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Donnerstag, 04.02.2010

1955 Le Montrachet - Vandermeulen - Burgund (Top of the Pops)


93 Punkte – Der 1955er Le Montrachet aus der Vandermeulen-Abfüllung wirkte da deutlich schlanker, aber auch klarer. Als der Wein in Glas kam, hatte er eine leichte Spritnase und  Anklänge von frisch lackierten Fingernägeln (nur konnte ich nicht  die Dame ausmachen, die ihn gerade aufgetragen hatte) – doch dieser Eindruck verflog. Einige am Tisch diskutierten auch über einen kleinen (Kork-)Böchser, aber ich glaube, dass der Wein einfach etwas Luft und Zeit (die ihm einige nicht ausreichend gaben) brauchte, um sich zu entfalten. Mir gefiel insbesondere die elegante Leichtfüßigkeit, mit der er dann über die Zunge tanzte. Der Wein war dabei so unglaublich mineralisch und immer noch straff, sodass man einen völlig anderen Eindruck hatte, als die 55 Jahre, die zwischen dem Jahrgang auf Etikett und der subjektiven Wahrnehmung lagen.  Sehr klar, stringent und herrlich elegant - Jil Sander in Perfektion, aber wer kennt diese Mode im Original noch.

1947 Le Montrachet - Vandermeulen - Burgund (Top of the Pops)


90 Punkte - Mit dem 1.Weißweinflight war auch sofort klar, warum diese Probe Top of the Pops hieß; einen 1947er Le Montrachet aus einer Vandermeulen-Abfüllung hat man wirklich nicht alle Tage im Glas. Aber dass im Nachbarglas dann auch gleich noch das 1955er Pendant steht, ist ein Glück, das nicht vielen Weinfreunden beschieden sein dürfte.  Aber gerade bei solchen Flaschen zeigt es sich mal wieder, wie wichtig das „blinde“ verkosten ist, denn jeder halbwegs weininteressierte Mensch erstarrt schon beim Anblick einer solchen Flasche, geschweige denn, dass man sie als Doppelpack ins Glas bekommt. Der 1947er war bernsteingelb, verströmte in der Nase leichte Nussnoten, am Gaumen zeigte er einen cremigen Schmelz, wirkte aber auch etwas stumpf. Im Geschmack erinnerte er mich ein wenig an die Orangensticks, die es mal vom Schokoladenhersteller „Sprengel“ gab (ich glaube, heute gibt es weder die Sticks noch Sprengel mehr) und die ich als Kind sehr mochte. Die Art der Aromatik lässt wohl den Schluss zu, dass das Traubenmaterial einen recht hohen Anteil an Botrytis hatte, dies erklärt vielleicht auch den Hauch an flüchtiger Säure, den dieser barocke, etwas in die Jahre gekommene Brocken verströmte.

1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Karthäuserhof - Mosel (Top of the Pops)


92 Punkte - Sozusagen  zur Einstimmung gab es den einzig „offen“ ausgeschenkten Wein an diesem Abend. Aus der Magnum kam ein prachtvoller 1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese Goldkapsel ins Glas. Mich faszinierte insbesondere sein glockenklarer Ausdruck. Am Gaumen immer noch unglaublich saftig, dicht und jung, mit viel gelben (kandierten) Früchten und deutlichen Ananasanklängen. Neben einem wirklich schönen Spiel zwischen Süße und Säure, zeigt dieser immerhin schon 17 Jahre alte Riesling eine Mineralität, die vom Feinsten ist, und da er erst am Beginn seiner Reife ist, dürfte man noch viele, viele Jahre ganz viel Freude an diesem Musterexemplar haben.

Top of the Pops Weinprobe

Der Wineterminator hatte zur Top of the Pops Probe eingeladen und von nah und fern kamen sie, die genussverliebten Weinfreaks. Nicht nur die Weine waren an diesem Abend besonders spannend, sondern auch die Gespräche darüber. Die Küche des mir besonders lieb gewordenen Düsseldorfer Restaurants „Schorn“ leistete ebenfalls einen tollen Beitrag zum Gelingen dieses Abends.

In den nächsten Tagen folgen die einzelnen 2er- flights - es wird spannend ....

Mittwoch, 03.02.2010

2008 Wiltinger Braunfels, Van Volxem - Saar


90 Punkte - Habe gerade dieses wirklich leckere Teil im Glas. Das ist Rieslingfreude pur. Ungemein trinkig und Schiefer-lutsch-Spaß pur. Besonders willkommen sind mir die 11,5% Alkohol; der Wein animiert. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen zu so später Stunde nur ein Glas zu trinken, aber der ist so gut, dass ich die halbe Flasche schon leer habe. Die wirklich tiefe Mineralik spielt mit einer feinen, fruchtigen (viel Weinbergspfirsich) Süße, die einerseits durch eine richtig schön eingebundene Säure gut abgepuffert ist und andererseits auch aromatisch durch Jod- und herbe Kräuteraromen (z.B. Salbei) geschmacklich nicht im Vordergrund steht. Ich glaube, dass dieser Stoff sehr viel länger tollen Genuss bietet als die allenthalben angegeben Trinkfenster 2009-2012/13. Dieser Stoff hat genug Substanz, dass er auch in vielen Jahren noch Spaß macht. Für die ca. 14 Euronen, die er kostet, ist das richtig tolles Kino und ich wette darauf, dass er in Blindverkostungen so manches Großes/Erste Gewächs in den Schatten stellt. In der Art und in der Aromatik erinnert er mich an einen Basiswein von Knebel (Mosel), der mich  vor ein paar Jahren ebenfalls so begeistert hat. Für mich sind das glatte 90 Punkte.

Mittwoch, 27.01.2010

2006 Alto Moncayo, Alto Moncayo - Campo di Borja


93 Punkte - Draußen tobt der Winter und was macht man da? Man geniesst mollige Weine, die von innen richtig wärmen. Unfassbare 16% Alkohol bringt dieses kleine Monster ins Glas - trotzdem ist dieser 100%ige Garnacha, geerntet von über 60 Jahre alten Rebstöcken keinesfalls zu brandig oder untrinkig. Ganz im Gegenteil, man muss sich bremsen, nicht ein Glas nach dem anderen zu trinken und damit risikieren, dass man am nächsten Morgen verschläft.

Im Glas verströmt der Wein satte Aromen von einem Korb voller Beerenfrüchte (Blaubeeren,  schwarzen Johannisbeeren und schwarzen Kirschen), gemixt mit ein bunten Strauß von Gewürzen (Wacholder, Zimt, Lavendel und Vanille). Am Gaumen herrlich saftig und fleischig, getragen von körnig, runden Tanninen, die strukturbildend wirken. Der beerigen Süße steht eine gute Säure und eine erstaunliche Mineralik ausgleichend gegenüber, sodass der Wein insgesamt sehr voluminös, aber nie plump wirkt. Abgerundet wird der Genuss durch einen flüssig gewordenes Stück  halbbitterer Schokolade, das - zusammen mit den Fruchtnoten - lange am Gaumen haftet. Wow, ist das lecker!!!! Kleiner Tip am Rande, nicht zu warm trinken, habe ihn mit ca. 12 Grad aus dem Keller geholt und selbst bei dieser Temperatur hat er Spaß gemacht; wird er zu warm (>18 Grad) Celsius macht sich der Alkohol immer deutlicher bemerkbar und wirkt insbesondere in der Nase zu intensiv. Eventuell Messer und Gabel bereit legen, denn eigentlich kann man diesen Wein essen, so dicht wirkt er. Zwar kostet der Wein ca. Euro 35, aber so ein hedonistisches Konzentrat wird man nicht billiger bekommen.

Zum Weingut gibt es auf der Seite von Silkes Weinkeller (www.internetoase.de) folgendes zu lesen:

"Bodegas Alto Moncayo wurde 2001 gegründet. Davor war die Winzerfamilie Teil der führenden Cooperative BORSAO in der kleinen D.O. Campo de Borja süd-östlich der Rioja.
Entscheidend für den Ausstieg aus der Cooperative war die Zusammenarbeit mit Jorge Ordonez. Jorge Ordonez ist einer der erfolgreichsten Exporteure für spanische Weine weltweit und widmet sich darüber hinaus seit einigen Jahren leidenschaftlich und mit großem persönlichen Einsatz, um die Modernisierung und qualitative Verbesserung des Weinbaus in den lange unterschätzten Weinregionen in Spaniens Süden, wie Jumilla, Calatayud und auch Campo de Borja. Durch seine Vermittlung konnte der angesehene australische Önologe Chris Ringland als Weinmacher für den Eigenausbau der Weine von Bodegas Alto Moncayo gewonnen werden. Mit seinem Know How schuf er aus den bis zu 100 Jahre alten Garnacha-Reben aus bevorzugten Weinbergen an den Hänger der Moncayo Berge, derart dichte, konzentrierte Weine mit überwältigenden Fruchtaromen und Eleganz (...)"

Montag, 18.01.2010

2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 4)



94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.

 

Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.

2001 Chateau Pavie – St. Emilion (Spannendes Spanien - Flight 4)


97 Punkte – Duftmonster!! Was für ein unglaublicher Stoff, was für eine "Piratenbraut" in unserer Spanienprobe: so sexy, so feminin, rund und weich. Dieser betörende Stoff besteht aus 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Ausladende Fruchtaromen, perfekt in Szene gesetzt und schon jetzt unglaublich harmonisch und animierend zugleich. Kraftvoll, dicht, extraktreich und saftig – Schicht um Schicht möchte man diesen Stoff zerlegen und man wird immer wieder auf etwas Neues stoßen: ein Korb voller Früchte, viel süße Lakritze, Kakao, feinste Schokolade, diverse Kaffeearomen – einfach herrlich. Runder Ansatz, dabei saftig und mit perfekt ausgereiften Tanninen sowie einer kräftigen, sehr gut korrespondierenden Säure, ausgestattet. Dieser Wein ist mustergültig und ich kann mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahrgang einen besseren Bordeaux gibt, vielleicht noch Latour (aber völlig anders). Phantastisch langer und wunderbar fruchtbetonter Abgang, dabei stets dicht, kraftvoll und durchaus Eleganz zeigend - soweit dies eine junge Diva entwickeln kann. 

2001 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 4)


95 Punkte – Sicherlich einer der größten Jahrgänge des Clos Mogador: kraftvoll, saftig, dicht und wunderbar vielschichtig – so präsentiert sich dieser Wein Nase und Gaumen. Die vielfältigen Fruchtaromen (Knubberkirschen, Blaubeeren, Brombeeren) sind unterlegt mit einem feinen Schokoladen-und Kaffeearoma; dazu gesellt sich eine feine Fruchtsüße, die sich bis in den langen Abgang durchzieht. Die dichten und herrlich körnigen Tannine sowie die hervorragende Mineralik geben dem Wein Struktur und erstere sorgen sicherlich noch für ein langes, genussfreudiges Leben. Dieser Wein ist Hedonismus pur. Hmm, sooo lecker und doch auch intellektuell.

Donnerstag, 14.01.2010

1996 Finca Dofi, Alvaro Palacios – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)


90 Punkte – Dieser Wein zeigt eine „herbe“ Frucht und ist überaus kräutrig in seiner Aromatik. Am Gaumen mit noch reichlich Tannin beladen, zeigt sich auch hier eine dichte Kräutrigkeit, die viele orientalische Anklänge hat (z.B. Kardamon). Kombiniert mit einer interessanten Fruchtaromatik (Mischung aus Kiwi und Kirschen) hatten wir einen interessanten Wein im Glas, den man aber nicht weiter lagern muss.

1996 Clos Erasmus, Clos i Terrasses (Daphne Glorian) – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)


92 Punkte –Daphne Glorians (mittlerweile die Frau des US-Weinimporteurs Eric Salomon) Clos Erasmus gehört mit zu den meist gesuchten und teuersten Weinen Spaniens. Er hat gezeigt, dass er in sehr guten Jahrgängen das Potential hat, bei Parker und Co. Höchstpunktzahlen abzuräumen und so gehört er heute zu den Wein-Kultobjekten der iberischen Halbinsel. Förderlich für die Preisgestaltung ist sicherlich auch die winzige Menge (zwischen 300 und 500 Kisten p.a.), die von diesem Wein nur erzeugt wird.

Der Clos Erasmus aus dem Jahrgang 1996 ist ein sehr gut strukturierter Wein mit einer feinen Süße und runden, feinkörnigen Tanninen. Am Gaumen ist er mit einer schönen aromatischen Dichte ausgestattet; die vielen kräutrigen Aromen (z.B. weißer Pfeffer) wirken animierend; durch den leichten Hauch von Liebstöckel wirkt er jedoch schon deutlich entwickelt. Insgesamt ist der 96er Clos Erasmus aber ein eleganter Wein von mittlerer Statur, den man jetzt trinken sollte.

 

1996 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien - Flight 3)


93 Punkte – Einen ausführlichen Bericht zu den Weinen von Rene Barbier habe ich anlässlich seines Besuchs in Düsseldorf geschrieben (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=431). Die 96er Ausgabe seines Clos Mogador zeichnet sich durch eine intensive, dichte Frucht mit vielen Anklängen an Zwetschgen- und Pflaumenmarmelade aus, ein Hauch Zimt und andere feine Gewürzaromen runden das Bild ab. Der Wein hat eine sehr schöne aromatische Tiefe, ist dicht und die Tannine sind reif und rund; er endet auf der Frucht und haftet wirklich lange am Gaumen.

Mittwoch, 13.01.2010

2000 Chateau Beau-Sejour Bécot – St. Emilion (Spannendes Spanien - Flight 2)


87 Punkte  - Bei unserer Spanienprobe als Pirat sofort zu erkennen gewesen, aber wieso er bei Parker konsistent zwischen 90 und 94, zuletzt 93 Punkten bekommen hat, erschließt sich mir aktuell nicht. Zwar muss man auch bei diesem 2000er feststellen, dass er wohl in einer etwas schwierigen Phase ist, aber 6 Punkte Potential sind da nicht drin. Erstaunlicherweise hatten wir einen St. Emilion im Glas, denn der Wein hatte für mich eine so deutliche Cabernet-Nase, dass ich ihn klar an das linke Ufer gesetzt habe. Deutliche Paprika- und Kräuternoten dominieren die Frucht in der Nase und am Gaumen. Er zeigt zwar viel Saft und einen gewissen Schmelz, aber die Tannine sind noch ultrafest und der Wein packt zu. Der Wein wird sicherlich ein Langstreckenläufer, aber zur Zeit fehlt ihm jedwede Harmonie und man sollte ihn noch ein paar Jahre weglegen, bevor man die nächste Flasche aufmacht.

2000 Vina el Pison, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 2)


93 Punkte – Der teuerste Wein von Artadi ist der Vina el Pison. Der Wein stammt vom 2,4ha großen „Familienweinberg“, der bereits 1945 vom Großvater der heutigen Eigentümer angelegt wurde und seit 1991 wird er als Einzellagenwein separat ausgebaut. Der aus 100% Tempranillo bestehende Wein reift 18-24 Monate in französischer Eiche.

 

Für den Vina el Pison gilt das gleiche wie für den Bruder, den Grandes Anadas, leider haben wir den Wein zur Unzeit getrunken, das heißt, er will nicht wirklich zeigen, was in ihm steckt. Der Wein ist unglaublich dicht, fest und hat viel Kraft, zeigt auch einen gewissen Schmelz und erinnert mich ein wenig an den herrlichen Pflaumenkuchen meiner Mutter. Aber wenn dieses Teil mal aufmacht und sich ausdifferenziert, dann dürfte der „perfekt trainierte Körper“  eine Eleganz entwickeln, um als Solist ganz groß rauszukommen. Aktuell aber nur 93 Punkte, mit dem Potential, dass weitere zwei, drei Punkte hinzukommen.

2000 Grandes Anadas, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 2)


94 Punkte - Artadi gehört sicherlich zur ersten Garde der Weingüter, die mit neuen Methoden und einem uneingeschränkten Qualitätsstreben den spanischen Weinbau beeinflußt haben. Im Jahr 1985 gegründet, gehören die Weine von Artadi zu den besten und teuersten, die man aus Spanien beziehen kann.

 

Die Reben für den Grandes Anadas stehen im Herzen der Rioja Alavesa; der Wein wird nur in besonders guten Jahren erzeugt. In der Nase offeriert er ein dichte und tiefe Aromatik, die sehr komplex wirkt. Am Gaumen kommt der Wein aktuell sehr dicht und ein wenig verschlossen daher. Die Tannine wirken zwar perfekt ausgereift, aber sie dominieren zurzeit den Wein. Trotzdem ist die Klasse des Weins sehr gut erkennbar und mir gefallen der Druck und die Kraft, die der Grandes Anadas am Gaumen aufbaut. Bissfest und mit noch riesigem Potential für ein langes Leben sollte man (gute Lagerung vorausgesetzt) dem Wein noch zwei oder drei Jahre auf der Flasche geben, bevor man die nächste Flasche öffnet; ich vermute, dass er diese Zeit mindestens braucht, um dann aus seinem Winterschlaf zu erwachen und aufzublühen. Meine 94 Punkte beinhalten sicherlich auch eine gewisse Potentialbewertung und sind insofern mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen.      

Montag, 11.01.2010

1975 Bodegas Muga - Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)



83 Punkte
– Die Bodegas Muga gehören zu den großen Traditionsbetrieben der Rioja, eine ausführlichere Befassung mit diesem großen, alten Weinhaus ist durchaus lohnend. Für einen ersten – sehr schön gestalteten – Einblick empfehle ich die webpage (www.bodegasmuga.com). Obwohl 1975 als sehr gutes, aber nicht exzellentes Jahr in der Rioja gilt, hat dieser Wein schon seine Glanzzeit hinter sich gelassen. In der Nase wirkt er leicht gezehrt und die kräftige Säure lässt auch am Gaumen keinen wirklichen Genuss aufkommen. Auf der anderen Seite ist die Säure sicherlich dafür mit verantwortlich, dass dieser „einfache“ Rioja überhaupt noch am Leben ist und so entwickelt sich nach ausgiebiger Luftzufuhr doch so etwas wie eine Frucht, die dezent an rote Beeren, speziell rote Johannisbeeren erinnert.

1975 Viña Real Reserva - CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)


90 Punkte – Der Viña Real ist da schon etwas burschikoser als der Imperial aus gleichem Jahrgang. Auffallend schön auch hier die feine Fruchtsüße, die sehr gut die recht kräftige Säure abpuffert, aber zu den (ebenfalls) roten Fruchtnoten gesellen sich auch dunkle Anklänge, die an geröstete Erde erinnern. Besitzt nicht die gleiche Eleganz und die Leichtigkeit des Imperial und deshalb auch 2 Punkte Abstand in der Bewertung.

1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien - Flight 1)


92 Punkte - 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta;  der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.

 

Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!

Spannendes Spanien


Am letzten Wochenende im November trafen sich die üblichen Verdächtigen zur Frankfurter Weinrunde. Austragungsort war das inzwischen eröffnete Weinfachgeschäft Wein Karrer. Die dazu gehörige Weinbar („Wein Kost Bar“) ist ein idealer Ort für solche Runden - man sitzt inmitten der herrlichen Flaschen und Preziosen und wird so auf das Beste eingestimmt. Eigentlich mehr als nur eine Erwähnung wert ist das, was aus der Küche kam. Das macht richtig Spaß und bietet Genuss auf hohem Niveau und wenn man die Philosophie von Qualität und Herkunft weiter so lebt, läuft man „Gefahr“ die Entwicklung vom Saittavini in Düsseldorf zu nehmen, das heute ein Restaurant mit angeschlossenem Weinhandel ist und nicht umgekehrt.

