charme und Klasse gibt. Aber Gott sei Dank bestätigen Ausnahmen die Regel. Und so eine Ausnahme habe ich gerade im Glas - wundebare, dichte Nase mit vollreifen Aromen von Bratäpfeln, Honigmelone und Quitten. Darüber spannt sich ein Hauch von Firne und der Geruch von feuchten Steinen nach einem Sommergewitter. Der eigentliche Gong kommt aber, wenn der Wein in den Mund strömt - so eine satte Frucht von gelben und weißen Früchten (ohne jeden Anflug von Breite) hatte ich bei einem trockenen Riesling selten im Glas. Ein Maul voll Wein ist wohl hier die richtige Beschreibung. Die Hand geht ständig zum Glas, auch wegen der reifen Säure und den mineralischen Noten, die dem Wein eine gute Balance geben und ihn lange, sehr lange tragen. Dazu geht ein schön gegrilltes Stück Fleisch - Herz, was willst du mehr.

Dienstag, 20.04.2010

2000 Cims de Porrera Classic, Cims de Porrera - Priorat


92 Punkte - Mit dem ersten Jahrgang 1996 erzeugte dieser Wein in Deutschland großes Aufsehen und seitdem taucht er mit beständiger Regelmäßigkeit in diversen Weinforen immer wieder auf. Da ich ein großer Freund von vertikalen Verkostungen (ein Wein über diverse Jahrgänge) bin, muss ich zugeben, dass ich den Tropfen "blind" über mehrere Jahre gekauft und eingelagert habe. Nach und nach öffne ich nun die Flaschen und versuche nachzuvollziehen, warum dieser Wein ein solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Da über das "Projekt" Cims de Porrera genug geschrieben wurde, erspare ich mir hier Details und empfehle dem interessierten Leser den Wein zu googlen. Reduziert auf meine Verkostungseindrücke läßt sich zur 2000er Ausgabe folgendes sagen: Mit einer dichten, rubinroten Farbe und offensichtlich unfiltriert fliesst er ins Glas. Die Nase ist geprägt von eingekochten roten Früchten, primär Kirschkonfitüre. Frisch geöffnet ist er irgendwie schwierig (max. 89 Punkte), aber mit etwas Luft wird er deutlich klarer in der Aromatik, auch am Gaumen wird er nach 1-2 Stunden immer schöner (aber bitte nicht dekantieren). Zunächst erinnert mich das noch etwas diffuse Aroma stark an eingekochte Früchte und ich bin nicht sonderlich begeistert, doch mit zunehmender Luft gewinnt er deutlich an Kontur und nach 1-2 Stunden ist er geprägt von einer klaren, schönen Kirschfrucht, die mit ausgereiften Tanninen und einer sehr schönen Säure unterlegt, daher kommt. Der Wein ist dann schön saftig und entfaltet sein gesamtes Potential. "Schmatzig" habe ich mir notiert, der Speichelfluß im Mund nimmt deutlich zu und ich kaue immer länger auf diesem, inzwischen herrlichen Stoff. Der Abgang wird immer länger und alle 15 Minuten ziehe ich meine Punkte nach - waren da zu Beginn maximal 89 Punkte im Glas, so komme ich nach ca. 2 Stunden schon auf 92, auch die 93 sind nicht abwegig. Ich habe in der letzten Zeit selten einen Wein aus diesem Jahrtausend erlebt, der innerhalb von 2 Stunden so zugelegt hat. Einen letzten Schluck, einen "Zungenschnalzer" und 92 Punkte als mein Bekenntnis für die Trinkfreude, die er mir bereitet hat sowie einen letzten Rest in der Flasche für die morgige Nachverkostung und die Welt ist trotz Flugverbot und kurz bevorstehendem Urlaub in Paris (wie komme ich nur dahin?) in Ordnung.

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Mittwoch, 14.04.2010

2006 Chablis Fourchaume Premier Cru, Domaine du Colombier - Burgund


91 Punkte - Vor ca. drei Jahren sind drei Freunde und ich für ein paar Tage in die Champagne gefahren, um uns kostengünstig mit Champagner von kleinen, ausgesuchten Erzeugern einzudecken. Da Neugier regelmäßig über Vernunft siegt, haben wir an einem Tag unserer Reise  einen Abstecher in das nahegelegene (??) Chablis gemacht - für mich das eigentliche highlight der Reise. Ich glaube, Nils war derjenige, der sagte, wir müssten bei der Domaine du Colombier vorbei, dort gäbe es sehr gute Weine. Gesagt, getan und so sind ein paar Flaschen dieses in Deutschland noch recht unbekannten Erzeugers (aber mit ca. 35 ha doch für die Region recht großn Erzeugers) in meinen Keller gewandert. Was für ein Glück, denn jetzt beginnt der 06er Fourchaume eine erste Trinkreife zu zeigen und offenbart, was in ihm steckt:

Sehr klare, strahlende, rechte helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Im Bukett mit einer einladenden Blütenaromatik, etwas Kamille und Eindrücken von Netzmelonen (Galiamelonen); zwischendrin auch leicht wachsige Aromen. Am zweiten Tag deutlich mehr gelbe Frucht (Apfel und Melone). Auf der Zunge entfaltet sich eine wunderbare, intensive Frucht und Mineralik, die am zweiten Tag noch viel schöner ist als direkt nach dem Öffnen der Flasche. Herrlich saftig und eine große, aromatische Länge habe ich mir  auf meinem Zettel notiert und so komme ich direkt ein bisschen in Schwärmen, denn auch der cremige Schmelz und die leicht sahnige Art finden als Gegenspieler eine animierende Frische und eine perfekt eingebaute Säure. Die deutlich mineralischenie  (Kreide-) Noten, dazu Aromen von Melonen, Blüten und Citrusfrüchten - durchsetzt mit sahnigen Noten (nicht aus dem Barrique) - machen diesen Chablis aus sicherlich einer besten Premier Cru Lagen zu einem echten Erlebnis. In Anbetracht der explodierenden Preise im Weinmarkt ist dieser Stoff auch in Deutschland mit einem Preis von unter Euro 20 noch als Schnäppchen zu bezeichnen.

Wer die aktuellen Jahrgänge 2008 oder 2009 kauft, sollte ihnen zwei oder drei Jahre Ruhe im Keller gönnen.

Samstag, 10.04.2010

1978 Musigny Vielles Vignes, Comte Georges de Vogüé – Burgund (Top of the Pops)


94 Punkte -  Immer noch sehr fest und mit ordentlichem Speck auf den Rippen präsentiert sich der Musigny Vielles Vignes vom Comte Georges de Vogüé, übrigens eines derjenigen Häuser, das Parzellen von Bernard Grivilet übernommen haben soll (wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht). In der Aromatik seinem Vorgänger nicht unähnlich, aber noch deutlich fester und straffer. Auffallend schön, auch hier eine feine Süße, die diesen hervorragenden Burgunder ebenfalls auszeichnet. Die ausgeprägte Eleganz des Chambolle Musignys von Grivilet kann das „Flaggschiff“ des Comte Georges de Vogüé aktuell noch nicht (!!)ganz bieten, aber das Potential in ein paar Jahren mit dann gleichem Erfolg zu reüssieren ist vorhanden.

Mittwoch, 24.03.2010

1978 Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvee, Bernard Grivilet - Burgund (Top of the Pops)


96 Punkte - Einmal mehr zeigte sich, dass die Weine von Bernard Grivilet lange Zeit das Maß der Dinge im Burgund waren. Zwar wird kolportiert, dass er bereits in den 70er Jahren den Kunden seines Handelshauses angeboten haben soll, sich den Jahrgang auf dem Etikett auszusuchen, doch letztlich verbinde ich bislang mit den Weinen seiner Domaine nur unfassbar schöne Trinkerlebnisse. Einen Wein von überirdischer Schönheit und eines meiner bislang größten Weinerlebnisse habe ich auch ihm zu verdanken (ein 1945er Chambolle-Musigny). Auch dieser Chambolle ist kein Ausreißer in der Reihe und der erste Eindruck in der Nase, geprägt von einer tiefen und sehr feinen Aromatik, lässt diese Unruhe in mir aufkommen, die ich immer verspüre, wenn ich das Glück habe, besonderen Weinen zu begegnen. Tee von roten Beeren, Feuerstein und eine feine, elegante Süße sind Eindrücke, die mich anfixen. Am Gaumen seidige Eleganz und ein hauchzarter Schmelz, dazu ein Eindruck auch gut zu einem Rhonewein (in Form von verbrannter Erde und heißen Steinen - und vielleicht ist ja auch etwas Rhone drin ;-)))  passen würde.

1967 Martha’s Vineyards, Heitz Cellars – Kalifornien (Top of the Pops)



97 Punkte – Unglaublich „LECKER“ habe ich mir bei diesem 67er Martha’s Vineyards notiert, aber das ist nicht dieses „lecker“, das man häufig aus lauter Verlegenheit benutzt, wenn einem nichts anderes einfällt und man seinen Gastgeber nicht brüskieren möchte. Dieses „LECKER“ steht für mich für die wahre Freude und den großen Genuss. Dies ist ein Stoff von klassischer Schönheit, der mich durch seine wunderbare aromatische Tiefe und Struktur sowie sein hohes Maß an Komplexität und Länge total begeistert hat. Mit Momentaufnahmen wie: feine Pfefferwürze, dezente Malzsüße oder elegante Minzaromatik kann man diesem Wein nicht gerecht werden, aber es sind kleine Hinweise auf die Schönheit der Reise, auf die man bei diesem Wein mitgenommen wird. Ich glaube zwar kaum, dass es nochmals einen Leser geben wird, der diese Eindrücke nachvollziehen kann, denn so rar sind alte Matha’s Vineyards, aber umso mehr möchte ich unserem Weinfreund danken, der diese Flasche angestellt hat!

Sonntag, 21.03.2010

1993 Chateau Valandraud – Bordeaux (Top of the Pops)


90 Punkte – Das Pendant in diesem fünftem 2er-Flight, der 1982er Grand-Puy-Lacoste hatte leider einen schleichenden Kork und war kein Vergnügen (daher ohne Bewertung). Umso erfreuter war ich als ich die Nase bei diesem Wein zum ersten Mal ins Glas hielt. Zwar hatte ich zu Beginn eine Assoziation mit Pferdemist (aber man kann es ja auch etwas freundlicher formulieren und von Pferdebox oder –stall reden), aber dann zeigte dieser immer noch sehr jung wirkende Wein sowohl in der Nase, was in ihm steckt: viel Röstaromen, Schokolade und grüner Tabak – insgesamt etwas uneben und vielleicht sogar ein Hauch bäuerlich, aber andererseits gefallen mir die Frucht und die Eindrücke von wilden schwarzen Beeren, Wachholder und Lorbeer, gepaart mit etwas grünem Paprika. Am Gaumen hält er leider nicht ganz das, was die Nase verspricht, denn die Frucht ist den etwas grün wirkenden Tanninen nicht mehr ganz gewachsen

Dienstag, 16.03.2010

1995 Cheval Blanc – Bordeaux (Top of the Pops)


91 Punkte – Vielleicht kam dieser Beau, dieser weichgespülte Jüngling nach diesem Kerl von Wein in der Bewertung etwas schlecht weg, denn irgendwie hätte ich lieber den 1982er Gruaud Larose weiter getrunken, als diesen Wein, der einem dieser bildschönen Hugo (Boss)-Bubi-Models auf dem Laufsteg in Paris gleicht, denen zwar auch die Mädels zu Füßen liegen, aber die sooo schön sind, dass man sie als Mann eigentlich nicht ernst nehmen kann – glatt und septisch eben.  Zu Beginn laktische Noten in der Nase, dann viel Kirsch durchzogen mit Eukalyptus. Einerseits sehr weich am Gaumen, mit sahnigem Schmelz und Noten von Heidelbeerkuchen mit Schmand, andererseits mit sehr lebendiger Säure, die etwas außen vor steht. Modern gemachter Wein, der jetzt schon getrunken werden kann, aber leider hinten heraus nicht ganz das halten kann, was die fruchtige Aromatik zu Beginn verspricht. Klingt vielleicht alles etwas negativ, aber 91 Punkte sind ja nicht schlecht – oder? Obwohl bei dem Preis?

1982 Chateau Gruaud Larose – Bordeaux (Top of the Pops)


97 Punkte – Rrrrh, what a man, die Damenwelt wäre wohl begeistert, denn dieser Stoff ist der Wein gewordene Sean Connery, eine Mischung aus Kerl und Gentleman, aus schottischer Derbheit und weltgewandtem Auftreten, einem von der Natur gegerbtem Gesicht mit spitzbübischem und verführerischem Lächeln. Für mich ist dieser Wein der Inbegriff eines klassischen Bordeaux; intensive Nase mit Noten von Speck und Rauch; einerseits urwüchsig, fast animalisch, andererseits mit viel Charme und Finesse. Am Gaumen immer noch unglaublich jung, mit viel Kraft, Druck und kernigem Körper – hat einen mächtigen Bums würde man wohl beim Rugby oder Fußball sagen. Dazu passen die ledrigen Noten genauso gut wie die schwarzen Beeren und die getrockneten Kräuter- und Lorbeernoten. Bei so einem Wein geht bei mir die Hand permanent zum Glas, aber es gibt auch Momente, da sitzt man fast meditativ in der Ecke und genießt die aromatische Länge jedes Schlucks.

1937 Chateau Climens – Barsac (Top of the Pops)


95 Punkte – Beim Climens hatten wir dann endgültig funkelnd süße Cola im Glas. Bereits beim ersten Schnuppern war klar, das ist eine kleine Aromenbombe, die aber zur Zündung noch viel Luft brauchte. Bedingt durch eine heftige Druckwelle werden die Aromen an den Gaumen gepresst. Sehr süßer und voluminöser Eindruck, aber trotz dieser power, die auch für einen so alten Süßwein absolut beeindruckend ist, hat mir der vorhergehende 21er Doisy Daene auf Grund seiner Differenziertheit und Eleganz einen Hauch besser gefallen.

 

Dienstag, 09.03.2010

1921 Chateau Doisy Daene – Barsac (Top of the Pops)


97 Punkte – Alte Süßweine sind ein Kapitel für sich, in ihrer Jugend kann ich selten etwas mit ihnen anfangen, selbst „midage-Ausgaben“ zeigen nicht häufig das, was diese „alte Dame“ an Komplexität, Eleganz und Genuss ausstrahlte. Der Anblick im Glas wird ungeübte Altweintrinker eher abschrecken, denn es sah so aus, wie das Mixgetränk, das man den Japaner immer andichtet: ein Mix aus Cola, Weißwein und Wasser. In der Nase der totale „Nasenbär“, denn diese Melange aus frisch geröstetem Malz und vielen, vielen getrockneten Kräutern erinnert mich einerseits an Kräuterlikör, andererseits an eine Mischung aus Kinderhustensaft und Colaflaschen von Haribo. Ja, ja ich weiß, das ist keine professionelle Weinbeschreibung, aber muss es auch nicht ;-) Am Gaumen nicht minder interessant - man gleitet nach jedem Schluck mit der Zunge über die Lippen, um noch mal die gewonnenen Sinneserlebnisse Revue passieren zu lassen. Zunächst ein furioser Auftakt mit viel Karamell, dunkler Edelschokolade und malzigen Kräuterbonbons. Dann wird der Eindruck etwas „leiser“, der Wein gewinnt weiter an Komplexität (mit feiner Rosenaromatik) und Eleganz, um sich in einem nicht enden wollenden Abgang nur ganz, ganz langsam zu verlieren.

1947 + 1943 Gröver Engelberg Riesling naturrein, Drei Giebelhaus Kellerei – Mosel (Top of the Pops)


90 Punkte ?? - Auch der 2. Weißweinflight  war ein Knaller, denn als Roman Niewodniczanski von Van Volxem uns fragte, was wir von den beiden vor uns liegenden Weinen halten würden und was wir glaubten, wie alte diese Weine sind, griffen wir schon alle in die etwas älteren „Kisten“, aber dass wir hier einen „gewöhnlichen“ 1943er und 1947er Moselriesling vor uns hatten, auf diese Idee konnte keiner kommen. Aber um diese beiden Weine rankte sich noch eine weitere schöne Geschichte, denn Roman erzählte, dass ein ehemaliger polnischer Mitarbeiter, der jetzt bei einer Baufirma arbeitete eines Tages anrief und berichtete, dass man beim Erdaushub eines bereits vor vielen, vielen  Jahren abgebrochenen Hauses auf alte Flaschen gestoßen war. Die Weine der heute  nicht mehr existierenden „Drei Giebelhaus Kellerei“ wurden so aus ihrem „Gefängnis“ gerettet, in dem sie über Jahre, Jahrzehnte unter einem absoluten Vakuum und ohne jeden Lichtstrahl zugebracht hatten. Auch wenn diese idealen Bedingungen sicherlich besonders günstig waren, ist es dennoch faszinierend, dass ein naturreiner Riesling, der in diesen Kriegs-bzw. Nachkriegsjahren garantiert ohne besondere Technikausstattung absolut natürlich vergoren wurde, heute noch eine solche Performance hinlegt.

 

Die 43er Ausgabe des Trabener Geispfad (so hieß zumindest damals das Teilstück der heute leider flurbereinigten und somit namentlich nicht mehr existierenden Lage) war zu Beginn etwas rauchig in der Nase, auch etwas medizinal, mit leichten Noten von Nagellack, was jedoch mit der Zeit verflog. Am Gaumen hat mich die glockenklare (kühl und klar wie ein Gletschersee) Art begeistert. Der Wein hat immer noch eine tolle Struktur, ist mineralisch und etwas sehnig, so wie der Marathonläufer, der einmal um den Gletschersee läuft. Gut zu Gesicht standen dem Wein auch die feinen, sehr dezenten Citrusnoten.

 

Die 47er Ausgabe war etwas barocker, in der Nase zu Beginn ein Mix aus Misthaufen und Pfefferminz – klingt lustig, aber manchmal ist es wirklich schwer die erlebten Eindrücke zu assoziieren. Beim Trinkgenuss kamen dann Eindrücke von frischer Maracuja und einer gewissen Kräutrigkeit (frische Bergkräuter) hinzu. Stämmiger Stoff, der leider im Abgang dann etwas kurz ist.

 

Mit der Bepunktung der beiden Weine ist das so eine Sache - absolut gesehen liegt so ein Wein knapp unter 90 Punkten,  betrachtet man jedoch z.B. die Relation aus Alter und Frische, dann strebt das Ganze  in Richtung Höchstmarke. Letztlich habe ich versucht alle Aspekte in die Bewertung einzubeziehen, auch die Freude beim Trinken … und diese alte Knochen „liefen“ unglaublich gut, wobei mich die Leichtigkeit und Frische des 43er (bei 10,5% Alc.) etwas mehr begeistert hat, als die aromatische Fülle des 47er (11,0% Alc.).

Donnerstag, 04.02.2010

1955 Le Montrachet - Vandermeulen - Burgund (Top of the Pops)


93 Punkte – Der 1955er Le Montrachet aus der Vandermeulen-Abfüllung wirkte da deutlich schlanker, aber auch klarer. Als der Wein in Glas kam, hatte er eine leichte Spritnase und  Anklänge von frisch lackierten Fingernägeln (nur konnte ich nicht  die Dame ausmachen, die ihn gerade aufgetragen hatte) – doch dieser Eindruck verflog. Einige am Tisch diskutierten auch über einen kleinen (Kork-)Böchser, aber ich glaube, dass der Wein einfach etwas Luft und Zeit (die ihm einige nicht ausreichend gaben) brauchte, um sich zu entfalten. Mir gefiel insbesondere die elegante Leichtfüßigkeit, mit der er dann über die Zunge tanzte. Der Wein war dabei so unglaublich mineralisch und immer noch straff, sodass man einen völlig anderen Eindruck hatte, als die 55 Jahre, die zwischen dem Jahrgang auf Etikett und der subjektiven Wahrnehmung lagen.  Sehr klar, stringent und herrlich elegant - Jil Sander in Perfektion, aber wer kennt diese Mode im Original noch.

1947 Le Montrachet - Vandermeulen - Burgund (Top of the Pops)


90 Punkte - Mit dem 1.Weißweinflight war auch sofort klar, warum diese Probe Top of the Pops hieß; einen 1947er Le Montrachet aus einer Vandermeulen-Abfüllung hat man wirklich nicht alle Tage im Glas. Aber dass im Nachbarglas dann auch gleich noch das 1955er Pendant steht, ist ein Glück, das nicht vielen Weinfreunden beschieden sein dürfte.  Aber gerade bei solchen Flaschen zeigt es sich mal wieder, wie wichtig das „blinde“ verkosten ist, denn jeder halbwegs weininteressierte Mensch erstarrt schon beim Anblick einer solchen Flasche, geschweige denn, dass man sie als Doppelpack ins Glas bekommt. Der 1947er war bernsteingelb, verströmte in der Nase leichte Nussnoten, am Gaumen zeigte er einen cremigen Schmelz, wirkte aber auch etwas stumpf. Im Geschmack erinnerte er mich ein wenig an die Orangensticks, die es mal vom Schokoladenhersteller „Sprengel“ gab (ich glaube, heute gibt es weder die Sticks noch Sprengel mehr) und die ich als Kind sehr mochte. Die Art der Aromatik lässt wohl den Schluss zu, dass das Traubenmaterial einen recht hohen Anteil an Botrytis hatte, dies erklärt vielleicht auch den Hauch an flüchtiger Säure, den dieser barocke, etwas in die Jahre gekommene Brocken verströmte.

1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Karthäuserhof - Mosel (Top of the Pops)


92 Punkte - Sozusagen  zur Einstimmung gab es den einzig „offen“ ausgeschenkten Wein an diesem Abend. Aus der Magnum kam ein prachtvoller 1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese Goldkapsel ins Glas. Mich faszinierte insbesondere sein glockenklarer Ausdruck. Am Gaumen immer noch unglaublich saftig, dicht und jung, mit viel gelben (kandierten) Früchten und deutlichen Ananasanklängen. Neben einem wirklich schönen Spiel zwischen Süße und Säure, zeigt dieser immerhin schon 17 Jahre alte Riesling eine Mineralität, die vom Feinsten ist, und da er erst am Beginn seiner Reife ist, dürfte man noch viele, viele Jahre ganz viel Freude an diesem Musterexemplar haben.

Top of the Pops Weinprobe

Der Wineterminator hatte zur Top of the Pops Probe eingeladen und von nah und fern kamen sie, die genussverliebten Weinfreaks. Nicht nur die Weine waren an diesem Abend besonders spannend, sondern auch die Gespräche darüber. Die Küche des mir besonders lieb gewordenen Düsseldorfer Restaurants „Schorn“ leistete ebenfalls einen tollen Beitrag zum Gelingen dieses Abends.

In den nächsten Tagen folgen die einzelnen 2er- flights - es wird spannend ....

Mittwoch, 03.02.2010

2008 Wiltinger Braunfels, Van Volxem - Saar


90 Punkte - Habe gerade dieses wirklich leckere Teil im Glas. Das ist Rieslingfreude pur. Ungemein trinkig und Schiefer-lutsch-Spaß pur. Besonders willkommen sind mir die 11,5% Alkohol; der Wein animiert. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen zu so später Stunde nur ein Glas zu trinken, aber der ist so gut, dass ich die halbe Flasche schon leer habe. Die wirklich tiefe Mineralik spielt mit einer feinen, fruchtigen (viel Weinbergspfirsich) Süße, die einerseits durch eine richtig schön eingebundene Säure gut abgepuffert ist und andererseits auch aromatisch durch Jod- und herbe Kräuteraromen (z.B. Salbei) geschmacklich nicht im Vordergrund steht. Ich glaube, dass dieser Stoff sehr viel länger tollen Genuss bietet als die allenthalben angegeben Trinkfenster 2009-2012/13. Dieser Stoff hat genug Substanz, dass er auch in vielen Jahren noch Spaß macht. Für die ca. 14 Euronen, die er kostet, ist das richtig tolles Kino und ich wette darauf, dass er in Blindverkostungen so manches Großes/Erste Gewächs in den Schatten stellt. In der Art und in der Aromatik erinnert er mich an einen Basiswein von Knebel (Mosel), der mich  vor ein paar Jahren ebenfalls so begeistert hat. Für mich sind das glatte 90 Punkte.

Mittwoch, 27.01.2010

2006 Alto Moncayo, Alto Moncayo - Campo di Borja


93 Punkte - Draußen tobt der Winter und was macht man da? Man geniesst mollige Weine, die von innen richtig wärmen. Unfassbare 16% Alkohol bringt dieses kleine Monster ins Glas - trotzdem ist dieser 100%ige Garnacha, geerntet von über 60 Jahre alten Rebstöcken keinesfalls zu brandig oder untrinkig. Ganz im Gegenteil, man muss sich bremsen, nicht ein Glas nach dem anderen zu trinken und damit risikieren, dass man am nächsten Morgen verschläft.

Im Glas verströmt der Wein satte Aromen von einem Korb voller Beerenfrüchte (Blaubeeren,  schwarzen Johannisbeeren und schwarzen Kirschen), gemixt mit ein bunten Strauß von Gewürzen (Wacholder, Zimt, Lavendel und Vanille). Am Gaumen herrlich saftig und fleischig, getragen von körnig, runden Tanninen, die strukturbildend wirken. Der beerigen Süße steht eine gute Säure und eine erstaunliche Mineralik ausgleichend gegenüber, sodass der Wein insgesamt sehr voluminös, aber nie plump wirkt. Abgerundet wird der Genuss durch einen flüssig gewordenes Stück  halbbitterer Schokolade, das - zusammen mit den Fruchtnoten - lange am Gaumen haftet. Wow, ist das lecker!!!! Kleiner Tip am Rande, nicht zu warm trinken, habe ihn mit ca. 12 Grad aus dem Keller geholt und selbst bei dieser Temperatur hat er Spaß gemacht; wird er zu warm (>18 Grad) Celsius macht sich der Alkohol immer deutlicher bemerkbar und wirkt insbesondere in der Nase zu intensiv. Eventuell Messer und Gabel bereit legen, denn eigentlich kann man diesen Wein essen, so dicht wirkt er. Zwar kostet der Wein ca. Euro 35, aber so ein hedonistisches Konzentrat wird man nicht billiger bekommen.

Zum Weingut gibt es auf der Seite von Silkes Weinkeller (www.internetoase.de) folgendes zu lesen:

"Bodegas Alto Moncayo wurde 2001 gegründet. Davor war die Winzerfamilie Teil der führenden Cooperative BORSAO in der kleinen D.O. Campo de Borja süd-östlich der Rioja.
Entscheidend für den Ausstieg aus der Cooperative war die Zusammenarbeit mit Jorge Ordonez. Jorge Ordonez ist einer der erfolgreichsten Exporteure für spanische Weine weltweit und widmet sich darüber hinaus seit einigen Jahren leidenschaftlich und mit großem persönlichen Einsatz, um die Modernisierung und qualitative Verbesserung des Weinbaus in den lange unterschätzten Weinregionen in Spaniens Süden, wie Jumilla, Calatayud und auch Campo de Borja. Durch seine Vermittlung konnte der angesehene australische Önologe Chris Ringland als Weinmacher für den Eigenausbau der Weine von Bodegas Alto Moncayo gewonnen werden. Mit seinem Know How schuf er aus den bis zu 100 Jahre alten Garnacha-Reben aus bevorzugten Weinbergen an den Hänger der Moncayo Berge, derart dichte, konzentrierte Weine mit überwältigenden Fruchtaromen und Eleganz (...)"

Montag, 18.01.2010

2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 4)



94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.

 

Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.

2001 Chateau Pavie – St. Emilion (Spannendes Spanien - Flight 4)


97 Punkte – Duftmonster!! Was für ein unglaublicher Stoff, was für eine "Piratenbraut" in unserer Spanienprobe: so sexy, so feminin, rund und weich. Dieser betörende Stoff besteht aus 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Ausladende Fruchtaromen, perfekt in Szene gesetzt und schon jetzt unglaublich harmonisch und animierend zugleich. Kraftvoll, dicht, extraktreich und saftig – Schicht um Schicht möchte man diesen Stoff zerlegen und man wird immer wieder auf etwas Neues stoßen: ein Korb voller Früchte, viel süße Lakritze, Kakao, feinste Schokolade, diverse Kaffeearomen – einfach herrlich. Runder Ansatz, dabei saftig und mit perfekt ausgereiften Tanninen sowie einer kräftigen, sehr gut korrespondierenden Säure, ausgestattet. Dieser Wein ist mustergültig und ich kann mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahrgang einen besseren Bordeaux gibt, vielleicht noch Latour (aber völlig anders). Phantastisch langer und wunderbar fruchtbetonter Abgang, dabei stets dicht, kraftvoll und durchaus Eleganz zeigend - soweit dies eine junge Diva entwickeln kann. 

2001 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 4)


95 Punkte – Sicherlich einer der größten Jahrgänge des Clos Mogador: kraftvoll, saftig, dicht und wunderbar vielschichtig – so präsentiert sich dieser Wein Nase und Gaumen. Die vielfältigen Fruchtaromen (Knubberkirschen, Blaubeeren, Brombeeren) sind unterlegt mit einem feinen Schokoladen-und Kaffeearoma; dazu gesellt sich eine feine Fruchtsüße, die sich bis in den langen Abgang durchzieht. Die dichten und herrlich körnigen Tannine sowie die hervorragende Mineralik geben dem Wein Struktur und erstere sorgen sicherlich noch für ein langes, genussfreudiges Leben. Dieser Wein ist Hedonismus pur. Hmm, sooo lecker und doch auch intellektuell.

Donnerstag, 14.01.2010

1996 Finca Dofi, Alvaro Palacios – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)


90 Punkte – Dieser Wein zeigt eine „herbe“ Frucht und ist überaus kräutrig in seiner Aromatik. Am Gaumen mit noch reichlich Tannin beladen, zeigt sich auch hier eine dichte Kräutrigkeit, die viele orientalische Anklänge hat (z.B. Kardamon). Kombiniert mit einer interessanten Fruchtaromatik (Mischung aus Kiwi und Kirschen) hatten wir einen interessanten Wein im Glas, den man aber nicht weiter lagern muss.

1996 Clos Erasmus, Clos i Terrasses (Daphne Glorian) – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)


92 Punkte –Daphne Glorians (mittlerweile die Frau des US-Weinimporteurs Eric Salomon) Clos Erasmus gehört mit zu den meist gesuchten und teuersten Weinen Spaniens. Er hat gezeigt, dass er in sehr guten Jahrgängen das Potential hat, bei Parker und Co. Höchstpunktzahlen abzuräumen und so gehört er heute zu den Wein-Kultobjekten der iberischen Halbinsel. Förderlich für die Preisgestaltung ist sicherlich auch die winzige Menge (zwischen 300 und 500 Kisten p.a.), die von diesem Wein nur erzeugt wird.

Der Clos Erasmus aus dem Jahrgang 1996 ist ein sehr gut strukturierter Wein mit einer feinen Süße und runden, feinkörnigen Tanninen. Am Gaumen ist er mit einer schönen aromatischen Dichte ausgestattet; die vielen kräutrigen Aromen (z.B. weißer Pfeffer) wirken animierend; durch den leichten Hauch von Liebstöckel wirkt er jedoch schon deutlich entwickelt. Insgesamt ist der 96er Clos Erasmus aber ein eleganter Wein von mittlerer Statur, den man jetzt trinken sollte.

 

1996 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)


93 Punkte – Einen ausführlichen Bericht zu den Weinen von Rene Barbier habe ich anlässlich seines Besuchs in Düsseldorf geschrieben (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=431). Die 96er Ausgabe seines Clos Mogador zeichnet sich durch eine intensive, dichte Frucht mit vielen Anklängen an Zwetschgen- und Pflaumenmarmelade aus, ein Hauch Zimt und andere feine Gewürzaromen runden das Bild ab. Der Wein hat eine sehr schöne aromatische Tiefe, ist dicht und die Tannine sind reif und rund; er endet auf der Frucht und haftet wirklich lange am Gaumen.

Mittwoch, 13.01.2010

2000 Chateau Beau-Sejour Bécot – St. Emilion (Spannendes Spanien - Flight 2)


87 Punkte  - Bei unserer Spanienprobe als Pirat sofort zu erkennen gewesen, aber wieso er bei Parker konsistent zwischen 90 und 94, zuletzt 93 Punkten bekommen hat, erschließt sich mir aktuell nicht. Zwar muss man auch bei diesem 2000er feststellen, dass er wohl in einer etwas schwierigen Phase ist, aber 6 Punkte Potential sind da nicht drin. Erstaunlicherweise hatten wir einen St. Emilion im Glas, denn der Wein hatte für mich eine so deutliche Cabernet-Nase, dass ich ihn klar an das linke Ufer gesetzt habe. Deutliche Paprika- und Kräuternoten dominieren die Frucht in der Nase und am Gaumen. Er zeigt zwar viel Saft und einen gewissen Schmelz, aber die Tannine sind noch ultrafest und der Wein packt zu. Der Wein wird sicherlich ein Langstreckenläufer, aber zur Zeit fehlt ihm jedwede Harmonie und man sollte ihn noch ein paar Jahre weglegen, bevor man die nächste Flasche aufmacht.

2000 Vina el Pison, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 2)


93 Punkte – Der teuerste Wein von Artadi ist der Vina el Pison. Der Wein stammt vom 2,4ha großen „Familienweinberg“, der bereits 1945 vom Großvater der heutigen Eigentümer angelegt wurde und seit 1991 wird er als Einzellagenwein separat ausgebaut. Der aus 100% Tempranillo bestehende Wein reift 18-24 Monate in französischer Eiche.

 

Für den Vina el Pison gilt das gleiche wie für den Bruder, den Grandes Anadas, leider haben wir den Wein zur Unzeit getrunken, das heißt, er will nicht wirklich zeigen, was in ihm steckt. Der Wein ist unglaublich dicht, fest und hat viel Kraft, zeigt auch einen gewissen Schmelz und erinnert mich ein wenig an den herrlichen Pflaumenkuchen meiner Mutter. Aber wenn dieses Teil mal aufmacht und sich ausdifferenziert, dann dürfte der „perfekt trainierte Körper“  eine Eleganz entwickeln, um als Solist ganz groß rauszukommen. Aktuell aber nur 93 Punkte, mit dem Potential, dass weitere zwei, drei Punkte hinzukommen.

2000 Grandes Anadas, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 2)


94 Punkte - Artadi gehört sicherlich zur ersten Garde der Weingüter, die mit neuen Methoden und einem uneingeschränkten Qualitätsstreben den spanischen Weinbau beeinflußt haben. Im Jahr 1985 gegründet, gehören die Weine von Artadi zu den besten und teuersten, die man aus Spanien beziehen kann.

 

Die Reben für den Grandes Anadas stehen im Herzen der Rioja Alavesa; der Wein wird nur in besonders guten Jahren erzeugt. In der Nase offeriert er ein dichte und tiefe Aromatik, die sehr komplex wirkt. Am Gaumen kommt der Wein aktuell sehr dicht und ein wenig verschlossen daher. Die Tannine wirken zwar perfekt ausgereift, aber sie dominieren zurzeit den Wein. Trotzdem ist die Klasse des Weins sehr gut erkennbar und mir gefallen der Druck und die Kraft, die der Grandes Anadas am Gaumen aufbaut. Bissfest und mit noch riesigem Potential für ein langes Leben sollte man (gute Lagerung vorausgesetzt) dem Wein noch zwei oder drei Jahre auf der Flasche geben, bevor man die nächste Flasche öffnet; ich vermute, dass er diese Zeit mindestens braucht, um dann aus seinem Winterschlaf zu erwachen und aufzublühen. Meine 94 Punkte beinhalten sicherlich auch eine gewisse Potentialbewertung und sind insofern mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen.      

Montag, 11.01.2010

1975 Bodegas Muga - Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)



83 Punkte
– Die Bodegas Muga gehören zu den großen Traditionsbetrieben der Rioja, eine ausführlichere Befassung mit diesem großen, alten Weinhaus ist durchaus lohnend. Für einen ersten – sehr schön gestalteten – Einblick empfehle ich die webpage (www.bodegasmuga.com). Obwohl 1975 als sehr gutes, aber nicht exzellentes Jahr in der Rioja gilt, hat dieser Wein schon seine Glanzzeit hinter sich gelassen. In der Nase wirkt er leicht gezehrt und die kräftige Säure lässt auch am Gaumen keinen wirklichen Genuss aufkommen. Auf der anderen Seite ist die Säure sicherlich dafür mit verantwortlich, dass dieser „einfache“ Rioja überhaupt noch am Leben ist und so entwickelt sich nach ausgiebiger Luftzufuhr doch so etwas wie eine Frucht, die dezent an rote Beeren, speziell rote Johannisbeeren erinnert.

1975 Viña Real Reserva - CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)


90 Punkte – Der Viña Real ist da schon etwas burschikoser als der Imperial aus gleichem Jahrgang. Auffallend schön auch hier die feine Fruchtsüße, die sehr gut die recht kräftige Säure abpuffert, aber zu den (ebenfalls) roten Fruchtnoten gesellen sich auch dunkle Anklänge, die an geröstete Erde erinnern. Besitzt nicht die gleiche Eleganz und die Leichtigkeit des Imperial und deshalb auch 2 Punkte Abstand in der Bewertung.

1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)


92 Punkte - 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta;  der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.

 

Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!

Spannendes Spanien


Am letzten Wochenende im November trafen sich die üblichen Verdächtigen zur Frankfurter Weinrunde. Austragungsort war das inzwischen eröffnete Weinfachgeschäft Wein Karrer. Die dazu gehörige Weinbar („Wein Kost Bar“) ist ein idealer Ort für solche Runden - man sitzt inmitten der herrlichen Flaschen und Preziosen und wird so auf das Beste eingestimmt. Eigentlich mehr als nur eine Erwähnung wert ist das, was aus der Küche kam. Das macht richtig Spaß und bietet Genuss auf hohem Niveau und wenn man die Philosophie von Qualität und Herkunft weiter so lebt, läuft man „Gefahr“ die Entwicklung vom Saittavini in Düsseldorf zu nehmen, das heute ein Restaurant mit angeschlossenem Weinhandel ist und nicht umgekehrt.

 

Dank der überaus großzügigen Gaben traten wir nun eine herrliche Weinreise durch Spanien an, die mir lange in Erinnerung bleiben wird und für die ich mich gerne nochmals herzlich bedanke. Keine Werbung, sondern ein kleiner Verweis auf den noch recht jungen Weinshop von Michael Schmidt sei mir an dieser Stelle erlaubt (www.weinhandel-schmidt.de) – insbesondere für diejenigen die wirklich Interesse an gereiften Gewächsen und Preziosen  aus Bordeaux, Burgund oder Deutschland haben.

 

Zum Start in den Abend gab es 2 Weissweine:

 

1996 El Dorado de Murrieta Ygay Reserva, Marques de Murrieta – Rioja

 

89 Punkte – Dieser weiße Rioja entstammt – wie alle Wein, die unter der Linie Castillo Ygay vermarktet werden – aus besonderen Lagen. Davon hat man reichlich, denn Marques de Murrieta gehört zu den wenigen großen spanischen Weingütern, die ausschließlich eigene Trauben von ihren 300ha Weinbergen verarbeiten. Das traditionsreiche Weingut wurde im Jahre 1852 von Luciano Marqués de Murrieta gegründet und bereits 1878 hat er Castillo Ygay erworben. Bis 1983 war das Weingut in Familienbesitz. Weitere, interessante Details sind auf der homepage www.marquesdemurrieta.com zu erfahren.

 

Ebenso wie sein roter Bruder wird auch dieser Wein nur in besonderen Jahren gefüllt, jedoch kommt er bedeutend früher auf den Markt, da er „nur“ 40 Monate im Holz reift. Entsprechend ist auch der Eindruck am Gaumen und in der Nase: intensive Aromatik von Honig, Vanille, und Butter, mit Anklängen an geröstete Macadamianüsse und Soja; am Gaumen erstaunlich frisch für das lange Holzlager, mittelgewichtig, mit Aromen von frischen Haselnüssen, feiner Butter und Kirschen, die insbesondere  den Abgang prägen. Sehr schönes Mundgefühl, mit weichem Schmelz und gutem Trinkfluss. Ich empfand den Wein durchaus als trinkig, da der Wein nicht zu fett wirkt und eine schlüssige Aromatik bietet.

 

 

1985 „R“, Chateau Rieussec – Sauternes/Bordeaux

 

83 Punkte – Chateau Rieussec gehört zu den Domaines Barons de Rothschild (Lafite) und ist eigentlich für herrlichen Süßwein bekannt. Doch jedes Jahr verlassen auch wenige Tausend Flaschen trockenen Weines das Weingut, bereitet aus Semillon- and Sauvignon Blanc-Trauben.  Doch diese Flasche ist wohl das beste Beispiel dafür, dass man die trockene Variante nicht zu lagern sollte. In der Nase muffig, erinnerte er an nasse Wolle und grünen Tee. Am Gaumen schon deutlich gealtert, ein wenig oxidativ, mit Noten von Alceto balsamico. Erstaunlicherweise baute der Wein nochmals etwas aus, aber die 83 Punkte sind schon wohlwollend - wenngleich es am Tisch auch systemische „Altwein-Schönredner“ gab, die dem Wein sicherlich noch ein paar Pünktchen mehr gegeben haben. ;-))

Die Notizen zu den Roten folgen !!! 

Donnerstag, 08.10.2009

Berlin Riesling Cup - 36 Große Gewächs aus 2008


Am vergangenen Wochenende hat Martin Barz einmal mehr eine wunderbare Riesling-Veranstaltung  in Berlin (BRC – den Berlin Riesling Cup) organisiert, bei der sich die handverlesenen Teilnehmer in privater Atmosphäre einen wunderbaren Überblick über die Rieslingspitzen des Jahrgangs 2008 verschaffen konnten. Angestellt waren ausschließlich Erste und Große Gewächse der Regionen Baden, Franken. Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau und  Rheinhessen. Ausgeschenkt wurden die perfekt temperierten Weine in mundgeblasenen Universalgläsern der Firma Zalto (meiner seit vielen Jahren favorisierter Glasmanufaktur, die ich bei Karl Meyer auf dem Pretzhof in Wiesen bei Sterzing/Südtirol kennengelernt habe).

 

Die bereits an anderer Stelle von vielen Verkostern beschriebene kräftige Säure der Weine anderer Qualitätsstufen determiniert auch die Stilistik der Ersten/Großen Gewächse des Jahrgangs 2008. Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen haben viele Erste/Große Gewächse eine kräftige bis pikante Säure, die den Level der Vorjahre deutlich übersteigt. Bei einigen wenigen Weinen ist die Säuredurchdringung jedoch derart hoch, dass die Weine nicht auf breiter Basis Zuspruch finden werden. Trotzdem bin ich von der Qualität des Jahrgangs überzeugt, denn er steht für einen starken Ausdruck des terroirs; die meisten Weine sind fordernd, sehr klar, straff und präzise in Frucht und Mineralität. Um mal ein ganz anderes Bild zu bemühen: Mehr Klaus von Dohnanyi als Kurt Beck, mehr Richard von Weizsäcker als Helmut Kohl.

 

Die „Top Five“ der Verkostung waren für mich das Kirchstück von Bürklin-Wolf, der Halenberg von Schäfer-Fröhlich, die "Morsteine" von Keller und Wittmann sowie der leider nur in Mini-Auflage geerntete wurzelechte Rothenberg von Kühling-Gillot. Auf Grund der Jugendlichkeit der Weine werden sich viele Eindrücke noch verändern. Dies ist auch der Grund, warum ich meist keinen genauen Punktwerte, sondern Punktspannen angegeben habe.     

 

Es wurden – bis auf den ersten Wein zur Begrüßung – alle 36 Weine in 2er flights gereicht, die Klaus Peter Keller vom Weingut Keller im Vorfeld der Probe zusammengestellt hatte:

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Mittwoch, 30.09.2009

1945 Chateauneuf du Pape, Dufouleur Pere & Fils – Rhone (FFM Weinrunde)


87 Punkte – Dufouleur Pere & Fils ist eine Familie, die seit dem 17. Jahrhundert Weinbau betreibt und seit dem 18. Jahrhundert auch als Handelshaus Wein abfüllt und verkauft. Beheimatet ist man im Burgund, in Nuits-Saint-Georges.

 

Die Flasche aus diesem Jahrhundertjahrgang hatte einen sehr schlechten Füllstand, dennoch hatten wir einen interessanten Wein im Glas. Die Nase war dicht und ein wenig mastig für dieses Alter - mit Noten von frischem Malz, Rosinen und Wermuth. Ein ähnliches Bild am Gaumen: malzige Anklänge, etwas rauchig-speckig, aber auch Spuren von Dörrpflaumen und Sauerkirschen. Deutliche Süße im Abgang; ordentliche Länge, jedoch insgesamt fehlte es dem Wein etwas an Struktur und Tiefe, um die 90-Punkte-Marke zu knacken.

1969 Chateauneuf du Pape, Domaine de Bois Dauphin – Rhone (FFM Weinrunde)


91(-) Punkte - Die heutigen Eigentümer der Domaine, die Familie Marchand, sind Weinbauern seit der französischen Revolution. Joseph Marchand, der Vater des heutigen Besitzers Jean Marchand, gehörte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Pionieren um Baron Le Roy von Chateau Fortia, die mit ihren freiwilligen Richtlinien die Grundlagen für das spätere System der „Appellation contrôlée“ legten, das bis für den gesamten französischen Weinbau maßgeblich ist. Um die Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen, mussten schon damals folgende Kriterien erfüllt werden:

 

1)      Der Wein musste von Reben stammen, die nur an genau definierten Standorten stehen durften;

2)      An diesen Standorten durften nur bestimmte, zugelassene Rebsorten stehen;

3)      Die Erziehung der Reben wurde überwacht;

4)      Der produzierte Wein musste einen natürlichen Alkoholgehalt von 12,5% aufweisen;

5)      5% des Lesegutes durften nicht verwendet werden, was quasi einer Zwangsselektion gleichkam;

6)      Rosewein durfte in diesen Lagen nicht produziert werden und alle Weine mussten einer Prüfkommission vorgelegt werden, um die erwünschte Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen.

 

Notwendig geworden war dies durch den enormen Imageverlust der durch die Reblausplage und die Vernichtung der Weinberge zum Ende des 19. Jahrhunderts eingetreten war. Durch die Folgen des 1.Weltkrieges war eine ganze Generation an jungen Männern gefallen, sodass auch nach dem Ende des Krieges über die Hälfte der Weinberge noch nicht wieder bestockt war. (vgl. R.Parker: Rhone, Hallwag Verlag, S.381)

 

 

Der Jahrgang 1969 war an der südlichen Rhone gut bis sehr gut, an der nördlichen Rhone jedoch besser, Broadbent vergibt für die Rhone 3-4 Sterne (von 5). Auch wenn der Wein nicht aus einem großen Jahr stammte, hat er mir sehr gut gefallen; zu Beginn speckig, räuchrige Aromatik mit deutlich Kräuternoten, garrique; hinzu kommen Anklänge an Holzkohle und verbrannte Erde. Für mich ein klassischer Chateauneuf, der seine wilde, urwüchsige Aromatik  mit einer gewissen Eleganz zu verbinden mag. Später kommen am Gaumen Noten von Leder und Rosinen hinzu. Alle aromatischen Eindrücke verbinden sich mit einem dezent morbiden Charme und einer erfreulichen Länge. Zu Beginn bereitet der Wein deutlich Genuss, verliert jedoch mit zunehmender Luft im Glas seine elegante Art. 

Frankfurter Weinrunde verkostet Weine der südlichen Rhone


Die Frankfurter Weinrunde (FFM Weinrunde) traf sich dieses Mal zum Thema „Südliche Rhone“ in der Wiesenstrasse 33. Hier wird unser Weinfreund Helgo Karrer in ca. 14 Tagen einen wunderschönen Weinladen eröffnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Adresse zu merken, um einfach mal vorbeizuschauen. Neben jeder Menge toll ausgewählter Weine wird es eine Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten geben.

 

Erstaunlicher Weise reduzierte sich das bewusst etwas breiter gewählte Thema Südliche Rhone von selbst auf eine reine Chateauneuf du Pape (CdP) & Piraten Verkostung, denn jeder der Teilnehmer brachte ausschließlich  ebensolche Weine mit. Nicht, dass aus Regionen wie dem Gigondas, Cornas oder Vacqueyras keine tollen Weine kommen, aber man greift doch immer wieder zu den Klassikern und da gehören nun mal die Weine aus dem Chateauneuf dazu. Besonders interessant war dann die große Spanne an Jahrgängen, die wir auf den Tisch bekamen, der älteste Wein war von 1945 und der jüngste war gerade vor drei Jahren (Jahrgang 2006) geerntet worden.

Die Weine werden einzeln nachfolgend vorgestellt:

Mittwoch, 02.09.2009

Weinprobe in Essen - Bordeauxblends


Kennengelernt haben wir uns alle über www.talk-about-wine.de. Wir, das sind 14 weinbegeisterte Menschen aus der Rhein-Ruhrregion, die sich nicht länger damit begnügen wollten nur über Weine in Internetforen zu parlieren, sondern den Schritt in die reale Welt gewagt haben. Treffppunkt dieser Truppe war das Essener Restaurant Vecchia Roma, das ich an dieser Stelle für das tolle 6-Gang-Menü nochmals lobend hervorheben möchte. Die Weinzusammenstellung war locker vorbesprochen und so standen Weine zum Thema Bordeaux oder Bordeauxblend im Mittelpunkt des Abends. Dass sich alle viel Mühe gegeben haben und ihre Keller durchforstet haben, zeigte nicht primär die Anzahl der Flaschen, sondern die sehr gute Qualität der Weine, die in die Gläer kam:


1993 Chateau Beauregard - Pomerol

87 Punkte -  schöner, klassischer Bordeauxstil, insgesamt sehr runder, weicher, fast cremiger Stoff; stimmiger Wein; Schöne Frucht, ausgereift und durchaus mit Charme, aber ohne Ambitionen ganz vorne mitzuspielen, Sexy und trinkig.
 

1993 Chateau Leoville Barton - St. Julien

87 Punkte - Was habe ich von diesem Jahrgang schon für Sche..flaschen gehabt. Diese gehörte klar zu den besseren. Gefallen hat mir die schöne, kräutrige Nase. Am Gaumen aber eher ein wenig hohl und spannungslos. Im Abgang etwas besser, aber letztlich ein kleiner Leoville Barton.


2000 Triology, Warwick - Südafrika

83 Punkte - 56% CS, 34CF, 10% Merlot. Interessant für mich der hohe Cabernet Franc Anteil. Doch bei diesem Wein stand leider die viele Sonne von Südafrika im Vordergrund; deutlich überreife Noten, dicht, schwarzer Pfeffer, viel Trockenfrüchte, ein wenig Rumtopf; sehr weich, röstig.
 

2005 Cabernet Sauvignon, Louis M. Martin - Napa Valley

88 Punkte - Das Weingut gehört heute zum Gallo-Imperium, wird aber wohl noch von Michael Martini verantwortet. Mit hat der Cabernet gut gefallen; wirkt irgendwie schon in der Nase weich und kühl. Erinnerte mich sowohl in der Nase als auch am Gaumen an Katjes-Joghurt-Gums, hat aber auch einen Gegenpol aus kalkig-, erdigen Noten. Durchaus mit Struktur, jung, Eukalyptus, ein wenig Schoki, angenehm kühl, sehr ordnetlicher Abgang.


1998 Forster Jesuitengarten Riesling Spätlese, Reichsrat von Buhl - Pfalz

86 Punkte - klassisch gereifter Riesling mit schönen Honignoten, Aprikosen, exotischen Früchten (Ananas),einer mittelprächtigen Säure (dürfte etwas kräftiger sein), passte zur Entenleber und dem Bitterorangenjus hervorragend; trotzdem mir ein klein wenig zu pappig.
 

1990 Chateau Grand Mayne - St. Emilion

92 Punkte - für mich der erste kleine Glücksmoment an diesem Abend. Herrliche Nase mit sehr schöner Tiefe und Würzigkeit, wirkt recht nobel, Zigarrenkiste, Tabak und Zedernnholz. Am Gaumen mit schönem Spiel, rollende Tannine, maskuliner Aromeneindruck, Zigarrentabak und Holz. Sicherlich noch ein wenig höher bewertet, wenn er im Glas nicht so schnell zusammengefallen wäre. Unbedingt jetzt trinken.


2005 Ornellaia - Toskana

93 Punkte - Klassischer Bordeauxblend (gemäß Galloni/Parker:60% Cabernet Sauvignon, 22% Merlot, 14% Cabernet Franc and 4% Petit Verdot). Phantastische Nase, kühl, tief, und momentan noch etwas schüchtern, aber mit klarem Hang zum "Blaublüter"; Schwarze Fruchtnoten, duftet nach Korinthen (jedoch völlig ohne den Eindruck von Überreife). Am Gaumen vielschichtig, mit guter Struktur, recht fest, Noten von herber Lakritze, Graphit, schwarzen Oliven, herben Waldfrüchten und einem Hauch Garrique (!!).


2000 Chateau Grand Corbin Despagne - St. Emilion

86+(?) Punkte -  wenn ich mich recht erinnere, kam dieser Wein aus der Magnum; recht einfacher Typ mit für mich grün wirkenden Tanninen; recht ordentliche Frucht, die jedoch auf Grund der Tannine leider nicht so richtig brillieren konnte. Für mich ein nicht ganz so typischer St. Emilion, wirkte recht maskulin-derb. Jedoch würde ich ihn gerne rückverkosten mit ausreichend Luft, denn der Wein konnte nicht ausreichend atmen. Für mich erschloss sich in diesem Zustand der "sleeper of the vintage"-Status mit 90 Parker-Punkten nicht.


1990 Chateau Lagrange, St. Julien

94 Punkte -  Mein Wein des Abends!! Herrliche Nase, ohh, wie schön! Eine Wald- und Kräuterwiese, gepaart mit einer komplexen und feinen Frucht. Am Gaumen begeistert mich die Kombination aus perfekt abgeschmolzenen, mürben Tanninen und einer vielschichtigen Frucht, die wenig Wünsche offen läßt. Feine Süße, eingepasst in einen edlen Körper und viele, viele Aromen aus dem Wald. Prinzenstoff, entsprach voll meiner Vorstellung eines hedonistischen Weines mit viel Trinkfluss. Auch wenn es noch elegantere und komplexere Weine gibt, für mich extrem gelungene Symbiose aus (very sexy) Bourgeoisie und elegantem Adel.


1989 Chateau Pichon-Longueville Comtesse de Lalande - Pauillac

92 Punkte -  Eine schöne, mittelgewichtige Comtesse; recht kühler Ansatz, ausgewogen und harmonisch. Recht weich und mit moderater Säure, aber irgendwie kam die Dame nicht richtig zur Sache (schwer in Worte zu fassen, was mir da fehlte, vielleicht eher ein Blondine, der etwas die Rasse fehlte - ok, ich zahle Euro fünf in die Chauvi-Kasse). Auch der etwas zu starke Hauch von grünem Paprika störte mich. 


1996 Mount Edelstone, Henschke, Australien

92 Punkte -  Der erste Rebsortenpirat des Abends, ein 100%iger Shiraz. Reife Nase, kräutrig, mit einem Hauch von Liebstöckel und Soja, recht weit fortgeschritten in der Entwicklung, aber auch komplex. Am Gaumen dann deutlich jünger wirkend, ebenfalls kräutrig, rotbeerige Frucht, dazu Noten von Ingwer, feuchtem Unterholz und Chinarinde, erinnerte mich - auch auf Grund seiner leicht medizinalen Noten - ein wenig an Barolo Chinato. Insgesamt eher mittelgewichtig, aber vielschichtig und interessant. Eher ein intellektueller Wein mit einer schönen Länge. Sollte jetzt getrunken werden.


1996 Gallo Estate Cabernet Sauvignon, Sonoma, Califonien

86 Punkte -  Konzentrierte, aber recht überreife Aromatik; satte, saftige Frucht, aber auf mich wirkt er zu unausgewogen und im Glas baute er zu schnell ab.


1999 Cantenac Brown - Margaux

91 Punkte -  Dieser aus der Magnum servierte Bordeaux zum Hauptgang hat mich ob seiner Qualität doch überrascht. Ein insgesamt weicher, runder und feminin wirkender Bordeaux (Margaux !!), der mir auf Grund seiner Harmonie sehr gut gefallen hat. In der Nase eine recht feine Frucht, eingebettet in dezente Kaffee- und Schokoladennoten. Am Gaumen rund, weich und harmonisch; mittelgewichtig, aber ausreichend Substanz und Struktur (ohne jede Härte). Sehr trinkig und ein Wein, der zu gefallen weiß (positiv gemeint!)
 

1995 Chateau Ducru Beaucaillou -  St. Julien

92+ Punkte - Auffallend an diesem Abend war die hohe Anzahl von St.Julien-Weinen. Auch dieser Wein war ein komplexer, ziemlich harmonischer Vertreter seines Faches, wenn gleich er erst langsam beginnt zu sprechen. Tiefer Fruchtansatz, der allerdings noch Luft benötigt, um seine Klasse auszuspielen. Waldfrüchte, kombiniert mit einer denzenten, sehr gut dosierten Extraktsüße und einer eher dichten, festen Art. Die Tannine stammen von ausgereiften Trauben und entwickeln eine erste, seidig wirkende Art; der Holzeinsatz ist sehr gut dosiert. Wohl definierter Wein, der gerade am Beginn eines langen Trinkfesters stehen dürfte.


1996 Leoville Barton, St. Julien

91 Punkte - Ein fester, maskuliner Wein; bereits in der Nase macht er einem klar, dass er ein strammer Bursche ist: dunkle und herbe Frucht. Am Gaumen das identische Bild; kernige Struktur, fest und wenig nahbar. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine recht knackige Säure und die eher herben Aromen: Unterholz, Tabak, Wacholder, schwarze Beeren); intensiver Typ. Ich mag so etwas durchaus, verstehe aber auch jeden, dem diese Art von Wein nicht liegt; gute Länge. Dürfte - auch auf Grund seiner festen Tannine - noch viele, viele Jahre Trinkgenuß bereiten.


1996 Remelluri - Rioja

88 Punkte - leider nur wenig Notizen gemacht. Ordentlich gereifter Rioja (ca. 80% Tempranillo mit Anteilen von Grenache, Graciano, und Mazuelo) von Telmo Rodrigez , der mit seiner recht ausgewogenen Art durchaus Trinkfreude bereitet, gut strukturiert, aber irgendwie fehlte mir ein wenig der Kick; wird nicht mehr besser.


1995 Chateau Figeac - St. Emilion

85 Punkte - KKK, kernig, kräftig, kräutrig, aber ohne den nötigen Charme und die notwendige Balance. Für mich die Enttäuschung des Abends. Fester Ansatz, dunkle, herbe Aromatik, aber auch sperrig und nicht sonderlich trinkig. Baute im Glas - ohne Höhepunkt - recht schnell ab.

Samstag, 29.08.2009

1982 Chateau Cheval Blanc - St. Emilion / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.9)


99 Punkte – Was für ein Stoff!! Zu Beginn eine schöne (vielleicht sogar etwas verwaschene) Frucht, die mit zunehmender Luft aber so unglaublich ausbaute, das man die Tiefe der Aromatik nur als abgründig beschreiben kann. Wie meist bei wirklich ganz großen Weinen macht es wenig Sinn, die Aromeneindrücke zu beschreiben, sondern das „Gesamtkunstwerk“ zählt – und in diese Kategorie gehört dieser Wein ohne Zweifel. Der 82er Cheval baute einen Druck, eine Komplexität und Nachhaltigkeit auf, die in ihrer Harmonie nicht in Worte zu fassen ist. Dieser Wein ist perfekt und als er aufgedeckt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass Parker ihn gerade 3 oder 4 Wochen zuvor von 100 auf 92 Punkte degradiert hatte. Der Wein hat eine Strahlkraft, eine Eleganz und eine innere Harmonie, die es einem nahezu unmöglich machen, die Hand vom Glas zu nehmen. Doch nur wer Ruhe und Gelassenheit mitbringt, wird ihn in seiner Klarheit und Vollkommenheit erfassen können. Im direkten Vergleich zum schon nahezu perfekten Margaux machen die noch größere Harmonie und die nicht enden wollende Länge im Abgang den Unterschied zwischen 96 und 99 Punkten aus. Eines sei vielleicht noch angemerkt, diese Flasche wurde seit der Auslieferung aus der Subskription so gut wie nie angefasst und seitdem perfekt gelagert. Es dürfte nahezu ausgeschlossen sein, solche Flaschen auf einer Auktion  zu erwerben, denn dort gehen häufig „Wanderpokale“ über den Tisch, bei denen man nicht weiß, welche Strapazen sie zwischenzeitlich erleben mussten.

1982 Chateau Margaux – Margaux / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.8)


96 Punkte – Unglaublich spannend an diesem Abend war die direkte Gegenüberstellung (im Rahmen einer anonymen Blindverkostung) der beiden hoch bezahlten Spitzenstars aus dem Jahrhundertjahrgang 1982.

 

Zunächst kam ein Wein ins Glas, mit dem ich frisch eingegossen fast ein wenig Problem hatte - den gekochten Kohlrabi mag ich zwar auf dem Teller, aber nicht unbedingt im Glas. Doch mit Luftzufuhr entfaltete sich ein wunderbares, dichtes Bukett mit vielen Frucht-, Kräuter- und Würzarmen. Auffallend sind die hohe Dichte, die innere Spannung und die Konsistenz, die diesen Wein auszeichnen. Mir wurde schlagartig klar, dass dieser Wein erst am Beginn seiner Trinkreife steht. Am Gaumen dann ein vergleichbares Bild: dicht, lebendig, voller innerer Spannung und Harmonie. Ein Wein mit vollem Körper, aber ohne jeden Verdacht fett oder übermäßig kraftvoll/überextrahiert zu sein. Die Tannine sind wunderbar fest und Struktur bildend, ohne Härte/Spröde. Die differenzierte Frucht von Cassis und dunklen Beeren ist eingeflochten in einen schönen Aromenteppich aus feinen Röstaromen (Kaffee und Kakao), edlem Tabak und Bleistiftnoten. Die animierende Saftigkeit, kombiniert mit der perfekten Struktur, der feinen Süße und dem Hauch von Minze und Eukalyptus haben mich begeistert.

Montag, 24.08.2009

1988 / 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.6+7)


93 Punkte (1988) / 92 Punkte (1997) - Die Familientradition der heutigen Besitzer der Tenuta di Nozzole (Ambrogio und Giovanni Folonari) reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Seit 1825 firmierte die Familie ihre Geschäfte unter dem Namen „Fratelli Folonari“ Im Jahr 1912 kauften die Brüder Italo (der Großvater von Ambrogio) und Francesco die bereits damals für ihren Chianti berühmte Firma Ruffino. In den späten 60er Jahren trennte man sich von „Fratelli Folonari“ und erwarb 1971  das Weingut Nozzole in der Nähe von Greve, im Herzen des Chianti-Gebietes. Gleiches gilt für das Weingut Cabreo, das in den 80er Jahren durch Ambrogio maßgeblich entwickelt und ausgebaut wurde. Doch irgendwie scheinen Familiendynastien nicht für die Ewigkeit gemacht und trennte sich Ambrogio und sein Sohn Giovanni im Jahr 2000 von Ruffino und dem Rest der Familie. Die beiden bekannten Weingüter und Marken Tenuta di Nozzole sowie Tenuta del Cabreo bilden heute den Kern des Besitzes der Tenute Folonari (www.tenutefolonari.com).

 

Il Pareto ist seit jeher ein reiner Cabernet Sauvignon; als früher Supertoscan einst als Tafelwein deklariert, trägt er heute die Herkunftsbezeichnung Indicazione Geografica Tipica (IGT). In meiner Augen ist dieser Wein in Deutschland leider viel zu wenig bekannt, denn gerade in den 80er und 90er Jahren besitzt dieser Wein eine hervorragenden Qualität und Langlebigkeit. Obwohl die Flasche selten mehr als ein Drittel der großen Supertoscans aus dem Bolgheri kostet, braucht er sich keinesfalls hinter ihnen zu verstecken.

 

Der 1988er Il Pareto (93 Punkte) zeigt bereits in der Nase seine Verwandtschaft zu Bordeaux. Am Tisch wurde gerätselt, der erste Bordeaux an diesem Abend oder doch der nächste Italiener - bei diesem Wein schieden sich die Geister. Mit seiner feinen Lakritznote erinnerte er an einen Wein aus dem Grave. Auffallend schön ist die hohe Frische, mit dem dieser über 20 Jahre alte Wein im Glas steht. Hinzu kommen ein hohes Maß an Eleganz und Komplexität, die seinem Auftritt eine aristokratische Dimension verleihen. Mit seinem erdigen Aromenbild und den Anklängen von feinem Tabak trifft er meine Vorstellung eines hochwertigen Bordeaux vollkommen. Dieser Wein ist kühl, komplex, genussreich und baut im Glas aus. Weitere Jahre in der Flasche, gelagert in einem dunklen, kühlen Keller dürfte er ohne Problem überstehen.

 

Il Pareto 1997 (92 Punkte) steht seinem Pendant aus 1988 kaum nach. Ein kraftvoller Cabernet mit klarer Struktur, definierten Konturen und einer wunderbaren Saftigkeit. Die 97er Ausgabe des Il Pareto besitzt einen vollen Körper, hat Rückgrad und ist trotzdem geschmeidig am Gaumen. Die klare und schöne Frucht, mit Noten von Cassislikör, erdigen Aromen, feinem Tabak und einem klitzekleinen Hauch von grünen Paprika, machen ihn für mich zu einem Cabernet Sauvignon in Reinform. Der Wein erlebt jetzt seine erste volle Blüte und dürfte auch die nächsten 10 Jahre viel Freude machen.

1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.5)


92 Punkte – Die Familie Carletti startete mit dem Weinbau auf 22ha im Jahr 1961, heute besitzt man in der Gegend um Montepulciano 120 ha und ein weiteres Weingut in den Maremmen. Der Name Poliziano ist ein hommage an den humanistischen Dichter Angelo Ambrogini, der in Montepulciano geboren und als „Il Poliziano“ bekannt wurde.

 

 

Der Supertoscan „Le Stanze“ (benannt nach einem Gedicht von Il Poliziano) wurde erstmal im schwierigen Jahrgang 1987 gekeltert und auf den Markt gebracht. Mit diesem Wein versuchte man international bekannt zu werden, ohne den toskanischen Ursprung aufzugeben. Dass dieser Balanceakt im Hause Poliziano stets gelingt, konnte ich schon bei mehreren verkosteten Jahrgängen feststellen – an diesem Abend hatten wir die 97er Ausgabe im Glas.  Bereits das Bukett wies uns den Weg in die Toskana: viel Eisen (Blut), darunter verbarg sich zu Beginn eine etwas überreife Frucht von Pflaumen und Waldbeeren; hinzu kamen erdig-würzige Noten sowie Anklänge an Graphit. Mit zunehmender Luft baute die Frucht deutlich aus; ein Hauch von Maggikraut/Liebstöckel wies uns den Weg zum Alter des Weines. Am Gaumen brauchte er ein wenig Anlauf, nahm dann – mit der Luft im Glas – aber an Fahrt auf und entwickelte eine schöne Fülle. Die Reife war etwas deutlicher zu erkennen als beim zuvor verkosteten Desiderio von Avignonesi, dafür punktete der Le Stanze aber mit seiner komplexen Art am Gaumen, wenngleich der Desiderio in Punkto Eleganz leicht die Nase vorne hatte. Insgesamt ein immer noch Wein mit einer guten Struktur, Kraft und Fülle, der sicherlich noch die nächsten 2,3,4 Jahre schön zu trinken sein wird, wenngleich am Tisch auch deutlich gereifteren uns schwächeren Flaschen berichtet wurde.

Sonntag, 23.08.2009

1999 Crozes Hermitage La Guiraude, Alain Graillot – Nördliche Rhone


87 Punkte – Kein ganz einfacher Tropfen: zu Beginn dominiert die Säure recht deutlich. Mit etwas Luft kommt die Frucht etwas stärker durch. In der Nase Noten von verbranntem Gummi, Lavendel und Cassis. Am Gaumen springt einen die straffe Säure an; erst langsam offenbart er die Noten herber Lakritze, schwarzer Johannisbeere, Lavendel und feuchtem Unterholz; dennoch herkunfts- und rebsortentypisch. Vom Körper eher mittelgewichtig, gestützt von seinen Tanninen ist der Wein noch gut trinkbar; aber eine weitere Lagerung dürfte ihm mehr schaden als nutzen – austrinken!! Heute Abend zum Gegrilltem passte er nicht schlecht.

1997 Desiderio, Avignonesi – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.4)


91 Punkte – Avignonesi kann sicherlich zu den führenden Weinhäusern in der Toskana gezählt werden. Heute verbergen sich hinter dem Namen vier Weinbaubetriebe: Fattoria La Capezzine, Estate I Poggetti, Estate La Selva und Estate La Lombarda. Zusammen verfügt Avignonesi über 225 ha Grund und Boden, von denen 109 ha unter Reben stehen und weitere 3 ha mit Olivenbäumen bepflanzt sind.

 

Vor einigen Jahren war ich auf einer Veranstaltung mit Mario Scheuermann, der behauptete, dass der Desiderio am besten schmeckt, wenn er mindestens 10 Jahre gereift ist. Wenn ich mich recht erinnere gab es damals einen wirklich schönen 88er Desiderio, der das getroffene statement deutlich unterstrich. Nun hatten wir einen 12 Jahre alten Desiderio im Glas, der mich mit seiner animierenden Nase von Waldbeeren und Eisen (Blut) überzeugte. Auch am Gaumen ein feiner Stoff, mittelgewichtig, mit recht eleganter Frucht und erdigen Anklängen; steht bestens im Saft, hat Struktur, eine schöne Säure und zeigt wenig Alter, trotzdem dürfte er jetzt – gute Lagerung vorausgesetzt – seinen Höhepunkt erreicht haben (jetzt herrlich ausgewogen und harmonisch). Auf diesem Niveau sicherlich die nächsten 2-3 Jahre unverändert, bevor sich das Alter etwas mehr in Szene setzt.

 

Wir diskutierten recht lange, ob dieser Wein ein reiner Merlot sein kann, oder ob es nicht doch eine Cuvee aus Merlot und Cabernet Sauvignon ist. In Kenntnis dessen, dass es bis dato immer ein reiner Merlot war, habe ich natürlich die „Merlot-Fahne“ hochgehalten, aber man sollte sich doch mehr auf seine Sinneseindrücke denn auf archiviertes Wissen verlassen! Im Gambero Rosso 2001, S.449 gibt’s folgendes zum 97er Desiderio zu lesen: „(…)Aus einem reinsortigen Merlot wurde jetzt ein Verschnitt aus Merlot und Cabernet Sauvignon. Seinen Duft nach kleinen roten Früchten begleitet eine gefällige und massvolle vegetabile Ader; gut auch der Geschmack mit dem etwas übermütigen Tanin, dessen feine Manieren noch den letzten Schliff benötigen.“ J

1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund („kleine“ Weinprobe Nr.3)


86 Punkte – Für mich der erste Wein von diesem Erzeuger, der vermutlich zu den ältesten Chablis-Häusern (1755) gehört. Seit 1985 im Besitz des Baron Patrick de Ladoucette, der fleißig in die Kellertechnik investierte.

 

Die Nase ist sehr ungewöhnlich: deutlich wachsige Noten, riecht nach Mahagoniholz und Möbelpolitur. Dazu gesellen sich Noten von Akazienhonig. Im Mund erstaunlich wenig Säure, etwas nussig, aber auch Zitronenfrische. Insgesamt sehr klar und mineralisch-kalkig (und somit Chablis-typisch) mit noch schöner Festigkeit; recht trinkig.

1999 Grüner Veltliner Axpoint, Franz Hirtzberger – Wachau („kleine“ Weinprobe Nr.2)


90 Punkte – Auf der homepage des Weingutes findet sich folgender Hinweis zu dem ungewöhnlichen Namen dieses Weines: „Der geschichtsträchtige Name des Axpoint oder Abts-Point stammt daher, dass Grund und Boden hier einst im Besitz der Abtei Niederalteich standen. Bei uns ist diese Lage seit 1999 in Ertrag. Der Boden ist tiefgründig und tonhältig, das schlägt sich auch in der stoffig-saftigen Ausrichtung des hier gedeihenden Grünen Veltliner Smaragd nieder.“

 

Der Jungfernjahrgang dieser Lage aus dem Hause Hirtzberger war in der Nase deutlich von Feuerstein und vegetabilen Noten geprägt. Am Gaumen immer noch fleischig-saftig, mit mittlerem Körper und einer schönen Festigkeit. Gut gefielen mir auch der Schmelz und die schöne Länge des Weines. Wirkt sehr trocken und fest. Sicherlich auch in den nächsten drei, vier Jahren noch ein spannender Wein.

2004 Riesling Primus Maximus, Heinz Nikolai – Rheingau („kleine“ Weinprobe Nr.1)


90 Punkte - Los ging es schon mal mit einer handfesten Überraschung! Am Tisch herrschte auf  Grund des satten Extrakts und der tollen Würzigkeit Einigkeit darüber, dass der erste Wein des Abend aus Österreich kommt, doch statt dessen hatten wir Primus Maximus 2004 von Frank Nikolai im Glas:

 

Viele reife, gelbe Früchte fand ich da in der Nase; kein ganz junger Wein mehr, aber hinreichend frisch und herrlich dicht. Am Gaumen dann sehr viel Extrakt, fest und tief. Besonders gut gefällt mir die Würzigkeit, die er insbesondere hinter heraus ausspielt und die ihm im recht langen Abgang Struktur und Vielfalt verleiht. Ein richtig schöner Wein, der allerbeste Anlagen hat, der jetzt in der Blüte seines Lebens sein dürfte, aber auch noch ein paar Jahre auf hohem Niveau durchhalten kann. Das Beste an diesem Stoff ist jedoch, dass Frank Nikolai – trotz aller Meriten, die er sich inzwischen landauf, landab verdient hat – immer noch ein unverschämt gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet und man den aktuellen Jahrgang  für  Euro 8,50 ab Hof bekommen kann. Auch die beiden Ersten Gewächse aus dem Erbacher Steinmorgen und Siegelsberg sind mit ihren Euro 13,- und 14,- echte Schnäppchen.

Eine „kleine“ Weinprobe in Frankfurt:


Eigentlich war eine kleine Weinprobe bei mir in Düsseldorf angesagt, doch konnte ich meine lieben Freunde aus Frankfurt bei mir an diesem Wochenende nicht unterbringen und sämtliche Hotels waren ausgebucht, da die IGEDO ihre Messetore geöffnet hatte. Also verabredeten wir uns einmal mehr in Frankfurt zum gemeinsamen Köcheln und ein paar Weinen. Ich hatte 2 flights aus Italien, einen a 4 Flaschen und einen a 5 Flaschen, im Kofferraum - wir entschieden uns für den Kleineren von beiden. Dass aus dieser kleinen, das Essen begleitenden Weinprobe ein GROSSER Weinabend wurde, dafür sorgten einmal mehr die Jungs aus dem Frankfurter Nordend.

 

Wir verkosteten nacheinander:

 

  • 2004 Riesling Primus Maximus, Heinz Nikolai – Rheingau

  • 1999 Grüner Veltliner Axpoint, Franz Hirtzberger – Wachau

  • 1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund

  • 1997 Desiderio, Avignonesi – Toskana

  • 1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana

  • 1988 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana

  • 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana

  • 1982 Chateau Margaux – Bordeaux

  • 1982 Chateau Cheval Blanc – Bordeaux

 

Die einzelnen Verkostungsnotizen folgen…

Sonntag, 02.08.2009

Burgundmarathon 2.Tag / 1.flight

 

 

40er (?) Moulin a Vent, Eugène Loran & fils  Beaujolais (Füllhöhe 4,0 cm)

 

91 Punkte – Was für eine Überraschung – ein sensationell gereifter Beaujolais. In Deutschland weiß nahezu niemand, dass im Beaujolais auch noch etwas anderes erzeugt wird, als diese Primeur-Plörre, die jedes Jahr den Markt flutet. Doch wer neugierig ist, und sich mal mit den Details dieses Weinbaugebietes auseinander setzen mag, der wird früher oder später auf die Crus-Gebiete im Herzen (Norden) des Beaujolais stoßen und feststellen, dass hier auch charaktervolle Weine erzeugt werden. Moulin a Vent gilt als primus inter pares und hier gedeihen wohl die lagerfähigsten Beaujolaisweine. In ihrer Jungend sind sie recht unnahbar und hart, aber mit nach 3,4,5 Jahren Lagerung blühen sie langsam auf und zeigen regelmäßig, dass auch aus Gamaytrauben richtig schöner Wein erzeugt werden kann.

 

Dass wir nun einen Wein im glas hatten, der schon 60 Jahre oder mehr auf dem Buckel hatte und immer noch im Glas unglaublich ausbaute, war auch für mich eine große Überraschung. Informationen zum Erzeuger konnte ich leider keine finden, aber die Quelle aus der der Wein stammt ist zuverlässig und wir tranken so einen Stück Geschichte ohne genau zu wissen, wer uns das „eingeschenkt“ hatte.

 

Zu Beginn ein Anflug von Champions in der Nase, aber mit etwas Luft verzog sich dieser Eindruck schnell und eine zarte und feine Nase mit Anklängen an rote Beeren offenbarte sich. Auch am Gaumen ein Wein, der durchaus noch Struktur vorweisen kann und in seinen Aromen noch erstaunlich frisch wirkte, aber dann eher zart und verspielt war. Insgesamt aufregend differenziert und fein am Gaumen, auch hier wieder zarte, rote Früchte (Erdbeeren, Himbeeren) mit einer wunderbaren, feinen Süße, die lange den Gaumen umschmeichelt.  

 

Bei der späteren Rückverkostung hat er noch einen Happen zugelegt und die Frucht und die Süße sind noch schöner geworden (92 Punkte).

 

 

 

1949 Chambolle Musigny, Ph. Vinzent – Burgund (Füllhöhe 5,3 cm)

 

89 Punkte – Für 60 Jahre zeigt dieser „einfache“ Chambolle Musigny eine erstaunlich dunkle Farbe. In der Nase ein recht edler Ansatz, Kakao- und Mokkanoten, Karamell und ein Hauch von Steinpilzen; kraftvoll. Im Mund kann er jedoch das Versprechen des Buketts nicht halten: leichte Sherrynoten, wirkt recht gereift, aber auch recht dicht. Leider drängt sich die Säure immer stärker in den Vordergrund und ich habe das Gefühl, dass er im Glas recht schnell verliert. Doch hier habe ich mich getäuscht, denn bei der Rückverkostung später wirkt er klarer und gewinnt nochmals etwas an Tiefe (ich hatte ihn dann bei 90 Punkten).

 

 

1959 Vosne Romanée, Bouchard Père & fils (Füllhöhe 5,8cm) 

 

85 Punkte – Ich habe lange gebraucht, um hier das Wirrwarr an Namen mit dem Bestandteil „Romanée“ zu begreifen, denn die Gemeinde Vosne-Romanée ist so etwas wie die Schatzkammer der Côte de Nuits und bei dem Namensbestandteil „Romanée“ denkt man unwillkürlich an die großen und nahezu unbezahlbaren Weine der Domaine Romanée-Conti.

 

Aber vielleicht der Reihe nach: Die Gemeinde Vosne Romanée verfügt über sieben GRAND-CRU-Lagen: La Romanée Conti, Le Richebourg, La Tâche, La Romanée-Saint-Vivent, La Romanée, Les Grand Echézeaux und Les Echezeaux. Von diesen sieben GRAND-CRU-Lagen sind zwei sogenannte Monopol-Lagen, d.h. sie sind im Alleinbesitz eines Erzeugers, hier der Domaine Romanée-Conti.  Darüber hinaus gibt es auch noch einige Premier-Cru-Lagen, wie z.B. Les Petits-Monts oder Les Suchots. Doch steht – wie in unserem Fall – auf dem Etikett „nur“ Vosne-Romanée, so stammt dieser Wein aus den Weinbergen der Gemeinde Vosne-Romanée, aber es ist weder ein Grand-Cru, noch ein Premier Cru und schon gar kein Wein der Domaine Romanée-Conti.

 

Frisch im Glas roch unser Kandidat aus einer Flasche mit relativ schlechtem Füllstand zunächst nach „nassem Lappen“ – und zwar so einem, den man in der Küche schon viel zu lange liegen hatte (ihhhh). Auch der zweite Eindruck kann nicht wirklich überzeugen, denn das Aroma von Liebstöckel bzw. das Maggikraut hat schon ziemlich stark Besitz von diesem Wein ergriffen; hinzu kommt ein Eindruck von Aceton.  Auch am Gaumen ist der Wein nicht wirklich eine Offenbarung, auch wenn zunächst etwas Kaffeearomen sowie eine malzige Süße erkennbar sind, doch dann bricht auch hier der Eindruck von Maggikraut durch und der Wein entwickelt zudem eine leichte Bitterkeit. Bei der Rückverkostung hat die Süße noch etwas gewonnen, aber letztlich bleibt er seinem Aromenbild treu und ich werte den Wein nochmals einen Punkt ab (84 Punkte)

Freitag, 24.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 5.flight


1955 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour  – Burgund (Füllhöhe 5,2 cm)

 

85 Punkte - Die eigentliche Grand-Cru-Lage ist Corton, doch es ist durchaus üblich, dass der Name der Sublage/Parzelle ebenfalls auf dem Etikett geführt wird. Das Haus Louis Latour hat in den Weinbergen der Gemeinde Aloxe-Corton bedeutenden Besitz und folglich verwundert es wenig, dass beide Jahrgänge dieses Weines (die sich im 5.flight unseres Burgundermarathons direkt gegenüber standen) aus dem Hause Louis Latour stammten.

 

Die Weine aus Corton benötigen regelmäßig Zeit zum Reifen; 5 Jahre, besser 10 oder 15 Jahre sollte man ihnen geben, erst dann blühen sie auf und werden geschmeidig, vorher sind sie oft spröde oder hart. Der erste Wein im Glas war allerdings 54 Jahre alt  und - auf Grund des Füllstandes – war ich vor dem ersten Schluck sehr gespannt, ob wir noch Freude an ihm haben werden. In der Nase präsentierte er sich eher maskulin, mit Noten von Eisenkraut, Blut und Jod. Am Gaumen hat er noch ein schöne, süße Malzigkeit, aber leider keine weiteren Highlights. Ein noch ordentlich zu trinkender Wein, jedoch ohne das „gewisse Etwas“. Einmal im Glas baute er recht schnell ab, sodass es eigentlich logisch war, dass er auf Grund der zusätzlichen Luft in der Rückverkostung (84 Punkte) schwächer sein musste: In der Nase machte sich ein etwas penetranter Sauerkrautton breit und am Gaumen gab es auch keine Verbesserungen.

 

 

 

1952 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour  – Burgund (Füllhöhe 4,3 cm)

 

91 Punkte – Für mich der deutlich bessere Wein, die stallige, leicht animalische Nase war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber am Gaumen präsentierte sich der Wein von seiner eleganten Seite und zeigte deutlich mehr Komplexität und Finesse als der 55er. Auffallend waren die kraftvolle Art, der schöne Biss und die sehr gut integrierte, reife Säure. Die feine karamellige Süße stand ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Spiel, Satz und Sieg für die  52er Ausgabe des Clos de la Vigne au Saint aus dem Hause Louis Latour.

 

 

1959 Chateau de Malle – Sauternes / Bordeaux (Füllhöhe top shoulder) 

 

82 Punkte – Den 1. Abend des Burgundermarathons beschlossen wir mit einem Sauternes aus 1959. Der Jahrgang gilt eigentlich als großes Sauternesjahr, aber dieser Wein hat seine besten Zeiten schon hinter sich. Das Bukett wirkte etwas unsauber und erinnerte bestenfalls an einen würzigen Waldhonig. Am Gaumen war er dann recht trocken, man könnte auch gezehrt sagen.

 

 

 

Montag, 20.07.2009

2004 La Grola, Allegrini - Venetien


88 Punkte - Allegrini begleitet mich seit meiner Studentenzeit. Damals war es der Palazzo della Torre, dieser im Ripasso-Verfahren ( dabei werden dem bereits fertig vergorenen Wein, nochmals angetrocknete Trauben oder der Trester des Amarone zugesetzt und mit diesem erneuten Zucker- und Aromaschub wird eine zweite Gärung eingeleitet, die dem Wein einen wunderbaren Schmelz und eine dichte Frucht verleihen kann) vinifizierte Wein, der mich begeistert hat und mich anfixte alsbald auch meinen ersten Amarone zu verkosten. 

Heute steht der La Grola (70% Corvina Veronese, 15% Rondinella, 10% Syrah, 5% Sangiovese) aus dem sehr guten Italienjahrgang 2004 vor mir und ich bin immer noch angetan von dem, was das Hause Allegrini zu noch bezahlbaren Preisen (Euro 14,-) auf die Flasche bringt. Der Wein hat eine füllige Frucht von reifen Beeren, dunklen Würznoten (Wacholder und Tabak) und einen Hauch Kaffee und dunkler Schokolade. Körperreich, vordergründig samtig am Gaumen, aber die recht kräftige Säure sorgt für eine gute Balance. Die ausgereiften Tannine sind gut spürbar und sicherlich auch die Garantie dafür, dass der Wein ein paar Jahre auf diesem Niveau noch so bleibt. Mir schmeckts (auch wenn ich heute Weine mit mehr Eleganz vorziehe) und deshalb genehmige ich mir noch ein Glas als Schlummertrunk.

Donnerstag, 16.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 4.flight


1952 Nuits St. Georges, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 3,1cm)

 

88 Punkte – Die letzte wichtige Gemeinde der Côte de Nuits ist Nuits-Saint-Georges. Man nennt das Dorf auch die „Niere von Burgund“ – weil hier das Burgund hier einen leichten Knick macht, aber auch (so wird kolpotiert) weil hier so viel Wein durchfließt, denn seit jeher haben viele Firmen hier ihren Sitz. Das Etikett unseres 52er aus dem großen Hause Louis Latour zeugt von einem „einfachen“ Dorflagenwein, doch trotzdem stellt sich bei mir ein erfreulicher Trinkgenuss ein. In der Nase wirkt er recht kühl; mit Anklängen von Kräutertee, Melisse und einem zarten Hauch von Pfefferminz. Am Gaumen ist er ansprechend füllig, ebenfalls mit einer erkennbaren Kräuternoten; insgesamt für sein Alter noch recht straff. Auch die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung schadet ihm nicht, er bleibt auf seinem Niveau, wirkt sogar noch etwas frischer.

 

1952 Chambolle Musigny, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,6cm)

 

80 Punkte – Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Gleicher Jahrgang, gleiches Handelshaus, anderer Teil von Burgund – aber ebenfalls Dorflage. Die Nase wird von einer stark alkoholischen Note dominiert. Darauf folgen Eindrücke von Maggikraut, Sherry und andere, beim Wein nicht gerade gesuchte Aromen. Am Gaumen erstaunlich weich, aber leider auch mit wenig Charakter und Ausdruck, eine leicht ranzige Butternote zieht sich durch. Die angenehme Süße, die besonders im Abgang deutlich wird, vermag es auch nicht mehr rauszureißen. Bei der Rückverkostung geht der Inhalt meines Glases recht schnell direkt in den Spuckbecher (75 Punkte).

 

 

1952 Grand Echezeaux, Domaine de la Romanée-Conti (Füllstand 7,0cm)

 

95 Punkte - Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flaschen mit einem schlechten Füllstand nicht zwangsläufig schlechten Wein beinhalten müssen. Trotzdem schraubte ich meine Erwartungen sehr weit runter, als Michael Schmidt diese Flasche mit den Worten ankündigte: „Jetzt kommt ein besonderer Wein, jedoch ist der Füllstand schlecht, es fehlen ca. 7cm in der Flasche“. Doch schon in der Nase zeigt sich die besondere Klasse dieses Weines – Tiefe, kühle Aromatik, sehr klar und super-sauber, mit deutlich ätherischen Anklängen; ein echter Nasenbär, man möchte gar nicht aufhören in dieses Glas hineinzuschnüffeln, so tief und berauschend sind die Eindrücke. Am Gaumen ebenfalls ein herrliches und finessenreiches Spiel, jedoch ohne dass der Wein besonders körperreich wirkt. Überraschend waren für mich auch die (Frucht-)Aromen, die ich eher einem Weißwein zuordnen würde: Weinbergspfirsich, Mirabellen, Orangenzesten, Lakritz und viele mehr. Auch dieser Wein hatte bei der Rückverkostung nochmals deutlich  Luft bekommen und in der Nase war schlicht perfekt (!!); am Gaumen jedoch hatte er ein wenig abgebaut (94 Punkte).

Mittwoch, 15.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 3.flight


Im 3. flight gab es gleich zwei Premieren, zunächst kam erstmals an diesem Abend ein „Grand Cru“ in unsere Gläser, gefolgt von einem 1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville (als Pirat des Abends). Insbesondere der Spätburgunder hat mich fast umkippen lassen und ich habe unverhofft einen Eindruck davon bekommen, was erst vor kurzer Zeit  Martin Wurzer-Berger in seinem Artikel „Begegnungen auf Augenhöhe – Die erregenste Vergleichsprobe des Jahres: Assmannshäuser Höllenberg und große Burgunder Pinot Noirs 1959 bis 1921“ (vgl. Weinmagazin „Fine“ - Ausgabe 1/2009, S. 43ff.) beschrieben hat. Als der Wein nach unserer Blindverkostung aufgedeckt wurde, konnte ich mich nur zu gut an den Bericht erinnern, den ich erst wenige Wochen zuvor gelesen hatte (ohne jedoch zu ahnen, dass ich wenig später – zumindest partiell – ein ähnlich spannendes Erlebnis haben werde). Die sich dem Artikel von Wurzer-Berger anschließenden Verkostungsnotizen von Sam Hofschuster (Chef-Verkoster des Weinportals www.wein-plus.de) sind ebenfalls lesenswert, doch leider lässt der Hofschuster die eigentlich nötige Akribie bei der Zitierung des Etiketten vermissen,  denn es ist schon ein großer Unterschied, ob es sich um einen Cabinet (einige Etiketten sind jedoch auf dem Fotos zum Artikel; vgl. S.44 zu erkennen)  handelt oder nicht. Auch bei den Pinot Noirs aus dem Burgund sind viele Detailinfos der Etiketten nicht aufgeführt.

 

1959 Corton Grand Cru,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 3,8cm)

 

87 Punkte - Schon etwas trübe in der Farbe; mit recht verhaltenen Eindrücken in der Nase, erinnert dieser Wein an Feuersteine nach einem Regenguss. Am Gaumen eher verwaschene Aromen, ohne klares Bild. In der Mitte jedoch mit feiner Süße und Eindrücken von Kirschkuchen und Kirschwasser. Im Abgang zeigt er keine besondere Länge. Im Vergleich zu einigen der „einfachen“ Dorflagen verspüre ich bei diesem Grand Cru keinen Lustgewinn / Genusszuwachs. Bei der Rückverkostung ist die Nase noch schwächer, am Gaumen zeigt sich ein vergleichbares Bild (86Punkte).

