Montag, 30.01.2012
2005 Spätburgunder Devonschiefer, Weingut Kreuzberg - Ahr
87 Punkte - Ich bin während meiner Düsseldorfer Zeit immer wieder gerne zu den Kreuzbergs an die Ahr gefahren. Ein herrlich unkompliziertes Weingut im Umgang mit seinen Gästen (Burschenschank) und Weinkäufern. Vom Devonschiefer ist es leider die letzte Flasche, aber:
Auch in 2012 noch herrlich zu trinken, ich würde sagen, dass er erst jetzt in seine Genussphase kommt. In der Nase rauchig, ein Touch von Speck, recht würziger Duft. Das große Bordeauxglas von Zalto füllt er schön aus. Am Gaumen kühl und mineralisch, dazu gesellt sich eine schöne Frucht,die an Kirschen, Hagebutten und andere rote Früchte erinnert. Der rauchig, speckige Touch aus dem Holz steht leider etwas vor, vielleicht hätte ein etwas geringeres Toasting des Fasses dem Wein nicht geschadet. Ordentliche Länge.
Für mich der richtige Wein zu später Stunde, nicht so mächtig, aber gut strukturiert und mit Druck. So läßt sich an Teil 2 & 3 der großen big five - Verkostung gut arbeiten. Die Gedanken sind zwar bei Chateau Latour und Margaux, aber die Zunge freut sich enorm über diesen schönen dt. Spätburgunder.
Montag, 02.01.2012
2003 Château Leoville Barton - St.Julien
96 Punkte - Lange Jahre war Anthony Barton, Eigentümer des Weinguts Leoville Barton, für mich so etwas wie die Garantie, dass klassische Werte im neuen Zeitalter des Bordeaux-Monopoly nicht untergehen. Beim Stil seiner Weine wird das jedes Jahr aufs Neue deutlich, bei den Preisen ist er wohl spätestens mit dem Jahrgang 2010 – zumindest partiell - den Verlockungen des Marktes erlegen. Der 2003er ist für mich noch so etwas wie der Preis-Leistungs-Sieger in seinem Jahrgang.
Der 2003er Léoville Barton verbindet Saft, Kraft mit aromatischer Tiefe und Eleganz nahezu vorbildlich. Die Nase ist aromatisch dicht, vielschichtig, dunkelbeerige Aromen, Kohle, Waldboden, Cassiscreme, dazu Anklänge an Leder und feinen Tabak. Am Gaumen bestens strukturiert: viel vollreifes und edles Tannin, druckvoll und sehr tief. Die Aromatik kann man als eher dunkel und maskulin umschreiben, wobei die feinsaftige Frucht viel Druck entfaltet und der ausgesprochen gelungene Holzeinsatz einen tollen Rahmen um dieses schöne Kunstwerk bildet. Der Wein ist jetzt in einem ersten Trinkfenster, wobei er sicherlich an Differenziertheit und Eleganz noch eine Spur zulegen kann. Mein Tipp auch hier: eine Flasche jetzt verkosten und dann selbst entscheiden, ob man liegen lässt oder den jugendlichen Verlockungen erliegt.
2003 Château Leoville Las Cases - St. Julien
90 Punkte - Leoville Las Cases gehört nicht nur für mich zu den Klassikern im Bordeaux. Entsprechend sind auch die Preise. Diese 2003er Ausgabe ist jedoch eher ein Neue Welt Wein als ein klassischer 2ème Grand Cru. Die Cuvee, bestehend aus ca. 70% Cabernet Sauvignon, 17% Merlot und 13% Cabernet Franc ist ein erstaunliches Ergebnis in vielerlei Hinsicht. Trotz des Hitzejahrgangs hat der Wein (vgl. Robert Parker) mit 13,2% Alkohol weniger Umdrehungen als der Jahrgang 2002, der bekanntlich einen eher durchschnittlichen Witterungsverlauf aufwies. In der Nase dominieren Aromen von dunklen Beeren und Pflaumen, kombiniert mit einer leicht laktischen Note, man könnte auch von Waldbeeren in Joghurt sprechen. Am Gaumen recht saftig, deutliche Extraktsüße; runde und eher weiche Tannine; sehr dicht; kräftiger Körper mit weicher Oberfläche. Trotz aller Süße und Saftigkeit kann man nicht von einem fetten oder gar überextrahierten Wein sprechen. Der Wein wirkt auf mich irgendwie geschminkt, aber es ist keine dralle Lady, die zu viel Speck auf den Rippen hat, und trotzdem empfinde ich einen Mangel an Struktur und Definition. Der 2003er Leoville Las Cases wird trotzdem seine Liebhaber finden, denn er ist einfach zu verstehen und auf Grund seiner fruchtigen Süße, seiner hinreichend aufgelegten Schminke (und nicht jeder empfindet eine "falsch" gewählte Farbzusammenstellung so wie ich), ist er vielleicht sogar „mehrheitsfähig“. Ich weiß nicht, was hier im Keller gemacht wurde, aber dieser Wein ist für mich ein Produkt der Kellertechnik, ihm mangelt es an Ursprünglichkeit, Individualität und der femininen Eleganz, die ich bei großen Leoville Las Cases Weinen häufig empfinde. Ich bin gespannt, wie sich dieser Wein entwickeln wird, seinen ursprünglichen Subskriptionspreis von ca. € 145,- kann ich genauso wenig verstehen wie den Winespectator, der ihm 97 Punkte zuspricht. Selbst der Beschreibung von Parker (der ihn immerhin von 94-96 auf 93 Punkte abgewertet hat), kann ich nicht zustimmen, denn er ordnet ihn immer noch unter den besten Weinen des Jahrgangs ein.
Donnerstag, 29.12.2011
2003 Chateau Duhart-Milon Rothschild – Pauillac
94 Punkte - Einen wunderbaren Auftakt bildete an diesem Abend der 2003 Duhart-Milon Rothschild. Duhart-Milon gehört heute zum Imperium der Domaines de Barons Rothschild und segelt aktuell im Windschatten des großen Bruders Lafite Rothschild sehr erfolgreich auf der Welle des wirtschaftlichen Erfolgs mit. Eigentlich hat man bei Duhart-Milon den Windschatten nicht nötig, denn das, was da im Glas war, ist richtig toller Stoff – klassisch und sehr genussreich.
Bis zum Jahr 1962 war Château Duhart-Milon - seit über 100 Jahren – im Eigentum der Familie Castéja. Mehrere Erbteilungen führten bis dato zu einer Aufsplitterung der Weinberge und zu einem Qualitätsverlust bei den Kellerergebnissen. Als die Rothschilds das Chateau im Jahr 1962 aufkauften, umfasste das Gut nur noch 17 Hektar. Man beschloss umfangreiche Investitionen, die Château Duhart-Milon wieder zu seiner alten Größe verhelfen sollten. Die Weinstöcke wurden in 1963 fast vollständig erneuert, dazu kamen neue Weinlager und Gärkeller in Pauillac.
Es ist für mich immer schwierig, wenn mich jemand fragt: Was ist ein klassischer Bordeaux oder noch schlimmer, was ist ein klassischer Pauillac? – jetzt habe ich eine Antwort: „Trink einen Schluck Duhart-Milon Rothschild 2003!!“ Wie ich auf der Webpage von Barons de Rothschild jedoch feststellen musste, hatten diese Idee jedoch schon andere vor mir: „Der Grand Vin des Château Duhart-Milon wird oft als klassisches Beispiel der Herkunftsbezeichnung Pauillac bezeichnet. Er zeugt von einer „zurückhaltenden Vornehmheit und von großem Raffinement“, so die Beurteilung des Agenten Abraham Lawton, der dem Wein im Jahre 1815 „eine große Bestimmtheit und einen ziemlich ausgeprägten Saft“ bescheinigt. (Der „Saft“ der Premiers Crus des Médoc wird auf schöne Weise mit dem Geruch verglichen, „der sich im Raum verbreitet, wenn man einen Siegellack erster Güte verbrennt.“)“ – Wie toll, dass diese Einschätzung fast 200 Jahre später immer noch ihr Gültigkeit hat.
Also - was hatten wir nun im Glas? Einen Wein, dessen Nase so betörend ist, dass es einem schwer fällt, das Glas abzusetzen. Herrliche „Bordeauxnase“, Aromen feinsten Tabaks, Mokka und getrocknete Kräuter. Dazu passen die Eindrücke von Leder, Paprika und Lakritze. Die ausdrucksvolle, feine Frucht verbindet sich mit den ätherischen Aromen und die feinen, weichen Tannine bilden ein hervorragendes Rückgrat für diesen bestens strukturierten, ausgewogenen und jetzt schon eleganten Bordeaux. Die feine Fruchtsüße wirkt – trotz einer auf Grund des Jahrgangs eher geringen Säure – fein und zieht sich durch bis in den schönen, ausgewogenen und langen Abgang. Insgesamt ein klassischer Bordeaux aus einem Jahrgang, der auf Grund seiner sommerlichen Hitze – häufig vollkommen zu Unrecht – mit „Trinkmarmelade“ gleichgesetzt wird. Aktuell ein wirklicher Trinkgenuss, Eile bedarf es jedoch keiner. Wer nur eine Flasche im Keller hat, sollte sie jetzt trinken. Warum? Jetzt kann man noch nachkaufen ;-) Wehmutstropfen dabei sind die davon gelaufenen Preise. In der Subskription mal für ca. Euro 25,- zu haben, dürfte es jetzt schwierig werden, ihn im Handel für unter Euro 100,- zu bekommen. Etwas günstiger vielleicht auf Auktionen.
So und So – kleine Bordeauxprobe 2003
In der Vorweihnachtszeit waren liebe Freunde zu Gast und der Abend war in Sachen Kulinarik „So und So“ – meine Küchenleistung kann ich wohl bei der Vorspeise noch als gut bezeichnen, aber beim geschmorten Ochsenschwanz wollte ich lieber in den Keller gehen, um das Ergebnis nicht länger mitansehen zu müssen. Die Schmorsoße, fruchtig mit Cranberries abgeschmeckt noch lecker, aber das Fleisch war weit davon entfernt „mürbe“ zu sein. Der gespendete Trost meiner Gäste half mir nur bedingt - ich glaube, jeder, der gerne in der Küche steht, wird das verstehen.
Aber auch beim Wein: So und So - ein gemischtes Bild. Thema des Abends war eine kleine Auswahl von Bordeauxweinen aus dem Hitzejahr 2003. Zwei Weine konnten klar mit den Vorurteilen aufräumen, dass in 2003 nur früh reifende Weine entstanden sind, die ein Mangel an Struktur und Eleganz auszeichnet. Andererseits gab es mit dem in der Subskription hochgelobten 2003 Château Leoville Las Cases auch genügend Diskussionsstoff. Die Weine:
2003 Château Duhart-Milon Rothschild
2003 Château Leoville Las Cases
2003 Château Leoville Barton
2003 Château Phélan Ségur
Samstag, 17.12.2011
BIG FIVE – Nashorn und Mouton (Teil 2)
2004 Chateau Mouton Rothschild
92 Punkte - Das ist ein Mouton!? Ein junger Pauillac und so fruchtbetont, weich und mit seidener Oberfläche; auf mich wirkt der Wein eher wie ein sonnengereifter US-Bordeaux-blend a la Opus One. Diese Bemerkung bitte richtig verstehen, als Beschreibung, nicht als Kritik. Ich mochte diesen hedonistischen Stoff, den man etwas verkürzt so beschreiben kann: fruchtig, tief, dunkel und weich. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Frucht ist nicht nur dicht, sie ist überaus komplex und hat viele Facetten, da findet man Kirschen, rote Grütze, Pflaumen, aufregende Gewürze, wie Zimt, Nelken und einen Hauch von Orient. Die Anklänge an Kakao, verbunden mit einer schönen Extraktsüße haben mich wohl bewogen auf meinem Verkostungszettel "milky way“ zu notieren. Die fruchtige Kraft und Konzentration sind wirklich gut gemacht und bemerkenswert, denn der Wein wirkt trotzdem kühl, edel und elegant. Die Tannine haben einerseits eine schmeichelnde, weiche Oberfläche, aber andererseits durchaus Kraft und sind strukturgebend. Wer Parkers Notiz aus 2007 liest, muss annehmen, dass die Tannine einmal deutlich(!) heftiger wahrgenommen wurden, denn er attestiert dem 2004er Mouton eine: „impressive concentration, and a primordial backwardness that will require 10-15 years of cellaring, (…) but the biting tannins will preclude any enjoyable consumption over the next decade. Anticipated maturity: 2020-2035” Aus meiner Sicht ist der Wein jetzt in einer ersten, schönen Genussphase, über seine Zukunft zu spekulieren ist aber schwierig, dennoch sollten die nächsten 15-20 Jahre kein Problem sein.
1983 Chateau Mouton Rothschild
84 Punkte - Die Notiz zu diesem Wein fällt etwas kürzer aus, denn ich glaube, dass die Flasche einen Vorbesitzer hatte, der sie falsch gelagert hat. Tiefer, dunkelroter Farbkern. Am Gaumen eine Mischung aus Sylvesterkracher (Schießpulver), Liebstöckel, Sauerkraut und Molke. Am Gaumen gewisse malzige Süße, die Säure steht dagegen etwas außen vor, wirkt sehr reif. Malz, Sojasoße, deutliche Tertiäraromatik. Nach kurzer Zeit im Glas fällt der 83 Mouton ziemlich schnell in sich zusammen.
1998 Chateau Mouton Rothschild
96 Punkte - Für mich der einzig große Mouton an diesem Abend. Der Wein zeichnet sich durch eine sehr tiefe, edle und genießerische Aromatik in Nase und Mund aus. Reich, fest gebaut, hervorragend strukturiert und mit aromatischer Tiefe und Vielfalt drückt sich dieser tolle Bordeaux an den Gaumen. Saftige und konzentrierte dunkle Frucht; Duft von dunkler Schokolade, Cohiba-Zigarren, Lakritze, Espresso-Bohnen, Cassis sowie einem Hauch von Minze. Auffallend schön auch die feinsandigen Tannine, die komplexe Art und die tolle Länge des Weins. Ein Beau, der noch viele Jahre nachhaltig Freude und Genuss bereiten wird. Wer einmal Mouton Rothschild kennenlernen möchte ist mit diesem Jahrgang sicherlich gut bedient, denn Euro 300,- sind sehr, sehr viel Geld, aber man bekommt einen großen, klassischen Pauillac, der immer noch deutlich günstiger ist als Flaschen aus aktuellen Jahrgängen, bei denen man nicht nur Zeit mitbringen muss, sondern auch eine gewisse Portion Unsicherheit in den Keller einlagert.
1979 Chateau Mouton Rothschild
91 Punkte - Die letzte Benotung von Robert Parker im Jahr 1998 mit 76 Punkten ist vernichtend für einen Premier Grand Cru Classé. Er schrieb in der 3.Ausgabe seines Bordeaux-Führers: „It is a high acid Mouton that has always been austere. (…) It is the tannin, acidity, alcohol, and wood that make up much of the uninspiring aromatics and flavors. The 1979 Mouton is an uninteresting wine that has no place to go.” Auch ansonsten ist der Jahrgang 1979 nicht gerade als Riesenjahr bekannt; Achim Becker (www.weinterminator.de) schreibt z.B. „Wer Weine aus 1979 sucht, muss dreimal hingucken. Zu heterogen war das, was in diesem Jahr erzeugt wurde.
In Bordeaux wurde die größte Ernte seit 1934 eingebracht.“ - Aber probieren geht eben doch über studieren und wer nicht wagt, der nicht gewinnt ;-))
In der Nase eine ausgeprägte Aromatik von getrockneten Kräutern und Wiesenblumen, ein nicht namentlich genannter Teilnehmer freute sich sichtlich, denn er meinte: „der riecht wie ein guter „Roter Libanese“, die ganz leicht harzigen Noten sind vergleichbar. Am Gaumen zeigt der Wein Anklänge an rote Früchte, Zigarrenkiste und feine Gewürzaromen (Muskatnuss); mich überzeugt er mit seiner Standhaftigkeit und der schönen Harmonie, die er inzwischen aufweist. Die Tannine sind ziemlich abgeschmolzen, die Säure passt sich aber gut ein und ist jetzt richtig gut zu trinken. Wichtig: Ein paar Stunden vor dem Genuss öffnen, gerade die etwas älteren Herren brauchen die Luft.
Montag, 12.12.2011
BIG FIVE – Nashorn und Mouton Rothschild (Teil 1)
Als vor zwei, drei Wochen mein Freund Bernd aus Frankfurt anrief und mich fragte, ob ich nicht mal wieder Lust hätte nach Frankfurt zu kommen, man wolle sich jetzt, in der Weihnachtszeit um die BIG FIVE kümmern, stand ich doch ziemlich auf dem Schlauch – was will er von mir? Zwar möchte ich in Kürze nach Südafrika und so hatte ich auch schon von den BIG FIVE gehört - aber Löwe, Nashorn, Büffel, Leopard und Elefant in Frankfurt? Ein geplanter, gemeinsamer Zoobesuch - wohl eher nicht.
Völlig ahnungslos fragte ich nach, er solle etwas konkreter werden. Na, Mouton, Lafite, Latour, Haut Brion und Margaux eben. Ach so, na klar, Mouton, Lafite, Haut Brion, Latour und Margaux – eben! Jeder bringt eine Flasche mit und schon geht’s los. Angefixt war ich nun schon, man bekommt selten die Gelegenheit solche Pretiosen nebeneinander verkosten zu können und gerade in solchen Vertikalvergleichen liegt die Chance, wirklich etwas lernen zu können. Aber nicht von jedem Weingut habe ich etwas im Keller, aber erst einmal zusagen und Lösungen wird es immer geben. Also Teil 1 der BIG FIVE war nun Mouton…
Mein persönliches Fazit: Alle haben Recht und probieren geht über studieren!!
Die Probe fand blind statt und keiner wusste (außer der selbst mitgebrachten Flasche) welche Jahrgänge angestellt worden sind. Auffallend bei vielen Mouton Jahrgängen sind die extrem (!) unterschiedlichen Bewertungen in der Weinliteratur, insbesondere Winespectator und Robert Parker haben sehr widersprechende Notizen veröffentlicht.
1990 Mouton Rothschild
89-93 Punkte – Jaaaa, grrrr, was für eine betörende Nase; so wunderbar tief, vielschichtig, fein und elegant(!!). Feinste Röstaromen, edles Holz, ein Hauch animalisch. Ein sinnliches Erlebnis, man möchte gar nicht mehr aufhören zu riechen – und dann? Fast als wenn man es geahnt hätte, am Gaumen dann das abrupte Erwachen; Coitus interruptus sozusagen. Auf der Habenseite stehen zwar eine schöne Frische, angenehme, abgeschmolzene Tannine sowie eine noch recht jung wirkende Kirschfrucht und ein paar eher ungewöhnliche Aromen (wie z.B. nach Reisnudeln), aber insgesamt kommt der 90er Mouton nicht rüber, der Wein läuft irgendwie „durch“, es fehlt an Substanz. Die Säure steht außen vor und leider endet der Wein auch auf dieser. Meine Erstbewertung an diesem Abend waren 89 Punkte und die waren ausschließlich diesem unglaublich sinnlichen Duft gewidmet. Doch es war nicht aller Tage Abend und wir rückverkosteten den Wein später noch zweimal – und jedes Mal wurden die Punkte mehr. Nach dem ersten Durchstreichen standen dann 91 Punkte zu Buche, zum Ende wurden es dann noch 93 Punkte. Obwohl die Flasche schon ein paar Stunden vorher geöffnet worden war, legte der Wein mit mehr Luft (und Wärme) nochmals deutlich zu. Er entwickelte am Gaumen balsamische Noten, eine feine Süße (wo er die herholte, ist mir völlig rätselhaft) und irgendwie eine schöne, etwas laktisch wirkende Frucht, die mich an Heidelbeersahne erinnerte. Schade, dass schon so vieles getrunken war…
Zuletzt von Parker in 2009 mit 84 Punkten bewertet – da hat er dem Wein wohl nicht genug Luft gegeben. Der Wine Spectator hat in 2001 noch 97 Punkte vergeben, in 2005 waren es nur noch 87 Punkte – meine Meinung dazu: der Wein lebt!!
1992 Mouton Rothschild
89 Punkte - Diese Flasche war schon um 09.00 Uhr morgens geöffnet worden und vielleicht lag es an der ausreichenden Luftzufuhr, dass sich dieser 92er Mouton von Anbeginn in guter Verfassung präsentierte. Ich habe mir notiert: dunkle, angenehme Nase, mit schmeichelnden Mokkatönen. Am Gaumen ein klassischer Pauillac. Die schöne, recht ausgewogene Aromatik mit Noten von Cassis, Heidelbeeren sowie Kaffee und Graphit überzeugt mich. Die feine Süße und das reife Tannin runden das harmonische Geschmackserlebnis ab. Kein wirklich großer Wein, dazu fehlt es ihm an Tiefe und Struktur, aber jetzt schön zu trinken (fast 12 Std. geöffnete Flasche). Kellerbestände sollten ausgetrunken werden.
Parker hat den 1992er mit 88 Punkten bewertet und ihm eine Genussphase bis 2004/2006 bescheinigt. René Gabriel prophezeite 1996: „Wenn Sie noch keinen 90er oder 89er Mouton im Keller haben, dann kaufen Sie jetzt sofort den 92er. Einen so billigen und doch relativ großen Mouton gab es schon lange nicht mehr und wird es vermutlich nie mehr geben.“ Irgendwie Recht hat er, der Herr Gabriel, vor allem, was die Preise angeht!!
1988 Mouton Rothschild
93 Punkte – Auch diese Flasche war bereits 12 Stunden vorher geöffnet worden und für mich war bei diesem 88er das im Glas, was ich mir unter einem Mouton vorstelle: Leichter Stinker zu Beginn, etwas animalische Noten, dann aber Frucht, edle Hölzer und etwas Kaffee. Am Gaumen eine feine Würzigkeit, etwas Malz, wiederum edles Holz. Druckvoller Bursche, hat Substanz, Kraft und Struktur; wirkt maskulin. Feine, körnige Tannine, Graphitnote, schöne aromatische Tiefe, deutliche Cassis-Aromatik. Insgesamt beeindruckender Stoff, meine Hand geht massiv zum Glas. Entwickelt an diesem Abend eine schöne Süße, die mit zunehmender Luftzufuhr immer schöner wird. Vielleicht fehlt ihm das letzte Quentchen Eleganz, aber mir macht dieser 88er Mouton richtig Spaß und ich schwelge.
Vom Wine Spectator zwischen 92 und 100 Punkten (100 Pkt. in 1991 und 92 Pkt. in 2009) und von Parker nur zweimal in 1993 mit konsistenten 89 Punkten bewertet.
1970 Mouton Rothschild
93 Punkte – Wirklich schöne Nase, etwas animalisch, Leder, dezente Rauchnote, kräutrig-balsamische Eindrücke. Wirkt distinguiert, ein Wein zum Philosophieren. Am Gaumen tief und nachhaltig; feine Tanninstruktur (die Tannine wirken dabei immer noch erstaunlich jung). Kräutrige Aromen verbinden sich mit Noten von Cassis, Graphit und hochwertigem Holz. Anklänge von Pfefferminze und Eukalyptus. Schöne Nachhaltigkeit; richtig gute Länge – toller Stoff! Diesen Wein möchte man genießen und entsprechend braucht an Zeit, um sich mit ihm auseinanderzusetzen.
Bei Nachkauf ist jedoch Vorsicht geboten. Angeblich sind sehr unterschiedliche Flaschen im Umlauf, so soll seinerzeit eine große Charge spekulativ aus den U.S.A. gekauft worden sein, die zwar ab Chateau versandt wurde, aber letztlich nicht abgerufen wurde. So hat der Container viel Zeit im Hafen in den U.S.A. verbracht und einen entsprechenden Hitzeschaden erlitten, bevor die Reise zurück angetreten hat.
Der Wine Spectator hat beim 70er Mouton eine schöne Varianz in seinen Bewertungen, 1986 und 1991 mit 86 bzw. 84 Punkten bewertet, dann in 1993 bislang die letzte Bewertung: 96 Punkte !! Auch bei Parker ist die letzte Notiz schon veraltet, in 1996 gab es 93 Punkte.
Die Notizen zu den Jahrgängen 2004, 1983, 1998 und 1979 folgen bald.
Sonntag, 04.12.2011
2001 - 2010 Hubacker Großes Gewächs Vertikalverkostung, Weingut Keller - Rheinhessen
Das Weingut Keller ist weltweit eines der bekanntesten Aushängeschilder für deutschen Riesling und in der Champions League internationaler Weine angekommen und etabliert. Wer jedoch die Möglichkeit hat, die handelnden Menschen dieses Weingutes kennenzulernen, wird sehr schnell feststellen, dass es ihnen nicht darum geht, „Star“ zu sein, sondern eher das Gegenteil der Fall ist, die Mitglieder der Familie Keller, die heute mit 4 Generationen Hand in Hand auf dem Weingut arbeiten, sind allesamt angenehm unaufgeregt und im besten Sinne bodenständig. Man spürt als Besucher des Weingutes Keller, dass hier ein jeder seiner Passion/Berufung folgt, die vier Generationen eint: Jahr für Jahr der Natur DEN besten Wein abzuringen.
Parallel pflegen die Kellers seit vielen Jahren den nationalen und internationalen Austausch mit anderen Winzern und man versucht das eigene Wissen an die nächste Generation von Winzern und denen, die es werden wollen, weiterzugeben – die talentierten Lehrlinge und Praktikanten kommen z.B. von der Mosel – oder aus Norwegen und Japan. Verbundenheit mit der eigenen Scholle und Berücksichtigung regionaler Stärken stehen eben nicht im Widerspruch zu Internationalität und Weltoffenheit.
Die Geschichte des Weingutes Keller ist eng verbunden mit der Geschichte des Dalsheimers Hubackers. Die Keimzelle des Weingutes Keller wurde im Jahr 1789 von Johann Leonhard Keller erworben, der dieses besondere Stückchen Erde vom Andreasstift in Worms erwarb. Die 4,03 ha (bis 1971 als „Oberer Hubacker etikettiert) sind somit seit über 200 Jahren im Eigentum der Familie Keller. Dass dieses Stück bis heute ungeteilt im Familienbesitz verblieben ist, darf einer glücklichen „Familienplanung“ oder dem Zufall zugeschrieben werden, denn es gab bis zur 9. Generation immer nur einen männlichen Erben.
Unter Georg III, der fünften Keller Generation, wandelte sich der Hubacker in den heutigen, sanften Südost-Hang. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Hubacker ein Terrassenweinberg, auf dem es auch Buschwerk und offenen Felsen gab. Friedrich Heinrich, der Sohn von Georg III, machte in zwei Jahren die felsigen Abschnitte als Weinberg urbar, indem er schwere Felsbrocken sprengte. „Allein um die Felsen auf dem Hubacker beseitigen zu können, soll Friedrich Heinrich seine Sprengmeister-Prüfung gemacht haben. Weil Vater und Sohn von einem optimal nutzbaren Weinberg träumten, ebneten sie dann auch noch die Terrassen.“ (vgl. S. 153f., Junko Iwamoto, Kellergeschichten – Zwölf Monate auf dem Weingut Keller, 2.Aufl. ISBN 978-3-00-034169-4). Ein paar Jahre nach den Sprengungen konnte kein Wein gelesen werden und als endlich wieder daran zu denken war, wurde Erwin, der einzige Sohn von Friedrich Wilhelm und seiner Frau, in die Wehrmacht eingezogen.
1945 wurde das Haupthaus durch Bomben der Amerikaner zerstört und nach Kriegsende wurde der gesamte Wein, der im Keller des Weingutes lagerte, durch die französische Armee beschlagnahmt. Erst 1947 kehrte Erwin aus der Kriegsgefangenschaft zurück, ein tschechischer Bauer hatte ihm bei der Flucht geholfen. 1948 heirate Erwin seine Jugendliebe, mit der er schon vor seiner Einziehung verlobt war und begann mit seinem Vater, dem Sprengmeister, das Weingut wieder aufzubauen. Aber da ein Übel selten allein kommt, hatte 1945 die Reblaus „Einzug“ im Hubacker gehalten. Glücklicherweise hat man sie frühzeitig entdeckt und der Schaden blieb eng begrenzt. Seit 1948 wurden dann Pfropfreben mit amerikanischer Unterlage gepflanzt und bis Anfang der 50er Jahre der Hubacker saniert. Mitte der 70er Jahre war der Hubacker nochmals in Gefahr, denn die geplante Autobahn A61 sollte direkt durch den Weinberg geführt werden. Doch Dank der Einwendungen der Familie und der regionalen Politik hatte man im Verkehrsministerium von Rheinland-Pfalz ein Einsehen und die lokale Weinkultur blieb erhalten, und so macht die A61 in Ihrer aktuellen Streckenführung von der Ausfahrt Worms nach Gundersheim eine Kurve – um den Hubacker herum.
Heute liegt der Kellersche Teil des Hubackers „in seinen niedrigsten Höhen 170 Meter und in seiner höchsten Erhebung 230 Meter über dem Meeresspiegel. Die maximale Hangneigung beträgt 28% (…). ‚Als ich jung war, hieß es in Rheinhessen, man sollte in Höhen über 200 Metern über dem Meeresspiegel besser keinen Wein anbauen. Im Süden der Pfalz gibt es Wälder, die den Wein in dieser Höhe schützen, aber in Rheinhessen nicht. Deshalb sind die Reben dem Wind ausgesetzt. Damals kühlte der Boden in der Höhe aus, weshalb dort kein guter Wein wuchs,‘ so Erwin.“ (vgl. S. 153f., Junko Iwamoto, Kellergeschichten – Zwölf Monate auf dem Weingut Keller, 2.Aufl. ISBN 978-3-00-034169-4).
Dem Hubacker und dem Weingut Keller hat der Klimawandel sicherlich geholfen, die Trauben im Hubacker reifen heute immer noch spät, aber sie erreichen eine bessere Reife und aus dem einstigen Nachteil ist ein Vorteil geworden: die kühlen Winde tragen heute dazu bei, dass man eine stärkere Tag-Nacht-Abkühlung hat, was einer guten Säureausbildung helfen dürfte. Unterirdisch erstreckt sich im Hubacker eine große Platte von gelbem Kalksteinfels, darüber liegt ein tonhaltiger Boden mit Humusschicht. So wird das Regenwasser gehalten und selbst in heißen und trockenen Sommern kommt kein Trockenstress auf.
Interessanterweise stammen sämtliche Rieslingklone des Hubackers von der Saar. Bis in die 70er Jahre gab es auf dem Weingut Keller kaum Riesling, erst mit der Hochzeit von Klaus Keller mit Hedi, einer Winzertochter von der Obermosel kam die Begeisterung für Riesling in die Familie Keller. Die – inzwischen leider verstorbene – Frau von Klaus Keller und Mutter von Klaus Peter Keller besuchte die Weinbauschule in Trier und arbeitete anschließend in dem der Weinbauschule angeschlossenen Institut zur Selektion von Klonen.
Auf Grund der gemeinsamen Liebe zum Riesling beschlossen Hedi und Klaus Keller nunmehr Riesling im Hubacker anzupflanzen. Der erste Versuch mit Rheingauer Klonen scheiterte jedoch, die Weine entsprachen nicht den gemeinsam gesteckten Zielen. Hedi Keller konnte nun ihren Mann überzeugen, Klone zu pflanzen, die sie bereits aus Ihrer Arbeit am Institut in Trier kannte. Das Ergebnis: Heute stammen sämtliche Reben im Hubacker von Saar- Selektionen, die aus alten Beständen der Oberemmeler Hütte und dem Scharzhofberg – gemeinsam von Hedi Keller und Eberhard von Kunow (Weingut von Hoevel) - selektioniert wurden.
Vor 10 Jahren, im Jahr 2001, hat Klaus Peter Keller (die 9.Generation der Familie Keller im Weingut) erstmals die Vinifikation des Jahrgangs übernommen und so auch das Ergebnis des Großen Gewächses aus dem Hubacker zu verantworten. Ich war sehr gespannt, wie sich diese 10 Jahrgänge - im Vergleich einer Vertikalverkostung - nebeneinander präsentieren werden.
Selten ist mir ein Fazit über 10 Jahrgänge leichter gefallen, als nach dieser Verkostung: Alle Weine haben eine unglaubliche Kraft und innere Spannung, sie eint die vom Kalkstein geprägte Mineralik. Die Säure ist stets perfekt integriert und mich hat vor allem die sehr klare und präzise Definition überzeugt, am besten zu vergleichen mit dem austrainierten Körper eines Balletttänzers oder einer Skulptur eines Athleten der frühen olympischen Spiele in Athen.
Auffallend auch die hervorragende Alterungsfähigkeit, wir hatten 10 aufeinander folgende Jahrgänge am Tisch, aber eine Alterung zwischen den Jahrgängen ist kaum feststellbar, selbst der 2001 zeigt eine Frische und Lebendigkeit, die viele, wesentliche jüngere Große Gewächse nach 3 oder 4 Jahren schon nicht mehr vorweisen können.