 

Dank der überaus großzügigen Gaben traten wir nun eine herrliche Weinreise durch Spanien an, die mir lange in Erinnerung bleiben wird und für die ich mich gerne nochmals herzlich bedanke. Keine Werbung, sondern ein kleiner Verweis auf den noch recht jungen Weinshop von Michael Schmidt sei mir an dieser Stelle erlaubt (www.weinhandel-schmidt.de) – insbesondere für diejenigen die wirklich Interesse an gereiften Gewächsen und Preziosen  aus Bordeaux, Burgund oder Deutschland haben.

 

Zum Start in den Abend gab es 2 Weissweine:

 

1996 El Dorado de Murrieta Ygay Reserva, Marques de Murrieta – Rioja

 

89 Punkte – Dieser weiße Rioja entstammt – wie alle Wein, die unter der Linie Castillo Ygay vermarktet werden – aus besonderen Lagen. Davon hat man reichlich, denn Marques de Murrieta gehört zu den wenigen großen spanischen Weingütern, die ausschließlich eigene Trauben von ihren 300ha Weinbergen verarbeiten. Das traditionsreiche Weingut wurde im Jahre 1852 von Luciano Marqués de Murrieta gegründet und bereits 1878 hat er Castillo Ygay erworben. Bis 1983 war das Weingut in Familienbesitz. Weitere, interessante Details sind auf der homepage www.marquesdemurrieta.com zu erfahren.

 

Ebenso wie sein roter Bruder wird auch dieser Wein nur in besonderen Jahren gefüllt, jedoch kommt er bedeutend früher auf den Markt, da er „nur“ 40 Monate im Holz reift. Entsprechend ist auch der Eindruck am Gaumen und in der Nase: intensive Aromatik von Honig, Vanille, und Butter, mit Anklängen an geröstete Macadamianüsse und Soja; am Gaumen erstaunlich frisch für das lange Holzlager, mittelgewichtig, mit Aromen von frischen Haselnüssen, feiner Butter und Kirschen, die insbesondere  den Abgang prägen. Sehr schönes Mundgefühl, mit weichem Schmelz und gutem Trinkfluss. Ich empfand den Wein durchaus als trinkig, da der Wein nicht zu fett wirkt und eine schlüssige Aromatik bietet.

 

 

1985 „R“, Chateau Rieussec – Sauternes/Bordeaux

 

83 Punkte – Chateau Rieussec gehört zu den Domaines Barons de Rothschild (Lafite) und ist eigentlich für herrlichen Süßwein bekannt. Doch jedes Jahr verlassen auch wenige Tausend Flaschen trockenen Weines das Weingut, bereitet aus Semillon- and Sauvignon Blanc-Trauben.  Doch diese Flasche ist wohl das beste Beispiel dafür, dass man die trockene Variante nicht zu lagern sollte. In der Nase muffig, erinnerte er an nasse Wolle und grünen Tee. Am Gaumen schon deutlich gealtert, ein wenig oxidativ, mit Noten von Alceto balsamico. Erstaunlicherweise baute der Wein nochmals etwas aus, aber die 83 Punkte sind schon wohlwollend - wenngleich es am Tisch auch systemische „Altwein-Schönredner“ gab, die dem Wein sicherlich noch ein paar Pünktchen mehr gegeben haben. ;-))

Die Notizen zu den Roten folgen !!! 

Donnerstag, 08.10.2009

Berlin Riesling Cup - 36 Große Gewächs aus 2008


Am vergangenen Wochenende hat Martin Barz einmal mehr eine wunderbare Riesling-Veranstaltung  in Berlin (BRC – den Berlin Riesling Cup) organisiert, bei der sich die handverlesenen Teilnehmer in privater Atmosphäre einen wunderbaren Überblick über die Rieslingspitzen des Jahrgangs 2008 verschaffen konnten. Angestellt waren ausschließlich Erste und Große Gewächse der Regionen Baden, Franken. Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau und  Rheinhessen. Ausgeschenkt wurden die perfekt temperierten Weine in mundgeblasenen Universalgläsern der Firma Zalto (meiner seit vielen Jahren favorisierter Glasmanufaktur, die ich bei Karl Meyer auf dem Pretzhof in Wiesen bei Sterzing/Südtirol kennengelernt habe).

 

Die bereits an anderer Stelle von vielen Verkostern beschriebene kräftige Säure der Weine anderer Qualitätsstufen determiniert auch die Stilistik der Ersten/Großen Gewächse des Jahrgangs 2008. Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen haben viele Erste/Große Gewächse eine kräftige bis pikante Säure, die den Level der Vorjahre deutlich übersteigt. Bei einigen wenigen Weinen ist die Säuredurchdringung jedoch derart hoch, dass die Weine nicht auf breiter Basis Zuspruch finden werden. Trotzdem bin ich von der Qualität des Jahrgangs überzeugt, denn er steht für einen starken Ausdruck des terroirs; die meisten Weine sind fordernd, sehr klar, straff und präzise in Frucht und Mineralität. Um mal ein ganz anderes Bild zu bemühen: Mehr Klaus von Dohnanyi als Kurt Beck, mehr Richard von Weizsäcker als Helmut Kohl.

 

Die „Top Five“ der Verkostung waren für mich das Kirchstück von Bürklin-Wolf, der Halenberg von Schäfer-Fröhlich, die "Morsteine" von Keller und Wittmann sowie der leider nur in Mini-Auflage geerntete wurzelechte Rothenberg von Kühling-Gillot. Auf Grund der Jugendlichkeit der Weine werden sich viele Eindrücke noch verändern. Dies ist auch der Grund, warum ich meist keinen genauen Punktwerte, sondern Punktspannen angegeben habe.     

 

Es wurden – bis auf den ersten Wein zur Begrüßung – alle 36 Weine in 2er flights gereicht, die Klaus Peter Keller vom Weingut Keller im Vorfeld der Probe zusammengestellt hatte:

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Mittwoch, 30.09.2009

1945 Chateauneuf du Pape, Dufouleur Pere & Fils – Rhone (FFM Weinrunde)


87 Punkte – Dufouleur Pere & Fils ist eine Familie, die seit dem 17. Jahrhundert Weinbau betreibt und seit dem 18. Jahrhundert auch als Handelshaus Wein abfüllt und verkauft. Beheimatet ist man im Burgund, in Nuits-Saint-Georges.

 

Die Flasche aus diesem Jahrhundertjahrgang hatte einen sehr schlechten Füllstand, dennoch hatten wir einen interessanten Wein im Glas. Die Nase war dicht und ein wenig mastig für dieses Alter - mit Noten von frischem Malz, Rosinen und Wermuth. Ein ähnliches Bild am Gaumen: malzige Anklänge, etwas rauchig-speckig, aber auch Spuren von Dörrpflaumen und Sauerkirschen. Deutliche Süße im Abgang; ordentliche Länge, jedoch insgesamt fehlte es dem Wein etwas an Struktur und Tiefe, um die 90-Punkte-Marke zu knacken.

1969 Chateauneuf du Pape, Domaine de Bois Dauphin – Rhone (FFM Weinrunde)


91(-) Punkte - Die heutigen Eigentümer der Domaine, die Familie Marchand, sind Weinbauern seit der französischen Revolution. Joseph Marchand, der Vater des heutigen Besitzers Jean Marchand, gehörte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Pionieren um Baron Le Roy von Chateau Fortia, die mit ihren freiwilligen Richtlinien die Grundlagen für das spätere System der „Appellation contrôlée“ legten, das bis für den gesamten französischen Weinbau maßgeblich ist. Um die Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen, mussten schon damals folgende Kriterien erfüllt werden:

 

1)      Der Wein musste von Reben stammen, die nur an genau definierten Standorten stehen durften;

2)      An diesen Standorten durften nur bestimmte, zugelassene Rebsorten stehen;

3)      Die Erziehung der Reben wurde überwacht;

4)      Der produzierte Wein musste einen natürlichen Alkoholgehalt von 12,5% aufweisen;

5)      5% des Lesegutes durften nicht verwendet werden, was quasi einer Zwangsselektion gleichkam;

6)      Rosewein durfte in diesen Lagen nicht produziert werden und alle Weine mussten einer Prüfkommission vorgelegt werden, um die erwünschte Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen.

 

Notwendig geworden war dies durch den enormen Imageverlust der durch die Reblausplage und die Vernichtung der Weinberge zum Ende des 19. Jahrhunderts eingetreten war. Durch die Folgen des 1.Weltkrieges war eine ganze Generation an jungen Männern gefallen, sodass auch nach dem Ende des Krieges über die Hälfte der Weinberge noch nicht wieder bestockt war. (vgl. R.Parker: Rhone, Hallwag Verlag, S.381)

 

 

Der Jahrgang 1969 war an der südlichen Rhone gut bis sehr gut, an der nördlichen Rhone jedoch besser, Broadbent vergibt für die Rhone 3-4 Sterne (von 5). Auch wenn der Wein nicht aus einem großen Jahr stammte, hat er mir sehr gut gefallen; zu Beginn speckig, räuchrige Aromatik mit deutlich Kräuternoten, garrique; hinzu kommen Anklänge an Holzkohle und verbrannte Erde. Für mich ein klassischer Chateauneuf, der seine wilde, urwüchsige Aromatik  mit einer gewissen Eleganz zu verbinden mag. Später kommen am Gaumen Noten von Leder und Rosinen hinzu. Alle aromatischen Eindrücke verbinden sich mit einem dezent morbiden Charme und einer erfreulichen Länge. Zu Beginn bereitet der Wein deutlich Genuss, verliert jedoch mit zunehmender Luft im Glas seine elegante Art. 

Frankfurter Weinrunde verkostet Weine der südlichen Rhone


Die Frankfurter Weinrunde (FFM Weinrunde) traf sich dieses Mal zum Thema „Südliche Rhone“ in der Wiesenstrasse 33. Hier wird unser Weinfreund Helgo Karrer in ca. 14 Tagen einen wunderschönen Weinladen eröffnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Adresse zu merken, um einfach mal vorbeizuschauen. Neben jeder Menge toll ausgewählter Weine wird es eine Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten geben.

 

Erstaunlicher Weise reduzierte sich das bewusst etwas breiter gewählte Thema Südliche Rhone von selbst auf eine reine Chateauneuf du Pape (CdP) & Piraten Verkostung, denn jeder der Teilnehmer brachte ausschließlich  ebensolche Weine mit. Nicht, dass aus Regionen wie dem Gigondas, Cornas oder Vacqueyras keine tollen Weine kommen, aber man greift doch immer wieder zu den Klassikern und da gehören nun mal die Weine aus dem Chateauneuf dazu. Besonders interessant war dann die große Spanne an Jahrgängen, die wir auf den Tisch bekamen, der älteste Wein war von 1945 und der jüngste war gerade vor drei Jahren (Jahrgang 2006) geerntet worden.

Die Weine werden einzeln nachfolgend vorgestellt:

Mittwoch, 02.09.2009

Weinprobe in Essen - Bordeauxblends


Kennengelernt haben wir uns alle über www.talk-about-wine.de. Wir, das sind 14 weinbegeisterte Menschen aus der Rhein-Ruhrregion, die sich nicht länger damit begnügen wollten nur über Weine in Internetforen zu parlieren, sondern den Schritt in die reale Welt gewagt haben. Treffppunkt dieser Truppe war das Essener Restaurant Vecchia Roma, das ich an dieser Stelle für das tolle 6-Gang-Menü nochmals lobend hervorheben möchte. Die Weinzusammenstellung war locker vorbesprochen und so standen Weine zum Thema Bordeaux oder Bordeauxblend im Mittelpunkt des Abends. Dass sich alle viel Mühe gegeben haben und ihre Keller durchforstet haben, zeigte nicht primär die Anzahl der Flaschen, sondern die sehr gute Qualität der Weine, die in die Gläer kam:


1993 Chateau Beauregard - Pomerol

87 Punkte -  schöner, klassischer Bordeauxstil, insgesamt sehr runder, weicher, fast cremiger Stoff; stimmiger Wein; Schöne Frucht, ausgereift und durchaus mit Charme, aber ohne Ambitionen ganz vorne mitzuspielen, Sexy und trinkig.
 

1993 Chateau Leoville Barton - St. Julien

87 Punkte - Was habe ich von diesem Jahrgang schon für Sche..flaschen gehabt. Diese gehörte klar zu den besseren. Gefallen hat mir die schöne, kräutrige Nase. Am Gaumen aber eher ein wenig hohl und spannungslos. Im Abgang etwas besser, aber letztlich ein kleiner Leoville Barton.


2000 Triology, Warwick - Südafrika

83 Punkte - 56% CS, 34CF, 10% Merlot. Interessant für mich der hohe Cabernet Franc Anteil. Doch bei diesem Wein stand leider die viele Sonne von Südafrika im Vordergrund; deutlich überreife Noten, dicht, schwarzer Pfeffer, viel Trockenfrüchte, ein wenig Rumtopf; sehr weich, röstig.
 

2005 Cabernet Sauvignon, Louis M. Martin - Napa Valley

88 Punkte - Das Weingut gehört heute zum Gallo-Imperium, wird aber wohl noch von Michael Martini verantwortet. Mit hat der Cabernet gut gefallen; wirkt irgendwie schon in der Nase weich und kühl. Erinnerte mich sowohl in der Nase als auch am Gaumen an Katjes-Joghurt-Gums, hat aber auch einen Gegenpol aus kalkig-, erdigen Noten. Durchaus mit Struktur, jung, Eukalyptus, ein wenig Schoki, angenehm kühl, sehr ordnetlicher Abgang.


1998 Forster Jesuitengarten Riesling Spätlese, Reichsrat von Buhl - Pfalz

86 Punkte - klassisch gereifter Riesling mit schönen Honignoten, Aprikosen, exotischen Früchten (Ananas),einer mittelprächtigen Säure (dürfte etwas kräftiger sein), passte zur Entenleber und dem Bitterorangenjus hervorragend; trotzdem mir ein klein wenig zu pappig.
 

1990 Chateau Grand Mayne - St. Emilion

92 Punkte - für mich der erste kleine Glücksmoment an diesem Abend. Herrliche Nase mit sehr schöner Tiefe und Würzigkeit, wirkt recht nobel, Zigarrenkiste, Tabak und Zedernnholz. Am Gaumen mit schönem Spiel, rollende Tannine, maskuliner Aromeneindruck, Zigarrentabak und Holz. Sicherlich noch ein wenig höher bewertet, wenn er im Glas nicht so schnell zusammengefallen wäre. Unbedingt jetzt trinken.


2005 Ornellaia - Toskana

93 Punkte - Klassischer Bordeauxblend (gemäß Galloni/Parker:60% Cabernet Sauvignon, 22% Merlot, 14% Cabernet Franc and 4% Petit Verdot). Phantastische Nase, kühl, tief, und momentan noch etwas schüchtern, aber mit klarem Hang zum "Blaublüter"; Schwarze Fruchtnoten, duftet nach Korinthen (jedoch völlig ohne den Eindruck von Überreife). Am Gaumen vielschichtig, mit guter Struktur, recht fest, Noten von herber Lakritze, Graphit, schwarzen Oliven, herben Waldfrüchten und einem Hauch Garrique (!!).


2000 Chateau Grand Corbin Despagne - St. Emilion

86+(?) Punkte -  wenn ich mich recht erinnere, kam dieser Wein aus der Magnum; recht einfacher Typ mit für mich grün wirkenden Tanninen; recht ordentliche Frucht, die jedoch auf Grund der Tannine leider nicht so richtig brillieren konnte. Für mich ein nicht ganz so typischer St. Emilion, wirkte recht maskulin-derb. Jedoch würde ich ihn gerne rückverkosten mit ausreichend Luft, denn der Wein konnte nicht ausreichend atmen. Für mich erschloss sich in diesem Zustand der "sleeper of the vintage"-Status mit 90 Parker-Punkten nicht.


1990 Chateau Lagrange, St. Julien

94 Punkte -  Mein Wein des Abends!! Herrliche Nase, ohh, wie schön! Eine Wald- und Kräuterwiese, gepaart mit einer komplexen und feinen Frucht. Am Gaumen begeistert mich die Kombination aus perfekt abgeschmolzenen, mürben Tanninen und einer vielschichtigen Frucht, die wenig Wünsche offen läßt. Feine Süße, eingepasst in einen edlen Körper und viele, viele Aromen aus dem Wald. Prinzenstoff, entsprach voll meiner Vorstellung eines hedonistischen Weines mit viel Trinkfluss. Auch wenn es noch elegantere und komplexere Weine gibt, für mich extrem gelungene Symbiose aus (very sexy) Bourgeoisie und elegantem Adel.


1989 Chateau Pichon-Longueville Comtesse de Lalande - Pauillac

92 Punkte -  Eine schöne, mittelgewichtige Comtesse; recht kühler Ansatz, ausgewogen und harmonisch. Recht weich und mit moderater Säure, aber irgendwie kam die Dame nicht richtig zur Sache (schwer in Worte zu fassen, was mir da fehlte, vielleicht eher ein Blondine, der etwas die Rasse fehlte - ok, ich zahle Euro fünf in die Chauvi-Kasse). Auch der etwas zu starke Hauch von grünem Paprika störte mich. 


1996 Mount Edelstone, Henschke, Australien

92 Punkte -  Der erste Rebsortenpirat des Abends, ein 100%iger Shiraz. Reife Nase, kräutrig, mit einem Hauch von Liebstöckel und Soja, recht weit fortgeschritten in der Entwicklung, aber auch komplex. Am Gaumen dann deutlich jünger wirkend, ebenfalls kräutrig, rotbeerige Frucht, dazu Noten von Ingwer, feuchtem Unterholz und Chinarinde, erinnerte mich - auch auf Grund seiner leicht medizinalen Noten - ein wenig an Barolo Chinato. Insgesamt eher mittelgewichtig, aber vielschichtig und interessant. Eher ein intellektueller Wein mit einer schönen Länge. Sollte jetzt getrunken werden.


1996 Gallo Estate Cabernet Sauvignon, Sonoma, Califonien

86 Punkte -  Konzentrierte, aber recht überreife Aromatik; satte, saftige Frucht, aber auf mich wirkt er zu unausgewogen und im Glas baute er zu schnell ab.


1999 Cantenac Brown - Margaux

91 Punkte -  Dieser aus der Magnum servierte Bordeaux zum Hauptgang hat mich ob seiner Qualität doch überrascht. Ein insgesamt weicher, runder und feminin wirkender Bordeaux (Margaux !!), der mir auf Grund seiner Harmonie sehr gut gefallen hat. In der Nase eine recht feine Frucht, eingebettet in dezente Kaffee- und Schokoladennoten. Am Gaumen rund, weich und harmonisch; mittelgewichtig, aber ausreichend Substanz und Struktur (ohne jede Härte). Sehr trinkig und ein Wein, der zu gefallen weiß (positiv gemeint!)
 

1995 Chateau Ducru Beaucaillou -  St. Julien

92+ Punkte - Auffallend an diesem Abend war die hohe Anzahl von St.Julien-Weinen. Auch dieser Wein war ein komplexer, ziemlich harmonischer Vertreter seines Faches, wenn gleich er erst langsam beginnt zu sprechen. Tiefer Fruchtansatz, der allerdings noch Luft benötigt, um seine Klasse auszuspielen. Waldfrüchte, kombiniert mit einer denzenten, sehr gut dosierten Extraktsüße und einer eher dichten, festen Art. Die Tannine stammen von ausgereiften Trauben und entwickeln eine erste, seidig wirkende Art; der Holzeinsatz ist sehr gut dosiert. Wohl definierter Wein, der gerade am Beginn eines langen Trinkfesters stehen dürfte.