 

1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville – Rheingau (Füllstand 2,5cm)

 

94 Punkte – Tiefe, dunkle Nase mit Aromen von Mokka, Kirschen, Pflaumen, feuchtem Holz und Süßholz. Am Gaumen beeindruckt mich die kräftige Statur und Definiertheit dieses Spätburgunders, der ganze 60 Jahre alt ist. Er wirkt sehr klar in der Aromatik, zeigt eine edle und reife Frucht mit Noten von Mokka und Karamell. Sehr schöne Balance aller Komponenten, die sich bis in den wunderschönen, langen Abgang durchzieht. Ein großer Wein. Leider kann er dieses Niveau bei der Rückverkostung  nicht mehr abrufen, die zusätzliche Belüftung hat Schaden angerichtet, er fällt auseinander, die Süße steht recht deutlich außen vor (89 Punkte). Anzumerken bleibt, dass sich der Spätburgunder in seiner Aromatik und in seinem Stil recht deutlich von allen anderen Pinot Noirs aus Burgund unterscheidet. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kamen auch die Teilnehmer der großen Vergleichsprobe auf Kloster Eberbach, deren Reaktion Martin Wurzer-Berger wie folgt zusammenfasst: „Zum einen erkennen und beurteilen sie differenziert die Stärken und Defizite der französischen Pinot Noirs, denen im Allgemeinen ein guter Zustand attestiert wird. Die Assmannshäuser lassen sich jedoch nicht ohne weiteres in das burgundische Geschmacksbild integrieren. Sie scheinen tatsächlich eine bemerkenswert eigenständige Form des Spätburgunders zu repräsentieren, die sich in einer ausgezeichneten Lagerfähigkeit demonstriert und auch geschmacklich zu überzeugen weiß.“

 

 

1959 Latricières Chambertin Grand Cru, Remoissenet Père et fils – Burgund (Füllstand 3,0 cm)

 

90 Punkte – Dieser Grand Cru besticht durch seine Klarheit; in der Farbe vollkommen klar, verbreitet er einen Maraschino-ähnlichen Duft (=relativ trockener Fruchtlikör) mit deutlichen Anklängen der Maraska-Kirschen, aus denen er hergestellt wird. Am Gaumen sehr sauber, klar und recht tief in der Aromatik; erinnert an schwarze Früchte, eingebettet in feinste Kaffeenoten, schöne Länge im Abgang. Auch diesem Wein hat die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung nicht gut getan, er entwickelt eine Pappe-Note in der Nase und wirkt nicht mehr so klar uns sauber (86 Punkte)

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Sonntag, 12.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 2.flight


Besonders interessant an diesem flight war die direkte Gegenüberstellung der beiden 1er Cru Weine aus Beaune, der erste aus der größten Beaune-1er Cru-Lage "Les Grèves", der zweite vielleicht aus einer der bekanntesten "Clos des Mouches" (insbesondere der Teil der dem Haus Drouhin gehört); beide Weine aus dem Jahrgang 1959 und beide von Paul Bonnet, einem Erzeuger/Händler, zu dem ich bislang keine Infos gefunden habe, der aber seinen Sitz im benachbarten Nuits-St.Georges wohl hatte.


1959 Beaune Grèves 1er Cru, Paul Bonnet - Burgund (Füllstand 1,9cm)


88-89 Punkte - Wirkt recht kühl in der Nase und zeigt Noten von gelben Wachsbohnen. Auch am Gaumen zunächst etwas unausgewogen (kantig und mit Bitternoten im Abgang) , mit mehr Luft entwickelt sich jedoch eine schöne Stoffigkeit mit Eindrücken von reifen, schon etwas mehligen roten Früchten (88 Punkte); ordentliche Länge; in der Rückverkostung (89 Punkte) habe ich mir rote Johannisbeeren und einen denzenten Medizinalton notiert.


1959 Beaune Clos des Mouches 1er Cru, Paul Bonnet - Burgund (Füllstand 3,5cm)


92 Punkte - Von Anbeginn mit einer feinen, süßen Kräutrigkeit in Mund und Nase. Am Gaumen zeichnet er sich durch eine feine Stoffigkeit mit dezent malzigen Noten (Malzbonbon) und einem Hauch von Holzkohle aus. Eine sehr feine Frucht ist gut zu erkennen, die mich mehr an gelbe als an rote Früchte erinnert.  Auffällig ist auch das wirklich schöne Säurespiel. Die feine aromatische Tiefe und Dichte runden insgesamt das Bild dieses feinen Weins ab. In der Rückverkostung ein ähnliches Bild mit konstantem Punktwert (92 Punkte)


1959 Gevrey Chambertin, unbekannter Erzeuger - Burgund (Füllstand 7,4cm)

84 Punkte - Denkbar schlechte Voraussetzungen brachte der nächste Wein mit, ein Füllstand mit minus 7,4cm ist schon kritisch. Dennoch war der Wein nicht total hinüber, aber eine Freude war es auch nicht. In der recht unsauberen Nase begrüßte einen der Kellermuff, gefolgt von deutlichen Reifenoten. Am Gaumen sehr weich, mit einem Hauch von roten Tee, Malventee, dann aber auch Bitternoten. Insgesamt kurz und recht stumpf. Bei der Rückverkostung gab er sein letztes und eine "Todessüße"  (Malzigkeit) und eine etwas dunkler wirkende Frucht kamen noch einmal zum Vorschein, aber große Sprünge waren das nicht.


1959 Chambolle Musigny, de Canniere (Abfüllung) - Burgund (Füllstand 4cm)

83-86 Punkte - Leider war ich bei diesem Wein etwas abgelenkt und habe mir wenig notiert: kühl, etwas Liebstöckel, ordentliche Struktur, recht fest, aber wenig inspiriert (86 Punkte). Bei der Rückverkostung ging es dann  bergab mit ihm, er roch wie ein Lappen, mit dem man den nassen Hund bei seiner Rückkehr abgerieben hat (83 Punkte) 

Samstag, 11.07.2009

Burgundmarathon 1. Tag / 1.flight


1959 Volnay,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 3,7cm)


88-89 Punkte - Ein schöner Einstieg in den ersten Abend und gleichzeitig ein Beweis, dass auch aus Dorflagen in hervorragenden Jahren guter und langlebiger Wein erzeugt werden kann. J.Drouhin ist heute ein großer Erzeuger mit viel Weinbergsbesitz, der Burgunder noch zu bezahlbaren Preises anbietet. Das belgische Handelshaus existiert heute ebenfalls noch (vgl. www.grafe.be), jedoch kann ichüber die Güte der angebotenen Wein nichts sagen, da ich sie nicht kenne. In der Nase präsentierte sich dieser Wein zu seinem 60. Geburtstag recht kühl, mit Noten von Tee, schwarzem Trüffel, recht klaren Tertiäraromen und einem Eindruck von gereiftem Barolo. Am Gaumen habe ich mir welke Rosen, Veilchen, leichte Röstnoten und rote (Johannis-)Beeren notiert. Recht vielfältiger Eindruck, mit reifer Säure (88 Punkte).  In der späteren Rückverkostung habe ich ihn auf 89 Punkte gezogen, da er an Klarheit und Frische etwas zugelegt hat; Anklänge an roten Tee und Kaffee.


1959 Volnay 1er Crù Santenots,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 4,6cm)


86-87 Punkte - Gleicher Winzer, gleicher Abfüller, gleicher Jahrgang, bessere Lage - und trotzdem der etwas schwächere Wein im Vergleich zur Dorflage.  Recht kräftige Nase, schwarzer Tee, deutliche Tertiärnoten, Karamell, recht spitzer Alkohol in der Nase. Auch am Gaumen ist er etwas einfacher als sein Vorgänger, erinnert mich ein wenig an Crème Catalane; etwas vorstehende Säure (86 Punkte). Die Luft bis zur Nachverkostung hat im gut getan, er hat etwas an Kraft gewonnen, leider entwickelt sich hinter heraus auch eine Bitternote, die ihm nicht so gut zu Gesicht steht.

 

1959 Pommard, de Cannière (Abfüllung) - Burgund (Füllstand 4,1 cm)


87 Punkte - In der Nase viel Butterkaramell, aber auch leicht flüchtige Säure, Honignoten, mit mehr Luft entwickelt sich ein Duft von Bienenwachs, Liebstöckel, insgesamt recht kräutrig. Am Gaumen noch ein recht schönes Aromenbild mit guter Säure und erkennbarer Burgunderfrucht. Mit mehr Luft wird er dunkler in der Aromatik.

Freitag, 10.07.2009

Burgundmarathon über zwei Tage


Was sich total anstrengend anhört (Marathon über 2 Tage) war selten klasse. Michael Schmidt vom Weinhandel (http://weinhandel-schmidt.de) hat dieses denkwürdige Ereignis im privaten Rahmen letztes Wochenende veranstaltet. Den Ablauf kann man nur als perfekt bezeichnen, die Flaschen waren bestens konditioniert (alle Weine wurden um 7 Uhr früh geöffnet und wieder leicht mit Kork verschlossen.Um 10,30Uhr wurde der Kork entfernt zur langsamen Sauerstoff- Zufuhr, um 18.00 Uhr ging es dann mit der Probe los) und die bunt gemischte Truppe (von denen sich ein Großteil vorher nicht kannte) harmonierte teilweise so gut, dass ich das Gefühl hatte, man kennt sich schon Ewigkeiten. Abgesehen von Vor- und Nachweinen ;-)) standen am ersten Abend 16 Weine aus der Zeit von 1952 bis 1959 im Mittelpunkt unseres Interesses. Am zweiten Abend folgten weitere 16 Weine, die allesamt das Rentenalter bereits erreicht hatten, einige waren sogar hoch betagt (1895 bis 1949).

Nachfolgend werde ich die Weine eines flights jeweils in  einem Eintrag  vorstellen. Viel Spaß beim Lesen....


Die "Ausbeute" des 1.Abends

Dienstag, 30.06.2009

1979 Barolo Bussia di Monforte Riserva Speziale, Bruno Giacosa – Piemont


96 Punkte – Der krönende Abschluss der Rotweinrunde an diesem Abend. Dieser herrliche Stoff ist nur in wenigen Jahren (1974, 1975, 1978 und 1979, jeweils rotes label) in kleiner Auflage erzeugt worden. Für die Optik gewinnt dieser Barolo keine Preise; mit unglaublich viel Depot strömt der Wein ins Glas, in der Farbe ansonsten eher blass und hell. Dafür hat es der Rest umso mehr in sich. Die Nase zeigt mit etwas Luft herrliche Trüffelaromen und feuchtes Unterholz, dazu Malven, etwas Liebstöckel und zwischendrin auch mal ein Hauch von verwässerter Coca Cola, aber das Aroma verändert sich, zeigt auch Anklänge von rotem Tee. Am Gaumen ebenfalls mit fortgeschrittener Reife, deutliche Tertiäraromatik (aber die von ihrer schönsten Seite), dazu etwas Tee von roten Früchten, eine feine und recht intensive Süße (Karamell). Insgesamt ein wunderbar reifer Barolo, mit sehr viel Spiel, Komplexität und Finesse. Ich liebe diese Art von klassischem Nebbiolo; für mich ist das großes Kino und unglaublich genussvoll.

1989 Barolo La Villa Fratelli Seghesio Piemont


94 Puntke – Der ein Jahr ältere La Villa aus dem Jahrgang 1989 unterscheidet sich von seinem Bruder aus 1990 im Stil; er wirkt etwas klassischer, aber nicht minder attraktiv. Im Ergebnis ist er etwas filigraner und eleganter; aber auch der 89er zeigt eine wunderbare aromatische Tiefe mit runden, körnigen Tanninen. Die Aromatik ist ebenfalls dunkel, mit einer tollen Frucht (Kirschen, Brombeeren und Waldboden) sowie einer ansprechenden Fruchtsüße. Dies alles wird eingerahmt und durchzogen von malzigen Aromen, Zedernholz und einem Hauch Trüffel. Beeindruckend die aromatische Länge mit der er Mund und Rachen auskleidet. Auch hier ist keine Eile geboten, der Wein wird auf diesem Niveau noch etliche Jahre zu trinken sein.

1990 Barolo La Villa, Fratelli Seghesio – Piemont


93 Punkte - Die Brüder Aldo und Riccardo Seghesio haben erst Ende der 80er Jahre damit begonnen eigenen Wein abzufüllen. Vorher wurden die Trauben oder auch der Jungwein an Handelsbetriebe verkauft. Doch dann begannen sie den Wein selbst zu füllen und auf hohe Qualität zu setzen. So wurden nicht nur die alten Fässer zersägt und auf französische Eiche (600-700 Liter Fässer) gesetzt, sondern man reduzierte auch die Erntemenge erheblich (grüne Lese mit teilweise 50% Ertragsreduzierung und letztendlich nie mehr als 40hl Wein pro Hektar. Die internationale Weinszene entdeckte die Weine sehr schnell – auch dank der internationalen Weinjournalisten; Parker hat z.B. den Barolo La Villa in 14 Jahrgängen bewertet und nie mit wenige als 90 Punkten bewertet. Auch der Gambero Rosso ist stets voll des Lobes über die Weine der Gebrüder Seghesio. 

 

Noch mit dichter Farbe strömt der Wein in die Gläser und ein Duft aus Lakritz, Tabak, Waldbeeren und Kirschen umschmeichelt die Nase. Im Mund präsentiert er sich saftig und mit einer schönen Fruchtsüße; der recht hohe Speichelfluss deutet auf eine knackige Säure hin, die trotzdem gut eingebunden wirkt. Das gleiche gilt für die kräftigen Tannine. Der Körper ist kräftig, aber auf Grund seiner Anlagen ist der Wein in sich harmonisch und so dürfte der Barolo La Villa 1990 noch einen erhebliches Lagerpotential besitzen.

1989 Barbaresco Selezione Christa Klauke, Produttori del Barbaresco – Piemont


90 Punkte – Spannend war die  für die Buchautorin und (ehemalige) Weinhändlerin Christa Klauke gemachte Spezial-Abfüllung. Diese Flasche entstammte einem Fass (No.137), das ausschließlich für sie abgefüllt worden war. Wie ich gehört habe, gehörte sie einmal zu den recht bedeutenden Händlern in Deutschland und ihre Liebe galt dem italienischen Wein.

Die Nase zeugt von einem gereiften Nebbiolo klassischer Art, Anklänge an Trüffel, Liebstöckel, rote Beeren und Trockenblumen. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild; ein wirklich schön geschliffenes Tannin sowie die gut eingepasste Säure sorgen für ein harmonisches Gesamtbild; die gute Länge rundet dieses erfreulichen Weingenuss ab. Man darf davon ausgehen, dass für diese Spezialabfüllung ein wirklich gutes Fass gewählt worden ist. Allerdings war es im Jahrgang 1989 auch schwierig keinen guten Nebbiolo zu erzeugen. Wir haben noch länger darüber diskutiert, ob 1989 oder 1990 der bessere Jahrgang ist. Wenngleich in der Literatur 1990 die Nase leicht vorne hat, so waren wir uns am Tisch auf Grund eigener Erlebnisse einig, dass 1989 im Durchschnitt der etwas bessere dieser beiden großen Jahrgänge in der Langhe ist.

 

1994 Chardonnay Grand Select, Weingut Wieninger - Wien



85 Punkte
– Schon erstaunlich, wie stark dieser Chardonnay noch von jung wirkenden Holzaromen beeinflusst ist. Die Nase zeigt deutliche Barriquenoten, Buttertoffee, aber zu Beginn auch eine leichte Sauerkrautnote, die mit zunehmender Luft im Glas sich etwas abbaut und floralen Anklängen weicht. Der Eindruck, den dieser Wein in der Nase hinterlässt, ist intensiv, aber leider auch etwas grob. Am Gaumen ebenfalls laktische Noten, dazu eine schöne Citrus-Apfelfrucht mit guter Säurestruktur; recht langer Abgang. Ein Chardonnay im internationalen Stil, wie er lange en vogue war, heute aber eher unpopulär ist. Mit hat er trotzdem ganz gut gefallen und meine Hand ging durchaus zum Glas, auch wenn er insgesamt eher etwas  holprig geschnitzt ist; mit seinen 13,5% Alkohol ist er auch nicht zu fett.  

 

1988 Chardonnay, Bründlmayer – Kamptal


87 Punkte - „Der Chardonnay hat den internationalen Erfolg von Willi Bründlmayer jun. eingeleitet. In den 80-er Jahren gewann Bründlmayer Chardonnay auf der Weinmesse Vinitaly eine Verkostung der „besten Chardonnays der Welt“(Veronelli), obwohl er eigentlich von einem deutschen Journalisten nur als „Pirat“ eingeschleust worden war. Der internationale Ausbaustil hat seither zu einer individuellen Ausprägung gefunden mit fester Struktur und charmanter „österreichischer“ Frucht.“ (vgl. http://www.bruendlmayer.at/weine/weisswein/chardonnay_2002.php) Unglaubliche 21 Jahre hat dieser Chardonnay auf dem Buckel und er stand wunderbar im Glas. Der Wein verströhmte einen vielfältigen Duft, der mich an Waldhonig, Quitten, Äpfel und Crème Brûlée erinnerte. Die Nase ist finessenreich, am Gaumen konnte er das Niveau nicht ganz halten. Dennoch zeigt sich auch hier der Wein eher von der eleganten, filigranen Seite; sehr klar, mit feinem Schmelz – wirklich schön gereift. Heute arbeitet Willi Bründlmayer bei seinem Chardonnay mit Eiche aus der Region. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, ob dies damals auch schon der Fall war, denn irgendwie hatte der Weine deutlich etwas burgundisches, aber auch wieder nicht – vielleicht bringt hier auch das Holz eine deutlich lokale Note mit ein.

Baroloprobe und Österreich


Während meiner Urlaubswoche veranstaltete ein Freund in Hamburg mitten in der Woche überraschend eine formidable Weinprobe. Da es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass ich unheimlich gerne Altweine trinke und mein Herz besonders für den Nebbiolo schlägt, habe ich mich natürlich besonders gefreut, dass an diesem Abend - im Kreise besonders lieber Freunde – ein paar Preziosen auf den Tisch kamen. Bei Brot, Butter und Salz (eine blendende Ausstattung für Weinproben, wenn man sich auf die Wein konzentrieren möchte) begann unser genussreicher Abend mit zwei Weißweinen, die ich in diesem Keller so gar nicht vermutet hatte ;-) 

 

 

Sonntag, 07.06.2009

Bordeaux 1985 - kleine Horzontalverkostung


Einmal mehr war ich bei Freunden in Frankfurt zum Weintrinken eingeladen. Diesmal war klar, was auf den Tisch des Hauses kommen sollte: Bordeaux – denn die beiden Jungs haben erst kürzlich einen besonderen Deal gemacht und einen Weinschatz aufgekauft, der so ziemlich alles hergibt, was in der Zeit von 1982 bis 1990 Rang, Namen und viele, viele Punkte hat. Mein Mitbringsel, ein 1985er Chateau Cos d’Estournel  fügte sich an diesem Abend per Zufall perfekt in die kleine horizontale Verkostung ein, die von den jeweils „besseren Hälften“ intelligent und mit Fingerspitzengefühl für uns Jungs blind zusammengestellt worden war. Es gab (in der Reihenfolge der Nennung):

 

  • 1985 Chateau Grand Puy Lacoste, Pauillac
  • 1985 Chateau Latour, Pauillac
  • 1985 Chateau Cos d’Estournel , St. Estephe
  • 1985 Chateau Lynch Bages, Pauillac
  • 1985 Chateau Leoville Barton, St. Julien

 

Ein kleiner Hinweis vorab: Die verkosteten Weine stammten aus einem Top-Keller, den sie seit ihrer Lieferung nach dem Primeur-Einkauf nicht verlassen haben. Insofern liegen den nachfolgenden Notizen hervorragend konditionierte Flaschen zu Grunde.

 

Als warm up gab es einen weißen Wein-Kracher, der nicht lange fackelt, sondern mit dem man gleich von „Null auf Hundert“ in unter 4 Sekunden beschleunigt wird:


1998 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Bründlmayer – Kamptal

 

95 Punkte – Was für eine Rakete, bereits in der Nase bekommt man einen Eindruck von der brachialen Kraft und der Urgewalt dieses Weines. In der Nase schwingt zwar zu Beginn ein Hauch von flüchtiger Säure mit, aber dann erlebt man ein Feuerwerk von orientalischen Gewürzen, Rauch und weißem Pfeffer. Der erste Schluck kommt fast einem Anschlag gleich, denn der Wein brennt sich mit seiner krassen, ungemein salzigen Mineralität in der Zunge ein. Aber auch die Frucht ist nicht von schlechten Eltern: Noten von überreifen Äpfeln, Citrusfrüchten, viel Pampelmuse und Aprikosen sind nur ein paar Eindrücke, die man gewinnt, wenn man diesen ungemein dichten, feisten Wein kaut. Ein opulenter, brutaler Stoff, der trotz des hohen Alkohols und der leichten Botrytis noch ein langes Leben vor sich hat und der für mich eine Referenz des Grünen Veltliners darstellt. Mario Scheuermann hat mal zu diesem Wein geschrieben: „Auch dieser Wein sprengt mit seiner brachialen Kraft und Wucht jeden Rahmen und jede Konvention der Sorte. Dieser hat kein Pfefferl, sondern richtig Pfeffer. Neben einem solch faszinierenden Ungetüm müssen die meisten großen weißen Burgunder die Waffen strecken“ (vgl. Capital Weincompass, Mario Scheuermann). Den ersten Teil dieses statements kann ich voll und ganz unterschreiben, warum man jedoch dieses Weinunikat mit einem weißen Burgunder vergleicht, erschließt sich mir jedoch nicht, auch wenn dieser irre Stoff – trotz aller power und Aggressivität – eine innere Harmonie und Ausgewogenheit auf hohem Niveau besitzt.

 

 

1985 Chateau Grand Puy Lacoste – Pauillac

 

93 Punkte – Chateau Grand Puy Lacoste hat in der Dekade von 1980 bis 1990 langlebige Weine von hervorragender Qualität erzeugt. Einen Beweis mehr lieferte dieser schöne 85er, der in seiner Aromatik ganz typisch für dieses Chateau ist. Intensive, kräutrige und maskulin wirkende Nase mit Anklängen von frischen Trüffeln und Rauch (Asche eines ausgeglühten Lagerfeuers). Am Gaumen gerade aus mit schöner, klarer Frucht; vom Mundgefühl recht weich, mit Anklängen von roten Früchten, Lakritze und schwarzem Pfeffer. Ein in sich schlüssiger Tropfen, den ich gerne und mit viel Genuss getrunken habe. Auf diesem Niveau mindestens noch 5 Jahre.

 

 

1985 Chateau Latour – Pauillac

92-94 Punkte – Meine erste Begegnung mit Latour aus diesem Jahrgag und irgendwie bin ich mit mir nicht wirklich im Reinen: hat mir der Wein richtig gut gefallen hat oder nicht? Zu Beginn ein leichter Kellermuff; dann viele Kaffee-, Malz- (süßlich) und Marzipannoten. Mit viel Luft (dekantieren einmal mehr empfohlen) wird der Wein vielschichtiger und die Frucht blüht auf. Am Gaumen wirkt der Wein recht feminin, feinen Noten von Himbeeren und grünen Erbsen. Die Tannine sind rund und geschliffen; hinten heraus bleibt jedoch ein kleines Bitterle. Zu Beginn erstaunlich dicht und weich, aber irgendwie auch ein wenig richtungslos – der Wein hat noch ordentlich Alterungspotential, aber die Frage: „Findet er noch die klare Richtung und seine echte Latour-Seele?“ bleibt. Da er im Glas mit der Zeit ausbaute, bin ich zuversichtlich, dass bei gut gelagerten Flaschen noch 1-2 Punkte mehr drin sind. Für das viele Geld würde ich mir momentan lieber ein paar Flaschen Grand Puy Lacoste gönnen.

 

 

1985 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe

 

93 Punkte – Dieser Wein spaltete an diesem Abend ein wenig die Gemüter. Mein lieber Freund mir gegenüber punktete 88/89 Punkte und meinte er sei etwas verwaschen, mein Weinfreund zur Linken setzte ihn am Ende ein Tick über den noch folgenden 85er Leoville Barton. Ich hatte ihn mit 93 Punkten  punktgleich mit dem Leoville und damit deutlich jenseits der 90-Punkte-Grenze. Ich habe mir „androgyn“ notiert – einerseits ein dunkle, maskuline und mineralische Aromatik (Dörrobst, schwarze Oliven), andererseits eine vordergründige, saftige, weiche und weibliche Wärme sowie eine runde, üppige Frucht. Schwer zu verstehen, aber hinter der weichen, üppigen Frucht auch viel Struktur und etwas ruppige Tannine. Mit haben die Gegensätze gut gefallen.

 

 

1985 Chateau Lynch Bages – Pauillac

 

96 Punkte – Zwei Worte habe ich mir als Fazit in mein kleines Notizbuch notiert: „Sinnliche Schönheit“ Nein, nicht diese Hungerhaken, die man heute ständig auf irgendwelchen Modenschauen sieht, sondern uns hat an diesem Abend eine femme fatale begeistert. Schon das Bukett hatte ein unglaublich verschwenderisches Parfüm: reife Weichselkirschen, vielen süßlich-orientalischen Anklängen; eingefangen in einer Box aus edlem Zedernholz (Zigarrenbox, die den Duft der letzten Zigarren ein wenig bewahrt hat).  Am Gaumen saftige Fülle, sehr ausdrucksstark und ausladend. Intensiv, voller Körper und ziemlich sexy. Durchaus elegant, aber primär (im allerbesten Sinne) ein Kind der Bourgeoisie.

 

 

1985 Chateau Leoville Barton – St. Julien

 

93 Punkte – Zu Beginn sehr viel Kaffee- und Röstaromen, Zedernholz und Zigarrenkiste. Am Gaumen recht maskulin in seinen Anlagen: Röstaromen, das Tannin trocknet den Gaumen etwas an; auf der anderen Seite mit einer recht eleganten rotbeerigen Frucht und einer feinen, recht eleganten Süße. Aufgrund der sehr straffen Säure kann ich die Notiz von Rene Gabriel aus 1999 ganz gut nachvollziehen, wo er dem 85er Chateau Leoville Barton eine „Sangiovese-Affinität“ attestiert und ihn zum „Frankreich/Toskaner“ mutieren lässt. Da der Wein im Glas hinten heraus recht schnell abbaute, verstehe ich es auch, wenn man ihm noch ein oder zwei Pünktchen abzieht.  

Samstag, 30.05.2009

Clos Mogador - Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006


Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und - Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.


Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte - Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein - in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien - daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte - Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.


Mittwoch, 27.05.2009

1999 La Porte du Ciel, Chateau de la Negly – Coteaux du Languedoc / „Ma(n)ifest Nr.13“

 

94 Punkte - ich war und bin ein großer Freund des La Falaise, diesem preis-WERTEN Wein von Jean Rosset, dem Eigentümer von Chateau de la Negly. Seine „Himmelspforte“ spielt deutlich eine Liga höher, aber der Top-Zuschlag für das Trinkvergnügen in der Champions League ist doch erheblich.

Tief und fast schwarz steht der Wein im Glas. Immer wieder fasziniert mich bei dieses Weinen aus dem Süden Frankreichs (La Clape) die Kombination aus hohem Alkohol und der eher kühlen Stilistik am Gaumen und in der Nase. Auch die 99er Himmelspforte hat laut Etikett 14,5% Alkohol (tatsächlich wohl eher noch einen Schnaps mehr), verführt aber gleichzeitig mit ihrer kühlen Art. Die Aromatik ist geprägt durch eine tiefe, saftige Frucht mit viel Lakritz- und Kräuternoten, dazu etwas Schokolade und Kokos (wohl vom Fassausbau), Brombeeren, Minze und Menthol. Der Wein besitzt eine dezente Bitternote, die jedoch nicht aus unreifen Tanninen oder dem Holz kommt, sondern wohl eher dem Boden zuzuschreiben ist. Die Tannine sind herrlich weich und feinkörnig und der Wein hinterlässt einen langen, samtigen Eindruck am Gaumen.

Dienstag, 26.05.2009

1996 Oberhäuser Brücke Riesling Eiswein, Hermann Dönnhoff – Nahe / „Ma(n)ifest Nr.12“

 

95 Punkte – Dieser Wein sieht aus wie eine mit Wasser verdünnte Coca Cola; bernsteinfarben. Auch wenn man wegen der Farbe schon mal die Stirn runzeln kann, so ist man nach der ersten Annäherung an das Glas doch vollkommen geläutert. Schon in der Nase bekommt man einen Eindruck von der Urgewalt und Komplexität dieses Weines. Einmal im Mund entfaltet sich ein Aromenfeuerwerk, wie ich es bislang selten erlebt habe. Die süße Frucht (exotische Früchte, Zwetschgenröster, Kirschen) ist unterlegt mit einer glockenklaren und intensiven Säure, die jedoch – dank der herrlichen Fruchtsüße – ein frappierendes Spiel entwickelt, dass in einem furiosen, lange am Gaumen anhaltenden Finale endet.

 

Laut der Info edlen Spenders hat Hermann Dönnhoff mehrere Eisweine in diesem Jahrgang seiner Lager Oberhäuser Brücke abgerungen; Nr. 28 hatte mit 250° Öchsle nicht nur den höchsten Zuckergehalt, sondern war auch mit 99 Punkten Siegerwein im Gault Millau 1998 im Bereich der edelsüßen Gewächse. Der Traumstoff bei uns im Glas wurde wohl ein paar Nächte früher geerntet und hatte ursprünglich ein Mostgewicht von 210° Öchsle.

Samstag, 23.05.2009

1997 Insignia, Joseph Phelps - St. Helena (Napa Valley) / „Ma(n)ifest Nr.11“

 

96 Punkte - Innerhalb von 4 Wochen der zweite Jahrgang dieses großen, bekannten Kaliforniers. Hatte ich den 95er schon mit sehr guten 94 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=414), so waren diesmal noch 2 Punkte mehr im Glas. Ein Schmackofatz – Wein allererster Güte. Tiefe Farbe; dunkel und ganz dicht stand er im Glas vor uns und strahlte uns an. Von der Aromatik ein Charmeur, ein Schmeichler, ein Don Juan – und dann das ganze auch noch im Smoking für den großen Auftritt am Abend. Und nicht völlig neidfrei muss ich kontestieren, dass er auch den nötigen Tiefgang besaß.  Jede Frau hätte an diesem „Beau“ mit Scharm und Charakter ihre wahre Freude.

 

Nicht ganz uneigennützig habe ich entschieden, dass mir dieser Typ nicht in mein Haus kommt. Oder anders ausgedrückt, dieser Ausbund aus Kraft, Saft, Frucht und Schmelz, umhüllt von einem edlen Zwirn, der hier und da den kräftigen Körper nicht verdeckt, werde ihn meiner Herzdame vorenthalten; sonst bin ich den ganzen Abend abgemeldet.

 

Nicht so schwärmerisch formuliert liest sich das dann so: Dichter, saftiger, geschmeidiger und fruchtbetonter (u.a. Cassis & Heidelbeeren) Wein, der mit seinen Lakritz- und  Kräuteraromen aromatisch komplex wirkt. Der  an Vollmilchschokolade erinnernde Schmelz ergänzt sich gut mit der schönen Süße, die den Speck zwischen Rippen (bestehend aus reifen, feinsandigen Tanninen) bildet.  Harmonisch und balanciert; mit guter Länge.

Freitag, 22.05.2009

1945 Chateau Pontet Canet – Pauillac / „Ma(n)ifest Nr.10“

 

98 Punkte – Chateau Pontet Canet spielt mit seinen Weinen seit Ende der 90er Jahre wieder in der ersten Erste Liga von Pauillac, wenn nicht gar in Bordeaux. Doch die Durststrecke bis dahin war lang.

Grundsätzlich mag ich diesen Stil von Bordeaux. Ein Pontet Canet ist stets ein maskuliner, dunkler Wein mit straffen, teilweise auch etwas rauen Tanninen, aber auch mit Tiefe und Substanz. Wie jedoch ein 45 sein würde, konnte ich mir bislang nicht vorstellen, denn einen älteren als den recht bescheiden 86er hatte ich noch nicht im Glas. Von der Farbe deutlich gereifter als der davor getrunkene 50er Cheval Blanc, aber dann mit tiefer, dunkler und immer noch fester Aromatik – wirkt fast noch ein bisschen jugendlich. Noten von Baumrinde, Tabak, Zigarrenkiste, Eukalyptus, Minze und einer erkennbaren Erdigkeit / Mineralik, die ich so bei einem jungen Pontet Canet noch nie erlebt habe. Überzeugend auch die Frische, die sich bis in den langen Abgang durchzieht.

 

1950 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / „Ma(n)ifest Nr.9“

 

 

97 Punkte - Was für ein Farbe: fest und leuchtend; zeigt kaum Alterserscheinungen. Der Wein war bereits seit über einer Stunde in der Karaffe, aber erst über den Abend verteilt zeigt er seine wirkliche Klasse. Zu Beginn hatte er einen deutlichen Muffton, ich hielt es sogar für einen Kork, aber mit der Zeit verschwand dieser Eindruck und es öffnete sich eine wunderbare, weitläufige  Aromenvielfalt: z.B. Zigarrenbox (Tabak und Zedernholz), eine feine, pflaumige Frucht, etwas Minze – opulent und vielschichtig. Am Gaumen wunderbar sanft und weich - mit noblen, seidigen Tanninen ausgestattet. Trotzdem noch unglaublich jung, konzentriert und druckvoll. Es war kaum zu fassen, dass da ein fast 60 Jahre alter Wein vor uns stand. Sehr langer und komplexer Abgang. Wer hier nicht „fliegen“ lernt, braucht sich wohl nicht weiter zu bemühen.

 

Wer die Chance besitzt sich so einen Wein einmal selbst zu kaufen, sollte nicht den Unsinn betreiben und aktuelle Jahrgänge erwerben. Diese sind meist genauso teuer, wie gereifte Flaschen aus guten oder gar großen Jahren, bieten aber wesentlich weniger Trinkgenuss. Der aktuelle Jahrgang 2008 kostet aktuell in der Subskription ca. Euro 350,- pro Flasche. Abgesehen davon, dass man so das Insolvenzrisiko des Händlers über die nächsten zwei Jahre bis zur Auslieferung der Flaschen trägt, dürfte sich – wenn überhaupt – ein vergleichbarer Trinkgenuss frühestens in 20 Jahren einstellen. Der Wein wird dann höchstwahrscheinlich köstlich sein, aber wer weiß schon, ob man da die Radieschen nicht schon von unten anschaut.

Donnerstag, 21.05.2009

1955 Chateau Lafleur – Pomerol / „Ma(n)ifest Nr.8“


99 Punkte –  Wer hat die Krone von Pomerol ? Als Antwort auf diese Frage erhält man nicht von wenigen Weinkennern die Antwort: Petrus oder Lafleur – einer von beiden hat sie immer auf. Meine Trinkerfahrung ist allerdings nicht ausreichend groß (mein Geldbeutel übrigens auch nicht), dass ich mir dazu ein echtes Urteil erlauben könnte. Vielleicht auch nur aus diesem Grund kommen mir noch ein paar Chateaus in den Sinn, denen ich in einigen Jahrgängen die Poole zutrauen würde.

 

 


Doch im ´55er Jahrgang ist es mir unmöglich vorzustellen, dass es irgendeinen Wein geben könnte, der es vermag das zu toppen, was ich da im Glas hatte. Feinste Kräuteraromen, vielschichtig aufgefächert, fein und delikat; dazu Teer, ein Hauch (rote) Frucht, Sandelholz, feinsandige Tannine und eine (rote) Süße, die den Gaumen so umschmeichelt, dass man Gänsehaut bekommt - WUNDERSCHÖN !! Ein Wein zum Verlieben: grazil und berauschend, wie eine bunte Sommmerwiese voller Wildblumen.  

1959 Nuits-St. Georges, Masson-Dubois (Abfüllung von Hubert Kehren, Saarbrücken) – Burgund / „Ma(n)ifest Nr.7“

 

92 Punkte – 1959 war im Burgund ein Jahrhundertjahrgang und wohl auch der Grund, warum dieser Wein noch so sensationell im Glas stand. Trotz intensiver Recherche konnte ich weder zum Erzeuger noch zum Abfüller in Saarbrücken befriedigende Informationen sammeln.

Zu Beginn in der Nase Aromen von verbrannten Gummireifen – dahinter florale Aromen, etwas Kaffee und eine erstaunliche Himbeerfrucht am Gaumen. Der Wein besitzt noch eine ausgezeichnete Struktur – mit einer schönen inneren Spannung sowie einer herrlichen, mürben Süße. Ein Wein für Genießer.

1986 Hermitage – Jean Louis Chave – nördliche Rhone / „Ma(n)ifest Nr.6“


91 Punkte - Jean-Louis Chave und vor allem sein Vater Gérard gehören zu den großen Weinmachern Frankreichs, Robert Parker zählt sie gar zu den besten Weinmachern weltweit. Bislang hatte ich weder das Vergnügen sie zu treffen, noch habe ich die Region je bereist. Dies steht jedoch ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste. Darin liegt auch der Grund, warum ich hier nicht viel über das Weingut und die Weinbereitung schreiben kann. Details gibt es z.B. in  Robert Parkers Buch „Rhone“ zu lesen. Einen kleinen Hinweis möchte ich jedoch geben, der für das Verständnis der Weine von Chave nicht ganz unwichtig ist. Vater und Sohn halten sehr viel von der traditionellen Weinbereitung - Technik spielt in ihrem Keller eine sehr untergeordnete Rolle.

Da der Jahrgang 1986 an der nördlichen Rhone nicht gerade zu den Glanzpunkten zählt, war ich umso mehr gespannt, was man hier dem Jahrgang abgerungen hat. Auch diesen haben wir blind getrunken und es lagen so ziemlich alle „Mittrinker“ am Tisch (incl. Meiner Wenigkeit, der diesen Wein zur Verkostung angestellt hatte) daneben, als es um die Bestimmung der Provenienz ging. Zu Beginn zeigten sich viele Kaffee- und Kräuteraromen und die meisten waren im Bordeaux unterwegs. Am Gaumen ebenfalls viele, eher dunkel anmutende Kräuter, das Wort „Ricolasüße“ fiel, was als Ausdruck dieser Kräutrigkeit in Verbindung mit einer eher feinen, delikaten Süße eigentlich ganz gut passte, wenn auch die Bonbons deutlich süßer sind. Dieser Wein ist kein Schwergewicht, am Gaumen recht weich und entwickelt, dennoch zeigte er – trotz des rech kleinen Jahrgangs - eine gewisse Eleganz. Wer noch Restbestände hat, sollte sie jetzt trinken.

 

1964 Lanson Champagner Black Label – Champagne / „Ma(n)ifest Nr.5“


82 Punkte - Aus akademischer Sicht eine überaus spannende Erfahrung war dieser schon sehr gereifte Champagner aus einem der großen Häuser. Alt-Rosa in der Farbe; einem Vin Pétillant gleich, war eine Perlage fast nicht auszumachen. Am Gaumen dann ein leichter Bitterton; die Sherrynoten sowie die schon etwas arg in den Vordergrund gerückte Säure haben bei mir keine echte Trinkfreude aufkommen lassen. 

1971 Bernkasteler Badstube Riesling Eiswein Auslese, Weingutes der Pfarrkirche Bernkastel – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.4“

 

92 Punkte - Überraschende Farbe: Kupferfarben mit bernsteinfarbenen Reflexen, strahlend, klar. Aufregende Nase mit Noten von Orangeat, Aprikosen und Nussecken. Am Gaumen glockenklare Frucht, mit tollem Süße-Säure-Spiel, schöner Frische und Noten von Apfelkompott; Crême Brulee und Orangenmarmelade. Baut im Glas aus; mit langem Nachhall im Abgang. Eine sehr interessante Erfahrung !

Mittwoch, 20.05.2009

1983 Erbacher Marcobrunn Riesling Auslese, Weingut Langwerth von Simmern – Rheingau / "Ma(n)ifest Nr.3"

92 Punkte - Dieses Traditionsweingut liegt im schönen Eltville am Rhein und blickt wahrlich auf eine lange Geschichte (http://www.langwerth-von-simmern.de/deutsch/geschichte.htm) zurück.

Wahrscheinlich noch viel mehr Geschichten könnte man über die Lage Marcobrunn erzählen. Sie gehört seit Jahrhunderten zu den allerbesten Weinbergslagen in Deutschland. Bereits im 12. Jahrhundert ist sie in einem Lehensverzeichnis namentlich als „marcoburnen“ erwähnt, ab 1275 auch als "markenborne".  Der Name kommt von "marka" (= Grenze) und bezeichnet einen Brunnen an der Gemarkungsgrenze Erbach-Hattenheim. Als die Erbacher um 1810 den Brunnen mit einer klassizistischen Umrahmung schmückten, schrieben sie auf den oberen Abschluss "Marcobrunnen Gemarkung Erbach". Die darüber eben nicht erfreuten Hattenheimer ließen diese komplette Vereinnahmung durch die Erbacher nicht zu und schrieben – nicht ganz humorfrei - auf ihrer Seite des Brunnens: "So ist es richtig und so soll es sein. Für Erbach das Wasser und für Hattenheim den Wein!" 

Viele berühmte Personen aus aller Welt besuchten diesen Weinberg und nahmen die feinsten Gewächse mit nach Hause. Ziemlich unerreicht in seiner Begeisterung über die Weine aus dieser Lage dürfte wohl Zar Nikolaus II gewesen sein, denn es wird berichtet, dass er fast den gesamten Jahrgang 1893 an den russischen Hof liefern lies. Höchstwahrscheinlich sind Teile davon auch direkt in den weltberühmten Massandra-Keller zur weiteren Lagerung geleitet worden. Zar Nikolaus II hatte ihn in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts an der Krim anlegen lassen. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges bekam die Welt einen Eindruck, welch unermesslicher Weinschatz in diesen riesigen Kellergewölben angehäuft worden ist, denn das Weinauktionshaus Sotheby’s hatte es geschafft, einen Teil des Kellers zu akquirieren und im Rahmen von weltweit beachteten Auktionen zu versteigern.

Unsere 83er Riesling Auslese funkelte im Glas und präsentierte sich auch in der Nase reintönig und glockenklar. Am Gaumen ein schönes Spiel von gelben Früchten (Pfirsich und süße Ananas), Mineralität, Säure und Süße. Insgesamt immer noch jugendlich frisch, animierend und wunderbar ausgewogen. Auf mich wirkte der Wein überaus animierend und meine Hand ging zum Glas.  

 

 

 

 

 

1989 Meringer Zellerberg Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / "Ma(n)ifest Nr.2"

Hier zeigt sich der Unterschied der Lage, vom gleichen Winzer und aus gleichem Jahrgang, aber nicht von gleicher Güte wie die Auslese aus der Trittenheimer Apotheke. Gelbe Früchte, aber etwas undifferenziert.


84 Punkte  -

1989 Trittenheimer Apotheke Goldkapsel Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / "Ma(n)ifest Nr.1"

 

88 Punkte – Diese oberleckere Auslese Goldkapsel aus einer richtig berühmten und wunderschönen Lage (einen Besuch von Trittenheim und der Moselschleife kann ich jedem Naturliebhaber und Genussmenschen nur empfehlen) gehört in die Kategorie Einstiegsdroge. Sollte es wirklich noch jemand da draußen geben, der für kleines Geld (€12,- im Restaurant Schorn käuflich zu erwerben) mal wissen möchte, wie ein klassischer Moselriesling reift, der sollte hier zugreifen. Und wer sich etwas mehr Mühe machen möchte geht selbst auf die Pirsch nach solchen Goldschätzen, denn es gibt immer noch eine Vielzahl kleiner Winzerbetriebe, die in keinem Weinführer gelistet sind, die eine Vielzahl von Flaschen aus sehr guten Jahren im Keller liegen haben, die es zu entdecken gilt. Hinfahren, Probieren und die schönsten Wein mit nach Hause nehmen.

 

Diese Goldkapsel war im besten Sinne „trinkig“, ganz zarter Petrolton, Citrusaromen, gelbe Früchte, ein bisschen exotische Frucht, schönes Säure-Süße-Spiel, straff und immer noch herrlich frisch; dabei recht differenziert und klar in der Aromatik.

 

Ma(n)ifest der reifen Weine

 

Das zweite Maiwochenende 2009 wird als eines der genussreichsten in meine persönliche Wein- und Trinkgeschichte eingehen: Die Weine an diesem Abend haben (mir) endgültig klar gemacht, dass man die ganz, ganz großen, die Sinne berauschenden Momente (und ich spreche hier nicht vom Alkohol ) meist nur mit gereiften Gewächsen erleben kann.

 

Die Runde tagte – wie gewöhnlich – im Schorn (in der Martinstrasse in Düsseldorf) und Franz Josef kochte dieses mal mit junger Unterstützung und so genossen wir ein wunderbar komponiertes, leichtes Frühjahrsmenü. Seine bezaubernde Tochter war für uns im Service unterwegs und ich denke, dass dieses junge Duo die Energie und den notwendigen Spaß an der Sache haben wird, um das „Schorn“ wieder dahin zu führen, wo es - auf Grund der Klasse der Küche – seit je her hingehört: in die Münder des Düsseldorfer Publikums.

 

Gestartet wurde mit zwei Weinen, die Franz Josef erst kürzlich erstanden hat und die man für kleines (!) Geld bei ihm kaufen oder im Restaurant genießen kann.

 

Samstag, 16.05.2009

1929 Chateau Branaire Ducru – Saint Julien

 

82 Punkte - Die Jahrgänge 1928/1929 sind als Zwillinge für hervorragenden Bordeaux in die Geschichte eingegangen. Michael Broadbent schreibt zum Jahrgang: „Der Inbegriff von Eleganz. Wesentlich frühere Blüte als beim tanninreichen Jahrgang 1928. Kann bei guter Lagerung immer noch überragend sein. Juli, August und September waren heiß, vor der Lese gab es im September willkommene Regenfälle. Das reduzierte Tannin, Alkohol und Säure, der Charme allerdings blieb erhalten.“ Mir erscheint diese Wetter-/Regenargumentation nicht ganz schlüssig, aber nichts desto trotz, der 29er Jahrgang gilt als groß.

Groß war bei mir eher die Erwartung, denn diese Flasche hatte ich zur Verkostung angestellt und als letzte des Abends sollte sie besonders schön sein. Doch leider wurden wir enttäuscht. Die Farbe war zwar noch erstaunlich fest und dicht, doch bereits die Nase war unerfreulich. Am Tisch murmelte jemand etwas von „Abwasser-Gulli“ – das war zwar hart, aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Auch wenn dieser erste Eindruck mit etwas Luft verflog, so blieb der nasale Eindruck zerfahren. Einerseits war da ein interessante, dezent malzige Süße, andererseits auch etwas flüchtige Säure und Liebstöckel. Am Gaumen etwas besser, aber die Säure wurde ein bisschen allein gelassen und stand so zu sehr im Vordergrund. Trotzdem bot der Wein Aromen, die man nur schwer in Worte fassen kann und die irgendwie auch interessant waren. Bleibt man jedoch ehrlich, blieb der Wein eher akademisch und es waren nicht mehr als 82 Punkte im Glas.

 

Donnerstag, 14.05.2009

1961 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe



94 Punkte - Allgemeine Infos über solch berühmte Weingüter braucht man hier nicht zu schreiben, mehr als Plattitüden würden nicht dabei rauskommen. Interessanter ist dann schon das Studium einzelner Verkostungsnotizen, insbesondere wenn im Mittelpunkt ein so großer Jahrgang wie 1961 steht. Da ich jedoch bei fast allen Proben nicht im Vorhinein weiß, was mich erwartet, betreibe ich ein „Nachstudium“. Eine allseits beliebte Quelle ist die Internetpräsenz vom Weintermiantor Dr. Achim Becker (www.weinterminator.de). Doch noch lieber nehme ich das Buch von Pekka Nuiki „Drinking Hinstory“ zur Hand. Viel mehr als reine Verkostungsnotizen findet man da zwar nicht, aber die künstlerische Gestaltung und seine Art von Fotografie sind unbeschreiblich schön und ästhetisch. Eine Kostprobe davon kann man auch in der von ihm herausgegebenen Weinzeitschrift „Fine – Das Weinmagazin“ bekommen. Interessanterweise ist in der aktuellen Ausgabe 1/2009 auch eine des 61er Bordeaux-Jahrgangsverkostung beschrieben, die der von Nuiki gegründete Weinclub (The Vine Club) im Jahr 2008 veranstaltet hat. Dort ist folgendes zum 61er Cos d’Estournel zu lesen: „Mitteltiefes gelb-bräunliches Rot. Wenig ausgeprägtes, aber sehr elegantes Bukett von schwarzen Johannisbeeren, Nüssen, Zeder, Rauch und Spuren von Veilchen. Mittelschwer am Gaumen mit weichen Tanninen und lebendiger Säure. Dem mäßig langen Nachhall, der von verhaltenen Tabak- und Zedernnoten dominiert ist, fehlt es ein wenig an Frucht. Ein sehr geschmeidiger Wein, elegant und zart. Der Wein bereitet jetzt einen großen Trinkgenuss, von weiterem Lagern wird abgeraten. 90 Punkte“

 

Sein Fazit ist so ziemlich diametral entgegengesetzt zu seiner Notiz, die er in seinem Buch (S.268) niedergeschrieben hat: „In exzellentem Zustand. Schlossabfüllung, die in 1996 wieder verkorkt worden war. Gute tiefrote Farbe ohne Zeichen des Alters. Sehr offenes und makelloses Bukett. Groß und kraftvoll, noch tanninhaltig. Üppig, komplex und bereits in einer guten Balance. Noch etwas geschlossen und hart. Gut gemachter Wein, der noch eine große Zukunft vor sich hat. (…) 93 Punkte/ Jetzt und bis 2020/Zuletzt verkostet 5/2004“

 

Wenn man diese beiden Notizen liest, kommt man schon ein wenig ins Grübeln. Klar in diesem Alter gibt es riesige Flaschenvarianzen und nichts entscheidet mehr über die Genussfähigkeit eines so alten Weines wie die Lagerung, aber dann sollte man auch erkennen, dass Trinkempfehlungen bei solch alten Flaschen Blödsinn sind. Auch ein anderer Punkt sollte nicht ganz unbeleuchtet bleiben: Das Nachverkorken auf den Chateaus geht für gewöhnlich mit dem Auffüllen des bereits eingetreten Flaschenschwundes mit aktuellen Jahrgängen einher. Ich halte nicht viel davon, da der alte Wein in seiner Substanz doch maßgeblich beeinflusst wird.

 

Genug über andere geschwafelt, die Wahrheit liegt im Glas… Unsere an Karfreitag getrunkene Flasche korrelierte eher mit den Erfahrungen von Pekka Nuiki, die er in seinem Buch beschrieben hat. Unser 61er Cos präsentierte sich für sein Alter sehr jugendlich, mit mittlerem Körper und ausdrucksvoller Aromatik. Insbesondere die zarten Noten von Eukalyptus und Minze verliehen ihm eine frische und zugleich elegant anmutende Art. Ein ziemlich kompletter Wein, der insbesondere durch seine Harmonie und große Länge geglänzt hat.

Samstag, 02.05.2009

1995 Insignia, Joseph Phelps - St. Helena (Napa Valley)


94 Punkte - Das Weingut „Joseph Phelps Winery” liegt östlich von St. Helena im kalifornischen Napa Valley. Der Bautunternehmer Joseph Phelps nutze wohl – wie viele Industrielle in dieser Zeit - die neuen Steuergesetze, wonach Investitionen in die Landwirtschaft besonders abgeschrieben werden konnten und gründete 1972 sein eigenes Weingut. Etwas romantischer klingt die Version, dass er ins  Napa Valley kam, um für einen Kunden eine Kellerei zu bauen und er dabei auf den Geschmack und zu der Erkenntnis kam, dass Weinmachen die attraktivere Beschäftigung sei.

Der INSIGNIA ist auch das Bindeglied zu einem Rheingauer, der 1961 nach Amerika ausgewandert ist:  Walter Schug war seit der Gründung des Weingutes bei Phelps als Weinmacher beschäftigt und verantwortete dort nicht nur den ersten  Jahrgang (und weitere) des INSIGNIA, sondern auch die „Napa Grand Crus“ Backus und Eisele Vineyards. Erst als er 1980 – noch als Angestellter von Phelps – beschloss seiner eigentlichen Passion/Mission nachzugehen, nämlich große Pinots im Napa Valley zu erzeugen, verließ er das Haus Phelps und machte sich in den folgenden Jahren endgültig selbständig. Für den von uns verkosteten 95er Jahrgang war bereits Damian Parker verantwortlich,  der schon 1981 zum Team gestoßen war.  

 

Wie nach seinem Vorbild, einem Grand Cu Classe Bordeaux vom linken Ufer, bestand der Blend für den INSIGNIA in den Jahrgängen 1974 bis 1994 stets aus einem großen Anteil Cabernet Sauvignon, verschnitten mit unterschiedlichen Anteilen Merlot und Cabernet Franc. In 1995 ist der CS-Anteil (nach dem 76er) mit 90% am zweithöchsten von allen bisherigen Jahrgängen und weist erstmals einen kleinen Anteil (3%) Petit Verdot auf; die restlichen 7% sind Merlot. Seit 1992 ist der Cabernet Franc (0% bis max. 2%) so gut wie nicht mehr enthalten. Dafür wird neuerdings (erstmals in 1999) ein kleiner Anteil Malbec in die Cuvee (bis 3%) verschnitten.

 

Dieser „fast“ reine Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 1995 protzt mit einer kraftvollen, fast schwarzen Farbe. Am Gaumen ist der Wein dicht und zeigt viel Extrakt. Neben der schönen Frucht (Wald- und Brombeeren), verleihen ihm die Noten von Tabak, Kohle und Leder Komplexität und die Anklänge an Eukalyptus und Minze sorgen dafür, dass der Wein jung und frisch wirkt und meine Hand klar zum Glas geht. Die ausgereiften Tannine verleihen ihm Struktur und seine feine Saftigkeit erhöht die Trinkfreude. - In jeder hochkarätigen Bordeauxprobe dürfte ihm ein Platz im Vorderfeld oder gar auf dem "Treppchen" sicher sein. In dieser Form übersteht er weitere 7-10 Jahre Kellerlager sicherlich locker, eventuelle ist auch deutlich mehr drin. Aktuell sollte er dekantiert werden.

Freitag, 01.05.2009

1990 Cabernet Sauvignon Martha's Vineyard, Heitz Wine Cellars - Napa


94 Punkte - Von Martha's Vineyard habe ich schon viel gehört und gelesen; insbesondere vom legendären 74er Jahrgang  hat mir der eine oder andere Weinliebhaber so vorgeschwärmt, dass mir umgehend das Wasser im Munde zusammen lief. Da man jedoch nicht alles sammeln und kaufen kann, ist Kalifornien nach wie vor in meinem Keller kaum vertreten - obwohl ich immer wieder feststelle, dass mir der Stil der großen kalifornischen Gewächse sehr gut gefällt.

Die 90er Ausgabe ist kühl und dunkel vom Stil, besitzt einerseits ein runde, feine Süße, andererseits auch eine gute (Tannin-)Struktur, sodass die Frucht (eher dunkelbeerig, Eukalyptus, Minze, ein wenig malzig) sehr gut getragen wird und der Wein ein harmonisches Bild abgibt. Besonders gut gefällt mir das schöne Spiel, die runden, feinkörnigen Tannine und die subtile Süße; der Wein wirkt rund und gleichzeitig elegant. Momentan unglaublich sexy und ich denke, dass der Wein aktuell perfekt zu trinken ist - besser wird er nicht mehr, aber das Niveau wird er sicherlich noch ein paar Jahre halten.


Infos über das Weingut gibt es reichlich auf der wunderschön gestalteten homepage (http://www.heitzcellar.com). Vom Einkauf direkt ab Erzeuger in den U.S.A. kann ich aus eigener Erfahrung jedoch nur abraten, denn die Kalkulation mach man in der Regel ohne den deutschen Zoll und der schlägt dann mächtig zu :-((

Mittwoch, 29.04.2009

15. Mai - Rene Barbier von Clos Mogador (Priorat) in Düsseldorf


Am 15.Mai gibt es die hervorragende Chance einen der ganz großen Weinmacher Spaniens persönlich kennenzulernen. René Barbier kommt nach Düsseldorf, um im Weinland Mövenpick (Herzogstrasse 29-31, 19.30 Uhr; Tel. 0211- 9944877) seine großen Weine Clos Nelin, Manyetes und CLOS MOGADOR vorzustellen. Darüber hinaus hat er seine Olivenöle im Gepäck, die man getrost zu den besten Ölen Spaniens zählen darf.

 

René Barbier gehört zu den Pionieren des PRIORAT. Er und eine kleine Gruppe von „Sehenden“ haben Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre das Potential dieser in Vergessenheit geraten Region, mit teilweise uralten Rebanlagen wieder entdeckt. Bis zu dieser Zeit fristete die Region, mit ihren kargen, felsigen Böden ein karges Dasein; viele der jungen Leute wandten sich ab und verließen die Heimat, um das Glück in Barcelona und anderen Städten zu suchen. Doch mit dem kometenhaften Aufstieg von Weinen (der Jahrgang 1989 zählt dabei als Geburtsstunde), die heute zu den weltweit gesuchten Pretiosen gehören, haben René Barbier, Josep Lluis Pérez und eine Handvoll anderer Weinmacher es geschafft, das Priorat in die Gruppe der bekanntesten und berühmtesten Weinanbauregionen Spanien zu führen. Das Priorat ist heute ein Synonym für (Rot-)Weine, die für Individualität und Größe und Eleganz stehen. Wer etwas mehr über Land, Leute und die Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich die folgende Seite: http://www.gratallops.com

 

Doch das Leben von René Barbier verlief nicht immer einfach. So darf er bis heute nicht unter seinem Name die Firma führen, mit der er seine Weine vermarktet. Während der Rumasa-Zeit (vgl. http://www.zeit.de/1983/10/Enteignung-kurz-vor-Zwoelf) starb Renés Vater. Durch eine Kette widriger Umstände gelangte die vor über 100 Jahren von seiner Familie gegründete Firma "René Barbier" und der Privatbesitz der Familie in das Eigentum von Segura Viudas und später von Freixenet. Zu dieser Zeit studierte René gerade in Frankreich und konnte René nach seiner Rückkehr nicht in das Familienunternehmen zurück, sondern er arbeite bis zur Gründung seiner Bodega bei Palacios in der Rioja, wo er auch den jungen Alvaro Palacios kennen lernte, den er ebenfalls für das Priorat begeisterte und der heute ebenfalls zu den erfolgreichen Erneuerern des Priorat zählt.

 

Die Bodega von René Barbier firmiert heute unter "Clos Mogador S.C.C.I." und die Jahresproduktion liegt bei ca. 20.000 Flaschen.

 

Der Clos Nelin ist ein Weißwein, der aus den Rebsorten Garnacha Blanca (Grenache blanc), Viognier, Marsanne, Macabeo und weiß gekeltertem Pinot Noir gekeltert wird. Bis dato habe ich den Wein noch nicht verkostet, aber irgendwo einmal gelesen, dass er wie eine Kreuzung aus weißem Chateauneuf du Pape und weißem Hermitage schmecken soll.

 

Der Manyetes ist ein Cuvee, die überwiegend aus Carinena (ca. 65%) und einen größeren Anteil Garnacha (ca. 25%) sowie kleineren Mengen von Cabernet Sauvignon und Syrah (zusammen ca. 10%) besteht. Der überwiegende Anteil im  Flagschiff CLOS MOGADOR  entstammt von alten Garnacha-Reben, die mit einem größeren Anteil Carinena und kleineren Mengen Syrah und Cabernet Sauvignon vermählt werden.

 

Meine Notizen dieses sicherlich spannenden Weinevents folgen……

Sonntag, 19.04.2009

2001 Chateau Gloria - St. Julien

 

87 Punkte – habe ich mir bei diesem Wein notiert. Dazu habe ich in mein kleines Notizbuch, das ich stets am Mann trage, wenn ich zu Weinveranstaltungen unterwegs bin, folgendes geschrieben: Kaffee, Tabak, viel Karo-Kaffee, sehr dunkel in der Farbe. Am Gaumen ebenfalls dunkle Frucht von Pflaumen und Schwarzkirschen; angenehme Frische und runder, recht weicher Ansatz. Kein großer Wein, aber klar, geradeaus und gut zu trinken.

 

Beim kleinen cross-ckeck mit den Ergüssen der bekannten Weinjournalisten las ich bei Rene Gabriel: „04: Aufhellendes Rubin-Granat. Reduktives, schwierig anzugehendes Bouquet; Phenol- und Leimton, gewisse Wildbretaromen. Im Gaumen weich, rote Pflaumen, zeigt jetzt schon erste Schokonoten und endet mit einem gewissen Humustouch, wird sich eher schnell entwickeln und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden. 16/20 2006-2018“. (Vgl. Rene Gabriel, Bordeaux Total, S. 133, WeinWisser Verlag (Anmerkung des Autors: Rene Gabriel bewertet nicht nach der 100 Punkte Skala, sondern mit maximal 20 Punkten)) Es ist absolut normal, dass verschiedene Verkoster zu verschiedenen Punktwertungen kommen können - meist sind die Differenzen klein, ab und an auch mal größer. Wie aber bitte schmeckt „artisanal“???????

 

Mit meinen bescheidenen Sprachkenntnissen habe ich das Wort in „artis“ und „anal“ zerlegt und frei übersetzt „Am/Im Arsch der Kunst“ – aber da stellt sich doch gleich die nächste Frage: Wie schmeckt so etwas? Ne,ne,ne, da bin ich wohl auf dem Holzweg.

 

Mal sehen was raus kommt, wenn man diesen Begriff googelt. Siehe da, der erste Eintrag stammt von Wikipedia – das verspricht Aufklärung! Da steht dann: „Artisanal ist eine der zugelassenen Herstellungskategorien der französischen Appellation d'Origine Contrôlée für Käsesorten. Hierbei muss der Käser die Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen verwenden, die auf seinem Hof gehalten werden. Anders als bei der Fermier-Kategorie darf er jedoch auch Milch von anderen Höfen hinzukaufen.“ Hmmm, …. der Wein schmeckt also wie eine Herstellungskategorie von französischem Käse???

 

Also liebe Leute, die Weinsprache ist schon eine besondere, aber ab und zu scheinen doch die Gäule mit uns Verkostern / Weinliebhabern durchzugehen. Lieber Rene, solltest Du das jemals lesen, kläre mich doch bitte auf, was Du mit „und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden“ gemeint haben könntest. ;-)))))

Samstag, 18.04.2009

1999 Brunello Montosoli, Altesino (Cantine di Palazzo Altesi da Altesino) – Toscana

 

93/94  Punkte - Auf einem Hügel östlich von Montalcino erhebt sich der eindrucksvolle Palazzo Altesi, der im 15. Jahrhundert von der toskanischen Familie Tricerchi errichtet wurde. Ihr weißes Marmorwappen ist bis heute über dem alten Eichentor zu sehen. Seit 2002 ist das Weingut Altesino im Besitz der Römerin Elisabetta Gnudi Angelini (auch Eigentümerin der Tenuta Carparzo). Das Gut war häufig ein Vorreiter bei strukturellen Neuerungen, die der Brunello di Montalcino in den vergangenen dreißig Jahren erfahren hat. Bereits 1979 begann man bei Altesino mit dem Ausbau der Weine in französischen Barriques. 1975 führte das Gut mit dem Cru Montosoli den ersten Lagenwein des Montalcino-Gebiets ein. Die ersten "Futures" für Subskriptionskäufe von Brunello wurden für den Brunello Altesino von 1985 ausgegeben.

Unser Wein im Glas war genau dieser Einzellagen-Brunello Montosoli aus dem Jahr 1999. Der Winespectator beschreibt ihn in seiner Ausgabe Okt. 2004 als strengen Burschen, der weiterer Lagerung bedarf und empfiehlt folgerichtig erst einen späteren Genuss – ab 2009. Das Jahr ist gekommen und so schau’mer mal:

Sehr kraftvoll präsentiert sich dieser Brunello, immer noch sehr saftig und mit voller Körper presst sich der Wein an den Gaumen. Dazu passen die Extraktsüße und das Aroma von dicken, schwarzen Knubberkirschen sowie vollreifen Waldbeeren. Aromenstark, mit festen, aber gut integrierten Tanninen, die dem Wein Struktur verleihen. Trotzdem kein Monsterwein, sondern dicht, stark und ausdrucksvoll. Er baut im Glas aus und besitzt eine delikate Art sowie eine schöne Länge, die den Gaumen auch noch lange nach dem Schlucken beschäftigt. Ich habe in meinem kleinen Verkostungsbüchlein dreimal die Punkte geändert/durchgestrichen und so bekommt der Wein halt um die 93/94 Punkte.

Freitag, 17.04.2009

1978 Solaia, Marchese Antinori – Toscana




96 Punkte -
 Über das Haus Antinori gibt es eine Vielzahl von Büchern und der Platz hier reicht nicht im Ansatz aus, um die vielen kleinen und großen Geschichten zu erzählen, die man hier aneinander reihen könnte, ohne beim Leser lange Weile zu erzeugen. Seitens der Familie schaut man auf eine fast 700 jährige Weinbautradition zurück und das Weingut wird heute in der 26sten Generation geführt. Man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass Marchese Piero Antinori den Familienbesitz zu einem die Welt umspannenden Weinimperium ausgebaut hat. So ganz „nebenbei“ hat er durch sein Handeln maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute bei Chianti wieder an Qualitäts- und Spitzenweine denken und nicht nur an Touristentropfen für die Pizzeria um die Ecke. Wahrzeichen dieses Qualitätsstrebens sind sicherlich die beiden Referenzweine Tignanello (er erblickte 1971 das Licht der Welt) und Solaia (dessen Geburtsstunde mit dem 78er Jahrgang schlug), beide aus -überwiegend - Cabernet Sauvignon bereitet. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle bleiben, dass auch Renzo Cotarella, der seit 30 Jahren als Önologe/Chefönologe für die Familie Antinori tätig ist, einen großen Anteil am Erfolg des Weingutes in den letzten Jahrzehnten hat. In den beiden ersten Solaia-Weinjahrgängen 1978 und 1979 bestand der Rebsatz noch aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc. In den folgenden Jahrgängen (ab 1982) kam Sangiovese hinzu, aktuelle Jahrgänge bestehen aus 75% Cabernet Sauvignon, 20% Sangiovese und 5% Cabernet Franc. Die Jahrgänge 1980, 1981, 1983, 1984, 1992 und 2002 wurden mangels ausreichender Qualität nicht lanciert.

 

Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man einen solchen Wein ins Glas bekommt, schließlich hat er Weingeschichte geschrieben. Noch aufregender wird es, wenn solch ein Stoff eine Qualität in Mund und Nase zaubert, von der man mitgenommen wird auf die Reise durch die Aromenwelten, die nur ein großer Wein offenbaren kann. Gerade bei solchen Weinen bleibt es für mich schwierig, meine Eindrücke in Worte zu fassen; zu umfangreich sind sie, als dass man das Trinkerlebnis nachvollziehbar beschreiben könnte.  Trotzdem ein Versuch: Für mich hatte die Nase eine Mischung aus Cassis, gereiftem Honig, Tapetenkleister, Leder und Eindrücken von getrockneten Wiesenblumen und Sandelholz. Am Gaumen sehr komplex, erinnert mich an den gigantisch leckeren Zwetschgen-Hefekuchen meiner Mutter. Der Wein hat eine hervorragende innere Kraft und eine Balance, die so nur große Weine besitzen.  Ein nobler Wein, sehr komplex, mit einer feinen Kühle, einer ganz, ganz zarten Süße und einer Spur Minze, die bis in das lange Finale reicht.

 

1998 Chateau Rouget – Pomerol

  

 

90 Punkte – Ganz tiefe und dunkle Farbe. In der Nase zu Beginn recht verhalten, baute aber mit zunehmender Luft etwas aus. Dunkle Noten von Tabak, Backpflaumen und reifen Brombeeren; hinzu kommen Eindrücke von Schokolade und Blut (Eisen). Positiv fällt mir die feine Süße, die reifen (aber festen) Tannine und die schöne Ausgewogenheit bei dieser Cuvee aus 85% Merlot und 15% Cabernet Sauvignon auf. 1997 kam Michel Rolland (prominentester flying winemaker aus Bordeaux) zu diesem Chateau und der Wandel begann – schon der 1998er zeigt deutlich seine Handschrift. Die Kombination aus spät geerntetem und sehr reifem Lesegut, einer saftigen Extraktsüße und einer kräftigen Struktur (auch Dank eines geschickten Holzeinsatzes) im Wein, sind für mich ein Spiegelbild seiner Arbeit. Hinzu kommt, dass der Jahrgang 1998 am rechten Ufer in Bordeaux allgemein sehr gute Weine hervorgebracht hat und fertig ist der Stoff, der ein Chateau aus dem Mittelmaß (in dem sich Chateau Rouget jahrelang befand) zu neuen Ufern führt.

Donnerstag, 16.04.2009

2002 Chateau Mouton Rothschild – Pauillac

 

95 Punkte – Die 20 Punkte von Rene Gabriel kann ich nicht ganz nachvollziehen, doch mit seiner Bemerkung, dass dieser Mouton sich aktuell in einem ersten Trinkfenster zeigt, liegt er nicht daneben. Voll der „Nasenbär“ habe ich mir notiert. Viele Röstaromen, wie Kaffee, Kakao/Bitterschokolade und Malz, hinzu kommen feine Würzaromen und ein Eindruck von Creme Fraiche. In Mund und Nase hinterlässt er einen kühlen Eindruck (Eukalyptus und Menthol); viel Waldbeerengelee-Aromatik, Cassislikör. Am Gaumen sind die aromatischen Eindrücke vergleichbar, auffallend auch hier die elegant wirkende Kühle und die „Sahnigkeit“. Die schon recht mürbe wirkenden Tannine haben jedoch Kraft für viele, viele Jahre der Lagerung. Insgesamt ein angerundeter, cremig-saftiger Tropfen, der jetzt wirklich schon Spaß macht, der aber auch ausreichend Kraft, Struktur und Potential für die nächsten 15 bis 20 Jahre bietet. Sicherlich ist Mouton Rothschild immer teuer, aber wer solche Kaliber einmal genießen möchte, dem sei empfohlen, bei diesem Jahrgang zuzugreifen, denn hier bekommt man 4 Flaschen 2002er zum Preis einer aus den Jahrgängen 2005 oder 2006. Selbst in der jetzt anstehenden Subskription wird man dieses Preisniveau nicht sehen.

1990 Erbacher Schlossberg Riesling Auslese, Schloss Reinhartshausen - Rheingau

 

89 Punkte – Wer mich kennt, weiß, dass ich Altweine von Schloss Reinhartshausen liebe. Doch zu Beginn der 90er Jahre begann eine Schwächephase, die erst seit wenigen Jahren zu überwunden scheint. Die 90er Auslese aus dem Erbacher Schlossberg hat noch viel Süße zu bieten. In der Nase eindeutige Anklänge von Orangenzesten; am Gaumen ebenfalls Noten von Orangen, Aprikosen und etwas kräutriger Würze. Gut gefallen haben mir die animierende Säure und die ordentliche Länge, die der Wein im Abgang zeigt.

Mittwoch, 15.04.2009

1966 Wehlener Sonnenuhr Feine Auslese „Wachstum“, S.A. Prüm – Mosel


91 Punkte - Ein wunderbar gereifter Tropfen! In der Nase ein feines Parfüm aus mürben Äpfeln, Quitten und reifen Feigen. Im Mund begeistert mich die cremige Textur des Weins, der keinesfalls einen müden Eindruck macht, sondern den gesamten Mund geschmeidig auskleidet  und aromatisch einen schönen Bogen zwischen Noten von Mürbeteig einerseits und schieferwürzigen Anklängen anderseits  spannt. Interessant fand ich die Ergänzung „Wachstum“ auf dem Flaschenetikett, dies bedeutet – so die Aussage eines Weinfreundes-  dass das Traubenmaterial für diesen Wein aus den eigenen Parzellen stammte. Stellt sich für mich die Frage, ob man damals auf dem Weingut schon mit zugekauftem Traubenmaterial gearbeitet hat? Wer weiß eine Antwort? 

1997 Riesling „Singerriedel“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

95 Punkte – Der Singerriedel war da schon ein ganz anderer Schnack. Ausdrucksvoll, ausladende und animierende Frucht; gelbe Früchte, Apfelnoten, rauchig und schon in der Nase ist die hohe Frische erkennbar, die diesen 12 Jahre alten Weißwein auszeichnet. Am Gaumen zeigt er ein Feuerwerk von Aromen (z.B. Orangen, Cassis, Zitronenmelisse), das Säurespiel ist perfekt und die deutliche Mineralik verleiht ihm viel Komplexität und einen Trinkfluss, sodass es wirklich schwer fällt das einmal gefüllte Glas wieder abzustellen.

 

Ähnlich wie der 2002er scheint auch dieser Wein ein Spiegelbild seines Jahrgangs zu sein, denn die Frische und das geniale Säurespiel sind wohl auf die kräftigen Temperaturschwankungen bis tief in den Herbst zurückzuführen. Bei der Vinea Wachau, der im Jahr 1983 gegründeten Qualitätsvereinigung der Wachauer Winzer beschreibt man den Jahrgang wie folgt: „Eher später Austrieb. Ein schöner Mai holt wieder viel auf. Rebblüte ca. 10. bis 20. Juni. Auf einen kühleren Juli mit guter Wasserversorgung folgt ein warmer August und ein traumhafter September. Gesundes Traubenmaterial und die großen Temperaturunterschiede im Herbst geben den Weinen des Jahrgangs 1997 seinen unverwechselbaren Charakter.“

Dienstag, 14.04.2009

1992 Grüner Veltliner „Rotes Tor“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

86 Punkte – Diese Magnum hatte ich vor ca. 2 Jahren bei einer Auktion eines renommierten Auktionshauses erstanden und eigentlich war 1992 ein vom Witterungsverlauf sehr gutes Weinjahr in der Wachau (Einem späten Austrieb der Reben folgte ein Frühling, der mit einem Vegetationsvorsprung und einer recht frühen  Rebblüte vom 5. – 15. Juni abschloss. Ein sehr heißer und trockener Sommer bedingte einen frühen Lesebeginn mit sehr reifen Trauben). Aber nicht nur die Wetterdaten stimmten mich positiv für diesen Wein, denn vor einiger Zeit hatte ich bei Freunden in Frankfurt den gleichen Wein aus gleichem Jahr als Federspiel getrunken und war positiv überrascht, wie lebendig und frisch er noch im Glas stand.

 

Aber bei diesem Smaragd wollte sich die „Handbremse“ nicht lösen. In der Nase Eindrücke von mürben Äpfeln und gedecktem Apfelkuchen. Am Gaumen zwar immer noch mit Kraft, doch scheint er diese aus dem Alkohol zu ziehen, denn dieser steht leider etwas im Vordergrund. Vom Mundgefühl ein deutlich trockener Wein, der wenig Frucht erkennen lässt, aber auf der „Haben“-Seite eine kräftige Mineralität für sich verbuchen darf. Auch von der Säure ist er mir weich und verwaschen. Insgesamt leider nur ein durchschnittlicher Eindruck und ich glaube auch nicht, dass der Wein nochmals in eine bessere Phase kommt.

 

Sofern nicht eine falsche Lagerung für die Schwäche verantwortlich ist, kann ich es mir nur so erklären, dass die Federspiele noch rechtzeitig gelesen wurden und man bei den Smaragd-Weinen auf Grund der späten Lese Probleme mit den Säurewerten in den Trauben bekommen hat. Die allgemeine Jahrgangsbeschreibung der Vinea Wachau scheint diese These zu bestätigen, dort schreibt man über den 1992er: „Der Jahrgang bringt vollmundige, geschmeidige Weine, denen in der Jugend etwas die Säurepikanz fehlt.“ Da der Wein im Alter nicht an Säure zulegen kann, fehlt sie ihm wohl auch im Alter ;-)

2001 Les Vaillons, Domaine Long-Depaquit (Albert Bichot) – Chablis


83 Punkte - Das Haus Albert Bichot wurde 1831 von Bernard Bichot gegründet und es gehört heute - mit 130 Hektar Boden, die sich über 5 Domänen in Chablis, Côte de Beaune und Côte de Nuits erstrecken - zu den größten Weingütern im Burgund. Seit fünf Generationen leitet die Familie Bichot, als Weingutsbesitzer und Weinhändler, das Geschick des Unternehmens, das sich bis heute als reines Familienunternehmen behauptet hat.

Völlig unterschiedlich präsentierten sich die beiden gleichen Halbflaschen aus der Premier Cru Lage Vaillons, die verdeckt in den zwei Karaffen vor uns standen. War der Wein im ersten Glas trinkbar, so roch der Wein aus der zweiten Karaffe wie eine Mischung aus (Reifen-) Gummi, Karamell und Schwarzbrot. Am Gaumen war dann für mich Ende (daher ohne Wertung) und ich sehnte mich nach einem Spucknapf, der an diesem Abend leider nicht auf dem Tisch stand. Der einstmals (vor der Abfüllung auf die Flasche) identische Wein in der ersten Karaffe zeigte zwar auch schon eine recht deutlich erkennbare Firne in der Nase, aber die Mischung aus Bananensaft und weißen/gelben Früchten war irgendwie interessant. Am Gaumen war dieser furztrockene Wein dann eigentlich zu alt für seine acht Jahre - er wirkte bereits sehnig und gezehrt. Die für einen Chablis typische Mineralik war zwar noch zu erkennen, aber für mehr als 83 Punkte reichte das nicht mehr.

 

2007 Riesling Schloss Johannisberger „Silberlack“ Großes Gewächs, Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

 

91+ Punkte - Im aktuellen Gault Millau Weinführer stellt das Weingut des Fürst von Metternich die Kollektion des Jahres 2009 und das Große Gewächs erringt sehr respektable 93 Punkte. Für mich ist dieser Stoff Rheingau-Riesling pur: die saftige Aromatik von gelbem Steinobst ist unverkennbar. Dazu gesellen sich dezente Citrusnoten und eine leichte Kräuteraromatik. Insgesamt ist der Wein ausdrucksvoll, kraftvoll und von einer delikaten Säure durchzogen. Für mich erstaunlich ist die schon jetzt vorhandene innere Harmonie, bleibt sie in den nächsten Jahren erhalten, dürfte der Wein an Komplexität und Finesse gewinnen und so noch ein oder zwei Pünktchen hinzu gewinnen.

 

Vorösterliche best bottle Weinprobe im Schorn in Düsseldorf

 

Eigentlich halte ich mich stets an meine Grundsätze 1-3 bei Weinproben, die da wären:

 

1)      Ausgeschlafen hingehen;

2)      Viel, viel Wasser trinken, mindestens doppelt so viel wie Wein;

3)      Die Weine, die einen nicht komplett überzeugen, in die dafür bereit stehenden Behälter entsorgen.

4)      Diejenigen, die Regel 1-3 nicht befolgen wollen/können, sollten Regel 4 nicht vergessen: vor dem zu Bett gehen, sich eine Kopfschmerztablette gönnen (!!Wichtig!! Wer Alkohol zu sich genommen hat, sollte auf Paracetamol verzichten, da die mit dem Alkoholabbau beschäftigte Leber diesen Wirkstoff nicht mehr korrekt verstoffwechseln kann und es so zu Leberschäden kommen kann.)

 

In gemischter Runde, mit einigen neuen Gesichtern am Tisch saßen wir im Schorn in Düsseldorf und Franz Josef kochte mal wieder wunderbar auf. Die Küche von Franz Josef ist deutlich französisch geprägt, aber sein Mut zum Würzen kann wohl klar seiner rheinländischen Frohnatur zugeschrieben werden. Das Highlight des Abends war für mich das scharf angebratene und anschließend 5 Stunden bei Niedrigtemperatur gegarte Stück Rindfleisch. Außen Röstaromen vom Feinsten und innen zart wie Butter – einfach perfekt! Aber auch der delikate Fischgang und die Jakobsmuscheln verdienen eigentlich mehr als nur die Erwähnung hier.

 

Franz Josef spendierte zum „Aufwärmen“ auch den ersten Wein des Abends, welchen er von seiner Rheingau-Tour am Vortag mitgebracht hatte. 

Meine Weinprobengrundsätze propagiere ich nach dieser Probe nachhaltiger als jemals zuvor ;-)))

 

Die Notizen der einzelnen Weine folgen in den nächsten Tagen jeweils einzeln!

Donnerstag, 09.04.2009

Am Vorabend der Prowein im Saittavini in Düsseldorf


Wie immer, war es voll im Saittavini an der Luegallee in Düsseldorf. Doch an diesem Vorabend der ProWein hätte die Weinbar und das Restaurant von Michelangelo Saitta wohl drei- oder viermal so groß sein können und trotzdem hätten nicht alle einen Platz bekommen, die hoffnungsvoll hereinschauten, um einen der begehrten Tische zu erhaschen. Selbst Winzerlegenden wie Emi Knoll, Franz Hirtzberger oder Rudi Pichler planen hier von Jahr zu Jahr und buchen ein Jahr im Voraus. Bei einem gemeinsamen Glas Wein sagte mir Irmgard Hirtzberger, dies sein "ein besoderer Ort", von denen sie nicht viele kennt.

 

Und so schätzten auch wir - ein eng befreundetes Paar aus Frankfurt und ich - uns glücklich, dass wir an diesem Abend einen Platz gefunden hatten, an dem wir die Nacht zum Tage machten und bis drei Uhr ein hervorragendes Essen genossen und mindetens gleichwertige Weine tranken. Zum Vorglühen gab es einen knackig frischen Sauvignon Blanc aus Südafrika. Danach gingen wir in medias res und tranken:


1997 Barolo Rocche del Falletto, Bruno Giacosa - Piemont

95 Punkte - Was für eine Harmonie! In der Nase eine Kombination aus roten Früchten, feuchtem Waldboden und getrockenten Wiesenblumen. Am Gaumen Eleganz pur, subtile Frucht, unterstützt von feinen, mürben Tanninen und einer Saftigkeit, die trotz aller innerer Kraft eine Leichtigkeit besaß, die es mir schwer machte, nicht permanent zum Glas zu greifen. Der Weine baute im Glas aus und (mit viel Zurückhaltung) konnte ich so über ein Stunden immer neue Eindrücke und Aromen entdecken. Zwischenzeitlich genossen wir die anderern Weine des Abends, aber immer wieder kam ich zurück zu diesem Glas und ein stilles Lächeln und eine genussvolle Zufriedenheit stellte sich sogleich ein.

 

1997 Brunello Riserva, Poggio Antico - Toskana

86 Punkte - Eigentlich sollte dieser Wein ein adäquates Pendant zum Barolo von Giacosa aus gleichem Jahrgang sein, doch hier spielte wohl 2. Bundesliga gehen Champions League. In der Nase süße Pflaumenkonfitüre und Aromen von überreifen Früchten (bei Weinen aus diesem Hitzejahr durchaus typisch). Im Mund angekommen, empfand ich diesen Wein eher als unausgewogen, denn die Aromen von Rumtopffrüchten zeugten von überreifem Lesegut. Die für einen Brunello auffallend mürben Tannine und der mittelgewichtige Körper gingen etwas unter und so hat dieser Wein für mich einen leichten Mangel an Struktur und Finesse. Wer ihn im Keller hat, sollte ihn möglichst schnell trinken, denn ich glaube, dass dieser Wein nicht mehr besser wird.

 

1970 Barolo Cannubi Vigneto Pittatore, Casa Vinicola Ceretto - Piemont

88(-) Punkte - Dieser Wein gab mir ein kleines Rätsel auf, denn das heute berühmte und große Baroloweingut Ceretto firmierte damals eigentlich unter dem Namen des Vaters der heutigen Besitzer: "Azienda Vinicola Riccardo Ceretto" (wie ein gerahmtes Etikett bei mir in der Küche belegt), doch auf dieser Flasche stand "Casa Vinicola Ceretto". Für mich stellen sich die (bislang unbeantworteten) Fragen: nahm man es damals nicht so genau mit den Bezeichnungen für die Weingüter? Handelt es sich um unterschiedliche Weingüter oder war das Weingut doch identisch und man hat schon damals unterschieden zwischen Weinen, die aus eigenen Trauben bzw. zugekauften Trauben vinifiziert wurden?

 

Wie auch immer - dieser Barolo zeigte zunächst eine recht animalische Nase mit Eindrücken von Leder. Doch bereits nach wenigen Minunten veränderte sich der Inhalt des Glases; ich empfand medizinale Anklänge, dann Eindrücke von Veilchen und mit mehr Luft kamen die Tertiäraromen (Maggikraut/ Liebstöckel) immer stärker durch. Am Gaumen zeigte sich zunächst eine feine (Todes-) Süße mit Anklängen an Teer und Lakritze. Es folgten recht schnell Aromen Malventee und der Wein fiel immer mehr auseinander. Eine Punktewertung ist für so einen Wein sehr schwer - waren zu Beginn vielleicht 88 Punkte im Glas, so muss man doch sagen, dass er alle 10 Minuten einen Punkt verloren hat.

Beschlossen haben wir den Abend mit einem:

 

1989 Barolo Riserva, Giacomo Borgogno - Piemont

92 Punkte - Dier klassische Bordeaux vermittelt von seiner Farbe und von seiner gesamten Art eine burgundische Art, die besonders am Gaumen deutlich wird. Für mich ist dies ein klassischer Barolo, der sicherlich erst jetzt am Beginn seiner Trinkreife steht, denn das Tannin ist schon noch adstringierend, aber die Frucht ist betörend, mit Noten von roten Früchten, getrockneten Rosen und  einem Hauch Lakritz und Teer. Dieses Spannungsfeld zwischen der festen, fast unnahbaren Struktur und der andererseits femininen Aromatik, ist etwas, was nur klassischer Barolo kann.

Montag, 06.04.2009

2006 Bordeaux Arrivage - Ein Überblick

 

Es ist jedes Jahr die gleiche Frage der begeisterten Bordeauxtrinker: kaufe ich Bordeaux in Subskription (d.h. man bestellt und bezahlt den Wein ca. 2 Jahre bevor er überhaupt auf die Flasche kommt und das Weingut verlässt) – oder nicht! Dafür spricht – zumindest theoretisch, dass man die Weine zu einem günstigeren Preis bekommt, als 2 Jahre später im deutschen Weinfachhandel. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch gewichtige Argumente gegen diese Vorgehensweise:


  1. Bordeaux-Weine haben in den letzten Jahren Schwindel erregende Preise erreicht und so muss man kritisch hinterfragen, ob sich bei den aktuellen Jahrgängen durch Subskription überhaupt noch ein Schnäppchen machen lässt. Gerade in der aktuellen Finanzmarktkrise zeigt es sich, dass es auch oder gerade bei Bordeaux-Weinen eine Spekulationsblase gab/gibt. Seit dem Milleniumjahrgangleniumjahrgang (2000), der von den weinjournalistischen Sprachrohren Robert Parker und Winespectator so bejubelt wurde, haben sich Bordeaux Weine - mehr denn je - zum Spekulations- und Prestigeobjekt entwickelt. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat das Ganze mit den „Jahrhundertjahrgängen“ 2003 und 2005 erreicht, die angeblich noch besser sein sollen als der große 2000er Jahrgang. Beim 2005er mag das noch zutreffen, denn soooo groß war 2000 nun auch wieder nicht, aber die Bezeichnung Jahrhundertjahrgang passt für 2003 wohl eher auf den unglaublichen Hitzesommer als für das Ergebnis in der Flasche.

Da die Chateaubesitzer nun aber auch nicht von gestern sind und man dem Handel zwar die Butter auf dem Brot, aber nicht Austern und Kaviar gönnt, hat man bei den von der Presse lancierten „Top-Jahrgängen“ jedes mal kräftig die Preise nach oben katapultiert. Was bis dato immer so gut funktioniert hat, wollte beim 2006er Jahrgang nicht so recht gelingen, denn die Bewertung des Jahrgangs fiel in den auflagenstarken Weinzeitschriften nur mittelprächtig aus. Da aber die Chateaus das einmal erreichte Preisniveau halten wollten, wurden die Preise kaum spürbar gesenkt. Um so spannender war jetzt die arrivage-Verkostung, also die erste Möglichkeit für Otto-Normalverbraucher sich in trinkender Weise mit dem Jahrgang auseinander zu setzen. - Dies habe ich bei Mövenpick in Düsseldorf ausführlich gemacht und die Eindrücke finden sich hier im Anschluss. (Die angegeben Verkaufspreise entstammen allesamt der Preisliste von Mövenpick).

Ach, übrigens, um mal so eine Preisduftmarke aus der 2006er Subskription aufzurufen, die Premier Grand Crus (Chateau Mouton Rothschild, Latour, Lafite Rothschild, Margaux und Haut Brion) gab es kaum für weniger als Euro 500,- pro Flasche – macht bei einer 12er Kiste schlappe Euro 6.000. Dafür bekommt man in diesen Tagen schon ein Auto, sofern man ein altes zu verschrotten hat. Wenn das also keine platzende Spekulationsblase ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Wir werden sehen, für welche Preise die 2006er Weine in 6 bis 12 Monaten im Handel zu haben sind; ich schätze, dass bei Lagerverkäufen 30%-40% gespart werden können.


  1. Die Finanzkrise demonstriert eine weitere Binsenweisheit deutlich – nämlich, dass man die Leute bzw. ihre wirtschaftliche Lage ziemlich genau kennen sollte, wenn man ihnen bei der Subskription Geld für 2 Jahre im Voraus (also einen Kredit) gibt. Mir sind in diesem Jahr schon mindestens 2 Fälle bekannt geworden, wo die Insolvenz des Weinhändlers ziemlich sicher stellt, dass der bezahlte Wein den Keller seiner Käufer nie erreichen wird. Aber viele kennen das ja schon, insbesondere wenn sie ihr nicht in Wein investiertes Geld in Zertifikaten von Lehman Brothers oder bei isländischen Banken angelegt haben.

  2. Sofern man nicht mit Bordeaux-Weinen spekulieren möchte, sondern sie kauft, um sie eines Tages auch zu trinken, sollte man den Primeurverkostungen (also den Fassproben der Weinjournalisten im Frühjahr jeweils nach dem erzeugten Jahrgang) nicht blind vertrauen, sondern lieber selbst probieren und dann kaufen. Zugegeben, das geht erst, wenn die Weine – so wie jetzt beim 2006er Jahrgang – in den Handel kommen. Aber wer weiß schon, ob der Geschmack der Journalisten mit dem eigenen kompatibel ist oder vielleicht hat ein Wein auch nur so viele Punkte bekommen, weil dem Schreiberling das Dekolleté der Madame des Hauses so gut gefallen hat. Selten hat der Spruch: „Probieren geht über Studieren“ so gestimmt. Also Geld lieber trocken halten und den Wein dann kaufen, wenn man ihn bereits getrunken und für lecker und würdig befunden hat. Eine Ausnahme von der Regel ist, wenn man ein Chateau über die Jahre kennt und den Wein in allen Jahren schätzt und ihn gerne im Keller haben möchte.