Da das Wetter zur Zeit so schön kalt und klar ist, habe ich sämtliche Flaschen 2 Tage auf dem Balkon stehen lassen und die Weine nochmals nachverkostet. Überzeugendes Ergebnis: alle Weine noch intakt, insbesondere die jüngeren Jahrgänge zeigen teilweise noch deutlicher, was in ihnen steckt, aber auch der 2004 braucht die Zeit. Wer die Zeit und die Muse hat, sollte den Hubackers von Keller mindestens viel Zeit im Keller geben, sie reifen nicht nur perfekt, sie brauchen das Lager im Keller, um ihre Finesse und Eleganz überhaupt ausspielen zu können. Vom Stil gibt es einen Ausreißer für mich im Gesamtkontext dieser 10 Jahre Hubacker GG – der 2005; doch dazu gleich mehr.
Dankenswerter Weise hat Klaus Peter Keller mir zu jedem Jahrgang eigene Informationen zur Verfügung gestellt, die nachfolgend meine Verkostungseindrücke jeweils einleiten.
Mittwoch, 09.11.2011
2009 Prestige des Hautes Garriques, Domaine Santa Duc - Gigondas
95 Punkte - Nachdem ich vor Kurzem den 2001 im Glas hatte und ihn mehr als prächtig fand, kam ich nicht vorbei aus dem hervorragenden Jahr 2009 ein paar Flaschen zu kaufen. Ungeduldig habe ich nun eine Flasche "aufgerissen" ....und, und, .... Resultat ???
.... das haut den stärksten Bär um. Ein mächtiger Stoff: massives Tannin, Tonnen von Frucht, Mega-Struktur und geile Konzentation. Das ist die Kurz-Zusammenfassung, aber wer sich bei aller Kraft und power ein wenig Zeit nimmt und nicht gleich unentwegt die Hand zum Glas gehen läßt (mit fatalen Folgen bei 15,5% Alkohol auf dem Etikett und lt. Parker 16,5% "natürlichem Alkohol"), der empfängt auch die Zwischentöne und bekommt eine erste Idee davon, wie sich dieser Wein mit zunehmendem Alter entwickeln wird.
Heute sind die Fruchtnoten von dunklen Beeren, Wacholder, geräuchertem Speck und Dänischer Lakritze das "overriding principle"; der Wein ist ungemein druckvoll, etwas süß-bitter und einfach unglaublich saftig. Doch bei aller power, hat er bereits jetzt eine gewisse Kühle (Menthol) und ja, auch Eleganz, die ihn besonders macht und aus der "peer group" herausragen läßt.
Grundlage dieses Traumstoffs sind alte Grenache-Reben in der Kernlage des Weingutes: "Hautes Garriques", die 80% des Weins bestimmen, daneben geben 15% Mourvèdre Struktur und 3% Syrah sowie 2% Cinsault runden das Bild ab. Der Wein kam unfiltriert auf die Flasche, vorher lag er 24 Monate im Holz, davon waren ca. 20% neue Fässer. Wie man bei 2 kompletten Monaten Maceration so massive Tannine in den Wein bekommt, kann ich mir noch vorstellen, aber wie man sie andererseits so bändigen und "weichzeichnen" kann, bleibt wohl das Geheimnis von Yves Gras.
Es war toll, diese Flasche so jung getrunken zu haben, aber die verbleibenden gehen in eine dunkle Kellerecke und werden frühestens in 5,6 oder 7 Jahren mal wieder rausgeholt. Euro 32,- sind alles andere als ein Pappenstiel, aber der Wein ist es wert!!!!
Donnerstag, 03.11.2011
2008 Schioppettino, La Tunella - Friaul
90 Punkte - Saulecker !!! Ich habe selten einen Wein getrunken, bei dem meine Hand so schnell immer und immer wieder zum Glas ging; ein Trinkfluss - wow.
Der Wein entstammt der autochthonen Rebsorte Schioppettino. Im Weingut La Tunella (bitte unbedingt die wunderschön gestaltete webpage www.latunella.it anschauen) werden die Reben im Juni massiv ausgedünnt; die Lese erfolgt von Hand und anschliessend werden die geernteten Trauben in Kisten leicht angetrocknet. Dann werden die Beeren entrappt, natürlich vergoren, um anschliessend etwas mehr als 2 Jahre in französischem Holz zu reifen. Das Ergebnis ist dieser köstliche Stoff, der eine hohe Frische mit eiener herrlich saftigen Frucht verbindet. Im Glas habe ich 14,5% Alk., aber der Wein wirkt leichtfüssig, frisch und elegant. Aroamtisch ist das eine Mischung aus Waldbeerengelee; Kirschsaft; feinen, etwas orientalisch angehauchten Gewürzen, frischem Pfeffer und einem Hauch verbrannter Erde. Ich kann jeden verstehen, der hier eine gewisse Ähnlichkeit mit Hermitage-Weinen zum Besten gibt. Ich freue mich immer sehr, wenn mir solche Weine angeboten werden, die einerseits eigenständig sind, aber andererseits das Spezielle nicht zum Selbstzweck wird, sondern die einfach viel Spaß und Genuss bereiten. Es gibt sicherlich aristokratischere und erhabenere Weine, aber dieser REbsaft ist einfach saulecker.
Quell dieser Freude war heute Mario Zini, Chef vom Restaurant La Scala in Hamburg- Eppendorf. Meine geschmorte Kalbsbacke harmonierte perfekt zum Wein.
Sonntag, 11.09.2011
1991 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Charta, Georg Breuer - Rheingau
85-89 Punkte - Dieses Wein-Sammelstück wird bis heute jedes Jahr mit einem anderen, besonderen Künstleretikett auf den Markt gebracht. Das Etikett für den überaus schwierigen Weinjahrgang 1991 gestaltete Marrku Hakuri, der 1946 in Finnland geboren wurde. Das Bild auf dem Etikett trägt den schönen Titel "Der frohe Klang vom Wachsen der Trauben"
Doch alle Kunst hilft nicht, wenn der Inhalt im Glas nicht stimmt und selten war ich so indifferent bei der Punktevergabe wie bei diesem 91er Riesling. Einerseits ist dieser mit nur 10% Alkohol daher kommende Riesling kaum gealtert, er zeigt nur einen Hauch von Firne, dazu schöne Citrusnoten (von Pampelmusen und Pomelos), Eisenkraut und Pfirsichen. Insgesamt sehr klar und rein, der Wein wirkt für sein Alter sehr frisch. Die Frische entstammt jedoch einer Säure, die den Wein bis heute zusammen gehalten hat, die aber auch als "krass" bezeichnet werden kann. Mal war mir die Säure einfach nur zuviel, in einem anderen Moment fand ich sie dann doch erträglich und den Wein ausdrucksvoll, frisch und durchaus elegant.

Samstag, 03.09.2011
2001 Prestige des Hautes Garrigues, Domaine Santa Duc - Gigondas
94 Punkte - Das ist purer, maskuliner Stoff und damit ungeeignet für Schönwettertrinker, Parkscheinholer, Sauna-Untensitzer, ADAC-Goldkarteninhaber, Babybrei-Reste-Esser, Bei-Mutti-Wäsche-waschen-Lasser, Comicsocken-Träger, Duschgel-Vorwärmer, Elektrorasierer, Fettaugen-aus-der-Suppe-Löffler, Fußföner, Gesundheitsballhocker, Handschuh-Schneeballformer, Im-Bett-Sockenträger und andere Weicheier.
Diese Cuvee aus überwiegend Grenache und etwas Mouvedre stammt heute von über 80 Jahre alten Reben mit Kleinsterträgen - Das ist purer Stoff, ungemein kraftvoll, maskulin und zupackend. Noten von getrockenten Kräutern, Schwarzkischen, Creme de Cassis, Moschus und anderen "Herr-lichkeiten".
Ein Schluck und ich kann die Hand nicht mehr vom Glas nehmen, so saftig, kraftvoll, widerstandsvoll, zupackend, anregend, und mineralisch ist dieser Stoff. Schwarzkischen, ein Hauch Vanille, getrockente Kräuter der Provence - 15% Alkohol und trotzdem kein "Sattmacher", sondern ein Wein, der animiert und die Hand zum Glas gehen läßt. Die wunderbar gereiften Tannine geben Struktur, die Säure ist perfekt und kombiniert mit der vielschichtigen Frucht entsteht ein großartiger Gigondas... ein Stoff aus dem Helden gemacht werden. Jetzt perfekt zu trinken, aber sicherlich die nächsten 5 Jahre ebenfalls großartig, hat das Zeug zum Langstreckenläufer.
Donnerstag, 04.08.2011
2006 Quasaar Riesling, Weingut Herrenberg / Loch - Saar
88 Punkte
- Was für ein kraftvoller, feinherber Stoff, hier ist ordentlich Riesling im Glas - einfach ein Maul voll Wein. Herrliche Pfirsichfrucht, angereichert mit einer angenehmen Honigsüße, mit schönem Säure-Süße-Spiel und einer deutlichen Mineralik. Die Botrytis ist gut eingebunden und verleiht dem Wein eine tragende Säule. So etwas macht richtig Freude und belehrt mich mal wieder eines Besseren, dass auch in wirklich kritischen Jahrgängen tolle Weine produziert werden können. Ich finde das "Teil" so schmatzig, schmelzig, dicht und - doch, ja, ja - auch fett, aber er ist nicht breit und langweilig, sondern durch seine Säure und Mineralik durchaus fordernd und läßt die Hand zum Glas gehen. Wer die Erbtante bestechen will - hiermit gelingt es - versprochen.Mittwoch, 20.07.2011
Beaujolais Villages Le Rang du Merle und Brouilly Cuvee des Fous, Jean-Claude Lapalu - Beaujolais
eigentlich wollte ich die letzten Tage vermeintliche Jahrgangsproblemflaschen aus dem Beaujolais vernichten, doch ich wurde mehr als positiv überrascht.
2004 gilt nicht gerade als Topjahrgang und in der Vergangeheit war ich von meinen Vor-Ort-Einkäufen auch nicht mehr sonderlich überzeugt, denn irgendwie waren die 04er von diesem Weingut immer ein wenig garstig, unausgewogen und deutlich hinter meinen Erwartugnen zurückgeblieben.
Doch das ist nun völlig anders. Ich hatte zwei wunderbare Weine im Glas, die beide eine tolle Frucht zeigen und herrlich "im Trunk" sind - wie das Herr Kössler stets so schön formuliert. Das Holz ist zu erkennen, jedoch bestens integriert. Beide Tropfen sind unglaublich trinkig und es fällt mir sehr schwer die Hand vom Glas zu nehmen. Im Stil sind und bleiben sie ungewöhnlich für Beaujolais, aber eine eigene Handschrift ist auch die Maxime des Hauses, denn im barrique wird im Beaujolais immer noch wenig ausgebaut, die Maischestandzeiten sind wohl mit die Längsten in der ganzen Region und die Reben gehören zu den ältesten, die es heute vor Ort noch gibt. Was hatte ich im Glas??
Gestern einen 2004er Brouilly Cuvée des Fous von Jean-Claude-Lapalu, eine Schatz an feinfruchtiger Süße und Eleganz, saftig und ausgewogen. Jetzt in der Blüte seines Weinlebens, mit allem ausgestattet, was zu einem hedonistischen Wein gehört. Besonders gut gefällt mir die Kombination aus rotbeerigen Früchten, mittelgewichtigem Körper, bestens integrierten Holzaromen, weichen Tanninen und einer gewissen Leichtigkeit des Seins. Einerseits ein "Strahlemann", andererseits auch mit Charm und einer gewissen Eleganz ausgestsattet - Bourgeoisie wie sie schöner nicht sein kann. (Grundlage für diesen schönen Tropfen sind 100 Jahre alte Reben mit einer Pflanzdichte von ca. 14.000 Stück pro Hektar) - 92 Punkte
Heute dann die eine andere Flasche aus gleichem Hause, einen 2004er Beaujolais-Villages Le Reng du Merle. Entsprechend der Aussage meines Weinhändlers von damals die reifesten Trauben des Brouilly Cuvée des Fous; dieser Wein ist jetzt Sinnlichkeit pur; weich im Trunk und mit einer sooo schönen Fruchtigkeit von roten Beeren ausgestattet, dass ich mir jeden Joghurt damit verfeinern möchte. So soll Frucht schmecken und nicht wie die ganzen verzuckerten und mit Aromen voll gekleisterten Joghurt-Dinger, die man Land aus Land ab im Kühlregal findet. Die Frucht ist vielleicht noch ein wenig ausdrucksvoller als beim Brouilly. Beide Weine haben gemeinsam eine nahezu perfekte Harmonie und sind wohl jetzt in der Blüte ihres Lebens. - 93 Punkte
Sonntag, 17.07.2011
1991-2002 E&E Black Pepper Shiraz, Barossa Valley Estate BVE - Barossa Valley
Zu Beginn der 80er Jahre war der Rotweinkonsum in Australien stark rückläufig und die Regierung zahlte Prämien für die Neuanpflanzung von Chardonnay bei gleichzeitiger Rodung alter Shiraz-Reben. Achtzig Winzerfamilien im Barossa Valley, die schon Weinbau in der 3. und 4. Generation betrieben, weigerten sich jedoch ihre schönen alten Reben zu opfern und beschlossen stattdessen ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die Familien wollten nicht länger ihre geernteten Trauben für kleines Geld am Markt verkaufen, sondern man gründete eine Kooperative und produzierte und vermarktete seine Weine selbst. Dies war die Geburtsstunde des Barossa Valley Estate (BVE). In ersten Jahren verkaufte man zwar noch Trauben und Fasswein, doch wegen der gesunkenen Nachfrage nach Trauben, stellte man dies 1991 komplett ein und konzentrierte sich fortan ausschließlich auf die Vermarktung von Premium-Flaschenwein.
Im Jahr 1993 kam der nächste Schritt, die Kooperative kaufte Grundstücke und Gebäude, die man bislang mit Berri Renmano (gehörte nun zum BRL Hardy) gemeinsam genutzt hatte. Gleichzeitig ging man eine Vertriebsvereinbarung mit BRL Hardy, einem der großen Weinunternehmen in Australien, um in der Vermarktung einen Quantensprung zu vollziehen.
1998 stand man dann vor der Entscheidung die bestehenden Fazilitäten im Angle Vale zu modernisieren oder im Barossa Valley, der Heimat der meisten Mitglieder, eine völlig neue Kellerei zu errichten. Da die Finanzierung dieses Vorhaben durch die Genossenschaftsmitglieder allein nicht mehr gestemmt werden konnte, entschied man sich 50% der Anteile vom BVE – im Rahmen eines joint ventures – an BRL Hardy zu verkaufen. 2001 ging die neu errichtete Kellerei in Betrieb.
Im März diesen Jahres (2011) dann die Wende, Constellation Wines, die fusionierte Nachfolgegesellschaft von BRH Hardy, willigte in der Rückkauf der Anteile eine und nun gehört BRE wieder zu 100% den Winzerfamilien, die es letztlich mit ihrer Arbeit und ihrem Qualitätsstreben in den letzten 20 Jahren geschafft haben, die beiden Flaggschiff-Weine E&E Black Pepper und Ebenezer langfristig zum Erfolg zu führen und beide Weine unter den Stars der australischen Weinszene zu positionieren.
Die stets aufstrebende Entwicklung des Barossa Valley Estates im Allgemeinen und des E&E Black Pepper Shiraz im Besonderen ist eng verwoben mit dem Namen Colin Glaetzer (heute mit dem eigenen Weingut, das er mit seinem Sohn Ben betreibt, extrem erfolgreich). Nach der Gründung der Kooperative engagierte man Colin Glaetzer als Weinmacher und Manager und in dieser Funktion erschuf der den E&E Black Pepper Shiraz, der mit dem Jahrgang 1988 erstmals vermarktet wurde. Beim Winespectator scheint man von diesem Shiraz besonders angetan zu sein, denn seit dem 95er Jahrgang (bis zum letzten verkosteten: 2006) hat man den Wein stets – und das immerhin in 11 Jahrgängen – mit mindestens 91 Punkten bewertet, meist jedoch noch deutlich höher (1996, 1998 und 2000 mit 95 Pkt. Oder 2002 mit 97 Pkt.)
Ich war nun gespannt, wie meine kleine Vertikale, bei den Weinfreunden ankommen würde. Aktuelle Jahrgänge des E&E kosten leider richtig Geld (ca. €80,- pro Flasche), doch da der Wein in Deutschland nicht so bekannt ist, habe ich auf der einen oder anderen Auktion ein Schnäppchen gemacht und insbesondere freute ich mich auf den 91er, denn so etwas bekommt man heute gar nicht mehr zu fassen.
1991
96 Punkte - Würde man die Schönheit und Komplexität der nasalen Eindrücke eines Wein isoliert bepunkten, dann wäre der 91er Black Pepper Shiraz für mich ein klarer 100-Punkte Kandidat. Unglaublich differenziert und nachhaltig sind die Aromen, die einem - wie von einem Schleier getragen – entgegenströmen; soooo schön. Sehr ätherische Eindrücke kombinieren sich mit Aromen von Brombeeren, Minze, Mon Cherry, schwarzen Johannisbeeren und vielen anderen Nuancen zu einem Bild von großer Dichte und Strahlkraft. Durch den ätherischen Grundton wirkt der Wein in der Nase kühl. Dieser Eindruck von kühler Noblesse bestätigt sich auch am Gaumen und zieht sich als Charakterzug durch alle nachfolgend verkosteten Jahrgänge.
Ein feiner Gerbstoff in Form von weichen, runden Tanninen gibt diesem 20 Jahre alten Wein eine noch beeindruckende Struktur. Die ätherischen Aromen aus der Nase finden sich auch am Gaumen wieder (Lorbeeren, Muskatnuss, schwarzer Pfeffer, Zimt, Vanille); eine ganz zarte Süße und eine feiner Schmelz unterstreicht die sehr filigranen Fruchtnoten genauso wie den Eindruck von feiner, dunkler Schokolade, Nougat und Blut (wer jetzt ekelig schreit, hat wohl noch kein Rinder- oder Straußensteak in einer - mit Schokolade verfeinerten - Bratensoße gegessen). Meine Hand geht ständig zum Glas und ich bin beeindruckt von diesem wunderbaren und langen Finale, das sich in die Erinnerung einbrennt.
1995
92 Punkte – Im Vergleich zum 91er E&E Black Pepper Shiraz präsentiert sich der 95er deutlich verwandt, aber nicht ganz mit der gleichen, faszinierenden Differenziertheit und Eleganz des 91er - dafür sind seine Rundungen etwas üppiger. In der Nase saftige, reife, dunkle Beerenfrüchte. Auch hier wieder deutlich ätherische Noten, hinten heraus kommt der Alkohol etwas stärker zum Ausdruck; sehr dunkel in der Aromatik, feinschmelzig und fruchtsüß. Schöner Trinkfluss; ein Wein, der nicht zuletzt durch die eher kühle Art zu überzeugen weiß – selbst wenn der Alkohol gegen Ende etwas deutlicher in den Vordergrund tritt. Schöne Länge.
1997
94 Punkte – Fast nicht zu glauben, dass dieser Shiraz bereits 14 Jahre „auf dem Buckel“ hat. Der Wein wirkt noch sehr jung und ich vermute, dass er in ein paar Jahren noch ein einen oder zwei Punkte drauf legen kann. Wie bereits mehrfach ausgeführt, überzeugt auch die 97er Ausgabe durch ein hohes Maß an ätherischen Noten, hier kommt hinzu, dass man den Eindruck hat, man kann eine gewisse „Salzigkeit“ riechen. Am Gaumen dicht, saftig, mit viel Biss und wunderbar abgerundeten, aber doch erstaunlich zupackenden Tanninen. Der Wein besitzt viel innere Kraft und einen festen Körper. Kein gedopter Muskelprotz, sondern ein wohl definierter und proportionierter Wein, der seine Kraft in einer geschmeidigen Hülle angenehm verpackt. Schwarzer Pfeffer (bei dem Namen ja eigentlich ein „must have“), Lakritze, dunkle Beerenfrüchte und dunkle Schokolade sind nur ein paar Eindrücke, die ich mir notiert habe. Eine schöne, reife Säure rundet das geschmeidige Bild ab und der Wein zeigt bis in das lange Finale, was er für ein „Beau“ ist.
1998
90 Punkte – Der 98er Jahrgang gilt im Barossa Valley allgemein als besonders gelungen (vgl. Parkers Jahrgangsbewertung für Barossa-Weine des Jahrgangs 1998: 95 Punkte), doch in unserer kleinen Vertikalen bildet der 98er das bisherige Schlusslicht - wenn auch auf sehr, sehr hohem Niveau. In der Stilistik ähnelt er dem 95er: fruchtbetont, etwas fülliger, so erinnert er mich an die besten Schwarzwälderkirschtorten meines Lebens. Eine dezente Mineralität verleiht ihm Komplexität - der etwas kräftiger wirkende Alkohol trägt leider davon etwas wieder ab; insgesamt jedoch ein wirklich schöner und Genuss stiftender Tropfen, der sicherlich noch ein paar Jahr auf gleichem Niveau Freude stiftet.
2002
91 Punkte – Mit großen Erwartungen näherte ich mich der letzten Flaschen in der kleinen Jahrgangsvertikalen des E&E Black Pepper Shiraz von BVE – 97 Punkte im Winespectator und einen hervorragenden 21.Platz in der TOP 100 Liste der gleichnamigen Zeitschrift (Ausgabe 12/2005) konnte ich im Vorfeld nicht komplett ausblenden. In der Farbe sehr dunkel und leuchtend floss der Wein ins Glas. Eine üppiger, mit Fruchtaromen voll beladener Schwall an Aromen entflog dem Glas; Erinnerungen an Eckes Edelkirsch und meine ersten, heimlichen „Nipper“ an der Flasche meiner Eltern im Keller zauberten mir ein abwegiges Grinsen aufs Gesicht. Aber auch fast jede andere Beerenfrucht drängte sich ins Bewusstsein: Brombeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Preiselbeeren und Pflaumen (ja, letzte sind keine Beeren ;-))
Am Gaumen unfassbar jung, fast nicht zu glauben, dass der Wein schon 9 Jahre ist. Er wirkt sehr fruchtig und stoffig; besitzt viel Substanz, eine schöne Säure und „rollige“ Tannine. Interessant ist, dass er nicht die auffallenden ätherischen Noten der anderen Jahrgänge aufweist, sondern ganz und gar von seiner Frucht lebt. Trotzdem wirkt er nicht überladen oder fett, auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Trotzdem hat der Wein für mich zurzeit weniger zu bieten, als die älteren Jahrgänge. Aber was nicht ist kann noch werden; ich kann mir gut vorstellen, dass der Wein in 10 Jahren deutlich komplexer und ausdifferenzierter wirkt – wahrscheinlich nicht auf dem Niveau des 91er, aber doch besser als die 91 Punkte, die ich ihm aktuell gegeben habe.
Mein persönliches FAZIT: Mehr Mut zur Reife bei australischen Weinen. Diese kleine Vertikale hat mir gezeigt, dass es sich lohnt.
Freitag, 01.07.2011
2008 Lagrein Riserva, Josephus Mayr / Erbhof Unterganzner - Südtirol
92 Punkte - Die Weine von Josephus Mayr schätze ich seit vielen Jahren sehr. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich die erste Flasche Lamarein getrunken habe, einen Wein, den es aus Südtirol eigentlich gar nicht geben kann. Im Stile eines Amarone aus angetrockneten Lagrein-Trauben gemacht, ist er für mich jedes Jahr aufs Neue ein wunderbares Erlebnis, diesen Stoff aus aktuellem Jahrgang geniessen zu dürfen. Das klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber die Menge an Lamarein ist Jahr für Jahr wahnsinnig gering. In den ersten Jahren waren die Flaschen noch von Hand durchnummeriert - von "meinem" ersten Jahrgang (1997) gab es ganze 550 Flaschen. Inzwischen ist der Lamarein kein Geheimtip mehr, denn die italienischen Weinführer überschlagen sich mit Lob für diesen Wein. So hat seinerzeit Luca Maroni - in seinem 2004er Weinführer - dem 2001er Lamaein den Titel des Bestes Rotweins Italiens verpasst oder der Gambero Rosso schrieb einmal: "Wir sind nahe daran, einen Josephus-Mayr-Fanclub zu gründen. Warum? Dieser Mann ist einfach ein großartiger Winzer, aber auch ein grandioser Interpret seiner Weine, die immer etwas Persönliches ausstrahlen, vielleicht sogar eine Spur Verrücktheit, aber das genau macht macht sie so faszinierend und fesselnd wie nur wenige andere in Italien." In einem anderen Jahr verwehrtem sie dem Lamerein aus einem einzigen Grund die drei Gläser - die verfügbaren Menge ist so gering, dass kein Mensch eine volle Flasche zu Gesicht bekommt.
Inzwischen war ich ein paar Mal vor Ort (auch wenn es - trotz Navi - verdammt schwierig ist, den Hof zu finden) und es war jedes Mal ein Erlebnis. Mit welcher Passion und mit welcher "Handwerkskunst" Josephus Mayr seine Weine erzeugt, ist wirklich beeindruckend. Dass Josephus Mayr ein ganz "spezieller" Mensch ist, merkt man schnell, denn viele Worte macht er nicht, dafür hat er umso mehr Überzeugungen, die seine Arbeit leiten und die man in seinen Weinen schmecken kann. Winzerhände verraten mehr als glänzende Imagebroschüren und ich kenne wenige, ..., eigentlich keinen, der im November nach Meran auf das schicke Weinfestival mit den 100 besten italienischen Weingütern kommt, und sooo schwarze Fingernägel hat, weil er gerade noch "auf Arbeit" war.
Doch heute habe ich keinen Lamarein im Glas, sondern den aktuellen Jahrgang des Lagrein Riserva - Jahrgang 2008: Kohlrabenschwarz in der Farbe, mit purpurnem Rand; hochglänzend, aber völlig undurchsichtig. Die Nase ist kühl und eher verhalten, aber am Gaumen "brennts": Saftiger, dichter Stoff, dunkle Beerenfrucht, Brombeeren, schwarze Kirschen Lakritze, ein Hauch wilde Kräuter und für einen Rotwein eine außergewöhnliche Mineralik. Ein voller Körper, reichlich schmelzige Tannine und eine frische Säure sind die Grundlagen eines hervorragenden Lagreins, der insbesondere durch seine tolle Frucht und seine Saftigkeit besticht. Dass der Wein über eine gute Länge besitzt, versteht sich fast von selbst.
Samstag, 18.06.2011
2001 Vina Ardanza Reserva Especial, La Rioja Alta - Rioja
93 Punkte - La Rioja Alta ist ein Klassiker im Rioja. Bereits 1890 von 5 Basken und Rioja Winzern unter dem Namen "Sociedad Vinicola De La Rioja Alta" gegründet und seit 1941 unter dem heutigen Namen La Rioja Alta erfolgreich im Markt tätig, steht der Name heute für berühmte Weine, eine lange Tradition sowie ein Konglomerat an Marken.
Vina Ardanza ist ein 30 Jahre altes Weingut in Fuenmayor im Rioja Alta Distrikt. Von hier stammen die 80% der Trauben dieser Special Reserva, die bislang nur in den Jahren 1964, 1973 und 2001 gefüllt wurde. Die verbleibenden 20% sind Garnacha aus Ausejo und Tudelilla, gelegen in Rioja Baja (wer denkt da nicht gleich an die Werbung mit dem Spülmittel ;-)
Der Wein wurde 14 Tage auf der Maische in Temperatur-kontrolierten Stahltanke vergoren, anschliessend durchlief er 21 Tage die malolaktische Gärung und blieb 3 Jahre in Fässern aus amerikanischer Eiche, die eine durchschnittliches Alter von 4 Jahren hatten (die ist für mich erstaunlich, denn der Wein ist sehr deutlich vom Holz geprägt und ich habe vermutet, dass er überwiegend im neuen Holz lag). Im März 2004 kam er dann auf die Flasche; allerdings startete man mit dem Verkauf erst in 2011.
Im Glas ist er er klar und glänzend, dunkel-kirschrot und von mittlerer Dichte. Die Nase ist überschwänglich und zunächst geprägt von Kirschen und anderen roten Beeren. Die Noten aus dem Holz sind sehr deutlich, aber auch sehr animierend. Deutliche Noten von Kokos, Zimt, Tabak und diverse etherischen Anklänge bilden - gemeinsam mit der Frucht - einen wunderbaren Aromenstrauss, der ungeduldig die Hand zum Glas gehen läßt. Auf der Zunge ist der Wein dann erstaunlich elegant, fast ein wenig burgundisch. Der volle Körper bildet gemeinsam mit den weichen und reifen Tannine sowie der sehr schönen Säure ein gutes Gerüst, auf der sich die reiche Frucht sehr, sehr gut entfalten kann. Im langen und wunderbar harmonischen Abgang ist der Wein fruchtbetont. Aktuell kann der Wein mit reichlich Genuss getrunken werden, jedoch sollte man ihn vorher dekantieren.
Wer Zeit und Muse hat, wird sich sicherlich die nächsten 15 Jahre an diesem herrlichen Rioja erfreuen können, wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass er sich in den kommenden zwei oder drei Jahren noch einmal verschliessen wird. Für knapp unter 20 Euro ist das ein perfekter Einstieg in die Welt großer Riojas.
Dienstag, 10.05.2011
1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn - Baden
Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung. Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.
Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur - bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur - kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.
Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt, jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.
Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine - höchst subjektiven - Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:
1998
Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen; zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren. Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte / Durchschnitt der Runde: 88
2000
Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer. Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett; eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 88,2
2001
Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher Spätburgunder. Eine Flasche von diesem 2001 Spätburgunder SD, ggf. noch ein gutes Buch und das Leben meint es wirklich gut mit Dir. Der Wein duftet herrlich; die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!! Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“ – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen ;-)
Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei), Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak. Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit. Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge: die Kombination aus feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits. Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen. Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2
2003
Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war ;-) Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)
In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken. Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare Koexistenz ein. Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87
2004
Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren; auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet; er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die überaus betörende Differenziertheit und Finesse des 01ers entwickeln zu können. – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8
2006
Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat, aber das Holz wirkt (noch) nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt. – 87 Punkte/ Durchschnitt der Runde: 85,6
2007
Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller. Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert etwas zarter und weiblicher geworden zu sein. Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren.
Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine, differenzierte Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.
Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder verbindet einen festen, strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut - ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4
2008
Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er. Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein Noten der Spotanvergärung. Zur Zeit erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon; dazu zarte Röstaromen aus dem Holz. Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig. Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt - schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge. – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4
Donnerstag, 30.12.2010
2005 Grüner Veltliner „M“, F.X. Pichler – Wachau (Best Bottle Nr. 5)
95 Punkte - Diesen Wein gab es aus der Magnum zum Essen und ich was soll ich sagen: „Saustark“!! Was für ein kompaktes Paket! Ich mag nicht viel Worte machen, sondern einfach meine Verkostungsfetzen niederschreiben:
Dichte und kompakte Nase! Weißer Pfeffer, würzige Kräuterwiese; mit Energie geladen; sehr stoffig und dicht am Gaumen, Hammer-Extrakt, wieder weißer Pfeffer; Mineralik ohne Ende; viel Schmelz, salzige Mineralität, platzt fast vor Spannung und Kraft, trotzdem ungemein trinkig. Klasse Länge!!
Fazit: Für mich ein "Bilderbuch-GV" und ein GV, wie ich ihn liebe! Jetzt und in den nächsten drei, vier Jahren sicherlich ein perfekter Rausch für die Sinne.
1990 Forster Kirchenstück Riesling Spätlese, Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz (Best Bottle Nr.4)
91 Punkte – Ich liebe die Weine der Forster Lagen am Fuße des Haardtgebirges. Die Weine aus dem Kirchenstück sind stets üppige und im besten Sinne „reiche“ Weine – gleichzeitig bringen sie das Kunststück fertig, Eleganz und Harmonie auszustrahlen. So auch diese sehr schöne Spätlese aus dem Jahr 1990. Die Nase ist faszinierend (!): Bienenwachs und ein Hauch Petrol sind Boten des Alters, in Verbindung mit den saftigen Fruchtaromen von reifen Nektarinen, Mirabellen, kandierten Kumquats und anderen Südfrüchten entwickelt sich ein dichter und betörender Aromenstrauß, der es mir schwer macht, die Nase wieder aus dem Glas zu nehmen. Am Gaumen ist der Wein rund und intensiv, mit „dicken Backen“. Die Säure spielt mit und schafft ein Gegengewicht zur Opulenz des Weins. In letzter Konsequenz kann der Wein das Niveau, welches die Nase verspricht, am Gaumen jedoch nicht ganz halten.
Dienstag, 28.12.2010
1990 Grüner Veltliner Ried Loibner Berg 19 Terrassen Smaragd, F.X. Pichler - Wachau (Best Bottle Nr.3)
87 Punkte – Heute gehören die Weine, insbesondere die Smaragde von F.X. Pichler zu den besten Weinen Österreichs und die internationale Presse kennt in ihrem Lob kaum Grenzen. Doch 1990 hatte man in Österreich immer noch mit den Folgen des Weinskandals von 1985 zu kämpfen und der Export war schwierig. Doch gerade darin lag wohl auch die Chance alles besser zu machen und ein Beitrag war das Klassifizierungssystem (Steinfeder, Federspiel und Smaragd)der Wachau, das 1986 eingeführt wurde, um die Einzigartigkeit der Weine der Wachau zu betonen. Doch Weinskandal hin oder her, im Hause F.X. Pichler setzte man schon seit vielen Jahrzehnten auf Qualität und die Selektion des besten Rebmaterials (ein eindrucksvolles Zeugnis dafür ist die alte Gladde des Großvaters, heute der Rahmen für den Internetauftritt: vgl. www.fx-pichler.at)
Nun hatten wir einen 20-jährigen Wein im Glas, der aus einem TOP-Jahrgang und aus einer Lage stammte, die zu den besten GV-Lagen Österreichs gehört – beste Voraussetzungen für ein schönes Weinerlebnis also. In der Nase kräutrig, etwas käsig (ein Eindruck, den ich bei gereiften GVs durchaus typisch finde), jedoch nicht mehr so intensiv wie es für junge Smaragde typisch ist. Man musste sich schon ein wenig einlassen auf diesen Stoff, um die Nuancen zu erfassen, doch der kräutrige/pflanzliche Einschlag war auch am Gaumen zu erkennen und der für die Rebsorte typisch weiße Pfeffer war ebenfalls noch vorhanden. Insgesamt hat der Wein seine besten Tage schon gesehen, denn im Abgang mangelte es ihm etwas an Komplexität und Länge - doch interessant und schön war dieses Trinkereignis immer noch.