1996 Leoville Barton, St. Julien

91 Punkte - Ein fester, maskuliner Wein; bereits in der Nase macht er einem klar, dass er ein strammer Bursche ist: dunkle und herbe Frucht. Am Gaumen das identische Bild; kernige Struktur, fest und wenig nahbar. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine recht knackige Säure und die eher herben Aromen: Unterholz, Tabak, Wacholder, schwarze Beeren); intensiver Typ. Ich mag so etwas durchaus, verstehe aber auch jeden, dem diese Art von Wein nicht liegt; gute Länge. Dürfte - auch auf Grund seiner festen Tannine - noch viele, viele Jahre Trinkgenuß bereiten.


1996 Remelluri - Rioja

88 Punkte - leider nur wenig Notizen gemacht. Ordentlich gereifter Rioja (ca. 80% Tempranillo mit Anteilen von Grenache, Graciano, und Mazuelo) von Telmo Rodrigez , der mit seiner recht ausgewogenen Art durchaus Trinkfreude bereitet, gut strukturiert, aber irgendwie fehlte mir ein wenig der Kick; wird nicht mehr besser.


1995 Chateau Figeac - St. Emilion

85 Punkte - KKK, kernig, kräftig, kräutrig, aber ohne den nötigen Charme und die notwendige Balance. Für mich die Enttäuschung des Abends. Fester Ansatz, dunkle, herbe Aromatik, aber auch sperrig und nicht sonderlich trinkig. Baute im Glas - ohne Höhepunkt - recht schnell ab.

Samstag, 29.08.2009

1982 Chateau Cheval Blanc - St. Emilion / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.9)


99 Punkte – Was für ein Stoff!! Zu Beginn eine schöne (vielleicht sogar etwas verwaschene) Frucht, die mit zunehmender Luft aber so unglaublich ausbaute, das man die Tiefe der Aromatik nur als abgründig beschreiben kann. Wie meist bei wirklich ganz großen Weinen macht es wenig Sinn, die Aromeneindrücke zu beschreiben, sondern das „Gesamtkunstwerk“ zählt – und in diese Kategorie gehört dieser Wein ohne Zweifel. Der 82er Cheval baute einen Druck, eine Komplexität und Nachhaltigkeit auf, die in ihrer Harmonie nicht in Worte zu fassen ist. Dieser Wein ist perfekt und als er aufgedeckt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass Parker ihn gerade 3 oder 4 Wochen zuvor von 100 auf 92 Punkte degradiert hatte. Der Wein hat eine Strahlkraft, eine Eleganz und eine innere Harmonie, die es einem nahezu unmöglich machen, die Hand vom Glas zu nehmen. Doch nur wer Ruhe und Gelassenheit mitbringt, wird ihn in seiner Klarheit und Vollkommenheit erfassen können. Im direkten Vergleich zum schon nahezu perfekten Margaux machen die noch größere Harmonie und die nicht enden wollende Länge im Abgang den Unterschied zwischen 96 und 99 Punkten aus. Eines sei vielleicht noch angemerkt, diese Flasche wurde seit der Auslieferung aus der Subskription so gut wie nie angefasst und seitdem perfekt gelagert. Es dürfte nahezu ausgeschlossen sein, solche Flaschen auf einer Auktion  zu erwerben, denn dort gehen häufig „Wanderpokale“ über den Tisch, bei denen man nicht weiß, welche Strapazen sie zwischenzeitlich erleben mussten.

1982 Chateau Margaux – Margaux / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.8)


96 Punkte – Unglaublich spannend an diesem Abend war die direkte Gegenüberstellung (im Rahmen einer anonymen Blindverkostung) der beiden hoch bezahlten Spitzenstars aus dem Jahrhundertjahrgang 1982.

 

Zunächst kam ein Wein ins Glas, mit dem ich frisch eingegossen fast ein wenig Problem hatte - den gekochten Kohlrabi mag ich zwar auf dem Teller, aber nicht unbedingt im Glas. Doch mit Luftzufuhr entfaltete sich ein wunderbares, dichtes Bukett mit vielen Frucht-, Kräuter- und Würzarmen. Auffallend sind die hohe Dichte, die innere Spannung und die Konsistenz, die diesen Wein auszeichnen. Mir wurde schlagartig klar, dass dieser Wein erst am Beginn seiner Trinkreife steht. Am Gaumen dann ein vergleichbares Bild: dicht, lebendig, voller innerer Spannung und Harmonie. Ein Wein mit vollem Körper, aber ohne jeden Verdacht fett oder übermäßig kraftvoll/überextrahiert zu sein. Die Tannine sind wunderbar fest und Struktur bildend, ohne Härte/Spröde. Die differenzierte Frucht von Cassis und dunklen Beeren ist eingeflochten in einen schönen Aromenteppich aus feinen Röstaromen (Kaffee und Kakao), edlem Tabak und Bleistiftnoten. Die animierende Saftigkeit, kombiniert mit der perfekten Struktur, der feinen Süße und dem Hauch von Minze und Eukalyptus haben mich begeistert.

Montag, 24.08.2009

1988 / 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.6+7)


93 Punkte (1988) / 92 Punkte (1997) - Die Familientradition der heutigen Besitzer der Tenuta di Nozzole (Ambrogio und Giovanni Folonari) reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Seit 1825 firmierte die Familie ihre Geschäfte unter dem Namen „Fratelli Folonari“ Im Jahr 1912 kauften die Brüder Italo (der Großvater von Ambrogio) und Francesco die bereits damals für ihren Chianti berühmte Firma Ruffino. In den späten 60er Jahren trennte man sich von „Fratelli Folonari“ und erwarb 1971  das Weingut Nozzole in der Nähe von Greve, im Herzen des Chianti-Gebietes. Gleiches gilt für das Weingut Cabreo, das in den 80er Jahren durch Ambrogio maßgeblich entwickelt und ausgebaut wurde. Doch irgendwie scheinen Familiendynastien nicht für die Ewigkeit gemacht und trennte sich Ambrogio und sein Sohn Giovanni im Jahr 2000 von Ruffino und dem Rest der Familie. Die beiden bekannten Weingüter und Marken Tenuta di Nozzole sowie Tenuta del Cabreo bilden heute den Kern des Besitzes der Tenute Folonari (www.tenutefolonari.com).

 

Il Pareto ist seit jeher ein reiner Cabernet Sauvignon; als früher Supertoscan einst als Tafelwein deklariert, trägt er heute die Herkunftsbezeichnung Indicazione Geografica Tipica (IGT). In meiner Augen ist dieser Wein in Deutschland leider viel zu wenig bekannt, denn gerade in den 80er und 90er Jahren besitzt dieser Wein eine hervorragenden Qualität und Langlebigkeit. Obwohl die Flasche selten mehr als ein Drittel der großen Supertoscans aus dem Bolgheri kostet, braucht er sich keinesfalls hinter ihnen zu verstecken.

 

Der 1988er Il Pareto (93 Punkte) zeigt bereits in der Nase seine Verwandtschaft zu Bordeaux. Am Tisch wurde gerätselt, der erste Bordeaux an diesem Abend oder doch der nächste Italiener - bei diesem Wein schieden sich die Geister. Mit seiner feinen Lakritznote erinnerte er an einen Wein aus dem Grave. Auffallend schön ist die hohe Frische, mit dem dieser über 20 Jahre alte Wein im Glas steht. Hinzu kommen ein hohes Maß an Eleganz und Komplexität, die seinem Auftritt eine aristokratische Dimension verleihen. Mit seinem erdigen Aromenbild und den Anklängen von feinem Tabak trifft er meine Vorstellung eines hochwertigen Bordeaux vollkommen. Dieser Wein ist kühl, komplex, genussreich und baut im Glas aus. Weitere Jahre in der Flasche, gelagert in einem dunklen, kühlen Keller dürfte er ohne Problem überstehen.

 

Il Pareto 1997 (92 Punkte) steht seinem Pendant aus 1988 kaum nach. Ein kraftvoller Cabernet mit klarer Struktur, definierten Konturen und einer wunderbaren Saftigkeit. Die 97er Ausgabe des Il Pareto besitzt einen vollen Körper, hat Rückgrad und ist trotzdem geschmeidig am Gaumen. Die klare und schöne Frucht, mit Noten von Cassislikör, erdigen Aromen, feinem Tabak und einem klitzekleinen Hauch von grünen Paprika, machen ihn für mich zu einem Cabernet Sauvignon in Reinform. Der Wein erlebt jetzt seine erste volle Blüte und dürfte auch die nächsten 10 Jahre viel Freude machen.

1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.5)


92 Punkte – Die Familie Carletti startete mit dem Weinbau auf 22ha im Jahr 1961, heute besitzt man in der Gegend um Montepulciano 120 ha und ein weiteres Weingut in den Maremmen. Der Name Poliziano ist ein hommage an den humanistischen Dichter Angelo Ambrogini, der in Montepulciano geboren und als „Il Poliziano“ bekannt wurde.

 

 

Der Supertoscan „Le Stanze“ (benannt nach einem Gedicht von Il Poliziano) wurde erstmal im schwierigen Jahrgang 1987 gekeltert und auf den Markt gebracht. Mit diesem Wein versuchte man international bekannt zu werden, ohne den toskanischen Ursprung aufzugeben. Dass dieser Balanceakt im Hause Poliziano stets gelingt, konnte ich schon bei mehreren verkosteten Jahrgängen feststellen – an diesem Abend hatten wir die 97er Ausgabe im Glas.  Bereits das Bukett wies uns den Weg in die Toskana: viel Eisen (Blut), darunter verbarg sich zu Beginn eine etwas überreife Frucht von Pflaumen und Waldbeeren; hinzu kamen erdig-würzige Noten sowie Anklänge an Graphit. Mit zunehmender Luft baute die Frucht deutlich aus; ein Hauch von Maggikraut/Liebstöckel wies uns den Weg zum Alter des Weines. Am Gaumen brauchte er ein wenig Anlauf, nahm dann – mit der Luft im Glas – aber an Fahrt auf und entwickelte eine schöne Fülle. Die Reife war etwas deutlicher zu erkennen als beim zuvor verkosteten Desiderio von Avignonesi, dafür punktete der Le Stanze aber mit seiner komplexen Art am Gaumen, wenngleich der Desiderio in Punkto Eleganz leicht die Nase vorne hatte. Insgesamt ein immer noch Wein mit einer guten Struktur, Kraft und Fülle, der sicherlich noch die nächsten 2,3,4 Jahre schön zu trinken sein wird, wenngleich am Tisch auch deutlich gereifteren uns schwächeren Flaschen berichtet wurde.

Sonntag, 23.08.2009

1999 Crozes Hermitage La Guiraude, Alain Graillot – Nördliche Rhone


87 Punkte – Kein ganz einfacher Tropfen: zu Beginn dominiert die Säure recht deutlich. Mit etwas Luft kommt die Frucht etwas stärker durch. In der Nase Noten von verbranntem Gummi, Lavendel und Cassis. Am Gaumen springt einen die straffe Säure an; erst langsam offenbart er die Noten herber Lakritze, schwarzer Johannisbeere, Lavendel und feuchtem Unterholz; dennoch herkunfts- und rebsortentypisch. Vom Körper eher mittelgewichtig, gestützt von seinen Tanninen ist der Wein noch gut trinkbar; aber eine weitere Lagerung dürfte ihm mehr schaden als nutzen – austrinken!! Heute Abend zum Gegrilltem passte er nicht schlecht.

1997 Desiderio, Avignonesi – Toskana („kleine“ Weinprobe Nr.4)


91 Punkte – Avignonesi kann sicherlich zu den führenden Weinhäusern in der Toskana gezählt werden. Heute verbergen sich hinter dem Namen vier Weinbaubetriebe: Fattoria La Capezzine, Estate I Poggetti, Estate La Selva und Estate La Lombarda. Zusammen verfügt Avignonesi über 225 ha Grund und Boden, von denen 109 ha unter Reben stehen und weitere 3 ha mit Olivenbäumen bepflanzt sind.

 

Vor einigen Jahren war ich auf einer Veranstaltung mit Mario Scheuermann, der behauptete, dass der Desiderio am besten schmeckt, wenn er mindestens 10 Jahre gereift ist. Wenn ich mich recht erinnere gab es damals einen wirklich schönen 88er Desiderio, der das getroffene statement deutlich unterstrich. Nun hatten wir einen 12 Jahre alten Desiderio im Glas, der mich mit seiner animierenden Nase von Waldbeeren und Eisen (Blut) überzeugte. Auch am Gaumen ein feiner Stoff, mittelgewichtig, mit recht eleganter Frucht und erdigen Anklängen; steht bestens im Saft, hat Struktur, eine schöne Säure und zeigt wenig Alter, trotzdem dürfte er jetzt – gute Lagerung vorausgesetzt – seinen Höhepunkt erreicht haben (jetzt herrlich ausgewogen und harmonisch). Auf diesem Niveau sicherlich die nächsten 2-3 Jahre unverändert, bevor sich das Alter etwas mehr in Szene setzt.

 

Wir diskutierten recht lange, ob dieser Wein ein reiner Merlot sein kann, oder ob es nicht doch eine Cuvee aus Merlot und Cabernet Sauvignon ist. In Kenntnis dessen, dass es bis dato immer ein reiner Merlot war, habe ich natürlich die „Merlot-Fahne“ hochgehalten, aber man sollte sich doch mehr auf seine Sinneseindrücke denn auf archiviertes Wissen verlassen! Im Gambero Rosso 2001, S.449 gibt’s folgendes zum 97er Desiderio zu lesen: „(…)Aus einem reinsortigen Merlot wurde jetzt ein Verschnitt aus Merlot und Cabernet Sauvignon. Seinen Duft nach kleinen roten Früchten begleitet eine gefällige und massvolle vegetabile Ader; gut auch der Geschmack mit dem etwas übermütigen Tanin, dessen feine Manieren noch den letzten Schliff benötigen.“ J

1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund („kleine“ Weinprobe Nr.3)


86 Punkte – Für mich der erste Wein von diesem Erzeuger, der vermutlich zu den ältesten Chablis-Häusern (1755) gehört. Seit 1985 im Besitz des Baron Patrick de Ladoucette, der fleißig in die Kellertechnik investierte.

 

Die Nase ist sehr ungewöhnlich: deutlich wachsige Noten, riecht nach Mahagoniholz und Möbelpolitur. Dazu gesellen sich Noten von Akazienhonig. Im Mund erstaunlich wenig Säure, etwas nussig, aber auch Zitronenfrische. Insgesamt sehr klar und mineralisch-kalkig (und somit Chablis-typisch) mit noch schöner Festigkeit; recht trinkig.

1999 Grüner Veltliner Axpoint, Franz Hirtzberger – Wachau („kleine“ Weinprobe Nr.2)


90 Punkte – Auf der homepage des Weingutes findet sich folgender Hinweis zu dem ungewöhnlichen Namen dieses Weines: „Der geschichtsträchtige Name des Axpoint oder Abts-Point stammt daher, dass Grund und Boden hier einst im Besitz der Abtei Niederalteich standen. Bei uns ist diese Lage seit 1999 in Ertrag. Der Boden ist tiefgründig und tonhältig, das schlägt sich auch in der stoffig-saftigen Ausrichtung des hier gedeihenden Grünen Veltliner Smaragd nieder.“

 

Der Jungfernjahrgang dieser Lage aus dem Hause Hirtzberger war in der Nase deutlich von Feuerstein und vegetabilen Noten geprägt. Am Gaumen immer noch fleischig-saftig, mit mittlerem Körper und einer schönen Festigkeit. Gut gefielen mir auch der Schmelz und die schöne Länge des Weines. Wirkt sehr trocken und fest. Sicherlich auch in den nächsten drei, vier Jahren noch ein spannender Wein.

2004 Riesling Primus Maximus, Heinz Nikolai – Rheingau („kleine“ Weinprobe Nr.1)


90 Punkte - Los ging es schon mal mit einer handfesten Überraschung! Am Tisch herrschte auf  Grund des satten Extrakts und der tollen Würzigkeit Einigkeit darüber, dass der erste Wein des Abend aus Österreich kommt, doch statt dessen hatten wir Primus Maximus 2004 von Frank Nikolai im Glas:

 

Viele reife, gelbe Früchte fand ich da in der Nase; kein ganz junger Wein mehr, aber hinreichend frisch und herrlich dicht. Am Gaumen dann sehr viel Extrakt, fest und tief. Besonders gut gefällt mir die Würzigkeit, die er insbesondere hinter heraus ausspielt und die ihm im recht langen Abgang Struktur und Vielfalt verleiht. Ein richtig schöner Wein, der allerbeste Anlagen hat, der jetzt in der Blüte seines Lebens sein dürfte, aber auch noch ein paar Jahre auf hohem Niveau durchhalten kann. Das Beste an diesem Stoff ist jedoch, dass Frank Nikolai – trotz aller Meriten, die er sich inzwischen landauf, landab verdient hat – immer noch ein unverschämt gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet und man den aktuellen Jahrgang  für  Euro 8,50 ab Hof bekommen kann. Auch die beiden Ersten Gewächse aus dem Erbacher Steinmorgen und Siegelsberg sind mit ihren Euro 13,- und 14,- echte Schnäppchen.

Eine „kleine“ Weinprobe in Frankfurt:


Eigentlich war eine kleine Weinprobe bei mir in Düsseldorf angesagt, doch konnte ich meine lieben Freunde aus Frankfurt bei mir an diesem Wochenende nicht unterbringen und sämtliche Hotels waren ausgebucht, da die IGEDO ihre Messetore geöffnet hatte. Also verabredeten wir uns einmal mehr in Frankfurt zum gemeinsamen Köcheln und ein paar Weinen. Ich hatte 2 flights aus Italien, einen a 4 Flaschen und einen a 5 Flaschen, im Kofferraum - wir entschieden uns für den Kleineren von beiden. Dass aus dieser kleinen, das Essen begleitenden Weinprobe ein GROSSER Weinabend wurde, dafür sorgten einmal mehr die Jungs aus dem Frankfurter Nordend.

 

Wir verkosteten nacheinander:

 

  • 2004 Riesling Primus Maximus, Heinz Nikolai – Rheingau

  • 1999 Grüner Veltliner Axpoint, Franz Hirtzberger – Wachau

  • 1998 Chablis Mont de Milieu 1er Cru, Albert Pic – Burgund

  • 1997 Desiderio, Avignonesi – Toskana

  • 1997 Le Stanze, Poliziano – Toskana

  • 1988 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana

  • 1997 Il Pareto, Tenuta di Nozzole – Toskana

  • 1982 Chateau Margaux – Bordeaux

  • 1982 Chateau Cheval Blanc – Bordeaux

 

Die einzelnen Verkostungsnotizen folgen…

Sonntag, 02.08.2009

Burgundmarathon 2.Tag / 1.flight

 

 

40er (?) Moulin a Vent, Eugène Loran & fils  Beaujolais (Füllhöhe 4,0 cm)

 

91 Punkte – Was für eine Überraschung – ein sensationell gereifter Beaujolais. In Deutschland weiß nahezu niemand, dass im Beaujolais auch noch etwas anderes erzeugt wird, als diese Primeur-Plörre, die jedes Jahr den Markt flutet. Doch wer neugierig ist, und sich mal mit den Details dieses Weinbaugebietes auseinander setzen mag, der wird früher oder später auf die Crus-Gebiete im Herzen (Norden) des Beaujolais stoßen und feststellen, dass hier auch charaktervolle Weine erzeugt werden. Moulin a Vent gilt als primus inter pares und hier gedeihen wohl die lagerfähigsten Beaujolaisweine. In ihrer Jungend sind sie recht unnahbar und hart, aber mit nach 3,4,5 Jahren Lagerung blühen sie langsam auf und zeigen regelmäßig, dass auch aus Gamaytrauben richtig schöner Wein erzeugt werden kann.