Mein Eindrücke vom 2006er Jahrgang kann man hinsichtlich der Qualität vielleicht so zusammen fassen: Vieles geht, wenig muss. Auf Grund der Witterungsbedingungen scheint es so, dass viele Betriebe diverse Geräte zur Konzentration eingesetzt haben. Das Problem an der Geschichte ist nur, dass in aller Regel dem Most nicht nur Wasser entzogen wird und damit der Wein konzentrierter ist, sondern dass auch negative Einflüsse, z.B. grün wirkende Tannine aromatisch betont werden.


Bezüglich der Preise kann ich jedem nur empfehlen, noch ein paar Monate ins Land gehen zu lassen, denn die Preise werden nur eine Richtung kennen: gen Süden.

 

Für die einzelnen Verkostungsnotizen bitter "Weiterlesen" drücken


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Samstag, 04.04.2009

Hurra - die TOP 100 sind geknackt

HURRAAAAAAAAAAAA!! Die Sonne scheint auf meinen kleinen Weinblogg, denn in der internationalen Rangliste der beliebtesten food an drink bloggs durfte ich mich - Dank Deiner / Ihrer Stimme - unter die TOP 100 einreihen.

 

                                                                 


Ein großes Dankeschön und bitte weiter fleißig abstimmen !!!!

Donnerstag, 02.04.2009

2006 Punto Final Malbec Reserva, Bodega Renacer - Argentinien

89 Punkte - Malbec ist die Rebsorte, die es in Argentinien "geschafft" hat. Zwar wird sie heute noch in Frankreich, Italien und Spanien angebaut, aber ihre einstige Bedeutung als Bestandteil des sogenannten Bordeaux-Verschnitts hat sie verloren. Unter ihrem Zweitnahmen Côt prägt sie heute noch eine Vielzahl von Weinen aus dem Cahors (Frankreich), aber in ihrer neuen Heimat Argentinien bekommt sie die Beachtung, die sie verdient hat. Der französische Agronom Aimé Pouget hat sie dort Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt und seit dem hat sie sich zur bedeutensten Rebsorte des Landes aufgeschwungen.

Die Bodega Renacer liegt am Fuße der Anden in atemberaubender Landschaft und kultiviert auf über 28ha Malbec. Die Trauben für diese schöne Reserva stammen von zwei Rebanlagen, die auf einer Höhe von 900 bzw. 1100 Metern liegen. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hat dieser Wein eine schöne Säurestruktur. Er ist saftig, dicht und besitzt eine ausgewogene Extraktsüße, die mit den würzigen Aromen kombiniert, einen sehr trinkigen Wein ergibt. Die Nase ist geprägt von dunkler Beerenfrucht, edlem Holz und Würzaromen, die ich u.a. mit einer Kombination aus rotem Pfeffer, Kakao und Gewürznelken assoziiere. Am Gaumen stellt sich eine Harmonie aus Süße, Saft, Säure, dunklen Früchten (Pflaume, süße Brombeeren)  und einer schönen Würzigkeit ein, wobei auch hier wieder die Nelkenaromen und der rote Pfeffer aromatisch hervorzuheben sind. Das Tannin ist reif, rund und durchaus kräftig, sodass der Wein Lagerpotential für ein paar Jahre besitzt. 

Handwerklich ist der Wein auf hohem Niveau bereitet, die Trauben stammen von über 50 Jahre alten Rebstöcken, sind von Hand gelesen und selektioniert. Die Fermentation erfolgte mit natürlichen Hefen über 17 Tage in Stahltanks bei einer Temperatur zwischen 27° und 31° Celsius.  Die malolaktische Gärung und der Ausbau erfolgte in französicher Eiche über ca. 10 Monate. Der Wein kommt anschließend ungefiltert auf die Flasche. Mit hat er am zweitern Tag deutlich besser geschmeckt, als direkt nach dem Öffnen der Flasche, daher empfehle ich, ihn ein paar Stunden vor dem Genuss zu dekantieren, falls man ihn direkt geniessen möchte.

Dienstag, 17.03.2009

2002 Philippi Spätburgunder "R", Koehler-Ruprecht - Pfalz (Ski12)


91+ Punkte - Eigentlich hätte ich drauf kommen müssen, denn wenige Wochen zuvor hatte ich einen 1989er Pinot Noir aus gleichem Hause im Glas und das war ein ebenfalls tolles Ding, das mich total überrascht hat.  Trotz der weit auseinanderfallenden Jahrgänge gibt es Parallelen zwischen beiden Weinen - dies gilt insbesondere für die Komplexität und die feinen Würzaromen, die beide Weine auszeichnet. Der "R" aus 2002 ist zu Beginn mit etwas Erdbeerduft und Noten von rotem Tee (Hagebutte) eher unspannend. Aber im Glas baut er so etwas von aus, dass man weder Nase noch Gaumen vom Glas trennen möchte. Mich hat insbesondere die Komplexität und die feine Kräuter- und Würzaromatik begeistert. Der Wein zeigt dabei eine schöne Saftigkeit und auch die eher kräftige Säure wirkt noch gut integriert. Lediglich im Abgang gab es Abzüge aufgrund einer nicht so ausgeprägten Länge. Jetzt aus großen Gläsern trinken.

Montag, 16.03.2009

2002 Saumur Champigny, Clos Rougeard - Loire (Ski11)


88 Punkte - Die Weine der beiden Brüder Nadi und Charlie Foucault sind nicht nur biologisch erzeugt, sondern geniessen bei eingefleischten Kennern auch einen gewissen Kultstatus. Bei den Weißweinen setzt man auf die Chenin Blanc Traube, bei den Rotweinen wird fast ausschließlich Cabernet Franc angebaut. Anders als in fast allen Regionen Europas gilt - zumindest bei den Weißweinen - das Jahr 2002 als ganz, ganz großer Jahrgang. Aber auch den Roten wird ein sehr guter Jahrgang attestiert.

Dieser Wein braucht Luft, zu Beginn ist er ziemlich zugenagelt und wirkt grün (feuchtes Holz, feuchtes Heu). Aber schon am Gaumen zeigt er sich dann harmoischer, aber auch hier tut ihm etwas Luft gut. Feine Extraktsüße, dabei recht kühl und mineralisch (die Kreide auf der die Reben wachsen, ist förmlich zu erschmecken); das kleine Bitterle zum Ende verschwindet später noch. Mit zunehmend Luft (1 Std. vorher dekantieren) entwickeln sich Aromen von Kirschen, Erdbeeren und Vanille. Auch eine Brise Nelken (Gewürz) mischt sich darunter. Am Gaumen fehlt es vielleicht etwas an Komplexität; die leichte Pfeffernote am Ende überrascht. Da es sich bei diesem Wein eher um den Einstiegswein handelt, habe ich es an diesem Abend sehr bedauert, nicht noch die beiden Saumur-Champigny-Weine "les Poyeux" und "le Bourg" verkosten zu können, denn ich muss gestehen, bei reinen Cabernet Franc Weinen ist meine Trinkerfahrung bislang eher begrenzt.

 

Donnerstag, 12.03.2009

Wachau Probe 2006 & 2007


Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

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Samstag, 07.03.2009

2000 Pouilly Fuissé Vieilles Vignes, Domaine Cordier - Mâconnais (Ski10)


90 Punkte - Es war reiner Zufall, aber passend, dass wir am Vorabend mit Beaujolais aufhörten und nun einen Wein aus dem nördlich angrenzenden Mâconnais im Glas hatten. Ein Schicksal teilen sich beide Regionen leider: In Deutschland assoziiert man mit ihren Namen nur schwache Weinqualitäten, wobei dem Mâcconais noch der Umstand anhaftet, dass viel zu wenig Leute diese Anbauregion überhaupt kennen.

Jedoch gibt es im Mâcconais ein Gebiet, das sich als "gallisches Dorf" erweist und das seit jeher ein besseres Image genießt: in der Gegend von Pouilly Fuissé finden die Chardonnayreben auf  den welligen Kalksteinhügeln - mit ihren Lössböden - ideale Bedingungen. Die Domaine Cordier ist Ende der 90er Jahre bekannt geworden, nachdem Robert Parker die Weine von Christophe Cordier entdeckt hatte und sie teilweise höher bepunktete, als die weißen Burgunder (und Preisknaller) von Coche-Dury oder Comte Lafon.

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich im Glas. Unser Chardonnay verströmte reife, fruchtige Noten, insbesondere eine gereifte Birnenfrucht. Darüber hinaus wirkte er ein wenig rauchig und auch käsige Anklänge habe ich mir notiert. Am Gaumen dann recht frisch; mit gutem Extrakt und einer kräftigen Säure. Die kalkige Mineralik steht ihm gut, die Citrus- und Maracujanoten passen gut dazu und mit zunehmender Luftzufuhr wird er auch etwas geschmeidiger. Die Reife des Weines verrät sich durch eine dezente Nussigkeit und Punktabzug gab es für die wenig vorhandene Länge im Abgang.


2003 Côte de Brouilly Cuvee Zaccharie - Chateau Thivin - Beaujolais (Ski9)




89 Punkte - Mein lieber Freund Ole hat mich in 2005 ins Beaujolais "geschleppt" und wir haben viele, viele Wein verkostet und ich habe auch etliche eingelagert. Doch der damals aktuelle Jahrgang 2004 sollte nicht als Referenz herangezogen werden, wenn man diese Weinregion für sich entdecken möchte. Die angrenzenden Jahrgänge 2003 und 2005 sind deutlich besser und zeigen, dass Beaujolais deutlich mehr "drauf" hat, als man in Deutschland weitläufig verlautbart.

Die Weine der AOC (seit 1936) Côte de Brouilly gehören zu den 10 Crus im Beaujolais, und diese Weine sind LAGERFÄHIG, auch wenn man dies in Deutschland noch nicht wahrgenommen hat. Leider hat der Beaujolais primeur das Image aller Beujolaisweine so nachhaltig versaut, dass der gute Stoff kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Die gute Seite dieser Medaille ist, dass auch die CRU-Weine - nach wie vor - sehr preisWERT sind.

2003 war auch im Beaujolais - so wie in fast ganz Europa  - von viel Sonne und Sommerhitze geprägt.  Dementsprechend besitzt die Cuvee Zaccharie eine ausladende Frucht und die Aromatik erinnert mich an den Rumtopf meiner Eltern aus fernen Kindertagen, der mir zwar regelmäßig vergönnt war, von dem ich aber trotzdem ab und an im Keller heimlich genascht habe. Viel Kirschfrucht und eine fruchtige Süße, die schwer zu beschreiben ist, beherrschen den Eindruck in Mund und Nase. Wenn man es negativ formulieren möchte, würde man wohl "etwas verwaschen" sagen, aber an kalten Wintertagen - wie hier im Skiurlaub - ist es genau das Richtige. Der Wein füllt Mund und Rachen und wärmt von innen. Rosinierte Töne erinnern mich ein wenig an Amarone, aber die durchaus erkennbare Mineralik zeugt davon, dass der Wein von sehr alten, tief wurzelnden Gamay-Reben stammt, die auf Vulkangestein stehen. Die Ernte der 7.000 -10.000 Reben pro Hektar erfolgt von Hand, der Ausbau wird zu 1/10 in neuem Holz vollzogen, der Rest verbringt die neun Monate in 1-5 jährigem Holz. Der Wein hat  noch kräftige, runde  Tannine, die dem Wein Struktur geben, leider wirkt aber die Säure etwas aufgesetzt und ich möchte  nicht ausschließen, dass in diesem Hitzejahr nachgesäuert wurde, wenngleich man auf dem Chateau eigentlich den naturnahen Anbau im Weinberg und den schonenden Ausbau im Keller pflegt.

2006 Mittelheim St. Nikolaus 3 Trauben; Peter Jakob Kühn - Rheingau (Ski8)


92 Punkte - Viel habe ich hier über die Weine von Peter Jakob Kühn bereits geschrieben (um die einzelnen Notizen zu lesen, bitte die Suchfunktion, s.o., benutzen), und auch dieses Mal ist klar: "normaler" Riesling ist das nicht. Muss auch nicht, wie ich finde. Weinunikate, an denen man sich reiben und diskutieren kann, gibt es viel zu wenig - aber hier war mal wieder ein eben solches im Glas.

Zu Beginn sehr blütig, mit Anklängen an Rosen, Lavendel und Bergamotte; mit zunehmend Luft setzen sich die Fruchtnoten und die klare Mineralik (Feuerstein) mehr in Szene. Am Gaumen extrakt- und körperreich, klar und mit zupackender Mineralik; gelbe Früchte, Pfirsich und Waldmeister: schöne Würzaromen, die ich mit Baumrinde assoziiere. Kühle Art und mit geradliniger Saüre, die dem Wein ausgezeichnet steht; sehr gute Länge. Letztendlich verändert der Wein sich permanent und es ist schwierig ihn richtig zu fassen zu bekommen, aber das macht auf der anderen Seite die Faszination, die er auf mich ausübt, aus. Der Wein hat Potential für ein langes Leben und wird sicherlich auch Phasen durchlaufen, in denen er nicht so charmant daherkommt, wie ich ihn erlebt habe - aber so ist es nun mal mit Weinen, die charakterstark sind und die Phasen des Lebens voll mitnehmen.

Dienstag, 03.03.2009

2007 Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder Großes Gewächs, Weingut Bergdolt – St. Lamprecht (Ski7)


92 Punkte – Ich erinnere mich noch gut an den 2001er Jahrgang, von dem ich vor ca. einem halben Jahr die letzte Flasche getrunken habe (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=289 ) -  einerseits glücklich genossen, andererseits  hat es mich gewurmt, dass nicht noch weitere im Keller liegen, denn der Wein wäre auch in den nächsten 2,3 Jahren noch ein Hochgenuss gewesen – und welcher so alte trockene Weißburgunder kann das von sich behaupten.  

 

Auf Basis dieser Erfahrung habe ich mir vom 07er ein paar Flaschen mehr gekauft, denn ich glaube, dass es zwischen den Jahrgängen 2001 und 2007 deutliche Parallelen gibt. Vielleicht war der 01er noch etwas mineralischer und strukturbetonter, aber ich gehe fest davon aus, dass ich auch den 07er Jahrgang  locker bis zum 2014/15 trinken kann.

 

Doch bereits jetzt in seiner Jugend bringt dieses Musterexemplar von Weißburgunder reichlich Genuss ins Glas. Frisch und glockenklar verströmt er ein Parfüm von gelben Äpfeln, Melone und Cassis. Am Gaumen findet man Anklänge an Honig, Nüsse und Wiesenblumen. Der Wein besticht mit einer hohen Reintönigkeit, seiner wunderbaren, mineralischen Klarheit und einem guten Druck, mit dem er Mund und Rachen vollkommen auskleidet. Hinzu kommen eine feste Struktur, ein zarter Schmelz und eine richtig gute Länge -   für mich ist das ein Referenzwein in Sachen Weißburgunder. Well done !!

Sonntag, 01.03.2009

1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)


92 Punkte - Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie - Dank Mathias - verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung :-) verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl - gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)


85 Punkte - Es war schon lustig, wie wir um diesen - ebenfalls blind getrunkenen - Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

2004 Pinot Grigio Sialis, Agricola Franco Terpin – Venezien (Ski4)


80 Punkte - Die Farbe ist äußerst ungewöhnlich, nicht rosé, sondern eher ein sehr blasses orange mit Nuancen zu rosé und ocker. In der Nase ist der Wein zunächst recht verhalten, mit zunehmender Luftzufuhr wird sie jedoch ausgeprägter. Ich kann mich des Gefühls nicht erwähren, dass ich hier eigentlich nicht wirklich Wein vor mir habe, sondern eher ein weinhaltiges Softgetränk – so weich, rund und gemacht kommt mir der Wein vor. Von der Aromatik erinnert er mich ein wenig an roten (Malven-) Tee; ein Hauch von Tannin ist spürbar, von der Säure her wirkt er eher weich und reduziert.

 

Ein besonderes Phänomen konnten wir feststellen, als bereits ca. 2/3 der Flasche getrunken war und der Wein erneut in die leeren Gläser nachschenkt wurde. Das bislang in der Flasche verbliebene 1/3 des Weines war einerseits deutlich dunkler und trüber, andererseits auch im Aroma deutlich intensiver und so fanden wir auch noch Aromen (Walderdbeeren und gelbe Melone), die bis dato im Wein nicht auszumachen waren. Der Grund hierfür dürfte in den Trübteilen liegen, die dieser ungefilterte Wein während der Maischestandzeit mitbekommen hat. Diese für Weißwein völlig ungewöhnliche Methode, den Most während der Vergärung nicht von den Schalen zu trennen, dürfte dafür ebenso verantwortlich sein, wie für die ungewöhnliche Farbe. Zwar gehört der graue Burgunder zu den Rebsorten, die bei der Traubenreifung die Farbe wechseln und rote Farbpigmente (chemisch nicht identisch mit denen der roten Rebsorten) ausbilden, jedoch regelmäßig ohne Einfluß auf den Wein, da es keine Maischestandzeiten gibt, in denen die Farbpigmente in den Wein ünergehen können.  Auch wenn eine Maischestandzeit bei Winzern, die versuchen alte Ausbaumethoden wieder zu beleben, auch bei Weißweinen Anwendung findet (vgl. Gravner in Italien oder P.J. Kühn im Rheingau), so muss man jedoch bei diesem Erzeuger feststellen, dass solche Experimente nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

Samstag, 28.02.2009

2001 Chateauneuf-du-Pape, Domaine de la Vieille Julienne, Chateauneuf-du-Pape (Ski3)


91 Punkte – Der Wein zeigt eine etwas überreife, extraktsüße Frucht mit angenehmer Saftigkeit; dunkle Beeren, Brombeeren, Pflaumenkuchen, Lakritze, Kaffee und eine feine Würze. Die ungeschönte und ungefilterte Cuvee aus 90% Grenache (mit kleinen Anteilen von Mourvedre, Syrah, Cinsault und Counoise) zeigt eine mittlere Komplexität, ist druckvoll und zeugt von einer gewissen Eleganz. Die gute Säure und die festen Tannine verleihen ihm Struktur, sodass auch eine Lagerung über weitere Jahre kein Problem darstellen sollte.

 

Parker berichtet in einer Notiz zu Domaine de la Vieille Julienne, dass Weinmacher und Eigentümer Jean-Pierre Daumen mit dem Jahrgang 2001 sich erstmals von alten Traditionen löste. Bei den Flaschen setzt er fortan nur „normale“ Burgunderflaschen ein (die nicht mehr die traditionelle CdP – Glasgravur/-prägung aufweisen) und das Etikett wurde komplett aufgeräumt.

2001 Hardiesse Pic Saint-Loup, Chateau Valflaunès - Coteaux du Languedoc (Ski 2)


92 Punkte - Was für ein Paukenschlag, wenn man die Nase in ein mit Hardiesse 2001 gefülltes Weinglas hält. Eine so intensive Kräuteraromatik kenne ich ansonsten nur von Kräuterlikören, aber hier entfaltet sich im Wein ein Aromenstrauß von Garrigue, Thymian, Rosmarin, Chinarinde und süßer Lakritze - erinnert mich insgesamt ein wenig an Barolo Chinato, diesen mit bis zu 70 Kräutern „veredelten“ Wein aus dem Piemont. Die Kombination aus Süße, Kräutern und Gewürzen wirkt fast berauschend, man möchte die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.  Am Gaumen wirkt der Wein einerseits kühl (Noten von Eukalyptus und Menthol), anderseits zeigt er eine explosive, sehr extraktsüße Beerenfrucht, vermählt mit Noten von Chilischokolade und weißem Pfeffer. Durch die geschmeidigen Tannine und die ausreichende Säure ist dieser saftige, körperreiche Wein so strukturiert, dass das Extraktionsmonster ausreichend Frische und sogar ein wenig Eleganz entwickeln kann. Fazit: „sex in a bottle“ - für einst Euro 14,90.

Mittwoch, 25.02.2009

2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

Ski und Wein


Was passiert, wenn drei ski-, koch- und weinbegeisterte Buben eine gemeinsame, Reise in den Schnee veranstalten?? Auf der Hinfahrt in den Urlaubsort (Bad Hofgastein) ist das Auto fast doppelt so voll gepackt, wie auf dem Weg zurück. Zwar wurde die Menge dieses Jahr genau definiert, trotzdem ist es kein Pappenstiel, wenn man neben den Skisachen, dem normalen Gepäck noch 18 Flaschen Wein im Kofferraum unterbringen muss. So im Nachhinein betrachtet ist es dieses mal besonders auffällig gewesen, dass für die allabendliche Blindverkostung eher die Weinexoten bemüht wurden. Fragt sich nur, was war die Motivation dafür? Die Überzeugung, auf die enorme Qualitätssteigerung einiger Anbauregionen hinzuweisen oder ehemals berühmte Weine und Anbauregionen wieder in das Licht zu stellen, dass sie verdient haben oder war es einfach der Wunsch, die Freunde zu fordern und sich ein bisschen daran zu freuen, wenn die Kollegen beim blinden Probieren und anschließenden Zuordnen mal wieder so richtig daneben liegen ;-) ?  Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem – folgende 18 Weine haben unsere abendlichen Kochkünste (! lecker und weit weg von Spaghetti, Pizza & Co.) bereichert und werden im Folgenden vorgestellt:

Sonntag, 22.02.2009

1996 Chateau Durfort-Vivens - Margaux


87 (++) Punkte – Die auf Chateau Durfort Vivens erzeugten Weinqualitäten sind bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ihrem  Status als Deuxième Grand Cru sicherlich gerecht geworden. Inzwischen ist in großem Umfang in das Weingut investiert worden, aber an alte Glanzzeiten konnte man noch nicht anknüpfen. Der 96er Jahrgang ist ein Lichtblick, doch muss man schon verdammt viel Geduld aufbringen, wenn man diesen Wein in seinem Genussstadium erleben möchte.

 

Sehr dunkles, undurchsichtiges rubinrot; in der Nase viel würzige Holzaromen, Cassisfrucht, Paprika und grüne Walnüsse.  Am Gaumen zu Beginn Tabak/Zigarrenaromatik; sehr kräutrig; dunkle Frucht; Blut (Eisen); immer noch sehr straffe Tannine. Hat sicherlich noch Potential für etliche Jahre, dürfte sich auch weiterhin positiv zu noch mehr Harmonie und Finesse entwickeln. 

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne


94 Punkte - Dieser Blanc de Blanc (=reiner Chardonnay) Champagner ist für mich mit das Beste, was ich bislang an Champagner getrunken habe. Die champagnertypischen brotigen Anklänge sind wunderschön ausgeprägt, die Aromen reichen von exotischen Früchten wie Ananas und Papaja, über frisch aufgeschnittene Äpfel bis hin zu ganz zarten Noten von frischem Sauerkraut.  Im Mund ist er sehr frisch und trocken mit weichem, zartem Schmelz. Sehr feine, gleichmäßige Perlage und tolle Länge. Die Champagner von Pierre Moncuit werden auf Grund ihrer Qualität Jahr für Jahr bekannter und so ist dieser Champagner ab Hof bereits ausverkauft. Der aktuell im Verkauf befindliche 2002er Jahrgangschampagner ist ebenfalls eine besondere Empfehlung, denn der ab Hof Preis (etwas über Euro 30,-) ist leicht gesunken.  Auch wenn die Preise des 96er etwas höher lag (knapp Euro 40,-), so ist er doch weit, weit entfernt davon, was vergleichbare Qualitäten (z.B. Dom Perignon in sehr guten Jahren) der  großen Champagnerhäuser  kosten.

 

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau


90 (?)  Punkte - Für mich war es wichtig zu sehen, wie meinen Weinfreunden und mir dieser Wein schmecken wird, denn einerseits liebe und schätze ich die Weine von Emi Knoll Jahr für Jahr, andererseits habe ich so meine Probleme (wie schon öfters hier berichtet) mit dem fetten, alkoholstarken Jahrgang 2006 in der Wachau und Österreich insgesamt.

Schon die Nase verrät die Üppigkeit dieses Weines; ein Aroma von (über-)reifen gelben Früchten, Muskatnuss, ein wenig Rauch. Am Gaumen ein Donnerschlag an Schmelz, Frucht und Fett; sehr voller Körper; dichte, weiche (gelbe) Frucht - viel Marille/Aprikose; Anklänge an Muskat und Sahnebonbons (Werthers Echte), intensive Frucht. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Wein bei einer Blindverkostung in einer Batterie von Aromasorten wie z.B. Traminer nicht als Pirat auffallen würde. Wäre die Säure etwas ausgeprägter, würde der Wein mehr Spiel entwickeln und würde mir aktuell besser gefallen. Für mich einer typischer 2006er und die Zeit wird es zeigen, ob der kräftige Alkohohl die Frucht frisst und ein hohles, fettes Monster übrig bleibt, oder ob der Wein Power und Frucht in zusätzliche Komplexität umsetzt. Ich bleibe weiterhin skeptisch, aber auch neugierig genug, um ein paar Flaschen im Keller zur weiteren Beobachtung aufzubewahren.

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn – Rheingau


92 Punkte – Dieser Wein macht mich mal wieder fertig; mit himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt möchte ich meine Stimmungslagen beschreiben, wenn ich die Weine der letzten 4/5 Jahrgänge von Peter Jakob Kühn getrunken habe. Ich habe mit seinen Weinen schon singuläre Weinerlebnisse gehabt, die kaum zu toppen sein dürften, andererseits gab es Flaschen, wo ich den Wein scheinbar im total falschen Zeitpunkt getrunken habe, denn die waren so schwierig, dass ich selbst bei größtem Bemühen, keine Trinkfreude entwickeln konnte.

 

Seitdem Peter Jakob Kühn  (zu Beginn dieses Jahrtausends) immer mehr auf biologischen und jetzt biodynamischen Weinbau umgestellt hat, sind seine Rieslinge alles andere, nur keine typischen Rheingauer Rieslinge aktueller Prägung. Sein Credo ist es, einerseits das auf die Flasche zu bringen, was die Natur einem schenkt (d.h. totaler Verzicht auf alle chemischen Mittel; Stärkung der natürlichen Heilungskräfte von Böden und Pflanzen – und nicht nur der Reben; Beachtung natürlicher Abläufe, z.B. Mondphasen; etc.), kombiniert mit einem Ausbau im Keller, der vielleicht so schon vor 100 Jahren und früher betrieben worden ist. Man könnte zu diesem Thema noch ganz viel schreiben, doch ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal selbst mit den Weinen auseinander zu setzen und dann vielleicht den ruhigen, aber äußerst sympathischen Peter-Jakob auf seinem Weingut zu besuchen und sich Infos aus erster Hand geben zu lassen.

 

Aktuell gefällt mir der 2006er Doosberg sehr gut (ob dies so lange bleibt, muss man einfach ausprobieren, denn die Rieslinge von P.J. Kühn leben und verändern sich, wie kaum ein zweiter Wein, den ich kenne). In der Nase wirkt der Wein sehr traubig, soll heißen, er duftet für mich wie frischer Traubensaft; dazu kommen Noten von kühlem Rauch, frischen Birnen und noch etwas grünen Bananen. Auf der Zunge wirkt der Wein sehr klar und saftig; er hat ein schönes, weiches Säurespiel, das sich auch im Mundgefühl  durch  einen zarten Schmelz ausdrückt. In der Aromatik assoziiere ich so Sachen wie Bienenstich, weißen Pfeffer und ein wenig Vanille; im Abgang zeigt der Doosberg eine schöne Länge. Toller Stoff, der zum Nachdenken und Probieren anregt. Der Wein hat sicherlich großes Lagerpotential und man sollte nicht nur eine Flasche im Keller haben, denn es wird überaus spannend sein, zu beobachten, welche verschieden Phasen und Aromenbilder dieser ungewöhnliche Riesling noch durchlaufen wird.

 

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin – Südtirol


91 Punkte – Das, was ich bereits zur Kellerei St. Michael-Eppan geschrieben habe, gilt für die Genossenschaft Tramin mindestens in gleichem Maße. Hier wird seit Jahren Wein auf allerhöchstem Niveau erzielt – dies freut sowohl die genießenden Weintrinker, als auch die Genossen, denn inzwischen verdient man richtig gutes Geld und die produzierten Weine fehlen in keinem gut sortierten Weinhandel in Italien.

 

Völlig überrascht hat mich dieser Gewürztraminer aus dem Hitzejahr 2003. Auch nach 6 Jahren besitzt er noch eine angenehme Frische, die besonders bei dieser aromenintensiven Rebsorte keine Selbstverständlichkeit ist. Intensives Bukett von Rosen, Haselnüssen und Litschis, eine Spur Jod ist ebenfalls erkennbar. Am Gaumen ein ähnliches Bild, dazu gesellen sich Eindrücke von Rosinen, Muskat und Mango. Jahrgangstypisch besitzt der Wein einen vollen Körper, läuft schwer/ölig ins Glas und den Mund und besitzt einen kräftigen Alkohol. Dennoch reichen für mich Frische und Säure aus, um einen Gegenpol zum Alkohol und zur „Öligkeit“ zu bilden, sodass der Wein nie schwer, langweilig oder gar sprittig wirkt. Der Gewürztraminer Nussbaumer ist für mich Jahr für Jahr eine feste Größe und ich kaufe ihn regelmäßig für meinen Keller ein. Grundsätzlich hat er das Potential für 10(+) Jahre Lagerung, viele trinken ihn jedoch sehr gerne jung bzw. können die Finger nicht davon lassen, sodass sie ihn nie im gereiften Zustand erleben.

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol


90 Punkte - Der 2001er Sauvignon Blanc St. Valentin zeigt eine reife Frucht, die immer noch  mit einer schönen Frische glänzt, aber natürlich nicht mehr die Knackigkeit jüngerer Jahrgänge besitzt. Dafür ist er jetzt besonders harmonisch und die Säure scheint perfekt dosiert und eingebaut. Am Gaumen zeigt sich ein feiner Schmelz; der Wein ist mittelgewichtig und die Hand geht bei mir klar zum Glas. Bei der Frucht dominieren Aromen von gelben Früchten und reifen Stachelbeeren; die grasigen Noten der Jugend sind zurückgegangen; hinten heraus bleibt er leider nicht mehr ganz so lange am Gaumen stehen, wie in früheren Jahren. In den nächsten 12-18 Monaten austrinken.

 

Für mich gehört Kellereigenossenschaft St. Michael-Eppan - mit den Genossenschaften Tramin und Terlan - zu den besten Erzeugern, die Südtirol zu bieten hat. Ich frage mich, was unterscheidet diese Genossenschaftsbetriebe von den deutschen Kellereigenossenschaften, die solche Qualitäten einfach nicht auf die Flasche bekommen. Eine Vermutung meinerseits sind die klaren Organisationsstrukturen der südtiroler Genossenschaftskellereien. Da gibt es leitende Geschäftsführer (und keine Handlanger, die ausschließlich an Firlefanz-Entscheidungen der Genossen gebunden sind) in allen Bereichen, die eigene, klare Entscheidungen treffen, und an die sich die Mitglieder/Genossen halten müssen. Beispielhaft sei hier die Traubenqualität genannt: in den Südtiroler Genossenschaften gibt es klare Festlegungen, ob die Trauben einer Lage und eines Betriebes in den „Erstwein“ kommen oder für die Weinbereitung der Zweit- und Drittweine herangezogen werden. Hat ein Weinbauer Reben in sehr guten Lagen und hat er in den letzten Jahren seine Rebanlagen so gepflegt, dass hier hochwertige Trauben heranreifen können, so merkt er dies auch deutlich im Geldbeutel, denn für hervorragende Trauben zahlt die Genossenschaft bei der „Einlieferung“ einen deutlich höheren Preis als für die Trauben aus „einfachen“ Lagen. Vorraussetzung für einen guten Traubenpreis ist jedoch auch die Umsetzung der Genossenschaftsvorgaben über das gesamte Jahr. Strenge Kontrollen stellen sicher, dass z.B. die grüne Lese und andere die Qualität fördernde Maßnahmen dann vollzogen werden, wenn der optimale Zeitpunkt dafür - lt. Ansage der Verantwortlichen - gekommen ist.

Wein und Spiele


Anläßlich eines schönen, spannenden und mit der Zeit immer lustigeren Spieleabends tranken wir in geselliger Runde folgende Flaschen:

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan - Südtirol

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin - Südtirol

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn - Rheingau

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

1996 Chateau Durfort-Vivens  - Margaux

Die Notizen zu den Weinen habe ich nachfolgend (siehe oben)einzeln eingestellt.

1997 Sancta Catharina, Cantine Dei - Toscana


92 Punkte - Bereits im Jahr 1964 hat Alibrando Dei, Großvater der heitigen Eigentümerin  Maria Caterina Dei, erste Teile von Bossona, dem heutigen Weingut gekauft und erste Pflanzungen mit Prugnolo-Gentile-Reben vollzogen. Die Rebsorte Prugnolo Gentile, ein spezieller Klon der Sangiovese, ist ausschließlich der Appelation  Vino Nobile di Montepulciano vorbehalten. Sie war bereits damals (und ist es auch heute) das Maß der Dinge in der Catine Dei. Von den ca. 100 ha Land, die man aktuell besitzt, stehen 38 ha unter Regen - davon sind 31 ha mit Prugnolo Gentile bestockt.

Jedoch  erst 1985 entschied man sich, die Trauben nicht mehr ausschließlich weiter zu verkaufen, sondern produzierte in einem angemieteten Keller die ersten, eigenen Flaschen Wein. Doch bereits vier Jahre später, 1989, begann Galileo Dei, der Sohn von Alibrando bzw. Vater von Maria Caterina mit dem Bau eines eigenen Kellers in der Nähe der Villa -  mitten in den Weinbergen der Cantine gelegen. Zwei Jahre später beendete Maria Caterina ihre Karriere als Sängerin und Schauspielerin, um im familieneigenen Weingut vollständig einsteigen zu können. Wer einen Eindruck von Caterina Gesangsqualitäten bekommen möchte, folge bitte diesem link: http://www.cantinedei.com/cantinedei.asp?Lang=2


Noch mehr als die Gasangsqualitäten überzeugt mich allerdings der 1997er Sancta Catherina, eine Cuvee aus gleichen Anteilen Sangiovese (Prugnolo Gentile), Cabernet Sauvignon und Syrah. Leider ist die vor mir stehende Flasche die letzte von dreien, die ich in den vergangenen Jahren getrunken habe, aber die Qualität und die Trinkfreude sind nach wie vor bestechend.

Nach wie vor in glänzender, fast schwarzer Robe präsentiert sich dieser Wein im Glas. Die Nase ist sehr kühl, ganz dunkelbeerig und ätherisch. Auffallend ist die Graphitnote, die sich später auch deutlich am Gaumen zeigt. Dieser Wein sollte nicht wärmer als 18,19  Grad getrunken werden, damit er seine saftige Frucht und Eleganz voll ausspielen kann. Dies vorausgesetzt, hat man einen richtig eleganten, immer noch jung  wirkenden  Supertuscan im Mund, der sich sehr kühl und mit deutlich mineralischer Noten vorstellt. Insbesondere dieser an Graphit/Bleistift erinnernde Eindruck, der kombiniert mit der noblen, sehr dunklen Frucht (Heidelberren, dunkle Kirschen, Brombeeren und  Pflaumen), den Charme dieses Weins ausmacht, überzeugt mich und läßt bei mir die Hand zum Glas gehen. Die Ätherik im Mund läßt sich vielleicht am besten mit Noten von Menthol und Eukalyptus beschreiben, aber auch Anklänge an die harten "Lakritzpfötchen" von Katjes kann man nicht negieren. Die Säure ist überzeugend und die Tannine sind immer noch straff, sodass Zunge und Zähne mit einem leicht stumpfen Belag überzogen sind. Ich empfehle daher diesen Wein  zum Essen zu genießen, er passt wunderbar zu gegrilltem Fleich (mit ordentlich Röstaromen). Wird vielleicht mit der Zeit noch etwas harmonischer und kann sicherlich weitere 5-8 Jahre getrunken werden. Mit zunehmender Temperatur und Luft wird er runder und weicher.

 

Meine Notizen aus vergangenen Jahren:

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Samstag, 07.02.2009

2000 Poggio Valente Morellino di Scansano, Fattoria Le Pupille - Toscana

91 Punkte - Wow, diesen Wein habe ich in 2005 schon ziemlich (85 Punkte) abgeschrieben, meine damalige Notiz lautete:

"Dichte Farbe, ungewöhnlich streng ist die Frucht in ein Korsett aus Tannin und Holz eingebunden - wo ist die Lebendigkeit und unbekümmerte Verspieltheit dieses Weines, die ich in anderen Jahrgängen so schätze. Noten von Kirsche, etwas Schokolade und ein wenig Pflaume, ein mittlerer Körper, sehr solide Tannine bestimmen das Bild dieses Weines, der gut gemacht ist, aber mir nicht die gewohnte Freude bereitet. Im Idealfall ist er jetzt in einer Verschlußphase und wird sich vielleicht in 12 Monaten wieder von einer besseren Seite zeigen."

So falsch lag ich mit meiner damaligen Vermutung nicht, aber wahrscheinlich hat es länger als 12 Monate gedauert, bis der Wein wieder aus dem Knick kam. Jetzte jedenfalls ist der Trinkspaß zurück, denn das stramme Tanninkorsett ist immer noch spürbar, aber die Frucht hat sich zu neuen Höhen aufgeschwungen und so erlebt man eine süße Frucht mit viel Kirch-, Milchschokolade- und Pflaumenaromen. Er wirkt bei aller Tanninstrenge saftig und macht viel Spaß, denn die Tannine haben an Eckigkeit eingebüßt und die Frucht stellt sich mit aller Macht dagegen. Elegant kann man den Wein wohl nicht nennen, aber als junge, dralle  Pamela Anderson im roten baywatch-Badeanzug geht er voll durch. Besonders gefällt mir die fruchtige Süße, die er im langen Abgang behält und die mit leicht würzigen Noten und Kirschmarzipan nachklingt. Very sexy.

Donnerstag, 05.02.2009

1997 Poggio Valente Morellino di Scansano, Fattoria Le Pupille - Toscana

92 Punkte - Die Fattoria Le Pupille ist für mich auch nach Jahrem immer noch das Maß der Dinge in Sachen Morellino aus der Maremma. Die Eigentümerin Elisabetta Geppetti gehört für mich zu den großen Damen des italienischen Weins und ihr Poggio Valente ist Jahr für Jahr ein klasse Wein mit hohem Spaß- und Genussfaktor. Ende der  90er Jahre war er auch im PLV ein top-buy; inzwischen bekommt man ihn leider  nicht mehr unter Euro 30,- sodass letztere Eigenschaft nicht mehr ganz zutrifft.

1996 erwarb Elisabetta die 12ha Weinberge für den Poggio Valente, die Hälfte der Fläche wurde neu bestockt, mit der anderen Hälfte wurde Wein erzeugt. Der letzte Jahrgang der alten Reben war dann der 2006er, danach wurde gerodet und wieder neu bestockt.

Im Glas vor mir steht nun der 1997er , der erste Jahrgang dieses Weines, der auf die Flasche kam. Als Weinberater maßgeblich mitverantwortlich für diesen wunderbaren Stoff war damals Riccardo Cotarella, der viele seiner "Weinkinder" zu Welterfolgen geführt hat. Im Jahr 2000 wurde er von Christian Le Sommer, dem ehemaligen technischen Leiter von Chateau Latour abgelöst.

Mit einem sehr klaren rubinrot strömt der Wein ins Glas, die Nase wirkt erdig, die Frucht wirkt reif und dunkelbeerig, mit etwas Lakritz und Graphit. Im Mund erinnert er in seiner Frucht und vom Mundegefühl an einen Pomerol, aber die Säure ist und bleibt italienisch. Vom Hitzejahr 1997 keine Spur, dafür stramme, aber reife Tannine, perfekt strukturiert. Die Frucht ist saftig und angenehm reif. Eine feine, süßliche Würze zieht sich komplett durch den Wein. Dieser Poggio Valente  ist nicht ganz groß (dafür fehlt es ihm etwas aromatischer Komplexität), aber die Hand geht voll zum Glas und ich habe so viel Spaß beim trinken, weil er einerseits Struktur besitzt, anderseits aber nicht zu streng wirkt und wie so ein Jojo im Mund aromatisch hin und her läuft. Die Aromen von Kirschen, süßlicher Würze und mineralischen Anklängen fördern den Genuß. Schöner Abgang. Ich bedauere es sehr, dass dies meine letzte Flasche war.

Der Wen sollte nicht dekantiert werden!! Auf diesem Niveau sicherlich noc 1-2 Jahre, danach wird er es sicherlich schwer haben.  

Mittwoch, 28.01.2009

Große Spanier und andere Eroberer

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende endlich mal wieder in die Heimat nach Hamburg fahren, aber da kam am späten Donnerstag ein Anruf von einem lieben Freund aus Frankfurt: „Wie flexibel bist Du? Morgen gibt’s ein paar rote 100 Punkte Weine – bist Du dabei?“ Bei so einer Provokation kann man wohl nicht „Nein“ sagen, schließlich bin ich jung, dynamisch, flexibel und erfolgreich …., wenn es darum geht aus vollen Trouvaillen leere zu machen ;-))

 

Da Mitbringsel an so einem Abend schwer sind, habe ich mich meines Urlaubseinkaufs erinnert: Cabernet Sauvignon aus Jordanien. Wenn es ganz peinlich werden sollte, könnte ich zumindest behaupten, das Pendant des Abends, einen Wein mit 0 Punkten, mitgebracht zu haben…

Folgende Weine sind nachfolgend beschrieben:

#  1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils – Elsass

# 2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

2005 Norte, Bodegas Pujanza – Rioja

2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

2005 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

#  1988 Giacomo Bologna - Toscana (Notiz folgt)

#  1983 Hochheimer Kirchenstück Spätlese trocken (Notiz folgt)

#  1999 Gewürztraminer Passito Terminum - Südtirol (Notiz folgt)

1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils - Elsass

90 Punkte – Ein gelungener Start in den Abend! Mein Mitverkoster und ich stocherten erst mal gewaltig im Nebel, um anschließend ein paar gewaltige Luftlöcher zu schießen, denn mehr als die Eigenschaft „aus deutschsprachigem Raum“ und „Riesling“, wobei ich der zweiten Aussage heftig widersprach, haben wir nicht „erraten“. Selbst ein Anruf bei der 11880 – „Da wird Ihnen geholfen“ brachte kein brauchbares Ergebnis.

 

Dieser Riesling wirkt dicht und konzentriert, riecht nach (mehligen) gelben Früchten, Steinfrüchten und wirkt am Gaumen sehr cremig. Dem etwas fülligen Eindruck steht aber eine angenehme Mineralik entgegen, sodass der Wein nicht barock wirkt. Hinten heraus hat er eine leichte Bitternote sowie eine deutlich erkennbare Aromatik von weißem Pfeffer. Dieser Eindruck, gepaart mit den mineralischen Akzenten, war wohl auch der Grund, warum ich mir Grüner Veltliner  und Österreich notiert hatte.

 

Aber da half alle Trinkerfahrung nichts, ich lag mit meiner Einordnung komplett daneben. Was hilft da nur: noch mehr Trinkerfahrung sammeln, kombiniert mit der nötigen Recherche. Also versuchte ich über diese große Lage im Elsass Informationen zu sammeln und so stieß auf der homepage der Domaine Francois Schwach auf folgenden Text:

 

Der Rosacker verdankt seinen Namen den wilden Rosenhecken, die früher die Weinberge umrandeten. Zwischen Hunawihr und Ribeauvillé gelegen, wurde er schon im Jahre 1483 erwähnt. Einen jungen Rosacker erkennen Sie an seinem leichten, etwas pfeffrigen Aroma. Dank seines kalkhaltigen Bodens gewinnt dieser Riesling bei längerer Lagerung noch an mineralischem Aroma.“

 

Eine vielleicht interessante Info noch am Rande: Für den berühmten Riesling „Clos Sainte Hune” nutzt die Domaine Trimbach nur den Namen der kleinen, 1,3 Hektar großen Parzelle; der Name der Grand Cru Lage „Rosacker“, wovon Saint Hune ein Teil ist, wird nicht angeführt.

2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

86 Punkte – Es war schon überraschend, wo meine lieben Weinfreunde überall waren, als dieser Wein blind ausgeschenkt wurde und es darum ging, zu definieren, was da im Glas ist, und wo es herkommt. Doch eines freute mich ungemein, dieses Mitbringsel aus dem letzten Urlaub war kein schlechter Wein, sondern eher das Gegenteil, ein respektabler Stoff aus einem Land, in dem zwar viele, viele Rebstöcke stehen, aber (aus religiösen Gründen) fast nur Tafeltrauben angebaut werden. Die Weinberge für diesen Wein wurden im Jahr 1995 mit französischer Hilfe angelegt und sie befinden sich allesamt in der Region um die Stadt Madaba, ca. 30km südlich von Amman. Die von den Moabitern gegründete Stadt wird bereits in der Bibel mehrfach erwähnt. Unser Wein wurde nach der frühbyzantinischen St. Georgskirche benannt. Diese Kirche ist weltberühmt, da sie das „Madaba-Mosaik“, die älteste (6. Jh.n.Chr.), im Original erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes und insbesondere Jerusalems beherbergt.

 

Der Wein ist recht hell in der Farbe. In der Nase wirkt er frisch, mit Anklängen an Paprika, Kirschen und Lakritz. Am Gaumen zeigt er ebenfalls eine angenehme Saftigkeit (von voll ausgereiften Beeren darf man hier auch ausgehen) und eine angenehme Frische. Die recht kräftige Säure steht ihm gut. Vom Körper eher mittelgewichtig, zeigt die eher rotbeerige Frucht sich von ihrer attraktiven Seite. Die ausgereiften Tannine geben die nötige Struktur und so steht ein schöner, insgesamt in sich schlüssiger Wein vor uns. Schade, dass ich nur eine Flasche mitgenommen habe. Jetzt oder in den nächsten 12-18 Monaten trinken.

 

 

2005 Norte, Bodegas Pujanza – Rioja

96 Punkte – Es ist schwer, sich der Klarheit und Reinheit dieses Rioja zu entziehen. Dies ist keine getunte Schönheit a la Aalto PS, dies ist Natürlichkeit und Eleganz aufs Feinste miteinander vermählt. Die Frucht ist sehr dunkel, tief und kühl. Da der Wein in französischer Eiche ausgebaut wurde, fehlt es ihm an der sonst fürs Rioja so typischen Vanillenote (aus den grobporigeren amerikanischen Fässern), was mir sehr gut gefällt. Die festen, aber sehr noblen Tannine sowie eine kräftige Säure geben ihm Struktur und die balsamischen und mineralischen Noten verleihen ihm zusätzliche Komplexität. Kurzum ein edler Tropfen, den man den alten, über 80-jährigen Reben mit sehr niedrigen Erträgen, abgetrotzt hat. Der Wein endet lang und mit großer Finesse. Ich gehe davon aus, dass dieser Wein lange, sehr lange liegen und reifen kann; einzigen Problem: man muss es schaffen, die Finger von ihm zu lassen. Unbedingt 3,4 Stunden vorher dekantieren.

 

Bodegas Pujanza gelten seit wenigen Jahren als neuer Star am Sternenhimmel des Rioja. Neben dem Norte, gibt es noch den Cisma, das sehr teure und  in homöopatischen Mengen erzeugte Flaggschiff der Kellerei sowie einen „normalen“ Pujanza.  Die spanischen Weinführer haben die 05er Ausgabe ebenfalls in den Weinolymp gewählt, Penin gibt 95 Punkte (ein extrem hoher Wert für diesen Weinführer), der Guia Proensa verleiht ihm sogar die Höchstnote von 100 Punkten (in der 08er Ausgabe haben diese Note nur 4 Weine bekommen), Parkers Mitarbeiter (Jay Miller) vergibt 94 Punkte, nur der Kollege vom Winespectator hat den Wein wohl nicht verstanden oder er traut sich nicht einem immer noch jungen Weingut/Weinmacher (Gründungsjahr der Bodega: 1998) volle Punkte für die vorgelegte Qualität zu verleihen, denn wie sollen dann 100 Punkte sein, wenn er hier nur 91 vergibt?

 

2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

96 Punkte – Was für eine Aromenfeuerwerk! So stelle ich mir ein Wein gewordenes Topmodel vor: perfekt modellierter Körper, groß, mit viel power und Esprit.  Die wunderbaren Rundungen sitzen an den richtigen Stellen, das Gefühl von samtweicher Haut lässt einen dahin schmelzen – selten oder nie habe ich weichere, rundere, aber dennoch so kraftvolle Tannine auf der Zunge erlebt, wie bei diesem Aalto PS. Ein Wein für den „roten Teppich“ und ein Blitzlichtgewitter ist ihm sicher.

 

Doch im Scheinwerferlicht der großen, weiten Glitzerwelt geht es nicht ohne Schminke. So kommt auch dieser große Wein zwar von sehr alten, über 60 Jahre alten Tempranillo-Rebstöcken, aber der (Keller-)Meister hat wohl auch kräftig Hand angelegt, um dieses berauschende Weinwunderwerk zu erschaffen.  

 

Die tiefe Frucht zeigt in der Nase und am Gaumen einen reichhaltigen Strauss an Aromen, da finden sich balsamisch-holzige Noten (Zedern, Eukalyptus, Lorbeer), eine tiefe Beerenfrucht (reifen Pflaumen, Kirschen und Cassis) sowie Aromen aus dem Holz (Schokolade, Kokos und ein Hauch Vanille). Trotzdem ist das Mundgefühl angenehm kühl und keinesfalls marmeladig. Der Wein besitzt eine große Länge, man schmeckt ihn Minuten später noch. Hedonismus pur!!! Jetzt dekantiert ein großer Genuss, hat aber Potential für mindestens 10-15 Jahre. Leider kann so ein Stoff nicht beliebig vervielfältigt werden und so muss man schon tief in die Tasche greifen, Euro 80-90 kostet der Stoff, wenn man ihn denn überhaupt bekommt. Ein kleiner Lichtblick besteht jedoch, der „normale“ Aalto ist nur unwesentlich schlechter und kostet circa die Hälfte.

 

2005 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

95 Punkte – Der Gründer dieser Bodega, Rene Barbier gehört zu den Pionieren des Priorat. Da die Wurzeln der Familie an der Rhone in Frankreich liegen, verwundert es wenig, dass ihn die alten Reben (heute über 80 Jahre alt) in der „verlassenen“ Landschaft des Priorat faszinierten. Die verstreut liegenden Parzellen bilden heute die Grundlage für einen Wein, der maßgeblich dazu beitrug, den über Jahre währenden Niedergang und die Entvölkerung dieser Region zu stoppen und umzukehren.

 

In der Farbe sehr dicht und dunkel, mit deutlich purpurnen Reflexen. Die leichte Stallnote zu Beginn erinnerte schon ein wenig an CdP-Weine, auch die maßgebliche Rebsorte Garnacha (=Grenache) dieser Cuvee (Garnacha, Carinena, Cabernet Sauvignon und Syrah) dominiert heute fast alle CdP-Weine. Diese Nase ist kühl, mineralisch, duftet nach Knubber-Kirschen und Apfelmus. Am Gaumen herrlich konzentriert, fest und mit einer herrlichen Frucht und ausgestattet. Die Holznoten (franz. Eiche) ist bereits heute sehr gut integriert, aber die einzelnen Aromen (rote und schwarze Beerenfrüchte, Tabak, deutlich erkennbare Mineralik) haben sich noch nicht perfekt miteinander vermählt. Dafür besitzt dieser Weine eine wirklich tolle Struktur, die perfekten Tannine und die animierende Säure versprechen einen wirklich langen Genuss. Großes Potential (2010-2025)!!

 

Das Herz und die Zunge wichtiger Weinjournalisten/Weinführer  hat er ebenfalls schon erobert, so gibt der von mir sehr geschätzte und „Punktesparer“ Guia Penin 95 Punkte, der für Robert Parker arbeitende Jay Miller ruft ganze 98 Punkte auf und der Guia Proensa zückt sogar die Höchstnote – 100 Punkte. Letztere sind es auf keinen Fall, aber alles andere lässt sich argumentieren.

Samstag, 24.01.2009

2003 Capitelles des Mourgues, Chateau Mourgues du Gres - Costieres de Nimes


88-90  Punkte - Vor vier Jahren hatte ich diesen Wein das letzte Mal im Glas und war sehr angetan (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=2 ). Aktuell ist er deutlich schwieriger zu trinken. Die Nase ist mit ihrer kühlen, fast kalten Art sowie den balsamischen und erdigen Aromen, kombiniert mit einer pechschwarzen Beerenfrucht überaus spannend, ab am Gaumen scheint der "süße", jugendliche Charme verflogen und die Tannine und die Säure wirken zunächst etwas vordergründig - mit ausreichender Luftzufuhr (ohne dekantieren 1/2 Flasche am nächsten Tag getrunken)  baut er jedoch aus und die Süße und Balance kommen zurück. Der Wein ist kraftvoll und tief, aber er tut zur Zeit auch ein wenig weh. Man findet viel kühle Röstaromen, balsamische Noten. Insgesamt sehr erdig; blutiges Eisen.

Die Hand geht zwar irgendwie zum Glas, da der Wein tief ist, viel Widerstand bietet und spannend wirkt, aber andererseits ist er auch etwas spröde. Fazit: Knochiger Typ mit Charakter !!

Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Frucht und damit der Charme völlig untergeht und somit der Wein vor lauter Struktur gar nicht mehr gehen kann, oder ob dieser Stoff noch "Altermilde" und sich inseine zweite Genußphase entwickelt. Mit einer Quote von 40:60 tippe ich zu Gunsten der negativen Entwicklung. Vor dem Genuß ausreichend lüften und nicht zu kalt (20 Grad Celsius) trinken.

Dienstag, 13.01.2009

2002 Erbacher Honigberg, Heinz Nikolai – Rheingau


94 Punkte – Was für ein Nektar !! Bereits mehrmals getrunken und immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass Frank Nikolai mit diesem Wein ein Meisterstück gelandet hat. Die Lage Erbacher Honigberg ist eigentlich eine Großlage, hinter der man solche Qualitäten nicht vermutet. Doch nomen est omen, und Honig spielt im Aromenfächer dieses Weines eine tragende Rolle, wenngleich der Wein keinesfalls süß und pappig schmeckt, sondern das Gegenteil ist der Fall: das perfekte und nahezu unendliche Spiel zwischen Süße und Säure lässt einen in diesen Wein versinken. Eintauchen möchte ich in diesen Stoff, so harmonisch und auf hohem Niveau balanciert ist dieser druckvolle Riesling. Kein Sattmacher, sondern ein animierender, die Hand zum Glas gehender Weintraum betört Nase und Gaumen. Die hervorragende Länge bildet das i-Tüpfelchen und ich kann fast nicht glauben, dass es so einen Stoff mal für Euro 15,- ab Hof zu kaufen gab. Dies ist eine Referenz für den Rheingau Riesling und es dürfte schwer, sehr schwer werden, irgendwo auf der Welt einen besseren Wein für so einen Kurs zu finden. Hat noch viel Jahre auf diesem Niveau vor sich.

In den letzten Jahren wird das Weingut auch im Gault Millau Jahr für Jahr gelobt und trotzdem gibt man die moderate Preispolitik nicht auf, sondern setzt weiter auf preisliche Kontinuität. Den aktuellen Jahrgang kann ich dem geneigten Leser nur ans Herz legen, dies gilt im aktuellen Jahrgang besonders auch für die Großen Gewächse.

1979 Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken, Leo Kappes – Mosel Saar Ruwer

 

Ohne Wertung - Leo Kappes ist ein recht unbekanntes Weingut in Zeltingen-Rachtig. Im Freundeskreis gilt es jedoch als Geheimtipp für klassische Moselrieslinge zu sehr günstigen Preisen. Doch dieser Kupfer-farbene Riesling hat seine besten Tage schon lange hinter sich. In der Nase bestenfalls als traubig zu bezeichnen, ist er am Gaumen schon recht sauer und die Säure kommt ziemlich krass rüber. Die Noten von Orangenzesten können es dann auch nicht mehr reißen und so wird dieser Wein als Erfahrung bildend eingestuft, bleibt aber ohne Wertung.

 

1968 Imperial Gran Reserva, C.V.N.E. – Rioja

 

92 Punkte – Für diese Flasche bin ich meinem Freund Bernd besonderen Dank verpflichtet, denn es gibt nicht alle Tage einen schönen Wein zu trinken, der aus meinem Geburtsjahr stammt. Leider ist in Europa – außer in Spanien – überhaupt nichts Gescheites auf die Flasche gekommen. Umso mehr war ich erfreut, als die Flasche (nach der Blindverkostung) aufgedeckt wurde.

 

Recht hell in der Farbe und mit deutlich orangefarbenem Rand erkennt man sofort, dass dieser Wein doch schon ein bedeutendes Alter hat. In der Nase recht deutliche vegetabile Noten, medizinale Anklänge, aber auch vielschichtig (Erbsen) und kühl wirkend. Am Gaumen überrascht ebenfalls die kühle Art, wieder stark pflanzliche Aromen, aber sehr fein und betörend. In diesen Wein kann man sich intellektuell vertiefen; noch erkennbare Tannine; feine Kräuteraromatik mit schöner Länge.

 

C.V.N.E. oder ausgeschrieben: Compañía Vinicola del Norte de España ist eine sehr traditionsreiches Haus in der Rioja Alta. Im Jahr 2004 hat man den 125. Geburtstag gefeiert. Heute gehört eine Vielzahl von Kellereien zur Gruppe und seit 1997 ist man an der Börse in Madrid gelistet. Gleichwohl liegt die Verantwortung noch in den Händen der Nachfahren der Gründerfamilie. Wer mehr wissen will: www.cvne.com

 

1995 Alion, Bodegas y Vinedos Alion – Ribera del Duero

 

92 Punkte - Die Bodega gehört zum Konglomerat von Kellereien der Eigentümer von Vega Sicilia. Sicherlich ist der Alion etwas moderner in der Weinbereitung als der Unico, aber mit ca. €40 kostet er auch nur einen Bruchteil der spanischen Weinlegende. Trotzdem ist dies ein spanischer Referenzwein, der Jahr für Jahr eine bench mark darstellt.

 

Die 95er Ausgabe ist jetzt perfekt zu trinken, weiteres Verbesserungspotential sehe ich nicht, aber er wird die nächsten 3-5 Jahre dieses Niveau sicherlich halten. Frisch im Glas hat er einen leichten Stallgeruch, der jedoch vergeht. Es folgen exotische Aromen, Süßholz, Kirschen und Waldbeeren sowie eine Spur Vanille. Am Gaumen ein vergleichbarer Aromeneindruck. Die Tannine sind fest, aber fein; kühles Mundgefühl mit moderater Säure und angenehmer Aromentiefe. Klar uns saftig bis in den durchaus schönen, langen Abgang zieht dieser Alion seine Aromenspur.

1994 Côte Rôtie Cuvee La Modorée M. Chapoutier Rhone


95 Punkte - 

Diese Cuvee stammt aus Weinbergsparzellen mit 70-80 Jahre alten Rebstöcken, die direkt an Guigals berühmte Lage „La Turque“ angrenzen. Nicht ganz so teuer, aber für dieses Kleinod muss man schon tief in die Tasche greifen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass dieser Wein viel fürs Geld bietet. Die angenehm tiefe und nuancierte Nase wirkt kühl und offenbart Düfte von schwarzem Pfeffer, dunklen Beerenfrüchten, Wacholder, Oliven und Lorbeer. Am Gaumen ebenfalls kühl und sehr klar/rein. Die Tannine sind edel (wie der ganze Wein), der Körper ist mittelgewichtig und der nicht zu hohe Alkohol (12,8%) passt hervorragend dazu. Ein feiner, vielschichtiger, ja aristokratischer Tropfen, der seine Noblesse bis in das lange Finale behält. Der Wein wird auch in den nächsten 3,4,5 Jahren seine Klasse nicht verlieren (vorausgesetzt er war stets gut gelagert).

1995 Chateauneuf-du-Pape Boisrenard, Domaine de Beaurenard – Rhone


Diese Domaine wird schon in der 7. Generation von der Familie Coulon betrieben und man bewirtschaftet einen beachtlichen Besitz von 32 ha in Chateauneuf-du-Papes und 25 ha in Rasteau (Côtes du Rhône). Die webpage hält viele weitere Informationen bereit und ist wirklich lesenswert: http://www.beaurenard.fr

 

94 Punkte – Neben dem Basiswein wird jedes Jahr noch ein kleinere Menge CdP Boisrenard erzeugt. Die Rebstöcke sind durchschnittlich zwischen 60 und 100 Jahren alt und sie stehen noch als gemischter Satz im Weinberg.  So gehen in diesen Wein bis zu 13 unterschiedliche Rebsorten ein, wobei der Grenache dominiert. Der Ausbau erfolgt 18 Monate im Holz und dann kommt der Wein ungefiltert auf die Flasche.

 

Man steckt die Nase ins Glas und ist fasziniert! Aromen von Waldfrüchten, Mokka und getrockneten Kräutern umschwirren die Nase. Am Gaumen dann eine reife, intensive und dunkle Frucht von Waldbeeren und Tabak. Die Tannine sind kräftig, aber rund und reif; der Wein besitzt eine hervorragende Struktur, die kombiniert mit der schönen Säure, ganz wesentlich zu der Klasse dieses Weines beiträgt. Obwohl schon 13 Jahre alt, dürfte dieser Wein auch in den nächsten 13 Jahren noch mit viel Genuss zu trinken sein.

2007 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Erstes Gewächs, August Kesseler – Rheingau

 

93 Punkte - Helles Goldgelb; in der Nase bereits sehr offen, mit viel gelber Frucht und Pfirsich. Herrlich animierend, viel Saft und Kraft deutet sich da beim Schnuppern im Glas an. Mir gefällt dieser intensive Eindruck unheimlich gut; dies ist für mich Rheingau Riesling pur! Am Gaumen saftig, mit schönem Biss und einer animierenden Säure. Da spielen die vielen gelben Früchte auf der Sommerwiese und sind umgeben von einem Hauch von Karamell und Honig. Ein hoher Extrakt und eine hohe Extraktsüße passen zu diesem Stoff genauso, wie die Mineralität, die eine zusätzliche Facette ins Spiel bringt. Dieser Riesling klingt lange am Gaumen nach und animiert so zum nächsten Schluck. Über die Langlebigkeit des Weines wurde heftig diskutiert. Ich glaube, dass er ein Langstreckenläufer ist, der so viel power und Kraftreserven hat, dass er in der Jugend nicht geizen muss, sondern schon jetzt zeigen kann, was in ihm steckt. In den nächsten 10 Jahren wahrscheinlich zu jeder Zeit ein Genuss, eventuell kommt noch mal eine Verschlussphase.

 

2001 Sauvignon Blanc Ratscher Nussberg, Alois Gross – Steiermark

 

Die Weine des Ratscher Nussberg wachsen auf Böden aus Kalkmergel und Kalksandstein. Der Weinberg gilt mit seiner kesselförmigen Süd-Südwestlage mit Hangneigungen bis zu 30° als einer der besten Lagen der Steiermark. Die vollreifen Trauben werden mit kurzer Maischestandzeit schonend gepresst und bei 18° Celsius kontrolliert in etwa 600 lt-Fässern (Stardin) und etwa 300 lt-Fässern (Halben = halbes Stardin) vergoren. Die Reifung erfolgt im großen Holzfass. Der 2001 Jahrgang ist mit seinen 1,4 Gramm Restzucker nahezu komplett durchgegoren, was sich auch in der Gradation (14% Alc.) widerspiegelt.

 

84 Punkte – Apfelaromen, etwas flüchtige Säure, wenig komplex in der Nase, duftet wenig animierend. Am Gaumen recht dicht, trotzdem wirkt er relativ leicht und leider auch schon oxidativ nach trockenem, weißem Sherry. Apfelnoten und eine kalkige Aromatik aus dem Boden sind zu erkennen. Der Wein hat wohl (hoffentlich) schon bessere Zeiten gesehen.

2001 Chardonnay Schloßzgarten (Schlossgarten), Hirtzberger – Wachau

 

 

Keinen Schreibfehler, sondern wohl die alte Rechtschreibweise dieses Wingert findet man auf dem Etikett dieses Chardonnay. Ein Blick in das deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm zeigt dazu:

 

garten, der zu einem schlosse gehört, hortus palatii FRISCH 2, 201b: und ich läge berauscht im rasen des schloszgartens. SCHILLER räuber 5, 1 schausp.;

 

90 Punkte – Unabhängig von der Schreibweise, die echte Wahrheit befindet sich im Glas vor mir ;-) Ein kräftiges goldgelb strahlt mich an, die Nase ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig: Feuerstein und Katzenpipi (baut sich mit zunehmend Luft ab), daneben buttrige oder dezent harzige Noten. Am Gaumen dann reife Noten von Apfelmus, Orangenzesten, überreifen Äpfeln, Papaya und Rosinen. Daneben dezent buttrige Anklänge und eine recht tiefe Mineralik, die dem Wein Kontur und Tiefe verleiht. Letztlich ein schwer zu beurteilender Wein, denn ich vielleicht an einem anderen Tag weniger Punkte gegeben hätte. Bald austrinken.

2006 Kerner Praepositus, Stiftskellerei Neustift – Alto Adige (Südtirol)


Zu den Hauptaufgaben der Augustiner-Chorherren des Klosters Neustift gehört heute die Betreuung von 20 Pfarrgemeinden in Süd- und Osttirol. Seit dem Mittelalter wird eine Klosterschule betrieben und seit einigen Jahren betreibt man auch ein Zentrum zur Erwachsenenbildung. Dank eigener Wälder, Felder  und Weinberge mit Sägewerk, Mühle und Weinkeller ist man von je her wirtschaftlich selbständig gewesen.

 

89 Punkte – Die Weinberge für diesen Kerner liegen auf einer Höhe von ca. 650-700 Metern über dem Meeresspiegel. Dies ist wohl auch eine der Hauptursachen für die Frische und die hohe Mineralik im Wein, denn Dank hoher Pflanzdichte und der eher kargen Böden sind die Reben genötigt, tief zu wurzeln, um die Versorgung sicher zu stellen. Die in dieser Höhe schon recht hohe Tages-Nachtsenke bei der Temperatur dürfte sich positiv auf die Frische und Säure des Weines auswirken.

 

Die 06er Ausgabe des Kerners (aus der Prestigelinie der Kellerei, die den Namen Praepositus trägt) zeigt viel gelbe Frucht (z.B. Mirabelle, Honigmelone und Sternfrucht) und einen schönen Schmelz am Gaumen. Der cremige und stoffige Eindruck hängt wahrscheinlich auch mit den 14% Alkohohl zusammen, die dieser Wein aufweist, jedoch bilden die Mineralik und die gute Säure ein ausreichendes Gegengewicht, sodass nie der Eindruck von Schwere oder aromatischer Breite aufkommt. Mit gefällt dieser Kerner auf Grund seiner Mineralik, Dichte und guten Länge überaus gut und ich bedauere es, dass ich davon nichts im Keller habe, denn mit so einem Stoff kann man jeden Weinkenner in die Sinnkrise stürzen, denn ich glaube, dass so gut wie niemand bei dieser Qualitätsstufe die Rebsorte Kerner auf der „Liste der möglichen Rebsorten“ hat. Jetzt wunderbar, sollte in den nächsten 12-18 Monaten getrunken werden.

 

Sonntag, 11.01.2009

2004 Gourt de Mautens, Jerome Bressy - Rasteau


92+ Punkte - 1998 erblickte dieser Wein das Licht der Welt und die deutsche Weinhändler-Elite nahm diesen Wein als Geheimtip in ihr Programm auf (vgl. www.vinisud.de, www.karl-kerler.de, www.pinard-de-picard.de) Anfangs war es die schiere Konzentration, die dieser Wein aus dem Süden von Frankriech auszeichnete, inzwischen hat er seiner etwas bäuerlichen "Bums" abelegt und ist kühler, runder und komlexer geworden. Vom Jahrgang 2001 gab es wohl unterschiedliche Füllungen, denn einerseits wurde der Wein in den Himmel gehoben, andererseits machten Weinfreunde und ich die Erfahrung, dass er - auf Grund von Überrreife und wahrscheinlichen Schwefelgaben - ungenießbar war (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=316)

Der 2004er ist ein Top-Wein, der wohl für das steht, was Jerome Bressy anstrebt: Einerseits Konzentration und Fruchtfülle, andererseits Komplexität und Eleganz. Im Glas zeigt er eine tiefe, runbinrote Farbe, die nicht 100% klar erstrahlt, aber für einen unfiltrierten Wein ist dies total normal. In der Nase zeigen sich einerseits gekochte Waldbeerenaromen und Kirschkonfitüre, andererseits überzeugt die  wunderbare kühle Menthol-;Kräuter-  und Mineralienaromatik. Am Gaumen fällt zunächst die seidige Textur auf, die Tannine wirken butterweich, sind aber in Hülle und Fülle vorhanden. Der hohe Extrakt und die ausladende Fruchtikeit sind überaus positiv, denn trotz der straken Konzentration wirkt der Wein am Gaumen weder marmeladig noch überreif. Süße, fruchtfleischige Waldbeeren; Vollmilchschokolade und  Kirschen sowie eine Hauch süße Gewürze prägen das Aromenbild. Prall, fleischig und mit Frucht beladen einerseits, anderseits kühl und mit etwas "kalkiger" Eleganz kleidet er den Mundraum vollkommen aus. Ein ähnliches Bild im langen Abgang, noch Minuten später hat man einen Eindruck von diesem Wein- Dank einer perfekt harmonisierten Säure macht er überhaupt nicht satt, sondern animiert zum nächsten Schluck.  Hohes Lagerpotential - mindestens bis 2016!

DOCH VORSICHT: Von drei Flaschen hatte eine einen krassen Kork, eine war leicht beeinflusst und lediglich die letzte Flasche war perfekt. Dies ist bei einem Preis von ca. Euro 35,- eine NICHT  AKZEPTABLE KORKQUOTE.

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2008 Marlborough Sauvignon Blanc, Lake Chalice Wines - Neuseeland


85 Punkte - Ja, richtig gelesen, Jahrgang 2008. In den Kellern der deutschen Winzer blubbern und brodeln die Weine aus der 08er Ernte teilweise noch, da stehen die Weine aus der Neuen Welt schon eine ganze Zeit bei uns im Regal, denn Dank der umgedrehten Jahreszeiten (bei uns Frühjahr, auf der Südhalbkugel Herbst) haben diese Weine einen zeitlichen Vorsprung von einem halben Jahr.

 

Dieser eher einfache Sauvignon ist auf besondere Weise interessant; einerseits lebt er von seiner unglaublich frischen, direkten Art, andererseits habe ich die Flasche 4 Tage bei Zimmertemperatur in der Küche stehen gehabt und nach einer kurzen Abkühlung im Eisfach schmeckt der Wein immer noch genauso wie 4 Tage zuvor: viel frische Stachel- und schwarze Johannisbeeren, Maracuja und Grapefruit. Auch grasige Noten sind deutlich zu erkennen. Trotz aller Frische ist mir dieser Wein zu "gerade aus", da ist kein Spiel, keine versteckte Nuance, da ist nur "Ich-spring-Dich-an---ich Frucht"!!

Mit welchen Mitteln dieser Wein produziert ist, sodass er nach vier Tagen immer noch so frisch ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Das Ausgangsmaterial stammt aus 7 verschieden Weinbergen und wurde (gekühlt) zur Kelterhalle transportiert. Dort - so nehme ich es zumindest an - wird man Aromen- und Reinzuchthefen zugesetzt haben und auch vor Enzymen zur Geschmacksintensivierung nicht Halt gemacht haben. Aber ich möchte hier niemanden verurteilen, denn meine Vermutungen kann ich (leider) nicht nachweisen. Dieser Wein ist unglaublich frisch, hat ein kräftige Säure und man kann ihn durchaus als "Muntermacher" bezeichnen. Allerdings hat dies - für mich - mit klassischem Sauvignon Blanc nichts zu tun.

 

2008 war in Neuseeland für die Winzer ein perfektes Jahr: der Witterungsverlauf war nahezu optimal und die Ernte war groß wie nie - ohne dass die Qualität zu sehr gelitten hat.

Der Spass kostet ca. Euro 12,- und wird von der Weinhandlung Apell aus Kassel importiert. (www.apell.de). Andere Händler findet man über www.google.de

Montag, 05.01.2009

2007 Nadal, Domaine de Fondreche - Côtes de Ventoux

91 Punkte - Wilder Wein mit gutem PLV (knapp 12 Euro)!!  Den meisten dürfte die Appelation Côtes du Ventoux vom Radfahren bekannt sein. Jedes Jahr ist dieser Berg das Epizentrum der Tour de France. Hier übernachten die Fans in Zelten, hier stehen die Zuschauer in Massen, um ihre (gedopten ;-) Idole anzufeuern.

So liegen auch die Weinberge für diese Cuvee aus Grenache und Syrah mit einem kleinen Anteil Mourvedre in der heißen Provence etliche hundert Meter hoch am Mount Ventoux. Im Mund explosiv, viel Power, Druck und Fleisch, aber nicht schwer - die Frische stemmt sich dagegen. Nachdem man diesen Wein getrunken hat, schnalzt man mit der Zunge, um die dicken Aromen vom Gaumen zu lutschen. Da sind Wildkirschen, Pflaumen, viele getrocknete Kräuter (der Provence) und runde, reife Tannine, die dem Wein ausreichend Struktur geben. Aufgrund seiner schönen extraktsüßen Kräutrigkeit schmeckt mir der Wein solo, aber zu einem dunkel gegrillten Steak mit schönen Röstaromen paßt dieser Wein wie die Faus aufs Auge oder der Igel aufs Kopfkissen.

 

Purpur läuft der Wein ins Glas. Aus dem Glas strömt ein Duft von Pflaumen,Sauerkirschen, wilden Kräutern und Lavendel. Frisch eingeschenkt ist der Duft sehr intensiv, mit zunehmender Belüftung verflacht er jedoch etwas und der Alkohol (14,5%)  wird spürbar.

Pflaume, Blaubeeren und Johannisbeeren mit transparentem Körper und sehr ausgewogener Struktur. Eleganz aber auch schon einiges an Dampf. Tiefe mit feiner Frische. a big, sweet kiss of kirsch liqueur intermixed with licorice, loamy soil notes, and hints of pepper and lavender. It is full-bodied, fleshy, rich, and ideal for drinking over the next 4-5 years. Fondreche is the reference point for what can be done in the Cotes du Ventoux.In der betörenden Nase faszinierende Anklänge an schwarze Waldbeeren, Kräuter der Provence, Süßkirschen, weißen Pfeffer und Lavendel.
Die Zunge ist verzückt von der schmelzigen, komplexen Frucht, der phantastischen Struktur und der trinkanimierenden Säure – welch fabelhafter Nadal in einer Kunstfertigkeit wie nie zuvor. Durch den sensiblen Ausbau der traumhaft reifen Syrahtrauben in neuen Barriques mit ungemein saftigen, cremigen Tanninen versehen, die den Wein bereits ab sofort mit großem Vergnügen genießen lassen

Donnerstag, 25.12.2008

Nikolausprobe 2008


2005 Chardonnay S, Weingut Wittmann – Rheinhessen

 

89 Punkte - Sehr schönes, ausdrucksvolles und frisches Bukett; Äpfel, Birnen, feines Toffee und dezente Zitrusfrucht. Auch auf der Zunge ist dieser Chardonnay nicht müde vom Holz, sondern frisch und die Aromen aus dem Barrique sind gut integriert. Weicher Schmelz, Apfelkompott, Birnen, etwas Butter und Toffee, lässt eine gewisse Mineralik erkennen. Insgesamt ein schöner Chardonnay; die vielleicht nicht ganz so komplexe Aromatik kompensiert er mit einer sehr guten Länge. Besser wird er nicht mehr, sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

 

2003 Riesling Winninger Uhlen „Roth Lay“, Weingut Heymann-Löwenstein - Mosel

 

87-90 Punkte – Dieser Wein braucht Luft und  sollte daher dekantiert werden! Frisch aus der Flasche präsentiert sich dieses Große Gewächs eher unvorteilhaft – er wirkt zu süß, eher breit und fast ein wenig pappig. Da ist zwar viel gelbe Frucht und auch ein hohes Maß an Stoffigkeit, aber der Wein wirkt eher wie ein gedopter Bodybuilder. Mit deutlicher Luftzufuhr baut der Wein aus und gewinnt an Struktur und Klasse, indem er deutlich differenzierter wird, die Mineralik erkennbar das Spiel strukturiert und die Säure im Kampf gegen die Süße ein Wörtchen mitredet. Dann zeigt er auch kräuterwürzige Noten und eine differenziertere Frucht, die mich u.a. an die als Kind so geliebten Orangen in frischer Sahne erinnert. Letztlich glaube ich, dass auch dieser Wein sich der Stilistik des 03er Jahrgangs nicht entziehen kann und es nie ein großer Riesling wird. Dennoch halte ich es für überaus spannend diesen 03er in eine Probe mit anderen Jahrgängen des gleichen Weines zu verkosten, wenn man neugierig darauf ist, etwas über den Einfluss von Jahrgangsbedingungen zu lernen. Schwierig ist hier eine Trinkempfehlung, wenn die Säure und Frucht nicht schlapp machen, kann dieser Wein noch ein sehr langes Leben besitzen; ich halte es aber auch für möglich, dass der Wein stirbt ohne je wirklich seine Schönheit entwickelt zu haben.

 

 

2003 Recher Herrenberg Spätburgunder JS„Alte Reben“, Jean Stodden – Ahr

 

93 Punkte – Tiefe, dunkle und dezent würzige Frucht nach Waldbeeren; mit viel Luft (dekantieren mind. 1 Std. vorm Ausschank) immer differenzierter und komplexer. Einerseits kompakt und saftig und mit schönem Säuregerüst, andererseits komplex, elegant und mit mineralischer Tiefe. Wirklich überraschend ist die große Festigkeit des Weins zu Beginn, die erst langsam – mit viel Luft – zu Gunsten einer hohen Komplexität schwindet; in dieser Verfassung erinnert er an einen sehr, sehr guten Burgunder. Dann aber ein tiefer, komplexer und eleganter Spätburgunder, der keinen Vergleich zu scheuen braucht. Hat sicherlich Potential für mindestens weitere 5 Jahre, ohne dass ich mir sorgen mache, dass er danach wirklich abbaut. Die 97 Punkte von Wein-Plus empfinde ich ein wenig überhöht, aber großer Stoff ist das allemal (der aber schon damals mit seinen Euro 69,- preislich auch ambitioniert war.)

 

 

2003 Kurni, Azienda agricola Oasi degli Angeli – Marken

 

 

93 Punkte – Was für ein Wein !! Gemacht zu 100% aus Montepulciano (namensgleich mit der Region in der Toscana), einer Rebsorte, die in den Marken und angrenzenden Regionen viel angebuat wird, aber häufig ruppige und ungehobelte Weine hervorbringt. Anders hier – Eleonora Rossi and Marco Casolanetti schaffen es Jahr für Jahr in mikroskopischen Mengen einen Montepulciano zu erzeugen, der zeigt, was man mit bestem terroir und knallharter Weinbergsarbeit bei äußerst niedrigen Erträgen aus dieser Rebsorte schaffen kann. Dazu reifen die Trauben sehr lange an ihren Rebstöcken und werden anschließend – Amarone ähnlich – angetrocknet, um dann bei sehr langen Mazerationszeiten vergoren zu werden. Die sich anschließende doppelte 9-monatige Verweildauer in jeweils (!) neuen barriques dient der ausgiebigen Mikrooxidation. Wer jetzt einen zugeholzten, harten oder total mit Röstaromen überhäuften Wein erwartet, wird sich wundern.

 

Selbst im Hitzejahrgang 2003 ist dieser Wein nicht marmeladig ausgefallen, sondern zeigt enorm viel Saft und Kraft. Aromen von Waldbeerengelee, viel ätherische Noten und trotzdem eine gewisse Kühle zeichnet das Bukett des Kurni aus. Am Gaumen brutal, massiv mürbe (!) Tannine, viel power und eine eruptive Frucht mit reichlich Würze. Schlehenmarmelade, etwas Schoko, schwarze Waldfrüchte und eine erhebliche Fruchtsüße (null Restsüße) – fast fruchtmarksgleich konzentriert -  kleiden den Mund und Rachen komplett aus. Bei aller Konzentration wirkt der Wein nicht breit oder langweilig, sondern das Gegenteil ist der Fall, insbesondere wenn man ihm Zeit gibt, sich im Glas zu entfalten und ihn nicht zu warm (<20 Grad) genießt. Nichts für 100%ige Eleganztrinker, aber für Hedonisten allemal eine tolle Erfahrung.

 

 

2002 Reif, Josephus Mayr (Erbhof Unterganzner) – Alto Adige (Südtirol)

 

94 Punkte – Ein spannender Vergleich zum Kurni; denn auch hier wird höchst anspruchsvoll (mit minimalen Erträgen) im Weinberg gearbeitet, auch hier werden die Trauben zum Teil (am Weinstock) getrocknet und auch hier spielt ein perfekter Einsatz von neuem Holz eine wichtige Rolle. Der Reif besteht überwiegend aus Cabernet Sauvignon (ca.80%) und Lagrein; hinzu kommen – je nach Jahrgang – kleine Mengen von Petit Verdot, Merlot und Cabernet Franc.

 

Meine Notiz aus 2007 (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=181) beschreibt diesen Wein immer noch zutreffend, jedoch hat er an Eleganz und Harmonie weiter zugelegt, sodass ich ihm mit gutem Gewissen jetzt 94 Punkte geben kann. Besonders gut gefallen mir die „kühle“ Art, die vorzügliche Tanninstruktur, der perfekte Holzeinsatz und die super Länge im Abgang. Das ist schon großer Stoff!

 

 

1967 Barolo, Bersano – Piemont

 

87 Punkte - Ein schöner Barolo aus großem Jahrgang, mit Noten von rotem Tee, Mokka und Mahagoni. Am Gaumen ebenfalls roter Tee, getrocknete Pflaumen, Kirschen und ein Hauch Speck. Noten von Feigen, etwas Liebstöckel und eine dezente Nussaromen runden die Sache ab. Schon recht deutlich abgeschmolzene, aber immer noch vorhandene Tannine. Alter Barolo ist etwas für fortgeschrittene Weintrinker und es wird viele geben, die diese Aromatik nicht mögen, mir gefallen jedoch diese alten Weine und sie sind in ihrer Art einzigartige Zeitzeugen.

 

 

2001 Chateau de Malle – Sauternes

 

92 Punkte – Ein schöner Sauternes aus der halben Flasche. 2001 war ein großes Jahr, mit idealen Reifebedingungen für diese von Botrytis geprägten Weine. Nase und Gaumen werden verwöhnt mit viel Frucht und hoher Dichte – ohne jeden Anflug von Breite oder penetranter Süße; sehr schönes Säure-Süße Spiel. Noten von Heu, Jasmin, Mirabellen und einer kräftigen Würze (z.B. Muskatnuss, Mokkabohnen). Ein perfekter „Nachtisch“

Samstag, 06.12.2008

1994 bis 2004 Chateau La Tour de By - Medoc

10 Jahre Chateau La Tour de By

 

Vorab: Dies ist ein Bordeaux für Einsteiger mit einem sehr guten PLV (ca. € 13,-)

 

Abseits der üblichen Touristenwege liegt dieses Chateau im kleinen Ort Bégadan. Der Name des Weingutes leitet sich vom ehemaligen Leuchtturm von By ab, der 1825 aus den Mauerresten einer Getreidemühle errichtet wurde und fortan der Schiffen auf der Gironde den richtigen Weg wies.  Unweit davon, direkt am Flussufer, auf einer Kieskuppe liegt das Herrenhaus und Weingut Chateau La Tour de By. Man schaut auf eine bewegte Vergangenheit. 1599 gehörte das Lehen „de By“ noch Pierre Tizon; es blieb im Familienbesitz bis 1725 als es an den Grafen Louis de Gramont verkauft wurde. Die nachfolgenden Besitzer waren die Herrn de Lignac. Im Jahr 1860 wurde es schließlich von Alfred Rubichon erworben, der 1876 das heutige der Gironde zugewandte Château La Tour de By errichten ließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß das Weingut noch „La Roque de By“ – unter diesem Namen wird heute der zweite Wein des Hauses vermarktet.

 

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts erwarb Julien Damoy das Weingut. Die nötigen finanziellen Mittel hatte er im Lebensmittelhandel in Paris verdient. Seine Nachfolge trat sein Schwiegersohn Chaumont aus Burgund an, der das Weingut auch bis 1961 – als es an den Abgeordneten Kaskoreff verkauft wurde – geführt hatte. Nur vier Jahre später wurde es erneut verkauft. Ein paar Nordafrikaheimkehrer waren auf der Suche nach preislich und qualitätsmäßig interessantem Terroir und wurden hier fündig. Die Herren Lapalu, Cailloux und Pages sorgten für die Wiedergeburt dieser Lage im nördlichen Medoc. Seit 1999 sind Marc Pages und seine Kinder die alleinigen Besitzer von Chateau La Tour de By. In vier Jahrzehnten hat es Marc (als ehemaliger Absolvent der landwirtschaftlichen Hochschule in Tunis) und seine Familie verstanden, das Cru Bourggeois Weingut auf den Level eines Grands Crus zu hieven.

 

Heute bewirtschaftet man 74 ha Rebland, wovon ca. 65% mit Cabernet Sauvignon, 30% mit Merlot, 3% mit Cabernet Franc und 2% mit Petit Verdot bestockt sind. Der Ausbau der Weine erfolgt in Eichenholzfässern, wovon ca. 30% pro Jahrgang neu angeschafft werden. Aus der Not machte Marc eine Tugend. Als zu Beginn der 70er Jahre die Weine schwer verkäuflich waren und die Bordelaiser negociants die Weine nicht abnehmen wollten, brach er mit dem für Bordeaux typischen Handelssystem und baute seine eigene Vertriebsstruktur auf. So werden heute über 1.000 Restaurants in Frankreich direkt beliefert und über 5.000 private Weinliebhaber sorgen dafür, dass die ca. 40.000 produzierten Kisten auch ihre Abnehmer finden.

 

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Sonntag, 30.11.2008

1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA - Piemont


93-95 Punkte: im Vergleich zum 90er der bessere Jahrgang. Was für ein dunkler, tiefer und immer noch juegendlicher Barbaresco!! Die Nase wirkt frisch, mit tiefer, dunkler Frucht, Kirsche und Holunder. Einmal im Mund kann man das Alter dieses Nebbiolos kaum glauben; er ist so frisch und jung in seiner Aromatik; die noblen Tannine sind kraftvoll und strukturgebend. Am Gaumen überzeugt mich die Frucht und die Struktur dieses Weines zu 100%; so tief, rein und klar ist dieser Wein. Aber auch der 2.Gaja stand an diesem Barolo-/Barbarescoabend im Kontext mit anderen großen Weinen der Region und so fiel es mir auch beim 90er schwer, diesen Wein klar als Barbaresco zu identifizieren. Ich weiß nicht so genau, ob es die Röstaromen aus dem Holz waren, die dem Wein zwar perfekt zu Gesicht standen und die sich hervorragend in das Gesamtbild einfügten, oder ob es vielleicht die hohen Extraktwerte/Extraktsüße waren, aber so ein richtiges Bild eines Barbaresco wollten meine Sinne mir bei diesem Wein nicht malen. Trotzdem richtig genialer, kraftvoller und komplexer Stoff, der gleichzeitig sehr harmonisch und sinnlich wirkt. An dieser Stelle auch der Hinweis, dass ich den Wein deutlich über 92 Punkte erlebt habe, nur die mir etwas fehlende (oder anders ausgedrückt, die vielleicht von mir nicht wahrgenommene) Typizität eines Barbaresco gab Abzüge in der "B"-Note.  

Montag, 24.11.2008

1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA - Piemont


90-93 Punkte - GAJA, der große Name des Barbaresco, der Langhe, Italiens, ja eines der berühmtesten Weingüter weltweit. So einen Wein im Glas zu haben ist allein schon aus pekuniären Gründen etwas Besonderes. Aber auch die Geschichte der Familie ist so spannend wie abwechslungsreich und nicht immer war sie von dem Reichtum geprägt, zu dem es  heute Angelo Gaja, der "Unternehmer mit der Weltkarte in der Hand"  mit viel Herz, Verstand, unternehmerischem Geschick und Visionen gebracht hat. In dem vom Hallwag-Verlag und Slow food publizierten Buch (Hrsg: Carlo Petrini) "Barolo Barbaresco" kann man z.B. lesen:


"Entstanden war die Firma 1859, als es dem Urgroßvater Giovanni, einem wohlhabenden Fuhrunternehmer, gelungen war, durch seine Hände Arbeit den fünf Söhnen und zwei Töchtern je ein Bauernhof zu vererben. Drei seiner Söhne verloren, wie es in der Langhe fast schon Tradition hatte, den Hof auch gleich wieder beim Glücksspiel. Barba Cit, also "kleiner Onkel", wie der jüngste genannt wurde (er war fast zwei Meter groß), schaffte es sogar, die beiden Bauernhöfe, die seine reiche Frau mit in die Ehe gebracht hatte, gleich mitzuverspielen. Der zweitjüngste, unser Angelo (Anmerkung: der Großvater des heutigen Angelo Gaja) mit dem Maultier (Anmerkung: bezieht sich auf die frühere Ausführungen in diesem Artikel), war von ganz anderem Charakter, "der läuft mit dem Rosenkranz in der Hand rum", sagten die Leute. Er heiratete Clotilde Rey, eine strenge, unnachgiebige Frau, die in Chambéry den Beruf der Volksschullehrerin erlernt hatte. In Barbaresco wurde sie nur Madame genannt - allein den engsten Verwandten war die Koseform Tildin bekannt. Sie wusste genau, was gute Qualität und gute Arbeit bedeuteten und übernahm sogleich im familieneigenen Gasthaus Osteria del Valpore und im Weinkeller das Regiment. (...) Als Angelo Gaja 1961 seine Arbeit in dem Betrieb aufnahm, war er in der beneidenswerten Situation, bereits über einen in Italien berühmten Namen und 33 Hektar ausgezeichneter Barbaresco-Weingärten zu verfügen. (...)"

Noch detailliertere Informationen findet man im Buch "Sori San Lorenzo - Die Entstehung eines großen Weins" von Edward Steinberg, das 1996 von Slow Food herausgebracht wurde.

  

Der Barbaresco Sorì San Lorenzo ist regelmäßig geprägt von Kraft, Muskeln und Potential. Dies gilt auch für den 89er !! Ein unglaublich junger Wein, mit dunklem Kern steht er im Glas. Die tiefe Frucht ist geprägt von sehr dunklen Fruchtaromen, Wacholderbeeren und grüner Banane. Auch am Gaumen ist er kraftvoll, mit schönem, runden Mundgefühl, eher dunkler Frucht, guter Säure und schöner Tanninstruktur; gute Länge. Im Vergleich zu allen anderen Nicht-Gaja-Barolo/Barbarescoweinen an diesem Abend wirkte er sehr sooo jung, aber auch ein wenig zu glatt. Aber ich möchte dem Wein nicht Unrecht tun, daher die weit gefaßte (90-93 Punkte) Bewertung, obwohl ich glaube, dass man Schwierigkeiten haben wird - ihn blind verkostet - klar dem Piemont zuzuordnen. Muss nachverkostet werden.  