Montag, 27.12.2010
2005 Puligny Montrachet Les Combettes, Domaine Leflaive – Burgund (Best Bottle Nr.2)
93 Punkte - Die Domaine Leflaive ist sicherlich zu den besten und berühmtesten Weingütern Burgunds zu zählen. Kurz und knackig das Wichtigste zusammengefasst findet man bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Domaine_Leflaive). Die Rebestöcke in der Premier Cru Lage „Les Combettes“ wurden zwischen 1963 und 1972 gepflanzt und werden seit 1997 biodynamisch bewirtschaftet.
Mich hat dieser Wein – gerade nach dem „Les Clos 2004“ – komplett überzeugt. Die füllige und ausdrucksstarke Nase ist geprägt von vielerlei kräutrigen Eindrücken, gerösteten Nüssen und gelbfleischigen Früchten. Das kraftvolle Paket am Gaumen ist sehr ausgewogen und stimmig: Einerseits gibt es eine kräftige, den Wein tragende Säure – andererseits besitzt der Wein eine schöne, volle Frucht (vorwiegend gelbe Früchte; Haselnüsse), einen kraftvollen Körper und mineralische Komponenten. Die Noten (Karamell und Buttergebäck) aus dem Holz (ca. 25% neues Holz) sind sehr gut integriert. Gute Länge! Insgesamt steht der Wein erst am Beginn seiner Trinkreife – ich denke, dass er mit der Zeit noch etwas an Komplexität und Eleganz zulegt.
Sonntag, 26.12.2010
2004 Les Clos, William Fevre - Chablis (Best Bottle Nr.1)
97 Punkte - Die Nase lässt einen in diesen kalten Wintertagen von Sommer, Obst- und Blumenwiesen träumen. Klares, ausdrucksvolles Bukett mit feinen Aromen, sehr rein. Am Gaumen das Gefühl von großer Klarheit und Mineralität; tiefe und komplexe Aromatik, dabei sehr fein, ja ziseliert und filigran. Dieser Wein ist ein Maß für Reinheit, Anmut und erfrischender Lebendigkeit – habe selten einen so feinen, komplexen und dabei unglaublich lebendigen Weißwein im Glas gehabt. Am Tisch sprach ein Weinfreund das aus, was ich mir (als Gastgeber) nicht traute zu sagen: Dieser Wein ist perfekt, was kann man da noch besser machen??
Die Grand Cru Lagen im Chablis haben zusammen nur eine Größe von ca. 100ha; insgesamt sind jedoch mehrere Tausend Hektar mit Reben bepflanzt. Von den ca.100ha ist „Les Clos“ mit 26ha die größte Einzellage, davon sind 4,11 ha im Besitz von William Fevre. Die Lage ist ein Südhang mit starker Sonneneinstrahlung; der Boden ist felsig, eine Mischung aus kreidig-weißer, kompakter und tief reichender Lehmerde, durchzogen mit vielen Mineralien und Konglomeraten aus Fossilien (versteinerten Muscheln). Die Kalkverdichtungen im 80cm Tiefe verleihen diesem Grand Cru schon in jungen Jahren vielfältige Aromen und einen würzigen Geschmack. Um seine Komplexität erleben zu können, braucht er jedoch ein paar Jahre der Reife. Ich meine, Alan Medows hat dazu geschrieben, dass das Alter wahre Wunder an Sublimität für den bereit hält, der Geduld mit seinen Chardonnays aus Burgund/Chablis aufbringt. Einen furchtbaren Irrtum dagegen derjenige begeht, der meint, burgundische Grand Crus in ihren ersten Jahren vollumfänglich beurteilen zu können. Womit kein Verbot des „Jung-Verkostens“ propagiert wird – denn die Weine haben auch jung schon viel zu geben – aber ein gut konstituierter Wein hat mit der Zeit unendlich mehr zu bieten.
Schon bei meinem Besuch auf dem Weingut vor ein paar Jahren war ich begeistert von der großen Klarheit und Präzision der Weine von William Fevre - und der Jahrgang 2004 (der damals als aktueller Jahrgang im Verkauf war) gehört für mich zu den großen Jahrgängen im Chablis innerhalb der letzten 25 Jahre.
Die 2004er Ausgabe des „Les Clos“ – aus der vielleicht besten Grand Cru Lage in Chablis – ist ein ideales Beispiel dafür, dass sich die großen Chardonnays aus Chablis nicht hinter den großen Namen der Côte d’Or verstecken müssen. Billig ist keiner dieser großen Weine, doch mit ca. Euro 30,- bis Euro 50,- kostet ein großer Chablis nur einen Bruchteil der großen Grand Crus von der Cote des Beaune.
Freitag, 03.12.2010
2003 Chateau Duhart Milon (Rothschild) - Bordeaux
92 Punkte - Schöne dunkle Farbe. Nach dem Öffnen ist die Nase noch dominiert von Lederaromen, Tabak und getoastetem Holz, aber mit zunehmend Luft entwickelt sich die Frucht mit Aromen von Waldbeeren und Pflaumenkuchen, dazu Anklänge von Kaffee und Schokolade.
Am Gaumen ein schöner Bordeaux mit guter Tanninstruktur, aber erstaunlich weich auf der Zunge für einen Pauillac. Erdige Noten, Holz, Kaffee und Schokolade. Am folgenden Tag kommt die saftige Waldfrucht deutlicher durch und der Wein gewinnt an Harmonie.
Im Ergebnis ein schöner Bordeaux, der bei der Subskription knapp Euro 25,- gekostet hat und jetzt am Beginn seiner Trinkreife steht. In den nächsten 10 Jahren sicherlich schön. Jetzt wahrscheinlich nicht mehr unter Euro 50,- zu bekommen, denn das Weingut gehört zur Lafite Rothschild Familie und für den großen Bruder bezalht man in Asien Euro 1.000,- für ein Flasche.
Nice, dark colour. At the beginning the nose is dominated by leather, wood and toasty notes, but with time the fruit becomes stronger and evolved aromas of wild berries and plum tart. A full bodied wine with a good tannin structure; much of earthy notes, wood and a bit of coffee and chocolate. After 24 h the juicy fruit of wild berries becomes stronger and the wine finds its balance. Silky on the palate.
Sonntag, 31.10.2010
Grosse Gewächse 2006 - Stand der Dinge
Ich habe mich nach längerer Abwesenheit in den Hamburger Weinrunden sehr auf diese Probe gefreut und auch das Thema „Große Gewächse 2006“ klang gewohnt. Doch dieser Abend war voller Überraschungen…
Eine Herausforderung für die Winzer waren die Witterungsbedingungen im Jahrgang 2006 - ich erinnere mich noch gut, dass ich zu Zeiten der Lese ein Wochenende im Rheingau verbracht habe und ungemein erschrocken darüber war, dass es ganze Weinberge gab, in denen keine einzige gesunde Traube zu sehen war. Doch bislang bin ich davon ausgegangen, dass die deutsche Winzerelite, die ihre Großen Gewächse als Spitze der Qualitätspyramide verkauft, dieses Problem durch penible Weinbergsarbeit im Vorfeld oder durch eine superstrenge Selektion erfolgreich umschifft hat. Auch marktseitig habe ich seinerzeit die gestiegenen Preise des Jahrgangs so interpretiert, dass wohl nicht alle Regionen derartige Probleme gehabt haben können.
Im Ergebnis hat unsere Probe (eines nicht repräsentativen Durchschnitts) der Großen Gewächse renommierter Häuser jedoch bei einigen klare Mängel aufgezeigt. Dies legitimiert eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob in solchen Jahren nicht einige der Top-Erzeuger darauf verzichten sollten, Große Gewächse in bestimmten Jahren zu füllen, um den eigenen Qualitätsansprüchen genügen zu können.
In 2006 sind Rieslinge auf die Flasche gekommen, die inzwischen derart reif und aromatisch diskussionswürdig sind, dass die Preise der 2006er Großen Gewächse absurd erscheinen. Letztlich wurde hier eine Kapitalverzinsung zu Lasten der Weinliebhaber und Verbraucher betrieben, die noch bereit sind, für sehr gute Produkte auch hohe Preise zu bezahlen. Es ist jedoch bei den 2006er Großen Gewächsen davon auszugehen, dass bereits der Zustand des Ausgangsmaterials derart negativ beeinflusst war, dass die Produktion von „ehrlichen“ Großen Gewächsen von vornherein nicht möglich war. Ich kann jetzt jeden Weinliebhaber verstehen, der sich nach solchen Erfahrungen - wie den unsrigen - von den Großen Gewächsen wegen mangelndem Preis-/Leistungsverhältnis abwendet. Scheinbar konnten nur wenige Betriebe, wie z.B. die Gebrüder Knipser aus der Pfalz, dem „Kasse machen“ widerstehen – sie haben richtigerweise auf das Füllen ihrer weißen Großen Gewächse verzichtet.
Für die Organisation der Probe und das leckere Essen zwischendurch danke ich meinem Freund Ole recht herzlich. Die Weine wurden vor der Probe ca. zwei Stunden gelüftet und waren perfekt konditioniert. Die Reihenfolge hatte Ole per Losverfahren vorher bestimmt.
2006 Riesling Westhofener Morstein, Weingut Keller – Rheinhessen
88 Punkte – Der erste Wein einer Probe hat es bei mir immer ein wenig schwer, ich muss mich ein „eintrinken“ und die „Aromen des Tages“ aus dem Kopf bzw. von der Zunge bekommen. Hinzu kommt immer mein Vorurteil, dass kein Weinfreund mit dem vermeintlich besten Wein die Probe beginnt. Doch letztlich gehörte dieser Tropfen aus dem Hause Keller für mich deutlich zu den Besten an diesem Abend.. Recht reife Aromatik in der Nase, Noten von Quitten und Äpfeln, aber auch etwas Kräutrigkeit. Am Gaumen recht dicht, mit immer noch deutlichem Zuckerschwänzchen, rauchige Noten, auch etwas Mineralik, aber insgesamt etwas zu fett. Hinten heraus der Eindruck von mürben Äpfeln (der sich an diesem Abend durch fast alle Wein zog, sodass ich die nächsten Monate auf Apfelmus jederzeit verzichten kann) und einer leichten Kräuterbitternis. Insgesamt ein guter Wein, aber ohne den üblichen „Kitzel“, den ich bei Kellerweinen empfinde. In der Stilistik aber dem Kirchspiel von Keller, das ich ein paar Wochen vorher gerade im Glas hatte, sehr ähnlich – die Jahrgangseigenschaften setzen sich deutlich durch.
2006 Riesling Nackenheimer Rothenberg, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen
Leider korkig
2006 Riesling Scharzhofberger „P“, Weingut van Volxem – Mosel
88 Punkte – Ebenfalls ein Wein, der zu den Guten gezählt werden darf. Schon recht reife Noten in der Nase: Waldhonig, Orangenkonfitüre. Angenehme Cremigkeit am Gaumen, mit Anklängen von Karamell, mürben Äpfeln und Mineralität. Gut eingebundene Säure, trotzdem wirkt der Wein nicht animierend, sondern etwas „flau“ im Abgang.
2006 Riesling Oestricher Doosberg Drei Trauben, Weingut Kühn - Rheingau
85 Punkte - Dieser Wein war der (!!) Diskussionspunkt an diesem Abend. Einige am Tisch folgten der Meinung von Felix und kippten den Wein – wegen entstellender Fehler – gleich wieder aus; Punkte wurden daher nicht wirklich vergeben, denn dann hätte man wohl unter die 70 Punkte gehen müssen. Ich sehe das etwas anders, wenngleich auch ich dem Wein attestieren muss, dass dieser mit allgemein bekannten Geschmacksmustern von Rieslingen keine, aber auch gar keine Schnittmenge bildet. Die Nase ist außergewöhnlich: ausgeprägt pflanzliche, vegetabile Noten, frisch abgeschnittenes Efeu; dazu Anklänge von Tankstellenbenzin. Den Gaumen empfängt eine lebendige Säure, Noten von Apfelwein (Cidre) Jod, ich habe Assoziationen von in Weißwein gekochten Miesmuscheln. Erstaunlich erfreulich für mich war die schöne Länge, mit der Wein am Gaumen bleibt. Hier endet er (klassisch für einen Riesling) auf Citrusnoten. Da ich weiß, dass in diesen Jahren die biodynamischen Ideen im Hause Kühn sehr konsequent umgesetzt wurden und man versuchte, jahrhundert alte Ausbaumethoden wieder zu beleben, kann ich gut verstehen, dass dieser Wein einfach anders ist und ich habe an der geschmacklichen und intellektuellen Auseinandersetzung damit meinen Spaß, verstehe aber jeden, der sagt, dass ist mir einfach zu speziell und hat mit meinen Erwartungen eines Rieslings nichts gemeinsam. Seit dem Jahrgang 2008 ist man im Hause Kühn wohl im Ausbau seiner Weine wieder etwas zeitgemäßer, denn die Weine sind inzwischen wieder so, wie man es heute erwartet und zwar auf allerhöchstem Niveau, ich kann jedem nur empfehlen die 09er Kollektion von Jakob Peter Kühn einmal zu verkosten.
2006 Riesling Birkweiler Kastanienbusch, Ökonomierat Rebholz – Pfalz
81 Punkte - Auch wenn ich es am Ende der Verkostung erst erfahren habe, dieser Wein hat mit seinen 14,5% Alkohol meine Vorbehalte gegen diese Alkoholbomben (die es meiner Meinung nach bei Rieslingen einfach nicht geben sollte) voll bestätigt. Mit praller goldgelber Farbe strömt dieser Wein in unsere Gläser. Nachdem ich meine Nase ins Glas gehalten habe, muss ich gleich an das Apfelmus meiner Mutter denken, das es früher - im Herbst - immer zu den frisch geriebenen Kartoffelpuffern gab. Dass in diesen Wein nicht nur gesunde Trauben gekommen sind, ist offensichtlich, aber Botrytis mit einer so hohen Alkoholgraduation gefällt mit einfach nicht, da dies einfach nur einen brandigen Eindruck hinterlässt. Ganz schön sind die Anklänge an die britische Orangenmarmelade. Am Gaumen einerseits sehr weich und schmelzig, andererseits brandig scharf, mit nicht eingepasster Säure. Fazit: „Essigessenz mit Waldhonig“ – Sorry, vielleicht etwas krass formuliert, aber wie man als einer der Topbetriebe in Deutschland so ein Großes Gewächs auf den Markt bringen kann, ist mir ein Rätsel.
2006 Riesling Kanzemer Altenberg, von Othegraven – Saar
85 Punkte – Hier ist man dem Alkoholexzessen nicht erlegen, denn die ca. 12,5% Alkohol liegen in einem Bereich, den ich als ideal für GG empfinde – doch leider hat es in diesem Jahrgang nicht wirklich geholfen. Die Nase zeigt auch wieder diese typischen Anklänge an Äpfel, dazu kommen schöne, florale Noten. Am Gaumen etwas Honig, Apfelkuchen mit einem schönen, mürben Teig, gelbe Früchte; zeigt durchaus aromatische Dichte – „Frucht und Spaß“ habe ich auf meinem Verkostungszettel stehen, leider bricht er hinten sehr schnell ab und ein paar Bitternoten bleiben stehen.
2006 Riesling Westhofener Morstein, Weingut Wittmann – Rheinhessen
90 Punkte – Vielleicht ist es die Konzentration auf den biologischen Anbau, oder vielleicht einfach nur eine gute Weinbergsarbeit und das richtige Fingerspitzengefühl für den Zeitpunkt der Ernte - egal! Die Wahrheit liegt im Glas und das, was ich da vor mir hatte, war zumindest an diesem Abend bislang der beste Wein. In der Nase zeigt sich eine frische Frucht; zwar finden sich auch hier die obligatorischen Noten von Äpfeln, aber immerhin sind diese frisch angeschnitten und knackig. Hinzu kommen Citrusfrüchte und Ananas. Am Gaumen zeigt der Morstein ein schönes Frucht-Säure-Spiel, frische gelbe und Citrusfrüchte sowie erdig-mineralische Noten. Abgerundet wird der positive Eindruck durch eine schöne Länge.
2006 Riesling Schlossböckelheimer Felsenberg, Weingut Schäfer-Fröhlich – Rheinhessen
90 Punkte – Der erste Eindruck in der Nase war schon etwas abstoßend, denn irgendwie erinnerte mich das an „Erbrochenes“ – der Wein brauchte Luft und die Noten der spontanen Vergärung gingen immer weiter zurück. Es setzten sich kräutrig-mineralische Noten sowie Aromen von weißen Blüten durch. Am Gaumen hat der Wein eine schöne innere Spannung, eine schöne kräutrige Mineralik sowie Grapefruit- und Apfelaromen. Nicht ganz so gut gefallen hat mir die leichte Bitternote, die er Richtung Abgang entwickelt. Insgesamt aber ein spannender und ansprechender Tropfen, der trinkig ist und die Hand zum Glas gehen lässt (sofern er etwas Luft bekommen hat).
2006 Riesling Norheimer Dellchen, Weingut Dönnhoff – Nahe
90 Punkte – In der Nase eine sehr fest gewirkter Riesling mit klaren, frischen und sehr schön definierten Aromen. Am Gaumen überrascht eine feste Säure, die jedoch gut integriert ist und dem Wein Frische verleiht. Die eigentliche Fruchtaromatik ist aber überraschend entwickelt; neben den Noten von Quitten, reifen Pfirsichen/Aprikosen und Feigen zeigt der Wein würzige Anklänge. Insgesamt einer schöner Riesling, der jedoch auch schon ein paar Jahre älter sein könnte. Für Dönnhoff-Weine recht kurz im Abgang. Aber wie bei allen Dönnhoff-Weinen muss man sich ein wenig einlassen können und sie in Ruhe genießen, es sind meist stille und natürlich elegante Schönheiten, die völlig ohne Schminke und Botox auskommen.
2006 Riesling Königsbacher Idig, Weingut Christmann – Pfalz
88 Punkte – Der IDIG aus der Monopollage des Hauses Christmann gehört sicherlich in vielen Jahrgängen zu den besten trockenen Rieslingen der Pfalz, häufig auch in ganz Deutschland. Aber auch hier zeigt sich beim 2006er, dass in einem solchen Jahrgang die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Nase ist geprägt von reifen gelben Früchten. Am Gaumen fasst der Wein im ersten Moment noch recht kräftig zu und erinnert mich in seiner Art ein wenig an Wachauer Gewächse. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Noten von weißem Pfeffer, die ich eigentlich so nur vom Grünen Veltliner kenne. Dieser Riesling animiert mit seinen Noten von Quittengelee und kandierten Citrusfrüchten zum Trinken, bricht dann aber recht schnell ab, sodass er hinten nicht das hält, was er vorne verspricht.
2006 Riesling Erbacher Marcobrunn, Schloss Rheinhartshausen – Rheingau
84 Punkte – Wieder so ein Kandidat, von dem ich deutlich mehr erwartet habe. Die Mischung aus Top-Lage und renommiertem „Stall“ sind eigentlich Voraussetzungen für 90 Punkte und mehr. Doch leider ist dieser Riesling mit seinen Aromen von reifen Äpfeln und Quitten schon in der Nase nicht mein Fall. Am Gaumen wird es dann in Sachen Aromatik noch etwas undefinierter bzw. wie es mein Freund Ole immer in solchen Fällen ausdrückt: der Wein ist „mulschig“ (!???) – einerseits zeigt er für sein Alter eine sehr reife Aromatik, anderseits ist da eine unbalancierte Säure, die einem Frische vorgaukeln möchte. Zusammen genommen ist die Geschichte leider nicht rund/balanciert und macht wenig Spaß.
Samstag, 16.10.2010
2005 Gabarinza, Weingut Heinrich – Burgenland
87 Punkte – Die Zusammensetzung der Cuvee für die 2005er Ausgabe des Gabarinzas vom Weingut Heinrich ist ein Schlüssel zu diesem Wein. Wenn ich nicht irre, ist erstmals der Merlot mit 50% dominant in der Cuvee vertreten; für gewöhnlich übernimmt der Zweigelt diese Rolle. Bevor es zu meinen Eindrücken geht, hier die offiziellen Angaben von der Webseite des Weingutes:
50% Merlot, 30% Zweigelt, 20% Blaufränkisch; (Alkohol/Säure/Restzucker: 13,5/5,8/1,5); 6- bis 25-jährige Rebstöcke in der gleichnamigen Lage Gabarinza, gewachsen auf Paratschernosem aus feinem Lockermaterial/kalkhältigem Kulturrohboden. Lese von Hand vom 25. September bis zum 6. Oktober 2005, Selektion im Weingarten, sorgfältige Nachselektion im Weingut am Sortierband, Verarbeitung nach Schwerkraftprinzip (kein Einsatz von Pumpen), Vergärung in Eichenholz-Gärständer bei 28 bis 32°C, manuelles und pneumatisches Untertauchen der Maische, Maischestandzeit 4 Wochen, Malolaktik im Holzgärständer, 80 % neues Holz, 18 Monate Ausbau, abgefüllt am 6. und 7. August 2007.
Wer den Zweigelt-betonten Gabarinza kennt, wird bei diesem Wein überrascht sein, denn die sonst so übliche würzige Üppigkeit ist nicht gegeben. In der Nase dunkle Früchte (Pflaumen, Brombeeren und Schwarzkirschen) mit einem Hauch von Orangen. Am Gaumen ähnliche Eindrücke, die Kirsche etwas deutlicher durch; hinzu kommt eine recht feine Schokonote; mittelgewichtig. Die Säure erscheit mir nicht optimal eingebunden. Trotzdem ein angenehmer, recht eleganter Wein, wirkt aber ein wenig international und erscheint mir recht austauschbar. Sollte jetzt oder bald ausgetrunken werden. (2.Abend Urlaub Österreich)
2006 Pintia, Bodegas y Vinedos Pintia – Toro
93 Punkte – In diesem Stadium ein Schmakofatz-Wein!! Geballte Fruchtaromen, dazu viel Schokolade, etwas Vanille und Spuren diverser Gewürze. Der Wein tritt mit seinen 15%-Alkohol sicherlich in der Schwergewichtsklasse an, weiß aber mit seiner einschmeichelnden Art und seiner Klasse - auch die Damen - zu überzeugen. Am Gaumen sehr schön rund und schmelzig, kleidet Mund und Rachen komplett aus. Dieser Wein ist eine Kombination aus bester mousse au chocolat und frischen Beerenfrüchten (Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren), dazu etwas Muskatnuss, ein Hauch Zimt und Vanille sowie ein kleiner Schuss Kirschwasser. Geht aber nicht nur als flüssiges Dessert - hat mir z.B. hervorragend zu meiner kross gebratenen Ente geschmeckt; kann ich mir aber auch gut zu einem schönen Stück Rinderfilet oder Wild vorstellen. Die Jahrgänge 2004 und 2005 sind noch einen Tick komplexer und eleganter. Meine Liebste hat er trotzdem begeistert, dafür sollte es eigentlich noch 2 Punkte extra geben. Kleiner Nachtrag: Die Bodegas Pintia gehören zu der Unternehmesgruppe von Vega Sicilia (das über viele Jahrzehnte als Spaniens bestes Weingut galt) und im Jahr 2004 ist man erstmals mit dem Jahrgang 2001 offiziell im Verkauf gewesen. (1.Abend Urlaub Österreich)
Donnerstag, 14.10.2010
2007 Côtes-du-Rhône Mon Coeur, J.L. Chave - Rhone
88 Punkte - Eigentlich ist die Domaine J.L. Chave einer der Toperzeuger der nördlichen Rhone und Flaschen dieser kleinen Produktion (weiß und rot) gehören Jahr für Jahr zu den gesuchten Pretiosen, die man nur allzu gerne sein Eigen nennt. Doch Preise rund um die € 100,- pro Flasche sind eine „Eintrittbarriere“ über die nur wenige Weinliebhaber springen (können).
Doch wer sich diesen Luxus nicht leisten möchte/kann, hat mit dem Côtes-du-Rhone eine einfachere Möglichkeit sich die Klasse dieses familiengeführten Hauses (seit 1481 im Familienbesitz) zu erschließen.
Die Trauben stammen zwar weder von den eigenen Weinbergen, noch stehen die Reben an der nördlichen Rhône, aber trotzdem hat man hier einen individuellen und ausdrucksstarken Wein im Glas. Die Cuvee aus Grenache und Syrah stammt von der südlichen Rhone und ist ein Spiegelbild ihrer Herkunft. Lange sonnige Tage lassen die Trauben prall und reif werden und schenken ihnen eine üppige Frucht; die kühlenden Mistralwinde sorgen dagegen für eine deutliche Tag-Nacht-Absenkung und somit für eine gute Säurebildung in den Trauben.
Die Vertragsbauern, die das Ausgangsmaterial für diesen Wein liefern, arbeiten rein organisch und reduzieren die Erträge. Das Ergebnis ist ein Stoff, der mir sehr viel Spass macht, der ursprünglich und kraftvoll ist. Die 2007er Ausgabe ist in der Farbe tief purpur und dunkel. Zwar zeigt der Wein (insbesondere nach dem Öffnen) Noten von Brettanomyces (kurz Brett genannt – also Noten, die bei den meisten Leuten Assoziationen von Pferd hervorrufen), doch mit etwas Luft gewinnen die Noten von Dörrobst, Kirschen, Pflaumen und Schokolade die Oberhand; richtig gut gefällt mir auch der ausgeprägt würzige Geschmack, der mich an schwarzen Pfeffer und Lebkuchengewürz erinnert. Insgesamt ein intensiver Geschmackseindruck, mit schönem Druck und – trotz aller Intensität und 14% Alkohol – recht kühl und mineralisch. Angenehme Länge. Passt hervorragend zu einem gegrilltem Stück Rindfleisch (mit Röstaromen) oder Lammsteaks.
Samstag, 18.09.2010
1996 Valpolicella Superiore, Romano Dal Forno
94 Punkte - Wow, ich kann es einfach nicht fassen, was Romano Dal Forno hier auf die Flasche bringt. Eine "normaler" Valpolicella ist ein Wein (häufig auch: +"chen"), der fruchtbetont ist und im besten Sinne fruchtig, schmatzig, lecker daher kommt. Diese Art von Wein sollte möglichst jung getrunken werden, bevor die pralle Schönheit verwelkt. Ganz anders dieser Einzellagen-Valpolicella "Vigneto di Monte Lodoletta". Lodoletta, der Name einer rassigen Italienierin ?? - Der Name des Weinberges ist hier wohl Programm. Nur ist das nicht irgendeine Bauernschönheit von den Hüglen des Valpolicella! Das hier ist die Wein gewordene Carla Bruni - zumindest, wenn man den aktuellen Gazetten Glauben schenken mag. Einerseits ganz auf Tiefe, Kühle und understatement angelegt, sicherlich auch mit einer distanzierenden Arroganz ausgestattet - andererseits aber: sinnliche Verführung - und zwar über Ecken, so dass man gar nicht merkt, wie man langsam, aber sicher willenlos wird. So sitze ich z.B.gerade in meinem kühlen Weinkeller (ca. 16° Grad Celsius) und versuche alle Neuzugänge in die Kellerverwaltung einzugeben. Dieser Wein macht mich so wuschig und ich kann die Hand gar nicht vom Glas lassen; mit der Folge, dass langsam, aber sicher die Konzentration schwindet. Egal, so einen Genuss stiftenden Wein hat man nicht alle Tage im Glas, also Arbeit bei Seite, zurück in die Wohnung, eine schöne CD einlegen und geniessen!!!
Betörende Nase von ganz dunklen Kirchen und Blaubeeren - mit einem Schlag Sahne darüber; dazu Eindrücke von Thai-Basilikum, Waldboden, Leder, Lorbeeren und Tabak. Am Gaumen immer noch sehr fest, reife, aber noch erstaunlich zupackende Tannine. Dazu kommt eine zarte Fruchtsüße, die aber kaum merklich ist, denn auf der anderen Seite sind da dunkle, fast schon bitter anmutende Eindrück von 80/90%-iger Schokolade, Kirschen und etwas grün wirkenden Kräutern. Geile Länge!!!! Wow, warum ist das nur meine einzige Flasche - ich brauche mehr davon....
Meine Notiz aus 2005 stimmt immer noch - nur sind schon wieder 5 JAhre ins Land gegangen und der Wein ist kaum verändert: http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=38
Montag, 06.09.2010
Ein Kirchspiel; zwei Topwinzer (Keller / Wittmann); acht Verkoster und fünfzehn Flaschen
sollten Aufschluss auf eine Frage geben, die mir schon lange unter den Nägeln brennt: Was dominiert einen Top-Riesling mehr – die Handschrift des Winzers oder das Terroir??
Sieben aufeinander folgende Jahrgänge aus dem Westhofener Kirchspiel der beiden deutschen Spitzenwinzer Philipp Wittmann und Klaus-Peter Keller standen deshalb im Mittelpunkt dieses Verkostungsabends. Ergänzt wurden die in Jahresflights (d.h. paarweise, jeweils mit dem gleichen Jahrgang) servierten Westhofener Rieslinge um einen „Piratenflight“, also zwei Weine, die nicht aus der Lage bzw. nicht aus Rheinhessen stammten.
2004 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
95 Punkte – In der ex post Betrachtung startete die Probe für mich mit dem Knaller! Grüngelber Eindruck; in der Nase vielschichtige Citrusnoten, Kräuter und frische Äpfel. Am Gaumen ein sehr mineralischer Stoff, der einerseits herrlich viel Zug aufweist, auf der anderen Seite, aber eine tänzelnde Art besitzt, die mich total begeistert. Der Wein hat viel Kraft und innere Spannung, ist strukturiert, saftig und gleichzeitig fein und komplex. Ich glaube, die britische Weinjournalistin Jancis Robinson hat mal gesagt oder geschrieben, dass die Kellerweine die deutschen Montrachets sind – ich weiß jetzt, was sie meinte, denn so etwas kann nur auf einem kalkbetonten Boden wachsen. Dieser Riesling hat immer noch so viel Kraft und innere Spannung, dass ich mir absolut sicher bin, dass „Kellerschätze“ über weitere 10 Jahre mit viel Genuss getrunken werden können.
2004 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen
90 Punkte – goldgelb fließt der Wein ins Glas und wirkt vom ersten Eindruck an sehr extrahiert. Er duftet dann auch nach goldgelben, exotischen Früchten und besitzt ein sehr intensives, breites Fruchtaroma. Sehr voller Ansatz, köperreich, sehr rund und mir insgesamt einen Tick zu voluminös - ich fühle mich ein wenig geplättet. Schöne Länge - die Aromen bleiben lange am Gaumen stehen. Ein paar mit Botrytis behaftete Trauben haben wohl Eingang in die Kelter gefunden. Die Säure ist gut eingepasst und eine mineralische Ader durchzieht diesen Riesling, jedoch dominieren die reiche Frucht und der voluminöse Körper den Eindruck bis zum Schluss.
2002 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
91 Punkte – Ein immer noch junger Riesling, der zwar für den geübten Weintrinker ein paar kleine Hinweise auf sein Alter bereit hält, aber eigentlich eher wie ein Filmdiva wirkt, die mit viel Sport und Disziplin ihr Alter seit vielen Jahren erfolgreich verbirgt - trotzdem kein bisschen verschroben oder unentspannt wirkt. Der Wein kommt recht schlank daher, begeistert mit seiner feinen Mineralik und einer leichten Rauchigkeit, die mich an Feuersteine erinnert. Am Gaumen ein vergleichbares Bild: immer noch recht jugendlich, fein und mineralisch, dazu ein paar verwirrende Noten von Sahne-Toffees, nahezu ohne Fruchtaromatik – ganz von der mineralischen Noten geprägt. Mir macht so etwas sehr viel Freude und diese 2002er Ausgabe des Kirchspiels erinnert mich an einen gereiften Chablis Grand Cru. Trotz seiner fast 10 Jahre, die er als trockener Wein auf dem Buckel hat, würde ich mich sehr freuen, wenn mein Bestand größer wäre, als die eine Flasche, die ich noch im Keller habe – bleibt noch für viele Jahre ein großer Genuss.
2002 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen
93 Punkte – auffallend schöne Mineralik, dazu samtfruchtige Noten von Quitten und kandierten Citrusfrüchten; das Ganze verbunden mit einem herrlichen Frucht-Säure-Spiel. Momentan in einem perfekten Reifezustand, sehr tief und hervorragend balanciert. Zeigt am Gaumen eine dichte und konzentrierte Art sowie auffallend schön definierte Konturen. Mich begeistert dieser Riesling mit seiner Komplexität und Harmonie – die so selbstverständlich wirken, dass man fast vergisst, was so ein Wein aufweisen muss, damit man so empfindet.