 

Dass wir nun einen Wein im glas hatten, der schon 60 Jahre oder mehr auf dem Buckel hatte und immer noch im Glas unglaublich ausbaute, war auch für mich eine große Überraschung. Informationen zum Erzeuger konnte ich leider keine finden, aber die Quelle aus der der Wein stammt ist zuverlässig und wir tranken so einen Stück Geschichte ohne genau zu wissen, wer uns das „eingeschenkt“ hatte.

 

Zu Beginn ein Anflug von Champions in der Nase, aber mit etwas Luft verzog sich dieser Eindruck schnell und eine zarte und feine Nase mit Anklängen an rote Beeren offenbarte sich. Auch am Gaumen ein Wein, der durchaus noch Struktur vorweisen kann und in seinen Aromen noch erstaunlich frisch wirkte, aber dann eher zart und verspielt war. Insgesamt aufregend differenziert und fein am Gaumen, auch hier wieder zarte, rote Früchte (Erdbeeren, Himbeeren) mit einer wunderbaren, feinen Süße, die lange den Gaumen umschmeichelt.  

 

Bei der späteren Rückverkostung hat er noch einen Happen zugelegt und die Frucht und die Süße sind noch schöner geworden (92 Punkte).

 

 

 

1949 Chambolle Musigny, Ph. Vinzent – Burgund (Füllhöhe 5,3 cm)

 

89 Punkte – Für 60 Jahre zeigt dieser „einfache“ Chambolle Musigny eine erstaunlich dunkle Farbe. In der Nase ein recht edler Ansatz, Kakao- und Mokkanoten, Karamell und ein Hauch von Steinpilzen; kraftvoll. Im Mund kann er jedoch das Versprechen des Buketts nicht halten: leichte Sherrynoten, wirkt recht gereift, aber auch recht dicht. Leider drängt sich die Säure immer stärker in den Vordergrund und ich habe das Gefühl, dass er im Glas recht schnell verliert. Doch hier habe ich mich getäuscht, denn bei der Rückverkostung später wirkt er klarer und gewinnt nochmals etwas an Tiefe (ich hatte ihn dann bei 90 Punkten).

 

 

1959 Vosne Romanée, Bouchard Père & fils (Füllhöhe 5,8cm) 

 

85 Punkte – Ich habe lange gebraucht, um hier das Wirrwarr an Namen mit dem Bestandteil „Romanée“ zu begreifen, denn die Gemeinde Vosne-Romanée ist so etwas wie die Schatzkammer der Côte de Nuits und bei dem Namensbestandteil „Romanée“ denkt man unwillkürlich an die großen und nahezu unbezahlbaren Weine der Domaine Romanée-Conti.

 

Aber vielleicht der Reihe nach: Die Gemeinde Vosne Romanée verfügt über sieben GRAND-CRU-Lagen: La Romanée Conti, Le Richebourg, La Tâche, La Romanée-Saint-Vivent, La Romanée, Les Grand Echézeaux und Les Echezeaux. Von diesen sieben GRAND-CRU-Lagen sind zwei sogenannte Monopol-Lagen, d.h. sie sind im Alleinbesitz eines Erzeugers, hier der Domaine Romanée-Conti.  Darüber hinaus gibt es auch noch einige Premier-Cru-Lagen, wie z.B. Les Petits-Monts oder Les Suchots. Doch steht – wie in unserem Fall – auf dem Etikett „nur“ Vosne-Romanée, so stammt dieser Wein aus den Weinbergen der Gemeinde Vosne-Romanée, aber es ist weder ein Grand-Cru, noch ein Premier Cru und schon gar kein Wein der Domaine Romanée-Conti.

 

Frisch im Glas roch unser Kandidat aus einer Flasche mit relativ schlechtem Füllstand zunächst nach „nassem Lappen“ – und zwar so einem, den man in der Küche schon viel zu lange liegen hatte (ihhhh). Auch der zweite Eindruck kann nicht wirklich überzeugen, denn das Aroma von Liebstöckel bzw. das Maggikraut hat schon ziemlich stark Besitz von diesem Wein ergriffen; hinzu kommt ein Eindruck von Aceton.  Auch am Gaumen ist der Wein nicht wirklich eine Offenbarung, auch wenn zunächst etwas Kaffeearomen sowie eine malzige Süße erkennbar sind, doch dann bricht auch hier der Eindruck von Maggikraut durch und der Wein entwickelt zudem eine leichte Bitterkeit. Bei der Rückverkostung hat die Süße noch etwas gewonnen, aber letztlich bleibt er seinem Aromenbild treu und ich werte den Wein nochmals einen Punkt ab (84 Punkte)

Freitag, 24.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 5.flight


1955 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour  – Burgund (Füllhöhe 5,2 cm)

 

85 Punkte - Die eigentliche Grand-Cru-Lage ist Corton, doch es ist durchaus üblich, dass der Name der Sublage/Parzelle ebenfalls auf dem Etikett geführt wird. Das Haus Louis Latour hat in den Weinbergen der Gemeinde Aloxe-Corton bedeutenden Besitz und folglich verwundert es wenig, dass beide Jahrgänge dieses Weines (die sich im 5.flight unseres Burgundermarathons direkt gegenüber standen) aus dem Hause Louis Latour stammten.

 

Die Weine aus Corton benötigen regelmäßig Zeit zum Reifen; 5 Jahre, besser 10 oder 15 Jahre sollte man ihnen geben, erst dann blühen sie auf und werden geschmeidig, vorher sind sie oft spröde oder hart. Der erste Wein im Glas war allerdings 54 Jahre alt  und - auf Grund des Füllstandes – war ich vor dem ersten Schluck sehr gespannt, ob wir noch Freude an ihm haben werden. In der Nase präsentierte er sich eher maskulin, mit Noten von Eisenkraut, Blut und Jod. Am Gaumen hat er noch ein schöne, süße Malzigkeit, aber leider keine weiteren Highlights. Ein noch ordentlich zu trinkender Wein, jedoch ohne das „gewisse Etwas“. Einmal im Glas baute er recht schnell ab, sodass es eigentlich logisch war, dass er auf Grund der zusätzlichen Luft in der Rückverkostung (84 Punkte) schwächer sein musste: In der Nase machte sich ein etwas penetranter Sauerkrautton breit und am Gaumen gab es auch keine Verbesserungen.

 

 

 

1952 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour  – Burgund (Füllhöhe 4,3 cm)

 

91 Punkte – Für mich der deutlich bessere Wein, die stallige, leicht animalische Nase war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber am Gaumen präsentierte sich der Wein von seiner eleganten Seite und zeigte deutlich mehr Komplexität und Finesse als der 55er. Auffallend waren die kraftvolle Art, der schöne Biss und die sehr gut integrierte, reife Säure. Die feine karamellige Süße stand ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Spiel, Satz und Sieg für die  52er Ausgabe des Clos de la Vigne au Saint aus dem Hause Louis Latour.

 

 

1959 Chateau de Malle – Sauternes / Bordeaux (Füllhöhe top shoulder) 

 

82 Punkte – Den 1. Abend des Burgundermarathons beschlossen wir mit einem Sauternes aus 1959. Der Jahrgang gilt eigentlich als großes Sauternesjahr, aber dieser Wein hat seine besten Zeiten schon hinter sich. Das Bukett wirkte etwas unsauber und erinnerte bestenfalls an einen würzigen Waldhonig. Am Gaumen war er dann recht trocken, man könnte auch gezehrt sagen.

 

 

 

Montag, 20.07.2009

2004 La Grola, Allegrini - Venetien


88 Punkte - Allegrini begleitet mich seit meiner Studentenzeit. Damals war es der Palazzo della Torre, dieser im Ripasso-Verfahren ( dabei werden dem bereits fertig vergorenen Wein, nochmals angetrocknete Trauben oder der Trester des Amarone zugesetzt und mit diesem erneuten Zucker- und Aromaschub wird eine zweite Gärung eingeleitet, die dem Wein einen wunderbaren Schmelz und eine dichte Frucht verleihen kann) vinifizierte Wein, der mich begeistert hat und mich anfixte alsbald auch meinen ersten Amarone zu verkosten. 

Heute steht der La Grola (70% Corvina Veronese, 15% Rondinella, 10% Syrah, 5% Sangiovese) aus dem sehr guten Italienjahrgang 2004 vor mir und ich bin immer noch angetan von dem, was das Hause Allegrini zu noch bezahlbaren Preisen (Euro 14,-) auf die Flasche bringt. Der Wein hat eine füllige Frucht von reifen Beeren, dunklen Würznoten (Wacholder und Tabak) und einen Hauch Kaffee und dunkler Schokolade. Körperreich, vordergründig samtig am Gaumen, aber die recht kräftige Säure sorgt für eine gute Balance. Die ausgereiften Tannine sind gut spürbar und sicherlich auch die Garantie dafür, dass der Wein ein paar Jahre auf diesem Niveau noch so bleibt. Mir schmeckts (auch wenn ich heute Weine mit mehr Eleganz vorziehe) und deshalb genehmige ich mir noch ein Glas als Schlummertrunk.

Donnerstag, 16.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 4.flight


1952 Nuits St. Georges, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 3,1cm)

 

88 Punkte – Die letzte wichtige Gemeinde der Côte de Nuits ist Nuits-Saint-Georges. Man nennt das Dorf auch die „Niere von Burgund“ – weil hier das Burgund hier einen leichten Knick macht, aber auch (so wird kolpotiert) weil hier so viel Wein durchfließt, denn seit jeher haben viele Firmen hier ihren Sitz. Das Etikett unseres 52er aus dem großen Hause Louis Latour zeugt von einem „einfachen“ Dorflagenwein, doch trotzdem stellt sich bei mir ein erfreulicher Trinkgenuss ein. In der Nase wirkt er recht kühl; mit Anklängen von Kräutertee, Melisse und einem zarten Hauch von Pfefferminz. Am Gaumen ist er ansprechend füllig, ebenfalls mit einer erkennbaren Kräuternoten; insgesamt für sein Alter noch recht straff. Auch die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung schadet ihm nicht, er bleibt auf seinem Niveau, wirkt sogar noch etwas frischer.

 

1952 Chambolle Musigny, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,6cm)

 

80 Punkte – Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Gleicher Jahrgang, gleiches Handelshaus, anderer Teil von Burgund – aber ebenfalls Dorflage. Die Nase wird von einer stark alkoholischen Note dominiert. Darauf folgen Eindrücke von Maggikraut, Sherry und andere, beim Wein nicht gerade gesuchte Aromen. Am Gaumen erstaunlich weich, aber leider auch mit wenig Charakter und Ausdruck, eine leicht ranzige Butternote zieht sich durch. Die angenehme Süße, die besonders im Abgang deutlich wird, vermag es auch nicht mehr rauszureißen. Bei der Rückverkostung geht der Inhalt meines Glases recht schnell direkt in den Spuckbecher (75 Punkte).

 

 

1952 Grand Echezeaux, Domaine de la Romanée-Conti (Füllstand 7,0cm)

 

95 Punkte - Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flaschen mit einem schlechten Füllstand nicht zwangsläufig schlechten Wein beinhalten müssen. Trotzdem schraubte ich meine Erwartungen sehr weit runter, als Michael Schmidt diese Flasche mit den Worten ankündigte: „Jetzt kommt ein besonderer Wein, jedoch ist der Füllstand schlecht, es fehlen ca. 7cm in der Flasche“. Doch schon in der Nase zeigt sich die besondere Klasse dieses Weines – Tiefe, kühle Aromatik, sehr klar und super-sauber, mit deutlich ätherischen Anklängen; ein echter Nasenbär, man möchte gar nicht aufhören in dieses Glas hineinzuschnüffeln, so tief und berauschend sind die Eindrücke. Am Gaumen ebenfalls ein herrliches und finessenreiches Spiel, jedoch ohne dass der Wein besonders körperreich wirkt. Überraschend waren für mich auch die (Frucht-)Aromen, die ich eher einem Weißwein zuordnen würde: Weinbergspfirsich, Mirabellen, Orangenzesten, Lakritz und viele mehr. Auch dieser Wein hatte bei der Rückverkostung nochmals deutlich  Luft bekommen und in der Nase war schlicht perfekt (!!); am Gaumen jedoch hatte er ein wenig abgebaut (94 Punkte).

Mittwoch, 15.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 3.flight


Im 3. flight gab es gleich zwei Premieren, zunächst kam erstmals an diesem Abend ein „Grand Cru“ in unsere Gläser, gefolgt von einem 1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville (als Pirat des Abends). Insbesondere der Spätburgunder hat mich fast umkippen lassen und ich habe unverhofft einen Eindruck davon bekommen, was erst vor kurzer Zeit  Martin Wurzer-Berger in seinem Artikel „Begegnungen auf Augenhöhe – Die erregenste Vergleichsprobe des Jahres: Assmannshäuser Höllenberg und große Burgunder Pinot Noirs 1959 bis 1921“ (vgl. Weinmagazin „Fine“ - Ausgabe 1/2009, S. 43ff.) beschrieben hat. Als der Wein nach unserer Blindverkostung aufgedeckt wurde, konnte ich mich nur zu gut an den Bericht erinnern, den ich erst wenige Wochen zuvor gelesen hatte (ohne jedoch zu ahnen, dass ich wenig später – zumindest partiell – ein ähnlich spannendes Erlebnis haben werde). Die sich dem Artikel von Wurzer-Berger anschließenden Verkostungsnotizen von Sam Hofschuster (Chef-Verkoster des Weinportals www.wein-plus.de) sind ebenfalls lesenswert, doch leider lässt der Hofschuster die eigentlich nötige Akribie bei der Zitierung des Etiketten vermissen,  denn es ist schon ein großer Unterschied, ob es sich um einen Cabinet (einige Etiketten sind jedoch auf dem Fotos zum Artikel; vgl. S.44 zu erkennen)  handelt oder nicht. Auch bei den Pinot Noirs aus dem Burgund sind viele Detailinfos der Etiketten nicht aufgeführt.

 

1959 Corton Grand Cru,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 3,8cm)

 

87 Punkte - Schon etwas trübe in der Farbe; mit recht verhaltenen Eindrücken in der Nase, erinnert dieser Wein an Feuersteine nach einem Regenguss. Am Gaumen eher verwaschene Aromen, ohne klares Bild. In der Mitte jedoch mit feiner Süße und Eindrücken von Kirschkuchen und Kirschwasser. Im Abgang zeigt er keine besondere Länge. Im Vergleich zu einigen der „einfachen“ Dorflagen verspüre ich bei diesem Grand Cru keinen Lustgewinn / Genusszuwachs. Bei der Rückverkostung ist die Nase noch schwächer, am Gaumen zeigt sich ein vergleichbares Bild (86Punkte).

 

1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville – Rheingau (Füllstand 2,5cm)

 

94 Punkte – Tiefe, dunkle Nase mit Aromen von Mokka, Kirschen, Pflaumen, feuchtem Holz und Süßholz. Am Gaumen beeindruckt mich die kräftige Statur und Definiertheit dieses Spätburgunders, der ganze 60 Jahre alt ist. Er wirkt sehr klar in der Aromatik, zeigt eine edle und reife Frucht mit Noten von Mokka und Karamell. Sehr schöne Balance aller Komponenten, die sich bis in den wunderschönen, langen Abgang durchzieht. Ein großer Wein. Leider kann er dieses Niveau bei der Rückverkostung  nicht mehr abrufen, die zusätzliche Belüftung hat Schaden angerichtet, er fällt auseinander, die Süße steht recht deutlich außen vor (89 Punkte). Anzumerken bleibt, dass sich der Spätburgunder in seiner Aromatik und in seinem Stil recht deutlich von allen anderen Pinot Noirs aus Burgund unterscheidet. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kamen auch die Teilnehmer der großen Vergleichsprobe auf Kloster Eberbach, deren Reaktion Martin Wurzer-Berger wie folgt zusammenfasst: „Zum einen erkennen und beurteilen sie differenziert die Stärken und Defizite der französischen Pinot Noirs, denen im Allgemeinen ein guter Zustand attestiert wird. Die Assmannshäuser lassen sich jedoch nicht ohne weiteres in das burgundische Geschmacksbild integrieren. Sie scheinen tatsächlich eine bemerkenswert eigenständige Form des Spätburgunders zu repräsentieren, die sich in einer ausgezeichneten Lagerfähigkeit demonstriert und auch geschmacklich zu überzeugen weiß.“

 

 

1959 Latricières Chambertin Grand Cru, Remoissenet Père et fils – Burgund (Füllstand 3,0 cm)

 

90 Punkte – Dieser Grand Cru besticht durch seine Klarheit; in der Farbe vollkommen klar, verbreitet er einen Maraschino-ähnlichen Duft (=relativ trockener Fruchtlikör) mit deutlichen Anklängen der Maraska-Kirschen, aus denen er hergestellt wird. Am Gaumen sehr sauber, klar und recht tief in der Aromatik; erinnert an schwarze Früchte, eingebettet in feinste Kaffeenoten, schöne Länge im Abgang. Auch diesem Wein hat die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung nicht gut getan, er entwickelt eine Pappe-Note in der Nase und wirkt nicht mehr so klar uns sauber (86 Punkte)

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Sonntag, 12.07.2009

Burgundmarathon 1.Tag / 2.flight


Besonders interessant an diesem flight war die direkte Gegenüberstellung der beiden 1er Cru Weine aus Beaune, der erste aus der größten Beaune-1er Cru-Lage "Les Grèves", der zweite vielleicht aus einer der bekanntesten "Clos des Mouches" (insbesondere der Teil der dem Haus Drouhin gehört); beide Weine aus dem Jahrgang 1959 und beide von Paul Bonnet, einem Erzeuger/Händler, zu dem ich bislang keine Infos gefunden habe, der aber seinen Sitz im benachbarten Nuits-St.Georges wohl hatte.


1959 Beaune Grèves 1er Cru, Paul Bonnet - Burgund (Füllstand 1,9cm)


88-89 Punkte - Wirkt recht kühl in der Nase und zeigt Noten von gelben Wachsbohnen. Auch am Gaumen zunächst etwas unausgewogen (kantig und mit Bitternoten im Abgang) , mit mehr Luft entwickelt sich jedoch eine schöne Stoffigkeit mit Eindrücken von reifen, schon etwas mehligen roten Früchten (88 Punkte); ordentliche Länge; in der Rückverkostung (89 Punkte) habe ich mir rote Johannisbeeren und einen denzenten Medizinalton notiert.


1959 Beaune Clos des Mouches 1er Cru, Paul Bonnet - Burgund (Füllstand 3,5cm)


92 Punkte - Von Anbeginn mit einer feinen, süßen Kräutrigkeit in Mund und Nase. Am Gaumen zeichnet er sich durch eine feine Stoffigkeit mit dezent malzigen Noten (Malzbonbon) und einem Hauch von Holzkohle aus. Eine sehr feine Frucht ist gut zu erkennen, die mich mehr an gelbe als an rote Früchte erinnert.  Auffällig ist auch das wirklich schöne Säurespiel. Die feine aromatische Tiefe und Dichte runden insgesamt das Bild dieses feinen Weins ab. In der Rückverkostung ein ähnliches Bild mit konstantem Punktwert (92 Punkte)


1959 Gevrey Chambertin, unbekannter Erzeuger - Burgund (Füllstand 7,4cm)

84 Punkte - Denkbar schlechte Voraussetzungen brachte der nächste Wein mit, ein Füllstand mit minus 7,4cm ist schon kritisch. Dennoch war der Wein nicht total hinüber, aber eine Freude war es auch nicht. In der recht unsauberen Nase begrüßte einen der Kellermuff, gefolgt von deutlichen Reifenoten. Am Gaumen sehr weich, mit einem Hauch von roten Tee, Malventee, dann aber auch Bitternoten. Insgesamt kurz und recht stumpf. Bei der Rückverkostung gab er sein letztes und eine "Todessüße"  (Malzigkeit) und eine etwas dunkler wirkende Frucht kamen noch einmal zum Vorschein, aber große Sprünge waren das nicht.