Freitag, 21.11.2008

1990 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa - Piemont

96 Punkte - Und da war wieder so eine süchtig machende Flasche. Für diese Sorte von Wein benötigt man jedoch Zeit, um sie zu zelebrieren und zu verstehen - dies ist kein Wein für den schnellen Genuß.

Zu Beginn im Glas (Flasche wurde mehrere Stunden vorher geöffnet) überraschend gereiftes Bukett von Rosen, Fleischbrühe und Liebstöckel, dass im Glas jedoch ausbaut und immer jünger (!) wird. Dann dunkle Fruchtnoten, etwas rauchig, Unterholz und ein Hauch Schokolade.  Am Gaumen ein unglaublich vielschichtiger Wein, mit Substanz und Tiefe. Mittelgewichtig, mit dunklen Waldfruchtaromen, erinnert an feinste Pralinen, ein Hauch malzige Süße. Wird immer  feiner und differnzierter, bestens definiert (tolle Tanninstruktur), mit lebendiger Säure und hoher Eleganz.

Donnerstag, 20.11.2008

2001 Diana Madeline, Cullen Wines - Australien


85 Punkte - Wein benötigt etwas Luft um sich zu entfalten, kühler Stil, kräftige Säure, dunkle Frucht, recht fester, aber eher schlanker Körper, keineswegs australisch fett, reife, aber kräftige Tannine, die Frucht wirkt am Gaumen ebenfalls dunkelbeerig, angenehmer Saft, ein Hauch würzig, ein Hauch Kaffee, insgesamt eine sehr stimmige und ausgewogene Cabernet/Merlot-Cuvee, aber irgendwie uninspiriert und in der Mitte mit aromatischem Löchlein. Für eine höhere Punktzahl fehlt es an Komplexität und aromatischer Länge. Für deutlich über Euro 30,- aber zu wenig Genuss. Austrinken.

Dienstag, 18.11.2008

1988 Barolo Falletto di Serralunga, Bruno Giacosa - Piemont


91 Punkte - Zu Beginn etwas stallige Noten in der Nase, dann ins kräutrige  wechselnd. Am Gaumen recht schlank; eher burgundischer Stil. Positiv ausgedrückt ein "Leise-Treter", der durchaus über eine komplexe Aromenstruktur und eine subtile Art verfügt. Angenehme Länge im Abgang. Sollte jetzt oder in den nächsten 2-4 Jahren getrunken werden.

Freitag, 14.11.2008

1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno - Piemont


94 Punkte - Die Lage Bricco Cicala ist eine muldenförmige, windgeschützte Lage im oberen Teil des Tals von Bussia Soprana. Dieser Wein wird nur in guten Jahren erzeugt, ansonsten sind auch diese Trauben Bestandteil des "Standardbarolos" Bussia Soprana. Die Böden sind karg und der hier erzeugte Barollo gilt als besonders langlebig.

Der 89er Cicala strömt dunkel ins Glas - wirkt dicht und jung. Aufregend frisch betört er die Nasenschleimhäute. Am Gaumen sehr klar, tief und aromatisch. Auffallend schön sind die reichlich vorhandenen, ausgereiften Tannine, die dem Wein ein hervorragende Struktur geben. Feine Fruchtsüße, gepaart mit einer perfekt balancierten Säure; viel innere Harmonie und Eleganz lassen diesen Barolo zu einem Trinkerlebnis werden. Wie schon beim "einfachen" Barolo Bussia Soprana überzeugt auch hier die für den Erzeuger so typische Klarheit und Reinheit dieses Barolos. Fazit: pure Barolo!!

1989 Barolo, Bartolo Mascarello - Piemont


93 Punkte - Im direkten Vergleich zum 88er getrunken - es zeigt sich einmal mehr, welchen Einfluß die Jahrgänge haben können. War der 88er eher ein wenig vorzeitig gealtert, so zeigt der 89er Barolo, was es heißt ein stolzer Nebbiolo zu sein:

In der Nase betörend reife rote Früchte, Teer und Anklänge an getrockente Kräuter und Blüten; am Gaumen frisch, präsent, mit schönem Schmelz und kräftigen, aber reifen und recht runden Tanninen. Schöner Grip am Gaumen, reichlich Frucht mit eher dunklen Fruchtaromen, etwas Kohle und dunkler, herber Kakao. Das ganze ist unterlegt mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Fruchtsüße, sodass sich ein sehr harmonischer und sehr ausgewogener Gesamteindruck entwickelt.

Donnerstag, 13.11.2008

1988 Barolo, Bartolo Mascarello - Piemont


85 Punkte - Der leider inzwischen verstorbene Bartolo Mascarello war ein politischer Mensch, nicht zuletzt seine offen artikulierte Abneigung gegen Berlusconi weit und breit bekannt. So klar wie seine politische Meinung waren auch seine Barolos. Gewinnmaximierung mit dem Ausbau von einzelen Cru-Lagen hat er genauso abgelehnt, wie den Einsatz von barriques. Er erzeugte stets nur einen Barolo, eine Assemblage von Trauben vier verschiedener Parzellen, drei davon stammen aus der großen Lage Cannubi. In der Regel kam sein Barolo ungefiltert auf die Flasche und bei der Füllung richtete er sich nach dem Mondkalender. Bei Barolotrinkern und -sammlern sind bis heute seine handgemalten, "naiven" Etiketten besonders beliebt.



Auch wenn ich seine Barolos sehr mag, muss man beim 88er ehrlich zugeben, dass er ein wenig vorschnell gealtert ist. In der Nase Maggi (Liebstöckel) satt, Anklänge an Fleischbrühe und Teer; am Gaumen wieder jünger wirkend, mit noch erkennbarer Frucht, aber die Tannine wirken etwas unruhig und dem Wein fehlt es an Harmonie.

1988 Bussia Soprana, Aldo Conterno - Piemont


91 Punkte - Die 88er Ausgabe von Aldo Conternos "Einstiegsbarolo" gefällt mir einen Tick besser als der 85er. In der Nase zwar sehr verhalten, zeigt er am Gaumen eine hervorragende Klarheit. Er wirkt - auch dank der straffen Säure - sehr frisch, fast noch jugendlich; mittlerer Körper; am Gaumen sehr rein und klar; mit innerer Harmonie, im positiven Sinne "unspektakulär"; für mich ein klassischer Barolo, der zum Essen getrunken werden sollte, vielleicht auch zwischen zwei Gängen, da die Zunge durch das Tannin "auf Null" gesetzt wird, sodass der nächste Gang aromatisch nicht vom letzten beeinflußt wird.

1982 Barolo Cottina Rionda Riserva, Bruno Giacosa - Piemont


98 Punkte - Was für ein traumhafter Wein !! Dieser Barolo vereint große Harmonie und Eleganz mit einer inneren Spannung und - für das Alter - großen Frische, die nur ganz, ganz, ganz wenige Weine dieser Welt vorweisen können. Jemand am Tisch sprach von einem erhabenen Wein -  das ist mir vielleicht ein wenig zu pathetisch, aber großer Stoff ist das allemal. Die Aromatik in Nase und Mund ist unglaublich tief, komplex und fein und alle Versuche einer verbalen Beschreibungen sind irgendwie zu kurz gefasst, aber die ganz feine Süße, die perfekt reife Säure und die edlen, ausgewogenen Tannine möchte ich gerne herausstellen. Die Aromatik bezeichne ich persönlich als klassisch:  Noten von (welken) Rosen, Teer, roten Früchten,  sowie feuchter Erde, etherischen Anklängen und Trüffel. Und nochmals die Tiefe, Komplexität  und die Finesse - bis weit rein in den laaaaangen Abgang - sind total beeindruckend.

  

Einen Barolo aus der Lage Vigna Rionda hat Bruno Giacosa zuletzt im Jahr 1993 vinifiziert. Da Bruno Giacosa erst Mitte der 80er Jahre (1984) damit begonnen hat, eigene Weinberge zu kaufen, stammen sämtliche Weine vorher aus zugekauften Trauben. Einen perfekten Überblick über alle erzeugten Weine und Qualitätsstufen (weißes/rotes Etikett) findet man auf folgender Seite:


http://networks.ecse.rpi.edu/~vastola/wine/giacosa/barolo/index.html

Freitag, 07.11.2008

1982 Barolo Monprivato, Giuseppe Mascarello - Piemont


90 Punkte - Mauro Mascarello hat den Betrieb von seinem Vater 1967 übernommen. Im Jahr 1970 kam die erste reine Lagenabfüllung auf die Flasche. In diesen Jahren schlugen die Revoluzzergedanken von Mauro auch auf die Weinbereitung durch und so mussten  die Weine in der ersten Hälfte der 70er Jahre mit einer Maischestandzeit von nur fünf bis sechs Tagen auskommen. Dieses Methode wurde jedoch wieder verworfen und so sind seine Weine heute Leuchttürme klassisch erzeugter Barolos: drei bis vier Wochen temperaturkontrollierte Gärung und Mazeration mit untergetauchtem Tresterhut sowie  langsamer Milchsäurevergärung bis weit in den nächsten Sommer hinein.

Die Lage Monprivato in der Gemeinde Castiglione Falleto ist fest mit der Familie Mascarello verbunden. Mauros Großvater Maurizio kaufte bereits im Jahr 1904 in Monprivato Land und ein Bauernhaus. Renato Ratti stufte in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Lage in seiner bis heute richtungsweisenden "Carta del Barolo"  in die allerhöchste Qualitätsstufe ein. Der Boden besteht aus grau-weißem Kalkmergel mit hohen Spurenanteilen von Bor, Eisen und Mangan. Als Ergebnis bringt er so klar terroirdominierte Baroli hervor.

 

Der 1982er Monprivato ist unglublich eigenständig in seiner Aromatik. Schon in der Nase überstrahlt der Duft von Walnüssen alle anderen Aromen und auch am Gaumen ist die Walnuß nicht zu "überschmecken". Die Nase ist deutlich geprägt von Tertiäraromen, leicht süß und animalisch. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort; der Wein wirkt sehr balsamisch, deutliche Walnussaromatik, süßer Sherry, aber eben auch mit excellenter Konzentration ausgestattet. Selten war ich mir in der "Benotung" eines Weines so unsicher; einerseits deutliche Alterungsnoten, die ausgeprägte Nussigkeit und die oxidative Veranlagung. Anderserseits machte mir dieser Wein Spaß, meine Neugier wurde mit jedem Schluck weiter herausgefordert und die (morbide) Süße gefiel mir durchaus. Ich war hin und her gerissen zwischen 88 und 93 Punkten; letztlich habe ich 90 gegeben, kann aber jeden verstehen, der diesen Wein ablehnt, aber genauso kann ich denjenigen verstehen, der sagt: wow, was für ein singuläres Erlebnis.

1985 Bussia Soprana, Aldo Conterno - Piemont


90 Punkte - Aldo Conternos Weinbergbesitz liegt eng beieinander; seine Weinstöcke stehen überwiegend in den Lagen Bussia Soprana, Bricco Cicala und Colonello. Die Straße von Bussia Soprana nach Pianpolvere markiert die Grenze zwischen diesem Weinberg und den davon nördlich gelegenen Grand Cru Lagen Bricco Cicala und Colonnello.

 

Bussia Soprana ist die Basisqualität von Aldo Conterno, für mich sind diese Weine nie spektakulär, aber stets sehr gut. Aldo Conternos Bussia überzeugt mich stets mit seiner Geradlinigkeit und Klarheit. Ohne Schnörkerl, auf das Wesentliche des Nebbiolo konzentriert.

Die Langlebigkeit seiner Weine zeigt sich auch beim Bussia 85. In der Nase hatte ich zu Beginn ein kleiner Ton von Sauerkraut, aber der verfliegt schnell und dann kommen die Aromen von Rosen, Teer, Kirsch und getrockenten Kräutern durch - ein feiner und eleganter Nasenbär! Am Gaumen kann er die Klasse nicht ganz halten, mittlerer Körper, von der Aromatik rein und klar, klassischer Nebbiolo, etwas roter Tee, Trockenkräuter, ein Hauch Kirche. Durchaus kräftige Säure, die ihn einerseits noch etwas schlanker erscheinen läßt, andererseits den frischen Eindruck unterstützt.

Mittwoch, 05.11.2008

1978 Barbaresco Santo Stefano Riserva Speciale, Bruno Giacosa - Piemont


99/100 Punkte - Dieser Wein war für mich nicht nur DER Gewinner in dieser hochkarätigen Piemontprobe, sozusagen primus inter pares; nein ! Dieser Wein gehört für mich zu der Hand voll Weine, die den Weinhimmel bedeuten. Diese Weine sind so schön und ergreifend, dass man es kaum fassen kann. Sie nehmen einen mit auf eine Reise, die so unglaublich beeindruckend ist, dass man Raum und Zeit ausblendet. Für diesen Typus Wein finde ich schwer Worte, denn sie sind komplex und harmonisch, dass man es eigentlich nicht beschreiben kann. (An dieser Stelle sollte jedoch erwähnt werden, dass die Flasche aus einem perfekten Keller stammte, dort über viele, viele Jahre lag und ihr nicht das Los sonst eher üblicher "Wanderpokale" beschieden war.)


Für einen 30 Jahre alten Nebbiolo offenbart schon die große Dichte und die dunkle Farbe im Kern die erste Überraschung. Die Nase wirkt immer noch sehr jung; mit kräutrig-balsamischen Noten,  feinstem Marzipan, dezenter Malzigkeit, ein wenig Waldboden (erdig) und  Anklänge an rote Früchte. Einmal im Mund angekommen nimmt man nur Harmonie war, hier sind eine hoch komplexe Aromatik, ein mittelgewichtiger Körper, eine perfekt reife Säure sowie superfeine Tannine auf das Beste miteinander vermählt. Diesen Wein kann man eigentlich nur als großes Kunstwerk beschreiben. Kein Picasso, kein Kandinsky, ich würde ihn am ehesten mit einem Gemälde von Claude Monet vergleichen, Tausende von einzelenen Strichen, die ein großes Kunstwerk definieren, das Schönheit, Licht und Melancholie in sich verbindet.

1978 Barbaresco, Angelo Gaja - Piemont


91 Punkte - Aus einem ganz großen Nebbiolojahrgang stammt dieser Barbaresco von Angelo Gaja. Vielleicht ist dieser Wein ein Hinweis für die potentielle Entwicklung der später in der Probe folgenden Jahrgänge 1989 und 1990 des Einzellagen-Barbaresco Sori San Lorenzo.


In der Nase zeigt der "einfache" Barbarsco von Gaja ein deutliche Reife: da finden sich schon deutliche Noten von Liebstöckel, Fleischbrühe, Leder und feuchtem Unterholz. Am Gaumen überrascht er dann mit einer erstaunlich tiefen Aromatik, die eher auf einen jüngeren Jahrgang hindeutet. Antonio Galloni hat eine für mich 100% passende Beschreibung in 2006 zu diesem Wein abgeliefert:


Dark red. Gaja’s 1978 Barbaresco is a study in contrasts. The nose suggests a mature wine, with aromas of leather and cocoa dominating, although on the palate the wine shows generous amounts of dark fruit in a concentrated style with much persistence, length and the structure of the vintage. My impression is of a beautiful wine that lacks the balance to be a truly great wine. 92/drink now-, 02/06

Dienstag, 04.11.2008

1985 Barolo Bricotto Bussia, Domenico Clerico - Piemont


Hier bin ich mir nicht sicher, aus welcher der beiden Bussia Lagen (wird aber weiter recheriert, habe momentan leider meine gesamte Literarur nicht greifbar) dieser Wein strammt. Beide Lagen (Bussia Soprana und Bussia Sottana) gehören zur Gemeinde Monforte und für beide wird die Abkürzung Bussia verwendet, aber die Konfusion darüber herrscht nicht nur bei mir. Auch die alte Strasse, die früher beide Lagen verband, trug den Namen "Bussia" und so ist es auch nicht verwunderlich, dass bis heute dieser Name mannigfaltig (und somit die Sinne verwirrend) verwendet wird.


89 Punkte - Die Nase ist nicht ganz einfach zu erfassen, da findet man Noten von Teer, Blut, Kleber und herben Kräutern. Im Kern sehr dunkel; mit festen Tanninen ausgestattet; mir  bereitet dieser Barolo  durchaus Freude, denn auch vom Geschmack wirkt er eher maskulin und kräutrig; mittelgewichtig. Für etwas Aufhellung sorgt eine Frucht, die an rote Früchte und Hagebutten erinnert.  Angenehme Länge.

1985 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico - Piemont


Die Lage Ginestra gehört zu den großen, klassischen Lagen im Piemont. Bereits Lorenzo Fantini hat in seiner Gesamtdarstellung des Weinbaus in der Provinz Cuneo "Monografia sulla viticoltura ed enologia nella provincia di Cuneo" Ende des 19. Jahrhunderts die Lage Ginestra (neben Bussia und Pugnane) als Bereich der Gemeinde Monforte mit Barolo höchster Qualität beschrieben (vgl. C.Petrini: Barolo + Barbaresco - Atlas der Lagen, Weine und Produzenten, Hallwag 2000). Neben Domenico Clerico produzieren  u.a. Paolo Conterno "Barolo Ginestra", Conterno Fantino "Barolo Sori Ginestra" und Elio Grasso "Barolo Ginestra Vigna Casa Maté" Weine aus dieser Lage.
 

92 Punkte - In der Nase etwas Liebstöckel, zunächst auch ein wenig dumpf, jedoch klärt sich dies mit zunehmender Luft im Glas. Intensive Aromen von Unterholz  und Teer. Am Gaumen körperreich, immer noch sehr fest, klassischer Baroloeindruck, gute Struktur; im Mund sehr lebendig und mit guter Länge

Montag, 03.11.2008

1983 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico - Piemont


Domenico Clerico ist einer der Pioniere und Erneuerer der piemonteser Weine zu Beginn der 80er Jahre. 1983 war nicht nur das Ursprungsjahr unseres Barolos, sondern  auch der Jungfernjahrgang vom ARTE, einem zunächst reinsortigen Nebbiolo, der im Keller deutlich kürzere Mazerationzeiten durchlebte als klassischer Barolo und der im barrique ausgebaut wurde -  mit der Folge, dass er früher trinkreif, weicher und runder war. Bereits kurze Zeit später wurde daraus eine Cuvee aus Nebbiolo und einem kleinen Anteil Barbera.

Unser 1983 Barolo Ciabot Mentin Ginestra stammt somit gleichfalls aus der experimentellen Zeit von Domenico Clerico. Der 83er  ist erst sein vierter Jahrgang, nachdem er 1977 auf das elterliche Weingut zurückgekehrt ist, weil sein Vater schwer erkrankt war. Auch wenn der Ginestra damals nicht aus dem barrique, sondern aus kleinen, 7 Hektoliter fassenden Fässern aus franz. Eiche stammt, so war der "neue" Weinstil (kleines Holz und eine kürzere Mazeration) höchst umstritten und man prophezeite ihm, dass die Weine nicht langlebig genug sein werden. Wir konnten nun die Probe aufs Exempel machen:

87 Punkte - In der Nase Rosenblätter, leicht vegetabil; am Gaumen wirkt er jünger: noch recht straffe Tannine, roter Früchtetee, leicht ätherische Noten, mittlerer Körper, vom Mundgefühl schon recht schlank, hinten heraus fehlt etwas die Länge. Trotzdem ist das für diesen Jahrgang ein immer noch beachtliches Ergebnis.

Sonntag, 02.11.2008

BAROLO / BARBARSCO - Ein Weinabend und dem Himmel ganz nah


So wie das bei Weinfreunden so ist….. vor ein paar Monaten habe ich bei einer Weinprobe in Engelskirchen Oliver kennen gelernt. Man unterhielt sich, man nippte, trank und philosophierte über die Vorzüge dieses und jenes Weines. Da gemeinsames Weinerleben einfach mehr Spaß macht, fliegt die Zeit schnell vorbei und am Ende findet man es häufig schade, dass man nicht mehr Zeit hat, die begonnen Gespräche zu vertiefen. So freute ich mich auch sehr, als  Oliver fragte, ob ich Lust habe, bei einer von ihm organisierten großen Baroloprobe dabei zu sein. Da ich nicht nur die Weine des Piemont, sondern auch Land und Leute besonders liebe, und ich dieses Jahr leider nicht im November dort, im heiligen Trüffelland sein kann, stieg die Vorfreude auf diese Probe Woche um Woche, je näher sie kam.

 

Gestern am 01.11.2008 war es dann soweit, ich sattelte die Hühner und flog von Düsseldorf nach Hünstetten zu Rosis Restaurant (als ich den Namen hörte, befürchtete ich schon nach Bayern fahren zu müssen, aber dieses Dorf liegt bei Wiesbaden und nicht in der Heimat der Spider Murphy Gang). Quartier bezog ich in Bad Camberg in einem Hotel namens „Taunus Residence“, denn in Hünstetten gab es laut Internet keine Bleibe für eine Nacht. Letztlich blieb es mir verschlossen, was dieses Hotel (wohl gebaut um das Gründungsdatum der Spider Murphy Gang) mit einer Residence zu tun hat; höchstens die hellblauen, total ausgefransten Handtücher könnten noch aus der Zeit der Grafen und Adelsmänner stammen ;-)) Beim Einchecken dann das:

 

Junges Mädchen (JM) an der Rezeption: Hallo und herzlich willkommen !!

 

Ich: Hallo, ich habe reserviert für eine Nacht, mein Name ist Quentel.

 

JM: Hier, bitte ihr Schlüssel! Zimmer Nr. 135.

 

Ich: Ist das ein Nichtraucherzimmer ??

 

JM: Hähhh (erinnerte mich irgendwie an den am Abend vorher im Kino gesehen Film: „Sch’tis“ (hervorragende Komödie ;-))

 

Ich: Ich hätte gerne ein Nichtraucherzimmer.

 

JM: Das ist ein Problem.

 

Ich: Och nö, gibt es kein einziges Nichtraucherzimmer mehr ??

 

JM: Wir sind ein Nichtraucherhotel. Wenn Sie rauchen möchten, müssen bitte vor die Tür gehen.

 

Ich: Ach so, ja dann ist alles gut, können Sie mir bitte noch ein Taxi bestellen ??

 

JM: Ja, gerne.

 

Im Nichtraucherzimmer (ob auch Fußpilz-frei wage ich zu bezweifeln) angekommen, trennten mich lt. meiner Auto-Navigation noch 6,8km vom Verkostungsglück, aber meine Geduld sollte noch einmal auf die Probe gestellt werden. Eigentlich lag ich gut in der Zeit, die Uhr zeigte 17.15 Uhr und der Probenbeginn war für 18.00 Uhr angesetzt. Doch das Taxi benötigte dann ca. 30 Minuten, um vom Ortskern dieser Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern zum Bahnhof zu kommen. Im Taxi eingestiegen hatte ich dann folgendes Gespräch mit dem „dynamischen“ Taxifahrer (dTF):

 

Ich: Bitte nach Hünstetten, kennen Sie Rosis Restaurant ??

 

dTF: Ne, aber ich kenne Hünstetten.

 

Ich: Na, das ist ja schon mal was (ich suche in der Hosentasche nach meinem Zettel mit der Adresse)

 

dTF: Ich fahre dann mal los!

 

Ich: Ja, bitte - Richtung Hünstetten ??

 

dTF: ja!!

 

Ich - Am Birnbusch 17 verkünde ich (nicht ohne Stolz, da ich zum ersten Mal in der Region bin und mehr weiß als der Taxifahrer).

 

dTF: Hmm, weiß nicht wo das ist.

 

Pause, Pause, längere Pause

 

Ich: Navi haben Sie keins – oder ??

 

dTF: Nee

 

Pause, Pause, längere Pause

 

Ich: Haben Sie vielleicht Funk und können die Zentrale anrufen ???

 

dTF: Kann ich machen (und wählt an seinem Handy mit Freisprechanlage)

 

Frau vom Funk: Hähhh (ich glaube, ich bin doch in Nordfrankreich bei den Sch’tis)

 

dTF: Kennscht Du Rosis Restaurant, kannst Du mir sache, wo das isch ??

 

Frau vom Funk: erzählt etwas und ich verstehe kein Wort, aber letztlich komme ich  pünktlich zu meiner Baroloprobe. Und was habe ich daraus gelernt ??

 

„Mir Städter sind einfach zu hektisch“!!!

 

 

Doch nun zum Wesentlichen:

 

Die Runde bestand aus 14 Weinliebhabern (13 Männern und einer Dame) und – wie es unter Weinfreunden üblich ist - alle gleich per „Du“. Ich genieße diese Unkompliziertheit und das Unprätentiöse immer sehr. Zwölf der Anwesenden hatte ich vorher noch nie gesehen, obgleich mir die meisten Namen aus diversen Weinforen bereits mehr oder weniger geläufig waren. 

Oliver hatte die Probenreihenfolge im Team bereits vorher festgelegt und nachdem auch das Essen (bodenständige Küche, die ihre 15 Punkte im Gault Milleau an diesem Abend voll ausspielte) mit dem Küchenteam zeitlich bestens koordiniert war, stand ca. 18.30 Uhr der 1.Flight auf dem Tisch. Nachfolgend sind alle Weine des Abends aufgelistet, die detaillierten Notizen folgen –jeweils einzeln – in den nächsten Tagen…

 

 

  1. Flight:

 

·         1983 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico

·         1985 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico

·         1985 Barolo Bricotto Bussia, Domenico Clerico

 

  1. Flight:

 

·         1978 Barbaresco, Angelo Gaja

·         1978 Barbaresco Santo Stefano Riserva, Bruno Giacosa

·         1967 Barolo, Marchesi di Barolo (leider Kork)

 

  1. Flight:

 

·         1985 Barolo Bussia Soprana, Aldo Conterno

·         1982 Barolo Monprivato, Giuseppe Mascarello

·         1982 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa

 

  1. Flight:

 

·         1988 Barolo Bussia Soprana, Aldo Conterno    

·         1988 Barolo, Bartolo Mascarello

·         1989 Barolo, Bartolo Mascarello

 

  1. Flight:

 

·         1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno

·         1988 Barolo Falletto di Serralunga, Bruno Giacosa

·         1990 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa

 

  1. Flight:

 

·         1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo Gaja

·         1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo Gaja

 

  1. Flight:

 

·         1993 Barolo Collina Rionda, Bruno Giacosa

·         1993 Barolo, Bartolo Mascarello

·         1993 Barbaresco Sori Tildin, Angelo Gaja

 

 

- ENDE und im 7. Weinhimmel angekommen -

 

 

Freitag, 31.10.2008

1995, 1999, 2000, 2001 Asinone, Poliziano - Toskana


Der 1985 erstmals gefüllte Einzellagenwein von Federico Carletti, Chef der Az.Agr. Poliziano  ist für mich seit vielen Jahren der Referenzwein in Sachen Vino Nobile di Montepulciano. Zwar gibt es jedes Jahr Weine von anderen Winzern, die noch eine Nuance besser sind, aber über die Jahre hinweg gibt es keinen zweiten Erzeuger, der Jahr für Jahr eine solche Klasse auf die Flasche bringt. Der Wein besteht - wie alle Vino Nobile di Montepulciano - vorwiegend aus Prugnolo Gentile Trauben (besonderer Sangiovese-Klon) und geringen, schwankenden Anteilen von Canaiolo und Mammolo.


1999 - 88 Punkte; In diesem Vierer-Flight für mich der schwächste Jahrgang. Die Nase präsentiert sich fest, mit dunklen, fast herben Fruchtnoten, am Gaumen fest, deutliche Adstringenz, Leder, ebenfalls dunkel und die für den Asinone so typische Graphit- oder Bleistiftnote. Mittlerer Körper und schöne Säure; die Tannine wirken immer noch sehr fest, aber der Wein wird sich nicht mehr verbessern; sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.


1995 - 90 Punkte;  Hier zeigt sich mal wieder, dass der 95er Jahrgang in der Toskana ein Strukturjahrgang war. Der Wein überzeugt mit seiner festen Art, die Tannine sind immer noch deutlich, aber inzwischen gut integriert. In der Nase dunkel, feuchtes Herbstlaub, Waldboden und dunkle Frucht, etwas etherisch. Am Gaumen viel Struktur, aber auch eine recht komplexe, dunkle Aromatik, Graphit, wirkt durchaus mineralisch, mit noch immer schöner Frische. Angenehme Länge. Keine weiteren Reserven, aber sicherlich noch sehr gut in den nächsten 2-4 Jahren auf diesem Niveau zu trinken.


2000 - 92 Punkte;  Hervorragender Stoff und jetzt perfekt (!!) zu trinken. Eigentlich gilt das Milleniumjahr in der Toskana nicht als wirklich großes Jahr, doch - wie viele seiner Brüder - zeigt sich auch der Asinone gerade jetzt von seiner schönsten Seite. In der Nase etwas stoffiger und weicher als die beiden Jahrgänge zuvor. Glockenklarer Vino Nobile und als Sangiovese in bestechender Form - klassisch, strukturbetont, mit schönem Säuregerüst und lebendiger Frucht. Die Frucht ist geprägt von dunklen Noten, Leder, Gewürzen, Graphit  und einer wirklich schönen Tiefe. Die Tannine sind etwas weicher als beim 95er und 99er, aber trotzdem strukturgebend; befindet sich in einem sehr gutem Gleichgewicht, wirkt äußerst harmonisch.  Jetzt - wie bereits gesagt - in bester Verfasung, aber sicherlich sehr gut auch in den nächsten 2-3 Jahren,  danach wird es spannend.


2001 - 92 Punkte; Ebenfalls ein wirklich gelungener Vino Nobile, auch wenn ich aktuell den 2000er auf Grund seines Charmes einen Tick vorziehe. Beeindruckend ist Jahr für Jahr der Charakter und die Typizität dieses Weines - da gibt es keinen größeren Stilbruch, keine Anbiederung an den mainstream-Geschmack. Der 2001er Jahrgang vom Asinone ist ziemlich komplett, d.h. er hat eine ansprechende Fruchttiefe; eine gute Struktur; ausgereifte, aber deutliche Tannine,eine kräftige, aber sehr gut eingebaute Säure und somit eine innere Stimmigkeit, die ihn genußreich die Kehle runter laufen läßt. Wie in jedem Jahrgang findet sich auch in diesem die Bleistiftnote und das obligatorische Leder wieder. Zusammenfassend möchte ich noch anmerken, dass der Asinoe für mich ein perfekter Essensbegleiter ist, der zwar auch allein getrunken werden kann, aber seine volle Schönheit beim Essen zeigt, denn ich kann mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen die Tannine und die Säure sonst zu sehr zu schaffen machen.

Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird diesen Wein stets belüften. Wenn es etwas schneller gehen soll, kann man ihn auch sehr gut in die Karaffe (ca. 1 Std.) geben. Allerdings empfehle ich, schon nach dem Öffnen direkt mal einen Schluck zu nehmen.... große Unterschiede gibt es vor allem in der Wahrnehmung der Tannine..... Selbstversuch lohnt... :-))

Montag, 20.10.2008

2003 Jannin Spätburgunder, Duijn - Baden


90 Punkte- Seit 2005 schlummerte dieser Wein in meinem Keller und ich glaube, dass er jetzt sein optimales Trinkfenster erreicht hat. Jannin ist der Zweitwein - nach dem SD - von Jacob Duijn, bennant nach seiner Tochter.


Die 2003er Ausgabe zeigt eine herrliche Nase nach Kakaobohnen, feinem Kaffee und dunklen Beeren; aber auch Aromen von Minze, frischem Stroh und Bergkräutern. Für mich ist Jacob Duijn ein Meister des Holzeinsatzes!! Gerade auch beim sonnenverwöhnten 2003er Jahrgang bildet das Holz (barrique) ein aromatisches Gerüst, auf dem dieser Spätburgunder aufbaut. Mir gefällt die sehr saftige Frucht von dunkelroten bis schwarzen Früchten, die kräutrige Mineralik und die animierende Strukur von reifen und runden Tanninen, die diesen Spätburgunder prägen. Die Röstaromen (vorwiegend Kakao und Kaffee) finden sich auch im Mund wieder, stören jedoch nicht, sondern bereichern die Aromatik. Jannin 2003 wird  keinen 1. Platz beim Eleganz-award gewinnen, aber mir macht  der uneigene Charakter, die durchaus vorhanden aromatische Tiefe und Mineraik sowie die "dunkle Seite" viel Freude und ich genieße in großen Schlücken. Für mich ist das eine wirklich gelungene Interpretation des 03er Jahrgangs, man spürt einerseits die Sonne, die Reife der Beeren, auf der anderen Seite ist genug Substanz und Struktur da, sodas der Wein nicht banal oder überreif wirkt.

Einzig die Preisgestaltung macht bei jüngeren Jahrgängen immer weniger Freude: Jannin kostet inzwischen an die Euro 30 pro Flasche und der große Bruder "SD" ist für unter Euro 50 kaum zu haben.


Das Etikett zeigt die 2002er Ausgabe von der Webpage des Weingutes (http://www.weingut-duijn.com)

Sonntag, 19.10.2008

1998 CASASILIA, Poggio al Sole - Toskana


93 Punkte - 10 years after und keine bißchen müde!! Ein herrlicher Tropfen, der durch seine Frische, seine Frucht und seine hervorragende Tanninstruktur überzeugt - ein moderner, aber mustergültiger Chianti Classico.


Die Nase wirkt sehr frisch, mit toller Knubberkirsch-Aromatik, Wald-(boden) und einem Hauch von edlem Tabak; insgesamt sehr animierend. Am Gaumen bestätigt sich das Bild: Kaum fassbare Frische für einen 10 Jahre alten Chianti; perfekte Säurestruktur und hochwertige, griffige Tannine. Das ist die Basis für eine tiefe und reiche Fruchtaromatik, die mit Anklängen von Knubberkirschen (herrlich knackig),  Lakritz und erdig wirkenden Aromen mich voll überzeugt. Dieser Chianti Classico hat einen vollen Körper, 14%Alkohol (die perfekt verpackt sind), eine wirklich perfekte Säure und eine runde, aber mit viel Struktur durchzogene Art, die mich begeistert und die meine Hand ständig zum Glas gehen läßt.

Leider hatte ich aus diesem Jahrgang nur eine Flasche;der Wein ist jetzt sicherlich am Beginn seiner perfekten Trinkreife, die er sicherlich die nächsten 2,3 Jahre beibehalten wird, um danach weitere 1,2 Jahre auch noch mit viel Genuß trinkbar zu sein.


Das Bild zeigt den 97er Jahrgang, den ich seit langem nicht mehr verkostet habe und noch in meinem Keller liegt.



Bleibt eigentlich nur nachzutragen, dass der Winzer/Eigentümer eigentlich Schweizer ist, und Johannes (Giovanni) Davaz heißt. Wer sich ein Bild vor Ort machen möchte, sollte dies unbedingt tun. Das Weingut verfügt über richtig schöne, regional typisch eingerichtete Ferienwohnungen und ist ein altertümliches Schätzchen. So schreibt z.B. der Gambero Rosso  in seiner 99er Ausgabe, dass Poggio al Sole zu den drei schönsten Weingütern im ganzen Chianti Classico gehört. Auf der webpage (www.poggioalsole.com) gibt man sich bescheidener und schreibt:


Poggio al Sole liegt im Herzen der Toscana, in der wunderschönen Landschaft zwischen Florenz und Siena. Noch genauer: Zwischen Tavarnelle Val di Pesa und Greve in Chianti. In den Archiven der nahegelegenen Abtei Badia a Passignano finden sich Dokumente, die besagen, dass auf diesem Gut bereits im 12. Jahrhundert Wein und Oliven angebaut wurden.


 

Sonntag, 12.10.2008

2007 Santorini, Domaine Sigalas - Griechenland


86 Punkte - Das Ergebnis meines Mövenpick Besuchs von vor 14 Tagen war, dass ich eine Flasche grichischen Weißweines  - als Empfehlung - mit nach Hause nahm. Da ich nahezu keine Trinkerfahrung mit griechischen Weine habe (außer ein paar, über die man besser schweigt) war ich schon ziemlich neugierig auf die Dinge, die da vor mir im Glas standen.


Doch zuvor wollte ich mehr erfahren, über den Produzenten und die Rebsorte "Asyrtiko". Im Zeitalter der totalen Information war es auch nicht schwer, denn  seitens des Erzeugers unterhält man eine recht schöne, informative  und umfangreiche Webpage (http://www.sigalas-wine.com).

Die Insel Santorini (gleichnamig zum Wein) gehört zu den Kykladen in der grichischen Ägais; der Boden ist geprägt durch Sand, vulkanische Asche und Bimsstein mit Magnesium und Eisenanteilen. Der extrem hohe Sandanteil hat - so kann man auf der webpage lesen - verhindert, dass die Reblaus sich verbreitet hat und so stehen wohl auch noch heute die Reben nicht auf amerikanischen Unterlagen. Gemäß Etikett sind die Rebstöcke des Weines vor mir älter als 40 Jahre, was für mich - in Kombintion mit dem vulkanischen Gestein - ein Grund für die schöne Mineralik ist.Die Rebsorte Asyrtiko hat auf der Insel einen Rebflächenanteil von ca. 70% und dominiert somit den lokalen Weinbau.


Der Wein ist von kräftiger, strohblonder Farbe, die Nase duftet intensiv nach grünen und gelben exotischen Früchten, ein Hauch von Honig und Kräutern schwingt mit. Am Gaumen zeigt  dieser Wein einen schönen Schmelz und intensiven Körper, prall gefüllt mit grünen und gelben Früchten (z.B. Birne und Apfel). Auffällig für einen Wein aus einer so südlichen Lage ist die frische Art, die kräftige Säure und vor allem auch die erkennbare Mineralik. Dies alles bildet einen Gegenpol für den ansonsten recht barocken Weißwein und so macht auch das zweite und dritte Glas noch Freude - man ist nicht zu schnell satt.

Mit ca. Euro 12,- ist dieser Weißwein nicht wirklich billig, aber auf der anderen Seite eine mir sehr willkommene Alternative, um aus den gewohnten Trinkgewohnheiten mal auszubrechen.  Zur Grüne-Bohne-Suppe mit Kartoffeln und Birnen eine gute Wahl für ein schönes Herbstessen.

Sonntag, 05.10.2008

Ein Samstag auf dem Düsseldorfer Markt / Mövenpick Weinland umgebaut


Ein herrlicher Herbstmorgen schaute mich an und stieß mich aus den Federn. "Komm, los, raus, heute mußt Du das pralle Leben geniessen!"  Noch etwas verschlafen raffte ich mich auf, um die Brötchen vom Bäcker nebenan zu holen. Doch bereits an der Haustür empfing mich dieser frische Morgen, eine Kombination aus kühler, klarer Luft und Sonnenstrahlen, die nicht mehr körperlich wärmen, aber mit ihrer Kraft alles durchbohren und die Seele aufhellen. Die Anspannungen der Woche, die Sorgen um die Finanzmarktkrise, um den Job, alles fiel ab, wie die Blätter vom Baum im Herbststurm. Das Erlebte dieser Woche war irgendwie nebensächlich - jetzt galt es tief zu atmen und die Augen zu schliessen. Es fiel schwer, wieder reinzugehen, doch aus meiner Tüte dufteten die noch warmen Brötchen und in mir stieg die Vorfreude auf das Glas Honig, das mir mein lieber Freund Ole  aus Frankreich mitgebracht hatte und das ich eigentlich nur zu einem besonderen Anlass öffnen wollte - aber man soll Geleheiten nutzen, wie sie kommen ;-))

Hmmm, Lavendelhonig, hmmm - nein nicht so ein Zeug, wie man es hier im Supermarkt zu kaufen bekommt, bei dem die Bienen allenfalls den Lavendel von Weitem gesehen haben, nein dieser Miel de Lavandes von Olivier David, Gisele und Pierre Cochet aus dem Beaujolais ist der Inbegriff eines duftenden Lavendelhains: eine Sinfonie in lilablau!

Kaffee, Honigbrötchen und einen Kuß zum Abschied (nein, ich wollte nicht mir in diesen abgrundhäßlichen Klotz von neuem Stadtteilzentrum Bilk, ein architektonisches Verbrechen - von innen und außen! - Wer so etwas plant, baut und finanziet oder auch seitens des Bauamtes genehmigt,   dem wünsche ich die Kretze an den Hals, denn ich habe selten etwas Uninspirierteres gesehen als diese kulturfreie Zone).

Ich fuhr lieber weiter und landete auf dem Markt. Wow, was für ein Füllhorn an Gerüchen, Farben und genussversprechenden Gaben die Natur so parat hält. Ich bin schon immer ein großer Fan von Märkten gewesen, aber zu dieser Jahrezeit sind sie einfach unschlagbar. Hier muss man zugreifen, kosten, riechen, schnuppern, anfassen, fühlen - einfach die Augen schliessen! Ich liess mich treiben, plauderte mit meiner Lieblingsblumenverkäuferin (sie sollte einen Orden bekommen für ihre Hingabe und Authentizität), grüßte die Frau vom Biometzger und freute mich über die riesen Auswahl an unterschiedlichen Kartoffeln. Mein Gott, was bekommen wir mittags in der Kantine immer für Kartoffelattrappen vorgesetzt und hier liegen sie in ihrer roten, gelben und braunen Herrlichkeit und ich entscheide mich heute doch noch zu kochen. Nichts Großes, aber Jahreszeitenküche soll es sein - ja, genau, ein gute Suppe, eine einfache, aber richtig schöne, von innen wärmende Suppe. Also gut, Speck, Bohnen, Birnen, Kartoffeln, Bohnenkraut  und Gemüsefonds (ja, ja, ich gebe es ja zu, so etwas kann man auch selber machen, aber es gibt ja inzwischen auch hochwertige Produkte ohne Aromen und Geschmacksverstärker - übrigens Lacroix-Fonds gehören trotz des hohen Preises nichtg dazu) gekauft und fertig ist die lecker-schmecker-Aromenküche. Halt, genau, dazu fehlt noch der richtige Tropfen: weiß soll er sein, aber ein filigraner Riesling passt da nicht, also ab zu Mövenpick Weinland und mal schauen......

 

Ja, hallo, was ist denn hier los?? Das Weinland Mövenpick in Düsseldorf präsentiert sich mit völlig neu gestalteten Räumlichkeiten in der Herzogstrasse 29-31.  Offen, licht und vor allem vernünftig klimatisiert präsentiert sich der neue Shop an alter Stelle. Das Team um Otmane Khairat ist ebenfalls das alte und so bekommt man - wie immer - eine vernünftige Beratung und freundlichen Service. Insbesondere die monatlichen Weinproben sind eine Klasse für sich. Hier werden - uns das ist nicht selbstverständlich - auch die großen Weine aufgezogen und so hat man eine vernünftige  Chance die teuren Flaschen zum kleinen, glasweisen Preis zu verkosten, bevor man erbarmunglos sein Geld in den "falschen" Stoff investiert. Ich freue mich schon sehr auf die anstehende Österreich-Verkostung Mitte Oktober.

  

Björn und "Otto" sind etwas im Stress, doch ich bekomme die Chance ein, zwei Wein zu probieren. Otto ruft, den hier mußt du probieren. Nach dem ersten Schluck frage ich mich, woher er weiß, was ich heute kochen möchte, denn dieser Wein passt wie der Igel aufs Kopfkissen..... ein Griche..... mehr dazu in der bald folgenden Einzelverkostungsnotiz.

Freitag, 03.10.2008

1993 Chateau Cos d' Estournel - Saint Estephe


87 Punkte - Irgendwie ein ambivalenter Wein, einerseits eine recht deliklate Nase, dunkel, würzig und mit erkennbarer Tiefe; auch auf der Zunge mit recht guter Struktur und sehniger Kraft, andererseits fehlt etwas der Charme. Angenehme Säure und dunkle Aromatik auf der Zunge, Rostbraten, etwas Lakritz. Letzten Endes muss man jedoch sagen, dass die ca. 40-60 Euro, die man für diesen Grand Cru Classe ausgeben muss, auch für deutlich kleineres Geld als Cru Bourgeois aus anderem Jahrgang bekommen.

Mittwoch, 24.09.2008

2004 Le Pergole Torte; Montevertine - Toskana


94 (88) Punkte - Geburtstagswein Nr.2 - Was für ein Pech, ich habe diesen Wein schon zweimal in seiner absoluten Jugend genossen und war unendlich begeistert, aber an diesem Abend hatte er beschlossen, sich zu verkriechen, sich einzuigeln, um für kein gutes Geld dieser Welt mehr aus sich  heraus zu kommen. Pergole Torte ist die Bastion der Individualisten und Genusstrinker in einer Zeit, wo häufig nur Konzentration, Power und Zungenkleister angesagt sind.


Dieser Wein war schon in seiner Jugend ein Ausbund an Feinheit, an Nuancenreichtum und großer Eleganz. Bitte nicht falsch verstehen, der Wein hat Struktur, Rückgrad und ein riesiges Potential, aber er ist eben kein vordergründiger Blender, der mit viel Alkohol, viel Konzentration beim ersten Schluck begeistert, dann aber den "Langeweiletod" stirbt. Dieser Wein ist spontan vergoren, in seiner Stilistik eher einem traditionellen Nebbiolo oder gar Pinot Noir gleich - eben ein Wein für Menschen, die sich einlassen wollen, die horchen, riechen, schmecken und nachfragen, kein Wein für Fast-Wine-Trinker!!!


Grundsätzlich gilt dieses Hohelied für alle "Torten" aus dem Hause Montevertine, aber nicht an diesem Abend. Er wollte und wollte nicht aus dem Knick kommen, getrunken haben wir ihn trotzdem und zum hervorragenden bistecca (800 Gramm T-Bone-Steak) im Saittavini in Düsseldorf war er trotzdem lecker. Die Struktur und die Anlagen waren erkennbar, aber schon die Frucht war - hmmm wie soll ich es sagen - rudimentär. Wer diesen Wein im Keller hat, sollte ihn da mindestens 2 weitere Jahre lassen und dann mal wieder ein Flasche verkosten, vielleicht dauert es auch noch länger, bis er aus dem Knick kommt, aber dann ist er mit Sicherheit ein Hochgenuss - für diesen Weine und diesen Jahrgang verbürge ich mich gegenüber allen Hedonisten dieser Welt!! Dann wieder mindestens 94 Punkte, an diesem Abend leider deutlich darunter, vielleicht bei 87,88 Punkten.

 

P.S.  Jedes Jahr ziert ein anderes Damenportrait des Künstlers Alberto Manfredi das Etikett dieses Weines. Wirklich sehenswert ist die kleine Galerie auf er homepage des Weingutes unter:

http://www.montevertine.it/ita_prodotti_vini_pergoletorte_artistiche.html


P.S.S. Winespectator und Parker könnten kaum unterschiedlicherer Meinung sein ...

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2001 Barolo Campé, La Spinetta - Piemont


94 Punkte - Am gestrigen Abend gab es etwas zu Feiern und so gönnten wir uns bei meinem Lieblingsitaliener in Düsseldorf (Saittavini) zwei schöne Flaschen. Giorgio Rivetti und seine Familie haben es innerhalb weniger Jahre geschafft, in den Olymp der modernen Nebbioloweine aufzusteigen. Die Geschichte des Hauese ist spannend nachzulesen unter http://www.la-spinetta.com/ 


Mitte der 90er Jahre begann man mit den großen Lagen-Weinen aus dem Barbaresco-Gebiet. Genial war seit Anbeginn die Wahl des Etiketts. Im Jahr 2000 folgte dann der erste Barolo, dessen Etikett diesmal kein Rhinozeros, sondern ein Löwe zierte. Für den Barolo hat man eine völlig neue Kellerei gebaut und Millionen investetiert. Der zweite Jahrgang stand nun vor mir im Glas, und ich muss unmittelbar an meinen Besuch der Kellerei von vor 2 Jahren denken - so modern die Gebäude auch sind, so fest ist man auf der anderen Seite  mit den Traditionen im Barologebiet verwurzelt . Von gleichem Charakter sind die Weine, sehr modern vinifiziert, aber trotzdem als Barbaresco und Barolo klar und deutlich zu erkennen.  

Der 2001er Barolo Campé ist irgendwie die Quadratur des Kreises, einerseits sehr modern: mit dichter, ausladender Nase; reifer Frucht, wunderbar integriertem Holz (barrique), Kaffeearomen, einer dunklen Beerenfrucht, Schwarzkirschen, Lakritz, feinen Würzaromen; dichten, aber vollreifen Tanninen und trotzdem zeigt er eine tiefe und ausgeprägte  Struktur und Säure (Eisenfaust in "fetten" Samthandschuhen), die typisch ist für einen sehr guten Barolo.  Und so ist der 2001 Campé als typischer Wein der Nebbiolorebe  klar zu erkennen.

Trotz seiner wolllüstigen Art ist der Wein noch sehr jung und hat auch weiterhin eine tolle Zukunft vor sich. Wer von diesem recht teuren Stoff (wer ihn für unter Euro 100 bekommt, darf sich freuen) vielleicht  2,3,4 oder mehr Flaschen sein Eigen nennt, sollte ihn jetzt unbedingt einmal trinken. Diese Symbiose aus Kraft, Weichheit und Sexapeal ist echt "geil". Die weiteren Flaschen können getrost bis zu  10 Jahre den Keller zieren, bevor sie getrunken werden.

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Donnerstag, 18.09.2008

2004 Clos de la Roilette, Coudert Père et Fils - Beaujolais


Als Arbeitnehmer im banknahen Bereich wird man dieser Tage demütig und greift zu "bescheidenen" Flaschen im Keller, denn wer weiss, ob man nicht die großen Bordeaux Grand Crus eines Tages als Tauschwährung gegen eine Portion Brot, Wurst und Käse benötigt. Trotzdem muss der Genuss nicht zu kurz kommen, wie die nachfolgende, vor Ort,  für Euro 6,50 gekaufte Flasche zeigt.


87 Punkte - Einst zum Preis eines Supermarktweines (Euro 6,50)in Fleurie gekauft und jetzt mit großem Genuss zu Brot, Wurst und Käse getrunken. Beaujolais aus einer der Cru-Lagen hat mit dem bei uns bekannten Beaujolais-Primeur fast nichts gemeinsam, allenfalls die gemeinsame Rebsorte Gamay.

 

Dieser Fleurie stammt von Lagen, die bis in die 20er Jahre noch zur Nachbarlage  Moulin-à-Vent gehörte, dann aber mit Schaffung der Appelation Fleurie der neuen Cru-Lage zugesprochen wurde. Der damalige Besitzer war über diese Umwidmung so erbost, dass er seine Weine nicht mehr in Frankreich verkaufte und nur unter dem Etikett - benannt nach einem damals berühmten Rennpferd (das heute noch das Etikett ziert) nach Deutschland, der Schweiz und England verkaufte. Irgendwann hat auch dies den Besitzer nicht mehr inspiriert und die Rebflächen lagen fortan brach. Mitte der 60er Jahre hat Fernand Coudert das kleine Weingut gekauft und mit neuen Reben bestockt. Von nun an stieg die Qualität wieder und es wurde ein Fleurie geschaffen, der mit seiner Tiefe und seinen Tanninen bis heute eher an einen Moulin-à-Vent erinnert als an die blumigen und filigranen Fleurie-Weine. Inzwischen (1984) hat der Sohn von Fernand, Alain das Ruder übernommen und die Weine sind Jahr für Jahr ein Prototyp eines durchaus ambitionierten Beaujolais-Weines.

Wenngleich 2004 eher ein mittelmäßiger Jahrgang war, ist der Clos de la Roilette jetzt schön zu trinken. Die Nase duftet nach kleinen Walderdbeeren, Hagebutte und etwas Wacholder. Am Gaumen ein Mittelgewicht, mit recht schöner Struktur und durchaus kräftigen Tanninen. Die Frucht ist rotbeerig (Erbeeren und Kirschen), durchzogen mit einer feinen Graphitnote (der Boden hat relativ hohe Mangananteile) sowie Anklängen an Leder und Moos;  schöner Saft. Jetzt wunderbar zu trinken; hält sich sicherlich auf diesem Niveau die nächsten 1,2 Jahre.

Darüber hinaus wird eine Cuvée Tardive gefüllt, die noch mehr Lagerpotential und Substanz besitzt und die ersten 1,2 Jahre nach der Füllung besser im Keller verschwindet. Die beiden nachfolgenden Jahre 2005 (großer Beaujolais-Jahrgang) und 2006 sind noch besser.

Sonntag, 14.09.2008

2001 Gourt de Mautens, Jérôme Bressy - Rasteau


Fehlerhaft - Weil einst in der Fachpresse hoch gelobt (Parker: 92 Punkte, Rene Gabriel: 18), war das Erstaunen nach dem Ausschenken sehr groß. Gemeinsam mit einem Weinfreund, der grundsätzlich in jedem Wein das Gute sucht, schüttelte es uns schon bei der kleinsten Annäherung an das Glas: Vollkommen krasser Schwefelböchser - so ausgeprägt habe ich das noch nie erlebt, man prallt regelrecht ab. Nach großer Überwindung und ausgiebigem Lüften habe ich dann einen Schluck genommen, aber mehr auch nicht!! Es läßt sich zwar die Kraft und die dichte Frucht erkennen, aber der Böchser überlagert alles und der Wein ist schlicht ungenießbar.

Ich kann mich erinnern, dass es schon mal so eine Diskussion um diesen Wein im Jahrgang 2001 gab. Sofern ich mich recht erinnere ist man damals zu dem Urteil gekommen, dass es mindestens 2 Füllungen geben muss. Ich werde jedenfalls meine restlichen Flaschen gegen den neuen Jahrgang eintauschen, der Weinhändler hat diesem Procedere sofort zugestimmt und ich freue mich, dass es so etwas wie verantwortungsvolle Kundenpflege noch gibt.

Das Bild zeigt den abweichenden 2003er Jahrgang

Samstag, 13.09.2008

2006 Röttgen 1.Lage, Heymann-Löwenstein - Mosel



92 Punkte - Gerade sitze ich mit meinem Freund Ole über 2 Gläsern Riesling 2006 aus der Lage Röttgen von Heymann-Löwenstein und wir sind überrascht, wie trinkig, animierend und ausgewogen dieser Tropfen schon ist. Das Lesegut scheint - trotz des Jahrgangs kerngesund gewesen zu sein.


Sattes goldgellb - direkt nach dem Öffnen benötigt er Luft, am besten dekantieren und große Bordeauxgläser nehmen. In der Nase viel kräutrige (Wiesenkräuter) Kraft, etwas tabakig, andeutungsweise spontane Gärungsaromen, reife gelbe Früchte, etwas Honig. Am Gaumen lebendig mit erkennbarer Restsüße, schmelzig und reife gelbe Früchte einerseits, auf der anderen Seite deutliche Mineralik und wunderbare, reife Säure, insgesamt jetzt schon ausgewogen und mit viel Genuss zu trinken, langer Abgang. Das leere Glas riecht einfach wunderbar und der Wein zeigt hier, welche Differenziertheit sich hier noch entwickeln wird. Kleiner Haken, der recht kurze Korken suppte schon ein Jahr nach der Abfüllung. Leider triftt dies auf 30% meiner Flaschen zu. Dies ist leider auch bei anderen Jahrgängen zu beobachten.

Dienstag, 09.09.2008

1986 Chateau Talbot - St. Julien


96 Punkte - Was für ein Baum von Wein. Dunkel, würzige Nase, rauchig, Tabak und Zedernholzbukett, schwarze Beeren. Am Gaumen straff und kraftvoll konzentriert - ein Powerstoff, der gleichzeitig tief und nachhaltig den ganzen Mund ausfüllt. Davon eine Flasche und jeder Strohwitwerabend ist gerettet. So stelle ich mir einen Zehnkämpfer vor - sehnig und kraftvoll zugleich; da gibt es nichts, was ihn aus der Bahn wirft, egal ob Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen oder Langstrecke - auch in 10 Jahren wird er sein genussverwöhntes Publikum noch begeistern.

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1975 Pichon Longueville Comtesse de Lalande - Pauillac


88 Punkte - recht hell in der Farbe, wirkt augenblicklich reif und rund; insgesamt recht weit in ihrer Entwicklung, mittlerer Körper; feines Leder und balsamisch; wirkt frisch, was aber primär durch die leicht spitze Säure bewirkt wird, auch in Sachen Komplexität nicht allererste Wahl. Sollte jetzt wohl endgültig ausgetrunken werden.

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1990 Chateau Cos d' Estournel - St. Estephe


94 Punkte - Auch hier dezente Stallnoten zu Beginn, wirkt in der Nase dunkel, toastig, es duftet wie in der Lederwarenabteilung im Alsterhaus in Hamburg . Am Gaumen aber ein Schmeichler vor dem Herrn: erstaunlich schmelzig, weich, ja fast verspielt mit Aromen von Kakao(milch) und  Backflaumen einerseits sowie dunklen Anklängen von Cassis, Kaffee und Tabak andererseits. Besonders gefällt mir die innere Harmonie dieses mittelgewichtig wirkenden Weines; hedonistisches Trikvergnügen ohne große Ecken und Kanten.

1989 Pichon Longueville Baron - Pauillac


94 Punkte - der 89er Pichon Baron wirkt immer noch sehr jugendlich; zu Beginn ein ganz kleiner Pferdestall in der Nase, doch dann öffnete sich dieser dicht, dunkel und kompakt wirkende, klassische Pauillac mit nahezu perfekter Struktur. Dunkle Cassis- und Heidelbeeraromen, mit  herrlichen Röstaromen veredelt, dezent Mokka und Minze. Am Gaumen straff, fest  und edel gebaut, läßt kaum Wünsche offen und wird sicherlich auf diesem hohen Niveau die nächsten Jahre sich weiter entwickeln und vielleicht noch eine Spur an Komplexität drauf legen. Ein edler Herrenwein.

Montag, 08.09.2008

1979 Grand Vin Jaune, Louis Chaudoy - Appellation Chateau Chalon


87 Punkte - Die XING-Raritäten-Weinprobe im Düsseldorfer Restaurant Schorn, zu der jeder Teilnehmer eine besondere Flasche (Herzblutflasche) Wein mitbrachte,  begann mit einem Aperitif der besonderen Art. Ein 1979 Grand Vin Jaune von Louis Chaudoy, App. Chateau Chalon kam ins Glas und wir, also die gesamte „Mannschaft des Abends“, saß recht ratlos vor diesem Schluck. Ich hatte schon einmal über diese Art Wein aus dem Jura gelesen, aber rekapitulieren konnte ich es an diesem Abend leider nicht.

Der Wein wirkte wie eine trockener Sherry, war nussig, aber trotzdem frisch, kräutrige Anklänge waren ebenfalls gut erkennbar;  hinten heraus mit einer gewissen Schärfe belegt, aber letztlich bleibt er lange, lange am Gaumen haften und beschäftigt so den interessierten Weintrinker lange über das Schlucken hinaus. Christian Baumgart, der für diese Flasche an diesem Abend  „verantwortlich zeichnete “ wusste da schon mehr zu berichten.


Für mehr Infos bitte weiterlesen......

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Freitag, 05.09.2008

2005 Montes Alpha Syrah Colchagua Valley, Montes - Chile


88 Punkte - Ich glaube, dieser Wein ist ein perfekter Generalist - er dürfte sowohl dem unerfahrenen Weinnovizen als auch dem Connoisseur von Welt Trinkspass bereiten. In der Nase üppig nach Cassis, Blaubeeren und reifen Holunderbeeren riechend. Daneben nehme ich eine gewisse Würze war, die an frisch gestoßene Wacholderbeeren, Tabak und an einen regennaßen Lorbeerwald (habe ich mal auf Teneriffa erlebt) erinnert. Am Gaumen gehaltvoll; dicht; mit ausgereiften, runden Tanninen; weich auf der Zunge, saftig und kraftvoll. Die Aromen korrespondieren mit den nasalen Eindrücken, etwas Erdbeersahne kommt hinzu;  schöne Extraktsüße. Den recht hohen Alkohol bemerkt man, wenn man den Wein schon geschluckt ha - es wird "warm" im Magen.

Der Wein stammt aus dem Apalta Weinberg im Colchagua Tal; die Erträge wurden niedrig gehalten und Aurelio Montes hat neben Syrah auch  7% Cabernet Sauvignon und 3% weißen Viognier dem Wein mit auf den Weg gegeben.

Die Kellerei Montes ist sicherlich eine der führenden in Chile, das Angebot reicht von einfachen, preiswerten Weinen bis hin zum großen Montes Alpha M, der mit dem Jahrgang 1996 zum ersten Mal auf den Markt kam. Der Syrah 2005 vor mir im Glas entstammt einer der mittleren Produktlinien. Eines vereint die Weine der Kellerei Montes: sie bieten in allen Klassen sehr gute Qualität für ihren Preis.

Die webpage (http://www.monteswines.com) ist übersichtlich gestaltet und informativ. Den Syrah 2005 gibt es für ca. Euro bei Jacques Weindepot.

Montag, 01.09.2008

2005 Pinot Noir, Gantenbein - Graubünden


93 Punkte - Martha und Daniel Gantenbein gehören  zu den berühmtesten Winzern der Schweiz und es ist verdammt schwierig an den Stoff zu kommen -  selbst im Nobelort St. Moritz ist es mir im vergangenen Winter nicht gelungen, diesen stets gesuchten Wein zu erhaschen. Um so erfreuter war ich, als ich im Frühjahr - bei einem geschäftliches Aufenthalt in Zürich - zwei Flaschen Pinot Noir (auch wenn es nur 0,375 Flaschen sind) erstehen konnte.

Dieser Pinot ist wie aus einem Guß gemacht, nichts zu viel, aber auch nichts, was fehlt. Der Wein ist fest, druckvoll und glockenklar. Das Bukett duftet wunderschön nach Veilchen , Cassis, Kirschen, etwas Kaffee und einem Hauch Menthol. Am Gaumen frisch und saftig; bestens definiert; intensive und komplexe Aromatik; kühle Art, komplex, mit erkennbarer Mineralik. Die feine Extraktsüße bändigt die Holzaromen vorzüglich und auf dieser Basis gleitet der Wein in sein langes, finessenreiches Finale.


Ein schönes Interview mit den Eheleuten Gantenbein findet man hier:

http://www.textatelier.ch/files/journalismus /via_2004/interviews/Martha_Daniel_Gantenbein.pdf

2003 Alion - Bodegas Alion (Vega Sicilia) - Ribera del Duero


92 Punkte -  Ich konnte mich an diesem Abend nicht richtig entscheiden, waren diese enorm beerigen Aromen schon zu viel. Für mich stark an oder über der Grenze zur Überreife. Macht jetzt aber trotzdem Spass, denn dieser Stoff  ist so weich, rund, geschmeidig und irgendwie sexy. Die 2003er Ausgabe des Alion ist körperreich (wohl proportiniert), samtig und hat kugelrunde Tannine. Die Frucht zeigt neben dunkelroten Beeren auch eingelegte gelbe Früchte (dürfen ja auch in keinem guten Rumtopf fehlen ;-) ); das ganze ist - wie bei einem Eismohr - mit einer leckeren Schicht Schokolade überzogen. Wie alle modernen Spanier geizt auch dieser nicht am Alkohol, aber er wirkt zur Zeit gut integriert, aber die Zukunft wird zeigen, ob dies auch für eine lange Lagerung vorteilhaft ist. Insgesamt eine runde Sache dieser 2003 Alion, kugelt aber nicht zu schnell über den Gaumen, sodass man die schöne, fruchtbetonte Länge geniessen kann. Kann man jetzt gut trinken (Karaffe ist zu empfehlen) und zeigt sicherlich in den nächsten 6-8 Jahren keine Schwächen, hat sogar etwas Potential nach oben (wenn der Alkohol nicht die Oberhand gewinnt).

Die Bodegas Alion gehören zur Gruppe Vega Sicilia und sind somit ein Teil der Geschichte eines, wenn nicht gar des prestigeträchtigsten Aushängeschildes für spanischen Wein. Die gesamte Gruppe liegt in der Hand der Familie Álvarez. Das Weingut Alion ist benannt nach der Stadt Léon, der Geburtsstätte des Firmenpatriarchen David Álvarez

Sonntag, 31.08.2008

1959 Volnay-Caillerets 1er Cru, Louis Latour - Burgund


92 Punkte - Dieser Wein stammte aus einem grandiosen Burgunderjahr und die Premier Cru Lage "Caillerets" gehört zu den besonders guten ihrer Art in Volnay.  Der Weine brauchte Luft, die Nase wirkte zunächst etwas muffig und zeigte Aromen, die vermuten ließen, dass der Wein überm Punkt ist. Doch am Gaumen offenbarte er von Anbeginn seine Klasse: sehr fein und ausgewogen, mit seidigem Schmelz und immer noch vorhandener Fülle; auch die Tannine sind noch spürbar. Feine Karamellnoten (zu Beginn recht deutlich), malzige Spuren und mit zunehmend Luft wird er immer komplexer in der Aromatik. Er umschmeichelt die Zunge, kullert von links nach rechts und kleidet Mund und Rachen in Seide.

2004 Chianti Classico, Castello di Ama - Toskana


84 ???  Punkte - Entweder dieser Wein ist in seiner absoluten Verschlußphase oder er hat schon seine besten Zeiten hinter sich. Die Primärfrucht scheint verdrängt, momentan dominieren dunkle und grüne Aromen. Ich glaube, dass man hier mit aller Gewalt versucht hat, dem Wein Struktur und ein langes Leben mit auf den Weg zu geben - übrig geblieben ist ein Geschmack zwischen rostigen Nägeln und harten, grünen Tanninen. Bei Robert Parker von Herrn Rovani immerhin mit 90 Punkten geadelt und als Langstrecken-Chianti mit einem Trinkfenster zwischen 2009 und 2019 angegeben; da geht man wohl davon aus, dass dieser Chianti seine Metamorphose von der häßlichen Raupe zum schönen Schmetterling noch vollziehen wird. Ich glaube das nicht und bin gespannt, wer Recht behält.

Mittwoch, 27.08.2008

2005 Reserve du Chateau, Chateau de Sérame - Corbieres



85 Punkte - Heute beim Einkaufen im REWE-Markt hat es mich überkommen, ich habe eine Flasche im Supermarkt gekauft - normalerweise ein totales "No go" für mich, da ich bewußt die Erzeuger und die kleinen, fachkundigen Einzelhändler mit meinem dortigen Einkauf unterstützen möchte. Doch ich war irgendwie zu faul, mich heute noch groß zu bewegen und ein Ausflug in den Keller erschien mir schon zu anstrengend. Da fiel mir ein Corbieres für Euro 7,99, in die Hände; er hatte ein schönes Etikett und allerhand gewonne Medaillen aus 2007 prangten auf dem zweiten label darunter. Viel habe ich nicht erwartet, als ich die Flasche öffnete.

Aber um so überraschter war ich, als ich merkte, dass mir der Stoff richtig schmeckte, er war genau das, was ich heute brauchte: recht kraftvoller Körper, saftig, frisch,  nicht zu schwülstig; fruchtig (Waldbeerengrütze) ; mit animierender Säure, auch würzig, etwas Tabak; angenehme Tannine  und hinten heraus eine recht schöne Vollmilchschoki-Note. Alles in Allem geiler Stoff zum unkomplizierten Trinken - da geht mehr als ein Glas ;-))

Die Cuvee besteht aus Syrah, Carignan und Grenache.

Dienstag, 26.08.2008

1993 Cabernet Sauvignon 12th Anniversary, La Jota Vineyards - Napa Valley


94 Punkte - Ein wunderbarer Cabernet Sauvignon aus Californien. Eine nahezu perfekte Symbiose zwischen lebendiger Frucht, schönen, ausgereiften Tanninen (kraftvoll, aber weich) und einer guten Säurestruktur. Das Ganze ist eingebaut in einen wohl definiertenn und kräftigen Körper. Keine Trinkmarmelade, sondern  ein Wein mit einer ausdrucksvollen, dunklen und Genuss spendenden  Frucht. Schöner Saft; aber auch ein differenzierter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich lange beschäftigen kann. Ein hedonistischer Wein. Frauen würden diesen "californischen Beau" wohl so beschreiben:  "lebensfroher, sonnenverwöhnter Intellektueller, der  zum Anbeissen aussieht und umwerfend riecht.

Schöne webpage: http://www.lajotavineyardco.com/

Montag, 25.08.2008

2005 Pinot Noir "R", Weingut Lamm-Jung - Rheingau


85 Punkte - Röstnoten, Kirschduft, ein wenig Rumtopf, wirkt in der Nase recht kühl. Am Gaumen zeigt sich vordergründig ein recht kräftiger Pinot, der seinen Alkohol von 14% gut wegsteckt; dezent kräutrig; erinnert ein wenig an Kühne-Cornichons; kräftige, aber gut eingebaute Säure; hinter heraus fehlt ihm etwas das Fett auf den Rippen, sodass die durchaus vorhandene Länge etwas mager daherkommt. Vielleicht wäre hier eine weitere Ertragsbegrenzung im Weinberg eine gute Entscheidung gewesen. Das Holz ist gut eingebunden. Für Euro 13,- ab Weingut trotzdem ein respektabler Tropfen.

www.weingut-lamm-jung.de

Donnerstag, 21.08.2008

2002 Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken, Dr. Crusius - Nahe


89 Punkte - Feine,  frische Nase, Anklänge an Blütenhonig; am Gaumen schlanke, frische Art; feingliedrige Säure; recht tiefe, reintönige  Mineralik; Heu- und Citrusaromen, angenehme Reife. Animierend, mit guter Länge im Abgang. Jetzt oder in den nächsten 1,2 Jahren trinken.

Für ca. Euro 10 ist das schon ein Wein, den man in vollen Zügen geniessen kann, die Hand geht kräftig zum Glas, gerne öffnet man da auch eine zweite oder dritte Flasche.  Das Weingut Dr. Crusius ist für mich stets eine sichere Bank in Sachen Qualität und die Preise sind noch nicht so abgehoben wie bei einigen anderen Spitzenweingütern an der Nahe.

www.weingut-crusius.de

Mittwoch, 20.08.2008

1964 Gran Coronoas Reserva, Miguel Torres


93 Punkte -

Doch eines sollte man zum Jahrgang wissen, 1964 gilt im Rioja als excellentes Weinjahr, einige halten diesen Jahrgang sogar für den besten im vergangenen Jahrhundert. Gleiches gilt auch für Ribera del Duero, insofern profitiert dieser Wein natürlich auch vom sehr, sehr guten Jahrgang.

Die große Überraschung folgte als letzter Wein des Abends: Dieser überwiegend aus Cabernet Sauvignon gekelterte Wein war ein tolles Erlebnis. Eine feine und komplexe Nase verrieten eine gewisse Reife, doch die fast 45 Jahre, die dieser Wein auf dem „Buckel“ hat, haben mich doch ziemlich umgehauen, als die verdeckte Flasche aufgezogen wurde. Der Gran Coronas hat eine immer noch gute, recht feste  Struktur, ist äußerst ausgewogen und elegant; er steht lange am Gaumen und auch der lange, feine Abgang zeigt, dass hier noch nicht aller Tage Abend ist. 

1991 Mas de Masos, Cellers Capafons-Ossó – Priorat


80 Punkte - 

Dieser gereifte Priorat-Wein war eine ziemliche Pleite, denn der  hatte seine besten Zeiten eindeutig hinter sich. In der Nase erinnerte er ein wenig an Barolo, etwas Sauerkirschen, recht kühl und schlank. Schlank ist dann vornehm ausgedrückt für das, was der Wein am Gaumen darbot. Die Säure steht heraus und Trinkfreude konnte da nicht mehr aufkommen.

Auf der aktuellen Webseite ist über den Wein folgendes zu erfahren, wobei ich nicht recherchieren konnte, ob diese Infos auch schon weitgehend für den 91er Jahrgang galten: „Aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. Der Wein MAS DE MASOS gärt in kleinen französischen Eichenfässern und altert dann auch in denselben. Letzten Endes wird der Wein in die Flasche gefüllt und im Weinkeller bei einer konstanten Temperatur zur Alterung gelagert. Die Trauben, die benutzt werden um den MAS DE MASOS herzustellen, kommen aus ca. sechs tausend sehr alten, 1852 gepflanzten Rebstöcken, mit einer Produktivität je nach Jahr von 600 bis 900 Gramm per Rebstock.


2004 Flor de Pingus, Bodega Dominio de Pingus (Peter Sisseck) – Ribera del Duero


97 Punkte -

Was für ein Parfüm, tief und einladend, Kaffee und Mokka, dunkel und kühl in der Aromatik, etwas Menthol und Wacholderbeeren. Dunkle Waldfrucht am Gaumen; edel wirken die Kaffee und Mokkaaromen; am meisten begeistert mich die hohe Extraktion, die süß und leicht würzig wirkt, jedoch stets edel und kühl bleibt. Tiefer, sehr gut strukturierter Wein, der jetzt mit seiner schönen Saftigkeit, seinen voll ausgereiften und hervorragend definierten Tanninen sowie der wunderschönen Läge viel Freude und Genuss bereitet. Ein Traumstoff, der inzwischen – im Vergleich zu seinem ersten Preis – leider doppelt so teuer ist, der aber immer noch jeden Euro wert ist. Ich bin gespannt, ob dieser Wein mit zunehmender Reife noch besser wird, oder ob er – wenn er seine sexy Jugend verliert, uninteressanter wird. Die nächsten 10 Jahre Weinleben sind sicherlich kein Problem.

2004 PESUS, Hermanos Sastre – Ribera del Duero


97 Punkte -

Das Flaggschiff der Kellerei Hermanos Sastre in Burgos: der unglaublich teure (ca. Euro 300,-) Pesus ist von den Anlagen noch etwas konzentrierter, noch etwas extraktsüßer und noch stoffiger als der Flor de Pingus. Im direkten Vergleich ist der Pingus ein wenig kühler und um die Kaffee- und Mokkanoten komplexer. Trotzdem ist auch der PESUS ein großer Wein, der sehr viel bietet und der mich mit seiner Wald- und Heidelbeerfrucht an einen Heidelbeer-Hefekuchen mit Schmand erinnert. Bei dieser Kombination kommt die Heidelbeerfrucht so schön raus, da der Schmand die Intensität der Frucht und die Saftigkeit verstärkt und um einen herrlichen Schmelz bereichert. Dieser Wein ist unglaublich intensiv und der hohe Extrakt kommt nicht aus irgendeinem Konzentrator, sondern von über 80 Jahr alten Tempranillo-Rebstöcken mit Hektarerträgen von unter 10 Hektolitern. Die Hauptrolle dieser Cuvee vom Weinmacher Juan Jesús Ayuso Arenillas gebührt dem Tempranillo, in den Nebenrollen Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Der Ausbau erfolgt in neuer franz. Eiche.

1998 Regina Vides, Hermanos Sastre – Ribera del Duero


94+ Punkte -

Stallgeruch zu Beginn, ganz dunkel und tief in der Aromatik, wirkt immer noch sehr konzentriert, erinnert mich auch auf Grund seiner Kühle an die nördliche Rhone; sehr, sehr komplex und hohe Eleganz. Dieser Wein stammt von 80-jährigen Tempranillo-Rebstöcken mit Erträgen kleiner 20hl. Das ist nicht international, das ist große, lokale Klasse!!  Dieser Wein hat die Kraft und die Struktur für ein langes Leben und wer mir eine Freude machen möchte, bringt bei einer der nächsten Verkostungen eine Flasche dieses Stoffs mit ;-))

Dienstag, 19.08.2008

2003 Malleolus de Sancho Martin, Emilio Moro – Ribera del Duero


93 Punkte -  

Kaum hat man die Nase ins Glas gehalten, sagt dieser Wein „Hallo, hier bin ich! Ich werde Dich umschmeicheln, Dir meine besten Seiten zeigen und Du wirst begeistert sein.“ Ein Nasenbär !! Blaubeeren, geschmolzene, in der Pfanne zerlassene Butter, Buttertoast, Kakao, dezente Würze. Dieser Wein scheint „im Butterfass“ gereift. Im Mund viel Schm(a)elz, erinnert an Marzipan, Mandelmasse; eher rotbeerige Frucht, kein Powerwein, dennoch dicht und weich, aber auch mit erkennbarer Mineralität, gute Länge. Auf Grund der Noten von geschmolzener Butter wird es den einen oder anderen geben, der diesen Wein nicht mag, aber ich fand es einfach nur feminin und habe es genossen. Hat Potential für bestimmt 5 Jahre, mich würde interessieren, ob da noch mehr geht, habe aber leider keine Flasche zum Nachverkosten.

2001 Matallana, Compañia de Vinos Telmo Rodriguez – Ribera del Duero


94 Punkte -

Ebenfalls ein 100%iger Tempranillo (Tinto Fino) und 18 Monate in französischer Eiche gereift. Zu Beginn Pferdeschweiß, dann reife Brombeeren, ätherische Noten, Leder, Lavendel, Kornblumen. Am Gaumen voller Körper, viel Saft und Kraft, aber ohne Schwere und mit hoher Komplexität. Perfekt strukturiert, viel reifes Tannin, wirkt mineralisch/kalkig. Sehr gute Länge.

Sonntag, 17.08.2008

2003 „g“ Pago la Jara, Compañia de Vinos Telmo Rodriguez – Toro


Jetzt zogen die Preise der Flaschen dieser Probe deutlich an und ich war gespannt, ob die Weine das halten können, was sie den Geldbeutel kosten. Sollten wir „nur“ TOP international gemachte Weine bekommen oder würden wir moderne Ausdrucksformen des jeweiligen terroirs verkosten können. Eine Kombination ist wohl richtig – so viel vorab. Die beiden nächsten Weine stammten vom Überflieger der spanischen Weinszene – kaum ein Landstrich, in dem Telmo Rodriguez mit seinem Team nicht erfolgreich Weine von großer Klasse produziert.

 

Die folgende Beschreibung stammt von www.wein-plus: „Die ‚Compañia de Vinos Telmo Rodriguez’ mit Sitz in Logroño im spanischen Rioja wurde im Jahre 1994 gegründet. Der gebürtige Baske Telmo Rodriguez verbrachte seine Kindheit auf dem Rioja-Weingut Remelluri seines Vaters, studierte Biologie in Bilbao, machte das Önologiediplom in Bordeaux und erlernte unter anderem beim legendären Bruno Prats auf dem Château Cos d´Estournel die hohe Schule der Weinbereitung in der Praxis. Dann hatte er eine Vision. Er wollte gleichzeitig in unterschiedlichen Regionen Spaniens die besten nur möglichen Weine machen. Im Jahre 1994 startete er zusammen mit seinem Studienkolegen Pablo Eguzkiza das vielleicht innovativste und ehrgeizigste Projekt der neueren spanischen Weinbaugeschichte. Telmo Rodriguez wird gerne als „Driving Winemaker“ bezeichnet, weil er ununterbrochen unterwegs ist, um in verschiedensten spanischen Regionen mit seinem Team von einem Dutzend in Bordeaux ausgebildeten Önologen in Zusammenarbeit mit lokalen Erzeugern seine Weine vor Ort zu produzieren. Dabei wird versucht, die regional typischen Reben und Merkmale der einzelnen Weine in den Vordergrund zu stellen. Telmo Rodriguez war einer der ersten Winzer in Spanien, der sich intensiv mit dem Thema Terroir beschäftigte. Die Trauben stammen jeweils aus den besten Parzellen von überwiegend sehr alten Rebstöcken und werden in modernen Kelleranlagen schonend zu „Vinos con alma“ (Weine mit Seele - wie Telmo sagt) ausgebaut. Im Jahre 2002 kürte ihn „Revue du Vin de France“ geradezu euphorisch zum „Bordeaux en Espagne“ und mit spektakulären Bewertungen zum neuen Superstar. Bis jetzt wurden Weine in den DO-Bereichen Alicante, Cigales, Malaga, Navarra, Ribera del Duero, Rioja, Rueda und Toro produziert.“

 

2003 „g“ Pago la Jara, Compañia de Vinos Telmo Rodriguez – Toro (93 Punkte); Dunkles, intensives Kirschrot; tiefe und komplexe Nase von in der Sonne voll ausgereiften Beerenfrüchten, Kirschkompott (retro-nasal satte Kirschfrucht) und orientalische Gewürze. Am Gaumen tiefer Fruchtansatz, feine Extraktsüße; voll ausgereifte, runde Tannine; voller Körper; fester, fleischiger Biss; ein Hauch Vanille und Sandelholz. Dieser zu 100% aus Tinta de Toro (Tempranillo) gekelterte Wein stammt von richtig alten Rebstöcken und wurde 18 Monate in 100% französischer Eiche ausgebaut. Ist zwar jetzt schon beeindruckend, aber in ein paar Jahren dürfte er an Komplexität und Finesse gewinnen, die nächsten 5-8 Jahre sind sicherlich kein Problem.

2004 La Era, Viñedos Ecòlogicos Osoti - Rioja

 

Auch der nächste Wein stammt von dieser Gruppe von Winzern, die mit der Struktur einer lokalen Kooperative ihre Weinstöcke gemäß den Richtlinien für ökologischen Weinbau bewirtschaften. Die hohe Qualität der Weine basiert auf einer engen Zusammenarbeit der beteiligten Winzer mit dem Spitzenönologen Josep Maria Pujol Busquets (Professor der Önologie an der Universität von Barcelona). Die Trauben für den folgenden, gleichnamigen Wein stammen  aus einer einzigen Weinbergparzelle mit dem Namen «La Era». Die Erträge der ca. 20 Jahre alten Anlage liegen bei unter 35 Hektoliter per Hektar. Der geringe, aber  vorhandene atlantische Einfluss sorgt für optimale, klimatische Bedingungen.


2004 La Era, Viñedos Ecòlogicos Osoti - Rioja (85+ Punkte); Dieser Wein ist zur Zeit noch etwas zu jung, wirkt leicht kratzig und „bollert“ am Gaumen ganz schön drauf los. Die dichte Frucht (Brombeeren, Pflaume, Kräuter, Vanille sowie etwas Teer und Holzkohle), die hohe Extraktsüße und die reifen, kräftigen Tannine versprechen jedoch ein deutliches Potential nach oben. Im Moment ist das Holz noch nicht gut eingebunden, aber in 2,3 Jahren verspreche ich mir von dem Wein einen deutlichen Lustgewinn.

2001 Crianza, Viñedos Ecòlogicos Osoti - Rioja


Dass gut nicht immer teuer sein muss, bewies der erste Wein des Abends, der 2001 Crianza, Viñedos Ecòlogicos Osoti - Rioja (86 Punkte). Dieser Wein aus 70% Tempranillo, 25% Garnacha und 5% Mazuelo (oder besser bekannt als Carignan) machte für seine ursprünglichen rund DM 7 (aktueller Jahrgang ca. €7) eine großartige Figur: feinwürzige Aromen in Mund und Nase, etwas Kirsche,  Vanille und rote Beeren. Die recht feinen und schön abgeschmolzenen Tannine, der nicht zu schwere Körper sowie eine reife Säure machen den Wein sehr trinkig und die Hand geht zum Glas. Bestände  jetzt trinken.

Samstag, 16.08.2008

Spanien Verkostung


Eine Erfahrung mache ich immer und immer wieder, mit und über Wein lernt man irre nette Leute kennen! So auch am vorletzten Wochenende. Ein guter Freund aus Frankfurt fragte, ob ich Lust hätte, an einer Spanienprobe mit High-End-Weinen jüngeren Datums teilzunehmen. Allerdings würde die Probe nicht bei ihm stattfinden, sondern beim neuen Nachbarn von schräg gegenüber. Tolle Weine, nette Leute - das klingt einfach zu verlockend, um abzusagen. So fuhr ich zum Keller und schnappte mir eine Flasche 2004 Flor des Pingus von Peter Sissek und rollte gen Frankfurt.

Ein altes Haus in Frankfurt, ein großer, hoher Raum (war wohl früher mal die Garage für diverse Kutschen), darin u.a. ein riesiger Tisch (3,50 x 1,50) mit ein paar Stühlen und einer großen Ottomane, auf der mindestens 3 oder 4 Leute lümmeln können. Dazu super tolle Jazz-Musik und Gastgeber, die offensichtlich die Unkompliziertheit und Entspanntheit erfunden haben. Als Essen gab es eines der besten Entrecotes, die ich je gegessen habe. Ein schmatzig-köstlicher grüner Salat mit viel frischem Koriander und Datteln rundete die Sache perfekt ab. In der Nacht gab es dann Portwein, Kaffee, geile Zigarren und einen alten Rum …… und wer dann nicht groovt und ausgelassen tanzt, ist selbst Schuld. Eine 100 Punkte Wein-Nacht.

Die Verkostungsnotizen der einzelnen Weine finden sie oben.

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Dienstag, 12.08.2008

2001 Kirrweiler Mandelberg Spätlese trocken (Großes Gewächs), Weingut Bergdolt - Pfalz


93 Punkte - Selten hat eine fremde Verksotungsnotiz mit dem eigenen Erleben so 1:1 gepasst wie bei diesem Wein, lediglich die Kirschen habe ich nicht notiert und (zu) jung ist er auch nicht mehr, sondern voll auf der Höhe des Trinkgenusses. Wird sicherlich auf diesem Niveau noch 2,3 Jahre bleiben:


www.wein-plus.de 12.08.2002 Hervorragend (92)
"Tiefer, mineralischer Duft von Äpfeln, Zitrusfrüchten, Melonen, Trockenkräutern und etwas Gemüse mit einer Spur Kirschen. Sehr saftige, kraftvolle und hochnoble Frucht, bestens integrierte Säure, fest, kräuterwürzig und ausgesprochen mineralisch am Gaumen, tief und griffig, enorme Präsenz, große Länge. Noch extrem jung. Kann noch zulegen."

Samstag, 09.08.2008

2003 Lagrein Riserva - Josephus Mayr - Erbhof Unterganzner / Südtirol


90 Punkte - Vielleicht bin ich bei den Weinen von Josephus Mayr stets zu positiv in meiner Bewertung, aber ich mag seine Weine so unglaublich gerne. Sie sind eine Symbiose aus Saft und Kraft einerseits sowie Schmelz und Vielfältigkeit andererseits.  Da ich nach den vielen Rieslingen endlich mal wieder etwas handfestes Rotes trinken möchte, habe ich mir - mitten im Sommer - einen 2003 Lagrein Riserva aus dem Keller geholt, Doch - wie bereits gesagt - der "Bums" dieser Weine ist die eine, die Kühle und das Aromenspektrum die andere Seite der Medaille.

Nicht überraschend sind beim sonnenverwöhnten 2003er Jahrgang der dichte Saft und die Üppigkeit, aber die schöne Kühle und die durchaus vorhanden Eleganz  hätte ich bei diesem Jahrgang nicht erwartet. Fast schwarze Farbe, leicht animalisch in der Nase, Röstaromen, Mokka, Bitterschokolade, balsamische Noten und schwarze Kirschen und Beeren  in der Nase und am Gaumen. Die Säure bildet ein sehr gutes Gegengewicht zur stark extrahierten Frucht; runde Tannine - voller Körper;  geschmeidiger Schmelz und ein überraschend kühles Mundgefühl. Geiler Stoff, den ich gerne auch ohne Essen trinke, Messer und Gabel könnte man hier jedoch durchaus gebrauchen. Kann über die nächsten 3, 4 Jahre noch mit großem Genuss getrunken werden.

Mittwoch, 30.07.2008

1999 Grüner Veltliner Ried Lamm, Bründlmayer - Kamptal


95 Punkte- Wow, was für eine elegante Weinbombe - dieser Satz ist ein Widerspruch in sich, aber passend für diesen Wein. Inzwischen 9 Jahre alt, aber immer noch eine GV-Referenz. Im Jahrgang 1999 hat Willi Bründlmayer einen Wein erschaffen, der unglaubliche Power mit einer hedonistischen Trinkfreude kombinert, die nur unfassbares Erstaunen hinterläßt.

Die Nase ist geprägt von einem "schmerzhaften" Duft von Pfefferkuchen, Salz, Marillen, weißem Pfeffer und einer Aromendichte, die stets dazu verleitet die Nase immer und immer wieder in Glas zu halten. Für den Gaumen der ultimative Härtetest; ein Wein der die Geschmacksknospen zum Explodieren bringt (oder wie es Stuart Pigott in seiner ihm eigenen Spache zum Ausdruck gebracht hat: "Ein Neutronenstern von ungeheurer Dichte, der mit ungewöhnlich intensiver Leuchtkraft pulsiert". Wenn man dies weniger prosarisch ausdrückt, bewegt den Gaumen eine nicht endend wollende Mineralik, die sich in einer extrem spürbaren Salzigkeit ausdrückt. Paralell dazu pruduziert ein Alkoholgehalt von 15% einen wunderbaren Schmelz, der hervorragend die Aromen trägt. Da sind z.B. Marillen, Tabak, Vanille, weißer Pfeffer (kein Pfefferl, sondern ein ausgewachsener weißer Pfeffer), exotische Fruchtanklänge, Waldhonig, (...). Bei aller Kraft und Dichte ist dieser GV auf höchstem Niveau (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft) ausgewogen und trinkig, die Länge ist atemberaubend und ich freue mich sehr, sehr auf die 4 Flaschen, die ich noch im Keller habe.

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Montag, 21.07.2008

2003 Chateauneuf du Pape, Domaine Charvin - Rhone


95 Punkte: was für eine herrlicher (trotz des extrem sonnigen und heissen Jahrgangs), typischer und eher klassischer CdP. Die Nase so unglaublich schön und betörend, alles andere als schwer, komplex, ja fast verspielt. Gegrillte Kräuter; rote Früchte (perfekt ausgereifte  Himbeeren), etwas abefahrene Gummireifen, Tee. Am Gaumen sehr tief, strukturiert, aber mit verspielter Finesse; ein emotianaler Wein! Die feine Fruchtsüße ist das Bindeglied zwischen Frucht, Tannin und einer reifen Säure; voller Körper; schwarze Kirschen, schwarzer Pfeffer, ein Hauch von frischem Tabak, erstaunlich kühl wirkend. Eine CdP-Referenz. Das alles ist immer noch zu bekommen für ca. 30 Euro - Weltklasse auf noch bezahlbarem Niveau.

1998 Harys, Domaine du Trapadis - Rasteau / Cotes du Rhone Villages


90 Punkte - Nun habe ich es raus gelassen....das Monster von einst. In seiner Jugend (ca. 2001) kaum zu ertragen, so viel Kraft und Tannin, dann in 2004 eine Flasche, die unerträglich war (krasser Schwefelböchser, von Frucht nahezu keine Spur) und jetzt schau her: ein fescher Kerl, der durchaus zu betören weiss. Ein eleganter Tänzer wird das nimmer mehr, aber auch ein Bauernsohn kann seinen Charme spielen lassen; er muss sich nur seiner Qualitäten bewußt sein. Dunkel, stramm und saftig - so kann man diesen Kerl wohl am besten beschreiben. Die herrliche Extaktsüße und die durchaus vorhandene Säure machen den Wein -trotz aller Kraft - fast sexy. Runde, körnige, aber immer noch richtig feste Tannine, dazu ein süßer Saft von reifen (aber nicht überreifen), schwarzen Waldfrüchten mit einem würzigen Tabak-und Holzton sowie etwas dunkler Schokolade. Der Wein ist vom ersten Mundgefühl rundlich , aber dann kommt  die stattliche Statur zum Vorschein; körperreich;  einer durchaus überzeugender Wein mit erstaunlich gut gehaltener Frische. Jetzt richtig geil zu trinken, kann aber weitere Jahre ohne Problem verkraften (wahrscheinlich hohe Flaschendiffenenz, denn bei dem Schwefelproblem von 2004 hilft auch kein längere Lagerzeit). Im Abgang wirkt das Tannin ledier etwas trocknend.