2006 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
89 Punkte (??) – Noch ein recht unausgewogener Jahrgangsvertreter mit einer merkbaren Restsüße; in der Nase kräutrig-mineralische Noten und verhältnismäßige duftige Fruchtaromen. Am Gaumen ebenfalls von der Mineralik getrieben, Aromen von Anis und anderen Kräutern, substanzreich, aber im Vergleich zu den bisher verkosteten Jahrgängen nicht auf dem gleichen Niveau – hier steht mir alles zu sehr nebeneinander und irgendwie fehlt mir der Glaube, dass dies noch wesentlich besser wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen...
2006 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen
92 Punkte – Erstaunlich monolithischer Riesling für diesen Jahrgang; noch sehr verschlossen – wirkt wie ein Stein, auf dem man lutscht. Aber außer ein paar tabakig-mineralischen Noten ringt man diesem Riesling nicht viel ab. Trotzdem gefällt mir diese Wittmann-Interpretation des Kirchspiels besonders gut, da sie nicht so sehr von der opulenten Frucht lebt, sondern die fokussierte Mineralik aromatisch in den Vordergrund bringt und die lebende Säure aufreizend über die Zunge tanzt. Ich glaube, dass dieser Wein ein Musterexemplar in diesem Jahrgang ist, denn in ganz Deutschland haben viele Winzer aus Angst vor dem Regen entweder zu früh geerntet und die Befürchtungen sind wahr geworden und großen Teile der Ernte sind ihnen unter den Händen weggefault - mancherorts hat dies zu Totalausfällen geführt.
2006 Niederhäuser Herrmannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff - Nahe
90 Punkte – Bereits in der Nase eine für mich eher ungewöhnliche Aromatik, die nicht in die Reihe der bisherigen Kirchspiel-Rieslinge passt – eine so ausgeprägte Etherik habe ich bei keinem Kirchspiel erlebt. Am Gaumen fallen die besondere Weichheit und der Schmelz auf, auch hier wieder etherische Noten und Anklänge an Rosen und Kuchen (Mürbeteig); recht komplexes Spiel, auch Rosinen und Honig. Ich vermute, dass auch bei diesem Wein das Lesegut nicht frei von Botrytis war und so auf den 2006er Jahrgang stilprägend Einfluss genommen hat.
2006 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe
92 Punkte?? – Im Vergleich zum Flight zuvor, ein ähnlicher Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Wein innerhalb des flights. Auch hier wirkt der Wein noch sehr unentwickelt, allerdings spielt hier nicht die (sicher vorhandene) Mineralik die erste Geige, sondern der Wein besitzt eine – für mich noch unfassbare – Gärnote, die eigentlich nur spontan vergorene Weine in ihrer Jugend aufweisen. Sollte der Wein diese Noten nicht ablegen und die leicht laktische Note sich weiter entfalten, dann ist ein Punktabzug nicht zu vermeiden. Aktuell interpretiere ich es einfach so, dass dieser Riesling seine Kinderstube noch nicht verlassen möchte und sich deshalb seine reichlich guten Anlagen noch nicht voll entfalten konnten. Besonders schön ist die ausgeprägte, kräutrige Mineralik, die diesem muskulösen Riesling mit viel innerer Spannung einen rauchigen Ausdruck verleiht.
2007 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
94 Punkte – wunderbarer Stoff !! Wirkt noch sehr jugendlich, strahlt dabei aber schon eine Eleganz und Finesse aus, die mich in ihren Bann zieht. Sehr klar und rein, dieses junge Kirchspiel zeigt eine schöne innere Dichte und feine Saftigkeit, die kombiniert mit der perfekt integrierten Säure und der präzisen mineralischen Art bei mir eine Assoziation aus Herr der Ringe hervorruft – die Elbenprinzessin Arwen war von ähnlicher sinnlicher Schönheit, Feinheit und Eleganz. Wenn man es etwas profaner ausdrücken möchte, dann spricht man von Eindrücken, die an Melonen, weißen Pfeffer; Gletscherwasser, Citrusfrüchte oder geröstete Haselnüsse erinnern, vielleicht auch von der auffallend klaren Mineralik; aber diese sinnliche Eleganz lässt sich einfacher mit dem Bild der von Liv Tyler verkörperten Elbenprinzessin transportieren.
2007 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen
93 Punkte - In 2007 haben die Reben in der Lage Kirchspiel wohl ideale Bedingungen gefunden, denn auch das Ergebnis von Philipp Wittmann ist bestens gelungen. In der Nase präsentiert sich ein wunderbarer, satter Duft von reichlich gelben Früchten, unterlegt von einer kräutrig-mineralischen Note. Der gesamte Mund wird ausgekleidet von einer Kombination von gelben und exotischen Früchten, Keksen, Karamell und Orangen. Die recht kräftige Säure passt gut zu der kompakten, dichten Art dieses Rieslings; sehr saftiger Eindruck. Auch wenn die Fruchtaromen klar im Vordergrund stehen, so verleiht die hintergründige Mineralik diesem Wein die notwendige Komplexität, um klar über 90 Punkte zu kommen. Bleibt lange am Gaumen stehen. Um den Trinkgenuss in den nächsten fünf bis zehn Jahren mache ich mir keine Sorgen.
2008 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
93 Punkte – Noch sehr junger und unentwickelter Riesling, in der Nase sehr klar und fokussiert, dezent kräutrig (Eindruck des Tages ;-) - Gurke); erinnert mich wieder an einen TOP-Grand-Cru Chablis. Am Gaumen klar und deutlich von der sehr festen Mineralik geprägt, sehr viel Zug und Kraft - ein wenig adstringierend. Was für ein schöner und stattlicher Bub!! Wenn der mal erwachsen wird, verdreht er sämtlichen „Töchtern“ den Kopf. Aber auch als Jungspund eine wahre Freude. Erinnert mich irgendwie an unseren mittwöchlichen Kick, wenn die Männer um die 40 mal wieder meinen Fussball spielen müssen und das Niveau sich auf Not gegen Elend einpendelt – dann aber die 15-jährigen Jungs fragen, ob sie mitspielen dürfen und uns links und rechts machen, so dass man manchmal nur noch mit offenem Mund dasteht und von dieser Spielanlage und dem Ballgefühl fasziniert ist. Leider sind ein paar Jungs so spielverliebt, dass sie vergessen, die wichtigen Tore zu machen. Doch dass wird bei diesem Kirchspiel nicht passieren, der begeistert in zwei, drei Jahren jeden, der ihn ins Glas bekommt und Konkurrenz braucht er auch nicht zu fürchten – das wird ein „Knipser“ (einer, der jedes Tor macht und nicht aus der Pfalz kommt )
2005 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
93 Punkte - Auffallend an den beiden 2005er Ausgaben von Kellers und Wittmanns Kirchspiel ist die stilistische und aromatische Annäherung der beiden Rieslinge; wobei das Kirchspiel von Wittmann sich der sehr reinen, filigranen und die Mineralik betonenden Art der Kellerweine annähert.
Das Kirchspiel von Keller ist kühl, sehr klar und reintönig. Aromatisch wunderbar tief und fest. Die feingliedrige Säure und die mineralische Prägung animieren zum Trinken, ich kann kaum die Hand vom Glas lassen. Bei aller Eleganz, der Wein hat Zug und Kraft und wirkt engmaschig gewoben. Gute Länge. Ein sicherer Trinkgenuss in den nächsten fünf bis acht Jahren.
2005 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen
92 Punkte – Bereits in der Nase vermittelt dieser Wein einen sehr klaren Eindruck mit seiner schönen, leicht tabakigen Würze; Aromen von gelben Steinobstfrüchten und Citrusfrüchten runden das Bild ab. Auch am Gaumen dominiert die kräuterwürzige, tabakige Mineralität. Die sehr gut integrierte Säure, verbunden mit dem kräftigen Körper, lassen bei mir die Zunge schnalzen. Ich liebe diese Form von feiner, salziger Mineralität, die diesen Riesling vom ersten Eindruck in der Nase bis in den schönen Abgang durchzieht. Insgesamt eine „griffige und zupackende“ und gleichzeitig komplexe und feine Interpretation des Kirchspiels von Wittmann, die ansonsten deutlich fruchtbetonter und runder wirkt.
2003 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen
92 Punkte – Unglaublicher substanzreicher Riesling; diese aromatische Opulenz macht wach! Die zupackende Mineralik und die feste, bestens integrierte Säure bilden ein Team, das ein komplexes und raffiniertes Zusammenspiel ermöglicht. Klar und reif in der Aromatik; sehr ausdrucksstark. Mich erinnert dieser Wein an eine Brausewürfel aus der Kindheit – und das ist nicht als Beleidigung, sondern als großes Kompliment gemeint, denn ich habe es geliebt, dieses Kribbeln auf der Zunge und die intensive Aromatik, bevorzugt Waldmeister. Auch dieser Wein erzeugt bei mir dieses gewisse Kribbeln, nicht weil er etwa nachvergoren ist, sondern weil er einerseits den ganzen Rachenraum mit vielfältigen, klaren und reintönigen Fruchtaromen ausgekleidet und andererseits die Mineralik fast schon kribbelt. Insgesamt sehr animierend und auf sehr hohem Niveau trinkig; hinten heraus leider nicht ganz so lang wie erhofft. Sicherlich noch viele, viele Jahre mit Freude zu trinken.
2003 Westhofener Kirchspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen
91 Punkte – in der Nase immer noch Noten, die eher junge spontan vergorene Weine aufweisen. Dazu kommen Aromen von Citrusfrüchten und gelben Früchten. Hat einen schönen Druck und Zug am Gaumen; insgesamt mit guten Struktur unterlegt. Am Gaumen durchzieht eine feine Mineralik den Wein, aber die gelben Früchte behalten aromatisch klar die Oberhand. Gute Länge – well done!
Als Fazit der Probe möchte ich meinen Weinfreund Reiner zitieren, der auch meine Eindrücke perfekt zusammengefasst hat:
„Ein wichtiges Ergebnis war sicher (außer dass Keller und Wittmann hervorragende Winzer sind und Kirchspiel eine herausragende Lage ist), dass offensichtlich der Einfluss des Winzers auf den Charakter eines Weins stärker ist als der Einfluss der Lage. Es ließ sich durchgehend ein eher auf Frucht und Opulenz gerichteter Stil (Wittmann) und ein eher puristischer, die Mineralität hervorhebender Stil (Keller) unterscheiden. Die Ausprägung dieser Unterschiedlichkeit variierte zwar je nach Jahrgang, war aber in der Tendenz immer spürbar. Dass das Terroir bei aller Unterschiedlichkeit der Weine doch eine Gemeinsamkeit herstellt, merkte man aber an den beiden Nahe-Weinen, die relativ schnell als Piraten identifiziert werden konnten.“
Sonntag, 13.06.2010
2006 Grüner Veltliner Vinothekfüllung, Weingut Knoll - Wachau
92 Punkte - fast gleiche Punktzahl wie vor einem Jahr (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=387); braucht aktuell aber deutlich mehr Luft und zeigt eigentlich erst am zweiten Tag, was in ihm steckt. Immer noch ein fettes Baby, das im Vordergrund über viel Frucht von reifen Äpfeln, Quitten und Citruaromen verfügt, aber hinten heraus brennt (im wörtlichen Sinne) die Mineralik mit deutlich salzigen und kräutrigen Noten, leider auch wenig der Alkohol. Dieser Wein ist defintiv (!!) nicht für Liebhaber filigraner Weine, das ist ein Wein, der den Hammer raus holt und der es mit seinen 14,5% Alkohol (so viel stehen zumindest auf dem Etikett, mich würde es nicht wundern, wenn er in Wirklichlkeit noch etwas höher ist) es auch nicht verzeiht, wenn man eine Flasche über den Abend verteilt trinkt. Trotzdem mag ich solche gut gemachten Weißweingrananten, da sie über viele Schichten verfügen und so -wie diese Vinothekfüllung - eine erhebliche Länge im Abgang aufweisen.
Mittwoch, 26.05.2010
2008 Riesling Winninger Uhlen R / Roth Lay - Heymann-Löwenstein
94 Punkte - Jedes Jahr freue ich mich, wenn dieser Stoff im zweiten Frühjahr nach der Ernte freigegeben und geliefert wird. Auch dieses Jahr musste eine Flasche gleich wieder daran glauben, um meine Neugier zu befriedigen.
Doch vorab ein paar Infos, die ich gerne in Form von links wiedergebe, denn es wird und wurde so viel über die Reinhard Löwenstein und seine Frau Cordula Heymann-Löwenstein geschrieben, dass eine kurze Zusammenfassung hier nur mangelhaft ausfallen kann. In erster Linie empfehle ich dem geneigten Leser die homepage des Weingutes und hier speziell die Pressesammlung als Quelle der Inspiration:
http://www.heymann-loewenstein.com/Neu/Presse/100_Presse.htm
Als Einstieg eignen sich hier die Essentials und hinsichtlich der Weinbergslagen sollte man den Artikel "Die 1.Lagen Uhlen und Röttgen" lesen. Echten Weinfreaks und Hobby-Geologen kann ich den tollen Artikel "Erste Lage Uhlen - Von der Geologie zum Terroir" von Dr. Ralf Kröll und Reinhard Löwenstein empfehlen. Und wer sich für die (nicht nur) vinophilen Weltanschauungen des Reinhard Löwenstein interessiert, dem sei sein Buch "Terroir - Weinkultur und Weingenuss in einer globalen Welt", erschienen im KOSMOS-Verlag, an Herz gelegt.
Sehr informativ ist auch das Probenprotokoll einer sensationellen Vertikalverkostung Winninger Uhlen von 1996 bis 2007, nachzulesen unter: http://www.weinkaiser.de/?p=1131
Genug der Theorie, jetzt zur Praxis: Am ersten Tag nach dem Öffnen wirken die jungen Weine von Heymann-Löwenstein immer recht üppig, fast schon ein wenig barock und der Zuckerschwanz ist vielleicht sogar ein wenig aufdringlich. Zwar bin ich ein Verfechter der These, dass ein großer Wein zu jedem Zeitpunkt überzeugen sollte, doch die Erfahrung zeigt, dass sich speziell bei den großen Lagenrieslingen von Heymann-Löwenstein die Lagerung über ein paar Jahre nicht nur empfiehlt, sondern geradezu aufzwingt. Aber was macht man da mit seiner Neugier, wenn der neue Jahrgang geliefert wird?? Man zwingt sich einfach, die Flasche nicht gleicht auszutrinken, sondern - so wie bei mir durch die Abwesenheit zu Pfingsten - ein paar Tage angebrochen gut temperiert stehen zu lassen. Heute ist Tag 5 nach dem Öffnen und ich freue mich, dass ich die Geduld aufgebracht habe, denn jetzt zeigt der Wein schon eher, welche Klasse in ihm steckt. Besonders auffallend ist jetzt die seidige Textur, mit deren Hilfe dieser tiefe und hochelegante Riesling Mund-und Rachenraum auskleidet. Dabei ist er sehr fest gewoben und körperreich und die Aromen von weißen und gelben Steinobstfrüchten fechern sich langsam auf, wenn man den Stoff kauend geniesst. Die wunderbar kräftige Mineralik kommt aromatisch durch eine feine Tabakwürze und kräutrige Noten zum Tragen und entfacht eine Vibration, die auch nach dem "Schlucken" noch lange nachklingt. Für mich ist dies ein Riesling wie aus einem Guss, der sich zur Zeit nur langsam und noch etwas widerwillig Schicht für Schicht abtragen lässt.
Fazit: Bilderbuchstoff für forgeschrittene Weintrinker, die beim Genuss Zeit und Muse mitbringen und sich auf so einen Stoff einlassen können. Ein Wein zum "Entschleunigen"
Mittwoch, 19.05.2010
2003 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese, Weingut Flick - Rheingau
91 Punkte - Da sag mir doch einer noch mal, dass es im Jahrgang 2003 nur breite Weine, ohne Charme und Klasse gibt. Aber Gott sei Dank bestätigen Ausnahmen die Regel. Und so eine Ausnahme habe ich gerade im Glas - wundebare, dichte Nase mit vollreifen Aromen von Bratäpfeln, Honigmelone und Quitten. Darüber spannt sich ein Hauch von Firne und der Geruch von feuchten Steinen nach einem Sommergewitter. Der eigentliche Gong kommt aber, wenn der Wein in den Mund strömt - so eine satte Frucht von gelben und weißen Früchten (ohne jeden Anflug von Breite) hatte ich bei einem trockenen Riesling selten im Glas. Ein Maul voll Wein ist wohl hier die richtige Beschreibung. Die Hand geht ständig zum Glas, auch wegen der reifen Säure und den mineralischen Noten, die dem Wein eine gute Balance geben und ihn lange, sehr lange tragen. Dazu geht ein schön gegrilltes Stück Fleisch - Herz, was willst du mehr.
Dienstag, 20.04.2010
2000 Cims de Porrera Classic, Cims de Porrera - Priorat
92 Punkte - Mit dem ersten Jahrgang 1996 erzeugte dieser Wein in Deutschland großes Aufsehen und seitdem taucht er mit beständiger Regelmäßigkeit in diversen Weinforen immer wieder auf. Da ich ein großer Freund von vertikalen Verkostungen (ein Wein über diverse Jahrgänge) bin, muss ich zugeben, dass ich den Tropfen "blind" über mehrere Jahre gekauft und eingelagert habe. Nach und nach öffne ich nun die Flaschen und versuche nachzuvollziehen, warum dieser Wein ein solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Da über das "Projekt" Cims de Porrera genug geschrieben wurde, erspare ich mir hier Details und empfehle dem interessierten Leser den Wein zu googlen. Reduziert auf meine Verkostungseindrücke läßt sich zur 2000er Ausgabe folgendes sagen: Mit einer dichten, rubinroten Farbe und offensichtlich unfiltriert fliesst er ins Glas. Die Nase ist geprägt von eingekochten roten Früchten, primär Kirschkonfitüre. Frisch geöffnet ist er irgendwie schwierig (max. 89 Punkte), aber mit etwas Luft wird er deutlich klarer in der Aromatik, auch am Gaumen wird er nach 1-2 Stunden immer schöner (aber bitte nicht dekantieren). Zunächst erinnert mich das noch etwas diffuse Aroma stark an eingekochte Früchte und ich bin nicht sonderlich begeistert, doch mit zunehmender Luft gewinnt er deutlich an Kontur und nach 1-2 Stunden ist er geprägt von einer klaren, schönen Kirschfrucht, die mit ausgereiften Tanninen und einer sehr schönen Säure unterlegt, daher kommt. Der Wein ist dann schön saftig und entfaltet sein gesamtes Potential. "Schmatzig" habe ich mir notiert, der Speichelfluß im Mund nimmt deutlich zu und ich kaue immer länger auf diesem, inzwischen herrlichen Stoff. Der Abgang wird immer länger und alle 15 Minuten ziehe ich meine Punkte nach - waren da zu Beginn maximal 89 Punkte im Glas, so komme ich nach ca. 2 Stunden schon auf 92, auch die 93 sind nicht abwegig. Ich habe in der letzten Zeit selten einen Wein aus diesem Jahrtausend erlebt, der innerhalb von 2 Stunden so zugelegt hat. Einen letzten Schluck, einen "Zungenschnalzer" und 92 Punkte als mein Bekenntnis für die Trinkfreude, die er mir bereitet hat sowie einen letzten Rest in der Flasche für die morgige Nachverkostung und die Welt ist trotz Flugverbot und kurz bevorstehendem Urlaub in Paris (wie komme ich nur dahin?) in Ordnung.
Mittwoch, 14.04.2010
2006 Chablis Fourchaume Premier Cru, Domaine du Colombier - Burgund
91 Punkte - Vor ca. drei Jahren sind drei Freunde und ich für ein paar Tage in die Champagne gefahren, um uns kostengünstig mit Champagner von kleinen, ausgesuchten Erzeugern einzudecken. Da Neugier regelmäßig über Vernunft siegt, haben wir an einem Tag unserer Reise einen Abstecher in das nahegelegene (??) Chablis gemacht - für mich das eigentliche highlight der Reise. Ich glaube, Nils war derjenige, der sagte, wir müssten bei der Domaine du Colombier vorbei, dort gäbe es sehr gute Weine. Gesagt, getan und so sind ein paar Flaschen dieses in Deutschland noch recht unbekannten Erzeugers (aber mit ca. 35 ha doch für die Region recht großn Erzeugers) in meinen Keller gewandert. Was für ein Glück, denn jetzt beginnt der 06er Fourchaume eine erste Trinkreife zu zeigen und offenbart, was in ihm steckt:
Sehr klare, strahlende, rechte helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Im Bukett mit einer einladenden Blütenaromatik, etwas Kamille und Eindrücken von Netzmelonen (Galiamelonen); zwischendrin auch leicht wachsige Aromen. Am zweiten Tag deutlich mehr gelbe Frucht (Apfel und Melone). Auf der Zunge entfaltet sich eine wunderbare, intensive Frucht und Mineralik, die am zweiten Tag noch viel schöner ist als direkt nach dem Öffnen der Flasche. Herrlich saftig und eine große, aromatische Länge habe ich mir auf meinem Zettel notiert und so komme ich direkt ein bisschen in Schwärmen, denn auch der cremige Schmelz und die leicht sahnige Art finden als Gegenspieler eine animierende Frische und eine perfekt eingebaute Säure. Die deutlich mineralischenie (Kreide-) Noten, dazu Aromen von Melonen, Blüten und Citrusfrüchten - durchsetzt mit sahnigen Noten (nicht aus dem Barrique) - machen diesen Chablis aus sicherlich einer besten Premier Cru Lagen zu einem echten Erlebnis. In Anbetracht der explodierenden Preise im Weinmarkt ist dieser Stoff auch in Deutschland mit einem Preis von unter Euro 20 noch als Schnäppchen zu bezeichnen.
Wer die aktuellen Jahrgänge 2008 oder 2009 kauft, sollte ihnen zwei oder drei Jahre Ruhe im Keller gönnen.
Samstag, 10.04.2010
1978 Musigny Vielles Vignes, Comte Georges de Vogüé – Burgund (Top of the Pops)
94 Punkte - Immer noch sehr fest und mit ordentlichem Speck auf den Rippen präsentiert sich der Musigny Vielles Vignes vom Comte Georges de Vogüé, übrigens eines derjenigen Häuser, das Parzellen von Bernard Grivilet übernommen haben soll (wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht). In der Aromatik seinem Vorgänger nicht unähnlich, aber noch deutlich fester und straffer. Auffallend schön, auch hier eine feine Süße, die diesen hervorragenden Burgunder ebenfalls auszeichnet. Die ausgeprägte Eleganz des Chambolle Musignys von Grivilet kann das „Flaggschiff“ des Comte Georges de Vogüé aktuell noch nicht (!!)ganz bieten, aber das Potential in ein paar Jahren mit dann gleichem Erfolg zu reüssieren ist vorhanden.
Mittwoch, 24.03.2010
1978 Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvee, Bernard Grivilet - Burgund (Top of the Pops)
96 Punkte - Einmal mehr zeigte sich, dass die Weine von Bernard Grivilet lange Zeit das Maß der Dinge im Burgund waren. Zwar wird kolportiert, dass er bereits in den 70er Jahren den Kunden seines Handelshauses angeboten haben soll, sich den Jahrgang auf dem Etikett auszusuchen, doch letztlich verbinde ich bislang mit den Weinen seiner Domaine nur unfassbar schöne Trinkerlebnisse. Einen Wein von überirdischer Schönheit und eines meiner bislang größten Weinerlebnisse habe ich auch ihm zu verdanken (ein 1945er Chambolle-Musigny). Auch dieser Chambolle ist kein Ausreißer in der Reihe und der erste Eindruck in der Nase, geprägt von einer tiefen und sehr feinen Aromatik, lässt diese Unruhe in mir aufkommen, die ich immer verspüre, wenn ich das Glück habe, besonderen Weinen zu begegnen. Tee von roten Beeren, Feuerstein und eine feine, elegante Süße sind Eindrücke, die mich anfixen. Am Gaumen seidige Eleganz und ein hauchzarter Schmelz, dazu ein Eindruck auch gut zu einem Rhonewein (in Form von verbrannter Erde und heißen Steinen - und vielleicht ist ja auch etwas Rhone drin ;-))) passen würde.
1967 Martha’s Vineyards, Heitz Cellars – Kalifornien (Top of the Pops)
97 Punkte – Unglaublich „LECKER“ habe ich mir bei diesem 67er Martha’s Vineyards notiert, aber das ist nicht dieses „lecker“, das man häufig aus lauter Verlegenheit benutzt, wenn einem nichts anderes einfällt und man seinen Gastgeber nicht brüskieren möchte. Dieses „LECKER“ steht für mich für die wahre Freude und den großen Genuss. Dies ist ein Stoff von klassischer Schönheit, der mich durch seine wunderbare aromatische Tiefe und Struktur sowie sein hohes Maß an Komplexität und Länge total begeistert hat. Mit Momentaufnahmen wie: feine Pfefferwürze, dezente Malzsüße oder elegante Minzaromatik kann man diesem Wein nicht gerecht werden, aber es sind kleine Hinweise auf die Schönheit der Reise, auf die man bei diesem Wein mitgenommen wird. Ich glaube zwar kaum, dass es nochmals einen Leser geben wird, der diese Eindrücke nachvollziehen kann, denn so rar sind alte Matha’s Vineyards, aber umso mehr möchte ich unserem Weinfreund danken, der diese Flasche angestellt hat!
Sonntag, 21.03.2010
1993 Chateau Valandraud – Bordeaux (Top of the Pops)
90 Punkte – Das Pendant in diesem fünftem 2er-Flight, der 1982er Grand-Puy-Lacoste hatte leider einen schleichenden Kork und war kein Vergnügen (daher ohne Bewertung). Umso erfreuter war ich als ich die Nase bei diesem Wein zum ersten Mal ins Glas hielt. Zwar hatte ich zu Beginn eine Assoziation mit Pferdemist (aber man kann es ja auch etwas freundlicher formulieren und von Pferdebox oder –stall reden), aber dann zeigte dieser immer noch sehr jung wirkende Wein sowohl in der Nase, was in ihm steckt: viel Röstaromen, Schokolade und grüner Tabak – insgesamt etwas uneben und vielleicht sogar ein Hauch bäuerlich, aber andererseits gefallen mir die Frucht und die Eindrücke von wilden schwarzen Beeren, Wachholder und Lorbeer, gepaart mit etwas grünem Paprika. Am Gaumen hält er leider nicht ganz das, was die Nase verspricht, denn die Frucht ist den etwas grün wirkenden Tanninen nicht mehr ganz gewachsen
Dienstag, 16.03.2010
1995 Cheval Blanc – Bordeaux (Top of the Pops)
91 Punkte – Vielleicht kam dieser Beau, dieser weichgespülte Jüngling nach diesem Kerl von Wein in der Bewertung etwas schlecht weg, denn irgendwie hätte ich lieber den 1982er Gruaud Larose weiter getrunken, als diesen Wein, der einem dieser bildschönen Hugo (Boss)-Bubi-Models auf dem Laufsteg in Paris gleicht, denen zwar auch die Mädels zu Füßen liegen, aber die sooo schön sind, dass man sie als Mann eigentlich nicht ernst nehmen kann – glatt und septisch eben. Zu Beginn laktische Noten in der Nase, dann viel Kirsch durchzogen mit Eukalyptus. Einerseits sehr weich am Gaumen, mit sahnigem Schmelz und Noten von Heidelbeerkuchen mit Schmand, andererseits mit sehr lebendiger Säure, die etwas außen vor steht. Modern gemachter Wein, der jetzt schon getrunken werden kann, aber leider hinten heraus nicht ganz das halten kann, was die fruchtige Aromatik zu Beginn verspricht. Klingt vielleicht alles etwas negativ, aber 91 Punkte sind ja nicht schlecht – oder? Obwohl bei dem Preis?
1982 Chateau Gruaud Larose – Bordeaux (Top of the Pops)
97 Punkte – Rrrrh, what a man, die Damenwelt wäre wohl begeistert, denn dieser Stoff ist der Wein gewordene Sean Connery, eine Mischung aus Kerl und Gentleman, aus schottischer Derbheit und weltgewandtem Auftreten, einem von der Natur gegerbtem Gesicht mit spitzbübischem und verführerischem Lächeln. Für mich ist dieser Wein der Inbegriff eines klassischen Bordeaux; intensive Nase mit Noten von Speck und Rauch; einerseits urwüchsig, fast animalisch, andererseits mit viel Charme und Finesse. Am Gaumen immer noch unglaublich jung, mit viel Kraft, Druck und kernigem Körper – hat einen mächtigen Bums würde man wohl beim Rugby oder Fußball sagen. Dazu passen die ledrigen Noten genauso gut wie die schwarzen Beeren und die getrockneten Kräuter- und Lorbeernoten. Bei so einem Wein geht bei mir die Hand permanent zum Glas, aber es gibt auch Momente, da sitzt man fast meditativ in der Ecke und genießt die aromatische Länge jedes Schlucks.
1937 Chateau Climens – Barsac (Top of the Pops)
95 Punkte – Beim Climens hatten wir dann endgültig funkelnd süße Cola im Glas. Bereits beim ersten Schnuppern war klar, das ist eine kleine Aromenbombe, die aber zur Zündung noch viel Luft brauchte. Bedingt durch eine heftige Druckwelle werden die Aromen an den Gaumen gepresst. Sehr süßer und voluminöser Eindruck, aber trotz dieser power, die auch für einen so alten Süßwein absolut beeindruckend ist, hat mir der vorhergehende 21er Doisy Daene auf Grund seiner Differenziertheit und Eleganz einen Hauch besser gefallen.
Dienstag, 09.03.2010
1921 Chateau Doisy Daene – Barsac (Top of the Pops)
97 Punkte – Alte Süßweine sind ein Kapitel für sich, in ihrer Jugend kann ich selten etwas mit ihnen anfangen, selbst „midage-Ausgaben“ zeigen nicht häufig das, was diese „alte Dame“ an Komplexität, Eleganz und Genuss ausstrahlte. Der Anblick im Glas wird ungeübte Altweintrinker eher abschrecken, denn es sah so aus, wie das Mixgetränk, das man den Japaner immer andichtet: ein Mix aus Cola, Weißwein und Wasser. In der Nase der totale „Nasenbär“, denn diese Melange aus frisch geröstetem Malz und vielen, vielen getrockneten Kräutern erinnert mich einerseits an Kräuterlikör, andererseits an eine Mischung aus Kinderhustensaft und Colaflaschen von Haribo. Ja, ja ich weiß, das ist keine professionelle Weinbeschreibung, aber muss es auch nicht ;-) Am Gaumen nicht minder interessant - man gleitet nach jedem Schluck mit der Zunge über die Lippen, um noch mal die gewonnenen Sinneserlebnisse Revue passieren zu lassen. Zunächst ein furioser Auftakt mit viel Karamell, dunkler Edelschokolade und malzigen Kräuterbonbons. Dann wird der Eindruck etwas „leiser“, der Wein gewinnt weiter an Komplexität (mit feiner Rosenaromatik) und Eleganz, um sich in einem nicht enden wollenden Abgang nur ganz, ganz langsam zu verlieren.
1947 + 1943 Gröver Engelberg Riesling naturrein, Drei Giebelhaus Kellerei – Mosel (Top of the Pops)
90 Punkte ?? - Auch der 2. Weißweinflight war ein Knaller, denn als Roman Niewodniczanski von Van Volxem uns fragte, was wir von den beiden vor uns liegenden Weinen halten würden und was wir glaubten, wie alte diese Weine sind, griffen wir schon alle in die etwas älteren „Kisten“, aber dass wir hier einen „gewöhnlichen“ 1943er und 1947er Moselriesling vor uns hatten, auf diese Idee konnte keiner kommen. Aber um diese beiden Weine rankte sich noch eine weitere schöne Geschichte, denn Roman erzählte, dass ein ehemaliger polnischer Mitarbeiter, der jetzt bei einer Baufirma arbeitete eines Tages anrief und berichtete, dass man beim Erdaushub eines bereits vor vielen, vielen Jahren abgebrochenen Hauses auf alte Flaschen gestoßen war. Die Weine der heute nicht mehr existierenden „Drei Giebelhaus Kellerei“ wurden so aus ihrem „Gefängnis“ gerettet, in dem sie über Jahre, Jahrzehnte unter einem absoluten Vakuum und ohne jeden Lichtstrahl zugebracht hatten. Auch wenn diese idealen Bedingungen sicherlich besonders günstig waren, ist es dennoch faszinierend, dass ein naturreiner Riesling, der in diesen Kriegs-bzw. Nachkriegsjahren garantiert ohne besondere Technikausstattung absolut natürlich vergoren wurde, heute noch eine solche Performance hinlegt.
Die 43er Ausgabe des Trabener Geispfad (so hieß zumindest damals das Teilstück der heute leider flurbereinigten und somit namentlich nicht mehr existierenden Lage) war zu Beginn etwas rauchig in der Nase, auch etwas medizinal, mit leichten Noten von Nagellack, was jedoch mit der Zeit verflog. Am Gaumen hat mich die glockenklare (kühl und klar wie ein Gletschersee) Art begeistert. Der Wein hat immer noch eine tolle Struktur, ist mineralisch und etwas sehnig, so wie der Marathonläufer, der einmal um den Gletschersee läuft. Gut zu Gesicht standen dem Wein auch die feinen, sehr dezenten Citrusnoten.