1959 Chambolle Musigny, de Canniere (Abfüllung) - Burgund (Füllstand 4cm)

83-86 Punkte - Leider war ich bei diesem Wein etwas abgelenkt und habe mir wenig notiert: kühl, etwas Liebstöckel, ordentliche Struktur, recht fest, aber wenig inspiriert (86 Punkte). Bei der Rückverkostung ging es dann  bergab mit ihm, er roch wie ein Lappen, mit dem man den nassen Hund bei seiner Rückkehr abgerieben hat (83 Punkte) 

Samstag, 11.07.2009

Burgundmarathon 1. Tag / 1.flight


1959 Volnay,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 3,7cm)


88-89 Punkte - Ein schöner Einstieg in den ersten Abend und gleichzeitig ein Beweis, dass auch aus Dorflagen in hervorragenden Jahren guter und langlebiger Wein erzeugt werden kann. J.Drouhin ist heute ein großer Erzeuger mit viel Weinbergsbesitz, der Burgunder noch zu bezahlbaren Preises anbietet. Das belgische Handelshaus existiert heute ebenfalls noch (vgl. www.grafe.be), jedoch kann ichüber die Güte der angebotenen Wein nichts sagen, da ich sie nicht kenne. In der Nase präsentierte sich dieser Wein zu seinem 60. Geburtstag recht kühl, mit Noten von Tee, schwarzem Trüffel, recht klaren Tertiäraromen und einem Eindruck von gereiftem Barolo. Am Gaumen habe ich mir welke Rosen, Veilchen, leichte Röstnoten und rote (Johannis-)Beeren notiert. Recht vielfältiger Eindruck, mit reifer Säure (88 Punkte).  In der späteren Rückverkostung habe ich ihn auf 89 Punkte gezogen, da er an Klarheit und Frische etwas zugelegt hat; Anklänge an roten Tee und Kaffee.


1959 Volnay 1er Crù Santenots,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq - Burgund (Füllstand 4,6cm)


86-87 Punkte - Gleicher Winzer, gleicher Abfüller, gleicher Jahrgang, bessere Lage - und trotzdem der etwas schwächere Wein im Vergleich zur Dorflage.  Recht kräftige Nase, schwarzer Tee, deutliche Tertiärnoten, Karamell, recht spitzer Alkohol in der Nase. Auch am Gaumen ist er etwas einfacher als sein Vorgänger, erinnert mich ein wenig an Crème Catalane; etwas vorstehende Säure (86 Punkte). Die Luft bis zur Nachverkostung hat im gut getan, er hat etwas an Kraft gewonnen, leider entwickelt sich hinter heraus auch eine Bitternote, die ihm nicht so gut zu Gesicht steht.

 

1959 Pommard, de Cannière (Abfüllung) - Burgund (Füllstand 4,1 cm)


87 Punkte - In der Nase viel Butterkaramell, aber auch leicht flüchtige Säure, Honignoten, mit mehr Luft entwickelt sich ein Duft von Bienenwachs, Liebstöckel, insgesamt recht kräutrig. Am Gaumen noch ein recht schönes Aromenbild mit guter Säure und erkennbarer Burgunderfrucht. Mit mehr Luft wird er dunkler in der Aromatik.

Freitag, 10.07.2009

Burgundmarathon über zwei Tage


Was sich total anstrengend anhört (Marathon über 2 Tage) war selten klasse. Michael Schmidt vom Weinhandel (http://weinhandel-schmidt.de) hat dieses denkwürdige Ereignis im privaten Rahmen letztes Wochenende veranstaltet. Den Ablauf kann man nur als perfekt bezeichnen, die Flaschen waren bestens konditioniert (alle Weine wurden um 7 Uhr früh geöffnet und wieder leicht mit Kork verschlossen.Um 10,30Uhr wurde der Kork entfernt zur langsamen Sauerstoff- Zufuhr, um 18.00 Uhr ging es dann mit der Probe los) und die bunt gemischte Truppe (von denen sich ein Großteil vorher nicht kannte) harmonierte teilweise so gut, dass ich das Gefühl hatte, man kennt sich schon Ewigkeiten. Abgesehen von Vor- und Nachweinen ;-)) standen am ersten Abend 16 Weine aus der Zeit von 1952 bis 1959 im Mittelpunkt unseres Interesses. Am zweiten Abend folgten weitere 16 Weine, die allesamt das Rentenalter bereits erreicht hatten, einige waren sogar hoch betagt (1895 bis 1949).

Nachfolgend werde ich die Weine eines flights jeweils in  einem Eintrag  vorstellen. Viel Spaß beim Lesen....


Die "Ausbeute" des 1.Abends

Dienstag, 30.06.2009

1979 Barolo Bussia di Monforte Riserva Speziale, Bruno Giacosa – Piemont


96 Punkte – Der krönende Abschluss der Rotweinrunde an diesem Abend. Dieser herrliche Stoff ist nur in wenigen Jahren (1974, 1975, 1978 und 1979, jeweils rotes label) in kleiner Auflage erzeugt worden. Für die Optik gewinnt dieser Barolo keine Preise; mit unglaublich viel Depot strömt der Wein ins Glas, in der Farbe ansonsten eher blass und hell. Dafür hat es der Rest umso mehr in sich. Die Nase zeigt mit etwas Luft herrliche Trüffelaromen und feuchtes Unterholz, dazu Malven, etwas Liebstöckel und zwischendrin auch mal ein Hauch von verwässerter Coca Cola, aber das Aroma verändert sich, zeigt auch Anklänge von rotem Tee. Am Gaumen ebenfalls mit fortgeschrittener Reife, deutliche Tertiäraromatik (aber die von ihrer schönsten Seite), dazu etwas Tee von roten Früchten, eine feine und recht intensive Süße (Karamell). Insgesamt ein wunderbar reifer Barolo, mit sehr viel Spiel, Komplexität und Finesse. Ich liebe diese Art von klassischem Nebbiolo; für mich ist das großes Kino und unglaublich genussvoll.

1989 Barolo La Villa Fratelli Seghesio Piemont


94 Puntke – Der ein Jahr ältere La Villa aus dem Jahrgang 1989 unterscheidet sich von seinem Bruder aus 1990 im Stil; er wirkt etwas klassischer, aber nicht minder attraktiv. Im Ergebnis ist er etwas filigraner und eleganter; aber auch der 89er zeigt eine wunderbare aromatische Tiefe mit runden, körnigen Tanninen. Die Aromatik ist ebenfalls dunkel, mit einer tollen Frucht (Kirschen, Brombeeren und Waldboden) sowie einer ansprechenden Fruchtsüße. Dies alles wird eingerahmt und durchzogen von malzigen Aromen, Zedernholz und einem Hauch Trüffel. Beeindruckend die aromatische Länge mit der er Mund und Rachen auskleidet. Auch hier ist keine Eile geboten, der Wein wird auf diesem Niveau noch etliche Jahre zu trinken sein.

1990 Barolo La Villa, Fratelli Seghesio – Piemont


93 Punkte - Die Brüder Aldo und Riccardo Seghesio haben erst Ende der 80er Jahre damit begonnen eigenen Wein abzufüllen. Vorher wurden die Trauben oder auch der Jungwein an Handelsbetriebe verkauft. Doch dann begannen sie den Wein selbst zu füllen und auf hohe Qualität zu setzen. So wurden nicht nur die alten Fässer zersägt und auf französische Eiche (600-700 Liter Fässer) gesetzt, sondern man reduzierte auch die Erntemenge erheblich (grüne Lese mit teilweise 50% Ertragsreduzierung und letztendlich nie mehr als 40hl Wein pro Hektar. Die internationale Weinszene entdeckte die Weine sehr schnell – auch dank der internationalen Weinjournalisten; Parker hat z.B. den Barolo La Villa in 14 Jahrgängen bewertet und nie mit wenige als 90 Punkten bewertet. Auch der Gambero Rosso ist stets voll des Lobes über die Weine der Gebrüder Seghesio. 

 

Noch mit dichter Farbe strömt der Wein in die Gläser und ein Duft aus Lakritz, Tabak, Waldbeeren und Kirschen umschmeichelt die Nase. Im Mund präsentiert er sich saftig und mit einer schönen Fruchtsüße; der recht hohe Speichelfluss deutet auf eine knackige Säure hin, die trotzdem gut eingebunden wirkt. Das gleiche gilt für die kräftigen Tannine. Der Körper ist kräftig, aber auf Grund seiner Anlagen ist der Wein in sich harmonisch und so dürfte der Barolo La Villa 1990 noch einen erhebliches Lagerpotential besitzen.

1989 Barbaresco Selezione Christa Klauke, Produttori del Barbaresco – Piemont


90 Punkte – Spannend war die  für die Buchautorin und (ehemalige) Weinhändlerin Christa Klauke gemachte Spezial-Abfüllung. Diese Flasche entstammte einem Fass (No.137), das ausschließlich für sie abgefüllt worden war. Wie ich gehört habe, gehörte sie einmal zu den recht bedeutenden Händlern in Deutschland und ihre Liebe galt dem italienischen Wein.

Die Nase zeugt von einem gereiften Nebbiolo klassischer Art, Anklänge an Trüffel, Liebstöckel, rote Beeren und Trockenblumen. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild; ein wirklich schön geschliffenes Tannin sowie die gut eingepasste Säure sorgen für ein harmonisches Gesamtbild; die gute Länge rundet dieses erfreulichen Weingenuss ab. Man darf davon ausgehen, dass für diese Spezialabfüllung ein wirklich gutes Fass gewählt worden ist. Allerdings war es im Jahrgang 1989 auch schwierig keinen guten Nebbiolo zu erzeugen. Wir haben noch länger darüber diskutiert, ob 1989 oder 1990 der bessere Jahrgang ist. Wenngleich in der Literatur 1990 die Nase leicht vorne hat, so waren wir uns am Tisch auf Grund eigener Erlebnisse einig, dass 1989 im Durchschnitt der etwas bessere dieser beiden großen Jahrgänge in der Langhe ist.

 

1994 Chardonnay Grand Select, Weingut Wieninger - Wien



85 Punkte
– Schon erstaunlich, wie stark dieser Chardonnay noch von jung wirkenden Holzaromen beeinflusst ist. Die Nase zeigt deutliche Barriquenoten, Buttertoffee, aber zu Beginn auch eine leichte Sauerkrautnote, die mit zunehmender Luft im Glas sich etwas abbaut und floralen Anklängen weicht. Der Eindruck, den dieser Wein in der Nase hinterlässt, ist intensiv, aber leider auch etwas grob. Am Gaumen ebenfalls laktische Noten, dazu eine schöne Citrus-Apfelfrucht mit guter Säurestruktur; recht langer Abgang. Ein Chardonnay im internationalen Stil, wie er lange en vogue war, heute aber eher unpopulär ist. Mit hat er trotzdem ganz gut gefallen und meine Hand ging durchaus zum Glas, auch wenn er insgesamt eher etwas  holprig geschnitzt ist; mit seinen 13,5% Alkohol ist er auch nicht zu fett.  

 

1988 Chardonnay, Bründlmayer – Kamptal


87 Punkte - „Der Chardonnay hat den internationalen Erfolg von Willi Bründlmayer jun. eingeleitet. In den 80-er Jahren gewann Bründlmayer Chardonnay auf der Weinmesse Vinitaly eine Verkostung der „besten Chardonnays der Welt“(Veronelli), obwohl er eigentlich von einem deutschen Journalisten nur als „Pirat“ eingeschleust worden war. Der internationale Ausbaustil hat seither zu einer individuellen Ausprägung gefunden mit fester Struktur und charmanter „österreichischer“ Frucht.“ (vgl. http://www.bruendlmayer.at/weine/weisswein/chardonnay_2002.php) Unglaubliche 21 Jahre hat dieser Chardonnay auf dem Buckel und er stand wunderbar im Glas. Der Wein verströhmte einen vielfältigen Duft, der mich an Waldhonig, Quitten, Äpfel und Crème Brûlée erinnerte. Die Nase ist finessenreich, am Gaumen konnte er das Niveau nicht ganz halten. Dennoch zeigt sich auch hier der Wein eher von der eleganten, filigranen Seite; sehr klar, mit feinem Schmelz – wirklich schön gereift. Heute arbeitet Willi Bründlmayer bei seinem Chardonnay mit Eiche aus der Region. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, ob dies damals auch schon der Fall war, denn irgendwie hatte der Weine deutlich etwas burgundisches, aber auch wieder nicht – vielleicht bringt hier auch das Holz eine deutlich lokale Note mit ein.

Baroloprobe und Österreich


Während meiner Urlaubswoche veranstaltete ein Freund in Hamburg mitten in der Woche überraschend eine formidable Weinprobe. Da es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass ich unheimlich gerne Altweine trinke und mein Herz besonders für den Nebbiolo schlägt, habe ich mich natürlich besonders gefreut, dass an diesem Abend - im Kreise besonders lieber Freunde – ein paar Preziosen auf den Tisch kamen. Bei Brot, Butter und Salz (eine blendende Ausstattung für Weinproben, wenn man sich auf die Wein konzentrieren möchte) begann unser genussreicher Abend mit zwei Weißweinen, die ich in diesem Keller so gar nicht vermutet hatte ;-) 

 

 

Sonntag, 07.06.2009

Bordeaux 1985 - kleine Horzontalverkostung


Einmal mehr war ich bei Freunden in Frankfurt zum Weintrinken eingeladen. Diesmal war klar, was auf den Tisch des Hauses kommen sollte: Bordeaux – denn die beiden Jungs haben erst kürzlich einen besonderen Deal gemacht und einen Weinschatz aufgekauft, der so ziemlich alles hergibt, was in der Zeit von 1982 bis 1990 Rang, Namen und viele, viele Punkte hat. Mein Mitbringsel, ein 1985er Chateau Cos d’Estournel  fügte sich an diesem Abend per Zufall perfekt in die kleine horizontale Verkostung ein, die von den jeweils „besseren Hälften“ intelligent und mit Fingerspitzengefühl für uns Jungs blind zusammengestellt worden war. Es gab (in der Reihenfolge der Nennung):

 

  • 1985 Chateau Grand Puy Lacoste, Pauillac
  • 1985 Chateau Latour, Pauillac
  • 1985 Chateau Cos d’Estournel , St. Estephe
  • 1985 Chateau Lynch Bages, Pauillac
  • 1985 Chateau Leoville Barton, St. Julien

 

Ein kleiner Hinweis vorab: Die verkosteten Weine stammten aus einem Top-Keller, den sie seit ihrer Lieferung nach dem Primeur-Einkauf nicht verlassen haben. Insofern liegen den nachfolgenden Notizen hervorragend konditionierte Flaschen zu Grunde.

 

Als warm up gab es einen weißen Wein-Kracher, der nicht lange fackelt, sondern mit dem man gleich von „Null auf Hundert“ in unter 4 Sekunden beschleunigt wird:


1998 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Bründlmayer – Kamptal

 

95 Punkte – Was für eine Rakete, bereits in der Nase bekommt man einen Eindruck von der brachialen Kraft und der Urgewalt dieses Weines. In der Nase schwingt zwar zu Beginn ein Hauch von flüchtiger Säure mit, aber dann erlebt man ein Feuerwerk von orientalischen Gewürzen, Rauch und weißem Pfeffer. Der erste Schluck kommt fast einem Anschlag gleich, denn der Wein brennt sich mit seiner krassen, ungemein salzigen Mineralität in der Zunge ein. Aber auch die Frucht ist nicht von schlechten Eltern: Noten von überreifen Äpfeln, Citrusfrüchten, viel Pampelmuse und Aprikosen sind nur ein paar Eindrücke, die man gewinnt, wenn man diesen ungemein dichten, feisten Wein kaut. Ein opulenter, brutaler Stoff, der trotz des hohen Alkohols und der leichten Botrytis noch ein langes Leben vor sich hat und der für mich eine Referenz des Grünen Veltliners darstellt. Mario Scheuermann hat mal zu diesem Wein geschrieben: „Auch dieser Wein sprengt mit seiner brachialen Kraft und Wucht jeden Rahmen und jede Konvention der Sorte. Dieser hat kein Pfefferl, sondern richtig Pfeffer. Neben einem solch faszinierenden Ungetüm müssen die meisten großen weißen Burgunder die Waffen strecken“ (vgl. Capital Weincompass, Mario Scheuermann). Den ersten Teil dieses statements kann ich voll und ganz unterschreiben, warum man jedoch dieses Weinunikat mit einem weißen Burgunder vergleicht, erschließt sich mir jedoch nicht, auch wenn dieser irre Stoff – trotz aller power und Aggressivität – eine innere Harmonie und Ausgewogenheit auf hohem Niveau besitzt.

 

 

1985 Chateau Grand Puy Lacoste – Pauillac

 

93 Punkte – Chateau Grand Puy Lacoste hat in der Dekade von 1980 bis 1990 langlebige Weine von hervorragender Qualität erzeugt. Einen Beweis mehr lieferte dieser schöne 85er, der in seiner Aromatik ganz typisch für dieses Chateau ist. Intensive, kräutrige und maskulin wirkende Nase mit Anklängen von frischen Trüffeln und Rauch (Asche eines ausgeglühten Lagerfeuers). Am Gaumen gerade aus mit schöner, klarer Frucht; vom Mundgefühl recht weich, mit Anklängen von roten Früchten, Lakritze und schwarzem Pfeffer. Ein in sich schlüssiger Tropfen, den ich gerne und mit viel Genuss getrunken habe. Auf diesem Niveau mindestens noch 5 Jahre.

 

 

1985 Chateau Latour – Pauillac

92-94 Punkte – Meine erste Begegnung mit Latour aus diesem Jahrgag und irgendwie bin ich mit mir nicht wirklich im Reinen: hat mir der Wein richtig gut gefallen hat oder nicht? Zu Beginn ein leichter Kellermuff; dann viele Kaffee-, Malz- (süßlich) und Marzipannoten. Mit viel Luft (dekantieren einmal mehr empfohlen) wird der Wein vielschichtiger und die Frucht blüht auf. Am Gaumen wirkt der Wein recht feminin, feinen Noten von Himbeeren und grünen Erbsen. Die Tannine sind rund und geschliffen; hinten heraus bleibt jedoch ein kleines Bitterle. Zu Beginn erstaunlich dicht und weich, aber irgendwie auch ein wenig richtungslos – der Wein hat noch ordentlich Alterungspotential, aber die Frage: „Findet er noch die klare Richtung und seine echte Latour-Seele?“ bleibt. Da er im Glas mit der Zeit ausbaute, bin ich zuversichtlich, dass bei gut gelagerten Flaschen noch 1-2 Punkte mehr drin sind. Für das viele Geld würde ich mir momentan lieber ein paar Flaschen Grand Puy Lacoste gönnen.