Freitag, 18.07.2008

Deutsche Rieslinge - Große Gewächse 2004


Ein ganz normaler Montag - ganz normal ?? Nein, ganz normal ist das nicht, dass man für eine Weinprobe von Düsseldorf nach Hamburg reist - auch wenn am nächsten Tag ein "normaler" Arbeitstag absolviert werden muss. Doch diesmal rief ein lieber Weinfreund zur Verkostung und was kann es Schöneres geben, als an einem lauschigen Sommerabend mit engen Weinfreunden im großen Garten mitten in Hamburg zu sitzen und kritisch die Ergebnisse deutscher Spitzenwinzer unter die Lupe zu nehmen. Das ganze war ein großer Spass und man vergißt schnell an einem solchen Abend alles um sich herum und der Streß der Tage fällt besonders schnell von einem ab. Dieter, vielen Dank für diesen vergnüglichen Abend .........auch wenn am nächsten Morgen der Knüppel aus dem Sack kam und mir eins über den Schädel gebrummt hat ;-))


Here are the results of the Düsseldorf jury:

 

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Donnerstag, 10.07.2008

2007 Burgans Albarino, Martin Codax - Rias Baixas (90 PP, Aldi Wein)


Nun steht er vor mir, der aktuelle ALDI-Knaller, der 90 Parker Punkte Spanier aus Galicien. Doch etwas genauer betrachtet hat nicht Parker persönlich die 90 Punkte vergeben, sondern Jay Miller, der für Parkers Zeitschrift Wine Advocate schreibt. Grundsätzlich ist das normal, denn in vielen Ländern hat Parker seine Adlaten eingesetzt, ansonsten ist der Menge Wein, die darauf wartet vom "Meister" bewertet zu werden, nicht mehr beizukommen. Man sollte jedoch wissen, dass Jay Miller einer der high scorer in Parkers team ist und gerne viele Punkte vergibt. Und das schreibt er zum 2007 Albarino Burgans:


"Burgans is a custom cuvee made for importer Eric Solomon. While it’s not the best Albarino on the market, in terms of bang for the buck, it has no challenger. The 2007 Burgans Albarino is light gold-colored with a sprightly nose of mineral, spring flowers, and lemon peel. Ripe, balanced, and concentrated, this is an ideal match for flaky fish courses. Drink it over the next 1-2 years"

Quelle: www.erobertparker.com


Bei so viel Vorschusslorbeeren wird man natürlich neugierig und Dank einer kleinen Tauschauktion habe ich nun eine Flasche zum Verkosten und das erste Urteil ist: "lecker !!!"

Die für die DO Rias Baixas typische Rebsorte Albarino bringt Weissweine mit einer knackigen Säure hervor und die kann man diesem Wein attestieren ohne Weinkenner zu sein. Die Nase ist frisch, mit Anklängen von Mandarinen und Frühlingsblüten (nicht bei Parker abgeschrieben ;-))). Am Gaumen zeigt sich gleich die knackige Säure, aber er hat genug Fett auf den Rippen, um nicht säurelastig zu sein. Schöner Schmelz, recht extraktreich, in der Aromatik eine Mischung aus Mandarinen, Granny Smith und ein Hauch von Honigmelonen. Ich habe versucht ihm ein schweres Leben zu bereiten und habe ihn aus dem großen Burgunderglas getrunken, aber selbst da fällt er nicht auseinander, sondern zeigt Standfestigkeit. Auch nach dem Schlucken bleibt er am Gaumen und an der Zunge aromatich haften.


Fazit: 89 Punkte - Knackig, frisch, dicht und ein richtiges Maul voll Wein. Nicht lagern, in diesem Sommer (2008 !!) trinken.


Für Bild bitte weiterlesen   

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Dienstag, 01.07.2008

Ein Weinabend mit Freunden / Schäfer-Fröhlich, Deiss, Stodden, Le Cedre und Vin Santo von Felsina


Nachdem ich die 400km von Düsseldorf nach Hamburg einmal mehr "gefressen" habe, kamen meine Freunde Andreas und Mathias zum "Männerabend" vorbei. Mit Brot. Käse und ein paar Flaschen Wein machten wir uns einen netten Abend.

Der Startschuss fiel und ein 2005 Schäfer-Fröhlich, Felseneck Großes Gewächs - Nahe (89 Punkte) kam ins Glas. In der Nase ein recht deutlicher Schwefelböchser, dahinter viel Mineralik und eine frühe (zu frühe) Petrolnase, die (noch dezent) zum Vorschein kam. Am Gaumen dicht, fest gewoben, straffer Zug, kräutrige Mineralik. Wenig Frucht, dafür viel Mineralik, fest, ein Wein zum Beißen. Schöne, tragende Säure, mittlere Länge. Wenn man den Schwefelböchser zu Beginn (wird mit viel Luft etwas schwächer) ein wenig ausblendet, hat er momentan die 89 Punkte verdient; künftiges Entwicklungspotential hat er meiner Meinung nach nicht.

Ein ganz anderer Stil war der nun folgende 2001 Grünspiel, Marcel Deiss - Elsass (92 Punkte). Ein gemischter Satz  von Gewürztraminer, Riesling und Pinot Noir - goldgelb im Glas, mit opulenter Nase von kandierten (exotischen) Früchten, Orangenzesten, aber auch blütigen Noten; dahinter ein Hauch grüne Walnuss. Ein dichter Schmeichler mit ausladender Aromatik, aber ohne jede Gefahr zu sehr in die Breite zu gehen. In seiner Jugend wirkte er mineralischer, dafür hat er jetzt an Tiefe und Substanz zugelegt. Die schöne Säure bildet ein gutes Gegengewicht, sodass man einen intensiven, aromatischen Wein genießen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon nach dem ersten Glas satt ist. Der Wein ist nicht ganz trocken, aber die Süße ist bestens integriert und der Grünspiel 2001 hat Potential für viele Jahre.

Weiter ging es mit dem ersten Rotwein, einem 2003 Recher Herrenberg Auslese JS ***, Stodden – Ahr (88 Punkte). In der Nase kräutrig, holzgeprägt, mit leicht gemüsigen Anklängen. Am Gaumen kühl, recht fest, mit roter Beerenfrucht, leider etwas säuerlich und hinten heraus stören etwas die grünen Holztöne. Die 88 Punkte bewerten insbesondere das Potential, vorausgesetzt der Wein verliert noch die grünen Holznoten. Da die Frucht ausreichend kräftig ist und der Wein auch an diesem Abend mit zunehmender Luftzufuhr die Holznoten etwas verliert, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen leider weitere 3-4 Punkte abgezogen werden. Positiv ist der schöne Biss und die durchaus feine Mineralik, die die Recher Herrenberger Auslese *** erkennen lässt.

Der zweite Rotwein kam aus Frankreich: 1998 Le Cedre, Chateau du Cedre – Cahors (92 Punkte). Diese reinsortige Malbec ist schon etwas Besonderes. Inzwischen hat er zehn Jahre auf dem Buckel und er befindet sich wohl in seiner ersten Reifephase. Im Glas ein komplexer Aromenstrauss mit vielen Früchten und einem Hauch von Nelken, dabei erstaunlich kühl und harmonisch. Mittlerer Körper, kein Alkoholmonster, sondern enorm trinkig und mit schöner Länge am Gaumen.

Den Abschluss dieses Weinabends zu dritt, bildete einer meiner liebsten Weine überhaupt, der 1988 Vin Santo von Fattoria di Felsina – Toscana (98 Punkte)  - Die Notiz aus dem August 2005 stimmt noch zu 100% - http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=46

Donnerstag, 26.06.2008

Drei kleine Italiener ...


Es  war ein Freitag im Frühling und ich einmal mehr Gast bei lieben Freunden in Frankfurt.

 

Schöner kann ein Frühlingsabend kaum sein. Auf der Dachterasse saßen wir bei schon sommerlichen Temperaturen mit Blick auf die Skyline der nahen Wolkenkratzer und ich war fasziniert von dem, was geschaffen werden kann, wenn Natur, Mensch und Technik Sinn und Genuss stiftend Hand in Hand arbeiten. 

 

Einerseits waren da die Hochhäuser der Banken, Sinnbild der Wirtschaft und des Geldes. An diesem Abend waren sie jedoch bloß die Leinwand für ein Lichtspektakel wie es nur die Natur hinbekommt. So hüllten sich z.B. die Zwillingstürme der deutschen Bank – dank ihrer Spiegelglasfassade - alle 10 Minuten in einen anderen Umhang aus Licht und Farbe.  

 

Eine ganz andere Form von Kunst hatten wir im Glas. Was die Natur und der Mensch vor vielen Jahren in Symbiose hervorgebracht hat, war schon schwer beeindruckend und ich war froh, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht den sofortigen Genuss suchen, sondern mit viel Phantasie und Ruhe auf die harmonisierende Wirkung der Reife setzen und Weine Jahre im Keller liegen lassen. Im Mittelpunkt standen drei „kleine“ Italiener, die schon in die Jahre gekommen waren. – „Klein“ deshalb, weil keiner der Weine auf einem richtig berühmten Weingut das Licht der Welt erblickt hat, sondern alle zu einer Zeit entstanden ist, wo ihre Wiege wohl mit Bauernhof umschrieben werden muss. Aber da alle Wege nach Italien erst durch heimische Gefilde und Österreich führen, haben wir dort sehr erfolgreich einen Abstecher gemacht. 

 

Zum „Stimmen“ von Mund und Nase gab es vorab einen 1997 Grünen Veltliner Ried Steinsetz von Schloss Gobelsburg - Kamptal (84 Punkte). - mit seinen 12,5 % genau der richtige Start. Reifes goldgelb, deutlich gereifte Aromen in der Nase. Der Gaumen wird mit einer straffen Säure und etwas gezehrten Art konfrontiert. Da ist zwar noch Leben drin, aber ein paar Jahre früher getrunken,  war das bestimmt der größere Genuss. Im Abgang auch etwas bitter.

 

Nun begann der Abend richtig und es ging Schlag auf Schlag! Eine echte Genussgranate war der 1999 Hochheimer Domdechaney Erstes Gewächs, Domdechant Wernersches Weingut – Rheingau (94 Punkte). Dichte gelbe Farbe, fantastisch tiefe Nase – da finden sich Pfirsiche, reife Mango, ein Extrakt von getrockneten Wiesenblumen und viele Aromen mehr. Am Gaumen weich und geschmeidig, gleichzeitig dicht und extraktreich. Es baut sich ein komplexes Aromenspiel (z.B. Mandarinen, gelbe Pflaumen, süße Ananas, Kamille), das in einem langen Finale endet. Aus gleichem Jahrgang und Lage besitze ich noch eine Auslese – bin gespannt, ob sie die gleiche tiefe und komplexe Aromatik entfalten kann. Ich höre den Tiger singen: sexbomb, sexbomb -  Rheingau at it’s best !!

 

Es folgte ein Donnerschlag aus Österreich: 1999 Zöbinger Heiligenstein Riesling Lyra, Weingut Bründlymayer, 14,5% Alk. (95 Punkte). Von diesem Wein hatte ich selbst einst zwei Flaschen im Keller, die eine leider fehlerhaft und die andere definitiv zu früh getrunken. Zwar habe ich schon 2003 sehr ordentliche 91 Punkte vergeben und folgendes notiert:

 

„Reife Noten wie Pfirsich, Blutorangen, üppig und im Stil einer Auslese, dabei viel Spiel und Aromentiefe, dicht und füllig, cremige Art, viel Frucht und nahezu optimale Säure, mit viel Finesse und keineswegs nur wuchtig; im Abgang ebenfalls mit viel Frucht, auch Mineralik, rund und lang, bereits jetzt zugänglich, wiewohl jede Menge Potenzial.“

 

Nun floss der Riesling Heiligenstein strohgelb ins Glas; in Nase und am Gaumen sehr fest und dicht, ein Kräutergarten, eine berstende Mineralik, echter „Beißstoff“ – löst einen Kaureflex aus, salzig; dazu Aromen von Orangenzesten – ein Kerl von einem Wein. Doch dieses Mannsbild hat es in sich, denn da ist nicht nur schiere Kraft, sondern auch charakterliche Stärke und Komplexität. Im Glas baut er mit zunehmender Wärme und Luft weiter aus und endet dann hinten heraus auf weißem Pfeffer…… nein, es war kein GV.

1999 hat Willi Bründlmayer einfach Unglaubliches auf die Flasche gebracht, es ist wohl sein bester Jahrgang in den letzten 10 Jahren. Über 2007 wir kolportiert, dass dieser wieder das Format des 99er haben soll – leider konnte ich selbst noch nicht verkosten.

 

Nun kamen die roten, gereiften Weine aus meiner liebsten Weinregion in Italien: dem Piemont. Der 1978 Barbaresco von Livio Pavese – Piemont (91 Punkte)  ist sicherlich von der Papierform nur ein Einstiegswein, doch was ein ordentlicher Erzeuger in einem Top-Jahr auf die Flaschen bringen kann, zeigt dieser Barbaresco . In der Nase ein Waldfruchttee-Mix, Anklänge an feuchtes Unterholz und auch etwas Liebstöckel. Am Gaumen sehr lebendig, schöne Kräutrigkeit, Sauerkirschen, rote Johannisbeeren (roter Früchtetee). Dieser Wein zeigt bei aller Leichtigkeit einen erstaunlichen Charakter; ist recht fein und harmonisch und obendrein kann er immer noch einen zarten Schmelz vorweisen.

 

Der nächste Wein kommt aus einem ebenfalls großen Jahrgang, der jedoch nicht ganz das Niveau des 78er erreicht: der 1974 Barolo Annunziata von Angelo Germano – Piemont (92 Punkte) floss sehr klar ins Glas und zeigte in Mund und Nase eine hervorragende Struktur. Für sein Alter besitzt er noch viel Druck und Kraft, alle Komponenten dieses Barolo haben sich gut miteinander verwoben und seine klare, eher maskuline Art mit eher dunklen Aromen passt sehr gut zu den immer noch widerhakenden Tanninen. Frei von Liebstöckelaromen und anderen Erscheinungen, die häufig eine baldiges Ende verkünden.



Der letzte der drei kleinen Italiener war dann auch der älteste: 1961 Giacomo Damilano Riserva Speziale – Piemont (91 Punkte). Diese Kellerei ist auch heute immer noch im Familienbesitz, wenn auch im weit verzweigten. Nach Ende des 2.Weltkrieges hat man im Hause begonnen eigenen Wein herzustellen und zu vermarkten. Der heutige Standort zwischen Alba und Barolo existiert seit 1965. Dieser Weine müsste somit den damaligen Umzug miterlebt haben. Es ist schon erstaunlich, was dieser über 45 Jahre alte Wein noch so ins Glas zaubert;  die Farbe muss für einen so alten Barolo als überraschend dicht bezeichnet werden, an Gaumen und Nase zeigt er eine feine Tertiärfrucht, unterstützt von feinwürzigen Noten. Insgesamt gut strukturiert und balanciert, mit noch erkennbaren Tanninen und mineralisch wirkenden Eindrücken.

Dienstag, 17.06.2008

BBP - Best Bottle Party - Ein Weinfest im März


Zur Best Bottle Party (BBP) trafen sich am 20.März dieses Jahres 10 Weinfreunde im Düsseldorfer Restaurant „Schorn“, um den besten Flaschen aus den Kellern der Teilnehmer zu huldigen. Vielleicht waren es nicht die allergrößten Flaschen, aber alle Teilnehmer hatten echte „Herzblut-Flaschen“ mitgebracht. Die Probe wurde bereits vor einiger Zeit vom weinterminator ausführlich beschrieben; da ich jedoch meine eigenen Eindrücke grundsätzlich in den Computer hacke, um sie für eigene Zwecke zu dokumentieren, dachte ich, dass einige Weinfreaks und Leser meines kleinen Blogs Spaß an einer „zweiten Meinung“ haben……..

Als die Tafel voll besetzt war, starteten wir in einen Abend, der 25 (!!) außergewöhnliche Momente bescheren sollte. Wie in jedem großen Film oder Theaterstück lagen jedoch Freund und Leid eng beieinander. Mindestens genauso weit auseinander lagen allerdings auch die Geburtsjahre der Dasteller – zwischen 1910 und 1995!!

 

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Sonntag, 08.06.2008

Mövenpick Jubiläumsverkostung - Teil 2 - Österreich, Spanien, Frankreich, U.S.A


Nun erfolgte ein Schwenk hin zu den Weinen der Jubiläumsverkostung, von denen ich jedoch nur ganz Wenige im Glas hatte, da die Zeit fortgeschritten war und der wohlverdiente Feierabend des Mövenpick-Teams nahte.


Am Start zwei Weine aus Österreich, die ich bereits auf der Prowein in Düsseldorf verkostet hatte. Los ging es mit dem 2007 Singerriedel Riesling Smaragd von Franz Hirtzberger (93 Punkte) – Wachau. Recht aufgeknüpft zeigte sich der Singerriedel mit herrlichen gelben Steinobstaromen, einer frischen, kräutrigen Mineralik, die aber momentan gegen die jugendliche Frucht noch nicht ganz ankommt und erst in paar Jahren die Zügel übernehmen wird. Jugendlicher Schmelz, tiefe Aromatik, sehr schön strukturiert und schon in seiner Jugend in sich stimmig und ausgewogen. Wer diese jugendliche, etwas pausbäckige Art mag, wird jetzt schon Spaß beim Genießen haben; ich ziehe es vor, den Wein für 1-2 Jahre auf die Seite zu legen, um dann mal wieder zu schauen, was daraus geworden ist. Euro 45,90


Es folgte sein „Bruder“: 2007 Honivogl Grüner Veltliner Smaragd von Franz Hirtzberger (94-96 Punkte) – Wachau. Substanzreicher, tiefer, und in seiner Jugend etwas speckig daherkommender GV, dessen Frucht, Schmelz und Saftigkeit schon jetzt zu überzeugen weiß. Die Mineralik ist  - wie beim Riesling Singerriedel“- noch etwas hinter dem jugendlichen Fruchtspeck verdeckt, aber verleiht ihm schon jetzt Kraft und Tiefe. Die Extraktsüße, die mineralischen Anlagen und die saftige Frucht werden in 1-2 Jahren dafür sorgen, dass der Honivogl  2007 dann bestens definiert ist und die von ihm gewohnte Rasse und Klasse aufs Parkett bringen wird. Nice to have, werde wohl 2,3 Flaschen kaufen.  Euro 43,90


2004 Échezeaux Grand Cru von Robert Arnoux (90 Punkte) - Burgund
. Sicherlich für das Jahr 2004 ein sehr guter  Burgunder, der mit seiner tiefen, recht saftigen Frucht zu begeistern weiß; dunkle Beerenfrucht – gepaart mit den feinen Noten einer Tabakkiste erzeugen ein Spannungsbogen am Gaumen, der getragen wird durch gute Tannine, die ausgereift sind und sich bereits jetzt gut integrieren. Für Euro 132 sicherlich kein Schnäppchen, denn zum großen Kino fehlt es – trotz der schönen Frucht - etwas an Komplexität und Länge.


2001 Valbuena 5°, Bodegas Vega Sicilia (94 Punkte) – Ribera del Duero; WOW, was für ein schöner Stoff; hervorragende Fruchtigkeit (süße, reife Kirschen, Waldbeeren, Pflaumen)  gekleidet in Samt und Seide und mit dem feinen Duft von edlen Hölzern und Vanille umgeben. Tiefer Aromenansatz, bestens strukturiert; die reifen, körnigen Tannine sowie die schöne Säure sorgen für das Rückgrat dieses Weines. Ein verschwenderischer Wein, der einen Hauch Orient versprüht. Zu Hause angekommen, habe ich ein wenig über diesen Wein recherchiert und gelesen, dass in 2001 der gesamte Wein, der für den UNICO vorgesehen war, in diese Füllung gegangen ist. Spaniens Weinpapst Penin (für mich der brauchbarste unter den spanischen Weinführern) hat ihn mit 95 Punkten sogar einen Punkte höher gesetzt als den 95 UNICO, der aktuell ebenfalls im Verkauf ist. Ich hatte den 95 UNICO auch schon im Glas, kann mich erinnern, dass ich nicht sonderlich begeistert war, kann aber meine Notizen leider jetzt nicht finden.


Die rote Laterne hatte dann der 2004 Dominus von  Christian Moueix (91 Punkte) – Napa Valley. Bereits das zweite Mal in diesem Jahr im Glas hatte ich die 04er Ausgabe Dominus des Chateau Petrus Eigentümers Christian Moueix. Do beide Mal konnte mich dieser Wein nicht inspirieren. Es ist ein runder, weicher, sehr dichter, aber keinesfalls marmeladiger Wein. Die schöne Stoffigkeit und die Frucht von dunklen Beeren, schwarzen Kirschen und Lakritz sind sehr gut ins Glas gebracht, auch das runde, weiche, etwas samtige  Mundgefühl ist sehr gut, die reifen Tannine sind bestens integriert und geben dem Wein auch Struktur, trotzdem wirkt er auf mich zu glatt, zu poliert, da ist aber auch gar keine Ecke oder Kante, an der man sich stoßen oder reiben kann. Euro 99,90

 

Mövenpick Jubiläumsverkostung - Teil 1 - Deutschland 2007


Anlässlich des 60. Geburtstages von Mövenpick war die monatliche Verkostung in der Düsseldorfer Filiale gleich doppelt besetzt. Einerseits konnte die Neuzugänge aus Deutschland verkostet werden, andererseits kam im Rahmen der eigentlichen Jubiläumsverkostung   der High-End-Bereich des Sortiments ins Glas. Die schöne Sache bei Mövenpick finde ich nach wie vor, dass man für jedes Glas einzeln bezahlt und so am Ende nicht in der misslichen Lage ist, kaufen zu müssen, um auch beim nächsten Besuch noch den Verkäufern in die Augen schauen zu können.

Da ich Teile der Jubiläumsverkostung schon bei den Themenproben kennen gelernt hatte, habe ich mich auf Deutschland 2007 konzentriert. Leider habe ich nicht das volle Programm geschafft, da ich nur einen Abend dabei sein konnte. Die angegebenen Preise sind Mövenpick-Preise.


Richtig gut ging es los mit dem 2007 Blauschiefer QbA trocken von Dr. Loosen (85 Punkte) - Mosel - das ist ein Zechwein der allerbesten Sorte, frisch, geradlinig, mit mineralischen Anklängen, dabei in sich stimmig und unglaublich lecker. Für Euro 8,90 der ideale Begleiter durch diesen Sommer.


Einen Euro teurer, aber nicht besser der 2007 Saar Riesling, Fuder 13 von Van Volxem (83 Punkte) - Saar - zwar etwas dichter als der Blauschiefer von Dr. Loosen, aber zur Zeit sehr unruhig, alles steht irgendwie nebeneinander, Süße und Säure scheinen sich überhaupt nicht miteinander zu vertragen und die Saar-typische Mineralik kommt gar nicht erst zum Vorschein; ich glaube, das geht besser.


Ein anderes Kaliber ist die 2007 Niederberg Helden Riesling Spätlese trocken von Wilhelm Haag (88 Punkte)- Mosel. Das ist Moselriesling pur, verspielt, ein wenig tänzelnd, aber doch ernst zu nehmen, schönes Säure-Süße-Spiel; zur Zeit mit Aromen von Äpfeln und Weinbergspfirsich am Gaumen; dazu eine schöne Mineralik, die etwas kräutrige Aromen versprüht - und fertig ist ein schöner Riesling. Von dieser Sorte Wein trinkt man gerne ein zweites oder drittes Glas, da er eine Leichtigkeit besitzt, die beschwingt und trotzdem bietet er Stoff für den regen Meinungsaustausch. Auch der Preis verleitet den Spaß nicht, denn mit Euro 12,80 ist er angemessen bezahlt.


Die 2007 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken vom Weingut Fritz Haag (89 Punkte)- Mosel - legte dann noch eine kleine Schippe oben drauf und fand großen Anklang in der Runde. Zur Zeit steckt der Wein noch komplett in den Kinderschuhen, die Frucht ist ein wenig pausbäckig und erinnert eher an Limonade/Fanta, aber das Potential dieses Weines kann man schon riechen und schmecken. Ein paar Monate noch und der Wein wird aufblühen, sich ausdifferenzieren und so die nötige Eleganz entwickeln. Die Anlagen sind hervorragend, einerseits stoffig, dicht, andererseits nicht zu schwer und die schön eingebundene Säure puffert schon heute das kleine Zuckerschwänzchen hervorragend ab. Euro 17,90


Eigentlich mit drei Weinen vertreten, von denen ich aber nur zwei verkostet habe, war Emrich-Schönleber. Der erste hat mich ein wenig erschreckt, denn der 2007 Riesling "Mineral" QbA trocken vom Weingut  Emrich-Schönleber (85 Punkte) - Nahe -  kommt zwar mit seiner kräutrigen Mineralik gut vom Startblock weg, die Citrusaromen verleihen ihm eine schöne Frische, er ist sehr klar und zupackend, aber Abzüge in der B-Note versagen ihm bei mir eine höhere Bewertung: die Säure packt nicht nur zu, sie greift an! Euro 13,50


Das 2007 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken vom Weingut Emrich-Schönleber (87-91?? Punkte) - Nahe - ist aktuell eigentlich nicht zu bewerten, denn ich habe selten einen so jungen Wein erlebt, der so wenig von sich preisgeben wollte. Auffällig ist auch hier, die etwas spitze Säure. Ansonsten habe ich den Wein beatmet, gelutscht und ihm so den einen oder anderen Laut abgerungen, aber außer von einer kräuterwürzigen Mineralik kann ich nicht ernsthaft berichten. Ich glaube, der Wein hat viel Potential, aber man wird sehen.......


Nun gab es ein kleines Intermezzo, der 2006 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling trocken von Josef Leitz (92 Punkte) - Rheingau -  kam ins Glas und der erforderte die volle Aufmerksamkeit und das nicht nur, weil er mit Euro 65 pro Flasche der teuerste deutsche Wein des Abends war.  Dieser Riesling  hat  mich  mit seiner Kraft und Wucht "gekriegt" - das ist ein Riesling Wachauer Prägung: Kraft und Saft, viel Schmelz, schöne gelbe Steinobstfrucht, Kräuter, aber auch etwas tabakige Noten, die den Abgang fordernd gestalten. Auffällig an diesem Wein ist das "Fett", dass er mit sich rumschleppt, dass aber aufgrund der Säure nicht anstrengend, gar plump oder überladen wirkt; letztlich trägt es diesen Wein bis in sein langes Finale. Schwierig ist, hier das Alterungspotential richtig einzuschätzen; wer genug Flaschen hat, bitte ausprobieren und berichten ;-)) Ansonsten eher in den nächsten 4-5 Jahren trinken. 


Es ging zurück zum aktuellen Jahrgang 2007. Der 2007 Riesling QbA vom Weingut Wittmann (82 Punkte) - Rheinhessen -bietet für seine Euro 9,80 mir deutlich zu wenig: er wirkt recht dünn, dadurch macht ihm die straffe Säure arg zu schaffen und die paar Citrusnoten hauen es dann auch nicht mehr raus. Eigentlich für einen Basiswein eines solchen Hauses zu wenig.


Hallo !! Ein ganz anderes Kaliber ist die 2007 Scheurebe QbA trocken vom Weingut Wittmann (87+ Punkte) - Rheinhessen. Schön trocken ausgebaut, mit viel Frische, nicht zu laut von den Aromen, sondern zartduftig, mit frischen, feinen Fruchtaromen (Johannisbeeren, Kiwi, etwas Minze). Recht fest im Biss und mit der Frische ihrer Jugend ist das ein geiler Wein für den lauen Sommerabend auf der Terrasse mit Freunden bei viel Spiel, Spaß und Spannung (für alles sorgt dieser Wein). Da die Scheurebe zum gleichen Preis (Euro 9,80) wie der Riesling QbA zu haben ist, gibt es keinen Zweifel, was man kaufen sollte. Jung trinken !!!


Nun ging es in die Pfalz. Der 2007 Forster Musenhang Spätlese trocken aus dem Hause Mosbacher (87 Punkte)- Pfalz. Dieser Riesling macht seinem Namen durchaus Ehre, denn er ist zartduftig, weiblich und ein wenig verspielt, aber auch eine Muse benötigt Durchsetzungskraft und so ist dieser Wein recht dicht und besitzt einen mineralischen Nachhall. Euro 14,90


Ab ging die Luzi !! Der 2007 Sauvignon Blanc vom Weingut Mosbacher (88+ Punkte) - Pfalz -  ist ein geradliniger, spritziger (im Stahl ausgebauter), unglaublich klarer und sauberer Sauvignon Blanc. Ich mag diesen frischen, knackigen, etwas grasigen  Stil mit Aromen von Pampelmusen, Johannisbeeren und Tannennadeln. Klar, straff, harmonisch und animierend - jung trinken!! Euro 11,90


Der dritte Wein aus gleichem Weingut war der 2006 Forster Ungeheuer Riesling GG vom Weingut Mosbacher (89 Punkte) - Pfalz. Etwas erschrocken war ich auf Grund der fortgeschrittenen Entwicklung dieses 2006er Großen Gewächses. Zu Beginn ganz leichter (Petrol-)Stinker, dann kandierte Früchte. Am Gaumen mit großer, saftiger Dichte; die von mir so geliebte Ungeheuer-Mineralik kommt beim 06er Jahrgang momentan leider nicht richtig zur Geltung. Stoffig, mit guter Säure, schönem Schmelz und einer eher gelbfruchtigen Steinobstfrucht ist das Ungeheuer vom Weingut Mosbacher sicherlich ein sehr guter Wein, aber die herausragende Größe anderer  Jahrgänge, die ich bei diesem Wein aus dem Hause Mosbacher schon erleben durfte (z.B. 2001), hat er nicht. Endet recht lang auf etwas tabakigen, leicht bitteren (aber nicht störenden) Noten. Kein Lagerjahrgang, in den nächsten 1-2  Jahren austrinken.

 


Nun folgten zwei Chardonnay, zunächst der 2007 Chardonnay Spätlese trocken vom Weingut Pfeffingen (87 Punkte) – Pfalz. Dieser sehr klare und frisch daher kommende Chardonnay ist für den baldigen Genuss hervorragend geeignet. Sehr sortentypisch, etwas blumig, ein Hauch von Nussigkeit, aber auch etwas würzige Anklänge, gelbe Frucht, klar und frisch. Ein schönes Ergebnis, oder sollte ich besser sagen Erlebnis, dass mit Euro 10,40 sehr fair bepreist ist.


Vom Stil ganz anders, da im Barrique ausgebaut, der 2006 Chardonnay „R“ Spätlese trocken von Hansjörg Rebholz (89 Punkte) – Pfalz. Sehr gut definierter Holz-Chardonnay, bei dem die Aromen aus dem Holz und Fruchtnoten sehr, sehr gut harmonieren und der Wein an Komplexität gewinnt. Insgesamt recht kühl, klar und sehr gut definiert. Ein breites Aromenspektrum  zeichnet dieses Chardonnay aus: Sahne; Vanille; gelbe Früchte; feine, nussige Würze. Ein sehr stimmiger, harmonischer Barrique- Chardonnay, der zum kräftigen Schweinebraten oder würzigen Hühnchen sicherlich hervorragend passt.

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Mittwoch, 04.06.2008

2007 Ried Achleiten Grüner Veltliner Ried Achleiten, Lehensteiner - Wachau


90 Punkte - Ein sehr schönes Mitbringsel meines Freundes Bernd von seiner letzten Wachau-Tour ist dieser jungs Smaragd von einem ebenfalls jungen Winzer aus Weissenkirchen. Was hier für  Euro 12,- aus der Flasche kommt, ist Trinkfreude pur!! Nachdem ich von diesem Wein gestern am Abend - kurz vor dem zu Bett gehen - ein Glas als Schlummertrunk bereits sehr genossen habe, zeigt er heute, ca. 24 Stunden später, wo die Reise hingeht. Gestern noch etwas mit jugendlichem Speck, ist er heute viel trinkiger und deutlich animierender. In der Nase mit seinen Anklängen an Steinobst und der  leichten Kräuterwürze noch etwas zurückhaltend, erfreut er heute den Gaumen mit seiner überaus erfrischenden Saftigkeit, Reintönigkeit und komplexen Art. Dies ist ein GV, der ein hohes Mass an Sortentypizität und Mineralität besitzt und ich liebe es, wenn man nicht nur vom Pfefferl spricht, weil man weiss, dass es im GV sein soll, sondern wenn der weisse Pfeffer wirklich deutlich erkennbar ist und mit seiner feinen Schärfe den Spannungsbogen am Gaumen erweitert. Insgesamt zeigt dieser GV aus der berühmten Riede Achleiten eine tolle mineralische Würze, eine feine Frucht von gelbem Steinobst sowie eine schöne Länge; dabei geht die Hand ständig zum Glas, so dass man sich bremsen muss, um nicht im Handumdrehen eine Flasche ausgetrunken zu haben. Mit 2,2, Gramm Restzucker und 13,5% Alkohol ist er auch analytisch in dem Bereich, in dem mir persönlich die Weine Spass machen.

Ich bleibe weiter gespannt, was aus den Alkoholmonstern vieler Erzeuger aus dem Jahr 2006 werden wird.

Jede Stimme zählt: http://www.localwineevents.com/Blogs/blog-521.html

Freitag, 30.05.2008

2004 Copa Santa, Domaine Clavel - Coteaux du Laguedoc


Noch spät sitze ich vor der Kiste und hämmere ein paar Weinnotizen in meine Datenbank. Trotz des warm-schwülen Wetters habe ich heute Lust auf einen kräftig, saftigen Rotwein und werde fündig im Keller bei Clavel. Gerade jung machen mir die Weine von Pierre unheimlich viel Spass, das ganz große Lagerpotential haben sie sowieso nicht. Freunde haben letztens eine größere Verkostung durchgeführt und waren recht enttäuscht, ob der Ergebnisse. Gerade auch der 98er (und das war mal einen Granate) soll recht enttäuscht haben und schon auf dem absteigenden Ast sein. Muss ich demnächst unbedingt selbst nachprüfen, habe auch noch 2,3 Flaschen im Keller davon.

90 Punkte - Die 2004er Ausgabe macht jetzt richtig Spass, sie hat viel Frucht (Blaubeeren, Pflaume, schwarze Kirschen), gleichzeitig ist der 2004er Copa Santa speckig, würzig und auch ein wenig rauchig - ein echtes Maul voll Wein, mit guter Konzentration und schönem Schmelz, der jedoch durch reife, aber kräftige Tannine recht deutlich aufgerauht wird. Ein Naturbursche in recht feinen Zwirn gekleidet. Ich freue mich über solchen Stoff, der für ca. Euro 13 echt viel bietet und auch als Einstiegsdroge verstanden werden kann.

P.S. Bitte abstimmen: http://www.localwineevents.com/Blogs/blog-521.html

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Dienstag, 27.05.2008

2007 Sauvignon Blanc, Georg Mosbacher, Pfalz


84 Punkte - Grundsätzlich bin ich ein großer Freund von Sauvignon Blanc und es freut mich, dass immer mehr Weine dieser Rebsorte auch aus Deutschland kommen. Der 2007er aus dem - von mir sehr geschätzten - Hause Georg Mosbacher überzeugt mich jedoch nicht ganz.

Die Nase ist geprägt von frischen Zitrusaromen (Zitronen und Grapefruit), etwas Cassis, grünen sowie etwas unreifen Stachelbeeren. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen klar als Sauvignon Blanc erkennbar. Ganz frisch im Glas wirkt er sehr frisch und zeigt eine etwas spitze Säure. Die Aromen reichen von leicht grasig bis hin zu den bereits in der Nase festgestellten Citrusfrüchten. Insgesamt mangelt es ihm leider etwas an reifem Extrakt und die Aromen wirken leicht grün. Die etwas mangenlnde Substanz zeigt sich auch, wenn der Wein im Glas wärmer wird - dann wird er aromatisch recht breit und fällt  recht schnell auseinander; die eigentlich recht lang anhaltende citrusartige Frische im Abgang verschwindet leider auch. Trotzdem ein Wein, der im kommenden Hochsommer - richtig gekühlt - die Gaumen erfrischen wird. Bis zum Sommer 2009 würde ich nicht warten.

Montag, 26.05.2008

2006 Winningen Uhlen R "Roth Lay", Heymann-Löwenstein -Mosel


Ich sitze gerade über meinen Aufzeichnungen einer best bottle party aus dem März diesen Jahres. Da es ein längerer Bericht wird, habe ich mir eine Flasche Uhlen R "Roth Lay" von Heymann-Löwenstein genehmigt und bei mir geht die Hand ständig zum Glas, auch wenn er jetzt - in seiner Jugend - noch ein wenig speckig ist und Zeit benötigt um bei der Finesse zuzulegen.

91++ Punkte - Saftiger Riesling, mit mittlerer Tiefe und reichlich würzigen Anklängen; Tabak; viel reifer Pfirsich in der Nase und am Gaumen. Dicht gewirkt, das "süße Fett" drückt die erkennbare Mineralik noch ein wenig in den Hintegrund. Die saftige, extraktreiche Art macht aber jetzt schon Spass, und es fällt schwer die Hand vom Glas (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft)zu nehmen; auf Grund der guten Säure baut sich ein Spannungsbogen bis in den langen Abgang auf. Geschmeidig schmiegt er sich an den Gaumen und im Abgang zeigt die schöne Länge wohin die Reise mit zunehmendem Alter gehen wird: nach oben !!

Mittwoch, 21.05.2008

2001 Domaine Laffont, Hecate - Madiran



93 Punkte - Bereits bei seiner Ankunft in 2003 habe ich diesen Wein mit viel Euphorie verkostet und bewertet, ihn dann aber auf die Seite gelegt, da es letztlich Babymord war und ich vermutete, dass ein paar Jahre später, der Genuss - auf Grund gestiegener Komplexität - um so höher sein müsste.  Nun, fünf Jahre später ist der Hecate immer noch ein Baby. All diejenigen, die ihn im Keller haben, sollten ihn liegen lassen!!


Direkt nach dem ersten Schluck war ich entsetzt, denn das Tannin stand harsch im Vordergrund. Zwar war die saftige und süße Frucht im Hintergrund erkennbar, aber - auf dem Holzweg befindlich - vermutete ich, dass es das war mit Hecate 2001, und dass das Tannin die Frucht um die Ecke gebracht hatte, kaltblütig ermordet in den letzten 5 Jahren. Doch weit gefehlt!! Mehr aus Verlegenheit, denn als aus Kalkül, stellte ich die halb volle Flasche zwei Tage unbehandelt (also Kork wieder auf die Flasche) und ungekühlt in die Ecke. Jetzt, nach zwei Tagen habe ich eine fruchtigen, komplexen, ja fast sinnlichen Wein im Glas. Die runde, süße Frucht stützt sich auf ein mollig, sandiges Tanningerüst, dass zwar (in bester italienischer Tradition) den Rachen nach dem Essen putzt, aber die tolle Frucht (von reifen Waldbeeren, Lakritz, Schokolade, Leder  und Graphit)  hält voll mit  und so baut sich ein Spannungsbogen auf, der meine Hand - trotz der Üppigkeit dieses Weines - klar zum Glas gehen läßt. Die Extraktsüße, die der Wein am Ende zeigt, macht ihn fast wolllüstig. Ich mag solche Dinger, die einen kräftigen Kern haben und gleichzeitig wissen, wie sie ihre wohl proportionierten Rundungen zu ihrem Vorteil einsetzen. Sexbomb, Sexbomb höre ich den Tiger hier singen.  Geiler Stoff, was für den Winter !!!!


In 2003 hatte ich folgens notiert:

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Montag, 12.05.2008

2005 Ankunftsverkostung Bordeaux bei Mövenpick - Notizen aus dem März


Inzwischen sind die aktualisierten Parkerbewertungen draußen und leider habe ich meine beiden Favoriten der Probe nicht gekauft, da wäre sicherlich eine kleine Arbitrage drin gewesen (obwohl einmal im Keller, hätte ich sie vermutlich nicht wieder hergegeben).


Letztlich sind die 2005er Bordeaux ein Jahrgang, der bereits in der Subskrption sau teuer war, aber preislich dennoch deutlich in den letzten Monaten zugelegt hat. Man muss sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, dass eine 12er Kiste Premier Crus in der Subskription ca.  Euro 6.000 gekostet und nun steuert die gleiche 12er-Kiste auf das Doppelte zu. Demnächst wird es wohl heißen: Tausche meinen neuen Peugeot 208 gegen eine 12erKiste Chateau Latour 2005 - das sind Marktauswüchse (!!)  und dies sollte man nicht nur markttechnisch, sondern insbesondere auch mal moralisch hinterfragen. Letztlich muss das aber jeder für sich selbst tun und  für sein Handeln die richtigen Schlüsse daraus ziehen.


Doch nun zu den einzelnen Weinen:

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Samstag, 03.05.2008

Frühlingserwachen II - Eine Bordeauxprobe in Engelskirchen - Teil 2

Hier nun der zweite Teil der Verkostung:



 

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Montag, 28.04.2008

Frühlingserwachen II - Eine Bordeauxprobe in Engelskirchen - Teil 1

 

Erwacht war ich schon vorher – nämlich durch die Einladung von Klaus Nehr alias freak zur Frühlingserwachen II – Probe, die mich am vergangenen Freitag nach Engelskirchen (nomen est omen) geführt hat. Wer jetzt wen wach geküsst hat, ob der Wein uns - oder wir den Wein - hat sich an diesem Abend nicht klären können;  aber meine heimliche Hoffnung, dass die vielen attraktiven Damen aus der Xing-Gruppe, die von Klaus co-moderiert wird, diese durchaus ehrenwerte Übung übernehmen, hat sich leider nicht erfüllt. Doch spätestens beim dritten Wein habe ich mich in mein Schicksal gefügt und mich liebend gerne vom Wein beseelen lassen.

 

Leider mit kleiner Verspätung angekommen (aber das alltäglich Verkehrschaos in und um Köln ist einfach unberechenbar) und trotzdem herzlich aufgenommen, fühlte ich mich schnell sehr wohl in dieser Runde von langjährig erfahrenen Bordeauxtrinkern und solchen (wie mir), die es werden wollen. Die Weine waren bestens vorbereitet (schon am Nachmittag geprüft und dekantiert), der Service der beiden Damen und des Patrons der Alten Schlosserei funktionierte auf herrlich unkomplizierte Art und Weise perfekt, und die Küche tat das Übrige zu einem richtig schönen und gelungenen Genusserlebnis.

Angestellt waren:


1988 La Mission Haut Brion

1988 Cos d' Estournel


1989 Chateau Leoville Las Cases

1989 Chateau Lafite Rothschild

1989 Chateau Montrose

1989 Chateau Pavie


1990 Chateau Malescot St.Exupery

1990 Chateau Pape Clement

1990 Chateau Rausan-Segla

1990 Chateau Calon Segur

1990 Chateau Chateau Pichon-Longueville-Baron

1990 Chateau Haut Marbuzet

1990 Chateau  Clerc Milon


1991 Chateau Latour

1991 Chateau Palmer


1989 Grange, Penfolds (Pirat)

Nur der Form halber: es wurde blind in 2er flights getrunken und unmittelbar nach jedem flight aufgedeckt. Die Liste der Weine war bekannt (bis auf den zusätzlichen Piraten). Doch nun zu den einzelnen Weinen und Notizen: 

 

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Sonntag, 20.04.2008

1999 Mormoreto, Castello di Frescobaldi - Toscana

Zuerst Begeisterung: Satte Beerenfrucht entströmt dem schwarzroten Glas. Fliederbeeren, Kirsche, etwas laktisch, sehr dicht, scheint ein Maul voll Wein zu versprechen. Am Gaumen dann leider Kleber und Aceton. Wieder ein Frescobaldi der keine Struktur zum Reifen hat, wie die Montesodis aus den 90ern.

75 Punkte Diese Worte hat mein lieber Freund Mathias Fahrig, Depotleiter von Jacques (in Hamburg Sternschanze) geschrieben und wie immer, viel zu positiv formuliert. Der Wein hat einen Fehler, er riecht wie essigsaure Tonerde, hat eine deutlich flüchtige Säure und letztlich ist es ein Skandal, dass einem so etwas für teures Geld vorgesetzt wird. In der Nase ist er schlimmer als am Gaumen, aber selbst, wenn man das Gute sucht, kommen da nicht mehr als 75 Punkte zusammen.

2005 Cru Monplaisir, Earl des Eyrins - Bordeaux / Margaux




83 Punkte - Gerade aus der Champagne zurückgekehrt, muss ich einfach von dieser preislichen Begegnung der dritten Art berichten. Was macht man in Frankreich, wenn man in den Supermarkt geht? Klar, neben dem Kauf von alltäglichen Dingen, sucht man nach Schnäppchen beim Wein. Auf diese Art ist schon die eine oder andere Flasche in meinen Keller gewandert, sei es aus Frankreich oder Luxenburg.

Doch diesmal rieb ich mir verwundert meine entzündeten Augen. CRU MONPLAISIR stand da, das Etikett erkennt man auf Grund seiner klaren, reduzierten Schönheit sofort und dann der Preis

2004: Euro 3,50 (Angebot, statt 3,95)
2005: Euro 4,50                                

Ich dachte, das kann nicht sein - dass soll der gleiche Wein sein, um den z.B. der Händler meines Vertrauens jedes Jahr so ein Aufhebens macht und den Wein - in der Subskrption !!! - für:

2003: Euro 8,95 (Subskription); später Euro 9,50
2004: Euro 7,95
2005: Euro 7,95
2006: Euro 7,95

anbietet. Das heißt - im Vergleich - der 04er ist über 125% teurer und der 05er hat noch einen satten Preisaufschlag von über 75%.  Doch preislich ist der Händler meines Vertrauens (und trotz dieser Auswüchse bleibt er das !) noch nicht das Ende der Fahnenstange, ein Blick in google zeigt, dass auch Euro 10,- möglich sind.

Das bringt mich zu einer Anekdote, die der Verkäufer im Shop von William Fèvre in Chablis (ausführlicher Besuchs- und Verkostungsbericht dieser spektakulären Weine folgt) zum Besten gab:

Unterhalten sich zwei Russen, sagt der eine zum anderen: "Schau mal Igor, meine neue Rolex, habe ich in Monaco für Euro 9.000 gekauft." Darauf antwortet Igor: "Bist Du bekloppt Dimitrij, die musst Du in Moskau kaufen, dort kannst Du für die Uhr  Euro 15.000 ausgeben."

Da ich grundsätzlich mit sehr preiswerten Bordeaux noch nie größeren Trinkspass hatte, habe ich vom 05er nur 3 oder 4 Flaschen in einer Kiste über einen engen Freund mal miterworben, aber eine Pulle lag noch im Keller und als ich nach Hause kam, wollte ich wissen, was das Zeug kann.

Klassischer Bordeaux-Blend, duftet zunächst hell, nach eher roten Früchten, Kirschen. Am Gaumen sauber, recht frisch, als Bordeaux gut zu erkennen, aber insgesamt eher leicht und mit wenig Tiefe. Etwas rote Beeren, ein Hauch von Zigarrenkiste und das wars (ohne Länge). Für ca. Euro 4,00 preislich auf Supermarktniveau und da sicherlich unter den top 5% qualitativ anzusiedeln, aber beim doppelten Preis gibt es reichlich Alternativen, insbesondere aus anderen Anbaugebieten und Ländern, die klar mehr leisten fürs Geld. - Austrinken !!


Sonntag, 06.04.2008

1973 - 2006 Coulée de Serrant - Chateau de la Roche-aux-Moines (Nicolas Joly)


Manchmal ist Unwissenheit die beste Möglichkeit für positive Überraschungen. Als ich mich vor ein paar Wochen bei Uwe Bende zu einer seiner gefragten Weinproben anmeldete, wusste ich zwar, dass der „Clos de la Coulée-de-Serrant von Nicolas Joly etwas Besonderes unter den Loire-Weinen ist, denn Nicolas Joly gehört mit 30 Jahren Erfahrung zu den absoluten Pionieren im biodynamischen Weinbau, doch ich hatte nicht erwartet auf derartig individuelle und hochwertige Weinunikate zu treffen.  

 

Nicolas Joly war mit seiner Tochter Virginie (die ganz nebenbei bemerkt perfekt deutsch spricht) angereist. An diesem Abend führten uns beide  mit viel Charme, riesigem Engagement und einem Füllhorn an Informationen durch eine – zumindest für mich – erkenntnisreiche Verkostung.  Erzählen kann man viel, aber die Wahrheit findet man stets im Glas. Doch hier passte das eine zum anderen perfekt; Nicolas Ausführungen zum biodynamischen Weinbau, zum terroir in einer der kleinsten Appellationen Frankreichs  und dem Minimalismus an Kellerarbeit korrespondierte einfach perfekt mit den Erlebnissen im Glas. Selten habe ich so große Jahrgangsunterschiede ausgemacht, selten habe ich so viel Spannung im Glas erlebt, selten haben mir – trotz aller Unterscheide – alle Jahrgänge so viel Anerkennung und Freude über den Wein im Glas abgerungen. 

 

Dieser große Savannières hat eine ereignisreiche Geschichte, über die Francois Morel in seinem Buch: Außergewöhnliche Weine dieser Welt (erschienen im RvR Verlag), S.23f. wie folgt berichtet: „Weine für das Meer“ und „Weine für Paris“, nach diesen Kriterien unterschied man einst die Weißweine von Anjou. Die besseren und körperreichen gingen nach Holland, Flandern und England, die übrigen waren für die Hauptstadt bestimmt. Der Savannières Coulée-de-Serrant trat die Reise über das Meer an, denn er war so berühmt, dass er im 19.Jahrhundert doppelt so teuer war wie die Nachbarweine aus dem Anjou. Er gilt als köperreicher und als lagerfähig. (…) Die Hanglagen auf Schieferboden sind nach Süden und Südwesten ausgerichtet, und das günstige Loire-Klima ermöglicht eine späte Lese, wenn die Beeren einen perfekten Reifegrad erlangt haben. Das Weingut La Roche-aux-Moines mit seinem Schloss und seinen Weinbergen liegt zwischen Épiré und Savannières am rechten Loire-Ufer. Es waren die Zisterziensermönche, die den Ruf dieses Weines begründeten. Die Präsenz dieses aus dem Burgund stammenden Ordens erklärt vermutlich, weshalb auf den Weinbergen einst teilweise „Reben aus Beaune“ – vermutlich Chardonnay – wuchsen. Mehr an eine Weinfeste erinnert der Name „Roche-Vineuse“ (Weinfelsen), den das Gut nach der Französischen Revolution eine Weile trug.

 

Benannt sind das kleine Tal und der eindrucksvolle Steilhang im Norden des Weinbaugebietes nach Pontus de Brie, dem Grundbesitzer von Serrant, dem dieses Lehen von Ludwig XI. übertragen wurde. Während die übrigen Parzellen von La Roche-aux-Moines im Laufe der Jahrhunderte unter verschiedenen Besitzern aufgeteilt wurden, ist der von Mauern umgebene Weinberg Coulée-de-Serrant stets unzerstückelt geblieben und hat sich, so könnte man meinen, auch seine „Philosophie“ bewahrt: Im 19. Jahrhundert nämlich gelangte der Weinberg in den Besitz einer Familie aus Chalonnes, und der Vertrag untersagte Düngung der Reben, damit diese ihre Qualität behielten.“

 

Es wird jedoch berichtet, dass die Familie Joly beim Erwerb des Weinberges im Jahr 1959 diesen nur in einem mittelprächtigen Zustand vorfand. Im Jahr 1980 begann der junge Nicolas, der bislang sein Geld eher in der Finanzwelt verdient hatte, die Weinberge auf biodynamischen Weinbau nach dem Vorbild des Anthroposophen Rudolf Steiner umzustellen. Seit 1984 wird nunmehr ausschließlich biodynamisch geerntet. In diesem Zusammenhang gibt es viele Details über die Arbeit im Weinberg und die „Nichtarbeit“ im Keller zu berichten, doch ich möchte es auf ein paar verständliche Elemente beschränken:

Die Weinberge sind ein Eldorado für Flora und Fauna, da auf alle chemischen und synthetischen Produkte wie Herbizide, Fungizide oder die Zufuhr von Nitraten verzichtet wird. Dafür wird der Mist der eigenen Kühe und Ochsen als Dünger eingebracht, die – fast schon selbstredend – ebenfalls nur mit lokalen Produkten der Natur (Heu, Futtergetreide oder Rüben) gefüttert werden.

Die Eingriffe in den Boden werden so gering wie möglich gehalten, gepflügt wird mit dem Pferd, als regulatorisches Element für den Wuchs im Weinberg dienen eigene Schafe, die im Winter in den Weinbergen das Grün abgrasen und so ebenfalls zur Düngung beitragen. Im Frühjahr kommen mobile Hühnerställe zum Einsatz, die den Schneckenbefall natürlich regulieren.  Francois Morel berichtet in seinem schon erwähnten Buch, dass die bis zu 70 Jahre alten Chenin-Reben vor Gesundheit nur so strotzen. Dies ist sicher auch das Ergebnis der diversen Tees (z.B. aus Brennnesseln, Salbei, Sauerampfer, Weiden, Eichenrinde oder Arnika), die zur Vorbeugung oder zur Behandlung auftretender Krankheiten eingesetzt werden.

Nicolas Joly ist davon überzeugt, dass durch die so entstehende natürliche Artenvielfalt im Weinberg nicht nur die Gesundheit der Reben nachhaltig verbessert wird, sondern auch die Reben auf diese Weise ihr terroir optimal ausprägen bzw. aufnehmen können. Um dann dieses terroir optimal auf die Flasche zu bringen, wird im Weinberg spät gelesen und die Kellerarbeit minimiert. Während der Ernte gehen die Helfer mehrmals durch die Weinberge, um Trauben nur mit optimaler  Reife und gegebenenfalls mit leichter Botrytis zu ernten.

 

Im Keller vergären die Weine auf ihren eigenen Hefen, Reinzuchthefen oder gar Aromahefen lehnt Nicolas Joly komplett ab. Da die Gärung nur in kleinen Fässern von ca. 600 Litern vollzogen wird und die Temperaturen in der Regel um ca. 25° Celsius, maximal 30 Grad schwanken, wird auch auf moderne Formen der Temperaturkontrolle verzichtet. Geklärt wird mittels natürlicher Sedimentation in den Fässern. Da der Einfluss von neuem Holz bei alle dem so gering wie möglich gehalten werden soll, werden nur 3% bis 4% der Fässer jedes Jahr erneuert. Doch der Wein soll atmen (Nicolas schreibt auf seiner homepage sogar, dass die Weine regelmäßig nach 2 bis 4 Tagen in einer halbvollen, wieder mit dem normalen Korken verschlossenen Flasche besser schmecken als am ersten Tag nach dem Öffnen der Flasche) – dem entsprechend ist der Einsatz von Holzfässern unabdingbarer Bestandteil beim Ausbau der Weine.

 

Die Coulèe-des-Serrant Weine sind Jahrgangs-Individualisten, dies gilt auch für die zweite, die malolaktische Gärung. Nicolas überlässt es dem Wein selbst, ob und wie weit alle Partien diesen Prozess durchlaufen. Einen fast ebenso starken Einfluss (wie die „Malo“) auf den Geschmack eines Jahrgangs hat für mich der Anteil an  botrytisbehafteten Trauben im Lesegut. Beide genannten Faktoren haben nach meinem Empfinden massiven Einfluss auf den Charakter eines Jahrgangs. Gemeinsam ist den Jahrgängen jedoch, dass sie regelmäßig trocken (mit einem Restzuckergehalt von weniger als 2g/l) sind. Dies hat jedoch gerade in den letzten Jahren zu sehr hohen Alkoholgraden im Wein (ca. 15%) geführt und ich bin gespannt zu erleben, ob dies einen negativen (wie von mir vermutet) Einfluss auf die Langlebigkeit der Weine besitzt.

Zu den Jahrgängen:

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Donnerstag, 20.03.2008

worst bottle tasting


Am 29.02. durfte ich bei einer Weinverkostung der anderen Art teilhaben. „Worst bottle“ hiess das Thema, dass sich der weinterminator (www.weinterminator.de) für diesen außergewöhnlichen Abend ausgedacht hatte.  Aufgerufen wurden Flaschen, die alle eine äußerliche „Macke“ hatten: entweder war der Füllstand auf niedrigem, teilweise desaströsem Niveau oder der Wein hatte seine Farbe ausgefällt, sodass der Rotwein aussah wie ein blasser Rosé. Im Ergebnis mussten wir jedoch feststellen, dass das Füllniveau bei Altweinen eine eher untergeordnete Bedeutung spielt und die allgemeinen Lagerbedingungen maßgeblich für die Güte der Flasche sind. Ausführliche Verkostungs­notizen dieser Probe findet man auch direkt unter www.weinterminator.de. Ich möchte es jedoch nicht versäumen meine Eindrücke wiederzugeben, angereichert um ein paar Flaschen, die in der tiefen Nacht während der After-Proben-Party im Düsseldorfer Restaurant Schorn (Franz-Josef hat uns kulinarisch mal wieder verwöhnt) noch ihrer Bestimmung zugeführt wurden.

 

91 Punkte - Los ging es mit einer gut konditionierten Flasche Champagner Brut Reserve aus dem Hause Pol Roger – Jahrgang 1955. Helles Bernstein mit kupferfarbenen Reflexen und schönem Glanz – ein Auftakt nach Maß dachte ich und wurde nicht enttäuscht. Schöne Brioche-, Brot- und Nussaromen sowie eine recht kräftige Firne standen diesem weinartigen Champagner sehr gut. Getragen wurde er durch eine deutliche, aber angenehme Säurestruktur, die auch für die charmante Frische zuständig war. Die immer noch zart vorhandene Perlage verstärkte diesen Eindruck und sorgte für ein überaus angenehmes Mundgefühl.

33 Wein folgten  - bitte weiterlesen

 

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Dienstag, 04.03.2008

2005 Impresario, Paul Kerschbaum - Burgenland

90 Punkte - Einerseits erschöpft vom fast 3-tägigen IKEA-Küchenaufbau und andererseits immer noch berauscht vom Weinerlebnis am vergangenen Freitag sitze ich nun bei einem Glas österreichischem Rotwein vom Falstaff-Winzer des Jahres aus 2007 -->  und bin ratlos !!!

Was war das am vergangen Freitag für eine Achterbahnfahrt der Gefühle und des Geschmacks ! "Worst bottle" war das Motto, das Achim Becker (alias weinterminator - www.weinterminator.de ) ausgelobt  hatte - doch dazu später mehr.

Würde man die Finesse, die Harmonie, die Verwobenheit der Aromen und die Eleganz einiger dieser Altweine zum generellen Maßstab erheben, dann wäre ein (sehr gut gemachter) Impresario ein armes Würstchen. Diese Cuvee aus 50% Blaufränkisch, 30% Zweigelt und jeweils 10% Cabernet Sauvignon und Merlot  ist (wie fast alle österreichischen Rotweine) ein nahezu perfekt 'gemachter' Wein; eine Cuvee, die vieles hat, doch letztlich auch vieles offen läßt. Impresario ist  Handwerk (zugegebenermaßen sehr gutes Handwerk), doch die großen Bühnen der Welt, die Tempel der Kunst und der Freude wird dieser Wein nie von innen sehen - geschweige denn  dort wirken.

Eine gute Beschreibung des Weines liefert das Weingut weitgehend selbst: "Üppig-volles Bukett mit voll ausgereiften, rauchig-dunklen Beerennoten, Heidelbeeren, Veilchen  und Lakritze, dezente Würze, süße Holznoten." Die Würzarmoen aus dem neuen Holz würde ich eher als kräftig beschreiben und um Schokoladenkomponenten erweitern. Die Frucht ist zur Zeit deutlich von Pflaumen geprägt. Am Gaumen zeigt er einen geschmeidig-opulenten Fruchtschmelz, Extraktsüße und eine beachtliche Fülle; anfangs eher samtig-weich, geht dann ordentlich auf, zum Abgang hin eher fest, recht lang und mit  Reserven. Trotzdem fehlt diesem Weine einfach die Leichtigkeit des Seins, die Hingabe, der überraschende Moment - einfach etwas, das ihn besonders macht. So ist er ein saftiger Wein, dessen Konturen nach Außen Kraft und Opulenz demonstrieren, aber letztlich bleibt er eher harmlos.


P.S. Schönes Etikett.

Freitag, 29.02.2008

2003 Bremmer Calmont Riesling Auslese, Weingut Franzen - Mosel (Celerina 11)


88 Punkte – Einer meiner liebsten Erzeuger hier mit der 2003er Auslese aus dem steilsten Weinberg Deutschlands. Die Nase ist vielschichtig: Blütige Noten, Flieder, Pistazien sowie eine schöne schieferbetonte, würzige Mineralität sind animierend. Doch am Gaumen kann er sein Versprechen nicht einlösen, die Frucht (Fliederbeeren und Waldmeister) ist eher einfach; der etwas klebrig wirkenden Süße steht zwar eine ordentliche Säure entgegen, aber ganz zu „Mehr“ reicht es halt nicht. Vom Mundgefühl zeigt er eine schöne Cremigkeit, die mich an einen Frankfurter Kranz denken lässt. Mit 88 Punkten ist er gut bedient und ein würdiger Vertreter seines Jahrgangs

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2004 Abtsberg Riesling Auslese, Maximin Grünhäuser (AP.Nr. 35360141905), Mosel (Celerina 10)


82-90(??) Punkte; Kandierte Frucht, Apfel, Birnenkompott, Citrusaromen – schönes Spiel in der Nase, sehr frisch. Am Gaumen spiegelt sich die Nase aromatisch im ersten Moment wieder, doch dann kommt die „Eiserne Faust“ und schlägt zu – bumm, bumm !!  Da helfen keine Aprikosen und auch  die ansprechende Mineralik ist nur Randerscheinung; in dieser Momentaufnahme des Weins tut die Säure einfach nur weh. Der Wein wirkt dadurch ultrafrisch, aber diese Säure kann man nicht verkraften. Weder die Frucht, noch die 8% Alkohol können da irgendetwas abpuffern.

Eigentlich liebe ich süße Auslese – Weine, die einerseits richtig Struktur und Rückgrad haben, andererseits auch der Süße eine ordentliche Säure entgegensetzen und so ein richtig tolles, vibrierendes Trinkerlebnis schaffen, but that’s to much, my dear. Auf der anderen Seite, möchte ich diesen Wein noch nicht komplett abschreiben (auch wenn sich Säure im Wein nicht abbaut) - ist aber nur so ein vages Bauchgefühl.

1997 Vigna del Sorbo, Fontodi – Toscana (Celerina 9)


85 Punkte, deutlicher Wasserrand, dann ziegelrot bis orange. In der Nase eine Mischung aus Kuhstall und Mon Cherry; kirschig, leicht krautig. Auf der Zunge eher dunkle Aromen; hat Struktur, jedoch dominiert die Säure stark und der Wein hat von seinem früheren Charme deutlich eingebüßt. Das Holz ist nicht mehr gut eingebunden und hinterlässt im Abgang einen austrocknenden Eindruck.- Schnell Austrinken

Samstag, 23.02.2008

2003 Hattenheimer Wisselbrunnnen Reisling Auslese; Hans Lang - Rheingau (Celerina 8)

92 Punkte - Dieser aus der halben Flasche getrunkene Wein duftet nach Wiesenhonig, Orangenzesten, reifen Äpfeln und ist eigentlich noch zu jung. Am Gaumen erkennt man schnell, dass er einen kräftigen Streifschuss Botrytis bekommen hat. Am Gaumen frisch und mit herrlichem Schmelz ausgestattet, zeigt er Aromen von Birnenkompott, Zimtsahne, Aprikosen und viele mehr - insgesamt sehr traubig. Er wirkt eher leichtfüßig und tänzelnd, ich könnte mir auch gut vorstellen, dass er einen Anteil Eiswein enthält !??

1996 Le Stanze; Poliziano - Toscana (Celerina 7)


80+ Punkte - Was für eine Enttäuschung, ich hatte zwar beim 96er Jahrgang nicht auf Großes gehofft, aber dass diese Cuvee aus CS, Merlot und ein wenig Petit Verdot so abschmieren würde....

Reife Nase, Rumtopf (marinierte Früchte), reife Waldfrucht, etwas Kirsch. Wäre der Wein so wie seine Nase es suggeriert, wäre die Weinwelt in Ordnung. Aber am Gaumen passierte außer einer recht kräftigen Säure, harschen Tanninen und einem (recht edlen) Holzaroma nicht viel. Hinten heraus ist der Wein richtig austrocknend vom Tannin. Der Wein ist fertig.

2005 Cuvee Spéciale, Domaine Chignard - Fleurie / Beaujolais (Celerina 6)

84 Punkte - laktisch, Milchnoten in der Nase, leicht rosinierte Frucht, etwas aufdringlicher Alkohol. Am Gaumen ordentliche Tannine, gute Säure, Kirscharomen, recht dicht und fest. Vielmehr gibt es zu diesem Wein nicht zu sagen - schade, denn 2005 gilt als sensationelles Jahr im Beaujolais, vielleicht bestes Jahr in den letzten 30 Jahren.

2004 Les Garants, Domaine du Vissoux - Fleurie, Beaujolais (Celerina 5)


87+  Punkte - kühr und dunkel von der Frucht, schwarze Kirsche, Mathias meinte: "Himbeeren vom Stein gelutscht" ;-)) schöne mineralische Tiefe, auch ansonsten der komplexeste Wein in diesem 3er flight Beaujolais. Butterweich von den Tanninen, extrem klar (reintönig). Dieser spontan vergorene Wein kann zwar meine Liebe zu Beaujolais auch nicht entfachen, aber Respekt muss  ich ihm zollen.

2003 Cuvee Zaccharie, Chateau Thivin - Côte de Brouilly / Beaujolais (Celerina 4)

85 Punkte - rote Beeren, Erdbeere Himbeere, eher kühl und frisch. Am Gaumen eher leicht- bis mittelgewichtig, erkennbare Mineralik, aber leider mangelt es ihm an Komplexität und Tiefe, schöne Fruchtsüße. WICHTIG bei diesen Weinen ist die Trinktemperatur, bei über 16° Grad getrunken sind sie nur breit und flach, die Tannine kommen dann nicht heraus.

1998 Siepi, Castello di Fonterutoli - Toscana (Celerina 3)

92 Punkte - verspielt dunkelbeerige Nase, Anklänge von Schoko, Kaffee und Teer. Waldfrucht, Kirsch, Süßholz oder sollte ich sagen: süßliche Würze, viel Schmelz, feine Tannine, aber auch etwas rosinierte Töne, frisch, Anklänge an Minze und Eukalyptus (Menthol), gute Länge. Für einen 1998er in einer respektablen Verfassung, jetzt sehr gut zu trinken, besser wird da nichts mehr.

2002 Schloßböckelheimer Felsenberg Spätlese halbtrocken, Dr. Crusius - Nahe (Celerina 2)


90 Punkte - Ungemein klarer, ja glockenklarer Riesling mit herzerfrischender Saftigkeit und einer strahlenden Mineralität, würzig; aktuell mit herrlicher Reife, substanziell und druckvoll, zarter Zuckerschwanz, sehr reintönig, Sauerampfer, Pomelo, noch mehr Punkte liegen leider nicht drin, da etwas die Länge fehlt.

2000 Les Rocailles, Chateau de Capitoul - Languedoc / La Clape (Celerina 1)


87 Punkte: nich ganz klar (aber hat auch 1000 km Fahrt hinter sich); in der Nase etwas laktisch, Wacholderbeere, reifste Himbeeren, Himbeergeist, frische Zigarre. Am Gaumen angenehme Frucht, Waldkirsch, reife Himbeere, schwarzer Pfeffer, würzig; recht saftig; kräftiger Körper; vom Mundgefühl eher samtig, doch hinten heraus leider recht scharf.

Wein und Ski in Celerina / St. Moritz

Mit zwei Freunden, einem Auto voll Gepäck und jeder Menge Wein sind wir vor einer Woche nach Celerina bei St. Moritz aufgebrochen. Inzwischen sind etliche Flaschen geleert, Sonne und Schnee haben uns verwöhnt und morgen droht die Rückfahrt. Daher noch ein paar Notizen schnell ins Netz, bevor der Arbeitsalltag einem dafür zu wenig Zeit lässt.

Gestartet sind wir mit einem kleinen Nachschlag zu Oles Languedoc Probe 2000, es gab einen ordentlichen La Clape, danach ein wenig quer Beet, dann kam Ole mit drei Beaujolais und fortan gab es keine Regeln, sondern nur Flaschen ;-)))

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2000 Magnoux, Domaine St. Antonin Faugères (Wein 11)


91 Punkte - Frédéric Albvaret produziert seine Weine auf kargen Schieferböden in naturnahem Anbau. Beim letzten Wein des Abends bin ich etwas schreibfaul geworden – kurze Notiz: Blaubeeren, Kaffee, Röstaromen. Am Gaumen schöne Frische, dicht, schöner Extrakt, angenehme, saftige Fruchtsüße, gewisse Aromentiefe, gute Länge.

Mittwoch, 20.02.2008

2000 Chateau Lavabre, Chateau Lavabre - Pic St. Loup (Wein 10)


92+ Punkte Der Sieger des Abends!!! Von 9 Verkostern gab es für Château Lavabre (2/3 Syrah und 1/3 Grenache) 8 mal den ersten Rang und 1 mal Platz 2 – und dies bei ansonsten eher heterogenen Bewertungen an diesem Abend. Olivier Bridel produziert inzwischen drei Weine, wovon der hier verkostete, die Spitze des Weingutes darstellt; daneben gibt es Domaine de Lavabre , Les Demoiselles de Lavabre.

Tino Seiwert von Pinard-de-Picard (www.pinard.de) beschreibt in seiner ihm so eignen, blumigen und mit Superlativen gespickten Art über das Weingut folgendes: „Die Weine von Château Lavabre, im nördlichsten, sehr waldreichen Teil des mythischen Bergmassivs des Pic St. Loup im wildromantischen Hinterland von Montpellier gelegen, gehören mit zum besten, was Sie im gesamten französischen Süden finden können. Olivier Bridel, ein etwas eigenbrötlerischer, aber sehr sympathischer Winzer, der früher in der Normandie mit großem Erfolg eine Firma für Elektrotechnik betrieben hatte, kaufte Anfang der 90er Jahre ein verwahrlostes Gut, das unmittelbar unterhalb der riesigen Felsenwand, die diese Region wie ein unüberwindlicher Wächter nach Norden begrenzt, abgeschieden in die paradiesisch schöne Landschaft gebaut worden war. Das großartige Terroir, eines der besten der gesamten Appellation, und die alten Rebstöcke (Syrahreben von 1961!, hier eine Rarität) boten ideale Voraussetzungen, Oliviers Lebenstraum zu erfüllen, große, autochthone Rotweine des französischen Südens zu vinifizieren. Doch zunächst mussten die erstmals im 18. Jahrhundert angelegten, aber mittlerweile heruntergekommenen Weinberge und alten Rebstöcke liebevoll restauriert, teilweise auch neu bepflanzt und die Gebäudeteile des Hofes mitsamt den Kellern von Grund auf renoviert werden. Ende der 90er Jahre gelangen dann nach aufwendigen Laubarbeiten an den Reben und infolge sehr geringer Erträge die ersten viel versprechenden Weine (…)“'

Was hatten wir diesen Abend im Glas? Einen Wein mit einer tiefen und reichhaltig wirkenden Nase, eingepackt in schöne Röstaromen aus dem Holz. Am Gaumen nicht weniger komplex, herrliche Würzigkeit, reich an Kaffee- und Schokoladearomen, fleischig und herrlich saftig. Einerseits urwüchsige Würzaromen, andererseits eine eher elegante Kühle, kräftige Tannine, etwas ungewöhnlich: Anklänge von Lavendel. Richtig schönes Kino!!

Montag, 18.02.2008

2000 Sortilège, Domaine Saint Daumary - Pic St. Loup (Wein 9)

92 Punkte - Julien Chapel produziert drei Weine, wovon der Sortilège, eine Cuvee aus Syrah und Grenache, die Spitze darstellt. Bei mir landete dieser Wein auf Platz 2 in der Verkostung. Tiefrot im Glas und mit seiner recht eleganten und kühlen Art umschmeichelt er die Nase. Die Aromen von Lakritz, Süßholz  und die angenehmen Röstaromen bilden einen Eindruck, der sich am Gaumen manifestiert. War die Nase schon schön, so lebt dieser Wein jedoch von der Güte, die er am Gaumen entfaltet: komplex, tief, dicht und eher kühl in seiner Art.  Sehr gekonnt wurde hier das Holz eingesetzt; die schöne Extraktsüße und der feine Schmelz verbinden sich mit den feinen Tanninen. Der  Wein endet mit einer guten Länge und einem Aroma von feiner Milchschokolade.

2000 Le Mas au Schiste, Domaine Rimbert, Coteaux du Languedoc / Montepeyroux (Wein 8)

87+ - Die Weine dieser Domaine werden naturnah erzeugt und der Le Mas au Schiste ist mit einem Preis von ca. Euro 10-12 (z.B. bei www.weinpalais.de) für eine Flasche des aktuellen Jahrgang als eher preiswert zu bezeichnen. Der 2000er Jahrgang fiel durch seine etwas dropsige, süßliche Frucht nach Cassis und roten Beeren und die eher süßlich-würzigen Aromen (Früchtebrot, Majoran) auf. Er wirkt noch erstaunlich frisch und jung; für eine höhere Bepunktung mangelt es aber an Tiefe und Länge.

2000 Héméra, Domaine des Grecaux - Coteaux du Languedoc / Montpeyroux (Wein 7)


84 Punkte - Héméra, die griechische Göttin des Tages, konnte mich bei aller Weiblichkeit nicht überzeugen. Héméra ist mit ihrer eher rotbeerigen Frucht zwar angenehm im Mund und auch recht saftig, aber letztlich einfach und auffallend unkompliziert. Tannine sind ordentlich, die leichte Schärfe am Gaumen und die etwas stalligen Noten lassen beim Trinken jedoch keine große Freude aufkommen und so ordne ich diesen Wein klar in das letzte Viertel der zur Verkostung angestellten Probanten ein. Die Cuvee besteht aus Syrah und Grenache, im bei  Kössler & Ulbricht (www.weinhalle.de für Euro 17,80) angebotenen Jahrgang 2004 sind die Anteile 40/60, wobei der Syrah im Barrique lag und der Grenache im Tank der Assemblage entgegensah.

2000 Chateau de Jonquières - Coteaux du Languedoc (Wein 6)

89 Punkte - Dem überraschten Auge des Besuchers von Château de Jonquières bietet sich ein völlig unerwarteter, überwältigender Anblick in Frankreichs ehemals vergessenem Armenhaus, so dass man fast glaubt, sich auf einem berühmten Anwesen inmitten des Bordelais zu befinden statt im Herzen des Languedoc. Denn Winzer François Cabissole lebt mit seiner Frau Isabelle in einem wunderschönen, sehr alten, denkmalgeschützten Schloss, dessen Zauber man schnell erlegen ist. Doch wer jetzt glaubt, dass das adlige Ehepaar, finanziell ausgesorgt, dem Weinanbau aus Liebhaberei fröne, der irrt gewaltig. Die Erhaltung des Anwesens verschlingt große Summen und die von Anfang an auf rein biologischen Anbau ausgerichtete Produktion von Trauben, die zu Beginn ihrer Winzerkarriere, seit der Übernahme der Familiendomaine 1983, an die lokale Genossenschaft abgeliefert wurden, erbrachte zu wenig Geld zum Leben, aber zuviel zum Sterben. Mitte der 90er Jahre begann man einen lang gehegten Träume zu realisieren: die Weine wurden fortan mit zunehmendem Erfolg unter ihrem Domainenamen selbst vermarktet. (vgl. www.pinard.de) Seinerzeit hat Pinard diesen Wein für Euro 17,50 verkauft und wir überprüften in unserer kleine Blindverkostung was daraus geworden ist: Differenzierte Nase, die anders als die bis dato verkosteten 2000er Languedoc keine Sekundäraromen aufweist, sondern eher kühl und animierend rüberkommt. Da finden sich eher rauchige Specknoten, Erdbeer-, Himbeer- und Cassisaromen sowie Anklänge an Schokolade und grüne Banane. Die Tannine in dem Wein mit mittelgewichtigem Köper sind ausgesprochen schön, fest und passen sehr gut zur eher dunklen Frucht. Der Hauch Minze, die Tabak- und Röstaromen runden einen insgesamt positiven Eindruck ab und der ebenfalls kühl wirkende Abgang und die Brombeerfrucht hinten heraus, lassen diesen Coteaux du Languedoc auch angenehm nachklingen.

2000 Roc d’ Anglade, Pédréno & Roasting - Coteaux du Languedoc (Wein 5)

86 + Punkte – Der nachfolgende Wein und sein Erzeuger waren für mich Neuland, weder gehört, noch verkostet hatte ich die Weine eines Mannes, der genau das gelebt hat, was ich nur allzu gerne nachahmen würde: Ausstieg aus dem Job, um auf der eigenen Scholle mit dem Weinbau zu beginnen. Norbert Ehret von Vinisüd schreibt in seinem Kellerkurier Juni 2003:

„Bereits seit einigen Jahren kennen und beobachten wir das Schaffen von Rémy Pedreno, schließlich war sein „Clos de la Belle“, mit dem er vor vier Jahren als Hobbywinzer begann, bereits eine kleine Offenbarung. In René Rostaing (Côte-Rôtie-Winzer) fand er damals den passenden Partner, der neben finanziellen Mitteln auch weiteres Know How einbringen konnte, um dem frisch gegründeten Weingut „Roc d’Anglade (benannt nach dem Ort Anglade) eine verheißungsvolle Zukunft zu garantieren.“

Aber in seiner Beschreibung setzt sich Ehret auch durchaus kritisch mit den Weinen von Rémy auseinander und erläutert, warum er die Weine erst mit dem 2001er Jahrgang (von diesem Jahrgang war er dann überzeugt) ins Programm genommen hat. Dies liefert auch eine mögliche Erklärung, warum der Wein bei unserer Verkostung keine höhere Punktezahl bekam: „Anglade, geographisch nahe Nimes gelegen, zählt zu den wärmsten Gegenden des Languedoc. Geologisch gesehen einer der hochwertigsten Terroirs, musste Rémy Pedremo aber lernen, dass die feine, elegante Syrah-Aromatik, die er in seinen Weinen suchte, zwar in der Jugend wunderschön präsent war, aber bereits nach ein bis zwei Jahren Flaschenreife an Frische und Finesse verlor und schnell vegetable und tertiäre Aromen entwickelte.“

Zum Wein: Im Glas nicht ganz klar; leichte Gemüsenote zu Beginn, etwas laktisch, Himbeere – insgesamt ein ungewöhnlicher, eigenständiger und insgesamt positiver Eindruck in der Nase. Am Gaumen eher ungewöhnliche Aromen, Kaffee- und Röstaromen, Karamell, Currywurst (!), Tomatenmark, erkennbare Mineralik; vom Mundgefühl kühl wirkend, mit guten, feinkörnigen Tanninen. Leider im Abgang recht kurz.

2000 Domaine de la Grange des Pères – Vin de Pays de l’Hérault (Wein 4)

87 Punkte - Wenn es Kult im Languedoc gibt, dann hier!! Kaum ein anderes Gewächs des Languedoc ist sonst bei Wein-Insidern derart in aller Munde, wie dieser - schon aufgrund seiner Rebsortenzusammensetzung (Syrah, Mourvèdre und Cabernet-Sauvignon) - höchst ungewöhnliche Rotwein. Anfang der 90er Jahre kam der erste Wein von Laurent Vaillé auf den Markt und setzte sogleich ein dickes Ausrufezeichen. Niedrige Erträge und Weinberge, die eher in den Höhenlagen angelegt worden waren, provozierten bei den benachbarten Winzern anfänglich eher Kopfschütteln, doch die Euro 50,- die man heute für eine Flasche Grange des Péres anlegen muss, werden teilweise von den gleichen Leuten wieder mit Kopfschütteln goutiert.

Auch Parker zählt Laurent zu den Entrepreneuren und Vorbildern des Languedoc und stellt ihn auf die gleiche Stufe wie Jean-Paux Rosset von Chateau de la Negly, den er für DEN Winzer im Languedoc hält. Da ich ja auch öfters mal das eine oder andere „Püllegen“ kaufe, nur weil Herr X oder Frau Y Positives zu berichten wussten, liegen von diesem Stoff auch noch ein paar Flaschen in meinem Keller. Herr X war übrigens Herr Rovani, damals Angestellter bei Herrn Parker und für alle Regionen zuständig, die der Meister nicht selbst bereisen wollte. 94 Punkte gab er diesem Stoff, da sind meine 87 wohl eher als spärlich zu bezeichnen:

Die Nase zeigt dezent gemüsige Noten zu Beginn und auch hier findet sich die Bratensoße wieder, wenngleich eher dezent. Am Gaumen meine ich den Cabernet in Form von dezenten Cassisnoten (auch als dunkle Campino-Bonbons wahrnehmbar) auszumachen, daneben finden sich Aromen von Schwarzkirschen und feine (positive) Bitternoten. Insgesamt mit einem eher mittleren Körper ausgestattet, steht die feine Bittersüße und ein guter Nachhall auf der Habenseite dieses Weines, aber den komplexen, tiefen und eleganten Wein, den man bei 94 Punkten erwartet, konnte ich nicht ausmachen. Hier zeigte sich mal wieder der Vorteil einer Blindprobe sowie die Unkenntnis über die angestellten Weine: Keine Vorschusslorbeeren für große Namen!! 

Samstag, 16.02.2008

2000 Domaine Moncalmes - Coteaux du Languedoc (Wein 3)


85 Punkte - „Frédéric Poutalié, heute gerade mal 31 Jahre alt, hat die hohen Erwartungen, die man schon bald nach Erscheinen des ersten Jahrgangs, seines 99er Côteaux du Languedoc, in ihn setzte, inzwischen mehrfach erfüllt und steigert die Qualität seiner Weine von Jahr zu Jahr. In Frankreich Kult, sind doch die wenigen Flaschen seiner knapp 3 ha Weinberge schnell vergriffen. Seine Rotweincuvée besteht zu 2/3 aus Syrah, der auf einem Hochplateau in Puéchabon steht, das extrem karg und kalkhaltig ist und das, verbunden mit der Nordausrichtung, die kühle Stilistik des Weins prägt. Der gepflanzte Syrahklon kommt von der nördlichen Rhône und verleiht dem Wein eine Côte rotie-ähnliche Finesse und dessen charakteristisches Aromenspiel. Das letzte Drittel besteht aus Mourvèdre und Grenache, von einem Boden ähnlich dem in Châteauneuf-du-Pape. Ausgebaut wird der Wein in bestem 1jährigem Holz der Domaine Romanée Conti.“ (Quelle: N+M-Weine, www.nm-weine.de) So oder ähnlich schreibt jeder Weinhändler seine Elogen über den jungen Weinmacher, der vorher in die Rhone-Welt ausgezogen war, um sein Handwerk bei den besten Erzeugern zu erlernen. Soweit die Theorie - und wie steht es mit der Praxis?

Nein, nicht schon wieder Schmorbratensoße – der dritte Wein und die dritte Soße (ich machte mir langsam Sorgen, um meinen Geruchssinn), doch parallel zeigte sich eine recht frischer, fruchtbetonter Wein, dessen Frucht zwar ein wenig dropsig war, der aber locker und leicht die Kehle hinab floss. Positiv am Gaumen fiel mir auch hier die schöne Frische auf, die Noten von Himbeeren und Schwarzwälderkirsch waren auch nicht schlecht; insgesamt ein unkomplizierter, mittelgewichtiger,  und leckerer Tropfen oder wie jemand in der Runde sagte: „ansprechende leichte Unterhaltung“. Für eine höhere Bewertung mangelte es ihm an Struktur und Charakter. Vielleicht täuscht auch die erlebte Frische ein wenig darüber hinweg, dass der Wein letztlich schon auf dem absteigenden Ast ist.

Freitag, 15.02.2008

2000 Clos de l’Escandil, Domaine Aires Hautes (Gilles Chabbert) - Minervois (Wein 2)


86 Punkte - Dieser Wein stammt vom terroir „La Livinière“ am Fuße der Montagne Noir. Dieses Fleckchen Erde hat – gemeinsam mit den vier Nachbargemeinden – als erstens Cru-Status im Minervoisgebiet erhalten. Gilles Chabbert gehört mit seiner Domaine Aires Hautes zu den Schrittmachern im Minervois und seine Weine gelten als Referenz für dieses Gebiet, ja für das gesamte Languedoc. Blättert man durch die Weinführer und Weinzeitschriften der letzten Jahre, so sind seine Weine allgegenwärtig und stets gut bewertet. Der aktuelle Jahrgang des Clos de l’Escandil kostet ca. Euro 20.

Im Glas wirkt der Wein unglaublich jung, schwarz mit violettem Rand. In der Nase ein Eindruck von Fleisch und schon wieder der Eindruck von Schmorbratensoße (wenngleich schwächer als beim Côte Dorée), aber auch dunkle Beerenfrucht. Am Gaumen weich, mit schönem Schmelz und angenehm kühl, runder Ansatz, reife Waldfrucht, etwas Cassis, runde, reife Tannine, Mon Cherry im Abgang; leider etwas alkoholisch und im Abgang etwas kurz. 

2000 Côte Dorée, Domaine l’ Aiguelière – Côteaux du Languedoc, Mointepeyroux (Wein 1)


79 Punkte – Das Positive am Einstieg in die Languedoc-Probe des Jahrgangs 2000 war, dass es nur besser werden konnte. Eigentlich ist dieser aus 100% Syrah bestehende Wein das Aushängeschild der Domaine, er stammt von einer Einzellage und wird regelmäßig hoch bewertet, dem 99er hat Bettane Sterne gegeben, aber was soll ich sagen: probieren geht über studieren. Im ersten Monet dachte ich der Duft kam aus der Küche, aber es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend der Fall sein, dass der Wein einen Geruch von Rinderschmor- oder Wildschmorbratensoße (enorm reduziert und eigentlich richtig lecker) offerierte. Dazu passten die Anklänge von Zimt, Nelken, Lorbeer und die feine Süße, die man schon in der Nase verspürte. Leider kam die ganz große Ernüchterung am Gaumen: grüne Tannine, hart, wenig Frucht, um nicht zu sagen fast leer und hohl, sehr austrocknend. Irgendwie wollte ich an diesen Wein glauben und stellte ihn weg, um über den gesamten Abend immer mal wieder einen Schluck nach zu verkosten, aber dieses Mal gab es kein happy end.

Für ca. Euro 20,- bis 25,- hoffe ich für diesen Wein auf einen Flaschenfehler, denn 8 Jahre sind eigentlich kein Alter für einen reinen Syrah

2000 Jahrgangsverkostung Languedoc bei Ole


Es ist schon wieder ein paar Tage her, dass Freund Ole zur Verkostung bat und die Weinfreunde pilgerten nach Othmarschen. Thema dieses Abends war der sehr gute Jahrgang 2000 im Languedoc. Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Weine mich nicht begeistert, sondern eher ein wenig enttäuscht haben. Dies gilt um so mehr, als sich beim Aufdecken dieser Blindverkostung herausstellte, dass die Weine ausnahmslos von den neu gekrönten "Kult-Erzeugern" stammten, die seitens der Händler Ende der 90er Jahre - mit der Entdeckung dieses Gebietes auf dem Papier - geschaffen worden sind. Sicherlich gibt es außerordentlich gute Erzeuger, die auch mal einen wirklich großen Wein hervorbringen können, aber der so häufige Vergleich mit den großen Stars von der nördlichen und südlichen Rhone muss als herbeigeredet oder geschrieben bezeichnet werden:

Nach nur 7 Jahren waren viele Weine schon recht angegriffen in der Frucht, die Spannung lies nach und die aufkommenden Tertiäraromen (z.B. Schmorbratensoße in der Nase) können nicht gerade als angenehm oder gar schön bezeichnet werden. In der Jugend/ den ersten Jahren sind die guten Languedoc-Weine häufig durch eine dichte und kompakte Frucht überzeugend, doch büßen die meisten Weine an Gleichgewicht und Tiefe mit zunehmendem Alter ein. Aunahmen bestätigen sicherlich die Regel, aber wer schon einmal einen 10, 15 oder 20 Jahre alten LaLa von Guigal getrunken hat, weiß, wie Syrah-Eleganz riechen und schmecken kann....

Ole versorgte uns nicht nur mit gutem Essen, sondern es kamen 12 Weine zum Aufruf, von denen zehn nicht korkig waren, einer im Zweifel durch Kork beeinflusst und einer durch Kork entstellt war. Die Weine (11 Flaschen) habe ich nachfolgend einzeln beschrieben und mit ein paar Infos zu den Erzeugern versehen.

Dienstag, 12.02.2008

2004 Cuvee Reservee, Domaine du Pegau - Rhone


95 Punkte – Es ist jedes Mal eine besondere Freude , wenn ich mir selbst genehmige, eine Flasche Pegau aus dem Keller zu holen. Anlass dieses Mal war das bevorstehende autorische „coming out“ eines Freundes, der die schöne Aufgabe übernommen hat, ein paar Zeilen (ca. 13 DIN A4-Seiten) rund um das Thema „Weine von der Rhone“ für die ZEIT zu schreiben. Da man Theorie und Praxis stets verbinden sollte, machte ich mich also auf den Weg mit einer Flasche 2004er Cuvee Reservée unterm Arm. Wir sprachen über diese und jene Formulierungen, über Inhalte und Ereignisse, über Dies und Das, über Sachen die man unbedingt bringen muss und anderes, das man  vernachlässigen kann. Jedenfalls redeten wir so viel, dass die Flasche (zu) schnell getrunken war.

 

Was mir an den CdPs von Pegau immer wieder auffällt, ist die außergewöhnliche Komplexität, Finesse und Harmonie der Weine. Sie sind nie fett und überladen, sondern stets differenziert, aromatisch äußerst komplex und lassen den Genießer (zumindest mich) regelmäßig in Verzückung geraten. Wenn doch nur mehr Weine so wären….ja dann….ja dann, dann wäre wohl Jahrmarkt im Himmel.

 

Zum Wein: Die Nase ist tief und aromatisch, aber irgendwie auch leichtfüßig. Noten von verwelkten Kräutern, Kornblumen, Teer, Tabak und Leder vermischen sich mir fruchtigen Eindrücken von Wald- und Heidelbeeren (oder: Heidelbeer-Muffins). Am Gaumen ebenfalls tief, komplex und mit herrlicher, aromatischer  Konzentration, jedoch ohne fett zu sein.  Schönes Mundgefühl – kühl, dicht und kalkig-mineralisch. Diese Cuvee aus 80% Grenache, 9% Syrah, 6% Mouvedre sowie 5% anderen Rebsorten, ist für mich nahezu in jedem Jahrgang eine Referenz beim CdP. Der 2004er ist wahrscheinlich besonders gut gelungen, da das beste Lesegut -  aus dem man eigentlich wieder eine Cuvee da Capo produzieren wollte -  letztlich doch deklassiert wurde und so in die „normale“ Cuvee Reservée eingegangen ist. Gleiches gilt – so berichtet zumindest Parker – auch für den 05er Jahrgang, der gerade auf den Markt gekommen ist. Der 04er hat jedenfalls riesiges Potential und ist sicherlich bis 2020 eine große Freude, die 05er Notiz folgt bald.