Die 47er Ausgabe war etwas barocker, in der Nase zu Beginn ein Mix aus Misthaufen und Pfefferminz – klingt lustig, aber manchmal ist es wirklich schwer die erlebten Eindrücke zu assoziieren. Beim Trinkgenuss kamen dann Eindrücke von frischer Maracuja und einer gewissen Kräutrigkeit (frische Bergkräuter) hinzu. Stämmiger Stoff, der leider im Abgang dann etwas kurz ist.
Mit der Bepunktung der beiden Weine ist das so eine Sache - absolut gesehen liegt so ein Wein knapp unter 90 Punkten, betrachtet man jedoch z.B. die Relation aus Alter und Frische, dann strebt das Ganze in Richtung Höchstmarke. Letztlich habe ich versucht alle Aspekte in die Bewertung einzubeziehen, auch die Freude beim Trinken … und diese alte Knochen „liefen“ unglaublich gut, wobei mich die Leichtigkeit und Frische des 43er (bei 10,5% Alc.) etwas mehr begeistert hat, als die aromatische Fülle des 47er (11,0% Alc.).
Donnerstag, 04.02.2010
1955 Le Montrachet - Vandermeulen - Burgund (Top of the Pops)
93 Punkte – Der 1955er Le Montrachet aus der Vandermeulen-Abfüllung wirkte da deutlich schlanker, aber auch klarer. Als der Wein in Glas kam, hatte er eine leichte Spritnase und Anklänge von frisch lackierten Fingernägeln (nur konnte ich nicht die Dame ausmachen, die ihn gerade aufgetragen hatte) – doch dieser Eindruck verflog. Einige am Tisch diskutierten auch über einen kleinen (Kork-)Böchser, aber ich glaube, dass der Wein einfach etwas Luft und Zeit (die ihm einige nicht ausreichend gaben) brauchte, um sich zu entfalten. Mir gefiel insbesondere die elegante Leichtfüßigkeit, mit der er dann über die Zunge tanzte. Der Wein war dabei so unglaublich mineralisch und immer noch straff, sodass man einen völlig anderen Eindruck hatte, als die 55 Jahre, die zwischen dem Jahrgang auf Etikett und der subjektiven Wahrnehmung lagen. Sehr klar, stringent und herrlich elegant - Jil Sander in Perfektion, aber wer kennt diese Mode im Original noch.
1947 Le Montrachet - Vandermeulen - Burgund (Top of the Pops)
90 Punkte - Mit dem 1.Weißweinflight war auch sofort klar, warum diese Probe Top of the Pops hieß; einen 1947er Le Montrachet aus einer Vandermeulen-Abfüllung hat man wirklich nicht alle Tage im Glas. Aber dass im Nachbarglas dann auch gleich noch das 1955er Pendant steht, ist ein Glück, das nicht vielen Weinfreunden beschieden sein dürfte. Aber gerade bei solchen Flaschen zeigt es sich mal wieder, wie wichtig das „blinde“ verkosten ist, denn jeder halbwegs weininteressierte Mensch erstarrt schon beim Anblick einer solchen Flasche, geschweige denn, dass man sie als Doppelpack ins Glas bekommt. Der 1947er war bernsteingelb, verströmte in der Nase leichte Nussnoten, am Gaumen zeigte er einen cremigen Schmelz, wirkte aber auch etwas stumpf. Im Geschmack erinnerte er mich ein wenig an die Orangensticks, die es mal vom Schokoladenhersteller „Sprengel“ gab (ich glaube, heute gibt es weder die Sticks noch Sprengel mehr) und die ich als Kind sehr mochte. Die Art der Aromatik lässt wohl den Schluss zu, dass das Traubenmaterial einen recht hohen Anteil an Botrytis hatte, dies erklärt vielleicht auch den Hauch an flüchtiger Säure, den dieser barocke, etwas in die Jahre gekommene Brocken verströmte.
1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Karthäuserhof - Mosel (Top of the Pops)
92 Punkte - Sozusagen zur Einstimmung gab es den einzig „offen“ ausgeschenkten Wein an diesem Abend. Aus der Magnum kam ein prachtvoller 1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese Goldkapsel ins Glas. Mich faszinierte insbesondere sein glockenklarer Ausdruck. Am Gaumen immer noch unglaublich saftig, dicht und jung, mit viel gelben (kandierten) Früchten und deutlichen Ananasanklängen. Neben einem wirklich schönen Spiel zwischen Süße und Säure, zeigt dieser immerhin schon 17 Jahre alte Riesling eine Mineralität, die vom Feinsten ist, und da er erst am Beginn seiner Reife ist, dürfte man noch viele, viele Jahre ganz viel Freude an diesem Musterexemplar haben.
Top of the Pops Weinprobe
Der Wineterminator hatte zur Top of the Pops Probe eingeladen und von nah und fern kamen sie, die genussverliebten Weinfreaks. Nicht nur die Weine waren an diesem Abend besonders spannend, sondern auch die Gespräche darüber. Die Küche des mir besonders lieb gewordenen Düsseldorfer Restaurants „Schorn“ leistete ebenfalls einen tollen Beitrag zum Gelingen dieses Abends.
In den nächsten Tagen folgen die einzelnen 2er- flights - es wird spannend ....
Mittwoch, 03.02.2010
2008 Wiltinger Braunfels, Van Volxem - Saar
90 Punkte - Habe gerade dieses wirklich leckere Teil im Glas. Das ist Rieslingfreude pur. Ungemein trinkig und Schiefer-lutsch-Spaß pur. Besonders willkommen sind mir die 11,5% Alkohol; der Wein animiert. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen zu so später Stunde nur ein Glas zu trinken, aber der ist so gut, dass ich die halbe Flasche schon leer habe. Die wirklich tiefe Mineralik spielt mit einer feinen, fruchtigen (viel Weinbergspfirsich) Süße, die einerseits durch eine richtig schön eingebundene Säure gut abgepuffert ist und andererseits auch aromatisch durch Jod- und herbe Kräuteraromen (z.B. Salbei) geschmacklich nicht im Vordergrund steht. Ich glaube, dass dieser Stoff sehr viel länger tollen Genuss bietet als die allenthalben angegeben Trinkfenster 2009-2012/13. Dieser Stoff hat genug Substanz, dass er auch in vielen Jahren noch Spaß macht. Für die ca. 14 Euronen, die er kostet, ist das richtig tolles Kino und ich wette darauf, dass er in Blindverkostungen so manches Großes/Erste Gewächs in den Schatten stellt. In der Art und in der Aromatik erinnert er mich an einen Basiswein von Knebel (Mosel), der mich vor ein paar Jahren ebenfalls so begeistert hat. Für mich sind das glatte 90 Punkte.
Mittwoch, 27.01.2010
2006 Alto Moncayo, Alto Moncayo - Campo di Borja
93 Punkte - Draußen tobt der Winter und was macht man da? Man geniesst mollige Weine, die von innen richtig wärmen. Unfassbare 16% Alkohol bringt dieses kleine Monster ins Glas - trotzdem ist dieser 100%ige Garnacha, geerntet von über 60 Jahre alten Rebstöcken keinesfalls zu brandig oder untrinkig. Ganz im Gegenteil, man muss sich bremsen, nicht ein Glas nach dem anderen zu trinken und damit risikieren, dass man am nächsten Morgen verschläft.
Im Glas verströmt der Wein satte Aromen von einem Korb voller Beerenfrüchte (Blaubeeren, schwarzen Johannisbeeren und schwarzen Kirschen), gemixt mit ein bunten Strauß von Gewürzen (Wacholder, Zimt, Lavendel und Vanille). Am Gaumen herrlich saftig und fleischig, getragen von körnig, runden Tanninen, die strukturbildend wirken. Der beerigen Süße steht eine gute Säure und eine erstaunliche Mineralik ausgleichend gegenüber, sodass der Wein insgesamt sehr voluminös, aber nie plump wirkt. Abgerundet wird der Genuss durch einen flüssig gewordenes Stück halbbitterer Schokolade, das - zusammen mit den Fruchtnoten - lange am Gaumen haftet. Wow, ist das lecker!!!! Kleiner Tip am Rande, nicht zu warm trinken, habe ihn mit ca. 12 Grad aus dem Keller geholt und selbst bei dieser Temperatur hat er Spaß gemacht; wird er zu warm (>18 Grad) Celsius macht sich der Alkohol immer deutlicher bemerkbar und wirkt insbesondere in der Nase zu intensiv. Eventuell Messer und Gabel bereit legen, denn eigentlich kann man diesen Wein essen, so dicht wirkt er. Zwar kostet der Wein ca. Euro 35, aber so ein hedonistisches Konzentrat wird man nicht billiger bekommen.

Zum Weingut gibt es auf der Seite von Silkes Weinkeller (www.internetoase.de) folgendes zu lesen:
"Bodegas Alto Moncayo wurde 2001 gegründet. Davor war die Winzerfamilie Teil der führenden Cooperative BORSAO in der kleinen D.O. Campo de Borja süd-östlich der Rioja.
Entscheidend für den Ausstieg aus der Cooperative war die Zusammenarbeit mit Jorge Ordonez. Jorge Ordonez ist einer der erfolgreichsten Exporteure für spanische Weine weltweit und widmet sich darüber hinaus seit einigen Jahren leidenschaftlich und mit großem persönlichen Einsatz, um die Modernisierung und qualitative Verbesserung des Weinbaus in den lange unterschätzten Weinregionen in Spaniens Süden, wie Jumilla, Calatayud und auch Campo de Borja. Durch seine Vermittlung konnte der angesehene australische Önologe Chris Ringland als Weinmacher für den Eigenausbau der Weine von Bodegas Alto Moncayo gewonnen werden. Mit seinem Know How schuf er aus den bis zu 100 Jahre alten Garnacha-Reben aus bevorzugten Weinbergen an den Hänger der Moncayo Berge, derart dichte, konzentrierte Weine mit überwältigenden Fruchtaromen und Eleganz (...)"
Montag, 18.01.2010
2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 4)
94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.
Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.
2001 Chateau Pavie – St. Emilion (Spannendes Spanien - Flight 4)
97 Punkte – Duftmonster!! Was für ein unglaublicher Stoff, was für eine "Piratenbraut" in unserer Spanienprobe: so sexy, so feminin, rund und weich. Dieser betörende Stoff besteht aus 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Ausladende Fruchtaromen, perfekt in Szene gesetzt und schon jetzt unglaublich harmonisch und animierend zugleich. Kraftvoll, dicht, extraktreich und saftig – Schicht um Schicht möchte man diesen Stoff zerlegen und man wird immer wieder auf etwas Neues stoßen: ein Korb voller Früchte, viel süße Lakritze, Kakao, feinste Schokolade, diverse Kaffeearomen – einfach herrlich. Runder Ansatz, dabei saftig und mit perfekt ausgereiften Tanninen sowie einer kräftigen, sehr gut korrespondierenden Säure, ausgestattet. Dieser Wein ist mustergültig und ich kann mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahrgang einen besseren Bordeaux gibt, vielleicht noch Latour (aber völlig anders). Phantastisch langer und wunderbar fruchtbetonter Abgang, dabei stets dicht, kraftvoll und durchaus Eleganz zeigend - soweit dies eine junge Diva entwickeln kann.
2001 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 4)
95 Punkte – Sicherlich einer der größten Jahrgänge des Clos Mogador: kraftvoll, saftig, dicht und wunderbar vielschichtig – so präsentiert sich dieser Wein Nase und Gaumen. Die vielfältigen Fruchtaromen (Knubberkirschen, Blaubeeren, Brombeeren) sind unterlegt mit einem feinen Schokoladen-und Kaffeearoma; dazu gesellt sich eine feine Fruchtsüße, die sich bis in den langen Abgang durchzieht. Die dichten und herrlich körnigen Tannine sowie die hervorragende Mineralik geben dem Wein Struktur und erstere sorgen sicherlich noch für ein langes, genussfreudiges Leben. Dieser Wein ist Hedonismus pur. Hmm, sooo lecker und doch auch intellektuell.
Donnerstag, 14.01.2010
1996 Finca Dofi, Alvaro Palacios – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)
90 Punkte – Dieser Wein zeigt eine „herbe“ Frucht und ist überaus kräutrig in seiner Aromatik. Am Gaumen mit noch reichlich Tannin beladen, zeigt sich auch hier eine dichte Kräutrigkeit, die viele orientalische Anklänge hat (z.B. Kardamon). Kombiniert mit einer interessanten Fruchtaromatik (Mischung aus Kiwi und Kirschen) hatten wir einen interessanten Wein im Glas, den man aber nicht weiter lagern muss.
1996 Clos Erasmus, Clos i Terrasses (Daphne Glorian) – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)
92 Punkte –Daphne Glorians (mittlerweile die Frau des US-Weinimporteurs Eric Salomon) Clos Erasmus gehört mit zu den meist gesuchten und teuersten Weinen Spaniens. Er hat gezeigt, dass er in sehr guten Jahrgängen das Potential hat, bei Parker und Co. Höchstpunktzahlen abzuräumen und so gehört er heute zu den Wein-Kultobjekten der iberischen Halbinsel. Förderlich für die Preisgestaltung ist sicherlich auch die winzige Menge (zwischen 300 und 500 Kisten p.a.), die von diesem Wein nur erzeugt wird.
Der Clos Erasmus aus dem Jahrgang 1996 ist ein sehr gut strukturierter Wein mit einer feinen Süße und runden, feinkörnigen Tanninen. Am Gaumen ist er mit einer schönen aromatischen Dichte ausgestattet; die vielen kräutrigen Aromen (z.B. weißer Pfeffer) wirken animierend; durch den leichten Hauch von Liebstöckel wirkt er jedoch schon deutlich entwickelt. Insgesamt ist der 96er Clos Erasmus aber ein eleganter Wein von mittlerer Statur, den man jetzt trinken sollte.
1996 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)
93 Punkte – Einen ausführlichen Bericht zu den Weinen von Rene Barbier habe ich anlässlich seines Besuchs in Düsseldorf geschrieben (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=431). Die 96er Ausgabe seines Clos Mogador zeichnet sich durch eine intensive, dichte Frucht mit vielen Anklängen an Zwetschgen- und Pflaumenmarmelade aus, ein Hauch Zimt und andere feine Gewürzaromen runden das Bild ab. Der Wein hat eine sehr schöne aromatische Tiefe, ist dicht und die Tannine sind reif und rund; er endet auf der Frucht und haftet wirklich lange am Gaumen.
Mittwoch, 13.01.2010
2000 Chateau Beau-Sejour Bécot – St. Emilion (Spannendes Spanien - Flight 2)
87 Punkte - Bei unserer Spanienprobe als Pirat sofort zu erkennen gewesen, aber wieso er bei Parker konsistent zwischen 90 und 94, zuletzt 93 Punkten bekommen hat, erschließt sich mir aktuell nicht. Zwar muss man auch bei diesem 2000er feststellen, dass er wohl in einer etwas schwierigen Phase ist, aber 6 Punkte Potential sind da nicht drin. Erstaunlicherweise hatten wir einen St. Emilion im Glas, denn der Wein hatte für mich eine so deutliche Cabernet-Nase, dass ich ihn klar an das linke Ufer gesetzt habe. Deutliche Paprika- und Kräuternoten dominieren die Frucht in der Nase und am Gaumen. Er zeigt zwar viel Saft und einen gewissen Schmelz, aber die Tannine sind noch ultrafest und der Wein packt zu. Der Wein wird sicherlich ein Langstreckenläufer, aber zur Zeit fehlt ihm jedwede Harmonie und man sollte ihn noch ein paar Jahre weglegen, bevor man die nächste Flasche aufmacht.
2000 Vina el Pison, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 2)
93 Punkte – Der teuerste Wein von Artadi ist der Vina el Pison. Der Wein stammt vom 2,4ha großen „Familienweinberg“, der bereits 1945 vom Großvater der heutigen Eigentümer angelegt wurde und seit 1991 wird er als Einzellagenwein separat ausgebaut. Der aus 100% Tempranillo bestehende Wein reift 18-24 Monate in französischer Eiche.
Für den Vina el Pison gilt das gleiche wie für den Bruder, den Grandes Anadas, leider haben wir den Wein zur Unzeit getrunken, das heißt, er will nicht wirklich zeigen, was in ihm steckt. Der Wein ist unglaublich dicht, fest und hat viel Kraft, zeigt auch einen gewissen Schmelz und erinnert mich ein wenig an den herrlichen Pflaumenkuchen meiner Mutter. Aber wenn dieses Teil mal aufmacht und sich ausdifferenziert, dann dürfte der „perfekt trainierte Körper“ eine Eleganz entwickeln, um als Solist ganz groß rauszukommen. Aktuell aber nur 93 Punkte, mit dem Potential, dass weitere zwei, drei Punkte hinzukommen.
2000 Grandes Anadas, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 2)
94 Punkte - Artadi gehört sicherlich zur ersten Garde der Weingüter, die mit neuen Methoden und einem uneingeschränkten Qualitätsstreben den spanischen Weinbau beeinflußt haben. Im Jahr 1985 gegründet, gehören die Weine von Artadi zu den besten und teuersten, die man aus Spanien beziehen kann.
Die Reben für den Grandes Anadas stehen im Herzen der Rioja Alavesa; der Wein wird nur in besonders guten Jahren erzeugt. In der Nase offeriert er ein dichte und tiefe Aromatik, die sehr komplex wirkt. Am Gaumen kommt der Wein aktuell sehr dicht und ein wenig verschlossen daher. Die Tannine wirken zwar perfekt ausgereift, aber sie dominieren zurzeit den Wein. Trotzdem ist die Klasse des Weins sehr gut erkennbar und mir gefallen der Druck und die Kraft, die der Grandes Anadas am Gaumen aufbaut. Bissfest und mit noch riesigem Potential für ein langes Leben sollte man (gute Lagerung vorausgesetzt) dem Wein noch zwei oder drei Jahre auf der Flasche geben, bevor man die nächste Flasche öffnet; ich vermute, dass er diese Zeit mindestens braucht, um dann aus seinem Winterschlaf zu erwachen und aufzublühen. Meine 94 Punkte beinhalten sicherlich auch eine gewisse Potentialbewertung und sind insofern mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen.
Montag, 11.01.2010
1975 Bodegas Muga - Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)
83 Punkte – Die Bodegas Muga gehören zu den großen Traditionsbetrieben der Rioja, eine ausführlichere Befassung mit diesem großen, alten Weinhaus ist durchaus lohnend. Für einen ersten – sehr schön gestalteten – Einblick empfehle ich die webpage (www.bodegasmuga.com). Obwohl 1975 als sehr gutes, aber nicht exzellentes Jahr in der Rioja gilt, hat dieser Wein schon seine Glanzzeit hinter sich gelassen. In der Nase wirkt er leicht gezehrt und die kräftige Säure lässt auch am Gaumen keinen wirklichen Genuss aufkommen. Auf der anderen Seite ist die Säure sicherlich dafür mit verantwortlich, dass dieser „einfache“ Rioja überhaupt noch am Leben ist und so entwickelt sich nach ausgiebiger Luftzufuhr doch so etwas wie eine Frucht, die dezent an rote Beeren, speziell rote Johannisbeeren erinnert.
1975 Viña Real Reserva - CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)
90 Punkte – Der Viña Real ist da schon etwas burschikoser als der Imperial aus gleichem Jahrgang. Auffallend schön auch hier die feine Fruchtsüße, die sehr gut die recht kräftige Säure abpuffert, aber zu den (ebenfalls) roten Fruchtnoten gesellen sich auch dunkle Anklänge, die an geröstete Erde erinnern. Besitzt nicht die gleiche Eleganz und die Leichtigkeit des Imperial und deshalb auch 2 Punkte Abstand in der Bewertung.
1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)
92 Punkte - 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta; der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.
Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!
Spannendes Spanien
Am letzten Wochenende im November trafen sich die üblichen Verdächtigen zur Frankfurter Weinrunde. Austragungsort war das inzwischen eröffnete Weinfachgeschäft Wein Karrer. Die dazu gehörige Weinbar („Wein Kost Bar“) ist ein idealer Ort für solche Runden - man sitzt inmitten der herrlichen Flaschen und Preziosen und wird so auf das Beste eingestimmt. Eigentlich mehr als nur eine Erwähnung wert ist das, was aus der Küche kam. Das macht richtig Spaß und bietet Genuss auf hohem Niveau und wenn man die Philosophie von Qualität und Herkunft weiter so lebt, läuft man „Gefahr“ die Entwicklung vom Saittavini in Düsseldorf zu nehmen, das heute ein Restaurant mit angeschlossenem Weinhandel ist und nicht umgekehrt.
Dank der überaus großzügigen Gaben traten wir nun eine herrliche Weinreise durch Spanien an, die mir lange in Erinnerung bleiben wird und für die ich mich gerne nochmals herzlich bedanke. Keine Werbung, sondern ein kleiner Verweis auf den noch recht jungen Weinshop von Michael Schmidt sei mir an dieser Stelle erlaubt (www.weinhandel-schmidt.de) – insbesondere für diejenigen die wirklich Interesse an gereiften Gewächsen und Preziosen aus Bordeaux, Burgund oder Deutschland haben.
Zum Start in den Abend gab es 2 Weissweine:
1996 El Dorado de Murrieta Ygay Reserva, Marques de Murrieta – Rioja
89 Punkte – Dieser weiße Rioja entstammt – wie alle Wein, die unter der Linie Castillo Ygay vermarktet werden – aus besonderen Lagen. Davon hat man reichlich, denn Marques de Murrieta gehört zu den wenigen großen spanischen Weingütern, die ausschließlich eigene Trauben von ihren 300ha Weinbergen verarbeiten. Das traditionsreiche Weingut wurde im Jahre 1852 von Luciano Marqués de Murrieta gegründet und bereits 1878 hat er Castillo Ygay erworben. Bis 1983 war das Weingut in Familienbesitz. Weitere, interessante Details sind auf der homepage www.marquesdemurrieta.com zu erfahren.
Ebenso wie sein roter Bruder wird auch dieser Wein nur in besonderen Jahren gefüllt, jedoch kommt er bedeutend früher auf den Markt, da er „nur“ 40 Monate im Holz reift. Entsprechend ist auch der Eindruck am Gaumen und in der Nase: intensive Aromatik von Honig, Vanille, und Butter, mit Anklängen an geröstete Macadamianüsse und Soja; am Gaumen erstaunlich frisch für das lange Holzlager, mittelgewichtig, mit Aromen von frischen Haselnüssen, feiner Butter und Kirschen, die insbesondere den Abgang prägen. Sehr schönes Mundgefühl, mit weichem Schmelz und gutem Trinkfluss. Ich empfand den Wein durchaus als trinkig, da der Wein nicht zu fett wirkt und eine schlüssige Aromatik bietet.
1985 „R“, Chateau Rieussec – Sauternes/Bordeaux
83 Punkte – Chateau Rieussec gehört zu den Domaines Barons de Rothschild (Lafite) und ist eigentlich für herrlichen Süßwein bekannt. Doch jedes Jahr verlassen auch wenige Tausend Flaschen trockenen Weines das Weingut, bereitet aus Semillon- and Sauvignon Blanc-Trauben. Doch diese Flasche ist wohl das beste Beispiel dafür, dass man die trockene Variante nicht zu lagern sollte. In der Nase muffig, erinnerte er an nasse Wolle und grünen Tee. Am Gaumen schon deutlich gealtert, ein wenig oxidativ, mit Noten von Alceto balsamico. Erstaunlicherweise baute der Wein nochmals etwas aus, aber die 83 Punkte sind schon wohlwollend - wenngleich es am Tisch auch systemische „Altwein-Schönredner“ gab, die dem Wein sicherlich noch ein paar Pünktchen mehr gegeben haben. ;-))
Die Notizen zu den Roten folgen !!!
Donnerstag, 08.10.2009
Berlin Riesling Cup - 36 Große Gewächs aus 2008
Am vergangenen Wochenende hat Martin Barz einmal mehr eine wunderbare Riesling-Veranstaltung in Berlin (BRC – den Berlin Riesling Cup) organisiert, bei der sich die handverlesenen Teilnehmer in privater Atmosphäre einen wunderbaren Überblick über die Rieslingspitzen des Jahrgangs 2008 verschaffen konnten. Angestellt waren ausschließlich Erste und Große Gewächse der Regionen Baden, Franken. Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau und Rheinhessen. Ausgeschenkt wurden die perfekt temperierten Weine in mundgeblasenen Universalgläsern der Firma Zalto (meiner seit vielen Jahren favorisierter Glasmanufaktur, die ich bei Karl Meyer auf dem Pretzhof in Wiesen bei Sterzing/Südtirol kennengelernt habe).
Die bereits an anderer Stelle von vielen Verkostern beschriebene kräftige Säure der Weine anderer Qualitätsstufen determiniert auch die Stilistik der Ersten/Großen Gewächse des Jahrgangs 2008. Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen haben viele Erste/Große Gewächse eine kräftige bis pikante Säure, die den Level der Vorjahre deutlich übersteigt. Bei einigen wenigen Weinen ist die Säuredurchdringung jedoch derart hoch, dass die Weine nicht auf breiter Basis Zuspruch finden werden. Trotzdem bin ich von der Qualität des Jahrgangs überzeugt, denn er steht für einen starken Ausdruck des terroirs; die meisten Weine sind fordernd, sehr klar, straff und präzise in Frucht und Mineralität. Um mal ein ganz anderes Bild zu bemühen: Mehr Klaus von Dohnanyi als Kurt Beck, mehr Richard von Weizsäcker als Helmut Kohl.
Die „Top Five“ der Verkostung waren für mich das Kirchstück von Bürklin-Wolf, der Halenberg von Schäfer-Fröhlich, die "Morsteine" von Keller und Wittmann sowie der leider nur in Mini-Auflage geerntete wurzelechte Rothenberg von Kühling-Gillot. Auf Grund der Jugendlichkeit der Weine werden sich viele Eindrücke noch verändern. Dies ist auch der Grund, warum ich meist keinen genauen Punktwerte, sondern Punktspannen angegeben habe.
Es wurden – bis auf den ersten Wein zur Begrüßung – alle 36 Weine in 2er flights gereicht, die Klaus Peter Keller vom Weingut Keller im Vorfeld der Probe zusammengestellt hatte:
Mittwoch, 30.09.2009
1945 Chateauneuf du Pape, Dufouleur Pere & Fils – Rhone (FFM Weinrunde)
87 Punkte – Dufouleur Pere & Fils ist eine Familie, die seit dem 17. Jahrhundert Weinbau betreibt und seit dem 18. Jahrhundert auch als Handelshaus Wein abfüllt und verkauft. Beheimatet ist man im Burgund, in Nuits-Saint-Georges.
Die Flasche aus diesem Jahrhundertjahrgang hatte einen sehr schlechten Füllstand, dennoch hatten wir einen interessanten Wein im Glas. Die Nase war dicht und ein wenig mastig für dieses Alter - mit Noten von frischem Malz, Rosinen und Wermuth. Ein ähnliches Bild am Gaumen: malzige Anklänge, etwas rauchig-speckig, aber auch Spuren von Dörrpflaumen und Sauerkirschen. Deutliche Süße im Abgang; ordentliche Länge, jedoch insgesamt fehlte es dem Wein etwas an Struktur und Tiefe, um die 90-Punkte-Marke zu knacken.
1969 Chateauneuf du Pape, Domaine de Bois Dauphin – Rhone (FFM Weinrunde)
91(-) Punkte - Die heutigen Eigentümer der Domaine, die Familie Marchand, sind Weinbauern seit der französischen Revolution. Joseph Marchand, der Vater des heutigen Besitzers Jean Marchand, gehörte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Pionieren um Baron Le Roy von Chateau Fortia, die mit ihren freiwilligen Richtlinien die Grundlagen für das spätere System der „Appellation contrôlée“ legten, das bis für den gesamten französischen Weinbau maßgeblich ist. Um die Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen, mussten schon damals folgende Kriterien erfüllt werden:
1) Der Wein musste von Reben stammen, die nur an genau definierten Standorten stehen durften;
2) An diesen Standorten durften nur bestimmte, zugelassene Rebsorten stehen;
3) Die Erziehung der Reben wurde überwacht;
4) Der produzierte Wein musste einen natürlichen Alkoholgehalt von 12,5% aufweisen;
5) 5% des Lesegutes durften nicht verwendet werden, was quasi einer Zwangsselektion gleichkam;
6) Rosewein durfte in diesen Lagen nicht produziert werden und alle Weine mussten einer Prüfkommission vorgelegt werden, um die erwünschte Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen.
Notwendig geworden war dies durch den enormen Imageverlust der durch die Reblausplage und die Vernichtung der Weinberge zum Ende des 19. Jahrhunderts eingetreten war. Durch die Folgen des 1.Weltkrieges war eine ganze Generation an jungen Männern gefallen, sodass auch nach dem Ende des Krieges über die Hälfte der Weinberge noch nicht wieder bestockt war. (vgl. R.Parker: Rhone, Hallwag Verlag, S.381)
Der Jahrgang 1969 war an der südlichen Rhone gut bis sehr gut, an der nördlichen Rhone jedoch besser, Broadbent vergibt für die Rhone 3-4 Sterne (von 5). Auch wenn der Wein nicht aus einem großen Jahr stammte, hat er mir sehr gut gefallen; zu Beginn speckig, räuchrige Aromatik mit deutlich Kräuternoten, garrique; hinzu kommen Anklänge an Holzkohle und verbrannte Erde. Für mich ein klassischer Chateauneuf, der seine wilde, urwüchsige Aromatik mit einer gewissen Eleganz zu verbinden mag. Später kommen am Gaumen Noten von Leder und Rosinen hinzu. Alle aromatischen Eindrücke verbinden sich mit einem dezent morbiden Charme und einer erfreulichen Länge. Zu Beginn bereitet der Wein deutlich Genuss, verliert jedoch mit zunehmender Luft im Glas seine elegante Art.
Frankfurter Weinrunde verkostet Weine der südlichen Rhone
Die Frankfurter Weinrunde (FFM Weinrunde) traf sich dieses Mal zum Thema „Südliche Rhone“ in der Wiesenstrasse 33. Hier wird unser Weinfreund Helgo Karrer in ca. 14 Tagen einen wunderschönen Weinladen eröffnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Adresse zu merken, um einfach mal vorbeizuschauen. Neben jeder Menge toll ausgewählter Weine wird es eine Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten geben.
Erstaunlicher Weise reduzierte sich das bewusst etwas breiter gewählte Thema Südliche Rhone von selbst auf eine reine Chateauneuf du Pape (CdP) & Piraten Verkostung, denn jeder der Teilnehmer brachte ausschließlich ebensolche Weine mit. Nicht, dass aus Regionen wie dem Gigondas, Cornas oder Vacqueyras keine tollen Weine kommen, aber man greift doch immer wieder zu den Klassikern und da gehören nun mal die Weine aus dem Chateauneuf dazu. Besonders interessant war dann die große Spanne an Jahrgängen, die wir auf den Tisch bekamen, der älteste Wein war von 1945 und der jüngste war gerade vor drei Jahren (Jahrgang 2006) geerntet worden.
Die Weine werden einzeln nachfolgend vorgestellt:
Mittwoch, 02.09.2009
Weinprobe in Essen - Bordeauxblends
Kennengelernt haben wir uns alle über www.talk-about-wine.de. Wir, das sind 14 weinbegeisterte Menschen aus der Rhein-Ruhrregion, die sich nicht länger damit begnügen wollten nur über Weine in Internetforen zu parlieren, sondern den Schritt in die reale Welt gewagt haben. Treffppunkt dieser Truppe war das Essener Restaurant Vecchia Roma, das ich an dieser Stelle für das tolle 6-Gang-Menü nochmals lobend hervorheben möchte. Die Weinzusammenstellung war locker vorbesprochen und so standen Weine zum Thema Bordeaux oder Bordeauxblend im Mittelpunkt des Abends. Dass sich alle viel Mühe gegeben haben und ihre Keller durchforstet haben, zeigte nicht primär die Anzahl der Flaschen, sondern die sehr gute Qualität der Weine, die in die Gläer kam:
1993 Chateau Beauregard - Pomerol
87 Punkte - schöner, klassischer Bordeauxstil, insgesamt sehr runder, weicher, fast cremiger Stoff; stimmiger Wein; Schöne Frucht, ausgereift und durchaus mit Charme, aber ohne Ambitionen ganz vorne mitzuspielen, Sexy und trinkig.
1993 Chateau Leoville Barton - St. Julien
87 Punkte - Was habe ich von diesem Jahrgang schon für Sche..flaschen gehabt. Diese gehörte klar zu den besseren. Gefallen hat mir die schöne, kräutrige Nase. Am Gaumen aber eher ein wenig hohl und spannungslos. Im Abgang etwas besser, aber letztlich ein kleiner Leoville Barton.
2000 Triology, Warwick - Südafrika
83 Punkte - 56% CS, 34CF, 10% Merlot. Interessant für mich der hohe Cabernet Franc Anteil. Doch bei diesem Wein stand leider die viele Sonne von Südafrika im Vordergrund; deutlich überreife Noten, dicht, schwarzer Pfeffer, viel Trockenfrüchte, ein wenig Rumtopf; sehr weich, röstig.