 

 

1985 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe

 

93 Punkte – Dieser Wein spaltete an diesem Abend ein wenig die Gemüter. Mein lieber Freund mir gegenüber punktete 88/89 Punkte und meinte er sei etwas verwaschen, mein Weinfreund zur Linken setzte ihn am Ende ein Tick über den noch folgenden 85er Leoville Barton. Ich hatte ihn mit 93 Punkten  punktgleich mit dem Leoville und damit deutlich jenseits der 90-Punkte-Grenze. Ich habe mir „androgyn“ notiert – einerseits ein dunkle, maskuline und mineralische Aromatik (Dörrobst, schwarze Oliven), andererseits eine vordergründige, saftige, weiche und weibliche Wärme sowie eine runde, üppige Frucht. Schwer zu verstehen, aber hinter der weichen, üppigen Frucht auch viel Struktur und etwas ruppige Tannine. Mit haben die Gegensätze gut gefallen.

 

 

1985 Chateau Lynch Bages – Pauillac

 

96 Punkte – Zwei Worte habe ich mir als Fazit in mein kleines Notizbuch notiert: „Sinnliche Schönheit“ Nein, nicht diese Hungerhaken, die man heute ständig auf irgendwelchen Modenschauen sieht, sondern uns hat an diesem Abend eine femme fatale begeistert. Schon das Bukett hatte ein unglaublich verschwenderisches Parfüm: reife Weichselkirschen, vielen süßlich-orientalischen Anklängen; eingefangen in einer Box aus edlem Zedernholz (Zigarrenbox, die den Duft der letzten Zigarren ein wenig bewahrt hat).  Am Gaumen saftige Fülle, sehr ausdrucksstark und ausladend. Intensiv, voller Körper und ziemlich sexy. Durchaus elegant, aber primär (im allerbesten Sinne) ein Kind der Bourgeoisie.

 

 

1985 Chateau Leoville Barton – St. Julien

 

93 Punkte – Zu Beginn sehr viel Kaffee- und Röstaromen, Zedernholz und Zigarrenkiste. Am Gaumen recht maskulin in seinen Anlagen: Röstaromen, das Tannin trocknet den Gaumen etwas an; auf der anderen Seite mit einer recht eleganten rotbeerigen Frucht und einer feinen, recht eleganten Süße. Aufgrund der sehr straffen Säure kann ich die Notiz von Rene Gabriel aus 1999 ganz gut nachvollziehen, wo er dem 85er Chateau Leoville Barton eine „Sangiovese-Affinität“ attestiert und ihn zum „Frankreich/Toskaner“ mutieren lässt. Da der Wein im Glas hinten heraus recht schnell abbaute, verstehe ich es auch, wenn man ihm noch ein oder zwei Pünktchen abzieht.  

Samstag, 30.05.2009

Clos Mogador - Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006


Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und - Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.


Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte - Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein - in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien - daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte - Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.


Mittwoch, 27.05.2009

1999 La Porte du Ciel, Chateau de la Negly – Coteaux du Languedoc / „Ma(n)ifest Nr.13“

 

94 Punkte - ich war und bin ein großer Freund des La Falaise, diesem preis-WERTEN Wein von Jean Rosset, dem Eigentümer von Chateau de la Negly. Seine „Himmelspforte“ spielt deutlich eine Liga höher, aber der Top-Zuschlag für das Trinkvergnügen in der Champions League ist doch erheblich.

Tief und fast schwarz steht der Wein im Glas. Immer wieder fasziniert mich bei dieses Weinen aus dem Süden Frankreichs (La Clape) die Kombination aus hohem Alkohol und der eher kühlen Stilistik am Gaumen und in der Nase. Auch die 99er Himmelspforte hat laut Etikett 14,5% Alkohol (tatsächlich wohl eher noch einen Schnaps mehr), verführt aber gleichzeitig mit ihrer kühlen Art. Die Aromatik ist geprägt durch eine tiefe, saftige Frucht mit viel Lakritz- und Kräuternoten, dazu etwas Schokolade und Kokos (wohl vom Fassausbau), Brombeeren, Minze und Menthol. Der Wein besitzt eine dezente Bitternote, die jedoch nicht aus unreifen Tanninen oder dem Holz kommt, sondern wohl eher dem Boden zuzuschreiben ist. Die Tannine sind herrlich weich und feinkörnig und der Wein hinterlässt einen langen, samtigen Eindruck am Gaumen.

Dienstag, 26.05.2009

1996 Oberhäuser Brücke Riesling Eiswein, Hermann Dönnhoff – Nahe / „Ma(n)ifest Nr.12“

 

95 Punkte – Dieser Wein sieht aus wie eine mit Wasser verdünnte Coca Cola; bernsteinfarben. Auch wenn man wegen der Farbe schon mal die Stirn runzeln kann, so ist man nach der ersten Annäherung an das Glas doch vollkommen geläutert. Schon in der Nase bekommt man einen Eindruck von der Urgewalt und Komplexität dieses Weines. Einmal im Mund entfaltet sich ein Aromenfeuerwerk, wie ich es bislang selten erlebt habe. Die süße Frucht (exotische Früchte, Zwetschgenröster, Kirschen) ist unterlegt mit einer glockenklaren und intensiven Säure, die jedoch – dank der herrlichen Fruchtsüße – ein frappierendes Spiel entwickelt, dass in einem furiosen, lange am Gaumen anhaltenden Finale endet.

 

Laut der Info edlen Spenders hat Hermann Dönnhoff mehrere Eisweine in diesem Jahrgang seiner Lager Oberhäuser Brücke abgerungen; Nr. 28 hatte mit 250° Öchsle nicht nur den höchsten Zuckergehalt, sondern war auch mit 99 Punkten Siegerwein im Gault Millau 1998 im Bereich der edelsüßen Gewächse. Der Traumstoff bei uns im Glas wurde wohl ein paar Nächte früher geerntet und hatte ursprünglich ein Mostgewicht von 210° Öchsle.

Samstag, 23.05.2009

1997 Insignia, Joseph Phelps - St. Helena (Napa Valley) / „Ma(n)ifest Nr.11“

 

96 Punkte - Innerhalb von 4 Wochen der zweite Jahrgang dieses großen, bekannten Kaliforniers. Hatte ich den 95er schon mit sehr guten 94 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=414), so waren diesmal noch 2 Punkte mehr im Glas. Ein Schmackofatz – Wein allererster Güte. Tiefe Farbe; dunkel und ganz dicht stand er im Glas vor uns und strahlte uns an. Von der Aromatik ein Charmeur, ein Schmeichler, ein Don Juan – und dann das ganze auch noch im Smoking für den großen Auftritt am Abend. Und nicht völlig neidfrei muss ich kontestieren, dass er auch den nötigen Tiefgang besaß.  Jede Frau hätte an diesem „Beau“ mit Scharm und Charakter ihre wahre Freude.

 

Nicht ganz uneigennützig habe ich entschieden, dass mir dieser Typ nicht in mein Haus kommt. Oder anders ausgedrückt, dieser Ausbund aus Kraft, Saft, Frucht und Schmelz, umhüllt von einem edlen Zwirn, der hier und da den kräftigen Körper nicht verdeckt, werde ihn meiner Herzdame vorenthalten; sonst bin ich den ganzen Abend abgemeldet.

 

Nicht so schwärmerisch formuliert liest sich das dann so: Dichter, saftiger, geschmeidiger und fruchtbetonter (u.a. Cassis & Heidelbeeren) Wein, der mit seinen Lakritz- und  Kräuteraromen aromatisch komplex wirkt. Der  an Vollmilchschokolade erinnernde Schmelz ergänzt sich gut mit der schönen Süße, die den Speck zwischen Rippen (bestehend aus reifen, feinsandigen Tanninen) bildet.  Harmonisch und balanciert; mit guter Länge.

Freitag, 22.05.2009

1945 Chateau Pontet Canet – Pauillac / „Ma(n)ifest Nr.10“

 

98 Punkte – Chateau Pontet Canet spielt mit seinen Weinen seit Ende der 90er Jahre wieder in der ersten Erste Liga von Pauillac, wenn nicht gar in Bordeaux. Doch die Durststrecke bis dahin war lang.

Grundsätzlich mag ich diesen Stil von Bordeaux. Ein Pontet Canet ist stets ein maskuliner, dunkler Wein mit straffen, teilweise auch etwas rauen Tanninen, aber auch mit Tiefe und Substanz. Wie jedoch ein 45 sein würde, konnte ich mir bislang nicht vorstellen, denn einen älteren als den recht bescheiden 86er hatte ich noch nicht im Glas. Von der Farbe deutlich gereifter als der davor getrunkene 50er Cheval Blanc, aber dann mit tiefer, dunkler und immer noch fester Aromatik – wirkt fast noch ein bisschen jugendlich. Noten von Baumrinde, Tabak, Zigarrenkiste, Eukalyptus, Minze und einer erkennbaren Erdigkeit / Mineralik, die ich so bei einem jungen Pontet Canet noch nie erlebt habe. Überzeugend auch die Frische, die sich bis in den langen Abgang durchzieht.

 

1950 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / „Ma(n)ifest Nr.9“

 

 

97 Punkte - Was für ein Farbe: fest und leuchtend; zeigt kaum Alterserscheinungen. Der Wein war bereits seit über einer Stunde in der Karaffe, aber erst über den Abend verteilt zeigt er seine wirkliche Klasse. Zu Beginn hatte er einen deutlichen Muffton, ich hielt es sogar für einen Kork, aber mit der Zeit verschwand dieser Eindruck und es öffnete sich eine wunderbare, weitläufige  Aromenvielfalt: z.B. Zigarrenbox (Tabak und Zedernholz), eine feine, pflaumige Frucht, etwas Minze – opulent und vielschichtig. Am Gaumen wunderbar sanft und weich - mit noblen, seidigen Tanninen ausgestattet. Trotzdem noch unglaublich jung, konzentriert und druckvoll. Es war kaum zu fassen, dass da ein fast 60 Jahre alter Wein vor uns stand. Sehr langer und komplexer Abgang. Wer hier nicht „fliegen“ lernt, braucht sich wohl nicht weiter zu bemühen.

 

Wer die Chance besitzt sich so einen Wein einmal selbst zu kaufen, sollte nicht den Unsinn betreiben und aktuelle Jahrgänge erwerben. Diese sind meist genauso teuer, wie gereifte Flaschen aus guten oder gar großen Jahren, bieten aber wesentlich weniger Trinkgenuss. Der aktuelle Jahrgang 2008 kostet aktuell in der Subskription ca. Euro 350,- pro Flasche. Abgesehen davon, dass man so das Insolvenzrisiko des Händlers über die nächsten zwei Jahre bis zur Auslieferung der Flaschen trägt, dürfte sich – wenn überhaupt – ein vergleichbarer Trinkgenuss frühestens in 20 Jahren einstellen. Der Wein wird dann höchstwahrscheinlich köstlich sein, aber wer weiß schon, ob man da die Radieschen nicht schon von unten anschaut.

Donnerstag, 21.05.2009

1955 Chateau Lafleur – Pomerol / „Ma(n)ifest Nr.8“


99 Punkte –  Wer hat die Krone von Pomerol ? Als Antwort auf diese Frage erhält man nicht von wenigen Weinkennern die Antwort: Petrus oder Lafleur – einer von beiden hat sie immer auf. Meine Trinkerfahrung ist allerdings nicht ausreichend groß (mein Geldbeutel übrigens auch nicht), dass ich mir dazu ein echtes Urteil erlauben könnte. Vielleicht auch nur aus diesem Grund kommen mir noch ein paar Chateaus in den Sinn, denen ich in einigen Jahrgängen die Poole zutrauen würde.

 

 


Doch im ´55er Jahrgang ist es mir unmöglich vorzustellen, dass es irgendeinen Wein geben könnte, der es vermag das zu toppen, was ich da im Glas hatte. Feinste Kräuteraromen, vielschichtig aufgefächert, fein und delikat; dazu Teer, ein Hauch (rote) Frucht, Sandelholz, feinsandige Tannine und eine (rote) Süße, die den Gaumen so umschmeichelt, dass man Gänsehaut bekommt - WUNDERSCHÖN !! Ein Wein zum Verlieben: grazil und berauschend, wie eine bunte Sommmerwiese voller Wildblumen.  

1959 Nuits-St. Georges, Masson-Dubois (Abfüllung von Hubert Kehren, Saarbrücken) – Burgund / „Ma(n)ifest Nr.7“

 

92 Punkte – 1959 war im Burgund ein Jahrhundertjahrgang und wohl auch der Grund, warum dieser Wein noch so sensationell im Glas stand. Trotz intensiver Recherche konnte ich weder zum Erzeuger noch zum Abfüller in Saarbrücken befriedigende Informationen sammeln.

Zu Beginn in der Nase Aromen von verbrannten Gummireifen – dahinter florale Aromen, etwas Kaffee und eine erstaunliche Himbeerfrucht am Gaumen. Der Wein besitzt noch eine ausgezeichnete Struktur – mit einer schönen inneren Spannung sowie einer herrlichen, mürben Süße. Ein Wein für Genießer.

1986 Hermitage – Jean Louis Chave – nördliche Rhone / „Ma(n)ifest Nr.6“


91 Punkte - Jean-Louis Chave und vor allem sein Vater Gérard gehören zu den großen Weinmachern Frankreichs, Robert Parker zählt sie gar zu den besten Weinmachern weltweit. Bislang hatte ich weder das Vergnügen sie zu treffen, noch habe ich die Region je bereist. Dies steht jedoch ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste. Darin liegt auch der Grund, warum ich hier nicht viel über das Weingut und die Weinbereitung schreiben kann. Details gibt es z.B. in  Robert Parkers Buch „Rhone“ zu lesen. Einen kleinen Hinweis möchte ich jedoch geben, der für das Verständnis der Weine von Chave nicht ganz unwichtig ist. Vater und Sohn halten sehr viel von der traditionellen Weinbereitung - Technik spielt in ihrem Keller eine sehr untergeordnete Rolle.

Da der Jahrgang 1986 an der nördlichen Rhone nicht gerade zu den Glanzpunkten zählt, war ich umso mehr gespannt, was man hier dem Jahrgang abgerungen hat. Auch diesen haben wir blind getrunken und es lagen so ziemlich alle „Mittrinker“ am Tisch (incl. Meiner Wenigkeit, der diesen Wein zur Verkostung angestellt hatte) daneben, als es um die Bestimmung der Provenienz ging. Zu Beginn zeigten sich viele Kaffee- und Kräuteraromen und die meisten waren im Bordeaux unterwegs. Am Gaumen ebenfalls viele, eher dunkel anmutende Kräuter, das Wort „Ricolasüße“ fiel, was als Ausdruck dieser Kräutrigkeit in Verbindung mit einer eher feinen, delikaten Süße eigentlich ganz gut passte, wenn auch die Bonbons deutlich süßer sind. Dieser Wein ist kein Schwergewicht, am Gaumen recht weich und entwickelt, dennoch zeigte er – trotz des rech kleinen Jahrgangs - eine gewisse Eleganz. Wer noch Restbestände hat, sollte sie jetzt trinken.

 

1964 Lanson Champagner Black Label – Champagne / „Ma(n)ifest Nr.5“


82 Punkte - Aus akademischer Sicht eine überaus spannende Erfahrung war dieser schon sehr gereifte Champagner aus einem der großen Häuser. Alt-Rosa in der Farbe; einem Vin Pétillant gleich, war eine Perlage fast nicht auszumachen. Am Gaumen dann ein leichter Bitterton; die Sherrynoten sowie die schon etwas arg in den Vordergrund gerückte Säure haben bei mir keine echte Trinkfreude aufkommen lassen. 

1971 Bernkasteler Badstube Riesling Eiswein Auslese, Weingutes der Pfarrkirche Bernkastel – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.4“

 

92 Punkte - Überraschende Farbe: Kupferfarben mit bernsteinfarbenen Reflexen, strahlend, klar. Aufregende Nase mit Noten von Orangeat, Aprikosen und Nussecken. Am Gaumen glockenklare Frucht, mit tollem Süße-Säure-Spiel, schöner Frische und Noten von Apfelkompott; Crême Brulee und Orangenmarmelade. Baut im Glas aus; mit langem Nachhall im Abgang. Eine sehr interessante Erfahrung !

Mittwoch, 20.05.2009

1983 Erbacher Marcobrunn Riesling Auslese, Weingut Langwerth von Simmern – Rheingau / "Ma(n)ifest Nr.3"

92 Punkte - Dieses Traditionsweingut liegt im schönen Eltville am Rhein und blickt wahrlich auf eine lange Geschichte (http://www.langwerth-von-simmern.de/deutsch/geschichte.htm) zurück.

Wahrscheinlich noch viel mehr Geschichten könnte man über die Lage Marcobrunn erzählen. Sie gehört seit Jahrhunderten zu den allerbesten Weinbergslagen in Deutschland. Bereits im 12. Jahrhundert ist sie in einem Lehensverzeichnis namentlich als „marcoburnen“ erwähnt, ab 1275 auch als "markenborne".  Der Name kommt von "marka" (= Grenze) und bezeichnet einen Brunnen an der Gemarkungsgrenze Erbach-Hattenheim. Als die Erbacher um 1810 den Brunnen mit einer klassizistischen Umrahmung schmückten, schrieben sie auf den oberen Abschluss "Marcobrunnen Gemarkung Erbach". Die darüber eben nicht erfreuten Hattenheimer ließen diese komplette Vereinnahmung durch die Erbacher nicht zu und schrieben – nicht ganz humorfrei - auf ihrer Seite des Brunnens: "So ist es richtig und so soll es sein. Für Erbach das Wasser und für Hattenheim den Wein!" 

Viele berühmte Personen aus aller Welt besuchten diesen Weinberg und nahmen die feinsten Gewächse mit nach Hause. Ziemlich unerreicht in seiner Begeisterung über die Weine aus dieser Lage dürfte wohl Zar Nikolaus II gewesen sein, denn es wird berichtet, dass er fast den gesamten Jahrgang 1893 an den russischen Hof liefern lies. Höchstwahrscheinlich sind Teile davon auch direkt in den weltberühmten Massandra-Keller zur weiteren Lagerung geleitet worden. Zar Nikolaus II hatte ihn in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts an der Krim anlegen lassen. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges bekam die Welt einen Eindruck, welch unermesslicher Weinschatz in diesen riesigen Kellergewölben angehäuft worden ist, denn das Weinauktionshaus Sotheby’s hatte es geschafft, einen Teil des Kellers zu akquirieren und im Rahmen von weltweit beachteten Auktionen zu versteigern.

Unsere 83er Riesling Auslese funkelte im Glas und präsentierte sich auch in der Nase reintönig und glockenklar. Am Gaumen ein schönes Spiel von gelben Früchten (Pfirsich und süße Ananas), Mineralität, Säure und Süße. Insgesamt immer noch jugendlich frisch, animierend und wunderbar ausgewogen. Auf mich wirkte der Wein überaus animierend und meine Hand ging zum Glas.  

 

 

 

 

 

1989 Meringer Zellerberg Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / "Ma(n)ifest Nr.2"

Hier zeigt sich der Unterschied der Lage, vom gleichen Winzer und aus gleichem Jahrgang, aber nicht von gleicher Güte wie die Auslese aus der Trittenheimer Apotheke. Gelbe Früchte, aber etwas undifferenziert.