(Bildquelle: www.pinard.de / Preis pro Flasche  2005: 45,-)

Mittwoch, 06.02.2008

2005 Les Mines, Cellers Fuentes / Priorat


87 Punkte - Diesen Wein schreibe ich Cellers Fuentes zu, wenngleich auf dem Etikett kein direkter Hinweis auf den Erzeuger zu finden ist. Lediglich auf dem Rücken der Flasche kann man lesen: "Winemaker: Josep Angel Mestre". Dieser junge und begabte Mann stammt aus Falset ("der" kleinen Stadt in der Mitte des Priorat-Gebietes) und zeichnet in den letzen Jahren verantwortlich für die Wein der Cellers Fuentes. Diese Cuvee aus Grenache, Carignan und Merlot stammt teiweise von alten (bis zu 80 Jahre alt) Rebstöcken und wurde 25-35 Tage (bei maximal 28 Grad) auf den Schalen vergoren. Anschliessend lag er 13 Monate, teils im neuen, französichen Holz.

Die Nase besticht durch ihre frisch,  fruchtige Art (frischer Waldbeerengelee, kühl, ein Hauch Minze, Pflaumen und frisch gemahlener Granit) sowie durch die hier bereits erkennbare Mineralik.

Wow, am Gaumen zur Zeit - mit etwas Luft - unheimlich präsent; Früchtebrot (fruchtig und saftig, vielleicht nicht ganz durch gebacken, mit süßlicher Würze), Pflaumen, Rosinen und etwas Cassissaft. Auffallend schöne Mineralität,  gut strukturiert, jetzt ein herrlich frischer Wein, der sein Potential aus dem Spiel zwischen Frucht und Mineralität zieht. Macht jung getrunken sehr viel Spass, kann aber sicherlich die nächsten vier bis fünf Jahre gut verkraften. Für ca. Euro 15 kein Schnäppchen, aber für einen Priorat dann doch eher preisWERT.

Samstag, 02.02.2008

1986 Unico, Vega Sicilia / Ribera del Duero


94+ Punkte: Dunkles Rubinrot, kaum Aufhellungen, sehr klar. In der Nase hinterläßt er einen tiefen Eindruck, Anklänge von Zedernholz und Nelken umrahmen die dunkle Frucht, strahlt Kühle und Eleganz aus. Am Gaumen hat mich die saftige, dunkelrote Frucht (schöne Sauerkirscharomatik, reife Heidelbeeren) in ihren Bann gezogen.
Zum großen Wein wird dieser Unico für mich aufgrund der Kombination von einer tiefen, Kühle ausstrahlenden Mineralik, der wirklich schönen Extraktsüße und der kräftigen Säure, die alle zusammen einen attraktiven und kurzweiligen Spannungsbogen aufbauen. Insgesamt ein Wein, der für mich erst am Beginn seiner Genussphase steht, hat vielleicht noch Potential noch komplexer und eleganter zu werden.


Freitag, 01.02.2008

Eine kleine Anekdote


Habe mir gestern die aktuelle Ausgabe des Falstaff - Magazins gekauft (aktuell für mich die interessanteste Weinzeitschrift in deutscher Sprache) und da ich gerne Verkostungsnotizen zu alten Weinen (die ich größtenteils wohl nie trinken werde) lese, habe ich als erstes mir die Falstaff-Classics "reingezogen". Zum Thema Alte Weine, mit 40 Jahren und mehr auf dem Buckel steht dort geschrieben:

"Es sind die großen Ausnahmen, die den Mythos am Leben erhalten, die hoffentlich genuinen Erlebnisse, die Menschen heute noch von einem Mouton 1945, einem Cheval Blanc, Lafleur Petrus 1947 oder einem Latour-à-Pomerol  träumen lassen. Und doch: Viele der legendären Proben sind heute nicht mehr auf diesem qualitativen Niveau wiederholbar, manche Weine exisiteren vielleicht gar nicht mehr - zumindest nicht als Original. Dennoch hören und lesen wir von immer neuen Auktionsrekorden. Da wundert es nicht zu hören, dass in Las Vegas pro Jahr mehr Flaschen eines Jahrgangs von Chateau Petrus ausgeschenkt werden, als dort jemals erzeugt worden sein können. So erzählte mir ein französischer Master-Sommerlier, er habe einen chinesischen Mulitmillionär eine Flasche Petrus 1982 kredenzt - die hätte dem "Connaisseur" aber, obgleich völlig fehlerfrei, nicht so recht gemundet. Man servierte eine neue Flasche des nämlichen Jahrgangs, die den Asiaten entzückte. Eine dritte Boiteille folgte alsbald und wurde freudig geleert. "Die erste der drei Flaschen war wohl echt", resümierte der Sommelier mit breitem Grinsen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt" (vgl. Falstaff-Magazin 01/2008, S.45f.)

Grundsätzlich bin ich gegen jede Form von Fälschung und Betrug, aber einige Menschen wolles es doch irgendwie nicht anders - oder ???

Donnerstag, 24.01.2008

2006 Knoll, Ried Schütt Riesling Smaragd - Wachau


92 Punkte - Hier muss ich mein eigenes Urteil über den Jahrgang 2006 ein wenig einschränken. Zwar hat auch dieser Riesling mit 14% Alc. genug Umdrehungen, aber man spürt sie nicht. Zwar zu Beginn recht verschlossen, doch am Gaumen erzeugt der  Wein ein interessantes Mundgefühl. Vorne auf der Zunge eher weich, rund, ja er rollt fast über die Geschmackskapillaren, aber hinten heraus packt die Mineralik zu. In der Nase Aromen von Citrusfrüchten, Zuckerrübensirup und gelben Steinobst. Am Gaumen dichte Mineralik, extraktstark, runder Ansatz (wird immer runder mit zunehmend Luft, der Alkohol tut sein Übriges). Schon recht feine Fruchtaromen blitzen auf, aber noch ist der Wein nicht ganz harmonisch und irgendwie auch noch aromatisch verschlossen; schöne Säure, sehr gutes Potential.  Ein Wein zu Einlagern!!

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Dienstag, 22.01.2008

2001 Deutsche Spätburgunder - Kleine Horizontalverkostung


10 Weine waren angestellt, 5 Personen nahmen teil und 3 Piraten waren mit von der Part(y)ie. Jeder bekam jeden Wein in kleiner Menge zur Verkostung und Beurteilung, danach wurde aufgedeckt und offen weiter getrunken. Am Ende wollte ich sehen, wie viel von jedem Wein übrig bleibt - also JLF nach Andreas März von der Zeitschrift MERUM. Die Flaschen wurden willkürlich ausgewählt und selbst ich wursste nicht, welcher Wein wo in der Reihenfolge angestellt war.

Los gings mit dem ersten Piraten, wie sich am Ende herausstellte.

2001 Kloster am Spitz, Pinot Noir - Burgenland / Österreich:

84 Punkte - etwas überreife Frucht, Johannisbeer-Drops (oder schwarze Campinos aus meiner Kindheit - gibts aber immer noch), Himbeeren; parfümiert. Auch am Gaumen sehr aufgesetzt von der Frucht, Holunder und schwarze Campinos, saftig, weisser Pfeffer, samtig, süsser Extrakt, ein Kollege sprach von einer "Weinqualle" - mir gefiel dieser Begriff für einen Wein, der tierisch aufgebläht war, dem aber das Rückgrad fehlte. (2/3 der Flasche blieben übrig).

2001 Schnaitmann, Spätburgunder Simonroth "R" -  Württemberg / Deutschland

93 Punkte (?) - Beim Aufdecken kommt der Ärger in mir hoch, zweite und letzte Flasche von diesem Wein. Nachdem die erste leider voll korkte, ist diese auch nicht ganz sauber. Damals war der Wein ab Gut superschnell ausverkauft, habe dann noch zwei Flaschen im Bremer Ratskeller für noch teuereres Geld nachgekauft und dann das....!!! Trotzdem war die Klasse dieses Stoffs klar erkennbar. Die Nase wird verwöhnt von einem tiefen und komplexen Spiel Schwarzer Kirschen, Veilchen, rauchigem Speck und feinen Kräutern. Am Gaumen klasse strukturiert - mit ausgereiften und guten Tanninen. Das Holz ist inzwischen perfekt integriert, der Wein ist gut balanciert. Die schöne Mineralität und die dunkle, stoffige Tiefe bereiten echtes Trinkvergnügen, wenn da nicht.... ja, wenn sich da nicht immer wieder ein Kork in die Nase schleichen würde. Am Tisch wird kontrovers diskutiert, kann man einen solchen Wein überhaupt angemessen beurteilen, ich meine  ´"JA",  denn ein solch (eher leicht) beeinflusster Wein kann durchaus noch in seiner Vielschichtigkeit wahrgenommen werden. Druckvoll, mit unglaublich guter Struktur und einer angenehm maskulinen Art ist diese Flasche durchaus ein Genuss - wenn auch etwas vernebelt, kommt die Güte dieses Weins zum Ausdruck. (Rest in Flasche: 5cm)

2001 Gernot Heinrich - Pinot Noir - Burgenland / Österreich

92 Punkte - Auffallend schöner Glanz; tiefe Frucht,   kräuterwürzig (aus dem Holz, das sehr gut integriert ist), Eisen (Blut), tiefe und aromatische Nase. Am Gaumen eine delikate Süsse, ein Hauch von Schokolade und feinsaftig. Wirkt sehr frisch, die komplexe Frucht sowie polierten Tannine - kombiniert mit der schön eingebundenen Säure - lassen Trinkfreude aufkommen. Grundsätzlich auch mit schöner Länge ausgestattet, jedoch baut er nach einiger Zeit im Glas recht schnell und kräftig ab - die Börsianer würden wohl sagen: die Bären gewinnen die Überhand. (Rest in Flasche: halbvoll)

2000 Dichon, Moulin-a-Vent - Beaujolais / Frankreich

76 Punkte - Blumenerde, ein Hauch von Pflaume, Säure schon in der Nase. Am Gaumen erstaunlich dünn (für mich waren die Moulin-a-Vent-Wein stets die dichtesten Beaujolais), etwas stumpf, abgefahrenes Gummi, die Tannine wirken ungehobelt, klotzig, unharmonisch. Auch wenn die Frucht über den Abend mal mehr, mal weniger ein wenig ausblitzt, bleibt es doch insgesamt ein unerfreulicher Tropfen, der (in diesem Fall positiv) mit dem Schlucken sofort verschwunden ist. (2/3 der Flasche bleiben übrig)

2001 Haidle, Spätburgunder - Württemberg / Deutschland

92 Punkte - Außergewöhnlich kräutriger Eindruck in der Nase, Gewürznelken, Pflaumen, rauchig. Auch am Gaumen frisch, tief und kräutrig, dunkle Frucht; hat Saft und Biß, erzeugt aber eher ein schlankes Mundgefühl, dafür komplex, mineralisch (kalkig) und mit jedem Schluck interessant. Frische, gut integrierte Säure; sehr gute Länge, die überraschend ein wenig auf Kamilletee-Aromen endet. (Rest in Flasche: 4cm)

2001 Duijn, Spätburgunder SD - Baden / Deutschland

91+ Punkte - Bei mir geht die Hand zum Glas. Der SD belegt mit einer kühl wirkenden Aromatik Nase und Gaumen. Die Frucht ist dicht, aber nicht überladen; die Aromen sind würzig, dezent rauchig und mineralisch und die noblen Tannine geben dem Wein eine hervorragende Struktur und einen Hauch von Noblesse. Insgesamt äußerst harmonisch, von den Aromen eher auf der maskulinen Seite, hallt sehr schön nach ! Ein (Wein-)Freund sieht den starken Fassbrand etwas kritisch. (Rest im Glas: 1,5 cm)

2001 Duijn, Spätburgunder  - Baden / Deutschland

Die kleine Schwester (in jüngeren Jahrgängen heißt dieser Wein "Jannin") steht dem großen Bruder in nichts nach - ist ihm sehr ähnlich. Am Gaumen besticht die Mineralität, schöne aromatische Tiefe, etwas runder und gefälliger als der SD; das Holz scheint etwas weniger stark getoastet, die Frucht kommt noch besser heraus, trotzdem ein substanzieller Wein mit Komplexität. (rest in Flasche: 4cm)

2001 Stodden, Next Generation - Ahr / Deutschland

86 Punkte - Fast auf den Tag genau vor drei Jahren getrunken und im Fazit fast identisch bewertet (87 Punkte) und beuteilt. Die Nase ist eher dunkelbeerig und insgesamt sehr eigenwillig, denn Aromen von Camembert, verbranntem Gummi und angebranntem Sauerkraut mischen in der Nase kräftig mit. Am Gaumen kann man eine gewisse aromatische Tiefe, Rauchnoten und eine tiefe Mineralik auf der Haben-Seite des Weines verbuchen. Auch eine gewisse Extraktsüße steht dem Wein gut, denn über eine ebenfalls kräftige ausreichend Säure, die dagegen steht, verfügt the "Next Generation". Da aber das Holz bis heute nicht harmonisch eingebunden ist, die Röstaromen schwarz wirken (was die Eiche heavy toasted?), der Wein insgesamt eine fast aggresive Kräuteraromatik aufweist und eine gewisse Schärfe nicht von der Hand zu weisen ist, bin ich der Meinung, das er mit meinen 86 Punkten noch gut bedient ist. (Rest in der Flasche: 8cm).
Hier wollte der Sohn des Hauses (nach diversen Winzerstationen im In-und Ausland) wohl zeigen, was er gelernt hat - leider ist die Sache nicht ganz so gelungen, wie der Preis es damals suggeriert hat. Mit ca. Euro 40,00 war man in Deutschland zumindest preislich ganz vorne dabei.

2001 Knipser, Im großen Garten - Pfalz / Deutschland

90 Punkte - Das vierte Mal getrunken - guckst Du:
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=158,
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=140,

diesmal wieder recht schön, sodass ich vermute, dass bei Oles Probe eine nicht perfekte Flasche Grund für meine Beschwerde war. Die eher rotbeerige Frucht ist immer noch angenehm saftig. Der Eindruck am Gaumen ist eher kühl, delikat und von einer erkennbaren Mineralik begleitet. Die feine Rauchigkeit verleiht ihm Spiel. Insgesamt zeigt er  eine nicht ganz harmonische Aromatik, denn die Säure steht ein wenig aussen vor und er wirkt; ein Mittelgewicht im Körper und von der Länge im Abgang eher Kurz-bis Mittelstreckenläufer. (Rest in Flasche: 2,5 cm)

2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese *** - Ahr / Deutschland

90 Punkte - Insgesamt ein immer noch kompakter Wein. Komplexe Nase mit rotbeerigen und kirschigen Anklängen; schöne Saftigkeit, dabei stets frisch und mit lebendiger Säure ausgestattet. Am Gaumen ein strukturbetonter Pinot Noir mit feinen Tannien und gut integriertem Holz. Die eher starke Kräutrigkeit jüngerer Jahre hat sich zu Gunsten der eher pinot-typischen Frucht etwas zurückgezogen, sodass der Wein einen insgesamt harmonischen, aber keinen total zwingenden Eindruck hinterlässt. (Rest in Flasche: 3cm)






Samstag, 19.01.2008

2005 Chateau de la Negly, La Falaise / Languedoc



91 Punkte - Was hat sich dieser Wein verändert! Beim 98er liebte ich seine urwüchsige Kraft und von der Aromatik hätte ich den 98er aus 100 anderen Weinen  stets herausgeschmeckt - dies kann ich bei der  2005er Ausgabe nicht behaupten. Trotzdem ist der 05er mindestens auf dem gleichen Niveau, wie sein Vorgänger im Amt, der 98er; wenn nicht gar besser !??  Aber der Reihe nach...

Heute habe ich in Düsseldorf lecker gegessen, im "Fame fatale", einem kleinen, unbekümmerten Restaurant in Pempelfort, dass von Jungs betrieben wird, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Die Küche ist italienisch angehaucht und der Geräuschpegel hat defintiv italienische Verhältnisse, aber man fühlt sich in diesem kleinen Lokal sauwohl.

Leider war der vom Kellner empfohlene Greco di Tufo aus Apulien eine Katastrophe, aber mein Ossobuco alla milanese hat es wieder rausgehauen. Zuhause wieder angekommen, musste nun ein Wein her, der nicht zu kompliziert, aber sau gut sein sollte.....

da erinnerte ich mich an einen meiner letzten Einkäufe in Düsseldorfs Mövenpick: La Falaise von Negly !!

Lange Rede, kurze Beurteilung: Nach dem Öffnen der Flasche und dem ersten Schluck war ich entsetzt - wo ist die so geliebte Üppigkeit und Einzigartigkeit dieses Weines geblieben??  Dafür etwas eindimensionale Frucht und kaltes Blut. Ungeduld wird aber bekanntlich bestraft und der Wein brauchte mindestens eine Stunde, um aus dem Knick zu kommen. Am auffälligsten ist seine kühle Art, die er bereits in der Nase andeutet, die sich aber am Gaumen deutlich entwickelt. In der Nase überzeugt er mit einer feinwürzigen Note, kühle, betörende, zart süßliche und würzige Frucht, Cassis und Brombeeren, schwarze Oliven und ein Hauch von Eukalyptus. Die Tannine sind erstaunlich weich und rund, trotzdem gute Struktur, angenehm saftig, dicht und ebendoch kühl sowie irgendwie auch elegant. Die Frucht erinnert an schwarze Oliven, dunkle Beere, Lakritz, Rosmarin und Tinte. Seine Vorgänger waren  urwüchsiger, bäuerlicher, aber trotzdem gut und spannend. La Falaise 2005 besteht aus 50% Syrah, 35% Grenache und 15% Mourvedre und überrascht mit einer sehr guten Symbiose aus Eleganz, Weichheit und würzigen Saftigkeit.  Die angenehme Kühle ist wohl auch ein Ausdruck der Mineralität, die diesen Wein auszeichnet. FAZIT: toller Stoff zu einem guten Preis von ca. Euro 16.

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Donnerstag, 17.01.2008

2004 Deutzerhof, Altenahrer Eck Spätburgunder - Ahr

90 Punkte - Dieser Spätburgunder stammt lt. Webpage des Deutzerhofes noch von einer wurzelechten Rebanlage, die mit einem alten "Ahrklon" bestockt ist. Der Boden dieser Steillage besteht aus der lössarmen Grauwacke und Schieferverwitterungsgestein. Die Lage wurde 1999 vom VDP als Erste Lage zur Herstellung von Großen Gewächsen ausgewählt. Man hat hier mit vielen Terrassen der steilen Lage (40-60% Steigung) die Rebflächen geradezu abgetrutzt und folglich ist nur ca. 1/3 der 7,8ha großen Lage mit Reben bestockt.

Dass Wolfgang Hehle seine Weine in barriques aus französischer Eiche ausgebaut, erkennt man sehr schnell. Der Wein besitzt eine kühle, deutlich mineralische Nase mit einer klaren, straffen Frucht. Die tabakigen Anklänge und die  kräuterwürzigen Note geben ein tief dunkles und würziges Burgunderbild.  Gibt man ihm etwas Luft, so entfaltet er auch am Gaumen seinen straff gebauten Körper. Der Wein ist saftig und dicht, die Tannine sind erstaunlich kräftig und leicht "sandig";  die Säure ist sehr gut eingebunden. Die mineralische Art kann gefallen und die Frucht ist kirschig-pflaumig, aber insbesondere wieder sehr kräuterwürzig und tabakig. Im Abgang leider etwas kratzig und auch ganz hinten austrocknend. Dürfte noch etwas zulegen.

Klar zum Ausdruck kommt hier der schiefrige Boden und die grundsätzliche Güte dieser Lage. Ob ein Wein für rund Euro 50 jedes Jahr auf die Flasche kommen muss oder ob man ihn nur in wirklich guten oder großen Jahren als Grosses Gewächs verkauft, werde ich gerne bei meinem nächsten Besuch auf dem Weingut diskutieren.

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Freitag, 11.01.2008

2006 Hermann Dönnhoff, Niederhäuser Hermannshöhle GG - Nahe (für mich die Rettung)


95 Punkte - Nach dieser total bescheidenen Woche, in der man mir erst die Scheibe am Auto eingeschlagen hat, um das Handy zu klauen und mir am nächsten Tag (mit reparierter Scheibe) die Polizei selbiges Auto abschleppt , weil - aus welchen Gründen auch immer - nachts auf einmal alle 4 Fenster offen gestanden haben. Gestern hat mich dann die Polizei angehalten, um meinen Alkoholpegel genauer unter die Lupe zu nehmen (Gott sein Dank hatte ich abends zum Essen nur ein Glas (0,15) Wein getrunken); und so bin ich heute total gefrustet in den Keller gegangen, um mir auf diesen ganzen Sche... mal richtig was zu gönnen. Eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen, für den Wein, der dran glauben musste. Denn die Erfahrung zeigt, wenn man selbst schlecht "drauf" ist, ist es der Wein meist auch (oder wie erklärt sich diese häufig festgestellte Korrelation). Doch diesmal war alles anders:

Die Hermannshöhle von Dönnhoff stand noch am Kellereingang (und wartete eigentlich darauf inventarisiert zu werden) und strahlte mich an und sagte: Nimm mich, nimm mich, ich bringe Dich auf andere Gedanken, ich habe alles, was Du brauchst. Naja, dachte ich, trockener Riesling des Jahres im Gault Millau - we will see.......

...... 95 Punkte, ein unglaublicher Stoff, geradezu elektrisierend.Was ich nicht verstehen kann, wie so ein junger Riesling, der vor Kraft und Tiefe nur so strotzt, trotzdem schon eine solche  Harmonie sein Eigen nennen kann.

Die Nase ist geprägt von kräuterwürzigen, etwas heuig-strohigen und tief mineralischen Noten. Die Frucht ist steinobstig und gelb. Am Gaumen tief wie ein Bass, dicht, extraktreich, mit geilem Biß, der Dich - ja Dich geneigter Leser und potentieller Käufer dieses Weines - packen wird und in seinen Bann zieht. Man schnallst unweigerlich mit der Zunge, die Aromenschwaden ziehen durch den Rachen und schlagen in immer neuen Wellen an den Gaumen. Saftig, hervorragendes Spiel zwischen den eher weiss-gelbfruchtigen Fruchtaromen und der feinen, auch etwas salzigen Bitternote einer grandiosen Mineralik; tabakig, Sauerampfer. WOW packt der zu. Grandiose Länge. Bitte, bitte nicht alle Flaschen für die perfekte Trinkreife aufbewahren, so etwas MUSS man in seinem jugendlichen Überschwang erleben. Und wenn ich das mal mit dem 06er UNENDLICH von F.X. Pichler vergleiche, gehen für mich die 12 Punkte an Deutschland und "nur" 10 Punkte an Österreich, weil - trotz allen Drucks und der Kraft, die ihn auszeichnet - dieser Riesling aus der Hermannshöhle  eine Ebene besitzt, die zeigt, dass auch ganz kleine, klitze-kleine Nuancen, gewisse Verspieltheiten sozusagen, beim genauen "Hinhören" zum Vorschein kommen, die ungeheuer animierend und Gesprächs-anregend sind. RIESIGES Potential !!

P.S. Ich bin mit der Welt wieder im Reinen . und das nach einer halben Flasche !!!

Sonntag, 06.01.2008

1990 Valdicava, Brunello Riserva Madonna del Piano - Toskana


95 Punkte - dieser Brunello ist so unglaublich jung, weder von der Farbe, noch in der Nase oder am Gaumen ist sein wahres Alter für mich erkennbar. Ein fabelhafter, intensiver und gleichzeitig hoch eleganter Stoff. Kühl, aber mit intensiver Frucht - so werden die Geruchsrezeptoren beschäftigt: Anklänge von Heidelbeeren, Kampfer, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen mache ich aus. Einer in der Runde sagt Dickmilch, Joghurt, auch ein solcher Beiklang ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Im Mund ebenfalls kühl, ansprechend mineralisch, rund und extraktreich. Ein großes Spiel zwischen den feinen, dunklen Fruchtaromen und der Aromatik aus dem Holz - perfekt verwoben miteinander. Eine feine Kräutrigkeit erhöht die Komplexität des Weins - Fenchel, Kümmel sind Beispiele die meine Mitstreiter ausmachen. Mich begeistert bei diesem Wein die außerordentlich gelungene Vermählung der kühlen, komplexen und enorm intensiven, aber sehr runden Frucht mit der herrlichen Frische und Jugendhaftigkeit; es ist kaum zu glauben, dass jetzt auch noch eine hervorragend eingebundene Säure und ein festes, aber hochreifes Tannin das nötige Gerüst für viele, viele Jahre weiteren Trinkgenuss bieten. Großer, dichter und sehr harmonischer Stoff !!

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Freitag, 04.01.2008

1989 GAJA, Barbaresco – Piemont


92+ Punkte – Fast 20 Jahre alt und steht voll im Saft -  herrlich !! Gaja's 1989 Barbaresco hat eine vollen, gut definierten Körper, hier und da mit genau den richtigen Rundungen - ist aber leider eher als männlich einzustufen ;-))) So offeriert er eine dunkle Frucht nach Knubberkirschen oder sind es doch die edlen Piemontkirschen?  Schöne Extraktion, perfekt eingebundenes Holz (einst viel neues Holz), eher dunkel, mit zartem Schmelz, sehr feine Würze, ein Hauch feine Schokolade; gut balanciert und harmonisch. Die Tannine sind fein und von schöner Körnigkeit.  Gute Länge. Dieser Wein ist sexy !!!

Donnerstag, 03.01.2008

1985 Fratelli Barale, Barolo Vigna Castellero Riserva - Piemont

89 Punkte – Zu Beginn deutliche Altersnote in Form von Liebstöckelaromen in der Nase, später dringt die reife Frucht besser durch, Noten von feuchtem Unterholz, Veilchen und Leder. Von der Statur eher mittelgewichtig. Mit dem ersten Schluck geht der Vorhang auf und eine unerwartet saftige und spielerische Frucht betritt die Bühne. Die in Würde gereifte Frucht in der Hauptrolle brilliert mit Komplexität und Tiefe, in weiteren Rollen ein etwas sprödes, aber doch überzeugendes Tannin und eine Säure, die leider mit der Klasse der beiden anderen Mimen nicht mithalten kann und aufgrund der etwas spitzen, eher säuerlichen Art zu Abzügen in der Gesamtwertung führt.

Mittwoch, 02.01.2008

1996 Fontanabianca , Barbaresco Sori Burdin - Piemont


92 Punkte - Zu einer best bottle Sylvester-Party habe ich diesen Wein mitgenommen, von dem ich einst 6 Flaschen besaß und die ich leider viel zu früh getrunken habe. Im Februar 2000 erworben und damit als mein erster, in "größerer" Anzahl gekaufter Nebbiolo in meine persönlichen Weinanalen eingegangen, konnte auch die letzte Flasche voll und ganz überzeugen.

Sehr ausgewogener und harmonischer Stoff, tolle Frucht u.a. mit Noten von Weichselkirschen und etwas Pflaume, immer noch schön voll und "fleischig"; reife und weiche Tannine, eine schöne Spur Mineralität zieht sich durch den Wein, sehr ausgewogene Säure; wirklich fein und elegant mit sehr guter Länge.

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2006 Proidl, Senftenberger Ehrenfels Grüner Veltliner vom Urgestein - Kremstal

90 Punkte - Noten von weißem Pfeffer, Haselnüssen, eher gelbfruchtig (Marillen). Der erste Eindruck im Mund ist überrraschend weich und schmelzig, dann recht  tief und substanziell, eher kräftiger Körper, schöne Mineralik; bereits richtig gut harmonisierte / eingebundene Säure; erstaunlich reif und trinkfertig; hinten heraus könnte er noch etwas mehr Länge zeigen. Jetzt schon mit Freude zu trinken, hat aber Potential für Jahre. Auffallend "anderes" Etikett.

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Mittwoch, 26.12.2007

1986 Guigal – La Mouline / Cote Rotie, Rhone


95 Punkte - Von den drei 86er Lalas (La Turque, La Landonne, La Mouline) sicherlich der primus inter pares. Sehr elegante Nase mit Aromen von feinsten Gewürzen, Pflaume und Mokka. Eine dicht gewobene Aromendecke mit Noten  von Leder, edlen Gewürzen und einer eher rotbeerigen Fruchtaromatik (auch: Hagebutte und reife, rote Stachelbeere), dazu ein Hauch von Kokos. Vom Körper eher ein Mittelgewicht, der eingerahmt wird von edlen Tanninen und einer perfekt eingebundenen Säure. Besonders erfreulich ist die herrliche Frische und Saftigkeit dieses 21 Jahre alten Wein. Gleichzeitig ist er der eleganteste innerhalb des Trios und überzeugt mit einer inneren Harmonie, die nur große Weine auszeichnet. Schön, davon noch eine Flasche im Keller zu wissen :-)

 

  

Dienstag, 25.12.2007

1986 Guigal – La Turque / Cote Rotie, Rhone


92 Punkte – sehr klares rubinrot; nicht ganz so elegant wie der 86 La Landonne, dafür etwas dichter in der Frucht und mit einer schönen Extraktsüße ausgestattet. Etwas Minzschokolade, sehr tief und dunkel von der Frucht, herrlich kräuterwürzig; schöne, reife und immer noch frische Tannine, extraktsüß, recht moderate Säure. Wenn man kritisch ist, kann man vielleicht den etwas herausstehenden Alkohol kritisieren. Sehr gute Länge. Auch wenn dieser La Turque – im Vergleich zu anderen Jahrgängen – nicht wirklich groß ist, so kann man jedoch feststellen, dass selbst in kleineren Jahren die „Lalas“ eine Qualität besitzen, die viele Winzer selbst in guten Jahren nur selten erreichen.

1986 Guigal - La Landonne / Cote Rotie, Rhone

92 Punkte - erstaunlich dunkles rubinrot; in der Nase feine Kräutrigkeit, zarte Eukalyptusanklänge, rotbeerige Eindrücke; rote Johannisbeeren. Am Gaumen hinterläßt er einen äußerst harmonischen Eindruck mit feiner Frucht und herrlich reifen Tanninen. Die Hand geht zum Glas, ein hedonistischer Wein, durchaus komplex, aber er erreicht nicht die berauschende Finesse und Größe anderer Jahrgänge. Insgesamt  recht würzig, mit Noten von Rosmarin, Petersilie und Lakritz. Erstaunlich, dass mit zunehmender Luftzufuhr die Harmonie etwas schwindet und der Wein etwas eckiger und kantiger wird. Sehr gute Länge 

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1986 Ducru Beaucaillou - St. Julien Bordeaux

Ohne Bewertung / (92 Punkte) - Und da war es wieder: das Dauerproblem, das die Weine von Ducru Beaucaillou Mitte, Ende der 80er Jahre bis in den 90er Jahrgang (der laut Rene Gabriel total verseucht ist; vgl Bordeaux Total)  „auszeichnet“: Ein Muffton, bei dem man nicht so genau weiß, hat der Wein Kork ?  Nee,  Kork ist das nicht, aber hier stört etwas massiv den Weingenuss. Einige meinen, dass es Ausdünstungen von Holzschutzmitteln sind, die hier Einfluss auf den Wein genommen haben.

Man wird es wohl nie von offizieller Seite aufklären, aber es dürfte einen driftigen Grund gegeben haben, dass man Anfang der 90er Jahre die Kellergebäude von Ducru-Beaucaillou grundlegend saniert hat und ein komplett neuer Fasskeller gebaut wurde. Hinter diesem Weinfehler verbirgt sich ein durchaus ansprechender Wein, den ich bei einer anderen Probe im Sommer diesen Jahres verkosten konnte (aber auch hier war erst die 2.Flasche ohne Tadel). Erwischt man eine gute Flasche präsentiert sich der 86er Ducru mit einer sehr ausgewogen, nachhaltigen Art. Die klassische Aromatik wird von guten Tanninen unterstrichen und die schöne Länge, die er am Gaumen zeigt, rundet das Bild ab. Dürfte auch in den nächsten Jahre sehr gut sein – leider ein totales Lotteriespiel, bei 6 Flaschen, die ich insgesamt besaß, waren leider nur zwei fehlerfrei. Die einwandfreie Flasche im Sommer habe ich mit 92 Punkten bewertet.

1986 Domaine Armand Rousseau - Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques / Burgund

 

87 Punkte – Der erste Wein der 86er Probe war ein Burgunder: ein guter Einstieg in den folgenden Rotweinabend. Rubin bis Ziegelrot, mit wässrigen, leicht orangefarbenen Aufhellungen am  Rand. In der Nase sehr offen, erstaunlich intensive Frucht mit Noten von Erdbeeren, Kirschen, Kompott und Holzkohle. Am Gaumen zeigt sich eine lebendige Säure, gefolgt von einer leicht kräutrigen Aromatik; dann rauchig, verbranntes Karamell, aber auch wieder rote Früchte - insgesamt schöne Frucht bis in den Abgang. Gut integrierte Tannine runden das Bild ab; die Fruchtsüße und Aromenintensität legt mit zunehmender Zeit im Glas zu, leider gilt dies auch für die Säure, die am Ende etwas zu spitz daherkommt.

 

2000 bis 2004 Ridge - Monte Bello / Kalifornien (Teil 4)


2000 / 92 Punkte – Im Stil etwas verändert, da ohne Petit Verdot – 75% CS, 23% Merlot und 2% Cabernet Franc. Kraftvoll, dicht und sehr dunkel, ja fast schwarz wirkt die Milleniums – Ausgabe von Ridge’s Monte Bello. Aromen von Teer, Lakritze dominieren, aber auch Anklänge an Granatapfel und Grenadine assoziiere ich. Erstaunlich tief und kraftvoll, „Ente süßsauer schießt mir so als Bild durch den Kopf“, aromenintensiv; gute Würzaromen aus dem Holz, kombiniert mit einer schönen Fruchtsüße und einer gut verpackten Säure ergeben ein intensives, aber stimmiges Bild. Toller Wein in einem ansonsten schwierigen Jahrgang in Kalifornien.

 

2001 / 96 Punkte – Die „1er“ Jahre scheinen für außerordentliche Qualität zu stehen. Nachdem der 91er schon alles platt gemacht hat, dürfte auch der 01er die Krone im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends für sich beanspruchen.

 

…...so dicht

…...so kraftvoll

…...so kompakt

…...so saftig

…...so druckvoll

…...so komplex

…...so fein

 

Die Tannine sind sehr reif, kraftvoll, aber weich; die Frucht ist sehr dunkelbeerig, süß und saftig. Noten von Tabak, Mokka und eine feine Bitterkeit bilden das aromatische Gerüst für einen gigantischen Wein, der alles hat. Rene Gabriel verglich ihn mit einem großen Richebourg – leider fehlt mir die Richebourg-Erfahrung, um dies zu verifizieren.

 

2002 / 91 Punkte – ein wahnsinnig kompakter Jahrgang, dicht und mit sehr viel Schmelz ausgestattet; hat ordentlich fett auf den Rippen, aber bei weitem nicht die Klasse des Vorgängerjahrgangs. Dazu fehlt es ihm etwas an Tiefe, Druck und Komplexität. Die Konturen sind nicht so klar, die Frucht ist eher rotbeerig und man kann ihm auch eine gewisse Quarkigkeit attestieren. Trotzdem sehr guter Stoff, da er eine gute Trinkigkeit besitzt und Potential für viele Jahre hat.

 

2003 / 92 Punkte – ja mein Gott, was hat dieser Wein für eine Extraktsüße; Noten von Dörrobst, Rumtopf – ein Früchteallerlei, dazu kandierter Zucker, Marzipan, aber auch malzige Anklänge. Da er anscheinend ausreichend Säure besitzt, kann ich mich trotz der extrem hohen Konzentration für diesen Wein erwärmen. Sicherlich wird man da nicht eine ganze Flasche von trinken, aber nach dem Skifahren auf der Hütte so einen Schluck abends beim Spiele-Abend und es kommt Stimmung auf – darauf gebe ich mein Wort !

2004 / 94 Punkte  - Ein blitzsauberer Jahrgang, sehr modern gemacht; viel, aber elegantes Holz. Sehr, sehr primärfruchtig, hat alles, was man von einem kalifornischen Wein erwartet. Für mich bleibt die Frage, ob er nicht ein wenig beliebiger von seinem Charakter geworden ist, aber es ist deutlich zu früh, um dies abschließend zu beurteilen. Technisch ein großer Wein mit perfekten Anlagen.

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1990 bis 1999 Ridge - Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)


1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.

1999 Wild Duck Creek Estate - Springflat Shiraz / Central Victoria

91 Punkte - Am Heiligabend ein Wein, der mir Spass macht, aber auch den nicht sonderlich weinerfahrenen Rest der Familie glücklich macht. Ein dichtes, mit Frucht beladenes Weinkonzentrat, dass - trotz des hohen Alkohols (15%) nicht überladen wirkt, sondern mit einer frischen Säure genügend Gegengewicht produziert, um ein harmonisches Bild abzuliefern. Immer noch schön saftig, die Aromatik ist eher dunkelbeerig, schokoladig und besitzt einen Hauch von Minze. Die Tannine sind reif und rund, und die Länge ist gut. Ein schöner Australier mit recht viel Depot in der Flasche.

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Montag, 24.12.2007

2001 Romano Dal Forno - Valpolicella Superiore / Venetien

94 Punkte - (Der Sieger des Abends: gegen 96er Cellers Fuentes - Gran Clos und 96er Cims de Porrera) Dieser Wein hat nichts, aber auch gar nichts mit den üblichen, süffig-fruchtigen Weinen der Region zu tun, die es für kleines Geld im Supermarkt gibt. Romano Dal Forno ist eine Besessener in Sachen Qualität und genauso obsessiv sind seine Weine.

So viel ich weiß, wird bereits beim Valpolicella Superiore ein sehr großer Anteil an getrockenten Trauben bei der Weinerzeugung verwendet. Dies erklärt nicht nur den Preis (> Euro 50,-) vom Valpolicella Superiore,  sondern insbesondere auch die Dichte und die Aromatik dieses Weinkonzentrates.

Die 2001er Ausgabe ist das Beste, was ich von diesem Wein bislang getrunken (das sind die Jahrgänge 96 und 97). Ein unglaublich bepackter Stoff - aber ohne jegliche Marmeladigkeit oder overdone zu wirken. Sehr dichtes schwarzrot, in der Nase bereits unglaublich konzentriert. Tiefe, dunkle Frucht, Leder, viel Kakao sowie eine gewisse Würzigkeit. Am besten gefällt mir dieses Spiel zwischen einer Bitternote, die üblicherweise auch Schokoladen mit einem hohem Kakaoanteil aufweisen und einer kompakten, eher süßlichen, aber auch leicht würzigen Frucht, die diesen Wein zum absoluten Erlebnis macht. Dazu gesellt sich eine erstaunliche Kühle (mit einem Anflug von Minze und Marzipan in Bitterschokoladenumhüllung) sowie ein hervorragend ausgereiftes, aber dennoch kräftiges Tannin. Die Länge, mit der der Wein den Gaumen beschäftigt,  begeistert. Die Hand geht zum Glas und viel zu schnell ist dieses bzw. die Flasche  leer - leider genau das Gegenteil passiert mit einem selbst, denn 14,5% Umderehungen merkt man recht schnell. Ein Weinerlebnis, dass ich jedem ans Herz lege !!!

1996 Gran Clos - Cellers Fuentes / Priorat

93 Punkte - Der Gran Clos stammt überwiegend von alten Reben (im Schnitt 60 Jahre). Die Cuvee besteht aus drei Rebsorten: Grenache (80%), Carignan (10%) und CS (10%).

Kalkige Noten, etwas überreife Anklänge in der Frucht, Rosinen, laktische Aromen in der Nase. Guter Saft, gute Konzentration, noch schöne, feste Tannine und eine  frische Säure, die die Fruchtigkeit unterstützt, zeichnen diesen Wein aus. Die Sauerkirscharomen,  die angenehme  Dichte und eine feine Extraktsüße runden das Bild ab. Hinten heraus zeigt er eine leichte Bittersüße, kalkige Anklänge und eine feine Kräutrigkeit. Insgesamt ein aufregend tiefer, runder und harmonischer Wein - der Guigal von Spanien.

Sonntag, 23.12.2007

1996 Cims de Porrera - Bodegas Vall Llach Mas Martinet / Priorat

87 Punkte - Habe in den letzten Jahren einen großen Fehler begangen und diese Weine als Potentialweine gekauft. Im Keller liegt noch Jahrgang 1996-2001 (also alle bislang vermarkteten Jahrgänge) und es zeigt sich, dass es Potetialpunkte nicht gibt. Ein großer Wein ist (nahezu) in jedem Stadium erkennbar groß. Dieser Wein war nie groß, ist nicht groß und wird nie groß sein. Eine echte Enttäuschung, 1997 möchte ich am liebsten gar nicht erst aufmachen (um mich nicht blau zu ärgern, dass ich hier mal DM 100 für die Flasche bezahlt habe).

Gestern mit lieben Freunden getrunken und in der Runde mit 2001 Valpolicella von Dal Forno und 1996 Gran Clos von Fuentes der klare Verlierer (Notizen der anderen Weine folgen):

Wirkt sehr dunkel, Heidelbeere, schwarze Röstaromen, Kaffee und Kakao, etwas Nelken, ordentliche  innere Dichte, aber viel (für mich zu viel) Tannin, sehr fest, ohne dass man glaubt, dass er besonders jung ist;  knackige Säure. Das Tannin ist leider auch etwas trocknend - hat wohl zu viel Holz gesehen. Am Gaumen eher spröde und mit zu wenig Eleganz. Ein Männerwein, aber so viel Mann kann man garn nicht sein, dass man an diesem Wein Freude hat.

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Mittwoch, 19.12.2007

1980 bis 1989 Ridge - Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)


Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich


1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas - auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.

1972 bis 1978 Ridge - Monte Bello, Kalifornien (Teil 1)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

 

Im Mövenpick Beef Club zu Zürich traf sich eine illustre Runde von Weinliebhabern, um - unter der Moderation von Rene Gabriel - 32 Jahrgänge „Ridge - Monte Bello“ zu verkosten. Initiiert und zusammengetragen hatte diese besondere Probe Nils Frei, ein  überaus angenehmer, bescheidener und liebenswerter Weinfreak aus der Schweiz. Seinen Faible zum kalifornischen Wein im Allgemeinen und zum Monte Bello im Speziellen hat er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Dallas entdeckt. Lieber Nils, nochmals vielen Dank für diese außerordentlich schöne und interessante Verkostung !

 

Wer Infos zum Weingut, zur Philosophie des Hauses (oder Ähnliches) benötigt, dem empfehle ich die attraktiv und interessant gestaltete homepage von Ridge Vineyards: www.ridgewine.com .

 

Wenn man einen Wein über so viele Jahrgänge verkostet, zeigt sich häufig, ob es Stilbrüche oder größere Umstellungen in der „Methodik“ gegeben hat. Einen solchen Bruch konnte ich diesmal nicht ausmachen; der „Monte Bello“ zeigt die gleiche Kontinuität, wie sein Schöpfer Paul Draper, der schon seit 1969 auf dem Weingut für’s  winemaking zuständig ist.

 

Zum Wein - Gestartet wurde mit einem 2er flight aus den frühen 70er Jahren:

 

1972 / 88 Punkte  - Die erste Nase ist viel versprechend - Vorfreude kommt auf: Süßer Duft von Dörrobst und Feigen, gepaart mit einer feinen balsamischen Note. Am Gaumen konnte dieser Nasenbär-Wein leider nicht das vollumfänglich bestätigen, was die Nase versprochen hat – etwas trocknende Tannine und eine nicht harmonische Säure führen dazu, dass ich unter  90 Punkten bleibe; die Nase war deutlich drüber.

 

1973 / 85 Punkte - Der nachfolgende 73er war noch etwas schwächer, in der Nase offeriert er Anklänge an Waldboden, Erdbeeren und ein Hauch von Maggi. Eher leicht bis mittelgewichtig am Gaumen, immer noch etwas rote Frucht, ein wenig malzige Süße, aber die Tannine wirken metallisch und die Säure kommt noch etwas spitzer heraus als beim 72er; insgesamt auch ein wenig kurz im Abgang.

 

1974 / 93 Punkte - Ein ganz anderes Kaliber ist der erste Wein des nachfolgenden 6er flights. Wow, was ist das? Zu Beginn in der Nase noch etwas verschlossen, aber mit Luftzufuhr entwickelt sich ein tiefes und komplexes Bukett. Am Gaumen wie ein klassischer Bordeaux, der trotz seines Alters immer noch sehr fest und straff rüberkommt; runde Tannine, Noten von Teer, Lakritz und etwas Minze paaren sich zu der ansonsten eher rot wirkenden Frucht; leicht rauchige Noten und eine erkennbare Mineralik runden das Bild ab; die bei den beiden Vorgängerjahren so kräftige Säure ist auch hier im Ansatz vorhanden, aber der Wein hat genug Speck, um dies auszugleichen.

 

1975 / ohne Bewertung – leider korkig.

 

1976 / 90 Punkte – fette Nase, Noten von Überreife. Extrakt- und Fruchtsüße, Aromen von Karamell, Orangeat und mit dunkler Schokolade überzogenes Kirschmarzipan. Vom Körper eher mittelgewichtig, mit viel Extraktsüße ausgestattet, insgesamt aber erstaunlich fest und jung. Wie Parker hier auf 69 Punkte kommt, ist mir ein Rätsel!? Vielleicht ist es ein Übertragungsfehler von der Print-Ausgabe  in die Online-Version (und es waren einmal 89 Punkte). Wer die gedruckte Ausgabe (WA Nr. 89 / Oktober 1993) vorliegen hat, möge dies bitte kontrollieren.

 

1977 / 92 Punkte -  Die Frucht wirkt deutlich dunkler als bei den Jahrgängen zuvor, Anklänge an Waldkräuter, Hirschleder  und Pilze. Insgesamt sehr schön saftig, aber auch mit viel Tannin und Säure ausgestattet.  Gute Länge.

 

1978 / 92 Punkte – Im ersten Moment erschlagen mich die Maggikrautnoten, die aber mit zunehmender Luftzufuhr abflauen und einen gut gereiften Wein zu Wort kommen lassen. Ansprechende Tiefe im Bukett und am Gaumen – ein hedonistischer Wein ! Aromen von Rosinen, Süßlakritz und eher dunklen Früchten, buttrige Anklänge. Aber auch deutlich Liebstöckel am Gaumen und eine Säure, die mir etwas zu schaffen macht. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure vorgegaukelt wird.


1979 nicht produziert

Montag, 17.12.2007

2000 Chateau La Louviere - Pessac - Leognan

90 Punkte  - Der 2000 ist ein klassischer Bordeaux, der alle Komponenten eines guten Bordeaux in sich vereint. Die Farbe ist undurchsichtig, rubinrot - mit schönem Glanz. In der Nase zeigt sich eine schöne, dunkle Beerenfrucht gepaart mit einer feinen Würze aus dem gut eingebundenen Holz. Am Gaumen ebenfalls schöne, recht saftige Frucht (dunkle Waldbeeren), gute, aber noch etwas rauhe Tannine; eher mittelgewichtig, schöne Frische und eine mittlere Länge, eher maskulin.  Guter Bordeaux, der zu einem vernünftigen Preis zeigt, was Bordeaux kann und ist.

Das Weingut im Bereich Pessac Leognan (Graves) wurde im Jahre 1965 von André Lurton (geb. 1924) gekauft und völlig neu gestaltet. Das im Jahre 1791 von J. B. Mareilhac (Bürgermeister von Bordeaux) erbaute Château steht bis heute unter Denkmalschutz. Das Gut wird als Prunkstück des Lurton-Imperiums bezeichnet. Die Weinberge umfassen 50 Hektar Rebfläche,  mit den roten Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot, sowie 15 Hektar mit den weißen Sorten Sauvignon Blanc und Sémillon.

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2002 Baron di Pauli - Exilissi Gewürztraminer - Südtirol

93 Punkte - Jetzt sag mal, was riechst und schmeckst Du ?? Ne, dass mag ich nicht, den Wein so beschreiben. - Doch, bitte. - Ok, der riecht und schmeckt wie Exilissi sagt meine Mittrinkerin (eingefleischte Exilissi-Liebhaberin). Ja, was soll man da noch sagen. Ich muss gestehen, dieser Wein riecht und schmeckt wie Exilissi - sie hat einfach Recht!! Einmal gerochen und verkostet und niemals wieder wird man diesen Eindruck vergessen oder verwechseln - ich weiss, jetzt lehne ich mich weit aus dem Fenster, aber wer zweifelt, probiert einfach eine Flasche von diesem Weinunikat aus Südtirol.

Exilissi ist ein Gewürztraminer, wie man ihn eigentlich nicht beschreiben kann. Ein Bild von Rubens ist vielleicht der beste Vergleich, üppig, mit unglaublichen Rundungen, aber so schön und weich. Die 16,5% Alkohol des 2002er Jahrgangs sind erschreckend, aber trotz dieser Graduierung hat der Wein immer noch eine apfelige Frische. Die Aromen von Sahnetoffee, Bratäpfeln, Litschi und ein Strauss von Gewürzen und Kräutern machen (mich) einfach glücklich. Seinen Anteil daran haben der  schöne Schmelz, die sehr gute Extraktion  und die begeisternde Länge. Ein Weinunikat, dass jedes Jahr - auch Dank der Spontanvergärung - eine ganz besondere Individualität ausstrahlt.

 

Infos zum Wein: Mehrtägige Kaltmazeration der entrappten Trauben, Spontangärung des ungeklärten Mostes in 500l fassenden Eichenfässern, weitere 12monatige Reifezeit in selbigen Fässern, Abfüllung im Dezember 2003.

 

Infos zur Ernte: Herrliches Herbstwetter mit trockenen, warmen und sonnigen Tagen und kühlen Nächten den ganzen Oktober hindurch. Lese am 30. Oktober mit 24,8° KMW vollreifer, kernig-gesunder Trauben.

Daten zum Wein:

Sortenspiegel: Gewürztraminer 100%
Ertrag:  30 hl/ha
Alkohol:  16,5 %
Säure:  4,7 g/l
Restzucker: 17 g/l

Dienstag, 11.12.2007

2005 Clos de los Siete by Michel Rolland - Argentinien

89 Punkte - Yeah, yeah, keinen Bock auf vergeistigte Sachen heute, der Arbeitstag war kompliziert genug. Also, ab zum Kaufhof (der in Düsseldorf eine schöne Lebensmittelabteilung sein Eigen nennt  sowie eine ebensolche Weinabteilung - und das Beste: beide haben bis 22.00 Uhr geöffnet!!) und Brot, Speck, Rohmilchkäse und einen Wein gekauft, der lecker sein sollte und auch ein wenig knallen darf. Beide Anforderungen hat dieser Bursche vom Fuss der Anden erfüllt. Mein Weinfeund Martin Barz (www.berlinkitchen.com) hat dazu geschrieben:

The 2005 Clos de los Siete is a blend of 50% Malbec 30% Cabernet Sauvignon, 10% Merlot and 10% Syrah and made by the most famous "flying winemaker" Michel Rolland. Very dense bouquet of blackberry and blueberry.  These dense, rich fruit flavors continue on the palate with a basket of black fruits, espresso and velvety tannins. Full-body and no rough edges, therefore this wine offers a lot of drinking pleasure for 15 €.  On the other hand, I miss some finesse and complexity. In comparison to 2003 and 2004, maybe the best Clos de los Siete so far, at least so good as the nice 2003.

Quite suitable to serve this wine for wine-beginners, for your father-in-law, in front of a fireplace with a Cohiba or why not as a pirate in a Bordeaux-Tasting. 88-89

Als Piraten für eine Bordeaux-Verkostung würde ich ihn nicht einsetzen, da er einfach zu würzig ist und die Zigarrenkiste im Abgang, kombiniert mit der schönen Extraktsüße und den Schokonoten, ihn als Überseewein verrät. Für Euro 13,99 eine Allzweckwaffe, die wenig Wünsche offen läßt.

Für mich gerade ein idealer Begleiter, um die Notizen von der Weinverkostung des letzten Wochenendes in Zürich in den Computer zu hacken. 32 Jahrgänge Monte Bello von Ridge werden hier im blog bald folgen. (Ich weiss, ich saufe schneller, als ich schreibe - aber versprochen: spätestens an den  Weihnachtsfeiertagen werde ich all meine Notizen online stellen)


Sonntag, 25.11.2007

1986 Pol Roger - Extra Cuvee de Reserve

89 Punkte - Dieser Champagner ist - nach der Cuvee Sir Winston Churchill - die "Nummer Zwei" des Hauses Pol Roger. Der 86er war in der Nase geprägt von Sekundär- und Tertiäraromen, leichte Kellernoten; der Gaumen ist geprägt von einer prägnanten Säure, einer sehr guten Perlage, Noten von Rosinen, Kuchenteigaromen, Sauerteig- und Brotaromen. Ein immer noch animierender Trinkgenuss.

86er Probe in Hamburg

Endlich habe ich ein wenig über zwei Events der letzten Wochen zu berichten – zunächst wurde mir ein Herzenswunsch erfüllt; gemeinsam mit Freunden habe ich  eine Bestandsaufnahme des 86er Jahrganges absolviert.  Verteilt auf zwei Abende wurden große Weine aus Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Übersee verkostet:

 

1)      1986 Penfolds – Grange

2)      1986 Monticello Vineyards – CS Corley Reserve

3)      1986 Chateau Leoville Barton

4)      1986 Chateau Durcru Beaucaillou

5)      1986 Chateau Latour

6)      1986 Chateau Leoville Las Cases

7)      1986 Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande

8)      1986 Chateau Lynch Bages

9)      1986 Chateau Margaux

10)    1986 Chateau Gruaud Larose

11)    1986 Guigal  - La Landonne

12)    1986 Guigal  - La Turque

13)    1986 Guigal  - La Mouline

14)    1986 Vega Sicilia – Unico

15)    1986 Montevertine – Le Pergole Torte

16)    1986 Jos. Christoffel jr. Ürziger Würzgarten Auslese **

17)    1986 Jos. Christoffel jr. Erdener Prälat Auslese **

18)    1986 Pol Roger – Extra Cuvee de Reserve

19)    1986 Domaine Armand Rousseau – Gevrey Chambertin, Clos St.Jacques

20)    1986 Chateau d’Yquem

21)   1999 Pirat (Tokay, 6 Puttonyos)

Um die Spannung am Leben zu halten und sich nicht von den Etiketten beeinflussen zu lassen wurde „halb blind“ verkostet, das heisst, die Weine waren (bis auf den Piraten) namentlich bekannt, die Reihenfolge aber nicht. Meine Notizen werde ich nach und nach runterschreiben und einzeln einstellen. Vorab die Hitliste: jeder Teilnehmer hat am Ende der 2 Probentage seine persönlichen Favoriten (die drei besten Weine) benannt. Das Ergebnis zeigt, dass es zwar an der Spitze eng war, sich trotzdem einige Weine durchgesetzt haben und dass auch Piraten einen Platz an der Sonne erobern können. 

 

Ole: La Moulin, Las Cases und Pirat

Ingo: Las Cases, Grange und Pirat

Nils: Las Cases, Unico und Pirat

Mathias: La Moulin, Unico und Margaux

Birgit: La Moulin, Las Cases und Yquem

Bernd: Grange, Las Cases und La Moulin

Rainer: Las Cases, Grange (Rainer war leider nur 1 Tag mit von der Part(y)

Michael: Grange, Las Cases und Yquem 

Helmut: Las Cases, Unico und Pirat

An dieser Stelle sei auch noch einmal Helmut gedankt, der uns am zweiten Tag wunderbar bekocht hat. Helmut, es war sehr delikat (95 Punkte).

 

 

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Freitag, 26.10.2007

2002 Gesellmann - Opus Eximium Cuvee No 15 / Burgenland

90 Punkte- Ich hatte heute irgendwie Lust auf einen saftigen "Schmackofatz" und habe die richtige Wahl getroffen. Dieser Wein ist nicht schwierig zu verstehen, er ist einfach nur sexy und lecker. Seine Vorzüge trägt er  offen zur Schau - und gut ist !!!!!!! Die Nase ist - nach kurzer Belüftung - voll da; die Aromen von Pflaumen, Vanille, dunkler Schokolade und einer soliden Holzwürze bauen ein Lustgefühl auf.   Am Gaumen extraktsüsse Frucht, sehr saftig, rund und geschmeidig; durchaus mit einer ordentlichen Tiefe und Strukturausgestattet. Die runden, weichen und fast molligen Tannine ergeben ein wohliges Mundgefühl, während die  gute Säure dafür sorgt, dass man nicht vordergründig satt ist, sondern dass die Hand zum Glas geht. Der Alkohol von 14%  bremst einen spätestens nach einer halben Flasche aus, aber dann sollte der Abend auch gerettet sein.  Dieser Wein ist keine intellektuelle Offenbarung, aber er hilft .......... !!! 

Dienstag, 16.10.2007

2006 Weingut Melsheimer - Reiler Mullay-Hofberg Riesling Auslese trocken 'Kellerchen'

92 Punkte - Am Samstag bin ich in Düsseldorf über den Markt am Karlsplatz gelaufen und habe mich ein wenig treiben lassen. Dabei ist mir ein kleiner Weinstand ins Auge gefallen, der nur biologisch erzeugte Weine von Weingütern verkauft, die zur Spitze in Deutschland gehören. Da finden sich Namen wie Wittmann, Kühn oder Linxweiler im Sortiment und mein Interesse ist geweckt. Auf den zweiten Blick entdecke ich ein Etikett, dass mir bislang total unbekannt war, aber trotzdem ein deja vu bereitet, denn die letzte Ausgabe der VINUM titelte mit dem deutschen Rieslingpreis und bildete genau das Etikett dieses Weingutes ab. Kurzer Schnack mit dem Verkäufer, Flasche gekauft.

Kaum ist die Flasche geöffnet, strömt mir schon ein unglaublich dichter und voller Duft entgegen. Reife, gelbe Pfirsicharomen, satte kräuterwürzige Aromen von einer Mineralität, die einen schon in der Nase anspringt. Am Gaumen dann ein ähnliches Bild: satte Frucht, satte Mineralität, satte Tiefe !! Ein extraktreicher Stoff, der sein Terroir voll zum Ausdruck bringt; der Schiefer ist bei jedem Schluck gegenwärtig - man hat fast das Gefühl direkt auf ihm zu lutschen. Die Fruchtaromen erinnern mich irendwie an Rheingauer Weine, aber die Mineralität ist "voll Mosel". 14,5% Alkohol sind hervorragend eingebunden; trotz aller Üppigkeit ist dieser Wein komplex, tief und unglaublich trinkanimierend. Die Säure und die Frische sind ein gutes Gegengewicht zu der Üppigkeit, die man erkauen kann. Die Mineralität ist wirklich beeindruckend und zieht sich in Form einer positiven Bitterkeit bis in den schönen, langen Abgang. Das leere Glas duftet nach Kräutern und Mineralien und man schwelgt noch in den Aromen, wenn schon längst der letzte Schluck die Kehle hinuntergelaufen ist. Ein wirklich toller Riesling, der auf dem gleichen Niveau spielt wie z.B. die GG von Wittmann.

Samstag, 13.10.2007

1998 Chateau de la Negly - Clos du Truffiers

93 Punkte - Chateau de la Negly kenne und schätze ich bislang von seinem unter PLV-Gesichtspunkten hervorragenden 'La Falaise'. Darüber hinaus produziert Jean Rosset zwei rare Syrahweine aus winzigen Erträgen (zwischen 10 u. 15 hl/ha), namentlich: Porte de Ciel (Himmelspforte) und Clos des Truffiers (Trüffelberg). Aufgrund der Preisgestaltung – aktuelle Jahrgänge kosten zwischen  Euro 80,- und 100,- – muss man einen Spitzenwein erwarten dürfen; die Vorschußlorbeeren aus kundigem Munde lassen die Erwartungen ebenfalls hochschnellen. Parker (WA 139) setzt Chateau de la Negly an die Spitze der Weingüter im Languedoc und vergibt für den 2001er Clos du Truffiers in seiner online-Ausgabe (www.erobertparker.com) 98+ Punkte. Rene Gabriel sieht in den südfranzösischen  Syrah-Weinen von Chateau de la Negly eine Mischung aus Chambertin und „Grange“ von Penfolds in Australien.

Erwähnenswert ist noch; dass der Clos du Truffiers nicht - wie  die restlichen Weine des Chateaus - von Reben in der Appelation La Clape stammt, sondern aus Lagen in unmittelbarer Nähe zu Peyre Rose’s Weingärten in Saint-Pargoire im Département Hérault.


Tiefdunkel und strahlend steht dieser Wein vor mir und die erste Nase ist – trotz der 14,9% Alkohol – eher kühl geprägt. Die Aromatik ist dicht, komplex und von einer sehr guten Frucht (nach Waldbeeren, einem Hauch Teer und Lakritze) geprägt. Kombiniert mit den typischen Würzaromen des Syrah entwickelt der Wein eine schöne Tiefe, die Lust auf mehr macht. Am Gaumen entdeckt man die kühle Stilistik der Nase wieder, die mich - kombiniert mit der herrlichen Frische - an  einen großen Côte Rôtie denken lässt. Die Saftigkeit, die gute Frucht und Dichte des Weines vermag ebenso zu überzeugen, wie die runden, äußerst geschliffenen Tannine, die ausreichend vorhanden, dem Wein eine gute Statur verleihen. Für ganz großes Kino fehlt es ein wenig an Komplexität und Länge.

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Donnerstag, 11.10.2007

2001 F.X. Pichler, Grüner Veltliner Dürnsteiner Kellerberg / Wachau

99+ Punkte (lach)- Frankfurt, Klappe die Zweite: Nochmals eine ganz andere Liga war der nächste Wein – um es vorwegzunehmen, es war wohl der beste Grüne Veltliner, den ich bislang im Glas hatte. Ein Ausnahmewein von vorne bis hinten - eine bench mark für alle Weine, die Attribute wie Kraft, Intensität,  Tiefe und Komplexität für sich beanspruchen. Selbst im komplett leer getrunkenen Glas offenbart der 2001er Kellerberg  immer noch eine Duftintensität, an der man sich berauschen kann. Das leere Glas hatte sogar den Vorteil, dass man die einzelnen Aromen etwas besser zuordnen konnte. Wer immer das Pfefferl im GV gesucht hat, wird hier definitiv fündig, nur ist es kein „Pfefferl“ sondern weißer Pfeffer pur. Die Mineralik springt einem förmlich an und ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen zweiten Wein gibt, der  eine solche abgrundtiefe Mineralik bereits in der Nase erkennen lässt. Die Kräuteraromatik ist überwältigend, dieser GV nimmt einen gefangen, er reißt einen mit und man fühlt sich schnell als Entdecker in bislang nicht gekannten Galaxien. Am Gaumen – wow !!! Anfangs noch etwas skeptisch, ob – wie so oft – der Gaumen das hält, was die Nase verspricht, aber das ist für mich Wein in Perfektion. Kann man so etwas noch steigern, ich meine nicht.  Dieser Wein hat alles: Kraft, Dichte, Frische, Mineralität, Komplexität, Länge und vor allem animiert er ständig mehr davon haben zu wollen. Ich saß wie elektrisiert vor diesem Wein und habe auch nach diversen nachfolgenden Rotweinen immer wieder mal an meinem Glas genippt, um festzustellen dass er  jedes Essen, jeden Rotwein, einfach in die Tasche steckt und nur ein winziger Schluck reichte aus, um dieses Feuer in mir wieder zu entfachen. Selbst bei Zimmertemperatur und mit viel Luft, die er über den gesamten Abend im großen Glas gezogen hatte, war er zu jeder Zeit komplett frisch und voll überzeugend. Ein grandioses Meisterwerk.

1997 Hiedler - Maximum Chardonnay halbtrocken / Kamptal (=Weinrätsel in Frankfurt)

Ein normaler Donnerstag in Frankfurt/Main – ich hatte hier beruflich zu tun und da man liebe Freunde grundsätzlich viel zu selten sieht, nutzte ich die gute Gelegenheit bei Birgit und Bernd zu nächtigen. Kaum angekommen hatte ich ein Glas in der Hand und wunderbaren Speck aus Südtirol auf dem Teller. Bernd sagte nur kurz: „Wir verzichten heute auf das Vorgeplänkel“ und tauchten ein in die Tiefen des Weingenusses. Grundsätzlich waren wir uns aber einig, dass Vorgeplänkel (in Form von guten, aber nicht herausragenden Weinen) wichtig ist, um überhaupt die späteren Top-Weine in ihrer Qualität, ihre Komplexität und den durch sie erlebten Genuss richtig einordnen zu können.

 

Los ging es mit einem Wein der besonderen Art, ich war aufgrund der Aromatik recht verunsichert, was ich da im Glas hatte und versuchte mich über das Land zu nähern. Frankreich war mein erster Versuch und ich war mir eigentlich sicher, dass ich Recht haben würde, aber mir schallte nur ein „No“ entgegen. Ich wurde vorsichtiger, aber mit „Wein aus der Alten Welt“ lag ich zumindest richtig. Aber woher ? Ich erinnerte mich, dass die beiden kürzlich Portugal bereist hatten und erklärte Bernd, dass ich von portugisischen Weißweinen überhaupt keine Ahnung habe, aber man sollte weniger denken und auf seine Sensorik vertrauen. Ok !! Ich konzentrierte mich wieder auf den Wein – aufgrund der Cremigkeit, der Aromatik am Gaumen wurde ich mir hinsichtlich der Rebsorte etwas sicherer und ergatterte   mit „Burgunderrebsorte“ und „Chardonnay“ ein zweimaliges Kopfnicken. Aber dann verließ es mich auch schon wieder, meine gesamte Trinkerfahrung brachte mich nicht weiter, so einen Wein hatte ich bislang noch nicht im Glas:

 

In der Nase eine dichte Frucht, die insbesondere durch zwei Aromen getragen wurde, durch Mandarinen und einem herrlich würzigen, dunklen Waldhonig. Beides konnte man auch am Gaumen wieder finden, aber da war nicht nur die Würze des Kräuterhonigs, da war gleichzeitig auch die dazu passende Honigsüße, dieser Wein hatte einen deutlichen Zuckerschwanz. Aber ein wirklich restsüßer Wein war es nicht. Der Wein wirkte auf der anderen Seite erstaunlich frisch, hatte eine tiefe Mineralik, die den Eindruck von Frische weiter untermauerte, aber gleichzeitig waren da auch Aromen, die mir klarmachten, dass ich keinen ganz junger Wein vor mir hatte. Auffallend schön seine Dichte, seine saftige, extraktreiche Art und die Cremigkeit, mit der dieser Wein über die Zunge zu gleiten vermochte. Die gute Länge und Aromen von Karamell und Sahne rundeten das Bild ab. „Bild“ ein gutes Stichwort – denn inzwischen war ich mir sicher, dass ich dieses Bild noch nie in meinem Leben gesehen hatte und so musste ich die Segel streichen, um nicht endgültig in willkürliches Rätselraten zu verfallen.  90 Punkte

 

Lösung: Hiedler, Chardonnay 1997 Maximum halbtrocken  - Kamptal / Österreich

Mittwoch, 10.10.2007

1985 Cos d'Estournel / St. Estephe / Bordeaux

93 Punkte - Die Nase ist von kräutrigen Aromen dominiert. Am Gaumen sehr saftig, kraftvoll, Gewürze, Schokolade und Marzipan, ein Hauch grüner Paprika, auch mineralisch. Die Tannine wirken etwas sperrig, sehr gute Länge.

1985 Leoville Las Cases / St. Julien / Bordeaux

96 Punkte - Zu Beginn ein starkes Aroma von Kaffee, Mokka und Tabak in der Nase; sehr tief, kühl und aromenreich - man ist beschäftigt. Am Gaumen sehr frisch, kühl und eher maskulin. Schöner, kräftiger Körper; herrliche Tanninstruktur; reife und körnige Tannine, die der tollen Frucht den nötigen Widerstand geben und dem Wein so eine perfekte Statur verleihen. Röstaromen, Kaffee, feinste Schokolade, Cassis, beerig, herrlicher Stoff .... mehr Worte muss man einfach nicht machen.

Dienstag, 09.10.2007

1985 Castello di Rampolla - Sammarco

94 Punkte - Wow, dieser Supertuscan zeigt deutlich, dass italienische Weine aus großen Jahrgängen sehr gut altern können. Leider kann ich meine detaillierten Verkostungsnotizen nicht finden, aber in bleibender Erinnerung sind mir geblieben:

# die erstaunliche Frische
# eine schöne, saftige (dunkle Beeren-)Frucht
# die immer noch unglaublich strammen Tannine,
# sowie Ecken und Kanten, 

die zu diesem Wein passen und ihn sehr individuell und eigenständig dastehen lassen und die gleichzeitig den Trinker dazu anstacheln sich mit dem Wein auseinanderzusetzen. Die kräftige Säure unterstützt den Eindruck von Frische. Es wird - trotz der fast reinsortigen Cabernet -  deutlich, dass dies kein Bordeauxwein ist, sondern ein Italiener - obwohl die schönen Graphitnoten  jedem Bordeaux zu Ehre gereichen würden. Insgesamt hat mir der Druck am Gaumen, die Frische, letztlich aber auch die Stimmigkeit aller Komponenten auf hohem Niveau so gut gefallen, dass mit die Vergabe von 94 Punkten leicht gefallen ist.

Donnerstag, 04.10.2007

1985 Chianti Ruffina Vigneto Bucerchiale - Fattoria Selvapiana / Toscana

91 Punkte - Was für ein Erlebnis, eine Chianti Ruffina, der sicherlich viele Classicos hinter sich lässt und immer noch unglaublich jung und frisch daherkommt.

Fattoria Selvapiana ist ein Weingut, dass gerade durch seine Weine aus den  80er Jahrgängen aufgefallen ist . Die Riserva Bucerchiale ist reinsortiger Sangiovese, der erstmals 1979 das Licht der Welt erblickte.

Im Glas vor mit steht ein Wein, der mir "altem Wunschitaliener" das Herz höher schlagen lässt. Der Wasserrand läßt mich einen Wein nach Mitte der 90er Jahre ausschliessen, aber was ist das im Glas ?? Die Nase ist erdig, tief und frisch, ein Bild von dunklen Waldfrüchten entsteht in meinem Kopf, eine knackige schwarze Kirsche huscht vorbei und irgendwie schlage ich auch einen Bogen zu eher teerigen Noten. Die eher hintergründig erkennbaren Anklänge an Lösungsmittel wische ich bei Seite und dann ist da wieder diese kühle, frische  Frucht, die mich schon in der Nase begeister hatt. Ein guter Extrakt belegt die Zunge, ein Hauch von eleganter Bitterschokolade kombiniert mit einer schönen, dunklen Waldfrucht sowie ein Hauch von Malz umschmeichelt die Zunge. Feinkörnige, nachhaltige Tannine, eine gute Säure und die ordentliche Länge runden das harmonische Bild dieses Weines ab. Die Kombination mit den Steinpilztaglitelle ist nicht perfekt, da sie zu Lasten der Finesse des Weines geht, aber für sich allein ist der 85er Vigneto Bucerchiale ein echter Genuss.

1985 Corton - Bressandes / Domaine P. Dubreuil - Fontaine / Burgund

89 Punkte - die erste Nase hinterlässt einen etwas (kuh-) stalligen Eindruck, der jedoch mit zunehmender Belüftung verfliegt und einer schlanken, etwas kräutrig wirkenden Frucht mit Anklängen an Zwetschgen Platz macht.

Der Gaumen ist geprägt von einer angenehmen Extraktsüße, einer eher kühlen Aromatik (die etwas metallisch wirkt) sowie einer guten Länge. Die immer noch vorhandene Frucht erinnert an rote Beeren, Erdbeeren. Der Wein wirkt mit seinem mittelgewichtigen Körper durchaus elegant, alle Komponenten (Frucht, Säure, Tannine) sind harmonisch miteinander verschmolzen . Für eine Benotung deutlich über 90 Punkten fehlt es etwas an Komplexität und Tiefe, wenngleich der Wein eine gewisse Eleganz vorweisen kann, die insbesondere durch die schönen, weichen und runden Tannine geprägt ist.

Mittwoch, 03.10.2007

1969 Raymond Bordier - Vouvray Demi Sec - Loire

87 Punkte - Leider habe ich keine Infos zu diesem Weingut gefunden; wer hat  Hinweise z.B. heutiger Name, Adresse oder weitere Verksotungsnotizen ??

Im Glas zeigt dieser Chenin Blanc eine  klare, goldgelbe Farbe. Noten von  Aprikosen, Honigmelonen, gelben (Trocken-) Früchten sowie Anklänge an grünen Tee und Karamell in der Nase. Am Gaumen erstaunlich süß geblieben;  Orangenzesten / Bitterorangenmarmelade, Honignoten, ein wenig vordergründige Süße, am Gaumen angenehme Cremigkeit, dezente Mandeltöne, harmonisch bis in den mittellangen Abgang.

Ole Spezial - Besondere Weinprobe rund um den Jahrgang 1985

Ole hatte mal wieder geladen, und ein kleiner Kreis von Weinfreunden freute sich über die Einladung zu dieser besonderen Weinprobe und  labte sich reichlich an Speis und Trank. Um "Besondere Weine" sollte es diesmal gehen und nach einem kurzer Abstecher zu den Weissweinen wurde klar, die Roten aus dem hervorragenden Jahrgang 1985 stehen im Mittelpunkt dieses genussreichen Abends. Broadbent schreibt in seinen Weinnotizen zum Jahrgang (Hallwag 1994; S.223) : "Es scheint weltweit in sehr guter Verfassung zu sein, sicherlich aber in Europa: hervorragende toskanische Weine, die besten roten Burgunder, gewiß auch gelungenste Vintage Ports der 80er Jahre - und natürlich ein herrlich roter gleichgewichtiger Bordeaux. " Besser kann man das Ergebnis unserer Probe nicht zusammenfassen; alle Weine waren in einer hervorragenden Verfassung - am meisten hat mich jedoch die innere Harmonie und die Frische dieser Weine begeistert. Alle Vertreter des Jahrgangs hatten daneben eine herrliche Frucht, schöne Tannine und eine gute Säure. Doch mehr dazu in den einzelnen Weinnotizen.

Ebenfalls an dieser Stelle herausstellen möchte ich die Kochleistung von Ole an diesem Abend, als Meister der Vorbereitung hat er es geschafft, ein vorzügliches (!!)  Essen aufzutischen und gleichzeitig am Tisch omnipresent zu sein. Die Speisefolge reichte über eine vorzügliche, in ihrer Konsistenz nicht mehr verbesserbare Wildschweinpastete, über die aromatischten Steinpilztaglitelle, die ich seit Jahren gegessen habe, bis hin zu einer wunderbaren Entenbrust mit Bitterorangenkonfit an feinen Rübchen und Kartoffelgratin.

Samstag, 29.09.2007

1999 Isole e Olena - Cepparello / Toscana

95 Punkte - Kurz: Herrlicher Stoff !!!!!

Schon die Nase stimmt einen auf nachhaltigen Trinkgenuss ein, wobei dies ein "verstehender" Genuss sein muss, denn  der 99er Cepparello ist kein Einsteigerwein; er ist nicht unmittelbar zugänglich, er wirkt eher unnahbar und spröde auf den ersten Schluck. Dafür gefällt mir umso mehr die Tiefe und Aristokratie dieses Sangiovese. Die Nase ist sehr tief, dunkel und maskulin; von den Aromen eine Mischung aus Zedernholz, Tabakkiste und Anklängen an schwarze Kirschen, Brombeeren und nicht ganz reife Zwetschgen.

Am Gaumen fällt auch nach 8 Jahren  noch immer das mächtige Tannin sofort auf, doch die saftige, tiefe Frucht hat genug power, um dagegen zu halten. Die aussergewöhnlich gute Tiefe sowie die edel wirkende Kühle dieses Weines lassen mich ständig zum Glas greifen. Dieser Wein hat Rasse und Klasse ! Die Säure ist mächtig, aber nicht übermächtig, gleiches gilt für den Alkohol; beides sind Garanten für ein langes Leben. Die Frucht ist da: kühl, dunkel und man(n) muss kauen, um den Wein in all seinen Facetten zu erfassen. Der Abgang ist herrlich lang - endet aber vielleicht einen Tick zu viel auf Tannin. Trotzdem richtig großer Stoff !!

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Dienstag, 11.09.2007

2006 Erbhof Unterganzner - St. Magdalener Klassisch / Südtirol / news vom Weingut

Jedes mal die gleiche Prozedur, wenn ich zu Josphus Mayr fahre; in dem Strassengewirr aus Autobahnzu-und abfahrt, diversen Landesstrassen und Kreiseln entscheide ich mich Jahr für Jahr mindestens einmal für die falsche Strasse - aber auch in diesmal habe ich es letztendlich geschafft !  Ebenfalls Jahr für Jahr bin ich dann überrascht von der Ruhe, die auf diesem - zwischen Autobahn und Landesstrasse - eingezwengten  Erbhof herrscht. Dieses Mal war die Zeit knapp, denn es ist Erntezeit und da hat die ganze Familie alle Hände voll zu tun. Trotzdem bzw. gerade deshalb hat es mich sehr gefreut, dass Frau Mayr extra zum Hof kam, um mir meine paar vorbestellten Flaschen auszuhändigen. Ein kleiner Plausch, ein paar Infos zu den gekauften Weinen und eine trautirge Nachricht: Aus dem hervorragenden Jahr 2006 wird es keinen REIF geben, denn die Gärung des Cabernet ist stecken geblieben und alles gute Zureden und sämtliche "vernünftigen" Versuche blieben erfolglos.

 

2006 St. Magdalener Klassisch - 84 Punkte - Einen kleinen Vorgeschmack auf den 2006er Jahrgang gibt der St. Magdalener Klassisch. Grundsätzlich stammen die Weine der Zone "St. Magdalener" von  Hängen am Rand von Bozen sowie Teilen der Gemeinden Karneid und Ritten. Weine aus den historischen Lagen tragen häufig  die Zusatzbezeichnung Classico oder Klassisch  und werden aus Vernatsch (entspricht dem dt. Trollinger) gekeltert, der häufig mit einem Spritzer Lagrein (5%-10%) veredlet wird. Die 2006er Ausgabe des St. Magdalener vom Josephus Mayr ist extraktsüß, sehr aromatisch und fruchtig (eingemachte rote Früchte, Erdbeeren, rote Fruchtsirup-Drops) und hinten heraus zeigt sich eine interessante, süß-bittere Note. Für die Rebsorte hat dieser Wein ein beachtliches Tannin sowie einen schon  als mittelgewichtig zu bezeichnenden  Körper. Mir macht so ein Wein zur Brotzeit mit Speck oder zur Pizza richtig Spaß, da mag ich sogar die -  für mich ansonsten etwas zu vordergründige - extraktsüße Frucht. Ein solch konzentrierter Vernatsch kann nur mit beachtlichem Aufwand  im Weinberg (insbesondere erhebliche Ertragsreduzierung) hergestellt werden. Well done !!

Sonntag, 09.09.2007

Mövenpick Verkostung - Österreich 2006

Leider mit nur noch wenig Zeit bin ich gestern bei Mövenpick in Düsseldorf "eingekehrt". Zur Verkostung standen die 2006er aus Österreich an. Im Schnelldurchlauf habe ich mich auf die weißen Spitzen konzentriert - and here are the results of the German jury: Austria - two points ;-))) Nein,  so schlecht waren sie nicht, eher das Gegenteil. Der Eindruck, dass 2006 ein sehr gutes Jahr bei unseren Nachbarn war, bestätigt sich mehr und mehr. Negativ fällt mir auf, dass der Konzentrations- und Reifewahn immer stärker wird. Ein Smaragd muss 12,5% Mindestalkohol haben, aber unter 14,5% scheint fast nichts mehr zu gehen. Bei F.X. Pichler muss man allerdings sagen, dass hier das Alkohol-Versteckspiel perfektioniert worden ist. Wie ich bereits in meiner Verkostungsnotiz zum 06er Unendlich geschrieben habe, ist dieser große Wein - trotz seiner 15% Alc. - enorm trinkanimierend und elegant. Leider das Gegenteil war bei Jamek festzustellen, schon beim Ried Klaus Riesling Smaragd aber insbesondere Achleiten GV Smaragd schlägt der Alkohol durch und man bekommt gleich mit dem ersten Schluck eine volle Breitseite.

    • 2006 Bründlmayer, Kamptaler Terrassen GV: 86 Punkte - schöne, klare Frucht, geradlinig mit animierender Frische, sehr sauber, zarte Apfelfrucht, dezent kräutrig, schöner Essensbegleiter, angenehme 12,5% Alc.
        
    • 2006 Jamek, Ried Klaus Riesling Smaragd: 92 Punkte; mir ist ja bekannt, dass in Österreich für "trocken" bis zu 9 Gramm Restzucker zugelassen sind, aber dieser Wein hat schon kein Zuchkerschwänzchen mehr, das ist ein ausgewachsener Schwanz! Im Mund enorm extraktreich, kraftvoll , dicht und voluminös; ausladende, reiche Frucht, Waldhonig, reife exotische Früchte; aber auch ein recht deutlicher Alkohol. Wirkt zunächst sehr kompakt und auch schwer, mit zunehmend Luft und etwas Kauen gewinnt er hinten heraus deutlich an Komplexität. Da ausreichend Säure vorhanden ist, meine ich, dass dieser "süße Muskelprotz" eine gute Entwicklung vor sich hat, zur Zeit würde ich ihn jedoch meiden und frühestens in 4 oder 5 Jahren mal wieder eine Flasche aufmachen. Wahrscheinlich großes Potential.

    • 2006 Jamek, Achleiten Grüner Veltliner Smaragd: 91 Punkte - Der haut mich um !! Total sortentypische Aromatik in Mund und Nase, aber mit welcher Wucht wird dem Trinker hier klar gemacht, wo der Hammer hängt. Großer, schwerer Wein, gelbe Frucht, enormer Körper, fester Biß und trotzdem sehr schmelzig, fast ölig (durch den Alkohol), tolle Kräutermineralik, betont fruchtig, etwas breit - Entschuldigung für den nachfolgenden Ausdruck: "eine fette Sau". Von diesem Wein möchte ich  1(!!) Glas (dieses aber mit praller Lust) trinken und dann seelig einschlummern. Bin sehr gespannt, ob die Frucht im Kampf mit dem Alkohol in den nächsten Jahren Stand halten kann.

    • 2006 Prager, Wachstum Bodenstein Riesling Smaragd: 94 Punkte - Herrlich dichte und feste Nase, Steinobst, gelbfruchtig, Am Gaumen ebenfalls sehr kompakt, schreit nach Luft, um sich entfalten zu können. Kraftvoll, mit gutem Druck am Gaumen, sehr schöne Extraktion und perfekte Säure, die sich - wie ein Kometenschweif - von vorn bis hinten klar und brilliant durch den Wein zieht. Hervorragend strukturierter Wein, der Zeit benötigt und sicher erst in drei bis vier Jahren seine wahre Größe und Eleganz komplett offerieren wird. Großes Potential !!
       
    • 2006 Prager, Zweritaler Grüner Veltliner Smaragd: 92 Punkte - Für mich nicht der ganz, ganz große GV, aber ungemein animierend und sexy. Schöne, frische, aber etwas zurückhaltende Nase mit der leichten Brise einer Sommerwiese und Anklängen von frischen Äpfeln und Wachs. Am Gaumen frisch und betont kühl, in der Mitte ein schöner, betont mineralischer und würziger Komplex, nicht zu fett (13,5%Alc); hinten heraus frisch, aber vielleicht etwas kurz. Trotzdem glaube ich, dass dieser Wein sich gut entwickeln wird und auch in ein paar Jahren viel Genuss bietet.

    • 2006 Hirtzberger, Honivogl Grüner Veltliner Smaragd: 95 Punkte - Opulenz kann auch schön sein; wieder 15% Alc, aber hier nicht vordergründig, aber auch nicht versteckt. Ein Wein mit unglaublich schönem Schmelz, einer herrlichen Stoffigkeit, einem großen Körper und einer Lust, die ansteckt. Die Zunge wird von einem  breiten Teppich voller Aromen von gelbem Steinobst, warmen Kräuternoten und einer tabakigen Mineralität belegt, der sich bis in den tiefen Rachen hinein ausbreitet. Dieser Wein hat von allem viel: Viel Schmelz, viel Alkohol, viel Säure, viel Extraktsüße, viel Frucht, viel Länge, viel Komplexität, viel Wollust.

Samstag, 08.09.2007

2006 F.X. Pichler – Riesling Unendlich / Wachau

95 Punkte - Endlich dieses Phantom ergattert (möglich geworden im Sternerestaurant "Magazin" in Salzburg. Moderne, regional angehauchte Küche in außergewöhnlichem Ambiente; man sitzt an einer langen Tafel im Tunnel und man ist schnell im Gespräch mit seinen Tischnachbarn. Für konservative "Sterne-Esser" sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber mir hat es "supergut" gefallen.

 

 

Beim Wein werden wohl viele „Babymord“ schreien, aber ich denke ein wirklich großer Wein zeigt in jedem Stadium seine außergewöhnliche Klasse – und so war es auch hier!!

Mittleres Grüngelb; die Nase ist unerwartet fein, nicht jugendliche "Kräfteprahlerei", sondern kraftvolle Differenziertheit mit mineralisch, würzigen Noten sowie einer herrlichen Frucht von Pfirsich, Blüten, Passionsfrucht und einer exotischen Note. Am Gaumen passierte dann etwas völlig Unerwartetes. Wo verdammt sind die 15% Alkohol, die das Etikett zieren?  Zwar ist dieser 06er Riesling kraftvoll und spannungsgeladen auf der einen Seite, aber auf der anderen schon so schön, fein und balanciert, dass ich es nicht fassen kann. Hier spielen Kraft und Struktur mit Finesse und Eleganz; die herrlich frische Säure und die lebendige, leicht rauchige Mineralik machen das Bild rund und das Kunstwerk perfekt. Zum Abschluss macht der Wein seinem Namen alle Ehre und bleibt ca. 30-40 Sekunden nahezu unverändert am Gaumen haften. Wahrlich großer Stoff, der sich über die nächsten Jahre perfekt entwickeln wird und wahrscheinlich zeit seines langen Lebens seine Trinker begeistern wird. In vier oder fünf Jahre wird es spannend sein, diesen "Unendlich" gegen die großen Rieslinge aus Deutschland (z.B. Kellers Kirschspiel, Schönlebers Halenberg, Künstlers Hölle oder Mosbachers Ungeheuer) zu trinken.

Montag, 27.08.2007

1976 Weingut Ph. und G. Schäfer - Oetricher Lenchen Auslese / Rheingau

86 Punkte - Ein Wein aus einem sehr guten / großen Jahrgang. Als der Wein ins Glas läuft schaue ich ein wenig ungläubig, nach dem strahlend goldgelben 77er von Schloss Reinhartshausen ist dieser klar, aber mahagoniefarben. In der Nase aber sauber, deutlich gereifter, aber trotzdem schön; Noten von Orangenzesten, Honig, Maracuja und Marzipan. Am Gaumen mit noch deutlicher Restsüße, die sich zunehmend besser einfügt, der Wein benötigt Luft, um sich zu entfalten. Im Abgang etwas bittersüßes Mandelaroma, insgesamt eine schön gereifte Auslese, die mit Luft an Komplexität und Harmonie zugelgt hat, sich aber nicht zu großen Höhen aufschwingen konnte.

1977 Schloss Reinhartshausen - Erbacher Marcobrunn Kabinett

90 Punkte - UNGLAUBLICH !! Was für ein schöner, lebendiger und eleganter Wein, ein Kabintt aus einem kleinen bis maximal mittleren Jahrgang. Broadbent schreibt in: Das große Buch der Weinjahrgänge, Luzern 1983: "Leichte Weine, vorwiegend von gewöhnlicher Qualität, rasch zu trinken. (...) Weine eines solchen Jahrganges sollten bereits getrunken sein."

Dieser Riesling zeigt sich im Glas goldgelb und von brillianter Klarheit. Die Nase läßt auf keinen ganz jungen Wein schliessen, aber das wahre Alter verrät sie nicht. Man findet Noten von reifen gelben Früchten, Kamille, Blüten, Wachs (ein Freund sprach auch von Bohnerwachs) und sie animiert mit ihrer frischen und noblen Art zum Trinken. Die Frische zeigt sich auch am Gaumen, da sind Aprikosen, reife Quitten und Orangenzesten. Die Säure ist herrlich,  der Körper mittelgewichtig und die Länge hervorragend, aber der Gipfel dieses Kabinetts ist seine Ausgewogenheit, seine Differnziertheit und Finesse sowie die nahezu nicht erklärbare Frische.

Ach, wenn ich von diesem Stoff doch noch ein paar Flaschen hätte !!

Donnerstag, 23.08.2007

1999 Chateau Clos l'Eglise - Côtes de Castillon / Bordeaux

88 Punkte - Dies ist ein schöner, sehr ausgewogener Bordeaux für jeden 2.Tag ;-). Aktuell zeigt er sich mit einer eher dunklen Frucht, die eingerahmt wird durch leicht florale Noten und eine feine Kaffeeröstung. Am Gaumen weich und seidig (70% Merlot und jeweils 15% Cabernet Sauvignon und Franc), aber mit guter Statur und einer saftigen Frucht. Insgesamt sehr stimmig und harmonisch; gute Länge. Der Wein  ist jetzt auf seinem Höhepunkt angelangt, dürfte aber die nächsten 3 bis 4 Jahre dort verharren und bietet so echtes Bordeaux-Trinkvergnügen für relativ kleines Geld (aus Subskription für Euro 15; aktuell Euro 18 bei der Weinzeche in Essen und Euro 22,50 bei Unger).

Ein paar erklärende Worte zum Weingut findet man auf der homepage von Unger: "Das ist die Cotes de Castillon Dependance von Gerard Perse und Dr. Alain Raynaud (Chateau Quinault L´Enclos), bekannt von Chateaux wie Pavie, Pavie Decesse, La Clusiere, Monbousquet. Und sein Cotes de Castillon, der übrigens nichts mit dem gleichnamigen Pomerol Weingut zu tun hat, zählt zur Top-Liga in dieser Appellation. 70% Merlot, 25% Cabernet Franc und 5% Cabernet Sauvignon, die in 100% neuem Holz verfeinert wurden, kreieren einen Wein mit weicher, dichter Frucht und hohen, Perse-typischen Extraktwerten"

Mittwoch, 22.08.2007

1922 Luigi Rizzi - Barolo (Notizen einer Probe aus März 2007)

96 Punkte - Schon die Flasche ist ein Unikat und das Trinkerlebenis muss jeden Hedonisten erfreuen. In der Nase verströmt dieser Barolo - aus einem wirklich großen Jahrgang (vgl.  www.baroloworld.it/ger/annate_de.html  ) - einen erhabenen Duft nach z.B. getrockenten Rosenblättern, Veilchen und erdigen Tönen. Mit langsam fortschreitender Zeit entwickelten sich im Glas Anklänge an Liebstöckel. Am Gaumen aber zu jeder Zeit hochkomplex, die Aromatik wirkt sehr zart, fast zerbrechlich - dabei immer elegant. Dieser 85 Jahre alte Wein nimmt einen mit auf eine Zeitreise und versetzt seine Geniesser in eine Art Rausch, eine Leichtigkeit des Seins, in einen Freudentaumel. Man glaubt jedes Jahr anhand einer Geschmacksknospe zu erleben, da sind heitere Jahre, da sind lebendige Jahre, aber da sind auch melancholische und traurige Momente. Weinpoesie !!