2005 Cabernet Sauvignon, Louis M. Martin - Napa Valley
88 Punkte - Das Weingut gehört heute zum Gallo-Imperium, wird aber wohl noch von Michael Martini verantwortet. Mit hat der Cabernet gut gefallen; wirkt irgendwie schon in der Nase weich und kühl. Erinnerte mich sowohl in der Nase als auch am Gaumen an Katjes-Joghurt-Gums, hat aber auch einen Gegenpol aus kalkig-, erdigen Noten. Durchaus mit Struktur, jung, Eukalyptus, ein wenig Schoki, angenehm kühl, sehr ordnetlicher Abgang.
1998 Forster Jesuitengarten Riesling Spätlese, Reichsrat von Buhl - Pfalz
86 Punkte - klassisch gereifter Riesling mit schönen Honignoten, Aprikosen, exotischen Früchten (Ananas),einer mittelprächtigen Säure (dürfte etwas kräftiger sein), passte zur Entenleber und dem Bitterorangenjus hervorragend; trotzdem mir ein klein wenig zu pappig.
1990 Chateau Grand Mayne - St. Emilion
92 Punkte - für mich der erste kleine Glücksmoment an diesem Abend. Herrliche Nase mit sehr schöner Tiefe und Würzigkeit, wirkt recht nobel, Zigarrenkiste, Tabak und Zedernnholz. Am Gaumen mit schönem Spiel, rollende Tannine, maskuliner Aromeneindruck, Zigarrentabak und Holz. Sicherlich noch ein wenig höher bewertet, wenn er im Glas nicht so schnell zusammengefallen wäre. Unbedingt jetzt trinken.
2005 Ornellaia - Toskana
93 Punkte - Klassischer Bordeauxblend (gemäß Galloni/Parker:60% Cabernet Sauvignon, 22% Merlot, 14% Cabernet Franc and 4% Petit Verdot). Phantastische Nase, kühl, tief, und momentan noch etwas schüchtern, aber mit klarem Hang zum "Blaublüter"; Schwarze Fruchtnoten, duftet nach Korinthen (jedoch völlig ohne den Eindruck von Überreife). Am Gaumen vielschichtig, mit guter Struktur, recht fest, Noten von herber Lakritze, Graphit, schwarzen Oliven, herben Waldfrüchten und einem Hauch Garrique (!!).
2000 Chateau Grand Corbin Despagne - St. Emilion
86+(?) Punkte - wenn ich mich recht erinnere, kam dieser Wein aus der Magnum; recht einfacher Typ mit für mich grün wirkenden Tanninen; recht ordentliche Frucht, die jedoch auf Grund der Tannine leider nicht so richtig brillieren konnte. Für mich ein nicht ganz so typischer St. Emilion, wirkte recht maskulin-derb. Jedoch würde ich ihn gerne rückverkosten mit ausreichend Luft, denn der Wein konnte nicht ausreichend atmen. Für mich erschloss sich in diesem Zustand der "sleeper of the vintage"-Status mit 90 Parker-Punkten nicht.
1990 Chateau Lagrange, St. Julien
94 Punkte - Mein Wein des Abends!! Herrliche Nase, ohh, wie schön! Eine Wald- und Kräuterwiese, gepaart mit einer komplexen und feinen Frucht. Am Gaumen begeistert mich die Kombination aus perfekt abgeschmolzenen, mürben Tanninen und einer vielschichtigen Frucht, die wenig Wünsche offen läßt. Feine Süße, eingepasst in einen edlen Körper und viele, viele Aromen aus dem Wald. Prinzenstoff, entsprach voll meiner Vorstellung eines hedonistischen Weines mit viel Trinkfluss. Auch wenn es noch elegantere und komplexere Weine gibt, für mich extrem gelungene Symbiose aus (very sexy) Bourgeoisie und elegantem Adel.
1989 Chateau Pichon-Longueville Comtesse de Lalande - Pauillac
92 Punkte - Eine schöne, mittelgewichtige Comtesse; recht kühler Ansatz, ausgewogen und harmonisch. Recht weich und mit moderater Säure, aber irgendwie kam die Dame nicht richtig zur Sache (schwer in Worte zu fassen, was mir da fehlte, vielleicht eher ein Blondine, der etwas die Rasse fehlte - ok, ich zahle Euro fünf in die Chauvi-Kasse). Auch der etwas zu starke Hauch von grünem Paprika störte mich.
1996 Mount Edelstone, Henschke, Australien
92 Punkte - Der erste Rebsortenpirat des Abends, ein 100%iger Shiraz. Reife Nase, kräutrig, mit einem Hauch von Liebstöckel und Soja, recht weit fortgeschritten in der Entwicklung, aber auch komplex. Am Gaumen dann deutlich jünger wirkend, ebenfalls kräutrig, rotbeerige Frucht, dazu Noten von Ingwer, feuchtem Unterholz und Chinarinde, erinnerte mich - auch auf Grund seiner leicht medizinalen Noten - ein wenig an Barolo Chinato. Insgesamt eher mittelgewichtig, aber vielschichtig und interessant. Eher ein intellektueller Wein mit einer schönen Länge. Sollte jetzt getrunken werden.
1996 Gallo Estate Cabernet Sauvignon, Sonoma, Califonien
86 Punkte - Konzentrierte, aber recht überreife Aromatik; satte, saftige Frucht, aber auf mich wirkt er zu unausgewogen und im Glas baute er zu schnell ab.
1999 Cantenac Brown - Margaux
91 Punkte - Dieser aus der Magnum servierte Bordeaux zum Hauptgang hat mich ob seiner Qualität doch überrascht. Ein insgesamt weicher, runder und feminin wirkender Bordeaux (Margaux !!), der mir auf Grund seiner Harmonie sehr gut gefallen hat. In der Nase eine recht feine Frucht, eingebettet in dezente Kaffee- und Schokoladennoten. Am Gaumen rund, weich und harmonisch; mittelgewichtig, aber ausreichend Substanz und Struktur (ohne jede Härte). Sehr trinkig und ein Wein, der zu gefallen weiß (positiv gemeint!)
1995 Chateau Ducru Beaucaillou - St. Julien
92+ Punkte - Auffallend an diesem Abend war die hohe Anzahl von St.Julien-Weinen. Auch dieser Wein war ein komplexer, ziemlich harmonischer Vertreter seines Faches, wenn gleich er erst langsam beginnt zu sprechen. Tiefer Fruchtansatz, der allerdings noch Luft benötigt, um seine Klasse auszuspielen. Waldfrüchte, kombiniert mit einer denzenten, sehr gut dosierten Extraktsüße und einer eher dichten, festen Art. Die Tannine stammen von ausgereiften Trauben und entwickeln eine erste, seidig wirkende Art; der Holzeinsatz ist sehr gut dosiert. Wohl definierter Wein, der gerade am Beginn eines langen Trinkfesters stehen dürfte.
1996 Leoville Barton, St. Julien
91 Punkte - Ein fester, maskuliner Wein; bereits in der Nase macht er einem klar, dass er ein strammer Bursche ist: dunkle und herbe Frucht. Am Gaumen das identische Bild; kernige Struktur, fest und wenig nahbar. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine recht knackige Säure und die eher herben Aromen: Unterholz, Tabak, Wacholder, schwarze Beeren); intensiver Typ. Ich mag so etwas durchaus, verstehe aber auch jeden, dem diese Art von Wein nicht liegt; gute Länge. Dürfte - auch auf Grund seiner festen Tannine - noch viele, viele Jahre Trinkgenuß bereiten.
1996 Remelluri - Rioja
88 Punkte - leider nur wenig Notizen gemacht. Ordentlich gereifter Rioja (ca. 80% Tempranillo mit Anteilen von Grenache, Graciano, und Mazuelo) von Telmo Rodrigez , der mit seiner recht ausgewogenen Art durchaus Trinkfreude bereitet, gut strukturiert, aber irgendwie fehlte mir ein wenig der Kick; wird nicht mehr besser.
1995 Chateau Figeac - St. Emilion
85 Punkte - KKK, kernig, kräftig, kräutrig, aber ohne den nötigen Charme und die notwendige Balance. Für mich die Enttäuschung des Abends. Fester Ansatz, dunkle, herbe Aromatik, aber auch sperrig und nicht sonderlich trinkig. Baute im Glas - ohne Höhepunkt - recht schnell ab.
Samstag, 29.08.2009
1982 Chateau Cheval Blanc - St. Emilion / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.9)
99 Punkte – Was für ein Stoff!! Zu Beginn eine schöne (vielleicht sogar etwas verwaschene) Frucht, die mit zunehmender Luft aber so unglaublich ausbaute, das man die Tiefe der Aromatik nur als abgründig beschreiben kann. Wie meist bei wirklich ganz großen Weinen macht es wenig Sinn, die Aromeneindrücke zu beschreiben, sondern das „Gesamtkunstwerk“ zählt – und in diese Kategorie gehört dieser Wein ohne Zweifel. Der 82er Cheval baute einen Druck, eine Komplexität und Nachhaltigkeit auf, die in ihrer Harmonie nicht in Worte zu fassen ist. Dieser Wein ist perfekt und als er aufgedeckt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass Parker ihn gerade 3 oder 4 Wochen zuvor von 100 auf 92 Punkte degradiert hatte. Der Wein hat eine Strahlkraft, eine Eleganz und eine innere Harmonie, die es einem nahezu unmöglich machen, die Hand vom Glas zu nehmen. Doch nur wer Ruhe und Gelassenheit mitbringt, wird ihn in seiner Klarheit und Vollkommenheit erfassen können. Im direkten Vergleich zum schon nahezu perfekten Margaux machen die noch größere Harmonie und die nicht enden wollende Länge im Abgang den Unterschied zwischen 96 und 99 Punkten aus. Eines sei vielleicht noch angemerkt, diese Flasche wurde seit der Auslieferung aus der Subskription so gut wie nie angefasst und seitdem perfekt gelagert. Es dürfte nahezu ausgeschlossen sein, solche Flaschen auf einer Auktion zu erwerben, denn dort gehen häufig „Wanderpokale“ über den Tisch, bei denen man nicht weiß, welche Strapazen sie zwischenzeitlich erleben mussten.
1982 Chateau Margaux – Margaux / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.8)
96 Punkte – Unglaublich spannend an diesem Abend war die direkte Gegenüberstellung (im Rahmen einer anonymen Blindverkostung) der beiden hoch bezahlten Spitzenstars aus dem Jahrhundertjahrgang 1982.
Zunächst kam ein Wein ins Glas, mit dem ich frisch eingegossen fast ein wenig Problem hatte - den gekochten Kohlrabi mag ich zwar auf dem Teller, aber nicht unbedingt im Glas. Doch mit Luftzufuhr entfaltete sich ein wunderbares, dichtes Bukett mit vielen Frucht-, Kräuter- und Würzarmen. Auffallend sind die hohe Dichte, die innere Spannung und die Konsistenz, die diesen Wein auszeichnen. Mir wurde schlagartig klar, dass dieser Wein erst am Beginn seiner Trinkreife steht. Am Gaumen dann ein vergleichbares Bild: dicht, lebendig, voller innerer Spannung und Harmonie. Ein Wein mit vollem Körper, aber ohne jeden Verdacht fett oder übermäßig kraftvoll/überextrahiert zu sein. Die Tannine sind wunderbar fest und Struktur bildend, ohne Härte/Spröde. Die differenzierte Frucht von Cassis und dunklen Beeren ist eingeflochten in einen schönen Aromenteppich aus feinen Röstaromen (Kaffee und Kakao), edlem Tabak und Bleistiftnoten. Die animierende Saftigkeit, kombiniert mit der perfekten Struktur, der feinen Süße und dem Hauch von Minze und Eukalyptus haben mich begeistert.
Montag, 24.08.2009
1988 / 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.6+7)
93 Punkte (1988) / 92 Punkte (1997) - Die Familientradition der heutigen Besitzer der Tenuta di Nozzole (Ambrogio und Giovanni Folonari) reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Seit 1825 firmierte die Familie ihre Geschäfte unter dem Namen „Fratelli Folonari“ Im Jahr 1912 kauften die Brüder Italo (der Großvater von Ambrogio) und Francesco die bereits damals für ihren Chianti berühmte Firma Ruffino. In den späten 60er Jahren trennte man sich von „Fratelli Folonari“ und erwarb 1971 das Weingut Nozzole in der Nähe von Greve, im Herzen des Chianti-Gebietes. Gleiches gilt für das Weingut Cabreo, das in den 80er Jahren durch Ambrogio maßgeblich entwickelt und ausgebaut wurde. Doch irgendwie scheinen Familiendynastien nicht für die Ewigkeit gemacht und trennte sich Ambrogio und sein Sohn Giovanni im Jahr 2000 von Ruffino und dem Rest der Familie. Die beiden bekannten Weingüter und Marken Tenuta di Nozzole sowie Tenuta del Cabreo bilden heute den Kern des Besitzes der Tenute Folonari (www.tenutefolonari.com).
Il Pareto ist seit jeher ein reiner Cabernet Sauvignon; als früher Supertoscan einst als Tafelwein deklariert, trägt er heute die Herkunftsbezeichnung Indicazione Geografica Tipica (IGT). In meiner Augen ist dieser Wein in Deutschland leider viel zu wenig bekannt, denn gerade in den 80er und 90er Jahren besitzt dieser Wein eine hervorragenden Qualität und Langlebigkeit. Obwohl die Flasche selten mehr als ein Drittel der großen Supertoscans aus dem Bolgheri kostet, braucht er sich keinesfalls hinter ihnen zu verstecken.
Der 1988er Il Pareto (93 Punkte) zeigt bereits in der Nase seine Verwandtschaft zu Bordeaux. Am Tisch wurde gerätselt, der erste Bordeaux an diesem Abend oder doch der nächste Italiener - bei diesem Wein schieden sich die Geister. Mit seiner feinen Lakritznote erinnerte er an einen Wein aus dem Grave. Auffallend schön ist die hohe Frische, mit dem dieser über 20 Jahre alte Wein im Glas steht. Hinzu kommen ein hohes Maß an Eleganz und Komplexität, die seinem Auftritt eine aristokratische Dimension verleihen. Mit seinem erdigen Aromenbild und den Anklängen von feinem Tabak trifft er meine Vorstellung eines hochwertigen Bordeaux vollkommen. Dieser Wein ist kühl, komplex, genussreich und baut im Glas aus. Weitere Jahre in der Flasche, gelagert in einem dunklen, kühlen Keller dürfte er ohne Problem überstehen.
Il Pareto 1997 (92 Punkte) steht seinem Pendant aus 1988 kaum nach. Ein kraftvoller Cabernet mit klarer Struktur, definierten Konturen und einer wunderbaren Saftigkeit. Die 97er Ausgabe des Il Pareto besitzt einen vollen Körper, hat Rückgrad und ist trotzdem geschmeidig am Gaumen. Die klare und schöne Frucht, mit Noten von Cassislikör, erdigen Aromen, feinem Tabak und einem klitzekleinen Hauch von grünen Paprika, machen ihn für mich zu einem Cabernet Sauvignon in Reinform. Der Wein erlebt jetzt seine erste volle Blüte und dürfte auch die nächsten 10 Jahre viel Freude machen.
1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.5)
92 Punkte – Die Familie Carletti startete mit dem Weinbau auf 22ha im Jahr 1961, heute besitzt man in der Gegend um Montepulciano 120 ha und ein weiteres Weingut in den Maremmen. Der Name Poliziano ist ein hommage an den humanistischen Dichter Angelo Ambrogini, der in Montepulciano geboren und als „Il Poliziano“ bekannt wurde.
Der Supertoscan „Le Stanze“ (benannt nach einem Gedicht von Il Poliziano) wurde erstmal im schwierigen Jahrgang 1987 gekeltert und auf den Markt gebracht. Mit diesem Wein versuchte man international bekannt zu werden, ohne den toskanischen Ursprung aufzugeben. Dass dieser Balanceakt im Hause Poliziano stets gelingt, konnte ich schon bei mehreren verkosteten Jahrgängen feststellen – an diesem Abend hatten wir die 97er Ausgabe im Glas. Bereits das Bukett wies uns den Weg in die Toskana: viel Eisen (Blut), darunter verbarg sich zu Beginn eine etwas überreife Frucht von Pflaumen und Waldbeeren; hinzu kamen erdig-würzige Noten sowie Anklänge an Graphit. Mit zunehmender Luft baute die Frucht deutlich aus; ein Hauch von Maggikraut/Liebstöckel wies uns den Weg zum Alter des Weines. Am Gaumen brauchte er ein wenig Anlauf, nahm dann – mit der Luft im Glas – aber an Fahrt auf und entwickelte eine schöne Fülle. Die Reife war etwas deutlicher zu erkennen als beim zuvor verkosteten Desiderio von Avignonesi, dafür punktete der Le Stanze aber mit seiner komplexen Art am Gaumen, wenngleich der Desiderio in Punkto Eleganz leicht die Nase vorne hatte. Insgesamt ein immer noch Wein mit einer guten Struktur, Kraft und Fülle, der sicherlich noch die nächsten 2,3,4 Jahre schön zu trinken sein wird, wenngleich am Tisch auch deutlich gereifteren uns schwächeren Flaschen berichtet wurde.
Sonntag, 23.08.2009
1999 Crozes Hermitage La Guiraude, Alain Graillot – Nördliche Rhone
87 Punkte – Kein ganz einfacher Tropfen: zu Beginn dominiert die Säure recht deutlich. Mit etwas Luft kommt die Frucht etwas stärker durch. In der Nase Noten von verbranntem Gummi, Lavendel und Cassis. Am Gaumen springt einen die straffe Säure an; erst langsam offenbart er die Noten herber Lakritze, schwarzer Johannisbeere, Lavendel und feuchtem Unterholz; dennoch herkunfts- und rebsortentypisch. Vom Körper eher mittelgewichtig, gestützt von seinen Tanninen ist der Wein noch gut trinkbar; aber eine weitere Lagerung dürfte ihm mehr schaden als nutzen – austrinken!! Heute Abend zum Gegrilltem passte er nicht schlecht.
1997 Desiderio, Avignonesi – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.4)
91 Punkte – Avignonesi kann sicherlich zu den führenden Weinhäusern in der Toskana gezählt werden. Heute verbergen sich hinter dem Namen vier Weinbaubetriebe: Fattoria La Capezzine, Estate I Poggetti, Estate La Selva und Estate La Lombarda. Zusammen verfügt Avignonesi über 225 ha Grund und Boden, von denen 109 ha unter Reben stehen und weitere 3 ha mit Olivenbäumen bepflanzt sind.
Vor einigen Jahren war ich auf einer Veranstaltung mit Mario Scheuermann, der behauptete, dass der Desiderio am besten schmeckt, wenn er mindestens 10 Jahre gereift ist. Wenn ich mich recht erinnere gab es damals einen wirklich schönen 88er Desiderio, der das getroffene statement deutlich unterstrich. Nun hatten wir einen 12 Jahre alten Desiderio im Glas, der mich mit seiner animierenden Nase von Waldbeeren und Eisen (Blut) überzeugte. Auch am Gaumen ein feiner Stoff, mittelgewichtig, mit recht eleganter Frucht und erdigen Anklängen; steht bestens im Saft, hat Struktur, eine schöne Säure und zeigt wenig Alter, trotzdem dürfte er jetzt – gute Lagerung vorausgesetzt – seinen Höhepunkt erreicht haben (jetzt herrlich ausgewogen und harmonisch). Auf diesem Niveau sicherlich die nächsten 2-3 Jahre unverändert, bevor sich das Alter etwas mehr in Szene setzt.
Wir diskutierten recht lange, ob dieser Wein ein reiner Merlot sein kann, oder ob es nicht doch eine Cuvee aus Merlot und Cabernet Sauvignon ist. In Kenntnis dessen, dass es bis dato immer ein reiner Merlot war, habe ich natürlich die „Merlot-Fahne“ hochgehalten, aber man sollte sich doch mehr auf seine Sinneseindrücke denn auf archiviertes Wissen verlassen! Im Gambero Rosso 2001, S.449 gibt’s folgendes zum 97er Desiderio zu lesen: „(…)Aus einem reinsortigen Merlot wurde jetzt ein Verschnitt aus Merlot und Cabernet Sauvignon. Seinen Duft nach kleinen roten Früchten begleitet eine gefällige und massvolle vegetabile Ader; gut auch der Geschmack mit dem etwas übermütigen Tanin, dessen feine Manieren noch den letzten Schliff benötigen.“ J
1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund („kleine“ Weinprobe Nr.3)
86 Punkte – Für mich der erste Wein von diesem Erzeuger, der vermutlich zu den ältesten Chablis-Häusern (1755) gehört. Seit 1985 im Besitz des Baron Patrick de Ladoucette, der fleißig in die Kellertechnik investierte.
Die Nase ist sehr ungewöhnlich: deutlich wachsige Noten, riecht nach Mahagoniholz und Möbelpolitur. Dazu gesellen sich Noten von Akazienhonig. Im Mund erstaunlich wenig Säure, etwas nussig, aber auch Zitronenfrische. Insgesamt sehr klar und mineralisch-kalkig (und somit Chablis-typisch) mit noch schöner Festigkeit; recht trinkig.
1999 Grüner Veltliner Axpoint, Franz Hirtzberger – Wachau („kleine“ Weinprobe Nr.2)
90 Punkte – Auf der homepage des Weingutes findet sich folgender Hinweis zu dem ungewöhnlichen Namen dieses Weines: „Der geschichtsträchtige Name des Axpoint oder Abts-Point stammt daher, dass Grund und Boden hier einst im Besitz der Abtei Niederalteich standen. Bei uns ist diese Lage seit 1999 in Ertrag. Der Boden ist tiefgründig und tonhältig, das schlägt sich auch in der stoffig-saftigen Ausrichtung des hier gedeihenden Grünen Veltliner Smaragd nieder.“
Der Jungfernjahrgang dieser Lage aus dem Hause Hirtzberger war in der Nase deutlich von Feuerstein und vegetabilen Noten geprägt. Am Gaumen immer noch fleischig-saftig, mit mittlerem Körper und einer schönen Festigkeit. Gut gefielen mir auch der Schmelz und die schöne Länge des Weines. Wirkt sehr trocken und fest. Sicherlich auch in den nächsten drei, vier Jahren noch ein spannender Wein.
2004 Riesling Primus Maximus, Heinz Nikolai – Rheingau („kleine“ Weinprobe Nr.1)
90 Punkte - Los ging es schon mal mit einer handfesten Überraschung! Am Tisch herrschte auf Grund des satten Extrakts und der tollen Würzigkeit Einigkeit darüber, dass der erste Wein des Abend aus Österreich kommt, doch statt dessen hatten wir Primus Maximus 2004 von Frank Nikolai im Glas:
Viele reife, gelbe Früchte fand ich da in der Nase; kein ganz junger Wein mehr, aber hinreichend frisch und herrlich dicht. Am Gaumen dann sehr viel Extrakt, fest und tief. Besonders gut gefällt mir die Würzigkeit, die er insbesondere hinter heraus ausspielt und die ihm im recht langen Abgang Struktur und Vielfalt verleiht. Ein richtig schöner Wein, der allerbeste Anlagen hat, der jetzt in der Blüte seines Lebens sein dürfte, aber auch noch ein paar Jahre auf hohem Niveau durchhalten kann. Das Beste an diesem Stoff ist jedoch, dass Frank Nikolai – trotz aller Meriten, die er sich inzwischen landauf, landab verdient hat – immer noch ein unverschämt gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet und man den aktuellen Jahrgang für Euro 8,50 ab Hof bekommen kann. Auch die beiden Ersten Gewächse aus dem Erbacher Steinmorgen und Siegelsberg sind mit ihren Euro 13,- und 14,- echte Schnäppchen.
Eine „kleine“ Weinprobe in Frankfurt:
Eigentlich war eine kleine Weinprobe bei mir in Düsseldorf angesagt, doch konnte ich meine lieben Freunde aus Frankfurt bei mir an diesem Wochenende nicht unterbringen und sämtliche Hotels waren ausgebucht, da die IGEDO ihre Messetore geöffnet hatte. Also verabredeten wir uns einmal mehr in Frankfurt zum gemeinsamen Köcheln und ein paar Weinen. Ich hatte 2 flights aus Italien, einen a 4 Flaschen und einen a 5 Flaschen, im Kofferraum - wir entschieden uns für den Kleineren von beiden. Dass aus dieser kleinen, das Essen begleitenden Weinprobe ein GROSSER Weinabend wurde, dafür sorgten einmal mehr die Jungs aus dem Frankfurter Nordend.
Wir verkosteten nacheinander:
- 2004 Riesling Primus Maximus, Heinz Nikolai – Rheingau
- 1999 Grüner Veltliner Axpoint, Franz Hirtzberger – Wachau
- 1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund
- 1997 Desiderio, Avignonesi – Toskana
- 1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana
- 1988 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana
- 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana
- 1982 Chateau Margaux – Bordeaux
- 1982 Chateau Cheval Blanc – Bordeaux
Die einzelnen Verkostungsnotizen folgen…
Sonntag, 02.08.2009
Burgundmarathon 2.Tag / 1.flight
40er (?) Moulin a Vent, Eugène Loran & fils –
91 Punkte – Was für eine Überraschung – ein sensationell gereifter Beaujolais. In Deutschland weiß nahezu niemand, dass im Beaujolais auch noch etwas anderes erzeugt wird, als diese Primeur-Plörre, die jedes Jahr den Markt flutet. Doch wer neugierig ist, und sich mal mit den Details dieses Weinbaugebietes auseinander setzen mag, der wird früher oder später auf die Crus-Gebiete im Herzen (Norden) des Beaujolais stoßen und feststellen, dass hier auch charaktervolle Weine erzeugt werden. Moulin a Vent gilt als primus inter pares und hier gedeihen wohl die lagerfähigsten Beaujolaisweine. In ihrer Jungend sind sie recht unnahbar und hart, aber mit nach 3,4,5 Jahren Lagerung blühen sie langsam auf und zeigen regelmäßig, dass auch aus Gamaytrauben richtig schöner Wein erzeugt werden kann.
Dass wir nun einen Wein im glas hatten, der schon 60 Jahre oder mehr auf dem Buckel hatte und immer noch im Glas unglaublich ausbaute, war auch für mich eine große Überraschung. Informationen zum Erzeuger konnte ich leider keine finden, aber die Quelle aus der der Wein stammt ist zuverlässig und wir tranken so einen Stück Geschichte ohne genau zu wissen, wer uns das „eingeschenkt“ hatte.
Zu Beginn ein Anflug von Champions in der Nase, aber mit etwas Luft verzog sich dieser Eindruck schnell und eine zarte und feine Nase mit Anklängen an rote Beeren offenbarte sich. Auch am Gaumen ein Wein, der durchaus noch Struktur vorweisen kann und in seinen Aromen noch erstaunlich frisch wirkte, aber dann eher zart und verspielt war. Insgesamt aufregend differenziert und fein am Gaumen, auch hier wieder zarte, rote Früchte (Erdbeeren, Himbeeren) mit einer wunderbaren, feinen Süße, die lange den Gaumen umschmeichelt.
Bei der späteren Rückverkostung hat er noch einen Happen zugelegt und die Frucht und die Süße sind noch schöner geworden (92 Punkte).
1949 Chambolle Musigny, Ph. Vinzent – Burgund (Füllhöhe 5,3 cm)
89 Punkte – Für 60 Jahre zeigt dieser „einfache“ Chambolle Musigny eine erstaunlich dunkle Farbe. In der Nase ein recht edler Ansatz, Kakao- und Mokkanoten, Karamell und ein Hauch von Steinpilzen; kraftvoll. Im Mund kann er jedoch das Versprechen des Buketts nicht halten: leichte Sherrynoten, wirkt recht gereift, aber auch recht dicht. Leider drängt sich die Säure immer stärker in den Vordergrund und ich habe das Gefühl, dass er im Glas recht schnell verliert. Doch hier habe ich mich getäuscht, denn bei der Rückverkostung später wirkt er klarer und gewinnt nochmals etwas an Tiefe (ich hatte ihn dann bei 90 Punkten).
1959 Vosne Romanée, Bouchard Père & fils (Füllhöhe 5,8cm)
85 Punkte – Ich habe lange gebraucht, um hier das Wirrwarr an Namen mit dem Bestandteil „Romanée“ zu begreifen, denn die Gemeinde Vosne-Romanée ist so etwas wie die Schatzkammer der Côte de Nuits und bei dem Namensbestandteil „Romanée“ denkt man unwillkürlich an die großen und nahezu unbezahlbaren Weine der Domaine Romanée-Conti.
Aber vielleicht der Reihe nach: Die Gemeinde Vosne Romanée verfügt über sieben GRAND-CRU-Lagen: La Romanée Conti, Le Richebourg, La Tâche, La Romanée-Saint-Vivent, La Romanée, Les Grand Echézeaux und Les Echezeaux. Von diesen sieben GRAND-CRU-Lagen sind zwei sogenannte Monopol-Lagen, d.h. sie sind im Alleinbesitz eines Erzeugers, hier der Domaine Romanée-Conti. Darüber hinaus gibt es auch noch einige Premier-Cru-Lagen, wie z.B. Les Petits-Monts oder Les Suchots. Doch steht – wie in unserem Fall – auf dem Etikett „nur“ Vosne-Romanée, so stammt dieser Wein aus den Weinbergen der Gemeinde Vosne-Romanée, aber es ist weder ein Grand-Cru, noch ein Premier Cru und schon gar kein Wein der Domaine Romanée-Conti.
Frisch im Glas roch unser Kandidat aus einer Flasche mit relativ schlechtem Füllstand zunächst nach „nassem Lappen“ – und zwar so einem, den man in der Küche schon viel zu lange liegen hatte (ihhhh). Auch der zweite Eindruck kann nicht wirklich überzeugen, denn das Aroma von Liebstöckel bzw. das Maggikraut hat schon ziemlich stark Besitz von diesem Wein ergriffen; hinzu kommt ein Eindruck von Aceton. Auch am Gaumen ist der Wein nicht wirklich eine Offenbarung, auch wenn zunächst etwas Kaffeearomen sowie eine malzige Süße erkennbar sind, doch dann bricht auch hier der Eindruck von Maggikraut durch und der Wein entwickelt zudem eine leichte Bitterkeit. Bei der Rückverkostung hat die Süße noch etwas gewonnen, aber letztlich bleibt er seinem Aromenbild treu und ich werte den Wein nochmals einen Punkt ab (84 Punkte)
Freitag, 24.07.2009
Burgundmarathon 1.Tag / 5.flight
1955 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 5,2 cm)
85 Punkte - Die eigentliche Grand-Cru-Lage ist Corton, doch es ist durchaus üblich, dass der Name der Sublage/Parzelle ebenfalls auf dem Etikett geführt wird. Das Haus Louis Latour hat in den Weinbergen der Gemeinde Aloxe-Corton bedeutenden Besitz und folglich verwundert es wenig, dass beide Jahrgänge dieses Weines (die sich im 5.flight unseres Burgundermarathons direkt gegenüber standen) aus dem Hause Louis Latour stammten.
Die Weine aus Corton benötigen regelmäßig Zeit zum Reifen; 5 Jahre, besser 10 oder 15 Jahre sollte man ihnen geben, erst dann blühen sie auf und werden geschmeidig, vorher sind sie oft spröde oder hart. Der erste Wein im Glas war allerdings 54 Jahre alt und - auf Grund des Füllstandes – war ich vor dem ersten Schluck sehr gespannt, ob wir noch Freude an ihm haben werden. In der Nase präsentierte er sich eher maskulin, mit Noten von Eisenkraut, Blut und Jod. Am Gaumen hat er noch ein schöne, süße Malzigkeit, aber leider keine weiteren Highlights. Ein noch ordentlich zu trinkender Wein, jedoch ohne das „gewisse Etwas“. Einmal im Glas baute er recht schnell ab, sodass es eigentlich logisch war, dass er auf Grund der zusätzlichen Luft in der Rückverkostung (84 Punkte) schwächer sein musste: In der Nase machte sich ein etwas penetranter Sauerkrautton breit und am Gaumen gab es auch keine Verbesserungen.
1952 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,3 cm)
91 Punkte – Für mich der deutlich bessere Wein, die stallige, leicht animalische Nase war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber am Gaumen präsentierte sich der Wein von seiner eleganten Seite und zeigte deutlich mehr Komplexität und Finesse als der 55er. Auffallend waren die kraftvolle Art, der schöne Biss und die sehr gut integrierte, reife Säure. Die feine karamellige Süße stand ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Spiel, Satz und Sieg für die 52er Ausgabe des Clos de la Vigne au Saint aus dem Hause Louis Latour.
1959 Chateau de Malle – Sauternes / Bordeaux (Füllhöhe top shoulder)
82 Punkte – Den 1. Abend des Burgundermarathons beschlossen wir mit einem Sauternes aus 1959. Der Jahrgang gilt eigentlich als großes Sauternesjahr, aber dieser Wein hat seine besten Zeiten schon hinter sich. Das Bukett wirkte etwas unsauber und erinnerte bestenfalls an einen würzigen Waldhonig. Am Gaumen war er dann recht trocken, man könnte auch gezehrt sagen.
Montag, 20.07.2009
2004 La Grola, Allegrini - Venetien
88 Punkte - Allegrini begleitet mich seit meiner Studentenzeit. Damals war es der Palazzo della Torre, dieser im Ripasso-Verfahren ( dabei werden dem bereits fertig vergorenen Wein, nochmals angetrocknete Trauben oder der Trester des Amarone zugesetzt und mit diesem erneuten Zucker- und Aromaschub wird eine zweite Gärung eingeleitet, die dem Wein einen wunderbaren Schmelz und eine dichte Frucht verleihen kann) vinifizierte Wein, der mich begeistert hat und mich anfixte alsbald auch meinen ersten Amarone zu verkosten.