84 Punkte  -

1989 Trittenheimer Apotheke Goldkapsel Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / "Ma(n)ifest Nr.1"

 

88 Punkte – Diese oberleckere Auslese Goldkapsel aus einer richtig berühmten und wunderschönen Lage (einen Besuch von Trittenheim und der Moselschleife kann ich jedem Naturliebhaber und Genussmenschen nur empfehlen) gehört in die Kategorie Einstiegsdroge. Sollte es wirklich noch jemand da draußen geben, der für kleines Geld (€12,- im Restaurant Schorn käuflich zu erwerben) mal wissen möchte, wie ein klassischer Moselriesling reift, der sollte hier zugreifen. Und wer sich etwas mehr Mühe machen möchte geht selbst auf die Pirsch nach solchen Goldschätzen, denn es gibt immer noch eine Vielzahl kleiner Winzerbetriebe, die in keinem Weinführer gelistet sind, die eine Vielzahl von Flaschen aus sehr guten Jahren im Keller liegen haben, die es zu entdecken gilt. Hinfahren, Probieren und die schönsten Wein mit nach Hause nehmen.

 

Diese Goldkapsel war im besten Sinne „trinkig“, ganz zarter Petrolton, Citrusaromen, gelbe Früchte, ein bisschen exotische Frucht, schönes Säure-Süße-Spiel, straff und immer noch herrlich frisch; dabei recht differenziert und klar in der Aromatik.

 

Ma(n)ifest der reifen Weine

 

Das zweite Maiwochenende 2009 wird als eines der genussreichsten in meine persönliche Wein- und Trinkgeschichte eingehen: Die Weine an diesem Abend haben (mir) endgültig klar gemacht, dass man die ganz, ganz großen, die Sinne berauschenden Momente (und ich spreche hier nicht vom Alkohol ) meist nur mit gereiften Gewächsen erleben kann.

 

Die Runde tagte – wie gewöhnlich – im Schorn (in der Martinstrasse in Düsseldorf) und Franz Josef kochte dieses mal mit junger Unterstützung und so genossen wir ein wunderbar komponiertes, leichtes Frühjahrsmenü. Seine bezaubernde Tochter war für uns im Service unterwegs und ich denke, dass dieses junge Duo die Energie und den notwendigen Spaß an der Sache haben wird, um das „Schorn“ wieder dahin zu führen, wo es - auf Grund der Klasse der Küche – seit je her hingehört: in die Münder des Düsseldorfer Publikums.

 

Gestartet wurde mit zwei Weinen, die Franz Josef erst kürzlich erstanden hat und die man für kleines (!) Geld bei ihm kaufen oder im Restaurant genießen kann.

 

Samstag, 16.05.2009

1929 Chateau Branaire Ducru – Saint Julien

 

82 Punkte - Die Jahrgänge 1928/1929 sind als Zwillinge für hervorragenden Bordeaux in die Geschichte eingegangen. Michael Broadbent schreibt zum Jahrgang: „Der Inbegriff von Eleganz. Wesentlich frühere Blüte als beim tanninreichen Jahrgang 1928. Kann bei guter Lagerung immer noch überragend sein. Juli, August und September waren heiß, vor der Lese gab es im September willkommene Regenfälle. Das reduzierte Tannin, Alkohol und Säure, der Charme allerdings blieb erhalten.“ Mir erscheint diese Wetter-/Regenargumentation nicht ganz schlüssig, aber nichts desto trotz, der 29er Jahrgang gilt als groß.

Groß war bei mir eher die Erwartung, denn diese Flasche hatte ich zur Verkostung angestellt und als letzte des Abends sollte sie besonders schön sein. Doch leider wurden wir enttäuscht. Die Farbe war zwar noch erstaunlich fest und dicht, doch bereits die Nase war unerfreulich. Am Tisch murmelte jemand etwas von „Abwasser-Gulli“ – das war zwar hart, aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Auch wenn dieser erste Eindruck mit etwas Luft verflog, so blieb der nasale Eindruck zerfahren. Einerseits war da ein interessante, dezent malzige Süße, andererseits auch etwas flüchtige Säure und Liebstöckel. Am Gaumen etwas besser, aber die Säure wurde ein bisschen allein gelassen und stand so zu sehr im Vordergrund. Trotzdem bot der Wein Aromen, die man nur schwer in Worte fassen kann und die irgendwie auch interessant waren. Bleibt man jedoch ehrlich, blieb der Wein eher akademisch und es waren nicht mehr als 82 Punkte im Glas.

 

Donnerstag, 14.05.2009

1961 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe



94 Punkte - Allgemeine Infos über solch berühmte Weingüter braucht man hier nicht zu schreiben, mehr als Plattitüden würden nicht dabei rauskommen. Interessanter ist dann schon das Studium einzelner Verkostungsnotizen, insbesondere wenn im Mittelpunkt ein so großer Jahrgang wie 1961 steht. Da ich jedoch bei fast allen Proben nicht im Vorhinein weiß, was mich erwartet, betreibe ich ein „Nachstudium“. Eine allseits beliebte Quelle ist die Internetpräsenz vom Weintermiantor Dr. Achim Becker (www.weinterminator.de). Doch noch lieber nehme ich das Buch von Pekka Nuiki „Drinking Hinstory“ zur Hand. Viel mehr als reine Verkostungsnotizen findet man da zwar nicht, aber die künstlerische Gestaltung und seine Art von Fotografie sind unbeschreiblich schön und ästhetisch. Eine Kostprobe davon kann man auch in der von ihm herausgegebenen Weinzeitschrift „Fine – Das Weinmagazin“ bekommen. Interessanterweise ist in der aktuellen Ausgabe 1/2009 auch eine des 61er Bordeaux-Jahrgangsverkostung beschrieben, die der von Nuiki gegründete Weinclub (The Vine Club) im Jahr 2008 veranstaltet hat. Dort ist folgendes zum 61er Cos d’Estournel zu lesen: „Mitteltiefes gelb-bräunliches Rot. Wenig ausgeprägtes, aber sehr elegantes Bukett von schwarzen Johannisbeeren, Nüssen, Zeder, Rauch und Spuren von Veilchen. Mittelschwer am Gaumen mit weichen Tanninen und lebendiger Säure. Dem mäßig langen Nachhall, der von verhaltenen Tabak- und Zedernnoten dominiert ist, fehlt es ein wenig an Frucht. Ein sehr geschmeidiger Wein, elegant und zart. Der Wein bereitet jetzt einen großen Trinkgenuss, von weiterem Lagern wird abgeraten. 90 Punkte“

 

Sein Fazit ist so ziemlich diametral entgegengesetzt zu seiner Notiz, die er in seinem Buch (S.268) niedergeschrieben hat: „In exzellentem Zustand. Schlossabfüllung, die in 1996 wieder verkorkt worden war. Gute tiefrote Farbe ohne Zeichen des Alters. Sehr offenes und makelloses Bukett. Groß und kraftvoll, noch tanninhaltig. Üppig, komplex und bereits in einer guten Balance. Noch etwas geschlossen und hart. Gut gemachter Wein, der noch eine große Zukunft vor sich hat. (…) 93 Punkte/ Jetzt und bis 2020/Zuletzt verkostet 5/2004“

 

Wenn man diese beiden Notizen liest, kommt man schon ein wenig ins Grübeln. Klar in diesem Alter gibt es riesige Flaschenvarianzen und nichts entscheidet mehr über die Genussfähigkeit eines so alten Weines wie die Lagerung, aber dann sollte man auch erkennen, dass Trinkempfehlungen bei solch alten Flaschen Blödsinn sind. Auch ein anderer Punkt sollte nicht ganz unbeleuchtet bleiben: Das Nachverkorken auf den Chateaus geht für gewöhnlich mit dem Auffüllen des bereits eingetreten Flaschenschwundes mit aktuellen Jahrgängen einher. Ich halte nicht viel davon, da der alte Wein in seiner Substanz doch maßgeblich beeinflusst wird.

 

Genug über andere geschwafelt, die Wahrheit liegt im Glas… Unsere an Karfreitag getrunkene Flasche korrelierte eher mit den Erfahrungen von Pekka Nuiki, die er in seinem Buch beschrieben hat. Unser 61er Cos präsentierte sich für sein Alter sehr jugendlich, mit mittlerem Körper und ausdrucksvoller Aromatik. Insbesondere die zarten Noten von Eukalyptus und Minze verliehen ihm eine frische und zugleich elegant anmutende Art. Ein ziemlich kompletter Wein, der insbesondere durch seine Harmonie und große Länge geglänzt hat.

Samstag, 02.05.2009

1995 Insignia, Joseph Phelps - St. Helena (Napa Valley)


94 Punkte - Das Weingut „Joseph Phelps Winery” liegt östlich von St. Helena im kalifornischen Napa Valley. Der Bautunternehmer Joseph Phelps nutze wohl – wie viele Industrielle in dieser Zeit - die neuen Steuergesetze, wonach Investitionen in die Landwirtschaft besonders abgeschrieben werden konnten und gründete 1972 sein eigenes Weingut. Etwas romantischer klingt die Version, dass er ins  Napa Valley kam, um für einen Kunden eine Kellerei zu bauen und er dabei auf den Geschmack und zu der Erkenntnis kam, dass Weinmachen die attraktivere Beschäftigung sei.

Der INSIGNIA ist auch das Bindeglied zu einem Rheingauer, der 1961 nach Amerika ausgewandert ist:  Walter Schug war seit der Gründung des Weingutes bei Phelps als Weinmacher beschäftigt und verantwortete dort nicht nur den ersten  Jahrgang (und weitere) des INSIGNIA, sondern auch die „Napa Grand Crus“ Backus und Eisele Vineyards. Erst als er 1980 – noch als Angestellter von Phelps – beschloss seiner eigentlichen Passion/Mission nachzugehen, nämlich große Pinots im Napa Valley zu erzeugen, verließ er das Haus Phelps und machte sich in den folgenden Jahren endgültig selbständig. Für den von uns verkosteten 95er Jahrgang war bereits Damian Parker verantwortlich,  der schon 1981 zum Team gestoßen war.  

 

Wie nach seinem Vorbild, einem Grand Cu Classe Bordeaux vom linken Ufer, bestand der Blend für den INSIGNIA in den Jahrgängen 1974 bis 1994 stets aus einem großen Anteil Cabernet Sauvignon, verschnitten mit unterschiedlichen Anteilen Merlot und Cabernet Franc. In 1995 ist der CS-Anteil (nach dem 76er) mit 90% am zweithöchsten von allen bisherigen Jahrgängen und weist erstmals einen kleinen Anteil (3%) Petit Verdot auf; die restlichen 7% sind Merlot. Seit 1992 ist der Cabernet Franc (0% bis max. 2%) so gut wie nicht mehr enthalten. Dafür wird neuerdings (erstmals in 1999) ein kleiner Anteil Malbec in die Cuvee (bis 3%) verschnitten.

 

Dieser „fast“ reine Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 1995 protzt mit einer kraftvollen, fast schwarzen Farbe. Am Gaumen ist der Wein dicht und zeigt viel Extrakt. Neben der schönen Frucht (Wald- und Brombeeren), verleihen ihm die Noten von Tabak, Kohle und Leder Komplexität und die Anklänge an Eukalyptus und Minze sorgen dafür, dass der Wein jung und frisch wirkt und meine Hand klar zum Glas geht. Die ausgereiften Tannine verleihen ihm Struktur und seine feine Saftigkeit erhöht die Trinkfreude. - In jeder hochkarätigen Bordeauxprobe dürfte ihm ein Platz im Vorderfeld oder gar auf dem "Treppchen" sicher sein. In dieser Form übersteht er weitere 7-10 Jahre Kellerlager sicherlich locker, eventuelle ist auch deutlich mehr drin. Aktuell sollte er dekantiert werden.

Freitag, 01.05.2009

1990 Cabernet Sauvignon Martha's Vineyard, Heitz Wine Cellars - Napa


94 Punkte - Von Martha's Vineyard habe ich schon viel gehört und gelesen; insbesondere vom legendären 74er Jahrgang  hat mir der eine oder andere Weinliebhaber so vorgeschwärmt, dass mir umgehend das Wasser im Munde zusammen lief. Da man jedoch nicht alles sammeln und kaufen kann, ist Kalifornien nach wie vor in meinem Keller kaum vertreten - obwohl ich immer wieder feststelle, dass mir der Stil der großen kalifornischen Gewächse sehr gut gefällt.

Die 90er Ausgabe ist kühl und dunkel vom Stil, besitzt einerseits ein runde, feine Süße, andererseits auch eine gute (Tannin-)Struktur, sodass die Frucht (eher dunkelbeerig, Eukalyptus, Minze, ein wenig malzig) sehr gut getragen wird und der Wein ein harmonisches Bild abgibt. Besonders gut gefällt mir das schöne Spiel, die runden, feinkörnigen Tannine und die subtile Süße; der Wein wirkt rund und gleichzeitig elegant. Momentan unglaublich sexy und ich denke, dass der Wein aktuell perfekt zu trinken ist - besser wird er nicht mehr, aber das Niveau wird er sicherlich noch ein paar Jahre halten.


Infos über das Weingut gibt es reichlich auf der wunderschön gestalteten homepage (http://www.heitzcellar.com). Vom Einkauf direkt ab Erzeuger in den U.S.A. kann ich aus eigener Erfahrung jedoch nur abraten, denn die Kalkulation mach man in der Regel ohne den deutschen Zoll und der schlägt dann mächtig zu :-((

Mittwoch, 29.04.2009

15. Mai - Rene Barbier von Clos Mogador (Priorat) in Düsseldorf


Am 15.Mai gibt es die hervorragende Chance einen der ganz großen Weinmacher Spaniens persönlich kennenzulernen. René Barbier kommt nach Düsseldorf, um im Weinland Mövenpick (Herzogstrasse 29-31, 19.30 Uhr; Tel. 0211- 9944877) seine großen Weine Clos Nelin, Manyetes und CLOS MOGADOR vorzustellen. Darüber hinaus hat er seine Olivenöle im Gepäck, die man getrost zu den besten Ölen Spaniens zählen darf.

 

René Barbier gehört zu den Pionieren des PRIORAT. Er und eine kleine Gruppe von „Sehenden“ haben Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre das Potential dieser in Vergessenheit geraten Region, mit teilweise uralten Rebanlagen wieder entdeckt. Bis zu dieser Zeit fristete die Region, mit ihren kargen, felsigen Böden ein karges Dasein; viele der jungen Leute wandten sich ab und verließen die Heimat, um das Glück in Barcelona und anderen Städten zu suchen. Doch mit dem kometenhaften Aufstieg von Weinen (der Jahrgang 1989 zählt dabei als Geburtsstunde), die heute zu den weltweit gesuchten Pretiosen gehören, haben René Barbier, Josep Lluis Pérez und eine Handvoll anderer Weinmacher es geschafft, das Priorat in die Gruppe der bekanntesten und berühmtesten Weinanbauregionen Spanien zu führen. Das Priorat ist heute ein Synonym für (Rot-)Weine, die für Individualität und Größe und Eleganz stehen. Wer etwas mehr über Land, Leute und die Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich die folgende Seite: http://www.gratallops.com

 

Doch das Leben von René Barbier verlief nicht immer einfach. So darf er bis heute nicht unter seinem Name die Firma führen, mit der er seine Weine vermarktet. Während der Rumasa-Zeit (vgl. http://www.zeit.de/1983/10/Enteignung-kurz-vor-Zwoelf) starb Renés Vater. Durch eine Kette widriger Umstände gelangte die vor über 100 Jahren von seiner Familie gegründete Firma "René Barbier" und der Privatbesitz der Familie in das Eigentum von Segura Viudas und später von Freixenet. Zu dieser Zeit studierte René gerade in Frankreich und konnte René nach seiner Rückkehr nicht in das Familienunternehmen zurück, sondern er arbeite bis zur Gründung seiner Bodega bei Palacios in der Rioja, wo er auch den jungen Alvaro Palacios kennen lernte, den er ebenfalls für das Priorat begeisterte und der heute ebenfalls zu den erfolgreichen Erneuerern des Priorat zählt.

 

Die Bodega von René Barbier firmiert heute unter "Clos Mogador S.C.C.I." und die Jahresproduktion liegt bei ca. 20.000 Flaschen.

 

Der Clos Nelin ist ein Weißwein, der aus den Rebsorten Garnacha Blanca (Grenache blanc), Viognier, Marsanne, Macabeo und weiß gekeltertem Pinot Noir gekeltert wird. Bis dato habe ich den Wein noch nicht verkostet, aber irgendwo einmal gelesen, dass er wie eine Kreuzung aus weißem Chateauneuf du Pape und weißem Hermitage schmecken soll.

 

Der Manyetes ist ein Cuvee, die überwiegend aus Carinena (ca. 65%) und einen größeren Anteil Garnacha (ca. 25%) sowie kleineren Mengen von Cabernet Sauvignon und Syrah (zusammen ca. 10%) besteht. Der überwiegende Anteil im  Flagschiff CLOS MOGADOR  entstammt von alten Garnacha-Reben, die mit einem größeren Anteil Carinena und kleineren Mengen Syrah und Cabernet Sauvignon vermählt werden.

 

Meine Notizen dieses sicherlich spannenden Weinevents folgen……

Sonntag, 19.04.2009

2001 Chateau Gloria - St. Julien

 

87 Punkte – habe ich mir bei diesem Wein notiert. Dazu habe ich in mein kleines Notizbuch, das ich stets am Mann trage, wenn ich zu Weinveranstaltungen unterwegs bin, folgendes geschrieben: Kaffee, Tabak, viel Karo-Kaffee, sehr dunkel in der Farbe. Am Gaumen ebenfalls dunkle Frucht von Pflaumen und Schwarzkirschen; angenehme Frische und runder, recht weicher Ansatz. Kein großer Wein, aber klar, geradeaus und gut zu trinken.

 

Beim kleinen cross-ckeck mit den Ergüssen der bekannten Weinjournalisten las ich bei Rene Gabriel: „04: Aufhellendes Rubin-Granat. Reduktives, schwierig anzugehendes Bouquet; Phenol- und Leimton, gewisse Wildbretaromen. Im Gaumen weich, rote Pflaumen, zeigt jetzt schon erste Schokonoten und endet mit einem gewissen Humustouch, wird sich eher schnell entwickeln und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden. 16/20 2006-2018“. (Vgl. Rene Gabriel, Bordeaux Total, S. 133, WeinWisser Verlag (Anmerkung des Autors: Rene Gabriel bewertet nicht nach der 100 Punkte Skala, sondern mit maximal 20 Punkten)) Es ist absolut normal, dass verschiedene Verkoster zu verschiedenen Punktwertungen kommen können - meist sind die Differenzen klein, ab und an auch mal größer. Wie aber bitte schmeckt „artisanal“???????

 

Mit meinen bescheidenen Sprachkenntnissen habe ich das Wort in „artis“ und „anal“ zerlegt und frei übersetzt „Am/Im Arsch der Kunst“ – aber da stellt sich doch gleich die nächste Frage: Wie schmeckt so etwas? Ne,ne,ne, da bin ich wohl auf dem Holzweg.

 

Mal sehen was raus kommt, wenn man diesen Begriff googelt. Siehe da, der erste Eintrag stammt von Wikipedia – das verspricht Aufklärung! Da steht dann: „Artisanal ist eine der zugelassenen Herstellungskategorien der französischen Appellation d'Origine Contrôlée für Käsesorten. Hierbei muss der Käser die Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen verwenden, die auf seinem Hof gehalten werden. Anders als bei der Fermier-Kategorie darf er jedoch auch Milch von anderen Höfen hinzukaufen.“ Hmmm, …. der Wein schmeckt also wie eine Herstellungskategorie von französischem Käse???