Montag, 20.08.2007

2004 Jean Stodden - Spätburgunder Recher Herrenberg

87 Punkte - Dieser Wein dürfte jetzt in seiner besten Trinkphase sein. Er benötigt ein paar Minuten im großen Burgunderglas, dann zeigt er, was in ihm steckt:

Mit deutschem Spätburgunder haben die Weine aus dem Hause Stodden wenig zu tun, so überrascht es auch nicht, dass dieser 2004er Spätburgunder geprägt ist von einer, dunklen, sehr kräuterwürzigen Frucht. Der Wein ist durchaus eckig, insbesondere am Gaumen zeigt er eine herbe Kräuteraromatik (die durch das Holz noch unterstützt wird) gepaart mit einer Frucht, die deutlich dunkel und maskulin wirkt. Der Wein offeriert ein hohes Mass an Mineralität sowie eine sehr lebendige, vielleicht etwas spitze Säure. Vom Köper und Extrakt eher mittelgewichtig zeigt er eine kleine Schwäche im Abgang, der ein wenig zu sehr auf  Säure und Tannin endet. Trotzdem für mich ein guter Wein, den ich zum Essen getrunken klar einer Solokarriere vorziehe. Innerhalb der nächsten 2 Jahre austrinken.

2005 Meyer-Näkel "S" - Ahr

89 Punkte - Fruchbetonte Nase nach roten Beeren mit stark kräuterwürzigen Anklängen. Am Gaumen dicht, saftig, und extraktreich. Die reife Frucht schmeckt nach roten Beeren mit würzigen Untertönen von Kräutern, Rauch und Speck sowie einer schönen Mineralik. Der 2005er  "S" ist ein sehr guter Wein,  der durch seine  kraftvolle Art und Ausgewogenheit überzeugt. Er dürfte auch vielen "Nicht-Weinfreaks" locker aus dem Glas in den Schlund fließen. Die Tannine sind reif und rund; sie  bilden dennoch ein gutes Rückgrad, auf dem die saftige Frucht bestens aufbauen kann. Schönes, fruchtbetontes und würziges Finale, das in einer guten Länge endet. Insgesamt ein ernstzunehmender Pinot, der seine deutsche Herkunft nicht sofort preisgibt.

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Sonntag, 19.08.2007

1999 Chateau Griffe de Cap d'Or - Saint Georges Saint Emilion

89 Punkte - Dieser Wein stammt aus einem Jahrgang, in dem ich zum zweiten Mal  Bordeaux subskribiert habe. Entsprechend habe ich diesen Wein  über die Jahre meines Besitzes schon einige Male verkostet und mit scheint, dass er jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen ist:

Der 99er Griffe de Cap d'Or  hat sich wunderbar harmonisiert, in der Nase verströmt er Düfte von Kaffee/Mokka, reifen Kirschen und Pflaumen. Am Gaumen zeigt er sich saftig und mit weichem Mundgefühl; mit jetzt runden, weichen Tanninen gleitet er über den Gaumen, schöne Viskosität; seidig. Die Frucht tendiert zu dunklen, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen, Kaffee; aber auch eine zarte, schöne Würze kommt zum Vorschein. Mittlerer Körper, gute Länge. Ein schöner, typischer  Merlot, den man ohne großes Aufhebens an vielen schönen Abenden trinken möchte.

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Donnerstag, 16.08.2007

1990 Desiderio - Avignonesi - Toscana

89-91 Punkte: Der "Toro chiannino DESIDERIO" ist immer noch gut im Saft und erfreut sich bester Statur. Auffallend bei diesem Merlot ist sein kraftvoller, saftiger Stil; er ist körperreich und hat immer noch stramme Tannine. Die Frucht ist schön, man schmatzt ein wenig, wenn man auf ihr kaut und die freigesetzten Aromen von Kirschen und Pflaumen sind umwoben von einer angenhemen, Merlot-typischen Würze.

Die saftige Aromatik im Mund  erlebt man um so überraschter, als die Nase zunächst eher schon auf das Alter hinweist; "erinnert ein wenig an gereiften Barolo" steht da in meiner kleinen Gladde zu diesem Wein geschrieben ; auch nasse Pappe, erdige Töne, Kartoffelkraut. Zu jeder Zeit ein Italiener !! Gute Länge, die leider etwas austrocknend auf dem Tannin endet. Wenn dieser Wein etwas differenzierter und komplexer wäre, würde eine deutlich höhere Punktzahl zu Buche stehen, denn die Anlagen (Struktur und Körper) sind sehr gut.

Drei Tage später eine weitere Flasche geöffnet und siehe da, diese Flasche ist etwas besser -  der Wein ist  ein wenig druckvoller und komplexer. Die sehr gute Saftigkeit und die immer noch strammen Tannine zeichnen auch diesen Desiderio aus. Auf Grund der erhöhten Komplexität und Finesse zaubere ich diesmal 2 Punke mehr aus dem Hut.  -- Für mich eine interessante Erfahrung -- ein Wein mittleren Alters innerhalb von drei Tagen zweimal getrunken und mit leicht unterschiedlichen Wertungen, da die Flaschen eine ähnliche, aber nicht die gleiche Qualität zeigten

Samstag, 04.08.2007

1998 Peyre Rose - Clos des Cistes - Languedoc

94 Punkte - Über Marlène Soria, der "guten Hexe des Languedoc" ist im Netz schon vieles geschrieben worden. Leider ist es mir bisweilen vergönnt geblieben, die Dame und den guten Geist hinter der Domaine kennen zu lernen und ich musste, nein durfte bisweilen mit Ihren Weinen vorlieb nehmen. Doch ein, zwei Dinge sind wichtig zu wissen, wenn man Ihre Weine geniesst:  Marléne verzichtet komplett auf den Einsatz von Holz/barriques (kann man kaum Glauben bei der Statur der Weine) und es wird biodynamisch gearbeitet. Die Reben wachsen auf sehr kargen Böden, mitten in der Garrique-Landschaft und so findet sich in den Weinen auch die Urwüchsigkeit dieser Landschaft stets wieder. Eine gute Beschreibung der Domaine und Ihrer Besitzerin findet man bei PdP(http://www.pinard-de-picard.de/katalog/wein/erzeuger/303-Domaine_Peyre_Rose_Coteaux_du_Languedoc.html).

Auch der 98er Jahrgang ist eine Cuvee aus Syrah und Grenache (ca. 85%/15% - die andere große Schwester Clos Syrah Léone ist eine Cuvee aus Syrah und Mouvedre). Die 98er Ausgabe des Clos des Cistes ist wieder ein kraftvoller, dichter, urwüchsiger Wein, der aber deutlich mehr kann, als nur einen "auf dicke Hose zu machen". Die Nase ist  so unglaublich intensiv, komplex und animierend, dass man das Glas kaum wieder absetzen möchte: Wildkräuter, Gewürze, dunkle Früchte, Cassis, Holunderbeeren und dann die durchaus elegante Kühle der Syrahtraube, die diesen Wein so besonders  macht. Zunge und  Gaumen werden belegt mit einem großen Strauss an Aromen: da sind dunkle Schokoladen-Marzipan-Pralinees mit rot-violettem Cassis-und Kirschkern, da findet man sich in einer ganzen Kräuterküche wieder, aber auch Anklänge an Lakritz und schwarzen Pfeffer prägen sich ein. Der Körper ist fest, die Tannine sind edel, aber deutlich präsent. Die sehr gute Struktur basiert auch auf einer schönen Säure und so vewundert es nicht, wenn auf diesem Gerüst die Aromen bis in den langen Abgang getragen werden. Fazit: Richtig guter, schöner, komplexer  und sehr individueller Stoff.

2001 Chateau Carbonnieux blanc - Pessac Leognan / Bordeaux

90 Punkte - zweimal, mit einem Abstand von ca. einen Jahr getrunken und konsistent bewertet. Weisser Bordeaux wird in Deutschland leider kaum wahrgenommen. Dabei sind dies häufig Weine, die  Frucht, Schmelz und Frische hervorragend in sich vereinigen. So auch dieser weisse Carbonnieux. Ein feines Goldgelb mit schönem Glanz strahlt mir aus dem Glas entgegen. Die Nase offenbart ein Gemisch aus reifen Citrusfrüchten, dezenten Noten von Blütenhonig und Gerstenschrot, vielleicht auch ein Malz. Am Gaumen findet sich diese schöne Gemisch aus Frucht, Schmelz unf Frische. Das Ganze ist dann noch beheimatet in einem mittelschwerem Körper, zeigt Tiefe und eine gute Komplexität und macht bis in den recht langen Abgang Spaß. Der Wein füllt den gesamten Mund aus und trinkt sich für sich allein gut, passt aber auch sehr gut zu cremigen Suppen, hellem Geflügel und Schweinebraten. 

(getrunken im Bistro vom Schiffchen in Düsseldorf - daher einen kleiner Tip am Rande: Solche Weine sind oft auf den Weinkarten der Topgastronomie noch zu akzeptablen Preisen zu finden und man erweckt das Interesse des Sommeliers, da er diese Weine selten aus dem Keller holt darf.)

Sonntag, 29.07.2007

2002 Reif - Josphus Mayr / Erbhof Unterganzner

92 Punkte - Unglaublich dichtes rot - nein -  eigentlich eher schwarz mit rot-violetten Aufhellungen am Rand.

Die Nase ist erstaunlich kühl und frisch, ätherische Anklänge  sowie dunkle Beerenfrüchte. Am Gaumen dicht, extraxtreich und sehr saftig, dabei richtig guter  Struktur und einer herrlich frischen Säure. Tief, dunkel, auch hier wieder ätherische Noten (ein Spur Menthol); Tabak, ganz dunkle Beerenfrucht (in Richtung Heidel- und Brombeeren),  Extraktsüsse, kräftiger Körper und schöne, kraftvolle, aber ausgereifte Tannine. Der Cabernet ist in diesem Wein mit 80% sicherlich massgebend, aber der Anteil an Lagrein (ca. 18% und eine Winzigkeit Petit Verdot), -wahrscheinlich sogar aus (an-)getrockenten Trauben - kommt deutlich in der Aromatik zum Ausdruck. Mir macht dieser "SAFT" richtig Spass ! Die Weine von Josephus Mayr sind modern und bodenständig zugleich, sie sind regionale Persönlichkeiten, die trotzdem über den Tellerrand hinausschauen und auch auf dem internationalen Parkett eine hervorragende Figur abgeben, die aber auch polarisieren können.  Dieser Wein ist perfekt zu Wild und dunklem Fleisch, aber wegen seiner saftigen, powervollen Art trinke ich eine Flasche auch gerne ganz allein über 2 Abende verteilt ohne Essen. Josephus Mayr ist mit seinen Weinen für mich der primus inter pares in Südtirol und ich schätze seinen individuellen Stil (mit Ausbau im neuen Holz) sehr, er zeigt imho, dass man mit barriques vernünftig zum Wohle der Weine umgehen kann.

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Samstag, 28.07.2007

2004 Rieslinge aus dem Forster Pechstein - Eine Bestandsaufnahme

Zum zweiten Mal (nach 2002) hat „uns Ole“ diese spannende Lagenprobe „Forster Pechstein“ organisiert. Diesmal (Probe am 08.05.07) stand der Jahrgang 2004 auf dem Prüfstand und wir haben – wie schon vor zwei Jahren – komplett blind verkostet. Teilnehmer an diesem schönen Abend waren: Felix, Rainer, Dieter, Pasta, Guido, Matthias und meine Wenigkeit. Als spezial guest hat Rakhshan Zhouleh, Sommelier des Jahres 2002 im Gault Millau,  unsere Runde auf das Angenehmste an diesem Abend bereichert.


Zum Forster Pechstein schreibt der VDP auf www.grossesgewaechs.de:

 

Nach Südosten ausgerichtet und zum Waldrand hin ansteigend, hat die hohe Einstrahlung der Sonne zur Folge, dass der Boden stark erwärmt wird und dadurch die Trauben zur einer hohen Reife gelangen. Der Pechstein, dessen Name sich von dem hohen Basaltanteil (schwarzes Gestein) der Böden ableitet, liegt auf einer Höhe von 120 bis 160m über NN und weist eine geringe Hangneigung auf. Ein ehemaliger Vulkan, der Pechsteinkopf, oberhalb von Forst, verteilte vor Urzeiten große Mengen von vulkanischem Gestein. Im Untergrund der Lage Pechstein befinden sich daher mehrere Basaltadern, während lose Basaltsteine sich auch an der Bodenoberfläche befinden. Weiterhin findet man im Pechstein roten Buntsandsteinverwitterungs- und sandigen Lehmboden, der stellenweise mit Sandsteingeröll und Tonanteilen versetzt ist. Der Anteil an Ton und Lehm im Pechstein hat eine hohe Wasserspeicherkapazität der Böden zur Folge, durch welche die Mineralien des Gesteins hervorragend erschlossen werden.“

 

Als Ergebnis haben alle Teilnehmer die Weine - gemäß den von Ihnen vergebenen Punkten – in eine Reihenfolge (Rang 1 = bester Wein / Rang 13 schlechtester Wein) umgesetzt. Hinter der Bezeichnung stehen meine persönlichen Punkte.

 

·        2004 Eugen Müller, Forster Pechstein Riesling Kabinett trocken (12%)   84 Punkte

Florale Noten, Holunderblüten, Mandel, etwas gelbe Frucht. Angenehme Mineralik, dezente Salzigkeit, insgesamt sehr weiches Mundgefühl, mittlerer Körper,  in der Mitte überraschend leer, Mandel, etwas nussig-würziger Abgang. Ein Wein im Niemandsland, nichts schlecht, aber auch nicht richtig gut. 

Rang: 12 / 11 / 12 / 11 / 13 / 13 / 13 / 12 / 9 = 106 (Gesamtwertung: Platz 12)

 

·        2004 Forster Winzerverein, Forster Pechstein Riesling Kabinett trocken (12%) - 86 Punkte

Fruchtig, runder Ansatz in der Nase, gelbfruchtig, ein Hauch von Curry. Er braucht etwas Luft, um seine Aromen zu entfalten (verkappte Spätlese), dann angenehm runde Textur, Weinbergspfirsich, Maracuja, gute Säure, im Nachhall leider etwas müde und schon leicht reife Noten.

Rang: 11 / 10 / 11 / 9 / 8 / 8 / 10 / 11 / 8 = 86  (Gesamtwertung: Platz 11)

 

·        2004 Bassermann-Jordan, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken (13%) – 90+ Punkte;

Noten von Stachelbeeren, exotischen Früchten, Anklang von Erbsen (Hülsenfrüchten); am Gaumen guter Druck, dicht, und kraftvoll; rauchig, hohe Mineralität, kompakt und trotzdem erstaunlich komplex, mit differenzierter Aromatik.   

Rang: 1 / 2 / 1 / 2 / 1 / 3 / 2 / 1 / 3 = 16 (Gesamtwertung: Platz 1)


·        2004 J.L. Wolf, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken -  87  Punkte

Florale Anklänge, steinig-kalkig, angenehme Saftigkeit, trotzdem schlank wirkend, gute Mineralität, ausgewogen.

Rang: 10 / 8 / 7 / 8 / 9 / 9 / 9 / 10 / 7 = 77(Gesamtwertung: Platz 8)


·        2004 Karl Schäfer, Forster Pechstein (Fassprobe – als GG abgelehnt) - 88+ Punkte

Polarisierender Wein, zartgliedrig, floral, feine Nase. Am Gaumen explosive Frucht, Citrus, (vielleicht etwas zu bittere) Grapefruit, nachhaltig, knackige Säure, tolle Länge, die leider etwas zu sehr auf der Säure endet. 

Rang: 13 / 13 / 5 / 11 / 5 / 10 / 6 / 8 / 6   = 77  (Gesamtwertung: Platz 8)

 

·        2004 Pirat: Georg Breuer, Terra Montosa, Rheingau  - 89 Punkte

Eher kräuter-fruchtige Nase, recht dicht wirkend, am Gaumen ein „Maul voll Wein“, Citrusaromen, Orangenzeste, schon etwas gereift, angenehmes Säurespiel.

Rang: 7 / 6 / 11 / 4 / 4 / 1 / 5 / 5 / 5 = 48  (Gesamtwertung: Platz 6)

 

·       2004 Georg Mosbacher, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken – 91 Punkte

Was für ein schöner Stoff, dicht, kompakt, kraftvoll und interessant komplex, kräuter-würzig.  Die Nase animiert zum Trinken und der Eindruck wird bestätigt: kraftvoller, straffer und mineralischer Riesling, kräuterwürzig, fester Biss, tief und hervorragende Länge. Mir macht so etwas unglaublich viel Spass.

Rang: 6 / 4 / 2 / 3 / 6 / 7 / 3 / 7 / 4  = 42 (Gesamtwertung: Platz 4)

·       2004 Dr. Bürklin-Wolf, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken – 88 Punkte

Eisbonbon, verbranntes Gummi, Citrusaromen, Mandarinen – kraftvoll, „speckig“ dicht, volle Frucht, hinten heraus sogar etwas Adstringenz, traubig (reife Trauben) letztlich in sich stimmig. Ein Wein mit Potential zu höherer Punktezahl.

Rang: 4 / 5 / 9/ 6 / 7 / 5/ 7 / 6 / 12  = 61 (Gesamtwertung: Platz 7)

 

·       2004 Heinrich Spindler,  Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken – 86 Punkte

In der Nase sehr verschlossen, wirkt trotzdem kraftvoll, etwas gelbe Frucht, Eisenkraut. Am Gaumen recht kantig und „tanninig“, etwas Bitternoten, Basalt, kräuterwürzig, mittlerer Körper, vielleicht ein wenig rustikal.

Rang: 5 / 7 / 10 / 10 / 9 / 11 / 11 / 9 / 11  = 84  (Gesamtwertung: Platz 10)

 

·         2004 Lucashof, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken92 Punkte
Mit diesem Wein unterstreicht das Weingut Lucashof den Sieg aus der 2002er Probe. Kein anderer Erzeuger konnte in beiden Proben derart reüssieren. Die 2004er Ausgabe überzeugt mich mit seiner vielschichtigen, floral geprägten Nase; Citrusnoten. Wirkt immer noch etwas hefig; diesen Riesling zeichnet ein eleganter Charme und eine herrliche „Leichfüßigkeit“ am Gaumen aus, die im Abgang durch eine schöne Mineralität unterstrichen wird. Kühl und verspielt; elegant; der „Mozart“ aus dem Pechstein; unglaublich animierend; schon recht komplett; die Hand geht eindeutig zum Glas.

Rang: 3 / 1 / 4 / 1 / 2 / 6 / 1 / 3 / 2  = 23 (Gesamtwertung: Platz 2)

 

·       2004 Acham Magin, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken – 90+ Punkte

Quittengelee, Papaya, gelbe tropische Frucht, wirkt etwas überreif, ein Hauch von Botrytis (?) ; kräftiger Körper; gehaltvoll, leider auch leichte Schärfe; traditioneller, aber schöner Riesling mit ordentlichem Zuckerschwänzchen.

Rang: 8 / 9 / 6 / 7 / 3 / 4 / 4 / 4 / 1   =  46  (Gesamtbewertung: Platz 5)


·       2004 Reichsrat von Buhl, Forster Pechstein Riesling Spätlese trocken – 88 Punkte

Schlank, knackig, angenehme Mineralität, jung und frisch, hinten heraus etwas kräutrig und nussig. Gute Länge.

Rang: 2 / 3 / 3 / 4 / 6 / 2 / 7 / 2 / 10  = 39  (Gesamtwertung: Platz 3)


·       2004 Winzerverein Deidesheim, Forster Pechstein Riesling Spätlese halbtrocken – 85 Punkte

Wirkt sehr opulent, runde gelbe Frucht, ordentliche Saftigkeit, mittlerer Körper, ohne Ecken und Kanten, aber insgesamt auch unbedeutend.

Rang: 9 / 12 / 13 / 13 / 12 / 12 / 12 / 13 / 13  = 109  (Gesamtwertung: Platz 13)

Sonntag, 22.07.2007

1989 Domaine Zind Humbrecht - Riesling Clos Saint Urbain / Rangen deThann / Elsass

97 Punkte - WOW !!! Dieser Riesling ist eine bench mark für alles, was aus dieser Rebsorte erzeugt wird. 1989 war ein riesen Jahr im Elsass, aber das, was dieser Wein ins Glas bringt ist schier unglaublich und ich bedauere sehr, dass ich diesen Wein nicht als Pirat in meine letzte kleine Verkostung: Riesling Deutschland vs. Österreich gestellt habe, denn ich glaube er hätte alle anderen Wein (zwar knapp) geschlagen.

Das Bild zeigt nicht den richtigen Jahrgang

Die Nase verspricht schon ganz Großes: unglaublich tief, reichhaltig und sehr vielseitig (das englische Wort multy-layered drückt es für mich am Besten aus). Die Frische dieses nun 18 Jahre alten Rieslings ist atemberaubend und wer denkt, dass Elsässer Rieslinge nach ein paar Jahren immer nach Tankstelle riechen, wird klar eines besseren belehrt. Zwar ist eine ganz, ganz kleine Petrolnote zu erkennen, aber sie ist nur eine zarte Stimme im reichen Kanon an Geruchseindrücken, die  diesen Stoff auszeichnen.

Und jetzt der erste Schluck, ja, ja, ja denke ich nur und weiss gar nicht so genau, was ich in meine Verkostungsgladde eintragen soll, denn so unglaublich schön ist dieser Wein, dass ich unruhig auf meinem Sitz umherrutsche und kaum abwarten kann, was die anderen sagen. Und dann Helmut: "Glaube kaum, dass ich so einen schönen Weisswein bei mir im Keller habe (und wer um Helmuts Keller weiss, kann sich dies wiederum kaum vorstellen). Extraxtstark,  dicht, wahnsinnig komplex, druckvoll einerseits, differenziert andererseits, oder wie es Helmut dann für mich auf den Punkt brachte "da kansst di nei legen". Ganz, ganz großer Stoff -  und ganz nahe an der Perfektion !!

1998 / 1999 / 2000 Alphonse Mellot Domaine Moussiere - Cuvee Edmond /Sancerre

1998 / 1999 / 2000 - Drei Jahrgänge eines Weines - Unterschiede wie Tag und Nacht.

1998: 87 Punkte - Zarte Blüten, Sommerwiese, Honig, schöne differenzierte Nase. Am Gaumen gänzlich trocken, Anklänge an Zitronenkuchen, Citronat (mit leichter Bitternote), ansprechende Mineralik; dichter Stoff, leider in der Mitte etwas müde und hintenheraus recht kurz. Austrinken !!!

1999: 80 Punkte - Was für eine Enttäuschung. Da ich diesen Wein bei ebay ersteigert habe, kann ich nicht ausschliessen, das er miserabel gelagert wurde, anders ist dieser Zustand beim Flaggschiff der Domaine Moussiere nicht zu erklären. - Schon in der Nase recht oxidativ, erinnert bestenfalls an überreife, mehlige, gelbe Früchte/Quitten. Am Gaumen fleschig und füllig, nussig, wirkt sehr alt. Die Frucht ist kaum noch spürbar, klare Sekundäraromatik, wirkt schwer und alkoholisch. Da es klar Frische mangelt, dürfte dieser Wein auch Altweintrinkern keinen Spass machen.

2000: 93 Punkte und meine nun zwei Jahre alte Notiz  http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=74  ist noch uneingeschränkt gültig. In der FRuchtaromatik etwas reifer geworden, Honig, Akazienblüten, floral würzig.  Mit immer noch hervorragender Frische und herrlicher Frucht (Citrusaromen, feine würzige Noten, hinten heraus etwas Cassis), viel Struktur und gutem Druck am Gaumen überzeugt mich dieser Jahrgang voll und ganz. Auch das Spiel zwischen Frucht und Mineralik macht richtig Spaß, ein dichter, aber nicht schwerer Sauvignon, der perfekt das Holz eingebunden hat und viel Struktur bis in den schönen, mittellangen Abgang zeigt.

Dienstag, 10.07.2007

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

2003 Kurt Angerer, Riesling Donatus / Kamptal

85 Punkte - In der Nase an gelbe Früchte erinnernd, am Gaumen überaus cremig, mehlige Äpfel, ein wenig nasse Pappe, Sahnetoffee, üppiger Stil, aber in der Mitte mit kleinem Loch, recht kurz im Abgang.

2004 Peter Jakob Kühn, St. Nicolaus 3 Trauben / Rheingau

88 Punkte - Gerade habe ich den 2005er Jahrgang bei Mövenpick zwei Tage zuvor verkostet und war völlig entsetzt über die Entwicklung dieses Weins. Nun habe ich den 2004er im Glas und bin kaum weniger entgeistert, denn auch der 2004er hat wenig Charme, wirkt unglaublich verschlossen und ist aufgrund seiner langen,  über Monate andauernden Mazeration auf den Schalen und der Hefe so tanninhaltig und bitter, dass es mir schwer fällt, diesen Wein zu genießen. Positiv fällt mir die schöne, mineralische Dichte und die ausgeprägte Stoffigkeit dieses Rieslings auf - man wird animiert zu kauen.

Riesling, ist das wirklich ein Riesling ? Mit üblichen Trinkerfahrungen hat dies nichts zu tun und blind verkostet würde ich wohl weder Riesling noch Rheingau vermuten, es sei denn, man hat diese Art von urwüchsigen Rieslingen, wie sie schon vor Generationen erzeugt wurden, einmal getrunken. In diesem Fall fällt die Zuordnung nicht schwer, denn Sie brennen sich in das Gedächtnis. Aufgrund der üppigen Struktur und der Dichte hege ich die Hoffnung, dass diese Weine noch ein langes Leben vor sich haben und ihre Finesse erst offenbaren, wenn Sie noch ein paar Jahre auf dem Buckel haben.

2002 Emrich-Schönleber, Monzinger Halenberg Riesling Spätlese trocken / Nahe

93 Punkte - Selten hat eine meiner Wein-Notizen auch 4 Jahre später noch so einen Bestand, wie bei diesem Wein. Die kräutrige, frische Mineralik in diesem saftigen Wein brilliert derart, dass man selbst nur jubilieren kann. Der Wein ist jetzt in Topform, er hat noch ein wenig zugelegt, er ist noch geschliffener und eleganter als vor 4 Jahren. Dieser Riesling ist so klar und saftig, man kaut und lutscht auf ihm rum - Schlucken möchte man ihn eigentlich gar nicht, doch selbst wenn man sich dazu hinreißen lässt, wirkt er lange nach. Großes Kino !!

2002 Knoll, Ried Loibenberg, Loibener Riesling Smaragd / Wachau

89 Punkte - Für mich eine kleine Enttäuschung an diesem Rieslingvergleichsabend Deutschland / Österreich. In der Nase ist schon die Üppigkeit dieser "Granate" erkennbar. Gelbe Frucht, deutliche Tabaknoten, Wachs / Wachsbohnen, auch viel Mineralik - doch der durchaus komplexe Geschmackseindruck kann nicht über die deutliche Disharmonie dieses Weins hinwegtäuschen. Der Wein hat zu viel Fett auf den Rippen, er wirkt etwas bitter im Abgang und macht satt. Die Länge ist gut, aber die Hand will nicht zum Glas.

 

2002 Karthäuserhof, Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken / Mosel

94 Punkte -  Für mich mit 89 bzw. 90 Punkten in den deutschen Weinführern Wein-Plus bzw. Gault Millau immer noch unterbewertet ist diese unglaublich finessenreiche trockene Auslese vom Karthäuserhof aus dem Jahr 2002. Glockenklar und frisch wie bestes Felsquellwasser, mit einer druckvollen, aber gleichzeitig verspielten Mineralik umspielt dieser Riesling die Zunge. Die straffe Säure und die ausgeprägte schöne, harmonische Frucht spielen miteinander bis in den langen, komplexen  Abgang.

 

2005 Franzen, Calidus Mons ( Bremmer Calmont ), Riesling / Mosel

94 Punkte - Unglaublich reintöniger, klarer und kraftvoller Riesling, viel Druck, dabei sehr mineralisch, neben der schönen Frucht von gelben Früchten steht die mineralische Würze mit salzigen Anklängen im Vordergrund; dazu paaren sich Noten von Tabak und eher herben Gewürzen. Dies ist ein Riesling, wie man ihn kaum besser definieren kann, klar umrissen, mit Kraft, hervorragender Substanz und Tiefe sowie einer kaum enden wollenden Länge. Irrer Stoff mit langen Leben!! Jetzt unbedingt dekantieren ! Einem ersten Gewächs würde diese Qualität manchmal gut zu Gesicht stehen.  Gerne würde ich diesem Winzer zu den wohl verdienten Ehren verhelfen, daher die Profiverkoster-Bewertungen anbei: Hoschuster 93 Punkte, Eichelmann 93 Punkte, Gault Millau 91 Punkte (erstaunlich viel für einen Nicht-VDP-Winzer)

2001 F.X. Pichler, Riesling Reserve M / Wachau

96 Punkte - Auch wenn es schwer fällt, der Sieg ging diese Abend knapp, aber verdient an Österreich. Zwar hat dieser Wein wohl den höchsten Restzuckergehalt von seinem Macher mit auf den Weg bekommen, aber ich will nicht lamentieren, der Sieg geht in Ordnung.

 

Barocker Stoff, dicht, unglaublich dicht und fleischig, riesige, urgewaltige Nase von gelben Früchte, Milchbrötchen, Brioche, ein Hauch von Botrytis lässt sich auch nicht verleugnen. Am Gaumen spielt sich das gleiche Szenario ab: überwältigende Fülle, die aber durch eine ebenso kräftige und feste Säurestruktur hervorragend begleitet wird und so diesem Wein die nötige Balance und Komplexität verleiht. Saftig, füllig, ja fett im Sinne des Schönheitsbildes des Barock, schon jetzt sehr harmonisch und doch mit einem riesigen Potential für die Zukunft. Jemand am Tisch sprach von „Gesamtkunstwerk“, dem kann man schwerlich widersprechen, auch wenn es mir schwer fällt, dies einem Österreicher zuzugestehen ;-)))

2002 Wittmann, Kirchspiel Großes Gewächs / Rheinhessen

94 Punkte Hofschuster hat diesem Riesling im Wein-Plus-Weinführer am 14.11.2003 grandiose 98 Punkte  und einen Trinkgenuss bis 2015 zugestanden (Hmmm, diskussionsfähig). Eichelmann und Gault Millau haben ihn jeweils mit 90 bepunktet  und ihm eine Trinkreife bis 2007 attestiert (bull shit). Dieser wunderbare Riesling steht für mich am Beginn seiner optimalen Trinkriefe, die über mindestens 4 weitere Jahre anhalten wird und danach hat er sicherlich über weitere 6 Jahre die Substanz, dass er für Riesling-Kenner immer ein willkommener Stoff bleiben wird, über den man trefflich philosophieren kann.

 

Dieser Wein ist in seiner Harmonie nicht so laut, wie einige andere, die alles platt machen wollen, was ihnen in den Weg kommt. Dieser Wein zeigt jetzt eine schöne Finesse, ist dabei kraftvoll im Sinne von drahtig und druckvoll. Wenn ich ein Bild von diesem Wein zeichnen müsste, würde ich wohl das Bild einer Leistungssportlerin im Abendkleid bemühen – Kraft, Anmut und Eleganz harmonisch vereint. Genug geträumt – zum Wein: feine Frucht, überwiegend Noten von Zitrusfrüchten; immer noch herrlich frisch; tolle mineralische Tiefe, feine Würzigkeit, recht druckvoll, dabei verspielt und tänzelnd auf der Zunge. Sehr vielschichtig und harmonisch. Klasse Länge.

2000 Franz Hirtzberger, Riesling Singerriedel / Wachau

90 Punkte - Richtig tolle Bewertungen in der Fachpresse (94RP; Falstaff 95-97; WW 19) für diesen Riesling vom Altmeister Hirtzberger lassen mich etwas ratlos zurück und einmal mehr zweifele ich an der ganzen Verkostungs“spielerei“ durch die „Profis“, denn meist sind es nur kurze Momentaufnahmen, die viel zu selten noch einmal verifiziert werden und doch den Wein abschließend beurteilen sollen. Zum Wein:

 

Beginnende Sekundäraromatik, Salbei, etwas medizinale Noten mischen sich unter die kräuterwürzige Nase; am Gaumen immer noch straff gewirkt, gute Saftigkeit, animiert zum Kauen. Wenn man lang genug auf den Wein beißt, kommen in der Tat Nuancen heraus, die beim einfachen Trinken verborgen bleiben. Schöne, saftige Länge, die leider etwas bitter endet. Ist dieser Wein in einer schwierigen Phase? Bleibt der 2000er Singerriedel auf diesem nicht wirklich harmonischen Niveau stehen; bleibt die jetzt etwas keck herausragende Säure langfristig außen vor? Fragen über Fragen – da hilft nur nochmaliges verkosten  ;-))

1997 Weingut Melcher - Schloss Gamlitz, Sauvignon Blanc Ried Sonneneck Maestro - barrique / Steiermark

87 Punkte - Für die Wein-Plus-Freunde an diesem Abend ein ganz besonderer Tropfen kurz vor der Runde der nun folgenden Rotweine. Dieses „Monster“ (man muss sich mal vorstellen: ein SB aus Österreich mit 15% Alkohol, mit kräftigem barrique-Einsatz) hatte Knalli vor Jahren für den Wein-Plus-Stammtisch empfohlen und ihm eine Trinkfähigkeit über mindestes 15-20 bescheinigt. Hier im 10. Jahr nach seiner Schöpfung nun eine Bestandsaufnahme: Welch ein Überraschung; das Holz hat sich inzwischen sehr gut integriert, es ist ein Wein entstanden, der sehr kräftig, dicht und wahnsinnig körperstark daherkommt. Der Wein ist in der Nase und am Gaumen durch seine schönen Citrusaromen, weiße Johannisbeeren und gelben Früchte geprägt, das Ganze wird umspielt von einer schönen Cremigkeit und von dezenten Sahnetoffeenoten. Anders als vor zwei Jahren wirkt der Alkohol jetzt gut integriert und der alte Spruch: „Mit dem Alter frisst ein hoher Alkohol die Frucht“ scheint zumindest bei diesem Wein (15%) widerlegt. Sicherlich ist und bleibt dies ein spezieller Wein, der nach wie vor stark polarisieren kann und sicherlich nichts für den schnellen Genuss ist.

1994 Domaine Pégau, Cuvée Laurence / Rhône, Châteauneuf du Pape

92 Punkte - Das Bukett ist recht ursprünglich und wild, man könnte auch bäuerlich sagen: animalische Noten, Stall und garrique (Thymian und Muskatnuss) kommen genauso vor wie rote Früchte. Am Gaumen wirkt Laurence recht heiß und wild, urwüchsig, mit guter Säure und einer erstaunlich feinen Süße. Insgesamt ist der Wein harmonisch und überzeugt mit seinem selbständigen Charakter, auch wenn er in der Mitte am Gaumen einen kleinen Hänger zeigt. Eine schöne Länge rundet den positiven Eindruck ab.

 

1995 Domaine Pégau, Cuvée Laurence / Rhône, Châteauneuf du Pape

95 Punkte - „Nach die Reifung von 4 Jahren in grossen Holzfässen wurde der Wein im November 1999 abgefüllt. Dieser grosse Jahrgang beginnt gerade jetzt sein volles Potential zu zeigen. Ein reicher, strukturierter und komplexer Wein, der im langen Ausbau in den Fässern eine beschleunigte Entwicklung hatte. Er zeigt Aromen von überreifen Früchten, die sich in Gewürze und Kaffee verändern. Er wird noch in den nächsten 10-15 jahren Vergnügen bereiten.“, so die Ausführungen auf der homepage der Domaine. Zum Wein:

Gegenüber dem 94er Jahrgang ist dieser Wein für mich deutlich aristokratischer und deutlich kühler, er wirkt fasst wie ein Côte Rôtie. Ja, ja werden jetzt wieder einige sagen, wie kann man einen solchen Wein mit einem Syrah vergleichen, aber die Laurence aus ´95 ist von kühlem Ansatz, mit feiner dunkler Frucht (Heidelbeeren) hat Anklänge an Kaffee und edle Schokolade und besticht mit ihrer weichen und eleganten Art. Am Gaumen durchaus dicht gewoben, feine Saftigkeit und edle Tannine; weicher, runder Ansatz, der sich auf eine wunderbare Säure stützt und einen komplexen sowie kompletten Eindruck am Gaumen hinterlässt.

1986 E.Guigal - Chateau d'Ampuis, La Landonne / Côte Rôtie

95 Punkte: Für mich gehören diese Einzellagenweine von Guigal von der nördlichen Rhône einfach zum non plus ultra in Sachen Wein. Auch in kleineren Jahren bestechen Sie durch Ihre Größe und Langlebigkeit. Die 86er Ausgabe von La Landonne ist erstaunlich lebendig, frisch und mit einer enorm feinen Frucht ausgestattet. Er verzaubert durch seine Leichtigkeit und Verspieltheit. Die Kunst, die leicht und verspielt wirkt, ist für mich die wahre/ große Kunst, ob im Zirkus, beim Essen oder auch beim Wein. Dieser Wein ist ein guter Beweis.

Dieser Wein ist elegant, weich und offenbart ein Aromen-spektrum, das begeistert, dabei hat er Struktur, die aber nur im Hintergrund spielt, vordergründig tänzelt der La Landonne  über die Zunge und berauscht mit einer Eleganz, die er bei jedem Schluck offenbart.

Mittwoch, 06.06.2007

1998 Cellers Fuentes Hernández - Gran Clos / Priorat

Weinbeschreibungen sind sehr subjektiv und eine absolute Momentaufnahme. Bestes Beispiel dafür ist meine Beschreibung zum Grand Clos des Jahrgangs 1998 http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=59 

Aktuell mal wieder eine Flasche dieses Weins aufgemacht und ich muss vieles widerrufen, was ich damals geschrieben habe. Der Wein hat zugelegt, nicht nur in der Qualität, sondern insbesondere an Individualität. Inzwischen ist der einst international geprägte Priorat-Wein zu einem sehr ansprechenden lokalen Individualisten mutiert. Ich notierte mir:

92 Punkte - Welche eine Freude mit diesem Wein im Keller zu stehen und Inventur zu machen. Er hat sich so prächtig entwickelt. Ein wunderbar dichter, saftiger und unglaublich mineralischer Prioratwein. Ganz viel Frucht von Knubberkirschen, einer herrlichen Mischung aus fruchtiger Süße und leichter Bitterkeit, ein Eindruck von  hochprozentiger (Kakaoanteil) Schokolade bildet  den Rahmen. Der Wein brilliert mit einem schönen Körper, einer sehr guten geschmacklichen Tiefe  und viel Stoffigkeit. Mann, ist das ein kräftiger Bursche, dessen Entwicklung mich total überzeugt, keine Spur von der ihm einst von mir zugeschriebenen internationalen Note, der Wein besticht durch Klasse und Mineralität, Stoffikeit und kräftigen, aber jetzt sehr gut unterstützenden Tanninen. Jetzt und in den nächten 5-8 Jahren herrlich zu trinken. Leider den Rest der Flaschen viel zu jung geköpft.


P.S. In Sachen Trinkhöhepunkt/ Haltbarkeit hat Parker gegenüber seinen Profikollegen klar gewonnen. Zum 98er Gran Clos hat Vinum in 05/2002 geschrieben 2003-2006, der Winespectator geht in seiner Ausgabe November 2001 von einer Trinkbarkeit von  now through 2006 aus, nur Parker liegt goldrichtig mit seiner Notiz im WA 136, August 2001: "Cellar this 1998 for 3-4 more years, and enjoy it over the following 15."

Donnerstag, 24.05.2007

1997 Les états d'ames / Mas Jullien

90 Punkte: Dieser über Jahre schwierige Wein hat die Kurve gekriegt:

eher helles bis mittleldichtes kaminrot, zum Rand hin mit Anklängen an Ziegelrot. In der Nase eher verhalten, leicht süße rotbeerige Frucht, aber am Gaumen unglaublich ausgewogen: tolle, leichtfüßige und komlexe Frucht, eher rotbeerig, dabei auch mineralisch, feine Süße, sehr schön definierte Tannine, die auf der Zunge haften bleiben. Ein Wein, der animiert, der aufgrund seiner saftigen, aber nur mittelgewichtigen Art nicht satt macht, sondern einen immer wieder zum Glas greifen läßt. Die feine Würze steht im ausgezeichnet und letztendlich überzeugt hat mich diese Länge.

Freitag, 18.05.2007

1999 Domaine du Trapadis - Harys / Rasteau

89 Punkte

Im November 2005 http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=89 zuletzt getrunken und die Frage gestellt, ob die Frucht sich weiter hinter dem Tannin verstecken wird. Die Frucht scheint zu gewinnen!  Der reine Syrah (= Harys rückwärts gelesen)  ist nun auf seinen Trinkhöhepunkt angelangt, saftige Frucht, besser integrierte Tannine und eine frische Säure klingen schon sehr gut, oder ?? Trotzdem bleibt der Wein sehr urwüchsig, kein Schmeichler, auch kein eleganter Landadel, eher der hübsche Naturbursche, der den Mädels aufgrund seiner körperlichen Vorzüge den Kopf verdreht. Ein wirklicher schöner Kerl, viel Körper, markant - eckig, dunkle Waldfrucht, Schwarzkirsch, kraftvoll, saftig, sehr frische Säure, Noten von Lorbeer, etwas balsamische Anklänge, mit etwas Luft überaus animierend, fester Biss und durchaus anhaltendes Finale. Bestens geeignet zu Wild oder Lamm.

Dienstag, 15.05.2007

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Samstag, 14.04.2007

2005 Malatinszky Kuria, Le Sommerlier - Tenkes, Villany

85 Punkte - Die Weinbauregion "Villány" liegt im Süden des Landes. Das Klima kann man schon fast als mediterran bezeichnen, im Frühjahr ist diese Region einer der  wärmsten Flecken von ganz Ungarn. Hier baut Csaba Malatinszky seine Weine seit 1997 an. Zum Weingut gehören 28 ha, wobei 14 ha unter Reben stehen. Die Hauptrebsorten sind Chardonnay, Pinot Noir, Kékfrankos, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Csaba war früher Sommelier im Top-Restaurant "Gundel" in Budapest, bevor den ersten Weinladen in Budapest eröffnete, um anschliessend seinen eigenen Weine zu produzieren. (vgl.: Dr. Gabor Robaly; Wine Guide Hungary 2006, S. 135)

Heute Abend habe ich einen seiner Basisweine im Glas und ich muss sagen, dass er mir außerordentlich gefällt. Es handelt sich um eine Cuvee, deren Basis sicherlich Cabernet Sauvginon ist. Die genaue Zusammensetzung steht mir leider nicht zur Verfügung.

Der Wein ist jetzt trinkfertig, mit Potential für weitere 3-5 Jahre. Eine schöne, saftige Frucht von Waldbeeren ist gut kombiniert mit einem reifen, recht runden Tannin, die jedoch hinten heraus ihre Qualität beweisen. Ein einfacher, aber schöner, da fruchtreicher und runder Wein, der ausreichend Struktur, Tannin, Körper und eine schöne Saftigkeit mitbringt. Insgesamt eher bäuerlich, aber dafür lecker und die Hand geht zum Glas.  

Mittwoch, 04.04.2007

Deutsche Spätburgunder 2001 - Eine Bestandsaufnahme

Deutsche Spätburgunder 2001

Eine Bestandsaufnahme (Probenprotokoll vom 9.Februar und 30.März 2007)

 

Mein lieber Weinfreund Ole aus Hamburg hatte mal wieder zu einer seiner berühmt-berüchtigten Themenabende eingeladen. Da er uns diesmal im Vorfeld schon einen klaren Hinweis auf die kommenden, blind gereichten Weine gegeben hatte und das Thema mit ?Deutsche Spätburgunder 2001? klar umrissen war, sollte die Wahrscheinlichkeit sich zu blamieren, grundsätzlich gering sein; zudem Ole großmütig klarstellte: ?Keine Piraten?!! Die volle Aufmerksamkeit richtete sich so auf das, was in die Gläser kam.

 

Meine Notizen vom 09. Februar:

 

1.     2001 Meyer-Näkel, Dernauer Pfarrwingert  Spätburgunder Auslese, Ahr 14,5% Alk. (92+ Punkte)

Der erste Wein des Abends war für mich einer der schönsten vom ganzen Abends. Tief, mit herrlichem Glanz und auffallend dunkel für einen Spätburgunder. Die Nase offenbart eine herrlich rauchige ?Kopfnote?, dahinter protzt er mit seiner tiefen und satten Pinot-Frucht; Anklänge an Knubberkirschen, eingeweckte Erdbeeren, Vanille und eine feine Würze strömen mir entgegen. Am Gaumen saftig, körperreich und mit einer schönen Extraktsüße ausgestattet, die durch eine gute Säure ausreichend abgepuffert ist. Einen kleinen Punktabzug gibt es leider für den Abgang - er zeigt zwar eine schöne Länge, doch der kräftige Alkohol bleibt hinten etwas scharf stehen.

 

2.     2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese ***, Ahr, 13,5% Alk. (90 Punkte)

Der zweite Ahr-Wein dieses Abends fließt noch dunkler ins Glas. Er wirkt sehr jung und zeigt sich eher von der erdigen und mineralischen Seite. Eine angenehme Kühle, die eher kräutrige Aromatik und eine schöne Tiefe am Gaumen vermerke ich sehr positiv, ein paar grüne Noten, die neben den Kräutern, dem mineralischen Akzent und den Noten von Himbeeren und anderen roten Früchten am Gaumen hängen bleiben, vermasseln ihm aber eine Bewertung deutlich über 90 Punkten.

 

3.     2001 Kesseler, Rüdesheimer Berg Schloßberg Spätburgunder, Rheingau, 14,5% (89+ Punkte)

 

Der teuerste Wein des Abends scheitert knapp an der 90-Punkte-Grenze und ist nach meinem Empfinden zu teuer, für das was er bietet. Die etwas aufgesetzt wirkende Nase nach Cassis-Bonbon (ich habe sie als Kind oft gelutscht, die dunklen Campinos) und grüner Banane lässt einen ins Grübeln kommen. Der Eindruck am Gaumen fällt zunächst sehr positiv aus: die Frucht steht im Vordergrund, das Holz ist sehr gut eingebunden und kaum spürbar. Die Noten von Fliederbeeren und dem wiederkehrenden Campino-Cassis vermählen sich mit einer erkennbaren Mineralität; der Wein wirkt recht kompakt, doch die knackige Säure steht außen etwas vor und im Abgang ist er leider zu kurz.

 

4.     2001 Gutzler, Spätburgunder Morstein, ?Im Barrique gereift?, Rheinhessen, 13,5% (92 Punkte)

 

Komplexe Nase; tiefe dunkle Frucht, etwas Klebstoff zu Beginn, kühl, ein wenig erdig, ledrige Anklänge, Marzipan, komplex. Am Gaumen erstaunlich weich für diese Nase, geschmeidig, klare Burgunderfrucht, gute Länge, auch tief. Kurz und knapp die Beschreibung dieses wirklich schönen Spätburgunders aus Rheinhessen, der Potential für die Zukunft hat und vielleicht sogar noch einen Tick zulegen kann.

 

5.     2001 Salwey, Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder trocken ***, Baden, 13% (88+ Punkte)

 

Zu Beginn Kuhstall, gekochtes Eisbein, Kleberanklänge, später eine deutlich tiefere und klarere Nase, Karamell. Am Gaumen wirkt er ultra-klar, sehr fest und sauber; zeigt eine deutliche Mineralik, leider ist er etwas scharf im ansonsten schönen. Recht langen Abgang. Ich bin mir sicher, dass dieser Wein aus der Karaffe mit Luft und als Essensbegleiter deutlich besser reüssiert hätte. So leider nur 88+ Punkte, auf die Nachverkostung wäre ich gespannt.

 

6.     2001 Molitor, Graacher Himmelreich, Spätburgunder unfiltriert, Mosel, 13% (ohne Wertung)

 

Wegen entstellendem (Flaschen-?)Fehler ohne Wertung. Sauerkraut, bitter am Gaumen, einfach leer. Fehlerhaft !!

 

7.      2001 Schneider, Spätburgunder *** ?C? barrique, Baden, 13% (91+ Punkte)

 

Ein sehr schöner Spätburgunder, klar definiert, mit Druck am Gaumen, durchaus vielschichtig, die Frucht wirkt kühl und verläuft über eher dunkle Beeren, Brombeeren, bis hin zu Anklängen an Wildfleisch. Der ?C? besitzt alle notwendigen Anlagen für echten Trinkgenuss: einen schönen, recht hohen Extrakt, immer noch äußerst ansprechende, erstaunlich feste Tannine sowie eine gute Säure. Insgesamt ausgewogen und nachhaltig. Fazit: ein kompletter Spätburgunder, von dem man gerne mehr als ein oder zwei Gläser trinkt.

 

8.     2001 Knipser, Im großen Garten ? Spätburgunder Auslese (GG), Pfalz, 13,5% (86+ Punkte)

 

Manchmal frage ich mich, ob ich schlecht drauf bin oder der Wein? Ich kann mich an eine Pfalz-Verkostung der Großen Gewächse im Jacobs in Hamburg erinnern, da hatte ich diesen Wein schon einmal verkostet und mir 92 Punkte und ?Kaufen? notiert. Bei der jetzigen Verkostung war ich froh, dass das mit dem Kaufen irgendwie ?Verschutt? gegangen war. Doch letztlich muss ich eine Lanze für Knipser brechen, denn in der letzten Zeit habe ich zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen immer wieder Weine von Knipser mit viel Genuss getrunken, gerade auch etwas gereifte Jahrgänge, wie z.B. wunderbare Rieslinge aus dem Jahr 1998. Trotzdem war das an diesem Abend nicht mein Wein: eher vegetabile Noten, Dill, etwas Vanille, etwas Erdbeerfrucht, wirkt gemacht, die Aromen wirken ?obendrauf gepfropft?, am Gaumen wie ein Gericht vom China-Mann: süß-sauer, recht holzbetont, mit mehr Luft wird er zwar besser, aber er bleibt letztlich eher eindimensional und säuerlich.

 

9.     2001 Duijn, Spätburgunder SD, Baden, ??, (91 Punkte)

 

Ein wirklich schöner Spätburgunder mit süßer Frucht schon in der Nase, ein wenig rauchig, Tabak, Erdbeeren, Schokolade (vielleicht Yogurette von Ferrero ? eigentlich nicht gerade ein Kompliment, ziehe ich somit wieder zurück),  am Gaumen sehr saftig, herrliches Mundgefühl, sehr gute Frucht, Erdbeeren, Kirschen, etwas Schokolade, für einen Spätburgunder herrlich stoffig, schöne Körperfülle, leicht cremig, aber frisch und sehr harmonisch. Wenn man kritisch ist, dann fällt einem die etwas laktische Note negativ auf. Mir gefällt er trotzdem und ich freue mich auf die Flaschen, die ich noch im Keller habe.

 

10. 2001 Koehler-Ruprecht, Philippi Pinot Noir ? ?R?; Pfalz, 14%, (94 Punkte)

 

Dieser Wein benötigt Luft, dekantieren kann nicht schaden. Zu Beginn etwas spröde, aber mit Luft zeigt er das, was in ihm steckt! Sowohl in der Nase, als auch am Gaumen wirkt dieser Pinot wunderbar kühl und elegant. Schöne rauchige und kräuterwürzige Noten, Anklänge an Menthol. Am Gaumen mit feiner Extraktsüße, einem Hauch Vanillepudding, dann aber kommt die Pinotfrucht durch, eher etwas ätherisch, vielschichtig, komplex und wunderbar elegant. Mit ausreichend Luft gewinnt er immer mehr an geschmacklicher Tiefe und harmonisiert sich zusehends. Ein sehr gut strukturierter und fester Pinot, der auf dem Gerüst aus Tannin und Säure seine gesamte aromatische Komplexität ausspielen kann. Der Wein ist sicherlich erst am Beginn seiner Trinkreife und dürfte ein langes, genussvolles Leben vor sich haben.

 

11. 2001 Rebholz, Im Sonnenschein ? Spätburgunder ?R? (GG), Pfalz, 13% (85 Punkte)

 

Leuchtend in der Farbe, jedoch auffallend hell und schon mit erkennbarem Wasserrand. Die Nase ist geprägt von  Anklängen an (Heil-) Kräuter, z.B Baldrian, Waldbodenduft und einer Granatapfelfrucht. Am Gaumen wirkt der Wein eckig (unelegante Tannine), die Fruchtnoten erinnern eher an schwarzen Tee als an Spätburgunder und ein Mangel an Tiefe und Körper muß man ihm auch bescheinigen. Da hilft es wenig, dass er aufgrund der Säure recht frisch wirkt.

 

 

 

12. 2001 (?) Heymann-Löwenstein, Spätburgunder, Mosel, 13% (86 Punkte)

 

Mir war bis dato unbekannt, dass das Weingut Heymann-Löwenstein überhaupt Spätburgunder keltert, aber diese Flasche ist wohl auch eher der Leidenschaft des Winzers zuzuschreiben, als dem Versuch kommerziell Spätburgunder an der Mosel an- und auszubauen. Der Wein duftet frisch geöffnet nach Fleisch (Schlachthof), verliert dies aber sehr schnell und die Frucht nach roten Beeren, Pflaumen und Zimt breitet sich aus. Auf der Zunge noch primärfruchtig, eher etwas einfach von der Aromatik, limonadenartig, leichte Süße.

 

 

 

Eine abschließende Bemerkung: Spätburgunder ist und bleibt die Rebsorte, die mir deutlich mehr Freude und Genuss bereitet, wenn sie als Essensbegleiter gereicht wird. Als singuläres Trinkvergnügen empfinde ich ihn schwierig; die Frucht kommt nicht wirklich raus und echte Harmonie stellt sich bei mir nur zum Essen ein. Ein Schluss, der auch bei dieser Probe klar bestätigt wurde.

Dienstag, 27.03.2007

2004 Domaine Laffont - Hecate / Madiran

91 Punkte - Die dichte, schwarz-purpurne Farbe dieses 100%-igen Tannats aus dem Madiran ist unglaublich. Am ersten Tag - aufgrund der Tannine - eingentlich nicht trinkbar, offenbart er am zweiten Tag erste Eindrücke, in welche Richtung sich der Wein in den nächsten Jahren entwickeln wird: 

Eine dichte und komplexe Nase mit Noten von gerade reifen Waldfrüchten, Heidelbeeren sowie eine kühle Kräutrigkeit strömen einem entgegen; Anklänge an Tinte und Schlammkreide erinnern ein wenig an die Schulzeit. Am Gaumen kämpft die satte Frucht (ähnlich der der Nase) mit dem genauso satten Tannin. Die Säure kann sich nicht entscheiden und unterstützt beide. Trotzdem kriecht der Wein mit einer gewissen Seidigkeit über die Zunge - schon beeindruckend, was der aus Belgien stammende Pierre Speyer Jahr für Jahr aus dieser Rebsorte zaubert. Entwerder man trinkt den Hecate 2004  jetzt zu gegrilltem Fleisch oder man läßt ihn mindestens 2, oder besser 3 Jahre liegen, damit sich die Tannine etwas abrunden können. Ich gehe davon aus, dass der Wein dann zu großer Form auflaufen wird; in der darauf folgenden Dekade wird er voll überzeugen und seine Geniesser sicherlich begeistern.

Montag, 26.03.2007

Guigal-Probe im November 2006 / 5 Jahrgänge La Mouline, La Landonne und La Turque

Ein unglaublicher Abend !

 

Nach einem langen Wochenende auf dem Meraner Weinfestival und viele, viele  Weine später (die auch in 2006 wieder jede Aufmerksamkeit wert waren) erwartete mich am Montag, den 12.11.06 auf dem Pretzhof ein Highlight der besonderen Art. Ein Weinfreund aus Bottrop hatte seine Schatzkammer geöffnet und gemeinsam mit Karl und Ulli Mair vom Pretzhof, die für das leibliche Wohl und einen perfekten Rahmen gesorgt haben, eine Probe der Superlative organisiert. So nahm ein wunderbarer Abend seinen Lauf. Begleitet von - hervorragend mit den Weinen abgestimmten - Südtiroler Spezialitäten haben wir an diesem Abend folgende Guigal-Weine verkostet ? Halt!! Nein!! Ich habe nicht verkostet, sondern mit unglaublich viel Genuss jeden einzelnen Wein Schluck für Schluck getrunken:

 

1982 La Mouline

1982 La Landonne

1987 La Mouline

1987 La Landonne

1987 La Turque

1993 La Mouline

1993 La Landonne

1993 La Turque

1997 La Mouline

1997 La Landonne

1997 La Turque

1999 La Mouline

1999 La Landonne

1999 La Turque

1999 Rene Rostaing ? La Landonne

1999 J.M. Gerin ? La Landonne

 

Doch der Reihe nach! Gestartet wurde mit den beiden 82ern, La Turque gab es damals noch nicht, er erblickte erst 1985 das Licht der Welt. Um es vorweg zu nehmen, für mich die hedonistischsten Weine an diesem Abend. Zwar nicht mit der höchsten Punktzahl, aber so unglaublich vielschichtig, komplex, filigran und elegant, dass keine Wünsche offen blieben. Diese unglaubliche Finesse und Leichtigkeit ? ja fast schon ?Schwerelosigkeit? dieser Weine haben mich restlos begeistert. 1982 La Mouline (97 Punkte) ? wie öfters noch ? eine Nasenspitze vorne, feinste Noten von Speck, Rauch, verbrannter Erde, Eisen (wie in einer Schlosserei), kombiniert mit immer noch vorhandenen Fruchtnoten, unglaublich tief und komplex, Rosen, ein Wein, der alle paar Minuten neue Aromen offenbart, dabei die Leichtigkeit des Seins besitzt und mit unglaublicher Eleganz daherkommt, aber im Hintergrund Rückgrad zeigt und Struktur offenbart. Was für eine Länge, Hedonismus pur !! Der 1982er La Landonne (96 Punkte) zeigt noch eine Spur mehr Frucht, feinste rote Beeren, an Malven und Hagebuttentee erinnernd, auch ein Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald kommt mir in den Sinn; dicht, unglaublich tief und finessenreich, mineralische (kalkige) Noten, weich am Gaumen, für mich auf dem Höhepunkt des Trinkgenusses, unglaublich lang.

 

Der nächste Flight bestand aus der 87er Dreierbande. Der 1987er La Mouline (97+ Punkte) für mich auf Rang Eins ? sowohl von der Trinkreihenfolge als auch vom Genuss. Die kraftvolle Nase ist überwältigend, wirkt noch sehr jung kurz vor dem 20. Geburtstag des Weins. Deutlich dunkler und mit weniger Farbaufhellungen als der 5 Jahre ältere Bruder. Dieses Bild spiegelt sich auch am Gaumen wieder - man fragt sich, wo diese Kraft bei einem 87er herkommt?  Ein herrlicher Syrah: komplex, kraftvoll, voller Geheimnisse, die er nur nach und nach beim Trinken offenbart. Auch im 1987er La Landonne (96 Punkte) findet man diese Kraft wieder, die Tannine sind immer noch fest, das perfekte Säurespiel unterstreicht die Frucht und lässt sie voll erblühen. Gigantische Länge. Hier könnte ich mir vorstellen, dass der 87er La Landonne in ein paar Jahren noch besser ist. Zwischen beiden siedelt sich der 1987 La Turque (97 Punkte) an. Die Spur Pfefferminz hat mir bei dieser vielschichtigen und ätherischen Kräuternase besonders gut gefallen. Die feine Süße am Gaumen spielt hervorragend mit ihren Kollegen Säure, Tannin und Frucht, sodass dieser kraftvolle Wein  - bis in sein langes Finale ? das hält, was die Nase schon verspricht.

 

Der dritte Flight war sicherlich in dieser Runde ? relativ gesehen ? der schwächste, doch wirklich schwach war keiner dieser Weine. Mit Punkten zwischen 90 und 93 befindet sich Guigal mit seinen Paradepferden selbst in einem nicht starken Jahrgang auf einem Niveau, wo sich andere freuen würden  in Top-Jahren zu landen. La Mouline ist für mich - schon fast selbstredend - der primus inter pares. Der 1993er La Mouline (93 Punkte) offenbart zu Beginn etwas Kleber-Noten, dann eine sehr schöne und dichte Nase nach dunklen Früchten, gefolgt von einem eher runden und weichen Ansatz, am Gaumen Noten von Rauch und Speck, tiefe Frucht, schlanker und nicht ganz so tief wie die Vorgänger; dennoch gute Länge. Der 93er La Landonne (90 Punkte) hat zu Beginn ebenfalls eine leichte ?Klebernase?, ist leider nicht ganz so ausgewogen wie seine Vorgänger, im Körper eher mittelgewichtig. Die kräftige Säure zehrt an Balance und Finesse und mit ?nur? 90 Punkten bekommt dieser Weine die Schlusslaterne an diesem Abend. Eine sehr würdige Figur machte der 93er La Turque (91+ Punkte) ? so wie  La Mouline mit runder, recht dichter und angenehm süßer Frucht, eine schöne Saftigkeit offenbart er ebenfalls; am Gaumen auch etwas animalische Anklänge, leider ein wenig spitz der Alkohol; kraftvoll bis in den mittellangen Abgang.

 

Flight Nummer 4 war dann schon wieder großes Kino. Der 97er La Mouline (94 Punkte) diesmal nicht an vorderster Front ? wirkte noch unglaublich jung. In der Nase offenbarte sich eine üppige, herrliche Frucht; diverse Kräuter, aber auch Blut und Eisen waren mit im Spiel. Ein dichter, fast süßer Extrakt, auffallend die Cremigkeit und die milde Säure in diesem Jahrgang.  Der 97er La Landonne (95 Punkte) ist da anders, die Frucht ist deutlich eingepackt in ein kraftvolles Tannin, das aktuell etwas spröde wirkt. Am Gaumen ist er unglaublich tief, neben der wunderbaren Beerenfrucht ist er etwas stärker beeinflusst durch das Holz: Teer- und Mokkanoten weisen den Weg, aber auch Anklänge an grüne Tomaten und Sauerkraut mischen sich dazwischen.  Auffällig im Vergleich zu den Vorgänger-Jahrgängen ist die milde Säure. Trotzdem wirkt er vielschichtig und sehr klar, gute Länge. Last but not least der 97er La Turque (96 Punkte) ? zeigt eine 97er typische Frucht: sehr dicht und extraktsüß, Anklänge von Rumtopf, süßer Lakritz und Süßholz. Mit den 96 Punkten möchte ich aber nicht selbiges für diesen Wein raspeln, sondern mir gefällt das Spiel, die dieser Wein trotz aller Üppigkeit besitzt. Im Vergleich zu den beiden Jahrgangsbrüdern hat er die stärkste Säure, sodass er mir noch etwas mehr Trinkfreude bereitet. Langes, sehr fruchtbetontes Finale.

 

Nun der Hammer des Abends! Noch einmal werden alle Sinne wach und trotz des etwas fortgeschrittenen Alkoholeinflusses bin ich auf einmal wieder voll bei der Sache und kann gar nicht genug bekommen von dem Duft, der jetzt aus dem Glas strömt. Der 99er La Mouline (99 Punkte) hat alle Anlagen, die ein perfekter Wein benötigt ? eine überaus verschwenderische Aromenfülle eines Korbes voller reifer Früchte (besonders intensiv: reife Kirschen).  Die aromatische Komplexität und intensive Mineralität sind beeindruckend, dabei extrem klar und überaus präzise definiert. Säure, Tannin und Frucht sind perfekt aufeinander abgestimmt; wunderbarer, dichter, süßer Extrakt, dabei verspielt und gleichzeitig druckvoll ? nein, das ist kein Widerspruch, das ist groß! Die mineralische Frische trägt bis in den unglaublich langen Abgang. Noch vom La Mouline völlig eingenebelt und high, habe ich beim 99er La Landonne (98 Punkte) leider vergessen mir die Punkte zu notieren, aber im Nachhinein sind es mindestens gefühlte 98! Meine Notizen lauten: Grandiose Frucht, sehr viel Extrakt(süße), dabei sehr rauchig und speckig, ?Pah, packt der zu?, höre ich neben mir Karl Mair sagen und denke nur, wie recht er hat. Die sandigen Tannine, die herrliche Würzigkeit, Aromen von Speck, Teer und der Eindruck von Sandelholz  und einem Hauch Vanille sind nur ein paar Eindrücke, die dieser Wein in seiner Entwicklung an diesem wundervollen Abend offeriert. Wahre Begeisterung ruft die perfekte Balance aller Bestandteile bei mir hervor. Den Abschluß dieser denkwürdigen Reihe bildet der 99er La Turque (98 Punkte) ? Von den Anlagen ähnlich wie seine Brüder aus dem Jahrgang: überaus groß, kraftvoll, tief, nachhaltig und allerbestens strukturiert; dabei perfekt balanciert und mit eindrucksvoller Finesse ausgestattet. Trotzdem ist dieser Wein ein wenig anders. Die Frucht erinnert eher an süße, exotische Früchte, ein Hauch von Banane und viel Kaffee. Am Gaumen auch deutliche Anklänge an Marzipan und reife, schwarze Kirschen (oder vielleicht doch eher Schwarzwälderkirsch); sehr saftig und mit herrlichen, dichten und körnigen Tanninen ausgestattet. Von den dreien aus 1999 zur Zeit sicherlich am Besten zu trinken, trotzdem hat er ? wie die beiden anderen auch ? noch eine grandiose Zukunft vor sich.

 

Es folgten zwei weitere Weine aus der Lage La Landonne: 99er Rene Rostaing ? La Landonne (96 Punkte) und ein etwas enttäuschender J.M. Gerin ? La Landonne (88 Punkte).

 

 

 

 

 

Mittwoch, 31.01.2007

2004 Charles Hours - Uroulat / Jurancon

90 Punkte - Nase  von Apfelkuchen mit etwas Zimt, Holunder, Quitte, Orangenmarmelade; am Gaumen sehr frisch und mit schönem Säure-/Süßespiel, toller Frucht (Pfirsich, Honig, Orangen- und Zitronenzesten, Apfelkuchen und einem Hauch Exotik) und durchaus würzig. Breites Aromenspektrum, voller Körper, sehr gute Länge mit einer Säure, die die Zunge noch lange beschäftigt. . Ein Wein für fast alle Gelegenheiten, ob als Aperitiv, Digestiv oder zur Gänsestopfleber  - oder einfach für zwischendurch. Dieser Wein ist - reinsortig aus Petit Manseng- in kleinen Mengen eine echte Freude.

Mittwoch, 03.01.2007

2000 Brenneis-Koch - Nemesis

86 Punkte - Was für eine wilde Cuvee für deutschen Rotwein: Nebbiolo, Merlot und Syrah und doch ist der Nemesis 2000 vom Weingut Brenneis-Koch aus der Pfalz eine Bereicherung für den interessierten Weintrinker. Die Nebbiolofrucht ist deutlich erkennbar: verwelkte Rosenblätter, rote Beeren, etwas Unterholz; dazu ein feine Würze vom Syrah und  aus dem Holz sowie eine dezente Geschmeidigkeit vom Merlot (?). Das ist kein wirklich grosser Wein, aber ein Wein, der die Hand zum Glas gehen lässt und der aufgrund seiner Eigenart und vorhandenen Vielschichtigkeit Gesprächsstoff bietet. Einige werden sagen, dass er zuviel Säure besitzt oder unharmonisch in seinen Aromen ist - dem kann ich nicht 100%ig widersprechen, trotzdem bekommt er von mir 86 Punkte, weil er wirklich vielschichtig und animierend ist.

Donnerstag, 30.11.2006

Reise nach Südtirol und Piemont - Tag 3

Sonntag 11.11.2006

Der nächste Tag ist etwas hart, frühes Aufstehen, dafür sind deutlich weniger Leute auf dem Weinsalon und man endlich wieder ausreichend Gelegenheit die Weine in Ruhe zu verkosten und ein paar Worte mit den Winzern zu wechseln. Abends sind wir im Hidalgo - für uns immer soooo schön bequem, weil wir nach einem schönen Abend nur die 50 Meter zu Fuss zu unserer Pension laufen müssen, um mit wohl gefülltem Bauch ins Bett zu fallen. Getrunken haben wir einen wunderbar dichten und kraftvollen Sylvaner ?Alte Reben? von Andreas Huber aus dem Eisacktal (89 Punkte) zur Einstimmung und der Vorspeise. Dieser Wein ist nach österreichischem Vorbild gemacht: stoffig und kraftvoll; mit Substanz, viel Extrakt und Zug am Gaumen, gleichzeitig tief, mineralisch und mit hervorragender Frucht (Birne, weißgelbe Früchte, Apfel, Kamille) - ein F.X. Pichler würde sein wahre Freude haben und ihn wahrscheinlich auch nicht viel anders vinifizieren. Anschließend gibt es einen 96er Bruno Giacosa Barbaresco Asili Riserva (93 Punkte), Frucht von roten Beeren (in der Nase auch Kirschwasser), zu Beginn etwas Kleber, ein Hauch von Rosen und Waldboden sind Assoziationen, die diesen Wein mit festem Körper, aber inzwischen relativ geschmeidigen Tanninen beschreiben.  

Nach einem als Abschluß gedachten Glas Rum, möchte mein lieber Freund Bernd noch einen 86 Vega Sicilia trinken, nachdem Carlos, der Sommerlier ihm den Mund wässrig gemacht hat, aber aufgrund der forgeschrittenen Zeit einigen wir uns auf die zweite Empfehlung und bereuen es nicht, ein 97er Rosso Venezia Giulia (Merlot) von Gravner (91 Punkte) aus dem Friaul, diesem ?bekloppten? Winzer, der auch mal seine Weine in Amphoren verbuddelt und in der 2007er Ausgabe des Gambero Rosso Winzer des Jahres geworden ist ? passt so schön zur ?Rückkehr zu alten Traditionen und dem terroir?. Dieser damals mir ?nur? 12% vol. Alkohol ausgestattete Wein bereitet jetzt so viel Trinkvergnügen, weil er tänzelt und Eleganz ausstrahlt. Sehr kühle, feine Aromatik, geschliffene Tannine, ein schönes, zartes Fruchtspiel mit Nuancen von reifen Kirschen, Cassis und einer feiner Kräuterwürze. Lang im Abgang, ebenfalls zart und elegant.

Reise nach Südtirol und Piemont - Tag 2

Samstag 10.11.2006

Tagsüber ist Weinarbeit angesagt, das Weinfestival wird immer größer und unübersichtlicher, aber der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben, auch wenn es mit vor Jahren im kleineren Rahmen deutlich besser gefallen hat. In meinen Augen verzettelt man sich, früher gab es die 100 besten Italiener, vorverkostet und ausgesucht, heute laufen viele Themen nebeneinander und das ganze ist unübersichtlich geworden. Schlimm war es schon immer, aber dieses Jahr war der Kartenverkauf am Samstag eine einzige Katastrophe.

 

Am Abend - nach einem ausführlichen und etwas verspäteten Mittagsschlaf  - fahren wir zur Rose nach Eppan, um uns mit einem Freund von der Kellereigenossenschaft Terlan zu treffen. Herbert Hintner kochte wunderbar auf und wir trinken zum Start 1999 Honivogl von Hirtzberger (93 Punkte) ? herrlich mineralisch, sehr gut definiert, stoffig, fest und mit schönem Druck, gleichzeitig sehr vielschichtig und mit sehr guter Länge. Für mich noch eine Spur besser der 2004 Riesling Morstein von Wittmann, Großes Gewächs (94 Punkte): Packender, tiefgründig mineralischer, unglaublich klarer und tiefaromatischer Riesling, mit sehr fester Struktur, hohem Druck und herrlichem Biss, kräuterwürzig, klare Frucht, Kernobst und schön definierter Säure, herrliche Länge, groß !!

 

Es folgte 2001 Echezeaux von Romanee-Conti (90 Punkte) Die erste Flasche völlig bedeutungslos, ich hatte eine leisen Korkverdacht, der sich mit etwas Luft verstärkte, aber meine Mitstreiter waren hin und her gerissen. Trotzdem lassen wir den Wein zurückgehen und stellen uns der zweiten Flasche mit dem Risiko beide zu bezahlen. Doch es wäre für mich eine arge Enttäuschung gewesen, wenn so Romanee-Conti ? zugegebenermaßen aus einem kleinen Jahr ? schmecken würde. Die zweite Flasche mit klarer, gut definierter Pinotfrucht, am Gaumen mittelgewichtig und guter Struktur; schöne, dunkle Frucht, gut eingebundenem Holz und bereits erstaunlich zugänglich, für mich bereits jetzt trinkfertig, balanciert und jetzt zu genießen, recht gute Länge.

Reise nach Südtirol und Piemont - Tag 1

Eine Weinreise nach Südtirol und ins Piemont ? mit einem Ausflug an die Rhone ;-)

Freitag 09.11.2006: Fahrt bei bestem Wetter von Frankfurt nach Sterzing, die Autobahn ist ungewöhnlich leer, dass Fahren entspannt und mit einem 150er Schnitt bis zur Grenze nach Österreich bin ich wohl manchmal schneller gewesen, als die Polizei erlaubt. Nur die Öschis mit ihrem 100er Tempolimit auf nahezu der gesamten Strecke bis nach Insbruck sind eine echte Spassbremse. Trotzdem pünktlich um 13.00 Uhr auf dem Pretzhof. Da meine Frankfurter Freunde mit dem eigenen Wagen gefahren sind und keinen Tankstop eingelegt haben, sind sie ein paar Minuten vor mir angekommen und so erwartet mich dann auch gleich der leckere Speckteller, dazu passend ein 2005er Alzinger Grüner Veltliner Reserve (93 Punkte) ? schöne, sehr klare Nase, kräuterwürzig, dicht und komplex, am Gaumen mit der Spannung eines Pflitzebogens, sehr mineralisch, kompakt und druckvoll.

Danach das Weinglück in Dosen, ein 2002er GV Kellerberg von F.X. Pichler (98 Punkte) ist ganz großes Kino und eigentlich perfekt; unglaublich dicht, kräuterwürzige Mineralität schon in der Nase spürbar, pure Extraktion, belegt und beschäftigt jeden Zentimeter auf der Zunge; Kraft und Finesse perfekt vereint, auch hier unglaublich mineralisch, wenn man die Aromen beschreiben möchte, assoziiere ich am ehesten mit Quitten, Sternfrucht und purer Mineralik, sensationell stoffig, trotzdem lang und elegant. Dazu eine gemischte Vorspeisenplatte (Hirschschinken, Hirschcarpaccio und Graukaas frisch aus dem Käsekeller von Karl) sind nicht minder lecker, gleiches gilt für das sensationelle Souffle vom Sauerkraut und Selchfleisch (geräuchertes und dann gekochtes Schweinefleisch). Es folgen resch gebratene Spanferkelrippchen und einer meiner Lieblingsweine aus Südtirol: 2004 Erbhof Unterganzner (Josephus Meyer) Lamarein (91 Punkte) ? sehr jung, die Nase ist durch die junge Frucht geprägt, gleiches gilt für den Gaumen. Trotzdem macht mir der Wein schon Freude, da er einfach eine unglaubliche Fruchtfülle besitzt und trotz seiner 15% Alkohol überhaupt nicht marmeladig wirkt, sondern durch seine unglaubliche Frucht, Kraft und Aromatik aus den getrockneten Lagrein-Trauben überzeugt; am Gaumen sehr weich, extraktreich und saftig; mit einer schönen Länge ausgestattet. Wird sich in den nächsten 2-3 Jahren sicherlich sehr positiv entwickeln, wenngleich er nicht die Tanninstruktur der Jahrgänge zu Beginn der 2000er Jahre aufweist. Nach einem kleinen Plausch mit Uli und Karl geht es dann weiter nach Burgstall bei Meran.

Am Abend ist an weiteres Essen nicht zu denken, aber da das Hidalgo mit seinem Keller (ca. 20.000 Flaschen) direkt neben unserer Pension liegt, schlagen Bernd und ich uns durch und werden von Traute und Renato gewohnt freundschaftlich begrüßt. Es ist der Vorabend des Weinfestivals und der normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf, das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die üblichen Verdächtigen sind anwesend, einige Winzer mit Freunden, Weinfreaks, die man zwar nicht kennt, aber jedes Jahr wiedersieht. Unser Plan einen kleinen Schluck an der Bar zu nehmen, nimmt ein jähes Ende, als wir uns die Weinkarte geben lassen. Nach langem studieren, kommen wir überein, dass sich aufgrund der Preise Bordeaux lohnt und bestellen eine 1989er Pichon Longueville Comtesse de Lalande (94 Punkte): Kaminrot mit erkennbarem Wasserrand; schöne, sehr feine und offene Nase, erdig, etwas kräutrig, feine Frucht, an den guten alten Vanillepudding mit Erdbeeren von Muttern erinnernd (nicht zu verwechseln mit der Aromenpampe von heute, die zwar 10 mal intensiver duftet, aber mit der feinen, echten Vanille nichts mehr gemein hat), etwas kalkig, Noten von leichtem, sehr feinen Zigarrentabak, Zedernholz, herrliche Nase. Am Gaumen ebenfalls sehr elegant, herrlich gereift und gut balanciert, in gewisser Weise: die Leichtigkeit des Seins, spielerisch und trotzdem mit Tiefgang; mittlerer Körper, seidig, ganz klar und fein bis in den schönen, langen Abgang. Danach entdecken wir ein paar Münchener Freunde von der Toskana-Fraktion und trinken noch ein paar gemeinsame Schlücke Luce, Guado al Tasso und Siepi, ohne Notizen, aber mit der überrraschenden Erkenntnis, dass LUCE - ein Wein, um den ich bislang als Designerwein immer ein Bogen gemacht habe - diesmal viel Toscana und viel Sangiovese ohne speckigen Mantel ins Glas bringt.

Sonntag, 05.11.2006

Weingut Graf von Kanitz - Rheingau

Anläßlich des Besuch der 3. Düsseldorfer Weinmesse verkostete ich einen Teil der Kolletion am Stand vom Weingut Graf von Kanitz. Das VDP- und ECOVIN-Weingut war eines der wenigen Highlights auf der Düsseldorfer Weinmesse für private Konsumenten:

# Graf von Kanitz - 2005 Gutsriesling Qualitätswein trocken: 83 Punkte Schön kräftiger Riesling mit deutlich kräutrigen Noten in der Nase und am Gaumen. Dezente Citrusnoten, mit mineralischem Einschlag und rassiger Säure. Für Euro 5,50 ein schöner Wein für jeder Tag.

# Graf von Kanitz - 2005 Lorcher Pfaffenwies Riesling Kabinett trocken: Ein wenig ausgewogener, nach Kräutern duftender Riesling, feingliedrige Säure, am Gaumen eine wenig laktisch; kräftig und saftig, leider im Abgang recht kurz.

# Graf von Kanitz - 2005 Lorcher Krone Riesling Spätlese trocken: 85 Punkte - feinsaftiger Riesling, in der Nase ist die Schiefermineralik schon riechbar, kräutrig; Noten von gelbem Steinobst; mit schönem Biss, gutem Körper und schöner Mineralik auch am Gaumen, ordentliche Länge. Sicherlich ein guter Essensbegleiter für helles Fleisch. # Graf von Kanitz - Lorcher Pfaffenwies 1.Gewächs: 88 Punkte Betont saftiger und mineralischer Riesling. In der Nase Ankänge an Heu einer Kräuterwiese, weissem und gelben Steinobst, am Gaumen sehr gut strukturiert, saftig, mit schönem Biss und einer kräftigen Mineralität ausgestattet. Kleiner Wehmutstropfen: er hat nahezu alles, was einen tollen Riesling ausmacht, aber momentan stehen die Komponenten noch ein wenig nebeneinander. Gute Länge, mit der Zeit wahrscheinlich besser und Anwartschaft auf ein bis zwei Punkte mehr.

# Graf von Kanitz - 2005 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken: 76 Punkte - ein leichter, einfacher Spätburgunder für den sofortigen Genuss; leicht, recht frisch, mit sauberer, roter Beerenfrucht (Bonbon ähnlich), jedoch mit nur geringer Tiefe und wenig Tannin.

# Graf von Kanitz - 2004 Spätburgunder Lorcher Kapellenberg Auslese trocken: 88 Punkte - Dieser Spätburgunder kostet zwar fast das 4-fach (Euro 23,- im Vergleich zu Euro 6,40) des einfachen Spätburgunders aus 2005, aber hier ist Musik drin. Die Nase ist geprägt von einer klassischen, eher etwas dunklen und edlen Pinotfrucht sowie gut eingebundenen Noten aus dem Holz, am Gaumen ebenfalls eine sehr schöne pinottypische Frucht, eher dunkel, etwas kirschig und Noten von Waldfrüchten und Sanddorn. Die Tannine sind körnig und geben dem Wein Struktur, mittelgewichtig, durchaus mineralisch, er besitzt eine feine Extraktsüße und das jetzt schon gut eingebundene Holz überrascht positiv. Mittlere Länge.

www.weingut-graf-von-kanitz.de

Grundsätzliches

Es gibt eine erfreuliche Entwicklung mit meinem Blog, die Zugriffe nehmen langsam aber stets kontinuierlich zu. Deshalb habe ich mich entschlossen, den Blog ein wenig "aufzubohren", zunächst inhaltlich und im nächsten Jahr auch graphisch.  Bislang  habe ich immer nur einzelne Kritiken und Verkostungseindrücke von Weinen, die mich irgendwie in besonderer Weise angesprochen haben,  geblogt. Viele Infos und Notizen sind einfach unter den Tisch gefallen. Zukünftig werde ich versuchen, etwas prosaischer von Weinproben, Kellerbesuchen und Winzerbegegnungen zu schreiben.

Schönen Sonntag noch.

Michael

Samstag, 04.11.2006

1995 August Kesseler - Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Spätlese

85 - schön gereifter Riesling mit leichter Firne, exotischen Früchten (Mango, Papaya) und Noten von reifen Äpfeln und Mandarinen. Am Gaumen körperreich, ausdrucksstarke Frucht und einer noch sehr schönen Saftigkeit. Dieser Wein ist füllig und trinkig bis hin in der recht langen Abgang. Selbst nach Minuten kann man ihn noch vom Gaumen lutschen.  Trotz einer schönen Säure fehlt es ihm leider etwas an Struktur und Festigkeit. Trotzdem mag ich diesen Wein sehr, er ist wie ein sehr reifer Apfel, schon ein wenig "mehlig", aber dafür umso voller in der Aromatik und mit einer schönen Süße ausgestattet; kein Wein für Filigrantrinker.

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Donnerstag, 02.11.2006

2005 Künstler - Hochheimer Stielweg Riesling Alte Reben trocken

88 Punkte - Die alten Reben von Künstler haben 2005 einen pikanten und ausdrucksstarken Riesling mit einer schönen mineralischen Tiefe hervorgebracht. In der Nase leichte Citrusaromen und Steinobst; am Gaumen - mit ein wenig Luft - entwickelt der Wein seine saftige, mineralische Art. Er überzeugt mit einer schönen Tiefe, seiner feinen Saftigkeit, einer nervigen Säure und der animierenden, mineralischen Art. Jetzt schon erstaunlich balanciert, mit ordentlicher Länge.

Künstler hat für mich auch in 2005 eine wunderbare Kollktion vorgelegt, ganz großes Kino ist das Erste Gewächs aus der Hölle, die Verkostungsnotiz folgt bald.

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Sonntag, 29.10.2006

1997 Fontodi - Vigna del Sorbo Chinati Classico Riserva

91 Punkte - Dies ist für mich ein ein wirklich sehr guter  Chianti, der aktuell sicherlich auf seinem Höhepunkte ist, sich aber auch dort noch zwei oder drei Jahre halten wird.  Er offenbart ein wunderbares Spiel von klassischen Chianti-Noten; Knubberkirschen, roten Früchten, etwas Lakritz und einer leicht balsamischen Note; jetzt wunderbar balanciert: saftige, extraktsüße  Frucht, elegante Noten aus dem Holz und eine sehr schöne Tannin- und Säurestruktur. Wirkt nachhaltig, körperreich und besitzt eine schöne Länge. Ein Musterbeispiel für einen eher modernen, aber trotzdem authentischen Chianti (85% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon).

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Mittwoch, 25.10.2006

2003 Ampeleia - Ampeleia / Maremma Toskana

86 Punkte - Mit viel Presse wurde dieses Projekt in den Markt eingeführt. Kein Wunder, denn nicht nur eine der attraktivsten und professionellsten Winzerinnen Italiens ist engagiert, sondern auch ihr Kollege Baron Widmann aus Südtirol und Giovanni Podini, ein Mann, der sein Geld bislang auch ausserhalb des Weinbusiness verdient hat. So verschieden alle drei nach Beruf und Herkunft aus dem Trentino oder aus Südtirol auch sind, sie eint die Freude am Ursprünglichen, ihr Gespür für Natur wie Kultur. Im Jahr 2002 findet sich ein geeignetes Gut zum Kauf, schrittweise wird Land hinzu gekauft. Heute sind es gut 50 ha mit sieben verschiedenen mediterranen Rebsorten. Die Rebanlagen liegen ungefähr 30 km von der Küste entfernt, in den bis auf 600 Metern ansteigenden Hügeln um Roccatederighi und Roccastrada.

2003 ist der zweite Jahrgang dieses Weines, der aus den Rebsorten Cabernet Franc (60%), Sangiovese (30%) und Merlot (10%) gekeltert worden ist. Er reifte 16 Monate im Holz, davon 40% in neuen Fässern.  Die 92 Punkte des österreichischen Weinführers Falstaff empfinde ich als überaus schmeichelhaft, aber trotzdem: der  03er Ampeleia präsentiert sich  mit einer würzig-kräutrigen Nase, leicht laktischen Tönen und einer eher dunklen Frucht sowie Lorbeer - in der Nase durchaus interessant und vielfältig. Am Gaumen büsst er etwas ein: mittlerer Körper, schönes Säuregerüst, aber die Frucht ist etwas spröde und ich vermute auch etwas vom Holz zerstört. Ansonsten ist er ein guter Essensbegleiter, der hierbei seine Stärken besser ausspielt. Ordentliche Länge !

Dienstag, 03.10.2006

2004 Jean Stodden - Ahrweiler Rosenthal - Großes Gewächs / Versteigerungswein

91 Punkte - Mit dem 2004er Jahrgang präsentiert Gerhard Stodden seinen ersten Jahrgang als VDP-Mitglied und erstmals nach den Regeln der Großen Gewächse. Insgesamt drei Große Gewächse - aus den Lagen Sonnenberg, Herrenberg und Ahrweiler Rosenthal - sind in 2004 auf die Flasche gekommen, wobei der letztgenannte als Versteigerungswein bei der alljährlichen Veranstaltung des VDP angestellt wurde.

An diesem Wochenende passierte mir ein größeres Malheur: beide Schlüssel zum Weinkeller habe ich im Büro in Düsseldorf vergessen, da kam mir die "Restlieferung Versteigerungswein"  gerade recht. So musste dann auch die erste Flasche dran glauben.

Mit der Luft von ca. 5 Stunden in der Karaffe verströmt dieser Spätburgunder einen so schönen, wohligen Duft nach edlen Gewürzen, Wildrosen, roten Früchten und Sandelholz, dass man die Nase kaum aus dem Glas (Burgunderglas von Denk'Art - ein Glasserie aus Österreich, von einem Pfarrer entworfen, die meiner Meinung nach den Riedel-Gläsern in der Qualität und der Art und Weise, wie sich Weine entfalten deutlich überlegen ist) bekommen kann. Am Gaumen zeigt sich eine weiche, ausdrucksstarke  Burgunderfrucht, Noten von roten Beeren, ein wenig Tabak und grüner Tee, die von guten Tanninen und einer lebendigen Säure getragen wird. Schöner, voller Körper, sehr saftig und mit einer ausgesprochen schönen Schiefermineralik ausgestattet, macht der Wein schon in seinem jetzigen Stadium Spass (sofern man ihn hinreichend dekantiert). Für mich nach den 2003er Wuchtbrummen (die sicherlich ab  dem nächsten Jahr richtig Spass machen !!) ein Wein aus einem sehr guten, aber nicht großen Jahr, der zeigt, auf welchem Niveau man inzwischen bei Stodden arbeitet.

Die Kritik von zu viel Holz (vgl. Wein-Plus) kann ich nicht nachvollziehen, sofern man dem Wein ein paar Stunden in der Karaffe gönnt.

Freitag, 08.09.2006

2000 Domaine Clavel - Copa Santa

92 Punkte - Was habe ich heute Abend für eine Freude mit diesem Wein. Er ist ein perfekte Mischung aus Kraft, Struktur, Würze und einer dezent süßen Frucht - Hedonismus pur. Auf Grund der Würze und der "Fettleibigkeit" könnte man von einer bäuerlichen Schönheit sprechen, aber für mich ist das bourgeoise Kunst auf höchstem Niveau. Ein Wein, der meine Hand permanent zum Glas gehen läßt - und wenn ich mich nicht ein wenig selbst beschränken würde - dann wäre ich in "Null Komma Nichts" total berauscht. Aber gibt es eine schönere Art und Weise sich der Wollüstigkeit (mit drei "l" oder nur mit zwei -jetzt egal)  zu ergeben und sich zu betrinken. 14,5% Alkohol sind eine Hausnummer, aber der Wein ist nie klotzig oder alkoholisch, sondern eine dralle Schönheit, mit den "richtigen" Pölsterchen, einfach nur sexy (die Damen mögen es mir vergeben). Etwas formaler ausgedrückt: dunklelbeerig, mit einer dichten, süßen Würze (einerseits süß nach Zimt und dunkler Schokolade, andererseits eher kräutrig nach Garrigue und Wacholder), die enorm breit gefächert ist und die mich bis in der langen Abgang begeistert.

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Mittwoch, 23.08.2006

1999 Franz Künstler - Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken - Rheingau

97 Punkte - Liebe Leute, was für ein Stoff in was für einer Verfassung. Mein besonderer Dank gilt meinem lieben Freund Bernd Fussy, der mich mit diesem Stoff mitten in der Woche überrascht hat.

Tiefes, frisches Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase Aprikose und Quittengelee, daneben ein Hauch Exotik von Physalis und Ananas; feine, kräuterwürzige (mineralische) Noten, ein Hauch von Feuerstein - dabei sehr konzentriert und auf den Punkt gebracht. Die "Wucht in Tüten" am Gaumen, ein perfekter Riesling, der alles bietet. Druck, Kraft, dabei hochgradig elegant und einladend, sodass die Hand immer wieder zum Glas geht. Deutlich spürbare Mineralik und scheinbar erkennbare Tannine, im Abgang Wachauanklänge (wie ein Schütt 99 von Knoll). Die Hand geht permanent zu Glas, mehr, mehr, mehr. Die Frucht darf nicht unterschlagen werden. Grosses Kino !!!!   