Heute steht der La Grola (70% Corvina Veronese, 15% Rondinella, 10% Syrah, 5% Sangiovese) aus dem sehr guten Italienjahrgang 2004 vor mir und ich bin immer noch angetan von dem, was das Hause Allegrini zu noch bezahlbaren Preisen (Euro 14,-) auf die Flasche bringt. Der Wein hat eine füllige Frucht von reifen Beeren, dunklen Würznoten (Wacholder und Tabak) und einen Hauch Kaffee und dunkler Schokolade. Körperreich, vordergründig samtig am Gaumen, aber die recht kräftige Säure sorgt für eine gute Balance. Die ausgereiften Tannine sind gut spürbar und sicherlich auch die Garantie dafür, dass der Wein ein paar Jahre auf diesem Niveau noch so bleibt. Mir schmeckts (auch wenn ich heute Weine mit mehr Eleganz vorziehe) und deshalb genehmige ich mir noch ein Glas als Schlummertrunk.
Donnerstag, 16.07.2009
Burgundmarathon 1.Tag / 4.flight
88 Punkte – Die letzte wichtige Gemeinde der Côte de Nuits ist Nuits-Saint-Georges. Man nennt das Dorf auch die „Niere von Burgund“ – weil hier das Burgund hier einen leichten Knick macht, aber auch (so wird kolpotiert) weil hier so viel Wein durchfließt, denn seit jeher haben viele Firmen hier ihren Sitz. Das Etikett unseres 52er aus dem großen Hause Louis Latour zeugt von einem „einfachen“ Dorflagenwein, doch trotzdem stellt sich bei mir ein erfreulicher Trinkgenuss ein. In der Nase wirkt er recht kühl; mit Anklängen von Kräutertee, Melisse und einem zarten Hauch von Pfefferminz. Am Gaumen ist er ansprechend füllig, ebenfalls mit einer erkennbaren Kräuternoten; insgesamt für sein Alter noch recht straff. Auch die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung schadet ihm nicht, er bleibt auf seinem Niveau, wirkt sogar noch etwas frischer.
1952 Chambolle Musigny, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,6cm)
80 Punkte – Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Gleicher Jahrgang, gleiches Handelshaus, anderer Teil von Burgund – aber ebenfalls Dorflage. Die Nase wird von einer stark alkoholischen Note dominiert. Darauf folgen Eindrücke von Maggikraut, Sherry und andere, beim Wein nicht gerade gesuchte Aromen. Am Gaumen erstaunlich weich, aber leider auch mit wenig Charakter und Ausdruck, eine leicht ranzige Butternote zieht sich durch. Die angenehme Süße, die besonders im Abgang deutlich wird, vermag es auch nicht mehr rauszureißen. Bei der Rückverkostung geht der Inhalt meines Glases recht schnell direkt in den Spuckbecher (75 Punkte).
1952 Grand Echezeaux, Domaine de la Romanée-Conti (Füllstand 7,0cm)
95 Punkte - Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flaschen mit einem schlechten Füllstand nicht zwangsläufig schlechten Wein beinhalten müssen. Trotzdem schraubte ich meine Erwartungen sehr weit runter, als Michael Schmidt diese Flasche mit den Worten ankündigte: „Jetzt kommt ein besonderer Wein, jedoch ist der Füllstand schlecht, es fehlen ca. 7cm in der Flasche“. Doch schon in der Nase zeigt sich die besondere Klasse dieses Weines – Tiefe, kühle Aromatik, sehr klar und super-sauber, mit deutlich ätherischen Anklängen; ein echter Nasenbär, man möchte gar nicht aufhören in dieses Glas hineinzuschnüffeln, so tief und berauschend sind die Eindrücke. Am Gaumen ebenfalls ein herrliches und finessenreiches Spiel, jedoch ohne dass der Wein besonders körperreich wirkt. Überraschend waren für mich auch die (Frucht-)Aromen, die ich eher einem Weißwein zuordnen würde: Weinbergspfirsich, Mirabellen, Orangenzesten, Lakritz und viele mehr. Auch dieser Wein hatte bei der Rückverkostung nochmals deutlich Luft bekommen und in der Nase war schlicht perfekt (!!); am Gaumen jedoch hatte er ein wenig abgebaut (94 Punkte).
Mittwoch, 15.07.2009
Burgundmarathon 1.Tag / 3.flight
Im 3. flight gab es gleich zwei Premieren, zunächst kam erstmals an diesem Abend ein „Grand Cru“ in unsere Gläser, gefolgt von einem 1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville (als Pirat des Abends). Insbesondere der Spätburgunder hat mich fast umkippen lassen und ich habe unverhofft einen Eindruck davon bekommen, was erst vor kurzer Zeit Martin Wurzer-Berger in seinem Artikel „Begegnungen auf Augenhöhe – Die erregenste Vergleichsprobe des Jahres: Assmannshäuser Höllenberg und große Burgunder Pinot Noirs 1959 bis 1921“ (vgl. Weinmagazin „Fine“ - Ausgabe 1/2009, S. 43ff.) beschrieben hat. Als der Wein nach unserer Blindverkostung aufgedeckt wurde, konnte ich mich nur zu gut an den Bericht erinnern, den ich erst wenige Wochen zuvor gelesen hatte (ohne jedoch zu ahnen, dass ich wenig später – zumindest partiell – ein ähnlich spannendes Erlebnis haben werde). Die sich dem Artikel von Wurzer-Berger anschließenden Verkostungsnotizen von Sam Hofschuster (Chef-Verkoster des Weinportals www.wein-plus.de) sind ebenfalls lesenswert, doch leider lässt der Hofschuster die eigentlich nötige Akribie bei der Zitierung des Etiketten vermissen, denn es ist schon ein großer Unterschied, ob es sich um einen Cabinet (einige Etiketten sind jedoch auf dem Fotos zum Artikel; vgl. S.44 zu erkennen) handelt oder nicht. Auch bei den Pinot Noirs aus dem Burgund sind viele Detailinfos der Etiketten nicht aufgeführt.
1959 Corton Grand Cru, J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 3,8cm)
87 Punkte - Schon etwas trübe in der Farbe; mit recht verhaltenen Eindrücken in der Nase, erinnert dieser Wein an Feuersteine nach einem Regenguss. Am Gaumen eher verwaschene Aromen, ohne klares Bild. In der Mitte jedoch mit feiner Süße und Eindrücken von Kirschkuchen und Kirschwasser. Im Abgang zeigt er keine besondere Länge. Im Vergleich zu einigen der „einfachen“ Dorflagen verspüre ich bei diesem Grand Cru keinen Lustgewinn / Genusszuwachs. Bei der Rückverkostung ist die Nase noch schwächer, am Gaumen zeigt sich ein vergleichbares Bild (86Punkte).
1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville – Rheingau (Füllstand 2,5cm)
94 Punkte – Tiefe, dunkle Nase mit Aromen von Mokka, Kirschen, Pflaumen, feuchtem Holz und Süßholz. Am Gaumen beeindruckt mich die kräftige Statur und Definiertheit dieses Spätburgunders, der ganze 60 Jahre alt ist. Er wirkt sehr klar in der Aromatik, zeigt eine edle und reife Frucht mit Noten von Mokka und Karamell. Sehr schöne Balance aller Komponenten, die sich bis in den wunderschönen, langen Abgang durchzieht. Ein großer Wein. Leider kann er dieses Niveau bei der Rückverkostung nicht mehr abrufen, die zusätzliche Belüftung hat Schaden angerichtet, er fällt auseinander, die Süße steht recht deutlich außen vor (89 Punkte). Anzumerken bleibt, dass sich der Spätburgunder in seiner Aromatik und in seinem Stil recht deutlich von allen anderen Pinot Noirs aus Burgund unterscheidet. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kamen auch die Teilnehmer der großen Vergleichsprobe auf Kloster Eberbach, deren Reaktion Martin Wurzer-Berger wie folgt zusammenfasst: „Zum einen erkennen und beurteilen sie differenziert die Stärken und Defizite der französischen Pinot Noirs, denen im Allgemeinen ein guter Zustand attestiert wird. Die Assmannshäuser lassen sich jedoch nicht ohne weiteres in das burgundische Geschmacksbild integrieren. Sie scheinen tatsächlich eine bemerkenswert eigenständige Form des Spätburgunders zu repräsentieren, die sich in einer ausgezeichneten Lagerfähigkeit demonstriert und auch geschmacklich zu überzeugen weiß.“
1959 Latricières Chambertin Grand Cru, Remoissenet Père et fils – Burgund (Füllstand 3,0 cm)
90 Punkte – Dieser Grand Cru besticht durch seine Klarheit; in der Farbe vollkommen klar, verbreitet er einen Maraschino-ähnlichen Duft (=relativ trockener Fruchtlikör) mit deutlichen Anklängen der Maraska-Kirschen, aus denen er hergestellt wird. Am Gaumen sehr sauber, klar und recht tief in der Aromatik; erinnert an schwarze Früchte, eingebettet in feinste Kaffeenoten, schöne Länge im Abgang. Auch diesem Wein hat die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung nicht gut getan, er entwickelt eine Pappe-Note in der Nase und wirkt nicht mehr so klar uns sauber (86 Punkte)
Sonntag, 12.07.2009
Burgundmarathon 1.Tag / 2.flight
Besonders interessant an diesem flight war die direkte Gegenüberstellung der beiden 1er Cru Weine aus Beaune, der erste aus der größten Beaune-1er Cru-Lage "Les Grèves", der zweite vielleicht aus einer der bekanntesten "Clos des Mouches" (insbesondere der Teil der dem Haus Drouhin gehört); beide Weine aus dem Jahrgang 1959 und beide von Paul Bonnet, einem Erzeuger/Händler, zu dem ich bislang keine Infos gefunden habe, der aber seinen Sitz im benachbarten Nuits-St.Georges wohl hatte.
1959 Beaune Grèves 1er Cru, Paul Bonnet - Burgund (Füllstand 1,9cm)
88-89 Punkte - Wirkt recht kühl in der Nase und zeigt Noten von gelben Wachsbohnen. Auch am Gaumen zunächst etwas unausgewogen (kantig und mit Bitternoten im Abgang) , mit mehr Luft entwickelt sich jedoch eine schöne Stoffigkeit mit Eindrücken von reifen, schon etwas mehligen roten Früchten (88 Punkte); ordentliche Länge; in der Rückverkostung (89 Punkte) habe ich mir rote Johannisbeeren und einen denzenten Medizinalton notiert.
1959 Beaune Clos des Mouches 1er Cru, Paul Bonnet - Burgund (Füllstand 3,5cm)
92 Punkte - Von Anbeginn mit einer feinen, süßen Kräutrigkeit in Mund und Nase. Am Gaumen zeichnet er sich durch eine feine Stoffigkeit mit dezent malzigen Noten (Malzbonbon) und einem Hauch von Holzkohle aus. Eine sehr feine Frucht ist gut zu erkennen, die mich mehr an gelbe als an rote Früchte erinnert. Auffällig ist auch das wirklich schöne Säurespiel. Die feine aromatische Tiefe und Dichte runden insgesamt das Bild dieses feinen Weins ab. In der Rückverkostung ein ähnliches Bild mit konstantem Punktwert (92 Punkte)
1959 Gevrey Chambertin, unbekannter Erzeuger - Burgund (Füllstand 7,4cm)
84 Punkte - Denkbar schlechte Voraussetzungen brachte der nächste Wein mit, ein Füllstand mit minus 7,4cm ist schon kritisch. Dennoch war der Wein nicht total hinüber, aber eine Freude war es auch nicht. In der recht unsauberen Nase begrüßte einen der Kellermuff, gefolgt von deutlichen Reifenoten. Am Gaumen sehr weich, mit einem Hauch von roten Tee, Malventee, dann aber auch Bitternoten. Insgesamt kurz und recht stumpf. Bei der Rückverkostung gab er sein letztes und eine "Todessüße" (Malzigkeit) und eine etwas dunkler wirkende Frucht kamen noch einmal zum Vorschein, aber große Sprünge waren das nicht.
1959 Chambolle Musigny, de Canniere (Abfüllung) - Burgund (Füllstand 4cm)
83-86 Punkte - Leider war ich bei diesem Wein etwas abgelenkt und habe mir wenig notiert: kühl, etwas Liebstöckel, ordentliche Struktur, recht fest, aber wenig inspiriert (86 Punkte). Bei der Rückverkostung ging es dann bergab mit ihm, er roch wie ein Lappen, mit dem man den nassen Hund bei seiner Rückkehr abgerieben hat (83 Punkte)
Samstag, 11.07.2009
Burgundmarathon 1. Tag / 1.flight
1959 Volnay, J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 3,7cm)
88-89 Punkte - Ein schöner Einstieg in den ersten Abend und gleichzeitig ein Beweis, dass auch aus Dorflagen in hervorragenden Jahren guter und langlebiger Wein erzeugt werden kann. J.Drouhin ist heute ein großer Erzeuger mit viel Weinbergsbesitz, der Burgunder noch zu bezahlbaren Preises anbietet. Das belgische Handelshaus existiert heute ebenfalls noch (vgl. www.grafe.be), jedoch kann ichüber die Güte der angebotenen Wein nichts sagen, da ich sie nicht kenne. In der Nase präsentierte sich dieser Wein zu seinem 60. Geburtstag recht kühl, mit Noten von Tee, schwarzem Trüffel, recht klaren Tertiäraromen und einem Eindruck von gereiftem Barolo. Am Gaumen habe ich mir welke Rosen, Veilchen, leichte Röstnoten und rote (Johannis-)Beeren notiert. Recht vielfältiger Eindruck, mit reifer Säure (88 Punkte). In der späteren Rückverkostung habe ich ihn auf 89 Punkte gezogen, da er an Klarheit und Frische etwas zugelegt hat; Anklänge an roten Tee und Kaffee.
1959 Volnay 1er Crù Santenots, J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 4,6cm)
86-87 Punkte - Gleicher Winzer, gleicher Abfüller, gleicher Jahrgang, bessere Lage - und trotzdem der etwas schwächere Wein im Vergleich zur Dorflage. Recht kräftige Nase, schwarzer Tee, deutliche Tertiärnoten, Karamell, recht spitzer Alkohol in der Nase. Auch am Gaumen ist er etwas einfacher als sein Vorgänger, erinnert mich ein wenig an Crème Catalane; etwas vorstehende Säure (86 Punkte). Die Luft bis zur Nachverkostung hat im gut getan, er hat etwas an Kraft gewonnen, leider entwickelt sich hinter heraus auch eine Bitternote, die ihm nicht so gut zu Gesicht steht.
1959 Pommard, de Cannière (Abfüllung) - Burgund (Füllstand 4,1 cm)
87 Punkte - In der Nase viel Butterkaramell, aber auch leicht flüchtige Säure, Honignoten, mit mehr Luft entwickelt sich ein Duft von Bienenwachs, Liebstöckel, insgesamt recht kräutrig. Am Gaumen noch ein recht schönes Aromenbild mit guter Säure und erkennbarer Burgunderfrucht. Mit mehr Luft wird er dunkler in der Aromatik.
Freitag, 10.07.2009
Burgundmarathon über zwei Tage
Was sich total anstrengend anhört (Marathon über 2 Tage) war selten klasse. Michael Schmidt vom Weinhandel (http://weinhandel-schmidt.de) hat dieses denkwürdige Ereignis im privaten Rahmen letztes Wochenende veranstaltet. Den Ablauf kann man nur als perfekt bezeichnen, die Flaschen waren bestens konditioniert (alle Weine wurden um 7 Uhr früh geöffnet und wieder leicht mit Kork verschlossen.Um 10,30Uhr wurde der Kork entfernt zur langsamen Sauerstoff- Zufuhr, um 18.00 Uhr ging es dann mit der Probe los) und die bunt gemischte Truppe (von denen sich ein Großteil vorher nicht kannte) harmonierte teilweise so gut, dass ich das Gefühl hatte, man kennt sich schon Ewigkeiten. Abgesehen von Vor- und Nachweinen ;-)) standen am ersten Abend 16 Weine aus der Zeit von 1952 bis 1959 im Mittelpunkt unseres Interesses. Am zweiten Abend folgten weitere 16 Weine, die allesamt das Rentenalter bereits erreicht hatten, einige waren sogar hoch betagt (1895 bis 1949).
Nachfolgend werde ich die Weine eines flights jeweils in einem Eintrag vorstellen. Viel Spaß beim Lesen....
Die "Ausbeute" des 1.Abends
Dienstag, 30.06.2009
1979 Barolo Bussia di Monforte Riserva Speziale, Bruno Giacosa – Piemont
96 Punkte – Der krönende Abschluss der Rotweinrunde an diesem Abend. Dieser herrliche Stoff ist nur in wenigen Jahren (1974, 1975, 1978 und 1979, jeweils rotes label) in kleiner Auflage erzeugt worden. Für die Optik gewinnt dieser Barolo keine Preise; mit unglaublich viel Depot strömt der Wein ins Glas, in der Farbe ansonsten eher blass und hell. Dafür hat es der Rest umso mehr in sich. Die Nase zeigt mit etwas Luft herrliche Trüffelaromen und feuchtes Unterholz, dazu Malven, etwas Liebstöckel und zwischendrin auch mal ein Hauch von verwässerter Coca Cola, aber das Aroma verändert sich, zeigt auch Anklänge von rotem Tee. Am Gaumen ebenfalls mit fortgeschrittener Reife, deutliche Tertiäraromatik (aber die von ihrer schönsten Seite), dazu etwas Tee von roten Früchten, eine feine und recht intensive Süße (Karamell). Insgesamt ein wunderbar reifer Barolo, mit sehr viel Spiel, Komplexität und Finesse. Ich liebe diese Art von klassischem Nebbiolo; für mich ist das großes Kino und unglaublich genussvoll.
1989 Barolo La Villa Fratelli Seghesio Piemont
94 Puntke – Der ein Jahr ältere La Villa aus dem Jahrgang 1989 unterscheidet sich von seinem Bruder aus 1990 im Stil; er wirkt etwas klassischer, aber nicht minder attraktiv. Im Ergebnis ist er etwas filigraner und eleganter; aber auch der 89er zeigt eine wunderbare aromatische Tiefe mit runden, körnigen Tanninen. Die Aromatik ist ebenfalls dunkel, mit einer tollen Frucht (Kirschen, Brombeeren und Waldboden) sowie einer ansprechenden Fruchtsüße. Dies alles wird eingerahmt und durchzogen von malzigen Aromen, Zedernholz und einem Hauch Trüffel. Beeindruckend die aromatische Länge mit der er Mund und Rachen auskleidet. Auch hier ist keine Eile geboten, der Wein wird auf diesem Niveau noch etliche Jahre zu trinken sein.
1990 Barolo La Villa, Fratelli Seghesio – Piemont
93 Punkte - Die Brüder Aldo und Riccardo Seghesio haben erst Ende der 80er Jahre damit begonnen eigenen Wein abzufüllen. Vorher wurden die Trauben oder auch der Jungwein an Handelsbetriebe verkauft. Doch dann begannen sie den Wein selbst zu füllen und auf hohe Qualität zu setzen. So wurden nicht nur die alten Fässer zersägt und auf französische Eiche (600-700 Liter Fässer) gesetzt, sondern man reduzierte auch die Erntemenge erheblich (grüne Lese mit teilweise 50% Ertragsreduzierung und letztendlich nie mehr als 40hl Wein pro Hektar. Die internationale Weinszene entdeckte die Weine sehr schnell – auch dank der internationalen Weinjournalisten; Parker hat z.B. den Barolo La Villa in 14 Jahrgängen bewertet und nie mit wenige als 90 Punkten bewertet. Auch der Gambero Rosso ist stets voll des Lobes über die Weine der Gebrüder Seghesio.
Noch mit dichter Farbe strömt der Wein in die Gläser und ein Duft aus Lakritz, Tabak, Waldbeeren und Kirschen umschmeichelt die Nase. Im Mund präsentiert er sich saftig und mit einer schönen Fruchtsüße; der recht hohe Speichelfluss deutet auf eine knackige Säure hin, die trotzdem gut eingebunden wirkt. Das gleiche gilt für die kräftigen Tannine. Der Körper ist kräftig, aber auf Grund seiner Anlagen ist der Wein in sich harmonisch und so dürfte der Barolo La Villa 1990 noch einen erhebliches Lagerpotential besitzen.
1989 Barbaresco Selezione Christa Klauke, Produttori del Barbaresco – Piemont
90 Punkte – Spannend war die für die Buchautorin und (ehemalige) Weinhändlerin Christa Klauke gemachte Spezial-Abfüllung. Diese Flasche entstammte einem Fass (No.137), das ausschließlich für sie abgefüllt worden war. Wie ich gehört habe, gehörte sie einmal zu den recht bedeutenden Händlern in Deutschland und ihre Liebe galt dem italienischen Wein.
Die Nase zeugt von einem gereiften Nebbiolo klassischer Art, Anklänge an Trüffel, Liebstöckel, rote Beeren und Trockenblumen. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild; ein wirklich schön geschliffenes Tannin sowie die gut eingepasste Säure sorgen für ein harmonisches Gesamtbild; die gute Länge rundet dieses erfreulichen Weingenuss ab. Man darf davon ausgehen, dass für diese Spezialabfüllung ein wirklich gutes Fass gewählt worden ist. Allerdings war es im Jahrgang 1989 auch schwierig keinen guten Nebbiolo zu erzeugen. Wir haben noch länger darüber diskutiert, ob 1989 oder 1990 der bessere Jahrgang ist. Wenngleich in der Literatur 1990 die Nase leicht vorne hat, so waren wir uns am Tisch auf Grund eigener Erlebnisse einig, dass 1989 im Durchschnitt der etwas bessere dieser beiden großen Jahrgänge in der Langhe ist.
1994 Chardonnay Grand Select, Weingut Wieninger - Wien
85 Punkte – Schon erstaunlich, wie stark dieser Chardonnay noch von jung wirkenden Holzaromen beeinflusst ist. Die Nase zeigt deutliche Barriquenoten, Buttertoffee, aber zu Beginn auch eine leichte Sauerkrautnote, die mit zunehmender Luft im Glas sich etwas abbaut und floralen Anklängen weicht. Der Eindruck, den dieser Wein in der Nase hinterlässt, ist intensiv, aber leider auch etwas grob. Am Gaumen ebenfalls laktische Noten, dazu eine schöne Citrus-Apfelfrucht mit guter Säurestruktur; recht langer Abgang. Ein Chardonnay im internationalen Stil, wie er lange en vogue war, heute aber eher unpopulär ist. Mit hat er trotzdem ganz gut gefallen und meine Hand ging durchaus zum Glas, auch wenn er insgesamt eher etwas holprig geschnitzt ist; mit seinen 13,5% Alkohol ist er auch nicht zu fett.
1988 Chardonnay, Bründlmayer – Kamptal
87 Punkte - „Der Chardonnay hat den internationalen Erfolg von Willi Bründlmayer jun. eingeleitet. In den 80-er Jahren gewann Bründlmayer Chardonnay auf der Weinmesse Vinitaly eine Verkostung der „besten Chardonnays der Welt“(Veronelli), obwohl er eigentlich von einem deutschen Journalisten nur als „Pirat“ eingeschleust worden war. Der internationale Ausbaustil hat seither zu einer individuellen Ausprägung gefunden mit fester Struktur und charmanter „österreichischer“ Frucht.“ (vgl. http://www.bruendlmayer.at/weine/weisswein/chardonnay_2002.php) Unglaubliche 21 Jahre hat dieser Chardonnay auf dem Buckel und er stand wunderbar im Glas. Der Wein verströhmte einen vielfältigen Duft, der mich an Waldhonig, Quitten, Äpfel und Crème Brûlée erinnerte. Die Nase ist finessenreich, am Gaumen konnte er das Niveau nicht ganz halten. Dennoch zeigt sich auch hier der Wein eher von der eleganten, filigranen Seite; sehr klar, mit feinem Schmelz – wirklich schön gereift. Heute arbeitet Willi Bründlmayer bei seinem Chardonnay mit Eiche aus der Region. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, ob dies damals auch schon der Fall war, denn irgendwie hatte der Weine deutlich etwas burgundisches, aber auch wieder nicht – vielleicht bringt hier auch das Holz eine deutlich lokale Note mit ein.
Baroloprobe und Österreich
Während meiner Urlaubswoche veranstaltete ein Freund in Hamburg mitten in der Woche überraschend eine formidable Weinprobe. Da es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass ich unheimlich gerne Altweine trinke und mein Herz besonders für den Nebbiolo schlägt, habe ich mich natürlich besonders gefreut, dass an diesem Abend - im Kreise besonders lieber Freunde – ein paar Preziosen auf den Tisch kamen. Bei Brot, Butter und Salz (eine blendende Ausstattung für Weinproben, wenn man sich auf die Wein konzentrieren möchte) begann unser genussreicher Abend mit zwei Weißweinen, die ich in diesem Keller so gar nicht vermutet hatte ;-)
Sonntag, 07.06.2009
Bordeaux 1985 - kleine Horzontalverkostung
Einmal mehr war ich bei Freunden in Frankfurt zum Weintrinken eingeladen. Diesmal war klar, was auf den Tisch des Hauses kommen sollte: Bordeaux – denn die beiden Jungs haben erst kürzlich einen besonderen Deal gemacht und einen Weinschatz aufgekauft, der so ziemlich alles hergibt, was in der Zeit von 1982 bis 1990 Rang, Namen und viele, viele Punkte hat. Mein Mitbringsel, ein 1985er Chateau Cos d’Estournel fügte sich an diesem Abend per Zufall perfekt in die kleine horizontale Verkostung ein, die von den jeweils „besseren Hälften“ intelligent und mit Fingerspitzengefühl für uns Jungs blind zusammengestellt worden war. Es gab (in der Reihenfolge der Nennung):
- 1985 Chateau Grand Puy Lacoste, Pauillac
- 1985 Chateau Latour, Pauillac
- 1985 Chateau Cos d’Estournel , St. Estephe
- 1985 Chateau Lynch Bages, Pauillac
- 1985 Chateau Leoville Barton, St. Julien
Ein kleiner Hinweis vorab: Die verkosteten Weine stammten aus einem Top-Keller, den sie seit ihrer Lieferung nach dem Primeur-Einkauf nicht verlassen haben. Insofern liegen den nachfolgenden Notizen hervorragend konditionierte Flaschen zu Grunde.
Als warm up gab es einen weißen Wein-Kracher, der nicht lange fackelt, sondern mit dem man gleich von „Null auf Hundert“ in unter 4 Sekunden beschleunigt wird:
1998 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Bründlmayer – Kamptal
95 Punkte – Was für eine Rakete, bereits in der Nase bekommt man einen Eindruck von der brachialen Kraft und der Urgewalt dieses Weines. In der Nase schwingt zwar zu Beginn ein Hauch von flüchtiger Säure mit, aber dann erlebt man ein Feuerwerk von orientalischen Gewürzen, Rauch und weißem Pfeffer. Der erste Schluck kommt fast einem Anschlag gleich, denn der Wein brennt sich mit seiner krassen, ungemein salzigen Mineralität in der Zunge ein. Aber auch die Frucht ist nicht von schlechten Eltern: Noten von überreifen Äpfeln, Citrusfrüchten, viel Pampelmuse und Aprikosen sind nur ein paar Eindrücke, die man gewinnt, wenn man diesen ungemein dichten, feisten Wein kaut. Ein opulenter, brutaler Stoff, der trotz des hohen Alkohols und der leichten Botrytis noch ein langes Leben vor sich hat und der für mich eine Referenz des Grünen Veltliners darstellt. Mario Scheuermann hat mal zu diesem Wein geschrieben: „Auch dieser Wein sprengt mit seiner brachialen Kraft und Wucht jeden Rahmen und jede Konvention der Sorte. Dieser hat kein Pfefferl, sondern richtig Pfeffer. Neben einem solch faszinierenden Ungetüm müssen die meisten großen weißen Burgunder die Waffen strecken“ (vgl. Capital Weincompass, Mario Scheuermann). Den ersten Teil dieses statements kann ich voll und ganz unterschreiben, warum man jedoch dieses Weinunikat mit einem weißen Burgunder vergleicht, erschließt sich mir jedoch nicht, auch wenn dieser irre Stoff – trotz aller power und Aggressivität – eine innere Harmonie und Ausgewogenheit auf hohem Niveau besitzt.
1985 Chateau Grand Puy Lacoste – Pauillac
93 Punkte – Chateau Grand Puy Lacoste hat in der Dekade von 1980 bis 1990 langlebige Weine von hervorragender Qualität erzeugt. Einen Beweis mehr lieferte dieser schöne 85er, der in seiner Aromatik ganz typisch für dieses Chateau ist. Intensive, kräutrige und maskulin wirkende Nase mit Anklängen von frischen Trüffeln und Rauch (Asche eines ausgeglühten Lagerfeuers). Am Gaumen gerade aus mit schöner, klarer Frucht; vom Mundgefühl recht weich, mit Anklängen von roten Früchten, Lakritze und schwarzem Pfeffer. Ein in sich schlüssiger Tropfen, den ich gerne und mit viel Genuss getrunken habe. Auf diesem Niveau mindestens noch 5 Jahre.
1985 Chateau Latour – Pauillac
92-94 Punkte – Meine erste Begegnung mit Latour aus diesem Jahrgag und irgendwie bin ich mit mir nicht wirklich im Reinen: hat mir der Wein richtig gut gefallen hat oder nicht? Zu Beginn ein leichter Kellermuff; dann viele Kaffee-, Malz- (süßlich) und Marzipannoten. Mit viel Luft (dekantieren einmal mehr empfohlen) wird der Wein vielschichtiger und die Frucht blüht auf. Am Gaumen wirkt der Wein recht feminin, feinen Noten von Himbeeren und grünen Erbsen. Die Tannine sind rund und geschliffen; hinten heraus bleibt jedoch ein kleines Bitterle. Zu Beginn erstaunlich dicht und weich, aber irgendwie auch ein wenig richtungslos – der Wein hat noch ordentlich Alterungspotential, aber die Frage: „Findet er noch die klare Richtung und seine echte Latour-Seele?“ bleibt. Da er im Glas mit der Zeit ausbaute, bin ich zuversichtlich, dass bei gut gelagerten Flaschen noch 1-2 Punkte mehr drin sind. Für das viele Geld würde ich mir momentan lieber ein paar Flaschen Grand Puy Lacoste gönnen.
1985 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe
93 Punkte – Dieser Wein spaltete an diesem Abend ein wenig die Gemüter. Mein lieber Freund mir gegenüber punktete 88/89 Punkte und meinte er sei etwas verwaschen, mein Weinfreund zur Linken setzte ihn am Ende ein Tick über den noch folgenden 85er Leoville Barton. Ich hatte ihn mit 93 Punkten punktgleich mit dem Leoville und damit deutlich jenseits der 90-Punkte-Grenze. Ich habe mir „androgyn“ notiert – einerseits ein dunkle, maskuline und mineralische Aromatik (Dörrobst, schwarze Oliven), andererseits eine vordergründige, saftige, weiche und weibliche Wärme sowie eine runde, üppige Frucht. Schwer zu verstehen, aber hinter der weichen, üppigen Frucht auch viel Struktur und etwas ruppige Tannine. Mit haben die Gegensätze gut gefallen.
1985 Chateau Lynch Bages – Pauillac
96 Punkte – Zwei Worte habe ich mir als Fazit in mein kleines Notizbuch notiert: „Sinnliche Schönheit“ Nein, nicht diese Hungerhaken, die man heute ständig auf irgendwelchen Modenschauen sieht, sondern uns hat an diesem Abend eine femme fatale begeistert. Schon das Bukett hatte ein unglaublich verschwenderisches Parfüm: reife Weichselkirschen, vielen süßlich-orientalischen Anklängen; eingefangen in einer Box aus edlem Zedernholz (Zigarrenbox, die den Duft der letzten Zigarren ein wenig bewahrt hat). Am Gaumen saftige Fülle, sehr ausdrucksstark und ausladend. Intensiv, voller Körper und ziemlich sexy. Durchaus elegant, aber primär (im allerbesten Sinne) ein Kind der Bourgeoisie.
1985 Chateau Leoville Barton – St. Julien
93 Punkte – Zu Beginn sehr viel Kaffee- und Röstaromen, Zedernholz und Zigarrenkiste. Am Gaumen recht maskulin in seinen Anlagen: Röstaromen, das Tannin trocknet den Gaumen etwas an; auf der anderen Seite mit einer recht eleganten rotbeerigen Frucht und einer feinen, recht eleganten Süße. Aufgrund der sehr straffen Säure kann ich die Notiz von Rene Gabriel aus 1999 ganz gut nachvollziehen, wo er dem 85er Chateau Leoville Barton eine „Sangiovese-Affinität“ attestiert und ihn zum „Frankreich/Toskaner“ mutieren lässt. Da der Wein im Glas hinten heraus recht schnell abbaute, verstehe ich es auch, wenn man ihm noch ein oder zwei Pünktchen abzieht.
Samstag, 30.05.2009
Clos Mogador - Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006
Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und - Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.
Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.
Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.
2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat
90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.
1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.
1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
92 Punkte - Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.
1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.
Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.
Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.
1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.
Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein - in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien - daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.
2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.
Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.
2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?
NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.
Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.
2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat
90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.
2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat
89 Punkte - Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.
Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.
Mittwoch, 27.05.2009
1999 La Porte du Ciel, Chateau de la Negly – Coteaux du Languedoc / „Ma(n)ifest Nr.13“
94 Punkte - ich war und bin ein großer Freund des La Falaise, diesem preis-WERTEN Wein von Jean Rosset, dem Eigentümer von Chateau de la Negly. Seine „Himmelspforte“ spielt deutlich eine Liga höher, aber der Top-Zuschlag für das Trinkvergnügen in der Champions League ist doch erheblich.
Tief und fast schwarz steht der Wein im Glas. Immer wieder fasziniert mich bei dieses Weinen aus dem Süden Frankreichs (La Clape) die Kombination aus hohem Alkohol und der eher kühlen Stilistik am Gaumen und in der Nase. Auch die 99er Himmelspforte hat laut Etikett 14,5% Alkohol (tatsächlich wohl eher noch einen Schnaps mehr), verführt aber gleichzeitig mit ihrer kühlen Art. Die Aromatik ist geprägt durch eine tiefe, saftige Frucht mit viel Lakritz- und Kräuternoten, dazu etwas Schokolade und Kokos (wohl vom Fassausbau), Brombeeren, Minze und Menthol. Der Wein besitzt eine dezente Bitternote, die jedoch nicht aus unreifen Tanninen oder dem Holz kommt, sondern wohl eher dem Boden zuzuschreiben ist. Die Tannine sind herrlich weich und feinkörnig und der Wein hinterlässt einen langen, samtigen Eindruck am Gaumen.
Dienstag, 26.05.2009
1996 Oberhäuser Brücke Riesling Eiswein, Hermann Dönnhoff – Nahe / „Ma(n)ifest Nr.12“
95 Punkte – Dieser Wein sieht aus wie eine mit Wasser verdünnte Coca Cola; bernsteinfarben. Auch wenn man wegen der Farbe schon mal die Stirn runzeln kann, so ist man nach der ersten Annäherung an das Glas doch vollkommen geläutert. Schon in der Nase bekommt man einen Eindruck von der Urgewalt und Komplexität dieses Weines. Einmal im Mund entfaltet sich ein Aromenfeuerwerk, wie ich es bislang selten erlebt habe. Die süße Frucht (exotische Früchte, Zwetschgenröster, Kirschen) ist unterlegt mit einer glockenklaren und intensiven Säure, die jedoch – dank der herrlichen Fruchtsüße – ein frappierendes Spiel entwickelt, dass in einem furiosen, lange am Gaumen anhaltenden Finale endet.
Laut der Info edlen Spenders hat Hermann Dönnhoff mehrere Eisweine in diesem Jahrgang seiner Lager Oberhäuser Brücke abgerungen; Nr. 28 hatte mit 250° Öchsle nicht nur den höchsten Zuckergehalt, sondern war auch mit 99 Punkten Siegerwein im Gault Millau 1998 im Bereich der edelsüßen Gewächse. Der Traumstoff bei uns im Glas wurde wohl ein paar Nächte früher geerntet und hatte ursprünglich ein Mostgewicht von 210° Öchsle.
Samstag, 23.05.2009
1997 Insignia, Joseph Phelps - St. Helena (Napa Valley) / „Ma(n)ifest Nr.11“
96 Punkte - Innerhalb von 4 Wochen der zweite Jahrgang dieses großen, bekannten Kaliforniers. Hatte ich den 95er schon mit sehr guten 94 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=414), so waren diesmal noch 2 Punkte mehr im Glas. Ein Schmackofatz – Wein allererster Güte. Tiefe Farbe; dunkel und ganz dicht stand er im Glas vor uns und strahlte uns an. Von der Aromatik ein Charmeur, ein Schmeichler, ein Don Juan – und dann das ganze auch noch im Smoking für den großen Auftritt am Abend. Und nicht völlig neidfrei muss ich kontestieren, dass er auch den nötigen Tiefgang besaß. Jede Frau hätte an diesem „Beau“ mit Scharm und Charakter ihre wahre Freude.
Nicht ganz uneigennützig habe ich entschieden, dass mir dieser Typ nicht in mein Haus kommt. Oder anders ausgedrückt, dieser Ausbund aus Kraft, Saft, Frucht und Schmelz, umhüllt von einem edlen Zwirn, der hier und da den kräftigen Körper nicht verdeckt, werde ihn meiner Herzdame vorenthalten; sonst bin ich den ganzen Abend abgemeldet.
Nicht so schwärmerisch formuliert liest sich das dann so: Dichter, saftiger, geschmeidiger und fruchtbetonter (u.a. Cassis & Heidelbeeren) Wein, der mit seinen Lakritz- und Kräuteraromen aromatisch komplex wirkt. Der an Vollmilchschokolade erinnernde Schmelz ergänzt sich gut mit der schönen Süße, die den Speck zwischen Rippen (bestehend aus reifen, feinsandigen Tanninen) bildet. Harmonisch und balanciert; mit guter Länge.
Freitag, 22.05.2009
1945 Chateau Pontet Canet – Pauillac / „Ma(n)ifest Nr.10“
98 Punkte – Chateau Pontet Canet spielt mit seinen Weinen seit Ende der 90er Jahre wieder in der ersten Erste Liga von Pauillac, wenn nicht gar in Bordeaux. Doch die Durststrecke bis dahin war lang.
Grundsätzlich mag ich diesen Stil von Bordeaux. Ein Pontet Canet ist stets ein maskuliner, dunkler Wein mit straffen, teilweise auch etwas rauen Tanninen, aber auch mit Tiefe und Substanz. Wie jedoch ein 45 sein würde, konnte ich mir bislang nicht vorstellen, denn einen älteren als den recht bescheiden 86er hatte ich noch nicht im Glas. Von der Farbe deutlich gereifter als der davor getrunkene 50er Cheval Blanc, aber dann mit tiefer, dunkler und immer noch fester Aromatik – wirkt fast noch ein bisschen jugendlich. Noten von Baumrinde, Tabak, Zigarrenkiste, Eukalyptus, Minze und einer erkennbaren Erdigkeit / Mineralik, die ich so bei einem jungen Pontet Canet noch nie erlebt habe. Überzeugend auch die Frische, die sich bis in den langen Abgang durchzieht.
1950 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / „Ma(n)ifest Nr.9“
97 Punkte - Was für ein Farbe: fest und leuchtend; zeigt kaum Alterserscheinungen. Der Wein war bereits seit über einer Stunde in der Karaffe, aber erst über den Abend verteilt zeigt er seine wirkliche Klasse. Zu Beginn hatte er einen deutlichen Muffton, ich hielt es sogar für einen Kork, aber mit der Zeit verschwand dieser Eindruck und es öffnete sich eine wunderbare, weitläufige Aromenvielfalt: z.B. Zigarrenbox (Tabak und Zedernholz), eine feine, pflaumige Frucht, etwas Minze – opulent und vielschichtig. Am Gaumen wunderbar sanft und weich - mit noblen, seidigen Tanninen ausgestattet. Trotzdem noch unglaublich jung, konzentriert und druckvoll. Es war kaum zu fassen, dass da ein fast 60 Jahre alter Wein vor uns stand. Sehr langer und komplexer Abgang. Wer hier nicht „fliegen“ lernt, braucht sich wohl nicht weiter zu bemühen.
Wer die Chance besitzt sich so einen Wein einmal selbst zu kaufen, sollte nicht den Unsinn betreiben und aktuelle Jahrgänge erwerben. Diese sind meist genauso teuer, wie gereifte Flaschen aus guten oder gar großen Jahren, bieten aber wesentlich weniger Trinkgenuss. Der aktuelle Jahrgang 2008 kostet aktuell in der Subskription ca. Euro 350,- pro Flasche. Abgesehen davon, dass man so das Insolvenzrisiko des Händlers über die nächsten zwei Jahre bis zur Auslieferung der Flaschen trägt, dürfte sich – wenn überhaupt – ein vergleichbarer Trinkgenuss frühestens in 20 Jahren einstellen. Der Wein wird dann höchstwahrscheinlich köstlich sein, aber wer weiß schon, ob man da die Radieschen nicht schon von unten anschaut.
Donnerstag, 21.05.2009
1955 Chateau Lafleur – Pomerol / „Ma(n)ifest Nr.8“
99 Punkte – Wer hat die Krone von Pomerol ? Als Antwort auf diese Frage erhält man nicht von wenigen Weinkennern die Antwort: Petrus oder Lafleur – einer von beiden hat sie immer auf. Meine Trinkerfahrung ist allerdings nicht ausreichend groß (mein Geldbeutel übrigens auch nicht), dass ich mir dazu ein echtes Urteil erlauben könnte. Vielleicht auch nur aus diesem Grund kommen mir noch ein paar Chateaus in den Sinn, denen ich in einigen Jahrgängen die Poole zutrauen würde.

Doch im ´55er Jahrgang ist es mir unmöglich vorzustellen, dass es irgendeinen Wein geben könnte, der es vermag das zu toppen, was ich da im Glas hatte. Feinste Kräuteraromen, vielschichtig aufgefächert, fein und delikat; dazu Teer, ein Hauch (rote) Frucht, Sandelholz, feinsandige Tannine und eine (rote) Süße, die den Gaumen so umschmeichelt, dass man Gänsehaut bekommt - WUNDERSCHÖN !! Ein Wein zum Verlieben: grazil und berauschend, wie eine bunte Sommmerwiese voller Wildblumen.
1959 Nuits-St. Georges, Masson-Dubois (Abfüllung von Hubert Kehren, Saarbrücken) – Burgund / „Ma(n)ifest Nr.7“
92 Punkte – 1959 war im Burgund ein Jahrhundertjahrgang und wohl auch der Grund, warum dieser Wein noch so sensationell im Glas stand. Trotz intensiver Recherche konnte ich weder zum Erzeuger noch zum Abfüller in Saarbrücken befriedigende Informationen sammeln.
Zu Beginn in der Nase Aromen von verbrannten Gummireifen – dahinter florale Aromen, etwas Kaffee und eine erstaunliche Himbeerfrucht am Gaumen. Der Wein besitzt noch eine ausgezeichnete Struktur – mit einer schönen inneren Spannung sowie einer herrlichen, mürben Süße. Ein Wein für Genießer.
1986 Hermitage – Jean Louis Chave – nördliche Rhone / „Ma(n)ifest Nr.6“
91 Punkte - Jean-Louis Chave und vor allem sein Vater Gérard gehören zu den großen Weinmachern Frankreichs, Robert Parker zählt sie gar zu den besten Weinmachern weltweit. Bislang hatte ich weder das Vergnügen sie zu treffen, noch habe ich die Region je bereist. Dies steht jedoch ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste. Darin liegt auch der Grund, warum ich hier nicht viel über das Weingut und die Weinbereitung schreiben kann. Details gibt es z.B. in Robert Parkers Buch „Rhone“ zu lesen. Einen kleinen Hinweis möchte ich jedoch geben, der für das Verständnis der Weine von Chave nicht ganz unwichtig ist. Vater und Sohn halten sehr viel von der traditionellen Weinbereitung - Technik spielt in ihrem Keller eine sehr untergeordnete Rolle.
Da der Jahrgang 1986 an der nördlichen Rhone nicht gerade zu den Glanzpunkten zählt, war ich umso mehr gespannt, was man hier dem Jahrgang abgerungen hat. Auch diesen haben wir blind getrunken und es lagen so ziemlich alle „Mittrinker“ am Tisch (incl. Meiner Wenigkeit, der diesen Wein zur Verkostung angestellt hatte) daneben, als es um die Bestimmung der Provenienz ging. Zu Beginn zeigten sich viele Kaffee- und Kräuteraromen und die meisten waren im Bordeaux unterwegs. Am Gaumen ebenfalls viele, eher dunkel anmutende Kräuter, das Wort „Ricolasüße“ fiel, was als Ausdruck dieser Kräutrigkeit in Verbindung mit einer eher feinen, delikaten Süße eigentlich ganz gut passte, wenn auch die Bonbons deutlich süßer sind. Dieser Wein ist kein Schwergewicht, am Gaumen recht weich und entwickelt, dennoch zeigte er – trotz des rech kleinen Jahrgangs - eine gewisse Eleganz. Wer noch Restbestände hat, sollte sie jetzt trinken.
1964 Lanson Champagner Black Label – Champagne / „Ma(n)ifest Nr.5“
82 Punkte - Aus akademischer Sicht eine überaus spannende Erfahrung war dieser schon sehr gereifte Champagner aus einem der großen Häuser. Alt-Rosa in der Farbe; einem Vin Pétillant gleich, war eine Perlage fast nicht auszumachen. Am Gaumen dann ein leichter Bitterton; die Sherrynoten sowie die schon etwas arg in den Vordergrund gerückte Säure haben bei mir keine echte Trinkfreude aufkommen lassen.
1971 Bernkasteler Badstube Riesling Eiswein Auslese, Weingutes der Pfarrkirche Bernkastel – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.4“
92 Punkte - Überraschende Farbe: Kupferfarben mit bernsteinfarbenen Reflexen, strahlend, klar. Aufregende Nase mit Noten von Orangeat, Aprikosen und Nussecken. Am Gaumen glockenklare Frucht, mit tollem Süße-Säure-Spiel, schöner Frische und Noten von Apfelkompott; Crême Brulee und Orangenmarmelade. Baut im Glas aus; mit langem Nachhall im Abgang. Eine sehr interessante Erfahrung !
Mittwoch, 20.05.2009
1983 Erbacher Marcobrunn Riesling Auslese, Weingut Langwerth von Simmern – Rheingau / "Ma(n)ifest Nr.3"
92 Punkte - Dieses Traditionsweingut liegt im schönen Eltville am Rhein und blickt wahrlich auf eine lange Geschichte (http://www.langwerth-von-simmern.de/deutsch/geschichte.htm) zurück.
Wahrscheinlich noch viel mehr Geschichten könnte man über die Lage Marcobrunn erzählen. Sie gehört seit Jahrhunderten zu den allerbesten Weinbergslagen in Deutschland. Bereits im 12. Jahrhundert ist sie in einem Lehensverzeichnis namentlich als „marcoburnen“ erwähnt, ab 1275 auch als "markenborne". Der Name kommt von "marka" (= Grenze) und bezeichnet einen Brunnen an der Gemarkungsgrenze Erbach-Hattenheim. Als die Erbacher um 1810 den Brunnen mit einer klassizistischen Umrahmung schmückten, schrieben sie auf den oberen Abschluss "Marcobrunnen Gemarkung Erbach". Die darüber eben nicht erfreuten Hattenheimer ließen diese komplette Vereinnahmung durch die Erbacher nicht zu und schrieben – nicht ganz humorfrei - auf ihrer Seite des Brunnens: "So ist es richtig und so soll es sein. Für Erbach das Wasser und für Hattenheim den Wein!"
Viele berühmte Personen aus aller Welt besuchten diesen Weinberg und nahmen die feinsten Gewächse mit nach Hause. Ziemlich unerreicht in seiner Begeisterung über die Weine aus dieser Lage dürfte wohl Zar Nikolaus II gewesen sein, denn es wird berichtet, dass er fast den gesamten Jahrgang 1893 an den russischen Hof liefern lies. Höchstwahrscheinlich sind Teile davon auch direkt in den weltberühmten Massandra-Keller zur weiteren Lagerung geleitet worden. Zar Nikolaus II hatte ihn in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts an der Krim anlegen lassen. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges bekam die Welt einen Eindruck, welch unermesslicher Weinschatz in diesen riesigen Kellergewölben angehäuft worden ist, denn das Weinauktionshaus Sotheby’s hatte es geschafft, einen Teil des Kellers zu akquirieren und im Rahmen von weltweit beachteten Auktionen zu versteigern.
Unsere 83er Riesling Auslese funkelte im Glas und präsentierte sich auch in der Nase reintönig und glockenklar. Am Gaumen ein schönes Spiel von gelben Früchten (Pfirsich und süße Ananas), Mineralität, Säure und Süße. Insgesamt immer noch jugendlich frisch, animierend und wunderbar ausgewogen. Auf mich wirkte der Wein überaus animierend und meine Hand ging zum Glas.
1989 Meringer Zellerberg Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / "Ma(n)ifest Nr.2"
Hier zeigt sich der Unterschied der Lage, vom gleichen Winzer und aus gleichem Jahrgang, aber nicht von gleicher Güte wie die Auslese aus der Trittenheimer Apotheke. Gelbe Früchte, aber etwas undifferenziert.
84 Punkte -
1989 Trittenheimer Apotheke Goldkapsel Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / "Ma(n)ifest Nr.1"
88 Punkte – Diese oberleckere Auslese Goldkapsel aus einer richtig berühmten und wunderschönen Lage (einen Besuch von Trittenheim und der Moselschleife kann ich jedem Naturliebhaber und Genussmenschen nur empfehlen) gehört in die Kategorie Einstiegsdroge. Sollte es wirklich noch jemand da draußen geben, der für kleines Geld (€12,- im Restaurant Schorn käuflich zu erwerben) mal wissen möchte, wie ein klassischer Moselriesling reift, der sollte hier zugreifen. Und wer sich etwas mehr Mühe machen möchte geht selbst auf die Pirsch nach solchen Goldschätzen, denn es gibt immer noch eine Vielzahl kleiner Winzerbetriebe, die in keinem Weinführer gelistet sind, die eine Vielzahl von Flaschen aus sehr guten Jahren im Keller liegen haben, die es zu entdecken gilt. Hinfahren, Probieren und die schönsten Wein mit nach Hause nehmen.
Diese Goldkapsel war im besten Sinne „trinkig“, ganz zarter Petrolton, Citrusaromen, gelbe Früchte, ein bisschen exotische Frucht, schönes Säure-Süße-Spiel, straff und immer noch herrlich frisch; dabei recht differenziert und klar in der Aromatik.
Ma(n)ifest der reifen Weine
Das zweite Maiwochenende 2009 wird als eines der genussreichsten in meine persönliche Wein- und Trinkgeschichte eingehen: Die Weine an diesem Abend haben (mir) endgültig klar gemacht, dass man die ganz, ganz großen, die Sinne berauschenden Momente (und ich spreche hier nicht vom Alkohol ) meist nur mit gereiften Gewächsen erleben kann.
Die Runde tagte – wie gewöhnlich – im Schorn (in der Martinstrasse in Düsseldorf) und Franz Josef kochte dieses mal mit junger Unterstützung und so genossen wir ein wunderbar komponiertes, leichtes Frühjahrsmenü. Seine bezaubernde Tochter war für uns im Service unterwegs und ich denke, dass dieses junge Duo die Energie und den notwendigen Spaß an der Sache haben wird, um das „Schorn“ wieder dahin zu führen, wo es - auf Grund der Klasse der Küche – seit je her hingehört: in die Münder des Düsseldorfer Publikums.
Gestartet wurde mit zwei Weinen, die Franz Josef erst kürzlich erstanden hat und die man für kleines (!) Geld bei ihm kaufen oder im Restaurant genießen kann.
Samstag, 16.05.2009
1929 Chateau Branaire Ducru – Saint Julien
82 Punkte - Die Jahrgänge 1928/1929 sind als Zwillinge für hervorragenden Bordeaux in die Geschichte eingegangen. Michael Broadbent schreibt zum Jahrgang: „Der Inbegriff von Eleganz. Wesentlich frühere Blüte als beim tanninreichen Jahrgang 1928. Kann bei guter Lagerung immer noch überragend sein. Juli, August und September waren heiß, vor der Lese gab es im September willkommene Regenfälle. Das reduzierte Tannin, Alkohol und Säure, der Charme allerdings blieb erhalten.“ Mir erscheint diese Wetter-/Regenargumentation nicht ganz schlüssig, aber nichts desto trotz, der 29er Jahrgang gilt als groß.
Groß war bei mir eher die Erwartung, denn diese Flasche hatte ich zur Verkostung angestellt und als letzte des Abends sollte sie besonders schön sein. Doch leider wurden wir enttäuscht. Die Farbe war zwar noch erstaunlich fest und dicht, doch bereits die Nase war unerfreulich. Am Tisch murmelte jemand etwas von „Abwasser-Gulli“ – das war zwar hart, aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Auch wenn dieser erste Eindruck mit etwas Luft verflog, so blieb der nasale Eindruck zerfahren. Einerseits war da ein interessante, dezent malzige Süße, andererseits auch etwas flüchtige Säure und Liebstöckel. Am Gaumen etwas besser, aber die Säure wurde ein bisschen allein gelassen und stand so zu sehr im Vordergrund. Trotzdem bot der Wein Aromen, die man nur schwer in Worte fassen kann und die irgendwie auch interessant waren. Bleibt man jedoch ehrlich, blieb der Wein eher akademisch und es waren nicht mehr als 82 Punkte im Glas.
Donnerstag, 14.05.2009
1961 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe
94 Punkte - Allgemeine Infos über solch berühmte Weingüter braucht man hier nicht zu schreiben, mehr als Plattitüden würden nicht dabei rauskommen. Interessanter ist dann schon das Studium einzelner Verkostungsnotizen, insbesondere wenn im Mittelpunkt ein so großer Jahrgang wie 1961 steht. Da ich jedoch bei fast allen Proben nicht im Vorhinein weiß, was mich erwartet, betreibe ich ein „Nachstudium“. Eine allseits beliebte Quelle ist die Internetpräsenz vom Weintermiantor Dr. Achim Becker (www.weinterminator.de). Doch noch lieber nehme ich das Buch von Pekka Nuiki „Drinking Hinstory“ zur Hand. Viel mehr als reine Verkostungsnotizen findet man da zwar nicht, aber die künstlerische Gestaltung und seine Art von Fotografie sind unbeschreiblich schön und ästhetisch. Eine Kostprobe davon kann man auch in der von ihm herausgegebenen Weinzeitschrift „Fine – Das Weinmagazin“ bekommen. Interessanterweise ist in der aktuellen Ausgabe 1/2009 auch eine des 61er Bordeaux-Jahrgangsverkostung beschrieben, die der von Nuiki gegründete Weinclub (The Vine Club) im Jahr 2008 veranstaltet hat. Dort ist folgendes zum 61er Cos d’Estournel zu lesen: „Mitteltiefes gelb-bräunliches Rot. Wenig ausgeprägtes, aber sehr elegantes Bukett von schwarzen Johannisbeeren, Nüssen, Zeder, Rauch und Spuren von Veilchen. Mittelschwer am Gaumen mit weichen Tanninen und lebendiger Säure. Dem mäßig langen Nachhall, der von verhaltenen Tabak- und Zedernnoten dominiert ist, fehlt es ein wenig an Frucht. Ein sehr geschmeidiger Wein, elegant und zart. Der Wein bereitet jetzt einen großen Trinkgenuss, von weiterem Lagern wird abgeraten. 90 Punkte“
Sein Fazit ist so ziemlich diametral entgegengesetzt zu seiner Notiz, die er in seinem Buch (S.268) niedergeschrieben hat: „In exzellentem Zustand. Schlossabfüllung, die in 1996 wieder verkorkt worden war. Gute tiefrote Farbe ohne Zeichen des Alters. Sehr offenes und makelloses Bukett. Groß und kraftvoll, noch tanninhaltig. Üppig, komplex und bereits in einer guten Balance. Noch etwas geschlossen und hart. Gut gemachter Wein, der noch eine große Zukunft vor sich hat. (…) 93 Punkte/ Jetzt und bis 2020/Zuletzt verkostet 5/2004“
Wenn man diese beiden Notizen liest, kommt man schon ein wenig ins Grübeln. Klar in diesem Alter gibt es riesige Flaschenvarianzen und nichts entscheidet mehr über die Genussfähigkeit eines so alten Weines wie die Lagerung, aber dann sollte man auch erkennen, dass Trinkempfehlungen bei solch alten Flaschen Blödsinn sind. Auch ein anderer Punkt sollte nicht ganz unbeleuchtet bleiben: Das Nachverkorken auf den Chateaus geht für gewöhnlich mit dem Auffüllen des bereits eingetreten Flaschenschwundes mit aktuellen Jahrgängen einher. Ich halte nicht viel davon, da der alte Wein in seiner Substanz doch maßgeblich beeinflusst wird.
Genug über andere geschwafelt, die Wahrheit liegt im Glas… Unsere an Karfreitag getrunkene Flasche korrelierte eher mit den Erfahrungen von Pekka Nuiki, die er in seinem Buch beschrieben hat. Unser 61er Cos präsentierte sich für sein Alter sehr jugendlich, mit mittlerem Körper und ausdrucksvoller Aromatik. Insbesondere die zarten Noten von Eukalyptus und Minze verliehen ihm eine frische und zugleich elegant anmutende Art. Ein ziemlich kompletter Wein, der insbesondere durch seine Harmonie und große Länge geglänzt hat.
Samstag, 02.05.2009
1995 Insignia, Joseph Phelps - St. Helena (Napa Valley)
94 Punkte - Das Weingut „Joseph Phelps Winery” liegt östlich von St. Helena im kalifornischen Napa Valley. Der Bautunternehmer Joseph Phelps nutze wohl – wie viele Industrielle in dieser Zeit - die neuen Steuergesetze, wonach Investitionen in die Landwirtschaft besonders abgeschrieben werden konnten und gründete 1972 sein eigenes Weingut. Etwas romantischer klingt die Version, dass er ins Napa Valley kam, um für einen Kunden eine Kellerei zu bauen und er dabei auf den Geschmack und zu der Erkenntnis kam, dass Weinmachen die attraktivere Beschäftigung sei.
Der INSIGNIA ist auch das Bindeglied zu einem Rheingauer, der 1961 nach Amerika ausgewandert ist: Walter Schug war seit der Gründung des Weingutes bei Phelps als Weinmacher beschäftigt und verantwortete dort nicht nur den ersten Jahrgang (und weitere) des INSIGNIA, sondern auch die „Napa Grand Crus“ Backus und Eisele Vineyards. Erst als er 1980 – noch als Angestellter von Phelps – beschloss seiner eigentlichen Passion/Mission nachzugehen, nämlich große Pinots im Napa Valley zu erzeugen, verließ er das Haus Phelps und machte sich in den folgenden Jahren endgültig selbständig. Für den von uns verkosteten 95er Jahrgang war bereits Damian Parker verantwortlich, der schon 1981 zum Team gestoßen war.
Wie nach seinem Vorbild, einem Grand Cu Classe Bordeaux vom linken Ufer, bestand der Blend für den INSIGNIA in den Jahrgängen 1974 bis 1994 stets aus einem großen Anteil Cabernet Sauvignon, verschnitten mit unterschiedlichen Anteilen Merlot und Cabernet Franc. In 1995 ist der CS-Anteil (nach dem 76er) mit 90% am zweithöchsten von allen bisherigen Jahrgängen und weist erstmals einen kleinen Anteil (3%) Petit Verdot auf; die restlichen 7% sind Merlot. Seit 1992 ist der Cabernet Franc (0% bis max. 2%) so gut wie nicht mehr enthalten. Dafür wird neuerdings (erstmals in 1999) ein kleiner Anteil Malbec in die Cuvee (bis 3%) verschnitten.
Dieser „fast“ reine Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 1995 protzt mit einer kraftvollen, fast schwarzen Farbe. Am Gaumen ist der Wein dicht und zeigt viel Extrakt. Neben der schönen Frucht (Wald- und Brombeeren), verleihen ihm die Noten von Tabak, Kohle und Leder Komplexität und die Anklänge an Eukalyptus und Minze sorgen dafür, dass der Wein jung und frisch wirkt und meine Hand klar zum Glas geht. Die ausgereiften Tannine verleihen ihm Struktur und seine feine Saftigkeit erhöht die Trinkfreude. - In jeder hochkarätigen Bordeauxprobe dürfte ihm ein Platz im Vorderfeld oder gar auf dem "Treppchen" sicher sein. In dieser Form übersteht er weitere 7-10 Jahre Kellerlager sicherlich locker, eventuelle ist auch deutlich mehr drin. Aktuell sollte er dekantiert werden.
Freitag, 01.05.2009
1990 Cabernet Sauvignon Martha's Vineyard, Heitz Wine Cellars - Napa
94 Punkte - Von Martha's Vineyard habe ich schon viel gehört und gelesen; insbesondere vom legendären 74er Jahrgang hat mir der eine oder andere Weinliebhaber so vorgeschwärmt, dass mir umgehend das Wasser im Munde zusammen lief. Da man jedoch nicht alles sammeln und kaufen kann, ist Kalifornien nach wie vor in meinem Keller kaum vertreten - obwohl ich immer wieder feststelle, dass mir der Stil der großen kalifornischen Gewächse sehr gut gefällt.
Die 90er Ausgabe ist kühl und dunkel vom Stil, besitzt einerseits ein runde, feine Süße, andererseits auch eine gute (Tannin-)Struktur, sodass die Frucht (eher dunkelbeerig, Eukalyptus, Minze, ein wenig malzig) sehr gut getragen wird und der Wein ein harmonisches Bild abgibt. Besonders gut gefällt mir das schöne Spiel, die runden, feinkörnigen Tannine und die subtile Süße; der Wein wirkt rund und gleichzeitig elegant. Momentan unglaublich sexy und ich denke, dass der Wein aktuell perfekt zu trinken ist - besser wird er nicht mehr, aber das Niveau wird er sicherlich noch ein paar Jahre halten.
Infos über das Weingut gibt es reichlich auf der wunderschön gestalteten homepage (http://www.heitzcellar.com). Vom Einkauf direkt ab Erzeuger in den U.S.A. kann ich aus eigener Erfahrung jedoch nur abraten, denn die Kalkulation mach man in der Regel ohne den deutschen Zoll und der schlägt dann mächtig zu :-((
Mittwoch, 29.04.2009
15. Mai - Rene Barbier von Clos Mogador (Priorat) in Düsseldorf
Am 15.Mai gibt es die hervorragende Chance einen der ganz großen Weinmacher Spaniens persönlich kennenzulernen. René Barbier kommt nach Düsseldorf, um im Weinland Mövenpick (Herzogstrasse 29-31, 19.30 Uhr; Tel. 0211- 9944877) seine großen Weine Clos Nelin, Manyetes und CLOS MOGADOR vorzustellen. Darüber hinaus hat er seine Olivenöle im Gepäck, die man getrost zu den besten Ölen Spaniens zählen darf.
René Barbier gehört zu den Pionieren des PRIORAT. Er und eine kleine Gruppe von „Sehenden“ haben Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre das Potential dieser in Vergessenheit geraten Region, mit teilweise uralten Rebanlagen wieder entdeckt. Bis zu dieser Zeit fristete die Region, mit ihren kargen, felsigen Böden ein karges Dasein; viele der jungen Leute wandten sich ab und verließen die Heimat, um das Glück in Barcelona und anderen Städten zu suchen. Doch mit dem kometenhaften Aufstieg von Weinen (der Jahrgang 1989 zählt dabei als Geburtsstunde), die heute zu den weltweit gesuchten Pretiosen gehören, haben René Barbier, Josep Lluis Pérez und eine Handvoll anderer Weinmacher es geschafft, das Priorat in die Gruppe der bekanntesten und berühmtesten Weinanbauregionen Spanien zu führen. Das Priorat ist heute ein Synonym für (Rot-)Weine, die für Individualität und Größe und Eleganz stehen. Wer etwas mehr über Land, Leute und die Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich die folgende Seite: http://www.gratallops.com
Doch das Leben von René Barbier verlief nicht immer einfach. So darf er bis heute nicht unter seinem Name die Firma führen, mit der er seine Weine vermarktet. Während der Rumasa-Zeit (vgl. http://www.zeit.de/1983/10/Enteignung-kurz-vor-Zwoelf) starb Renés Vater. Durch eine Kette widriger Umstände gelangte die vor über 100 Jahren von seiner Familie gegründete Firma "René Barbier" und der Privatbesitz der Familie in das Eigentum von Segura Viudas und später von Freixenet. Zu dieser Zeit studierte René gerade in Frankreich und konnte René nach seiner Rückkehr nicht in das Familienunternehmen zurück, sondern er arbeite bis zur Gründung seiner Bodega bei Palacios in der Rioja, wo er auch den jungen Alvaro Palacios kennen lernte, den er ebenfalls für das Priorat begeisterte und der heute ebenfalls zu den erfolgreichen Erneuerern des Priorat zählt.
Die Bodega von René Barbier firmiert heute unter "Clos Mogador S.C.C.I." und die Jahresproduktion liegt bei ca. 20.000 Flaschen.
Der Clos Nelin ist ein Weißwein, der aus den Rebsorten Garnacha Blanca (Grenache blanc), Viognier, Marsanne, Macabeo und weiß gekeltertem Pinot Noir gekeltert wird. Bis dato habe ich den Wein noch nicht verkostet, aber irgendwo einmal gelesen, dass er wie eine Kreuzung aus weißem Chateauneuf du Pape und weißem Hermitage schmecken soll.
Der Manyetes ist ein Cuvee, die überwiegend aus Carinena (ca. 65%) und einen größeren Anteil Garnacha (ca. 25%) sowie kleineren Mengen von Cabernet Sauvignon und Syrah (zusammen ca. 10%) besteht. Der überwiegende Anteil im Flagschiff CLOS MOGADOR entstammt von alten Garnacha-Reben, die mit einem größeren Anteil Carinena und kleineren Mengen Syrah und Cabernet Sauvignon vermählt werden.
Meine Notizen dieses sicherlich spannenden Weinevents folgen……