Sonntag, 06.08.2006

2001 Knipser - Im großen Garten - Großes Gewächs / Großkarlbacher Burgweg / Pfalz

92 Punkte (12/2007) - Eine Freude war dieser schöne Spätburgunder zur geschmorten Stelze vom Salzwiesenlamm. Die Komponenten des Weines haben sich nahezu perfekt harmonisiert, selbst die zuletzt als etwas zu spitz kritisierte Säure ist immer noch kräftig, aber sie steht nicht heraus.

Der Wein ist elegant und  komplex in seiner Aromatik. Er überezeugt mit einer wunderbar feinen und saftigen Frucht sowie einer "kühlenden" Mineralik. Hinzu kommt ein perfekt integriertes Holz, dass dem Wein eine feine Rauchigkeit verleiht und die eher rotbeerigen Aromen durch "dunkle" Aromen ergänzt. Viel Spiel, feine Aromatik, guter Druck, perfekt ausgereifte Tannine und ein langer Abgang machen diesen Wein zum echten Genuss.

89 Punkte (08/2006)- Die Nase ist vom ersten Augenblick an betörend, klassische Pinot-Nase kombiniert mit herrlichen Aromen aus dem Holz, wirkt nobel und elegant. Am Gaumen eine schöne, tiefe Frucht (rote Beeren und einem Hauch von Pflaumen) gepaart mit eleganten Noten aus dem sehr gut integrierten Holz, ein bisschen rauchig, tolle Tannine; eher kühler Ansatz.  Einziger Wehmutstropfen ist die Säure, die ihm zwar grundsätzlich gut zu Gesicht steht, die das Spiel des Weins erhöht, aber gegen Ende etwas zu spitz herauskommt. Schöner, langer von Frucht und Säure gertragener Abgang.

1997 + 1998 Ruffino - Romitorio di Santedame / Toscana

93 Punkte - Die 97er Ausgabe des Romitorio ist als Cuvee aus Colorino und Prugnolo Gentile (Sangiovese-Clon) auf die Flasche gekommen. Ruffino ist ein wahrer Weingigant (mengenmäßig) und hat mit dem Romitorio eine Lanze für den Colorino gebrochen. Früher wurde diese Rebsorte - wie der Name schon verrät - primär als Deckwein zur Erzeugung einer intensiveren Farbe verwendet.  

Da ich den Wein sehr schätze, habe ich ihn die letzten Jahre ein paar Mal im Glas gehabt und behaupte nun, dass er auf seinem Höhepunkt angekommen ist. Eine wunderschöne, tiefe und  strukturbetonte Nase von "schwarzen" Kirschen, Bleistift (Graphit - sehr deutlich) und einem Hauch Cassis, dabei kühl, kraftvoll und doch elegant. Am Gaumen ebenfalls wunderbar strukturiert, harmonisch und doch kraftvoll und nachdrücklich. Die Frucht korresponidert mit den Eindrücken von der Nase - schwarze Kirschen, Brombeeren, Graphit, kombiniert mit einer feinen Süße, die durch einen Hauch Vanille und einer feinen Würzigkeit unterstützt wird. Die Säure und etwas dunkle, fast schon bittere Anklänge puffern die Fruchtsüße sehr gut ab; ein Vergleich mit einer wunderbaren, 50- oder 60-prozentigen Bitterschokolade kommt mir dabei in den Sinn. Der Vergleich ist auch aus einem anderen Grunde stimmig, denn der herrliche Schmelz, der - anderes als bei einer Vollmilchschokolade - nicht nur süss die Zunge umschmeichelt, sondern auch ein bisschen fordert,  lässt den Wein bis in sein langes Finale den Rachen hinuntergleiten.

91 Punkte - Auch die 98er Ausgabe ist eine Cuvee aus Colorino und Prugnolo Gentile (anders als z.B. der 2000er - 60% Colorino und 40% Merlot). Die Nase ist ausdrucksstärker und intensiver, aber am Gaumen machte mir der 97er einen Tick mehr Spass. Der 98er ist etwas runder, etwas weicher, aber der Stil und der Ausdruck sind mit dem 97er absolut vergleichbar. Dieses Spiel von üppiger Frucht, gepaart mit einer schönen, leicht süßen Würzigkeit  und den Graphitnoten machen auch diesen Jahrgang für mich zu einem großen Genuss. Für mich ist der Romitorio immer eine Freude, ein eleganten Wein, der aber an den richtigen Stellen "Pölsterchen" aufzuweisen hat.

Montag, 31.07.2006

2004 Weingut Heinz Lebert - Erbacher Hohenrain Riesling Kabinett trocken - Rheingau

86 Punkte - was für ein PLV; dies ist die ultimative Alternative zum Supermarktwein; für discounter-gleiche Euro 4,70 bietet dieser Riesling alles, was man von einem perfekten (!) "Jeden-Tag-Wein" erwartet: Frische, animierende Nase nach Citrus und Ananas. Am Gaumen mit schönem Extrakt, einer belebenden Frische, gut eingebundener Säure und herrlicher Trinkigkeit. Die Frucht ist vibrierend, nach Citrus-und exotischen Früchten und einem Hauch Mineralik. Nach einem langen Arbeitstag und/oder nach einem heißen Sommertag zur Reanimation der Lebensgeister bestens geeignet.

Samstag, 22.07.2006

2005 Rainer Schnaitmann - Sauvignon Blanc *** - Württemberg

89 Punkte - Ein ganz schöner Hammer: dicht, ein wenig fett, kompakt sind so die ersten Adjektive, die mir bei diesem Sauvignon Blanc von Rainer Schnaittmann einfallen. Dass er mir trotzdem schmeckt und Trinkfreude bereitet, liegt daran, dass er seine ausladende Art mit einer frischen, dichten und vielfältigen Frucht sowie einer kernigen Säure kombiniert. Noten von reifen Stachelbeeren, Kiwi, Melone und Heu strömen einem entgegen. Die angenehme Frische animert zum Trinken und der Gaumen wird sogleich voll ausgekleidet. Mit vollem Körper(einsatz), dicht und mit einer gewissen Cremigkeit umschmeichelt er die Zunge, die (noch ??) schöne Frische bildet auch am Gaumen einen Gegenpol, der diesem Wein hilft zu bestehen und ihn bis in das recht lange Finale begleitet. Etwas bange wird mir, wenn ich mir vorstelle, diesen Wein in 2-3 Jahren zu trinken, aber eine ähnliche Befürchtung hatte ich auch beim 2002er, denn ich zu Beginn diesen Jahres mit hohem Genuss und 91 Punkten getrunken habe. We will see......

2002 Emrich-Schönleber - Halenberg Riesling Spätlese trocken - Nahe

92 Punkte- Eine herrliche Spätlese, geprägt von Druck, Mineralität und Finesse. Wunderbar klar und differnziert gezeichnet, dabei mit einer herrlichen Frucht (weisse Pfirsiche, dezente Citrusaromen) und einer Mineralität (die schon fast ein wenig weh tut, salzig). Abgerundet wird das Bild durch eine hervorragend eingepasste, frische Säure, die belebend wirkt und ´sich bis in den langen Abgang klar durchzieht. Ein Stoff, an dem man sich vorzüglich reiben, über den man philosophieren und diskutieren kann, aber dessen Qualität für mich außer Frage steht.

Sonntag, 16.07.2006

1996 Sociando Mallet, Haut Medoc

92 Punkte - Wow - was für eine schöne klassische Ausgabe eines Bordeaux. In dieser Qualität für mich schon ein wenig überraschend, eine hervorragende Konzentration, dicht, mit Druck, ausdrucksvolle Frucht (Cassis, Walfdrucht, mit Mineralik, einem Hauch Bitterschokolade und vielem mehr), dunkel, das Holz sehr gut integriert, herrlicher Körper, kompakt und bei aller Kraft sehr schön balanciert - Frucht, Tannin und  Säure harmonieren sehr gut, klasse Länge.  Für dieses Geld einen solchen Bordeaux, da ist die (Preis-) Welt noch in Ordnung.

Freitag, 07.07.2006

1999 Nino Negri - Sfursat 5 Stelle - Lombardei

92 Punkte - Ja da ist er wieder, der eigene Stil der Sfursat-Weine: Dicht, vielschichtig, individuell und nachhaltig. Der 99er 5 Stelle von Nino Negri gehört sicherlich zu den besten Weinen dieser Anbauregion und Art, die ich jemals verkostet habe. Er ist dicht und kompakt einerseits, andererseits verspielt, delikat und elegant. Das Aromenspektrum reicht von Wildrosen und Rosinen, über Trüffel und rote Beerenfrucht bis hin zu einem Hauch wilder Gewürze. Der Wein hat einen vollen Körper und ist dicht, kraftvoll und  differenziert zugleich. Die Charakteristik ist aufgrund der getrockneten Nebbiolo-Trauben sehr individuell und sicherlich nicht jedermanns Freund, aber ich liebe diese Üppigkeit, die gleichzeitig an verwelkte Rosen und ehemals bessere Zeiten erinnert. Wirklich intellektueller Stoff. Klasse !!!

1998 Chateau d'Aiguilhe - Cotes de Castillon

85 Punkte - jetzt gut zu trinkender Bordeaux; unkompliziert, ordentlich, ausgewogen und trinkig ! Dieser Wein ist im besten Sinne unkompliziert - er hat eine schöne, eher rotbeerige Frucht, Noten von Bisquit und einen Hauch Erdigkeit. Mittelgewichtig, mit ordentlicher Tanninstruktur, animert durchaus zum Trinken, im Abgang eine Spur Sandelholz.

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Samstag, 03.06.2006

2001 Querbach No.1 - Riesling Rheinhessen

89 Punkte - Mit diesem Wein hat Querbach junior für mich den Beweis erbracht, dass sein Patent "stainless cap" dem Kork als Alternative eindeutig überlegen ist. Querbachs Riesling No. 1 aus dem Oestricher Lenchen überzeugt mit großer Klarheit, viel Kraft und Frische, ein wirklich spannungsgeladener Riesling, dem man seine 5 Jahre Alter nicht anmerkt. Die dichte Frucht (überwiegend Citrusfrüchte und weisses und gelbes Steinobst) paart sich wunderbar mit einer ausdrucksstarken Mineralität und einer sehr gut eingebundenen Säure. Selbst der Abgang ist noch kraftvoll und vibrierend, echtes Trinkvergnügen ! Bei einem ursprünglichen Preis von ? 11,- ein doppelter Spass, heute bezahlt man  machmal für schlechtere 1. Gewächse deutlich mehr.

Samstag, 27.05.2006

2003 Duijn - Spätburgunder Laufer Gut Alsenhof - Baden

85 Punkte - Dies ist der zweite Jahrgang, den Jacob Duijn vom neu erworbenen Weinberg produziert. Die Rebstöcke sind im Schnitt 20-25 Jahre alt und produzieren einen erstaunlich mineralischen Wein, meine Erinnerungen an den Quartz der Domaine Piron aus dem Beaujolais werden wach. Mit etwas Nachforschung bestätigt sich, das auch hier der Boden Feldspat- (Fluorit) und Quarzithaltig ist. Mir macht diese "Einstiegsdroge" immer wieder Freude. Gerade an diesen Frühlingstagen, wo man nicht sicher ist, holt man noch einen Rotwein oder schon einen frischen Weisswein aus dem Keller, ist dieser Spätburgunder die 100%ige Alternative, mit der man alles richtig macht. Der Duft aus dem Glas ist ansprechend und animierend, durchaus als Pinot gut zu erkennen, wenngleich er durch das Holz geprägt ist.

Am Gaumen kommt recht rasch die mineralische Note (Quarzit) durch, aber auch eine gewisse Spannung zwischen Pinotfrucht und Holzausbau ist zu erkennen, man möchte jedoch sagen... das Holz gewinnt die Oberhand. Dies ist auch der Grund, warum ich den Wein nicht höher bepunkte - die Aromtik ist ansprechend, mir aber ein wenig zu sehr vom Holz geprägt und die Burgunderfrucht kommt ein wenig zu kurz; dabei frisch und straff, im Abgang aber ohne große Länge. Trotzdem für den Drittwein eines Hauses eine tolle Leistung und unter PLV-Gesichtspunkten durchaus ein Kauf - vielleicht gerade für die, die sich an den deutschen Pinot herantasten wollen. Lagerfähigkeit 2006-2008

Donnerstag, 25.05.2006

1998 Umani Ronchi - Pelago

Diese moderne Cuvee aus 50% Cabernet Sauvignon, 40% Montepulciano und 10% Merlot wird 15 Tage auf den Schalen vergoren, liegt dann 12 Monate in französischer Eiche und reift dann weitere 14 Monate auf der Flasche in temeperatur-kontrollierten Kellern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Inzwischen in seinem 8. Lebensjahr zeigt sich der Wein immer noch sehr jung, und gar nicht mehr so international, wie er immer beschrieben wird. Vielmehr ist seine italienische Herkunft klar zu erkennen und wenn man sich ein wenig antrengt und in den Wein "hineinhorcht", wird klar, dass hier die Rebsorte Montepulciano eine zumindest tragende Rolle spielt.

90 Punkte - Ein schöner, fester Stoff, mit immer noch sehr präsenten Tanninen, die aber gut mit der dichten Frucht (Schwarzkischen, ein wenig kräutrig, dunkel und maskulin möchte man sie beschreiben) korrespondieren. Auch das Holz ist inzwischen sehr gut eingebunden, man beschäftigt sich hier mit einem gefestigten Charakter, der mit viel Stil sich auf dem internationalen Parkett zu bewegen versteht, seine Wurzeln dabei aber nicht verbirgt.

Mittwoch, 24.05.2006

2003 Schlossgut Diel - Auslese Goldloch Riesling Auslese Goldkapsel

 92 Punkte - Sehr interessante Aromen offeriert die Auslese Goldkapsel aus dem Goldloch von Diel, Honig und Karamell, aber auch grüner Tee und gebrannte Mandeln, dicht, ja fast schon fett kleidet er den Gaumen voll aus, viel Power, trotzdem ausreichend Säure und Frucht, um eine schöne Spannung zu erzeugen, dazu eine ordentliche Ladung Mineralität und fertig ist eine Auslese, die (fast) jeder versteht und die trotzdem auch den ambitionierten Weinfreund begeistern wird, eine seltene Kombination in meinen Augen.

 

2004 Fritz Haag - Braunberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese Goldkapsel

93 Punkte (mit viel Hoffnung) - Ein zarter Duft von weißen Blüten und nicht ganz reifem Steinobst, insgesamt sehr jung und noch verschlossen, fast schüchtern möchte man sagen. Ein zarter, filigraner und in sich gekehrter Jüngling steht da  im Glas. Trotzdem erkennt man die Kraft und die ?Sehnigkeit? ? ein Balletttänzer, der noch Jahre der Entwicklung braucht, der aber die allerbesten Anlagen hat, um eines Tages mit großer Kunst die geneigten Kenner zu erfreuen.

2004 Markus Molitor - Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese **

2004 Markus Molitor - Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese **

 

92 Punkte - Setzt man das Glas an, dann erwartet einen der für Molitor so typische ?Spontan-Stinker?; der Wein begeistert mit großer Frische und Tiefe sowie einer wunderbaren Mineralität. Die Frucht ist herrlich klar und getragen von Anklängen an Steinobst und einer zarten Kräutrigkeit. Diese Auslese animiert zum Kauen und unterstreicht dabei seine feine Mineralität ? die wahre Klasse und Komplexität wird der Wein aber erst in ein paar Jahren offenbaren. Trotzdem ist es bereits jetzt für mich ein Vergnügen diesen Wein zu verkosten, da die Tiefe und Mineralität so klar ist und der Wein ein echtes Versprechen für die Zukunft offeriert. 

 

 

2004 Grans Fassian - Trittenheimer Apotheke Riesling Auslese Goldkapsel

88+ Punkte - ?Weinige? Nase, feine Fruchtigkeit mit Anklängen an Citrusfrüchte, Muskat und etwas Eisbonbon. Am Gaumen schlank, frisch und leicht mineralisch. Sollte er in der Zukunft seine schlanke, sehr klare Art mit etwas mehr Komplexität anreichern können, dann dürfte sich das momentan noch etwas laute Zuckerschwänzchen am Ende besser integrieren und der Wein über die 90 Punkte gehen. 

 

 

2004 Klaus Keller - Dalsheimer Hubacker Riesling Auslese *** / lange Goldkapsel

2004 Klaus Keller - Dalsheimer Hubacker Riesling Auslese *** / lange Goldkapsel

 

97 Punkte - Wow, was für ein Teil, kann eine Auslese noch besser sein als dieser Stoff. Über diese Frage würde ich gerne Stunden diskutieren ? vorausgesetzt, ich habe genug im Glas davon. Eine unglaublich (!) komplexe und reintönige Nase, da sind z.B. Noten von Honigmelonen, Flugananas, Grapefruit, Akazienhonig, Pfirsich und Aprikosen, dazu paart sich ein Eindruck von Sommerwiese mit Blumen und Kräutern. Dieser Stoff ist so unglaublich tief, dazu fein und geschmeidig, komplex und nachhaltig. Mit perfektem Süse-Säure-Spiel und einer herrlichen Mineralität ist diese Auslese für mich  ganz nahe an der Perfektion  - oder einfach: ?die  Leichtigkeit des Weins?

2004 Robert Weil - Kiedrich Gräfenberg Riesling Auslese

2004 Robert Weil - Kiedrich Gräfenberg Riesling Auslese

 

93 Punkte - Wow, ein Korb voller Früchte, exotisch angehaucht, Papaya, Mango, Birnen, auch etwas Waldhonig, dicht und reichhaltig, geschmeidiges Konzentrat mit überbordendem Fruchtspiel,  die Botrytisnoten sind vorzüglich eingepasst und lassen den Wein noch komplexer erscheinen, eine wahre Gaumenfreude, sehr geschmeidig und lang im Abgang. Pralle Schönheit !! 

 

2004 Markus Molitor - Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese *

Die Süßweinprobe fand am 12 Mai im Rahmen der Wein-Talk-Live-Runde (www.talk-about-wine.de) im San Michele in Hamburg statt. Franco vielen Dank für das wunderbare Essen, Julius ein riesen Lob für die tolle Organisation. Den Probenteilnehmern gebürt mein Dank für einen konzetrierten, aber dennoch serhr fröhlichen Weinabende.

2004 Markus Molitor - Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese *

 

86 Punkte aktuell, mit Potential nach oben. - Noch von deutlicher Hefigkeit geprägt, Noten der Spontanvergärung deutlich, schöner Duft von Pfirsich und Anklängen an Zimt, sehr klar und rein am Gaumen, wieder Pfirsich und frische Äpfel, kühler Ansatz, leichte Mineralität und etwas Gerbstoff, braucht Zeit, um Harmonie zu entwickeln. 

 

Samstag, 22.04.2006

1996 Rocche dei Manzoni - Quatr Nas / Toscana

Die Notiz aus 2002 stimmt fasst uneinegeschränkt, der Wein bezaubert immer noch, ist unglaublich vielschichtig, stabil und weich zugleich; mit ausgezeichenter Frucht, die inzwischen noch feiner und vielschichtiger geworden ist, wunderschöne Textur, insgesamt sehr ausgewogen. Weiche, schöne Tannine, die aber noch stark genug sind, den Wein ein stabilkes Rückgrad zu geben.  Ein betörender Wein, der  als Star eines Abends zu glänzen weiss, aber auch zu einem Essen in der Nebenrolle überzeugt.

(01.11.2002) Diese unglaublich schöne Nase von mürber Beerenfrucht, zarten Noten von  Sandelholz, Unterholz und feinstem Tabak, am Gaumen ein wunderbar harmonischer und balancierter Wein, der sich durch schöne, reife Tannine, Frucht und diese leichte Extraktsüße auszeichnet, die ich sehr liebe. Zeigt trotz der beachtlichen Eleganz auch Stoffigkeit und Körper.  Diese Cuvee aus 50% Nebbiolo (gibt für mich auch deutlich den Ton an), Barbera, Pinot Nero und Cabernet ist ein kultivierter Begleiter für besonders schöne Stunden. (Viel Depot)

Freitag, 14.04.2006

2003 Georges Duboeuf - Clos De Quatre Vents / Fleurie / Beaujolais

89 Punkte - Was für eine Freude ist dieser Wein nach einer langen gestressten Woche - in der Nase rote Beeren, etwas laktische Töne, am besten aus dem Burgunderglas von Denk'Art (Pfarrer Denk hat eine so wunderschöne Glassserie entworfen, da muss sich Riedel mit seiner Sommerlierserie warm anziehen, die Gläser sind filigraner und der Wein kann sich imho noch besser entfalten). Am Gaumen dann eine wahre Explosion von verspielter Frucht und gewisser  Eleganz:

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Samstag, 08.04.2006

2000 Domaine Sarda-Mallet / Terroir Mailloles

90 Punkte - Was für eine (Arbeits-)Woche; neuer Job im gar nicht so fernen Düsseldorf - neue Heimat ?? - Endlich Freitag, endlich wieder im geliebten Hamburg, endlich wieder ein Glas vernünftigen Rotwein, endlich Entspannung...

Tief in der Farbe mit ganz leichtem Wasserrrand, in der Nase verströmt dieser Wein die urwüchsige Natur des französischen Südens, aber (!!) stilvoll und mit Klasse.  Sehr klar von der Frucht, Anklänge dunkle Beeren, Pflaume,Schwarzkirsche, daneben Noten von Schokolade und  Cassis, zarte Kaffeearomen, Rauch, feine Gewürzanklänge. Im Mund offenbart sich ein identisches Bild, konzentriert, aber nicht marmeladig, voller Körper, dicht und prall, aber nicht hitzig und ungehobelt, sondern durch einen Hauch Minze und Menthol eher der feurige Liebhaber in elegantem Gewand.

 

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Samstag, 25.03.2006

2002 Dr. Crusius - Traiser Rotenfels Kabinett Trocken

87+ Punkte - Eigentlich möchte ich diesem Kabinett mindestens 95 Punkte geben, denn was soll ein Kabinett  noch mehr bieten als dieser ?? Der 2002er Riesling Kabinett trocken vom Weingut Dr.Crusius (mit seinen 11% Alkohol) ist aktuell in Hochform und für mich eine bench mark, an der sich nicht nur die Weine dieser Gewichtsklasse messen lassen müssen: frisch, fest, druckvoll  und gleichzeitig, komplex und vielschichtig -  die Nase ist geprägt von wunderbaren kräuterwürzigen und mineralischen Noten; glockenklar, wie das Wasser eines Gebirgsbaches läuft er am Gaumen entlang, den Hals hinunter. Eine animierende  Komposition von mineralischen Akzenten, gepaart  mit Fruchtnoten von Pfirsichen, Äpfeln und Citrusfrüchten sowie einer für einen Kabinett erstaunlichen Länge. Wahrscheinlich war dieser Kabinett nie in einer besseren Verfassung als jetzt, aber letztlich ist das sekundär, wenn man bedenkt, was man hier für  Euro 6,40 geboten bekommt. Die Hand geht so was von eindeutig zum Glas und eine Flasche ist schneller leer, als einem lieb sein kann. Chapeau für diesen Wein !!

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Freitag, 24.03.2006

2002 Schnaitmann - Sauvingnon Blanc *** / Württemberg

91 Punkte - Rainer Schnaitmann darf man sicherlich einen Entrepreneur in Sachen Sauvingnon Blanc in Deutschland nennen. Aber nicht nur, dass er einer der ersten war, der diese Rebsorte in Deutschland erfolgreich angebaut hat, sondern die Qualität und Kontinuität, mit der er diese Rebsorte auf die Flasche bringt, überzeugt mich das eine um das andere mal.

So verwundert es wenig, dass  auch im  sehr guten Weinjahr 2002 Rainer Schnaitmann einen Sauvignon auf die Flasche gebracht hat, der  im 4. Jahr nach der Ernte immer noch dasteht wie eine "1":

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Donnerstag, 23.03.2006

1998 Vall Llach - Embruix / Priorat

75 Punkte - Vall Llach, Sänger und leidenschaftlicher Winzer im Priorat hat 1998 gemeinsam mit  Sara Perez von Clos Martinet (als Weinmacherin) den ersten Jahrgang einer neuen Kellerei auf den Weg gebracht.  

Gestartet  ist man mit zwei Weinen, dem Erstwein Vall Llach (Cuvee aus 45% Merlot, 45%Carinena und 10% Cabernet Sauvignon) sowie dem Zweitwein, dem Embruix, einer Cuvee aus 45% Garnacha, 45% Cabernet Sauvignon und 10% Syrah, Melot und Carinena. Der Embruix stammt im Gegensatz zum großen Bruder aus jungen, 7-8 Jahre alten Rebanlagen. Parker hat beide Weine in seiner August-Ausgabe (Wine Advocate #136, 2001)  sogleich geadelt (Vall Llach: 92PP, Embruix 90PP) und als Langläufer (Embruix: "It should keep for 12-15 years") eingestuft. Keine 5 Jahre weiter, muss man diese Einschätzung wohl als obsolet einstufen, denn der Wein ist

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Montag, 06.03.2006

1998 Foradori - Grananto / Trentino

86  Punkte  - Dunkles, tiefes rubinrot, Fruchtnoten (Kirsch, etwas Holunder, überreifer, fast schwarze, bittersüße  Himbeeren, etwas laktische Noten). Die laktische Noten finden sich am Gaumen ebenson wie die Fruchtaromen, die Säure ist deutlich, aber nicht vordergründig, mittelgewichtig und mit einer ordentlichen Tanninstruktur, die zu Beginn sogar etwas kratzig wirkt, aber mit zunehmender Luft gut eingebunden wirkt.

Freitag, 03.03.2006

2000 Prinz von Hessen - Johannisberger Klaus Riesling Spätlese trocken

86 Punkte - (Ap. 260 23 012 01) Reintönige Nase, nahezu ohne jede Spur von Alterung, frische Noten von Steinobst, Äpfeln und  Citrusfrüchten sowie einem Hauch von Lindenblüten. Am Gaumen  frisch, klar, bissfest und mit eleganter Säure ausgestattet; animierende Art (12% Alkohol), die durch eine schöne Mineralik unterstrichen wird. Die Hand geht zum Glas -  der Wein überzeugt durch eine geradlinige Frucht (Apfel und Citrusfrüchte),  seine Frische, die Harmonie und einem guten, von Säure und Mineralik getragenen Abgang. Jetzt und die nächsten 1-2 Jahre auf dem Höhepunkt

Dienstag, 28.02.2006

2003 / 2004 Weingut Salwey - Diverse Spätburgunder / Baden

2004 Oberrotweiler Käsleberg, Spätburgunder trocken,

2004 Oberrotweiler Henkenberg Spätburgunder trocken,

2003 Oberrotweiler Eichberg, Spätburgunder Spätlese trocken ***,

2003 Oberrotweiler Kirchberg, Spätburgunder Spätlese trocken ***,

2003 Glottertäler Eichberg, Spätburgunder Spätlese trocken ***

Die drei Sterne entsprechen einem Großen Gewächs

Im Detail:

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1997 Nino Negri - 5 Stelle Sfursat / Lombardia

90 Punkte - Nebbiolo aus dem Piemont in Form von Barolo oder Barbaresco kennen wohl alle etwas ambitionierteren Weintrinker, aber die schönen Nebbiolo-Weine aus der Lombardei sind vielen nicht bekannt. Eines der Aushängeschilder der Region ist sicherlich der Sfursato, ein besonderer Nebbiolo aus auf Strohmatten getrockenten Trauben. Seit 2002 hat dieser Wein seine eigene DOCG; die spät gelesenen Trauben müssen als Wein mindestens eine Alkoholgradiation von 14,5% aufweisen und werden über mindestens 12 Monate im Fass ausgebaut. Für mich gehört Nino Negri zur absoluten Spitze in der Region. Nicht nur sein Spitzenprodukt, der Sfursat "5 Stelle" überzeugt mich Jahr für Jahr, sondern auch die einfachen Qualitäten, die es in Italien sogar in vielen Supermärkten zu kaufen gibt, sind stets grundsolide und häufig sogar ein echter PLV-Knaller. Zum "5 Stelle Sfursat" aus dem sehr guten Jahrgang 1997:
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Mittwoch, 22.02.2006

2001 Horst Sauer - Escherndorfer Lump Riesling Spätlese trocken - Franken

87 Punkte - Nach dem Öffnen sollte man ihm ein Stunde geben, damit er etwas Luft holen kann, um sich zu entwickeln. Dann offerbart diese herrliche Spätlese

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Sonntag, 19.02.2006

1998 Vasse Felix Heytesbury - Westen Australia

88 - Punkte: Robert Parker hat den Wein einfach, aber sehr zutreffend beschrieben (Wine Advocate 135 / Juni 2001) :

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Mittwoch, 15.02.2006

1999 Aldo Conterno - Barbera Conca Tre Pile (Bussia Soprana), Barbera d'Alba

86 Punkte  Zu Beginn ein kleiner Stinker, der sich schnell verflüchtigt; parallel ein wenig Primärfrucht (rote und schwarze Waldfrüchte), ansonsten überwiegend Sekundäraromen (Waldboden, Sattelleder,

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1999 Vietti - Scarrone Vigna Vercchia, Barbera d'Alba

91 Punkte -  Sehr dunkel, fast schwarz, am Rand leichte Aufhellungen, noch mit purpunem Touch; konzentrierte Frucht: Maraska-Kirschen (Maraschino), Brombeeren, Lakritze, Schokolade, denzente süße Würze, konzentriert, griffig, stoffig, voller Körper, kräftige, aber reife Tannine, feste Struktur: Allein getrunken macht er ein wenig satt, seine Stärke spielt er aus, wenn man ihn mit Salami oder kräftigen Speisen kombiniert -  dann gewinnt er weiter an Statur und wird noch vielschichtiger und eleganter; wirklich schöner Stoff mit hervorragender Länge.

1999 La Spinetta - Barbera Vigneto Gallina, Barbera d'Alba

94 Punkte - sehr dunkel und tief in der Farbe; der kleine Stinker nach dem Öffnen der Flasche  verfliegt sehr schnell; schon in der Nase sehr harmonisch bei aller Dichte, komplexe Frucht, wunderbar tief und elegant, ein Hauch von Rosenholz; kühler Ansatz, das viele Holz hat sich inzwischen sehr gut integriert, der Wein ist
hervorragend balanciert; tolle Frucht, kombiniert mit einer feinen Süße, mineralischen Noten und einer feinen Kräutrigkeit; hervorragende Extraktion, dichte Struktur von schönen ausgereiften Tanninen; der Wein ist so harmonisch, dass er fast schon wieder unspektakulär ist.

Samstag, 11.02.2006

1998 Copa Santa - Domaine Clavel (Pierre Clavel)

93 Punkte - Ja, das ist ein Naturbursche, ein Wein von ursprünglicher, urwüchsiger Art, ein Wein, der trotz seiner Wildheit, eine wunderbare Balance, ja eine kraftvolle, wilde Eleganz zeigt:

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Donnerstag, 09.02.2006

1998 Latour Martillac / Pessac-Leognan

88 Punkte - schönes, dichtes rubinrot; dichte, stoffige Nase, getragen von vielen, dunklen Würzaromen, Tabak und erdigen Aromen, rauchige, dunkle Frucht. Ein ähnliches Bild am Gaumen: mittlerer bis voller Körper, feste, aber gute Tannine, die dem Wein eine gute Struktur geben, fester Ansatz, gute Tiefe. Ein maskuliner, erdiger Wein, sehr dunklel, Teer, Lakritze, Tabak; schöne Tiefe; ein Wein, der sicherlich polarisiert. Mir gefällt so etwas, fast schon urwüchsig, trotzdem stimmig und auf seine Weise  harmonisch. Wird mit zunehmender Reife sicherlich noch besser und etwas feiner, aber ein wirklich eleganter Wein wird das nicht mehr.

Dienstag, 07.02.2006

25 Anniversary special cuvee - Capannelle - Toscana

73 Punkte - Wer sich fragt, wie man sein Geld aus dem Fester werfen kann, dem sei dieser Wein ans Herz gelegt. Diese Spezialcuvee zum 25-jährigen Firmenjubiläum sollte das Aushängeschild von Capannelle werden - ich kann nur sagen: gründlich schief gegangen! Der Wein ist eine Kreation aus ausgesuchten barriques der Jahre 1993 bis 2000, 60% Sangiovese, 40% Cabernet Sauvignon (Sangiovese aus 1997, 1999 and 2000; Cabernet von 1993, 1995 and 2000). Beste Alliér-, Never- und Troncais-Barriques sind zum Einsatz gekommen, im September 2001 wurde die Cuvee assembliert und weitere 12 Monate in neue Hölzer gelegt. bevor der Wein im September 2002 auf die Flasche gezogen wurde. Insgesamt wurden 8.000 Flaschen gefüllt. Zum Wein:

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Montag, 23.01.2006

94 Teófilo Reyes vs Pesquera crianza - Ribera del Duero

85/92 Punkte - Ein spannenender Vergleich. Der 94er Teófilo Reyes war der Premierenjahrgang des damals 74 jährigen Teofilo Reyes, der vorher über 20 Jahre als Weinmacher den Stil von Pesquera mit (und zuletzt den 94er) geprägt hat. Über 50 Jahre hat er mit seinem Können, seinen Visionen  und seiner Erfahrung die Weine von Ribera del Duero geprägt und  zu zahllosen nationalen und internationalem Erfolgen geführt.  Heute führen die Söhne Juan Jose und Luis Reyes das Gut. 
Die Bodega  Teofilo Reyes liegt bei Penafiel im Herzen der Ribera del Duero. Auf dem Etikett des ´Tinto Crianza´ ist deshalb die Silhouette der mächtigen Burg von Penafiel, die zu einem Wahrzeichen der Ribera del Duero geworden ist. 40 Hektar beste Weinberge gehören zum Gut. Zu den Weinen:

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Freitag, 20.01.2006

Käse und Wein - eine organoleptische Dissonanz !?

Glaubt man den neuesten Erkenntnissen zweier amerikanischer Önologinnen, können Weintrinker, insbesondere die Wein-enthusiasten, die viel Geld für eine Flasche ausgeben, zukünftig von selbigem einiges sparen - vorausgesetzt, sie haben bislang immer Käse und Wein kombiniert. Bernice Madrigal-Galan und Hildegarde Heymann von der University of California 

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Donnerstag, 19.01.2006

2000 Dom. Leon Barral - Jadis / Faugeres

92 Punkte - dunkles Rot mit immer noch violetten Reflexen, Noten von garrique, Trüffel, ein Hauch Sauerkraut, komplexe, dunkle Beerenfrucht, Blaubeeren,  schön kühler und mineralischer, fast burgundrischer Ansatz, sehr individueller Stil; angenehme, ausgewogene Tannine, neben der facettenreichen Frucht, Noten von Sauerbratensauce, gut struktuiriert und harmonisch.

Montag, 16.01.2006

1997 Tirant - Rottlan Torra / Priorat

93 Punkte - Was habe ich mir vor drei Jahren noch für eine vernichtende Kritik zu diesem Wein notiert; der Grund war ein Schwefelböckser, bei dem man sich im ersten Moment nur vom Glas abwenden konnte. Nach 24 Stunden hatte ich zwar damals schon eine Aha-Erlebnis, aber diesmal war der Eindruck von Anbeginn sehr positiv: Ein sehr schöne Würzigkeit, mit Noten von

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Samstag, 14.01.2006

1997 Braida (G. Bologna) - Ai Suma - Piemont

94 Punkte - Ai Suma war der einzige von den großen Lagen-Barberas aus dem Hause Braida, der seine malolaktische Säureumwandlung im barrique vollzogen hat. Im Gambero Rosso zwar als primus inter pares bei den Braida-Barberas des Jahrgangs beschrieben, aber mit 2 Gläsern nicht in den 90-iger Punkten. Parker dagegen wertete im wine advocate #130 euphorisch mit 95 Punkten. Mal sehen was daraus geworden ist:

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Dienstag, 10.01.2006

1989 Domenico Clerico - Barolo Ciabot Mentin Ginestra

Anläßlich des Besuchs von guten Freunden aus Frankfurt haben wir im Hamburger Restaurant San Michele ein außergewöhnliches, superbes neun Gänge - Überraschungsmenü (Danke Franco - es war wunderbar !!) genossen und gemeinsam eine Magnum Domenico Clerico Barolo Ciabot Mentin Ginestra getrunken. Da ich es nicht besser formulieren kann, nachfolgend die Notiz meinses Freundes Bernd F.:

Der Wein ist für einen Barolo sehr dunkel und wirkt schon optisch sehr stoffig. Die Nase besticht sofort durch Eingängigkeit und große Harmonie und gleichzeitig durch eine sehr kraftvolle und doch durch Eleganz geprägte Note. Schon nach Sekundenbruchteilen ist jeder mögliche Zweifel an großem Trinkspaß zerstreut. Veilchen und

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Montag, 02.01.2006

2003 Mitolo G.A.M. Shiraz / McLaren Vale /

95 Punkte - Was für eine Erfolgsgeschichte !! G.A.M. sind die Anfangsbuchstaben ihrer Kinder. Frank und Simone Mitolo und - wie sie es auf ihrer überaus schönen webpage ausdrücken  - ihre Inspiration Gemma, Alexander und Marco haben mit ihrem ersten Jahrgang 2000 den großen Hit gelandet. Von der internationalen Kritik seit Anbeginn mit Lob und Anerkennung für ihren Shiraz überhäuft, produziert man - seit 2001 mit Unterstützung des jungen, australischen Weinmacherstars Ben Glaetzer - Jahr für Jahr Weine außerordentlicher Qualität. Bob Parker, James Halliday, der Decanter oder Jancis Robinson - selten hat die Elite im Weinjournalismus so einstimmig jubiliert und die großen Zahlen bei der Weinbewertung gezogen. Zu Recht ????

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Freitag, 30.12.2005

1999 Eugenio Collavini - Merlot dal Pic

88 Punkte - Dieser Wein ist ein Hammer .... zumindest in der Ausstattung, wohl die schwerste 0,75er Flasche, die ich jemals in der Hand gehalten habe. Aber es passt zu diesem modernen Betrieb, der auch unverblümt moderne Kellertechnik wie Vakuum-verdampfer einsetzt. Das Ergebnis scheint hier zumindest die Anwendung zu rechtfertigen.

Der Wein stammt von den Hügel-/Bergspitzen der eigenen Weinberge;  es handelt sich dabei um überwiegend 25-30 Jahre alte  Rebstöcke. Erstaunlich ist der lt. Weingut angegebene Verschnitt aus teiweise französischen Merlot-Klonen und dem im Friaul bekannten Merlot dal Peduncolo Rosso. Ich kenne zwar nur die Rebsorte Refosco dal Peduncolo, aber grundsätzlich soll man dem Winzer glauben ... zum Wein:

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Urlaub auf Teneriffa - besser ohne lokalen Wein

Komme gerade zurück von meinem Weihnachtsurlaub - diesmal stand Teneriffa auf dem Programm. Immer wieder gerne unternehe ich in dieser Zeit einen Streifzug durch die lokalen Weine. Diesmal eine komplette Enttäuschung; das Wort "Ertragsreduzierung" scheint auf der Insel ein komplettes Fremdwort zu sein. Da half es auch nicht, dass ich mir den gerade vor wenigen Tagen erschienen Penin-Spanien-Weinführer zugelegt habe, denn zunächst glaubte ich, dass ich die "richtigen" Weine noch nicht gefunden habe. Einziger Lichtblick soll nun ein süßer Rotwein - namens Humboldt - sein, im Penin außerordentliche 94 Punkte bekommen hat. Ich werde berichten -18% Vol. Alkohol lassen zumindest von dieser Seite schon einmal aufhorchen 

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Samstag, 17.12.2005

2001 Alejandro Fernandez - Pesquera

91 Punkte - fast ein Jahr (26.10.2006) nach der ersten Verkostung habe ich den Wein wieder im Glas und freue mich über die Entwicklung; er  steht jetzt am Beginn seiner Trinkreife: in der Nase zunächst etwas stallige Noten, einige werden wohl von Brettanomyces reden, aber ich glaube, dass dies aus dem Wein und  der Rebe kommt. Darüber hinaus zeigt sich in der Nase ein Duft aus Beerenkompott; Noten von edelsten Hölzern,  die sich in Vollendung auch am Gaumen präsentieren (Alejandro benutzt sowohl amerikanische als auch französische Eiche). Ungemein saftig und mit schönem, vollen Körper zeigt dieser Pesquera aus dem super Jahrgang 2001, dass Alejandro Fernandez es noch nicht verlernt hat, schöne und große Weine zu produzieren. In diesem, einem Jahr der zusätzlichen Reife hat der Wein an Ausgewogenheit zugelegt und macht jetzt von Anbeginn Spass, auch wenn er mir wieder am zweiten Tag besser gefällt. Er ist von Anbeginn harmonisch (bei aller saftigen Stoffigkeit), zeigt wunderbare Fruchtnoten - kompott- oder rumtopfaromatisch, aber ohne dass er zu fett oder gar alkoholisch wirkt, abgerundet wird dies durch die feinen Noten aus dem Holz (Sandelholz und ein perfekter Hauch von Vanille), einem schönen, körnigem Tannin und einer perfekt eingebauten Säure.  Zum Schluss zeigt er  eine wunderbare Länge, die harmonisch und elegant wirkt.

90 Punkte (Dezember 2005) - Aktuell frisch aus der Flasche eher ein unnahbares, ruppiges Etwas. Am zweiten Tag zeigt sich das wahre Potential des 01er Pesquera (wahrscheinlich der Beste nach 1994): Dichte dunkle Frucht (feinsüße Brom- und Heidelbeeren), dazu körnige, reife Tannine, feine Fruchtsüße, dicht und mit schönem Schmelz, elegante Noten aus dem Holz, ein Hauch Vanille, Muskatnuss und eine sanfte, fast schon orientalisch wirkende, leicht süßliche Würze; weich und warm; Charme und Eleganz einer spanischen Schönheit offenbaren sich in diesem Wein. ein echter Trinkgenuß innerhalb der nächsten 2-10 Jahre.

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Donnerstag, 15.12.2005

2004 Georg Mosbacher - Sauvignon Blanc - Pfalz

86 Punkte - Sauvingnon Blanc aus Deutschland wird immer erfolgreicher und das zu Recht ! Ein wirklich schönes Exemplar hatte ich kürzlich aus dem Hause Georg Mosbacher in der Hand. Doch wenn wundert es, denn die Mosbachers haben schon seit Ende der 90er Jahre Erfahrung mit dieser Rebsorte, zudem hat Sabine Mosbacher-Düringer zum Ende des Jahres 2004 das renommierte WSET Diplom in Wines and Spirits mit einer Arbeit über die "Chancen und Risiken für den Anbau von Sauvignon Blanc in Deutschland" erfolgreich abgeschlossen. Zum Wein:

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Mittwoch, 14.12.2005

1971 Maurice Allias - Vouvray Moelleux - Clos du Petit Mont - Loire

95 Punkte - Wie sehr unterschätzt doch sind die Weine von der Loire - dies gilt um so mehr für die süße Variante. Dabei sind diese Weine von nahezu unendlicher Haltbarkeit und in jedem Stadium ihrer Zeitreise ein echter Hochgenuß. Der 71er Vouvray ist so ein Chenin-Blanc-Musterknabe - hier muß sich selbst ein deutscher Spitzenriesling (Kategorie Eiswein, etc) anstrengen, um mitzuhalten:

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Dienstag, 13.12.2005

2002 Martin Waßmer - Spätburgunder SW - Schlatter - Baden

91 Punkte - Zum ersten Mal einen Wein von Martin Waßmer verkostet und schon überzeugt:

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2002 Duijn Spätburgunder Gut Alsenhof

87 Punkte - Diese Flasche stammte noch von der 1.Füllung (2.Füllung mit neuem Etikett). Wer mehr Infos zu Weingut, Böden, etc. haben möchte, dem empfehle ich die wirklich schön und klar gestaltete webpage unter www.weingut-duijn.com 

Jetzt könnte man sagen, so wie die webpage so auch der Wein, aber anders herum wird wohl ein Schuh daraus. Zum Wein:

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Freitag, 02.12.2005

1998 Quilceda Creek - Cabernet Sauvignon / Washington U.S.A.

96+ - Wahnsinn !! Dieser wunderbare Stoff besteht aus 97% Cabernet Sauvignon und 3% Cabernet Franc, wurde 22 Monate in 100% neuen barriques augebaut und lag dann weitere 9 Monate auf der Flasche, bevor er in den Handel kam. 

Enorm tiefes, würzigsüßes Bukett; mit Noten von Heidelbeeren, Zedernholz, feinster

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Dienstag, 29.11.2005

1999 Domaine du Trapadis - Harys / Resteau

89 Punkte (?) - Harys heißt anders herum gelesen Syrah, dieser hier ist von spezieller Art. Auf der Domaine du Trapadis arbeit man sehr ursprünglich, so vergärt man das reife, spät gelesene  Traubengut mit Stielen und Kernen in Betontanks ohne technische Gärführung. Auf Reinzuchthefen wird verzichtet und gefiltet wird auch nicht, was die Menge Depot im Wein erklärt. Zum Wein:

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Sonntag, 27.11.2005

2000 Mont du Toit - Le Sommet / Südafrika

91 Punkte Stephan du Toit, südafrikanischer Nachfahre hugenottischer Siedler, arbeitet  hauptberuflich als Anwalt. Mit seiner bezaubernden, aus Hamburg stammenden Frau Caroline hegt er seit Jahren eine Vision in Sachen Wein. Dieses Projekt wurde seit 1998 von zwei deutschen Spitzenwinzern, Bernd Phillipi vom Weingut Koehler-Ruprecht in der Pfalz und dem leider viel zu früh verstorbenen Berhard Breuer aus dem Rheingau, verwirklicht. Der Le Sommet ist die Spitzencuvee des Hauses. 2000 ist erst der zweite Jahrgang dieses Weines:

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Weinverkostungen ohne Ende

Lange Sendepause in meinem Blogg. So viel Wein wie in den letzten Wochen habe ich selten verkostet. Zunächs war ich in Meran und habe zum sechsten Mal diese herausragende Veranstaltung genossen. Die Spitze von Italien war präsent und Bordeaux hat sich ebenfalls nicht lumpen lassen. Einzelne Verkostungen werden von nun an step by step abgearbeitet. Es folgten private Proben sowie die VDP Veranstaltung (Nahe/Rheinhessen und Ahr)  im Hafenclub von Hamburg. Heute nun präsentierte sich eine Auswahl deutscher Spitzenwinzer im Steigenberger in Hamburg. Ausführliche Notizen folgen in den nächsten Wochen.

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Sonntag, 06.11.2005

1999 Knoll - Dürnsteiner Ried Schütt Riesling Smaragd - Wachau

93  Punkte -  Ungemein intensiver Riesling, dicht und kompakt, dabei ohne jeden Anflug von Breite. Zu Beginn ein recht deutlicher Petrol, der aber mit zunehmend Luft zurückgeht und die feste, wuchtige Frucht und Mineralität kommt voll durch.

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1993 Marcarini - Barolo La Serra

88 Punkte - Ein schöner Barolo von einem klassischen Erzeuger aus einem von vielen unterschätzten Jahr. Zwar sind nicht alle 93er Baroli der große Wurf, doch haben einige Erzeuger erstaunliche Qualitäten auf die Flasche gebracht, die jetzt zu echtem Genuß gereichen. So auch der La Serra von Marcarini:

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Freitag, 28.10.2005

Camerano - Barolo Chinato (Piemont)

ohne Punktwertung / herrlich - Ursprünglich wurde der Barolo Chinato in den Apotheken auf Rezept als Arznei verkauft. An seiner geheimnisumwobenen Herstellung hat sich bis heute nichts verändert - der Barolo Chinato wird in den Winzerfamilien als streng geheime Rezeptur von Generation zu Generation weitergetragen. Grundsätzlich einfach: Barolo und Chinarinde (Chinin) sind die Basis, zugesetzt werden Zucker und/oder Alkohol. Die heilende Wirkung wird durch den Zusatz von bis zu 70 verschiedenen Kräutern erzielt. Die Chinarinde ist für den leicht bitteren, aber gleichzeitig animierenden Geschmack zuständig, die Kräuter bringen Gesundheit und runden den heute als Aperitif oder Digestif eingesetzten Barolo gut ab. Man muß so etwas probiert haben !! Einer meiner Favoriten ist der in kleiner Auflage erzeugte Barolo Chinato der Azienda Agricola Camerano.

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Sonntag, 16.10.2005

2003 Stein Wein - Bremmer Calmont Riesling ** trocken (Waldfrieden) / Mosel

86 Punkte - klare, mineralische, schieferbetonte Nase, kräutrig, rauchig, Waldhonignoten, kraftvoll und kompakt, rassig am Gaumen, schöne Mineralik, fester Ansatz, kräutrig, auch wieder ein wenig rauchig, leider etwas bitter im Abgang; ein Wein, der fordert, aber auch etwas zu bieten hat, gute Länge.

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2003 Jean Stodden - Recher Herrenberg Spätburgunder JS trocken, Ahr

90 Punkte - feinwürzige Nase, zu Beginn recht harsch -  benötigt zur Zeit noch viel Luft, dann sehr feine, würzige Frucht von rotem Trockenobst, roten Beeren, Zigarrenkiste,

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Dienstag, 11.10.2005

2000 Familie Strehn - Rhapsodie / Mittelburgenland

90 Punkte - Die Cuvee aus Cabernet Franc und Syrah zeigt sich in einem dunklen und recht dichten, rubinrotem Kleid. Klar vom Cabernet Franc geprägte Nase:

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Freitag, 07.10.2005

2001 Domaine Gauby - Coume Gineste V.d.P. Côtes Catalanes

90 Punkte - Dieser von Gérard Gauby aus uralten Grenache Blanc, Grenache Gris und Viognierreben gekelterte und im großen Holzfass ausgebaute Wein   in Kleinstauflage kostet im Handel ca. EURO 50,-. Bietet er auch die Qualität, die der Preis verspricht ?

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2004 Wittmann - Weisser Burgunder trocken

85 - Noten von weißen und gelben Blüten, Akazien-(honig), dezent Sahnebonbon, Wiesenkräuter und etwas exotische Fucht. Am Gaumen spiegelt

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2004 Weingut Wittmann - Scheurebe trocken

87 Punkte - Kein Wein für Snobs, oder die es werden wollen. Volles, aber unglaublich frisches Bukett von einem Korb saftiger und frischer Früchte. Noten von Cassis

 

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2003 Jean Stodden - Recher Herrenberg Frühburgunder JS / Ahr

90 Punkte - Reintöniger Frühburgunder nach französischem Pinot-Vorbild. Zu Beginn wird dieser verhältnismäßig dunkle Frühburgunder noch stark vom Tannin und Holz dominiert,  später bricht die Frucht - mit ausreichend Luftzufuhr -  aus ihrem Gefängnis aus und der Wein demonstriert seine Güte:

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Donnerstag, 06.10.2005

1994 Rosemount Estate - Balmoral / Australien

94 Punkte : Welch eine Überraschung ist dieser die Sinne schmeichelnde 94er Balmoral. Zu  dieser fast aristokratischen, reifen, fein-saftigen und differenzierten   Frucht (alle Arten von Waldbeeren sowie hauchzarte,  süß-würzige Aromen)

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Dienstag, 04.10.2005

2001 Cascina Ballarin - Langhe Rosso Ultimi Grappoli / Piemont

90 Punkte - Die spezielle Selektion von spätgelesenen Trauben der Nebbiolo und Barbera ist sicherlich ein ungewöhnlicher Ausdruck der Langhe. Die Viberti-Brüder versuchen die Vorzüge ihrer Reben mit diesem Wein neu zu interpretieren. Der Wein ist  eher als Experiment gedacht (als Etikett wurde das normal gedruckte Langhe Rosso Etikett genommen und per Hand "Ultimi Grappoli" ergänzt), aber ich kann nur hoffen, dass es fortgesetzt wird:

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Donnerstag, 29.09.2005

2000 Alphonse Mellot / Domaine Moussiere - Edmond

94 Punkte - Heute bewirtschaften Vater und Sohn, Alphonse Mellot der 18. und 19. ein Weingut mit 45 ha Fläche, 36 davon gehören dem Sauvignon Blanc, der Rest ist mit Pinot Noir bepflanzt. Die Weinbergsarbeit der 8.000 -10.000 Stöcke/ha erfolgt biodynamisch. Die Trauben für den Edmond wachsen auf einer Fläche von 6 ha; durch Ertragsreduzierung (niedrige 41 hl/ha) und penibele Weinbergspflege erzeugt man aus den zwischen 40 und fast 90 Jahre alten Reben einen Sancerre wie man ihn sich fast nicht schöner vorstellen kann:

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Freitag, 23.09.2005

2004 Peter Jakob Kühn - Mittelheim St. Nikolaus 3 Trauben *** - Rheingau

89-93 Punkte - Was soll man da sagen, auf der Verksotung auf dem Weingut mit Abstand der Spitzenreiter, 14 Tage später in unserer Runde wollte der Wein wohl nicht mit uns sprechen:  

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2004 Peter Jakob Kühn - Oestrich Doosberg 3 Trauben *** -rheingau

91-93 Punkte - An diesem Abend klare 93 Punkte. Innerhalb der letzten 14 Tage zweimal verkostet, einmal auf dem Weingut, einmal in unserer Weinrunde mit Freunden (=nachfolgeden Notiz). Der 04er Doosberg 3 Trauben wurde von einer internationalen Expertenkommission anläßlich der diesjährigen VINEXPO in Bordeaux unter die besten 10 Weißweine weltweit gewählt, bei der Probe zum 1.Gewächs ist er jedoch wegen nicht ausreichender Typizität durchgefallen; insofern teilt er sein Schicksal mit seinem "Bruder", dem St. Nikolaus, der im vergangenen Jahr ebenfalls nicht durch die Prüfung gekommen ist. Man fragt sich, ob die Verkoster dieWeine nur nach Typizität und nicht nach objektiven Qualitätskriterien beurteilen. Sollte dies so sein, wäre ein Fortschritt im Geschmack, eine Weiterentwicklung des eigenen Stils für qualitätsbessene Winzer vom Schlage einen J.P. Kühn  ausgeschlossen. Zum Wein:

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Donnerstag, 22.09.2005

2004 Peter Jakob Kühn - Oestrich Riesling "L" - 2 Trauben

90 Punkte - Der "L" ist eine Kürzel für Landflecht, eine spezielle Parzelle im Doosberg. Früher, vor 1971, wurden Weine dieser Parzelle unter ihrem Lagennamen "Landflecht" ausgebaut und haben hervorragende Ergebnisse produziert. Heute gibt es die LAge nicht mehr, also auch keine Weine aus dieser Lage, die Nutzung des NAmens ist verboten, Kühn nennt seinen Wein deshalb "L". Zum Wein selbst:

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2004 Peter Jakob Kühn - Riesling Quarzit - 2 Trauben

88 Punkte - Dichter Ansatz, aber noch verhalten in der Nase, Citrusaromen, Eisenkraut, frisch-herbe Kräuter. Dieser Riesling

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2004 Peter Jakob Kühn - Oestrich Riesling - 1 Traube

86+ Punkte - Citrus-Orangenschalen, mit mehr Luft auch Aprikosen, kühle Mineralik, sehe mineralisch, eher schlanker

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2004 Peter Jakob Kühn - Rheingau Riesling trocken

85 Punkte - Der Basiswein zeigt auch in 2004 eine übersurchschnittliche Qualität. In der Nase gelbfruchtige Noten,

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Sonntag, 18.09.2005

2002 Marcel Deiss - Schoenenbourg

94 Punkte - (Riesling; aus der Grand Cru Lage Schoenenbourg, die seit dem Mittelalter bekannt ist, südliche Exposition, starke Hangneigung mit Regenbogen und Gipsmergel des Keuper, teilweise überlagert von Sandstein, also eine Kombination aus lockeren Böden auf einem fruchtbaren Lehm-Unterboden mit guter Wasserspeicherung). Zum Wein:

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2001 Marcel Deiss - Altenberg

93 Punkte - (alle traditionelle Rebsorten des Elsass zzgl.Chasselas rose; Grand Cru Lage inmitten eines Feldes von geologischen Verwerfungen, wo harte Böden des Jura und Mergelböden des Lias aufeinandertreffen. Die Reben stehen so auf einem roten, eisenhaltigen Ton-Kalkboden, der sie zwingt tief zu wurzeln. Der Altenberg zeigt eine absolut südliche Ausrichtung und ist äußerst warm und trocken. Die häufig durch Edelfäule verstärkte Reife der Trauben ist außergewöhnlich, wobei die Lage hier klar die gemischt angebauten Rebsorten in ihrem Charakter dominiert.) Zum Wein:

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2001 Marcel Deiss - Gruenspiel

92+ Punkte - (Mischpflanzung aus Riesling, Pinot Noir und Gewurztraminer; eine nach Süden ausgerichtetes Amphietheater, oberhalb der Grand-Cru-Lagen von Riebeauvillé - an der Oberfläche Sandstein und der für das Elsass so typische Granit, darunter Keuper-Mergel)

Komplexe Nase, nicht ganz so dicht und "schwer" wie der Burg, dafür glockenklar - schon jetzt

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2001 Marcel Deiss - Burg

92 Punkte - (Mischpflanzung aller traditionellen Elsässischen Rebsorten; Tonmergelschichten mit stellenweise kalkhaltigen und fossilienreichen Knollen bilden hier einen eher tiefgründigen Lehmboden; südliche Exposition mit mittlerer Hangneigung)

Ausladende Nase, fett, fast parfümig, trotzdem

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2002 Marcel Deiss - Grasberg

90 Punkte - (Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer; "dieses nach  Nord-Osten ausgerichtete Terroir befindet sich in ca. 340 Metern Höhe auf dem Gipfel des Grand Cru  Altenberg und ist geprägt von dem mageren Kalkboden des 'Großen Oolith'." - aus der Originalweinbeschreibung des Weingutes) Man erklärt uns, dass trotz der Nord-Ost-Ausrichtung es genügend Wärme und Sonnenstrahlung gibt, es handelt sich um das trockenste und nährstoffärmste Mircoklima unter allen Cru-Lagen, sodass die Wurzeln hier besonders tief nach Nahrung und Wasser suchen. Zum Wein:

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2001 Marcel Deiss - Rotenberg

88 Punkte - (Riesling und Pinot Gris wachsen auf roten, eisenhaltigen Kalkböden mit östlicher Hangausrichtung; das am frühestens reifende Terroir von Bergheim) fetter, sehr

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2001 Domaine Marcel Deiss - Engelgarten

91 Punkte  - (Cuvee aus Riesling, Pinot Gris, Beurot, Muscat und Pinot Noir auf Kies-/Sandboden) Ein nachhaltiger, fester und extraktreicher Wein,

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Domaine Marcel Deiss - ein paar Worte zur Domaine

Jean-Michel Deiss geht seinen persönlichen (=einen uralten, aber fast vergessenen elsässischen) Weg, d.h. nahezu alle  Premier und Grand Crus stehen als Mischsatz im Weinberg. Das Ziel dabei ist, nicht die Aromen der  Rebsorten sollen die Typizität des Weines prägen, sondern das spezifische und großartige Terroir der einzelnen Cru-Lagen  soll den Ausdruck jedes einzelnen Weines bestimmen. Dazu verzichtet Jean-Michel Deiss auch auf die "Segnungen" der modernen Weinindustrie, d.h.  Pestizide im Weinberg  oder  Enzymzugaben bei der Weinbereitung sind ebenso verpönt wie das Chaptalisieren, man setzt vielmehr auf natürliche Hefen und biodynamischen Anbau.

Das Ergebnis sind großartige Weine, mit Eigenschaften wie:  Extraktreichtum, Terroircharakter, Mineralität, Langlebig-keit, Noblesse und Eleganz. Das Wort "Kultwein" geht mir persönlich äußerst schwer über die Lippen, aber trinkt man die Weine von Jean-Michel Deiss kommt es einem fast zwangsläufig in den Sinn. Unsere Verksotung wurde von einem charmanten, wie kompetenten Mitartbeiter der Domaine begleitet und wir hatten Gelegenheit alle aktuellen Wein zu verkosten. (12.09.2005)

Montag, 29.08.2005

1998 Cellers Fuentes Hernández - Gran Clos / Priorat

90 Punkte - Einer von den hochgelobten Priorat-Weine, die Mitte/Ende der 90er Jahre mit hohen Parker-Punkten und hohen Preisen in den Markt kamen. Der 98er Jahrgang vom Gran Clos ist sicherlich ein sehr guter Wein, doch kann er meiner Meinung nach nicht an seinen Bruder aus 1996 ranreichen und ist mit ca. Euro 35,- (aktuelle Jahrgänge ca. 45,-) auch recht teuer.

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Dienstag, 16.08.2005

1999 Domaine Aires Hautes, Minervois

85 Punkte - ein wunderbarer Wein für jeden Tag, der mal unter  Euro 7,- gekostet hat und der schon immer gut war, aber jetzt erst richtig Spaß macht. runder Ansatz, voller weicher dunkler Frucht, etwas Pflaume, süße Lakritze, etwas Kirsche und  süßliche Würze, eine Hauch Vanille. Runde, körnige Tannine bei mittlerem Körper, die Frucht am Gaumen ist vielschichtig und spiegelt sehr schön die Eindrücke von der Nase wider. Weicher, angenehm fruchtiger und anhaltender Abgang. Steht auch ohne Essen gut da !! Jetzt auf dem Höhepunkt - weitere 12-18 Monate perfekt.

Donnerstag, 11.08.2005

2003 Weingut Knebel -Winniger Uhlen Riesling Spätlese trocken

88 Punkte - im ersten Moment eine Nase von exotischen Früchten, mit zunehmender Belüftung deutlich wahrnehmbare Mineralik, ein Hauch von medizinalen Tönen. Im Mund geschmeidig, dichter Fruchtkern (gelbfruchtig), gute, angenehme Mineralik; aber um  groß zu sein, fehlt es dem Wein an Harmonie, gute Länge.

2004 Knebel Winninger Uhlen Riesling Spätlese trocken

91 Punkte - In der Nase erinnert er deutlich an einen Wachau-Riesling : sehr stoffig zeigt er seine Mineralik schon in der Nase, dichte Frucht; Noten, die an einen Korb mit frischem, knackigen Gemüse erinnern. Druckvoll

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2004 Weingut Fries - Winninger Uhlen Riesling trocken

88-89 Punkte - Sehr frische, augenblicklich noch leicht hefige Nase mit einer schönen, feinen Pfirsicharomatik und dezent kräuter-mineralischen Noten sowie Anklänge an erntefrische Äpfel. Korrespondierende Aromen am Gaumen, einer deutlichen Schiefermineralik, die ihm einen angenehme, zart salzig/bittere Note verleiht. Fester, schöner Abgang

2004 Carl Loewen - Leiwener Laurentiuslay Alte Reben Riesling trocken

87-(90?) Punkte - kräftige, dichte Nase, überwiegend gelbe Früchte; ähnliches Bild am Gaumen, recht fett; aber durch eine sehr gute Säure entsprechend abgefedert, saftig, intensiv mineralisch, aber auch viel Schmelz. Augenblicklich zeigt er einen  Mangel an Spiel und Komplexität, daher "nur" 87 Punkte, später mit Potential für 2-3 Punkte mehr.

Mittwoch, 10.08.2005

2001 / 2002 Weinhof Herrenberg (Loch) - Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr.5

84 Punkte (2001)
89 Punkte (2002)

2001: Goldgelbe Farbe, deutliche Botrytis, Noten von Trüffeln, Quitte,  ungewöhnliche Riesling-Nase, wirkt parfümiert -fast aufdringlich, flüchtige Säure. Am Gaumen sehr dicht und aromatisch, Litschi, dezent Rosenwasser, stoffig, schöne Viskosität, aber auch etwas scharf im Abgang. Riesling, der zur Diskussion anregt.

2002: Deutliche Steigerung;

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2001 / 2002 Weinhof Herrenberg (Loch) - Riesling Schodener Herrenberg Fass Nr.5

84 Punkte (2001)
89 Punkte (2002)

2001: Goldgelbe Farbe, deutliche Botrytis, Noten von Trüffeln, Quitte,  ungewöhnliche Riesling-Nase, wirkt parfümiert -fast aufdringlich, flüchtige Säure. Am Gaumen sehr dicht und aromatisch, Litschi, dezent Rosenwasser, stoffig, schöne Viskosität, aber auch etwas scharf im Abgang. Riesling, der zur Diskussion anregt.

2002: Deutliche Steigerung;

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Dienstag, 09.08.2005

2004 Emrich-Schönleber / Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken

91 Punkte - Glockenklar in allen Belangen präsentiert sich dieser Riesling für den anspruchsvollen Genießer. Blumige bzw. übermäßig fruchtbetonte, trockene Rieslinge waren noch die Handschrift von Emrich-Schönleber. So zeigt auch die 04er Ausgabe aus dem Frühlingsplätzchen ihre Größe

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2004 Weingut Markus Busch / Steillagenprojekt (MSR) Pündericher Marienburg (Probe 07.08.05)

84 Punkte - Reintönige Rieslingfrucht,  mit Zuckerschwänzchen, das aber durch eine feste Säure gut abgepuffert ist, Noten von Steinobst, guter Trinkfluß, schöner Riesling für jeden Tag (vorausgesetzt man mag nicht ganz trockene Weine).

Ein interesantes und wirklich sinnvolles Projekt, das das Weingut Busch verfolgt:

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Sonntag, 07.08.2005

1983 Dr. Crusius (Hans Crusius und Sohn) / Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Auslese trocken (Probe 13.06.05)

86 Punkte - Recht deutliche Firne, noch angenehme Petrolnoten, etwas Waldhonig; noch recht frisch am Gaumen,

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2003 Dr. Crusius / Traiser Rotenfels Riesling Kabinett trocken (Probe 13.06.05)

86 Punkte - Klarer, leicht würziger Rieslingduft, frisch und saftig, fester Biß,  recht

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2003 Dr. Crusius / Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken (Probe 13.06.05)

91 Punkte - viel Punkte für eine deutsche Riesling Spätlese aus 2003. Das Weingut Dr. Crusius ist seit vielen Jahren einer meiner Favoriten in Deutschland - beständig werden hier Jahr für Jahr hervorragende Weine erzeugt. Empfehlenswert auch die Erläuterungen zu "Krankheiten und Schädlingen im Weinberg" auf der webpage des Familienbetriebes Dr. Crusius. Zum Wein:

 

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Donnerstag, 04.08.2005

1988 Fattoria di Felsina / Vin Santo

98 Punkte  - Himmlischer Stoff, bereits mehrmals getrunken und immer wieder komme ich zu diesem Urteil.

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1988 Il Poggione / Brunello di Mantalcino

86 Punkte - Benötigt ein wenig Luft, dann Teernoten, ein wenig Stall, aber auch Lakritz

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1990 Schloss Reinhartshausen - Erbacher Hohenrain Riesling Spätlese

92 Punkte - Es ist immer wieder eine Freude gereifte Rieslinge vom Schloss Reinharts-hausen  zu trinken. Insbesondere der Umstand, dass in dem riesigen Keller noch viele dieser Gewächse darauf warten abgefüllt und verkauft zu werden, geben auch dem "Nichtsammler" eine Chance, zu sehen, wie schön Riesling & Co. reifen kann. Doch nun zum Wein:

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Dienstag, 02.08.2005

2004 Tiefenbrunner / Feldmarschall v. Fenner / Müller-Thurgau

90 Punkte - dieser von einem südtiroler Weinberg auf 1000 Metern ü.N. stammende Müller-Thurgau ist eine bench mark für jeden anderen Wein dieser Rebsorte. Die bis 17-jährigen Reben am  Fennberg, einem Sonnenfleck mit großer Tag-Nachtabsenkung bringen einen hellgelben Wein  mit leicht grünen Reflexen hervor. 

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1988 Fattoria di Felsina / Fontalloro

90 Punkte - Seit unserer vor 3 Jahren realisierten Vertikalverkostung aller Fontalloro-Jahrgänge erstmals wieder im Glas. Sehr dichte, fast schwarze Farbe mit nur leichten Aufhellungen am Rand ins Kaminrote ;

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Mittwoch, 27.07.2005

Michael Broadbent: Liebe im Weinberg

Bei einem Glas 04er Sauvignon Blanc von Brenneis-Koch schmökerte ich in "Meine Lieblingsweine" vom Grandseigneur des Weins: Michael Broadbent. In diesem Buch offentbart er seine große Liebe zum Wein, zu den Menschen und zur Weinkultur auf eine sehr persönliche Art. Dabei lebt das Buch nicht nur von dem unglaublichen Erfahrungsschatz und dem äußerst unterhaltsamen Erzählstil des langjährigen Direktors der Weinabteilung von Christie's, sondern der britische Humor und die Fähigkeit sich selbst dem Amüsement des Lesers auszusetzen, lassen es schwer fallen, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Eine echte Indiskretion in eigener Sache sind die Liebeserklärungen an die Mosel und seine Frau: "Es heißt, seine erste Liebe vergesse man nie. Ich bin überzeugt, dass dies stimmt. Als wir im Juni 1956 die Schönheit des Moseltals bestaunten und die hübschen Dörfer bewunderten, war das Wetter unvergesslich garstig: Es war bitterkalt und regnete Tag für Tag. (...) Unsere erste Reise an die Mosel, eine wahre Moselfahrt für Frischvermählte, unternahmen wir auf einem Motorroller: die ganze Strecke von London bis Trier und flußabwärts bis nach Koblenz auf einer 'Vespa'. (...) Als ehemaliger Architekturstudent war ich bezaubert von den Weindörfern, den engen Gassen, den gemütlichen Fachwerkhäusern und ihren Kellern. Wir wohnten beinahe zwei Wochen in einem bescheidenen Hotel (...). In jenen jungen Tagen unserer Ehe war es mein Ehrgeiz, dass wir uns in jedem berühmten Weinberg der Welt liebten.  Einer der ersten lag praktischerweise ganz nahe bei unserem Hotel in Bernkastel: der berühmte Doktor. - War der Boden schlammig in jeme nassen Juni!"

Wenn man so bodenverhaftet  ist, sollte es fast ein Automatismus sein,  dass man die Besonderheiten der einzelnen Lagen kennt - oder ???? Ich verstehe die Weine des Doktors noch nicht ;-)))))

Freitag, 15.07.2005

1990 Schloss Reinhartshausen Erbacher Hohenrain Riesling Kabinett trocken

84 Punkte - Schloss Reinhartshausen besitzt einen Schatz an alten Weinen im Keller, teilweise noch im Faß. So habe ich diesen Kabinett erst im letzten Jahr ab Hof gekauft. Schönes, sehr klares

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Donnerstag, 07.07.2005

2000 Horst Sauer Escherndorfer Lump Silvaner Auslese / Franken

92 Punkte für eine richtig schöne Auslese aus dem Milleniumjahr vom Süßweinspezialisten aus Franken. Der Lump fließt mit einem strahlenden goldgelb ins Glas;

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Mittwoch, 06.07.2005

1996 Dal Forno - Valpolicella Superiore / Venetien

93 Punkte - Unglaublich !! Vor ca. 4 Jahren schon mit Begeisterung getrunken. Letzte Woche eine Flasche im Keller als positive Inventurdiffernz "gefunden" und gestern dann die Flasche mit ein wenig Bauchgrummeln (sind 9 Jahre für einen Valpolicella nicht zuviel) geöffnet:

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Dienstag, 05.07.2005

2003 Venica Venica - Ronco delle Cime / Tocai Friulano

85 Punkte - Die 2003er Ausgabe des Tocai Friulano aus der Top-Linie von Venica Venica ist dicht und extraktreich mit Noten von weißen und gelben Blüten, im Mund jedoch ein wenig fruchtarm, Bittermandel, eher würzig. Der Tocai ist grundsätzlich

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Montag, 04.07.2005

2002 Az. Ag. Oasi Degli Angeli - Kurni / Marche IGT (MARKEN-Probe)

93 Punkte - Dieser aus 100% Montepulciano von mindestens 35 Jahre alten Reben bestehende Wein ist seit seiner Erstauflage einer meiner liebsten Weine aus Italien. Da die produzierte Flaschenzahl von jährlich ca. 3.000 Flaschen nicht wesentlich wächst, ist es schwierig dieses Weines habhaft zu werden. Produziert wird er von Marco Casolanetti and Eleonora Rossi unter der Anleitung Giovanni Basso als beratendem Önologen. Ein paar mehr Details gibt es unter http://www.vinitywinecompany.com/Producers/Oasi.htm  Doch nun zum Wein selbst:

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Freitag, 01.07.2005

1999 Umani Ronchi - Pelago / Marche IGT (MARKEN-Probe)

89 Punkte - Der Pelago gehört bei Umani Ronchi zur Spitze seines Sortiments. Die 1999er Version besitzt viel Frucht (Kirschen, rote Beeren),

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2002 Az. Ag. Marchetti - Villa Bonomi / Rosso Conero Riserva (MARKEN-Probe)

90 Punkte - Dieser reine Montepulciano wird ausgebaut zu 65% in 2000-4000 Liter großen Fässern und nur 35% kommt in barriques aus franz. Eiche. Bei der ersten Nase aus dem Glas nimmt man animalische Noten war, die aber sehr schnell der schönen, dichten und tiefen Frucht weichen. Eingelegte

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2002 Az. Vitivinicola Ercole Velenosi - LUDI / Marche IGT (MARKEN-Probe)

86 Punkte - Der im Gambero Rosso mit 2 roten Gläsern ausgezeichnete Ludi ist für mich ein sehr gut gemachter Wein und ein Musterexemplar dafür, wie man einen internationalen Wein "macht". Zu Gute halten muß man dem Wein, der aus 60% Montepulciano sowie 40% Cabernet Sauvignon und Merlot besteht, das er seine Herkunft nicht total verleugnet. Von dem zur Uniformierung neigenden internationalen Stil abgesehen, ist der Wein handwerklich sehr gut -

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2001 Ciù Ciù - Gotico / Rosso Piceno Superiore (MARKEN-Probe)

83 Punkte - Tschu Tschu spricht man den Namen der Kellerei von Natalino und Anna Maria Bartolomei und ihren Söhnen Massimiliano und Walter. Der Gotico besteht aus Sangiovese und Montepulciano, den beiden typischen Rebsorten für die DOC Rosso Piceno. Die Nase ist etwas verschlossen als er ins Glas strömt -

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Donnerstag, 30.06.2005

2001 Umani Ronchi - Plenio / Verdicchio dei Castelli di Jesi Riserva (MARKEN-Probe)

89 Punkte - Umani Ronchi ist einer der Pioniere für den Qulitätsweinbau der Marken, vom einfachen Brot und Butter - Wein bis zur Spitze seines Sortiments setzen die Weine bis heute Maßstäbe in der Qualität. Nachdem die Region - ähnlich dem Chianti aus der Bastflasche - ein qualitätsmäßiges Desaster beim Verdicchio aus den berühmten Amphorenflaschen erlebt hat, war es ein langer Wein weg vom Image eines Mengener-zeugers mit mittelmäßigen bis schlechten Qualitäten, hin zu einem positiven Image für Qualitätswein.

Der 2001er Plenio ist im ersten Moment etwas verhalten für einen Verdicchio, doch mit etwas Luft und nicht zu kalt getrunken, entfaltet sich der Wein auf vielschichtitge und nachhaltige Art:

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2002 Maria Pia Castelli - Stella Flora - Marken IGT (MARKEN-Probe)

88 Punkte - Dieser außergewöhnliche Wein aus einem kleinen, aber sehr ambitionierten Weingut  zeigt wie groß die Welt des Weins wirklich ist. Der Wein wird gemacht aus Verdicchio, Passerina und Pecorino (nein, es ist kein Käse im Wein ;-)) Die strahlende Farbe 

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2001 Fattoria Coroncino - GAIOSPINO / Verdicchio dei Castelli di Jesi DOCG (MARKEN-Probe)

88 Punkte - Für mich das Beispiel eines wirklich guten Verdicchios. Dieser Wein aus einer kleinen Fattoria unweit der Stadt Ancona, im Herzen der DOCG Castelli di Jesi. Reintönig

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2000 + 2001 Podium von Garofoli / Verdicchio dei Castelli di Jesi DOC (MARKEN-Probe)

81 Punkte - Der 2000er Podium hat seine beste Zeit schon hinter sich. In der Nase erinnert er an feuchte Kellerwände und nasse Wolle.

84 Punkte - Der 2001 ist deutlich besser, wenn ihm auch die Klasse fehlt, die ich eigentlich von diesem Wein aus vielen Jahren kenne. Zugegeben, normalerweise trinke ich den Wein deutlich jünger, hier liegt wahrscheinlich auch die Abweichung in der Qualität. Verdicchio ist eine früh zu trinkende Rebsorte, dies gilt offesichtlich auch für die besten Vertreter.

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2003 Fattoria la Monacesca Verdicchio di Matelica (MARKEN-Probe)

83 Punkte - Dieser aus der weniger bekannte DOC Verdicchio di Matelica stammende 100&ige Verdicchio ist ein dichter, üppiger

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Montag, 27.06.2005

2003 Chateau de Nages - Reserve /Costieres de Nimes/Frankreich

84 Punkte - Diesem im HACHETTE Weinführer mit drei Sternen und durch die Abbildung des Etikettes als "Lieblingswein" höchst dekorierte Wein (70% Grenache und 30% Syrah) kann ich nichts Großes abgewinnen.

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Dienstag, 14.06.2005

2000 Kellerei St. Magdalena - Pinot Nero Riserva Sandlahner - Südtirol

84 Punkte - Ein guter, sauberer Pinot, der aktuell schön zu trinken ist. Eine duftige Nase nach Pinotfrucht und vielen Noten aus dem Holz, rotbeerig, Sandelholz, etwas Vanille, etwas Tabak. Am Gaumen ein schönes Tannin, eine gute Säure, eine

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Sonntag, 12.06.2005

2003 Hollerith Chardonnay Maikammer Heiligenberg Spätlese trocken, Pfalz

84 Punkte - Diese Spätlese habe ich Anfang des Jahres auf einer Weinmesse in Hamburg erstmals getrunken und war sehr positiv überrascht - insbesondere die Frische dieses Pfälzer Chardonnays hat mich begeistert. Inzwischen muß ich mein Urteil leicht relativieren,

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Samstag, 28.05.2005

Riesling 2002 at it's best !? - Jahrgangsprobe bei Ole -

Mega-interessante Probe gestern bei Ole - Danke Ole !!
15 deutsche Top-Rieslinge des Jahrgangs 2002 standen an zum Verkosten. Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten. Für mich aktuell ohne Wertung blieb der Schlossberg von Breuer, der Wein ist so etwas von zu, dass man glaubt, er existiert gar nicht, ich würde ihn vor 3-4 Jahren nicht wieder anfassen. Letztlich ging es uns allen ähnlich, man sucht, ahnt, schmeckt die mineralischen Ansätze - auch die große Klasse dieser Weine, aber sprechen - wirklich sprechen, sich offenbaren, das wollen sie  nicht. Besonders schwer hatte es auch der barrique-Riesling von Molitor, hier ist echte Klasse im Glas, aber das Holz ist aktuell so unbarmherzig, dass in diesem Wein alles nebeneinander zu stehen scheint. Große Anlagen! Bin gespannt, wie sich dieser barrique-Riesling in 5-6 Jahren präsentiert. Mein Fazit: Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten. 2002 bringt wirklich große, sehr langlebige Weine hervor, die aber noch Zeit zur Reife benötigen.

1) 2002 Schloß Neuweier: Neuw. Mauerberg Goldenes Loch Spätl. tr. 12,5%
2) 2002 Horst Sauer: Escherndorfer Lump Auslese tr.  13,5%
3) 2002 Christmann: Mandelgarten Gimmeldingen Spätlese tr. GG 13%
4) 2002 Josef Leitz: Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese tr. 12%
5) 2002 Georg Breuer: Rüdesheimer Berg Schlossberg tr. 12,5%
6) 2002 Peter Jakob Kühn: Oestrich Doosberg  Erstes Gewächs 12,5%
7) 2002 Koehler-Ruprecht: Kallstadter Saumagen Auslese tr. 13%
8) 2002 Heymann-Löwenstein: Winniger Uhlen Blauflüsser Lay (1.Lage) 13%
9) 2002 Van Volxem: Wiltinger Braunfels Vols 12,5%
10) 2002 Wittmann: Westhofen Morstein Großes Gewächs 13%
11) 2002 von Othegraven: Kanzemer Altenberg Erste Lage 11%
12) 2002 Markus Molitor: Zeltinger Sonnenuhr ** Auslese tr. 12,5%
13) 2002 Andreas Laible: Durbacher Plauelrain "Achat" Stätlese tr. 13%
14) 2002 Rebholz: Birkweiler Kastanienbusch Spätlese tr. 12,5%
15) 2002 Emrich-Schönleber: Monzinger Halenberg Auslese tr. 12,5%

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Dienstag, 24.05.2005

2000 Domaine du Clos des Fees - Vieilles Vignes - Cotes du Roussillon

92 Punkte - Die Domaine des Clos des Fees ist der logische Schritt eines erfolgreichen Sommerliers, Restaurant-Besitzers, Essen- und Weinjournalisten. Nein, nicht vier Personen sind an diesem Mitte der 90er Jahre gestarteten Projekt beteiligt, sondern Hervé Bizeul hat sich hier allein mit seiner Frau verwirklicht. Die Webseite (siehe unten) ist sehenswert und der Weinblog von Hervé ist - wenn man im Gegensatz zu mir, des Französischen mächtig - sicherlich lesenswert. Zum Wein: Diese überaus interessante Cuvee aus

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Montag, 23.05.2005

1995 Veenwouden Classic - Südafrika

91 Punkte - Seit 1993 produziert die Familie van der Walt im nördlichen Teil der Region Paarl Wein auf sehr hohem Niveau. Ich glaube, es gibt wenige, die den beiden Brüdern das Wasser reichen können: Deon ist ausgebildeter Meister-Tenor und sein Bruder Marcel hat eine Golf-Profi-Karriere abgebrochen, um Wein zu produzieren. Marcel ist heute für die Weine verantwortlich, er ist zwar kein ausgebildeter Weinmacher, aber sein Handwerk hat er auf Ch. Le Bon Pasteur gelernt. Der

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Sonntag, 22.05.2005

1995 Chateau Beychevelle (St. Julien)

85 Punkte - Nach dem Öffnen immer noch sehr vom Holz 

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Samstag, 21.05.2005

2001 Recher Herrenberg Spätburgunder Auslese JS trocken ***

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05) 
91 Punkte - Ein Spätburgunder, wie er sein sollte. Dichte, feine Nase von Beeren, Kirschen und ein Hauch von Port, sehr vielschichtig, elegant.

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Donnerstag, 19.05.2005

2004 Domaine Piron & Lafont - Chenas Quartz - Beaujolais

90 Punkte - Dieser wirklich außergewöhnliche Beaujolais ist das Werk zweier Freunde. Die Pirons betreiben neben dem Weinbau auch  ein kleines Restaurant in der Region, während  Freund Jean Marc Lafont aus Brouilly mit seiner Frau Annick sich seit 1985 voll und ganz dem Weinbau (Domaine de Bel Air) verschrieben hat. Der Name ist hier Programm. Der im Jahrgang 2003

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Dienstag, 17.05.2005

2003 J.J. Adeneuer - Spätburgunder Auslese tr. No.1 - Ahr

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05) 

Was Emrich-Schönleber bei Weiß an der Nahe, das ist Adeneuer bei Rot an der Ahr !? Etwas gewagt der Vergleich, aber beide Weingüter sind befreundet und vermarkten ihre Weine gegenseitig.

89-90 Punkte - (Alc 14,3 ; Rz 2,8 ; S 4,6) Schöne, recht tiefe und fest gewirkte Nase nach roter Beerenfrucht, etwas rauchig,

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2001 Morgante - Don Antonio, Sizilien

91 Punkte - Dieser Nero d'Avolo aus Sizilien ist in allen bislang von mir verkosteten Jahren immer ein großes Vergnügen gewesen, auch oder  gerade weil ich ihn für ein echtes Rauhbein mit weichem Kern halte - so auch wieder in 2001:

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Montag, 16.05.2005

2001 Karl Haidle Spätburgunder Trocken Barrique

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05) 
92 Punkte - Nach ca. 2 Stunden in der Karaffe verströmt dieser Spätburgunder Qualitätswein einen zart rauchigen Duft; Noten von Graphit, schwarzem Pfeffer und dunklem Steinobst.

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Sonntag, 15.05.2005

2002 Domaine Hubert Lignier Morey-St-Denis Premier Cru Vieilles Vignes

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05) 
93 Punkte  - Auch Hubert Lignier und sein Sohn Roman füllen unter der Bezeichnung "Morey-St-Denis Premier Cru" ab. Die einzelnen Premier Cru Lagen, von denen Morey 20 hat, sind weitgehend unbekannt. Dieser Wein aus über 50 Jahre alten

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2000 Domaine Jacqueson Rully Premier Cru - Les Cloux

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05)
84 Punkte  - Südlich an die Côte d'Or schließt sich die Côte Chalonnaise an. In der Appelation Rully erzeugt man etwas mehr Rot- als Weißwein.

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2002 Vincent Sauvestre Savigny-les-Beaune Premier Cru Les Peuillets

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05)
82 Punkte - Der Ort Savigny-les-Beaune, nordwestlich von Beaune gelegen, besitzt 18 Premier Cru Lagen. Les Peuillets ist eine der flachsten Lagen mit recht schweren und teilweise recht feuchten Böden.

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2003 Weingut Ziereisen - Spätburgunder TS (=Tschuppen?)

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05) 
77 Punkte - Dieser Wein war der erste in unserer Runde. 

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1999 Koehler-Rubrecht Pinot Noir Philippi

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05)
84 Punkte - Der "Philippi" ist, neben "Philippi R / RR", der einfachste von drei Pinot Noirs aus dem Hause Koehler-Rubrecht im Jahr 1999.  

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2000 Karl J. Johner - Blauer Spätburgunder SJ

Hamburger Wein talk live im San Michele (11.05.05)
81 Punkte - Zu Beginn ein recht deutlicher Stallgeruch, etwas krautige Aromen, Brotkruste, hinter diesem recht merkwürdigem Duftschleier auch Noten von schwarzen Beeren, recht kühl, dicht,

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Montag, 09.05.2005

2000 Fattoria Le Pupille - Poggio Valente

85 Punkte - Dichte Farbe, ungewöhnlich strenge Frucht; in ein Korsett aus Tannin und Holz ist dieser Morellino di Scansano (aus der sehr guten einzellage Poggio Valente) eingezwängt - wo ist die Lebendigkeit und unbekümmerte Verspieltheit dieses Weines, die ich in anderen Jahrgängen so schätze.

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Samstag, 07.05.2005

1996 Chateau Durfort-Vivens 2er GCC Margaux

85 - Punkte - Chateau Durfort-Vivens www.durfort-vivens.com ist im Besitz der Lurton-Familie. Während Gonzaque im Jahr 1992 Chateau Durfort-Vivens übernahm, übertrug der Lucien Lurton, Vater der beiden Brüder Chateau Brane Cantenac an Henri.

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2001 Erbhof Unterganzner - Josephus Mayr Lamarein

97 Punkte - Bester Rotwein Italiens - dieses Prädikat hat Luca Maroni dem 2001 Lamarein vom Erbhof Unterganzner aus Kardaun/Bozen in seiner Ausgabe 2004 verpasst. Der Gambero Rosso (Ausgabe 2004, S.262)

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2001 Erbhof Unterganzner - Josephus Mayr Composition Reif

92 Punkte - Dunkler, fast schwarzer Wein mit seidigem Glanz. Diese Cuvee aus Cabernet Sauvignon und Lagrein offenbart einen tiefen Duft von dunklen Waldbeeren, süßer Lakritze sowie kräutrige Noten, Veilchen und Tabak.

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Freitag, 06.05.2005

2002 Geoerg Mosbacher Riesling Spätlese Ungeheuer Forst Großes Gewächs


92 Punkte - Dieser Wein (www.georg-mosbacher.de) spielt seine Kraft und Dichte schon in der Nase aus, er packt zu und umschmeichelt sie mit diversen Citrusfruchtaromen sowie einem dezenten Duft von getrockenten Kräutern. Die später am Gaumen so nachhaltig und tiefe Mineralik ist  in der Nase schon gut wahrnehmbar. Sehr dicht und nachhaltig auch am Gaumen, fester Körper, sehr gute Struktur, lebendige Säure -kurz: Saft, Kraft, Säure und Mineralik bestimmen diesen in sich schlüssigen Wein, der lang auf Citrusaromen und einer vibrierenden Mineralik endet.

Weinland Mövenpick www.moevenpick-weinland Euro 20,-

Montag, 02.05.2005

2002 Robert Weil Riesling Kiedrich Gräfenberg Erstes Gewächs

Helles Grüngelb; die Nase entfaltet sich nach ca. einer halben Stunde und offeriert feine Citrusaromen, ein wenig Feuerstein, recht frisch. Der Gaumen und der Rachen werden nach dem ersten Schluck mit einer lebendigen Säure belegt; saftig, extraktreich und frisch ist wohl die richtige Beschreibung für diesen Riesling, er entfaltet  Druck am Gaumen, besitzt eine schöne Mineralität (etwas salzig) und hat einen guten Biß. Insgesamt ist der Wein überraschend gut, extraktreich, saftig, trotzdem frisch und Energie geladen, endet recht lang auf Frucht und Mineralität.  89 Punkte (nach 88 im Gault Millau und 83 Punkten bei Wein-Plus hatte ich schlimmeres befürchtet)

Robert Weil www.weingut-robert-weil.com gekauft über www.ebay.de - ab Weingut ca. Euro 27,-

2003 Chateau Mourgues du Gres - Capitelles des Mourgues

92-93  Punkte - Dieser Wein vom Chateau Mourgues du Gres  (www.mourguesdugres.fr)  aus der Region Costières de Nîmes offeriert eine fast undurchdringliche rot-schwarze Farbe; die Nase ist tief, schwarz, kühl und dunkel. Aromen von Baumrinde, Tabak, Lakritz dominieren, auch Cassis-und Brombeergelee.

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Einleitung

Wein ist meine liebste Beschäftigung - ihre auch ??

Durch den Wein habe ich viele freundliche und interessante Menschen kennengelernt, einige davon darf ich heute zu meinen Freunden zählen.

Ich bin kein Profi, sondern leidenschaftlicher Amateur, der gerne über Wein, Winzer, Ausbaumethoden, Geschmack, Lust am Genuß spricht, diskutiert und philosophiert. In diesem Sinne habe ich auch meinen Blogg gestartet, hier schreibe ich zukünftig über meine Erlebnisse mit und rund um den Wein.

Es ist jeder herzlich eingeladen, mitzumachen, zu schreiben, zu mailen, zu bloggen oder einfach Kontakt mit mir aufzunehmen, um gemeinsam ein Gläschen zu trinken.

Grüsse aus Hamburg

Michael Quentel

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