 

Also liebe Leute, die Weinsprache ist schon eine besondere, aber ab und zu scheinen doch die Gäule mit uns Verkostern / Weinliebhabern durchzugehen. Lieber Rene, solltest Du das jemals lesen, kläre mich doch bitte auf, was Du mit „und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden“ gemeint haben könntest. ;-)))))

Samstag, 18.04.2009

1999 Brunello Montosoli, Altesino (Cantine di Palazzo Altesi da Altesino) – Toscana

 

93/94  Punkte - Auf einem Hügel östlich von Montalcino erhebt sich der eindrucksvolle Palazzo Altesi, der im 15. Jahrhundert von der toskanischen Familie Tricerchi errichtet wurde. Ihr weißes Marmorwappen ist bis heute über dem alten Eichentor zu sehen. Seit 2002 ist das Weingut Altesino im Besitz der Römerin Elisabetta Gnudi Angelini (auch Eigentümerin der Tenuta Carparzo). Das Gut war häufig ein Vorreiter bei strukturellen Neuerungen, die der Brunello di Montalcino in den vergangenen dreißig Jahren erfahren hat. Bereits 1979 begann man bei Altesino mit dem Ausbau der Weine in französischen Barriques. 1975 führte das Gut mit dem Cru Montosoli den ersten Lagenwein des Montalcino-Gebiets ein. Die ersten "Futures" für Subskriptionskäufe von Brunello wurden für den Brunello Altesino von 1985 ausgegeben.

Unser Wein im Glas war genau dieser Einzellagen-Brunello Montosoli aus dem Jahr 1999. Der Winespectator beschreibt ihn in seiner Ausgabe Okt. 2004 als strengen Burschen, der weiterer Lagerung bedarf und empfiehlt folgerichtig erst einen späteren Genuss – ab 2009. Das Jahr ist gekommen und so schau’mer mal:

Sehr kraftvoll präsentiert sich dieser Brunello, immer noch sehr saftig und mit voller Körper presst sich der Wein an den Gaumen. Dazu passen die Extraktsüße und das Aroma von dicken, schwarzen Knubberkirschen sowie vollreifen Waldbeeren. Aromenstark, mit festen, aber gut integrierten Tanninen, die dem Wein Struktur verleihen. Trotzdem kein Monsterwein, sondern dicht, stark und ausdrucksvoll. Er baut im Glas aus und besitzt eine delikate Art sowie eine schöne Länge, die den Gaumen auch noch lange nach dem Schlucken beschäftigt. Ich habe in meinem kleinen Verkostungsbüchlein dreimal die Punkte geändert/durchgestrichen und so bekommt der Wein halt um die 93/94 Punkte.

Freitag, 17.04.2009

1978 Solaia, Marchese Antinori – Toscana




96 Punkte -
 Über das Haus Antinori gibt es eine Vielzahl von Büchern und der Platz hier reicht nicht im Ansatz aus, um die vielen kleinen und großen Geschichten zu erzählen, die man hier aneinander reihen könnte, ohne beim Leser lange Weile zu erzeugen. Seitens der Familie schaut man auf eine fast 700 jährige Weinbautradition zurück und das Weingut wird heute in der 26sten Generation geführt. Man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass Marchese Piero Antinori den Familienbesitz zu einem die Welt umspannenden Weinimperium ausgebaut hat. So ganz „nebenbei“ hat er durch sein Handeln maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute bei Chianti wieder an Qualitäts- und Spitzenweine denken und nicht nur an Touristentropfen für die Pizzeria um die Ecke. Wahrzeichen dieses Qualitätsstrebens sind sicherlich die beiden Referenzweine Tignanello (er erblickte 1971 das Licht der Welt) und Solaia (dessen Geburtsstunde mit dem 78er Jahrgang schlug), beide aus -überwiegend - Cabernet Sauvignon bereitet. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle bleiben, dass auch Renzo Cotarella, der seit 30 Jahren als Önologe/Chefönologe für die Familie Antinori tätig ist, einen großen Anteil am Erfolg des Weingutes in den letzten Jahrzehnten hat. In den beiden ersten Solaia-Weinjahrgängen 1978 und 1979 bestand der Rebsatz noch aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc. In den folgenden Jahrgängen (ab 1982) kam Sangiovese hinzu, aktuelle Jahrgänge bestehen aus 75% Cabernet Sauvignon, 20% Sangiovese und 5% Cabernet Franc. Die Jahrgänge 1980, 1981, 1983, 1984, 1992 und 2002 wurden mangels ausreichender Qualität nicht lanciert.

 

Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man einen solchen Wein ins Glas bekommt, schließlich hat er Weingeschichte geschrieben. Noch aufregender wird es, wenn solch ein Stoff eine Qualität in Mund und Nase zaubert, von der man mitgenommen wird auf die Reise durch die Aromenwelten, die nur ein großer Wein offenbaren kann. Gerade bei solchen Weinen bleibt es für mich schwierig, meine Eindrücke in Worte zu fassen; zu umfangreich sind sie, als dass man das Trinkerlebnis nachvollziehbar beschreiben könnte.  Trotzdem ein Versuch: Für mich hatte die Nase eine Mischung aus Cassis, gereiftem Honig, Tapetenkleister, Leder und Eindrücken von getrockneten Wiesenblumen und Sandelholz. Am Gaumen sehr komplex, erinnert mich an den gigantisch leckeren Zwetschgen-Hefekuchen meiner Mutter. Der Wein hat eine hervorragende innere Kraft und eine Balance, die so nur große Weine besitzen.  Ein nobler Wein, sehr komplex, mit einer feinen Kühle, einer ganz, ganz zarten Süße und einer Spur Minze, die bis in das lange Finale reicht.

 

1998 Chateau Rouget – Pomerol

  

 

90 Punkte – Ganz tiefe und dunkle Farbe. In der Nase zu Beginn recht verhalten, baute aber mit zunehmender Luft etwas aus. Dunkle Noten von Tabak, Backpflaumen und reifen Brombeeren; hinzu kommen Eindrücke von Schokolade und Blut (Eisen). Positiv fällt mir die feine Süße, die reifen (aber festen) Tannine und die schöne Ausgewogenheit bei dieser Cuvee aus 85% Merlot und 15% Cabernet Sauvignon auf. 1997 kam Michel Rolland (prominentester flying winemaker aus Bordeaux) zu diesem Chateau und der Wandel begann – schon der 1998er zeigt deutlich seine Handschrift. Die Kombination aus spät geerntetem und sehr reifem Lesegut, einer saftigen Extraktsüße und einer kräftigen Struktur (auch Dank eines geschickten Holzeinsatzes) im Wein, sind für mich ein Spiegelbild seiner Arbeit. Hinzu kommt, dass der Jahrgang 1998 am rechten Ufer in Bordeaux allgemein sehr gute Weine hervorgebracht hat und fertig ist der Stoff, der ein Chateau aus dem Mittelmaß (in dem sich Chateau Rouget jahrelang befand) zu neuen Ufern führt.

Donnerstag, 16.04.2009

2002 Chateau Mouton Rothschild – Pauillac

 

95 Punkte – Die 20 Punkte von Rene Gabriel kann ich nicht ganz nachvollziehen, doch mit seiner Bemerkung, dass dieser Mouton sich aktuell in einem ersten Trinkfenster zeigt, liegt er nicht daneben. Voll der „Nasenbär“ habe ich mir notiert. Viele Röstaromen, wie Kaffee, Kakao/Bitterschokolade und Malz, hinzu kommen feine Würzaromen und ein Eindruck von Creme Fraiche. In Mund und Nase hinterlässt er einen kühlen Eindruck (Eukalyptus und Menthol); viel Waldbeerengelee-Aromatik, Cassislikör. Am Gaumen sind die aromatischen Eindrücke vergleichbar, auffallend auch hier die elegant wirkende Kühle und die „Sahnigkeit“. Die schon recht mürbe wirkenden Tannine haben jedoch Kraft für viele, viele Jahre der Lagerung. Insgesamt ein angerundeter, cremig-saftiger Tropfen, der jetzt wirklich schon Spaß macht, der aber auch ausreichend Kraft, Struktur und Potential für die nächsten 15 bis 20 Jahre bietet. Sicherlich ist Mouton Rothschild immer teuer, aber wer solche Kaliber einmal genießen möchte, dem sei empfohlen, bei diesem Jahrgang zuzugreifen, denn hier bekommt man 4 Flaschen 2002er zum Preis einer aus den Jahrgängen 2005 oder 2006. Selbst in der jetzt anstehenden Subskription wird man dieses Preisniveau nicht sehen.

1990 Erbacher Schlossberg Riesling Auslese, Schloss Reinhartshausen - Rheingau

 

89 Punkte – Wer mich kennt, weiß, dass ich Altweine von Schloss Reinhartshausen liebe. Doch zu Beginn der 90er Jahre begann eine Schwächephase, die erst seit wenigen Jahren zu überwunden scheint. Die 90er Auslese aus dem Erbacher Schlossberg hat noch viel Süße zu bieten. In der Nase eindeutige Anklänge von Orangenzesten; am Gaumen ebenfalls Noten von Orangen, Aprikosen und etwas kräutriger Würze. Gut gefallen haben mir die animierende Säure und die ordentliche Länge, die der Wein im Abgang zeigt.

Mittwoch, 15.04.2009

1966 Wehlener Sonnenuhr Feine Auslese „Wachstum“, S.A. Prüm – Mosel


91 Punkte - Ein wunderbar gereifter Tropfen! In der Nase ein feines Parfüm aus mürben Äpfeln, Quitten und reifen Feigen. Im Mund begeistert mich die cremige Textur des Weins, der keinesfalls einen müden Eindruck macht, sondern den gesamten Mund geschmeidig auskleidet  und aromatisch einen schönen Bogen zwischen Noten von Mürbeteig einerseits und schieferwürzigen Anklängen anderseits  spannt. Interessant fand ich die Ergänzung „Wachstum“ auf dem Flaschenetikett, dies bedeutet – so die Aussage eines Weinfreundes-  dass das Traubenmaterial für diesen Wein aus den eigenen Parzellen stammte. Stellt sich für mich die Frage, ob man damals auf dem Weingut schon mit zugekauftem Traubenmaterial gearbeitet hat? Wer weiß eine Antwort? 

1997 Riesling „Singerriedel“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

95 Punkte – Der Singerriedel war da schon ein ganz anderer Schnack. Ausdrucksvoll, ausladende und animierende Frucht; gelbe Früchte, Apfelnoten, rauchig und schon in der Nase ist die hohe Frische erkennbar, die diesen 12 Jahre alten Weißwein auszeichnet. Am Gaumen zeigt er ein Feuerwerk von Aromen (z.B. Orangen, Cassis, Zitronenmelisse), das Säurespiel ist perfekt und die deutliche Mineralik verleiht ihm viel Komplexität und einen Trinkfluss, sodass es wirklich schwer fällt das einmal gefüllte Glas wieder abzustellen.

 

Ähnlich wie der 2002er scheint auch dieser Wein ein Spiegelbild seines Jahrgangs zu sein, denn die Frische und das geniale Säurespiel sind wohl auf die kräftigen Temperaturschwankungen bis tief in den Herbst zurückzuführen. Bei der Vinea Wachau, der im Jahr 1983 gegründeten Qualitätsvereinigung der Wachauer Winzer beschreibt man den Jahrgang wie folgt: „Eher später Austrieb. Ein schöner Mai holt wieder viel auf. Rebblüte ca. 10. bis 20. Juni. Auf einen kühleren Juli mit guter Wasserversorgung folgt ein warmer August und ein traumhafter September. Gesundes Traubenmaterial und die großen Temperaturunterschiede im Herbst geben den Weinen des Jahrgangs 1997 seinen unverwechselbaren Charakter.“

Dienstag, 14.04.2009

1992 Grüner Veltliner „Rotes Tor“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

86 Punkte – Diese Magnum hatte ich vor ca. 2 Jahren bei einer Auktion eines renommierten Auktionshauses erstanden und eigentlich war 1992 ein vom Witterungsverlauf sehr gutes Weinjahr in der Wachau (Einem späten Austrieb der Reben folgte ein Frühling, der mit einem Vegetationsvorsprung und einer recht frühen  Rebblüte vom 5. – 15. Juni abschloss. Ein sehr heißer und trockener Sommer bedingte einen frühen Lesebeginn mit sehr reifen Trauben). Aber nicht nur die Wetterdaten stimmten mich positiv für diesen Wein, denn vor einiger Zeit hatte ich bei Freunden in Frankfurt den gleichen Wein aus gleichem Jahr als Federspiel getrunken und war positiv überrascht, wie lebendig und frisch er noch im Glas stand.

 

Aber bei diesem Smaragd wollte sich die „Handbremse“ nicht lösen. In der Nase Eindrücke von mürben Äpfeln und gedecktem Apfelkuchen. Am Gaumen zwar immer noch mit Kraft, doch scheint er diese aus dem Alkohol zu ziehen, denn dieser steht leider etwas im Vordergrund. Vom Mundgefühl ein deutlich trockener Wein, der wenig Frucht erkennen lässt, aber auf der „Haben“-Seite eine kräftige Mineralität für sich verbuchen darf. Auch von der Säure ist er mir weich und verwaschen. Insgesamt leider nur ein durchschnittlicher Eindruck und ich glaube auch nicht, dass der Wein nochmals in eine bessere Phase kommt.

 

Sofern nicht eine falsche Lagerung für die Schwäche verantwortlich ist, kann ich es mir nur so erklären, dass die Federspiele noch rechtzeitig gelesen wurden und man bei den Smaragd-Weinen auf Grund der späten Lese Probleme mit den Säurewerten in den Trauben bekommen hat. Die allgemeine Jahrgangsbeschreibung der Vinea Wachau scheint diese These zu bestätigen, dort schreibt man über den 1992er: „Der Jahrgang bringt vollmundige, geschmeidige Weine, denen in der Jugend etwas die Säurepikanz fehlt.“ Da der Wein im Alter nicht an Säure zulegen kann, fehlt sie ihm wohl auch im Alter ;-)

2001 Les Vaillons, Domaine Long-Depaquit (Albert Bichot) – Chablis


83 Punkte - Das Haus Albert Bichot wurde 1831 von Bernard Bichot gegründet und es gehört heute - mit 130 Hektar Boden, die sich über 5 Domänen in Chablis, Côte de Beaune und Côte de Nuits erstrecken - zu den größten Weingütern im Burgund. Seit fünf Generationen leitet die Familie Bichot, als Weingutsbesitzer und Weinhändler, das Geschick des Unternehmens, das sich bis heute als reines Familienunternehmen behauptet hat.

Völlig unterschiedlich präsentierten sich die beiden gleichen Halbflaschen aus der Premier Cru Lage Vaillons, die verdeckt in den zwei Karaffen vor uns standen. War der Wein im ersten Glas trinkbar, so roch der Wein aus der zweiten Karaffe wie eine Mischung aus (Reifen-) Gummi, Karamell und Schwarzbrot. Am Gaumen war dann für mich Ende (daher ohne Wertung) und ich sehnte mich nach einem Spucknapf, der an diesem Abend leider nicht auf dem Tisch stand. Der einstmals (vor der Abfüllung auf die Flasche) identische Wein in der ersten Karaffe zeigte zwar auch schon eine recht deutlich erkennbare Firne in der Nase, aber die Mischung aus Bananensaft und weißen/gelben Früchten war irgendwie interessant. Am Gaumen war dieser furztrockene Wein dann eigentlich zu alt für seine acht Jahre - er wirkte bereits sehnig und gezehrt. Die für einen Chablis typische Mineralik war zwar noch zu erkennen, aber für mehr als 83 Punkte reichte das nicht mehr.

 

2007 Riesling Schloss Johannisberger „Silberlack“ Großes Gewächs, Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

 

91+ Punkte - Im aktuellen Gault Millau Weinführer stellt das Weingut des Fürst von Metternich die Kollektion des Jahres 2009 und das Große Gewächs erringt sehr respektable 93 Punkte. Für mich ist dieser Stoff Rheingau-Riesling pur: die saftige Aromatik von gelbem Steinobst ist unverkennbar. Dazu gesellen sich dezente Citrusnoten und eine leichte Kräuteraromatik. Insgesamt ist der Wein ausdrucksvoll, kraftvoll und von einer delikaten Säure durchzogen. Für mich erstaunlich ist die schon jetzt vorhandene innere Harmonie, bleibt sie in den nächsten Jahren erhalten, dürfte der Wein an Komplexität und Finesse gewinnen und so noch ein oder zwei Pünktchen hinzu gewinnen.

 

Vorösterliche best bottle Weinprobe im Schorn in Düsseldorf

 

Eigentlich halte ich mich stets an meine Grundsätze 1-3 bei Weinproben, die da wären:

 

1)      Ausgeschlafen hingehen;

2)      Viel, viel Wasser trinken, mindestens doppelt so viel wie Wein;

3)      Die Weine, die einen nicht komplett überzeugen, in die dafür bereit stehenden Behälter entsorgen.

4)      Diejenigen, die Regel 1-3 nicht befolgen wollen/können, sollten Regel 4 nicht vergessen: vor dem zu Bett gehen, sich eine Kopfschmerztablette gönnen (!!Wichtig!! Wer Alkohol zu sich genommen hat, sollte auf Paracetamol verzichten, da die mit dem Alkoholabbau beschäftigte Leber diesen Wirkstoff nicht mehr korrekt verstoffwechseln kann und es so zu Leberschäden kommen kann.)

 

In gemischter Runde, mit einigen neuen Gesichtern am Tisch saßen wir im Schorn in Düsseldorf und Franz Josef kochte mal wieder wunderbar auf. Die Küche von Franz Josef ist deutlich französisch geprägt, aber sein Mut zum Würzen kann wohl klar seiner rheinländischen Frohnatur zugeschrieben werden. Das Highlight des Abends war für mich das scharf angebratene und anschließend 5 Stunden bei Niedrigtemperatur gegarte Stück Rindfleisch. Außen Röstaromen vom Feinsten und innen zart wie Butter – einfach perfekt! Aber auch der delikate Fischgang und die Jakobsmuscheln verdienen eigentlich mehr als nur die Erwähnung hier.

 

Franz Josef spendierte zum „Aufwärmen“ auch den ersten Wein des Abends, welchen er von seiner Rheingau-Tour am Vortag mitgebracht hatte. 

Meine Weinprobengrundsätze propagiere ich nach dieser Probe nachhaltiger als jemals zuvor ;-)))

 

Die Notizen der einzelnen Weine folgen in den nächsten Tagen jeweils einzeln!

Donnerstag, 09.04.2009

Am Vorabend der Prowein im Saittavini in Düsseldorf


Wie immer, war es voll im Saittavini an der Luegallee in Düsseldorf. Doch an diesem Vorabend der ProWein hätte die Weinbar und das Restaurant von Michelangelo Saitta wohl drei- oder viermal so groß sein können und trotzdem hätten nicht alle einen Platz bekommen, die hoffnungsvoll hereinschauten, um einen der begehrten Tische zu erhaschen. Selbst Winzerlegenden wie Emi Knoll, Franz Hirtzberger oder Rudi Pichler planen hier von Jahr zu Jahr und buchen ein Jahr im Voraus. Bei einem gemeinsamen Glas Wein sagte mir Irmgard Hirtzberger, dies sein "ein besoderer Ort", von denen sie nicht viele kennt.

 

Und so schätzten auch wir - ein eng befreundetes Paar aus Frankfurt und ich - uns glücklich, dass wir an diesem Abend einen Platz gefunden hatten, an dem wir die Nacht zum Tage machten und bis drei Uhr ein hervorragendes Essen genossen und mindetens gleichwertige Weine tranken. Zum Vorglühen gab es einen knackig frischen Sauvignon Blanc aus Südafrika. Danach gingen wir in medias res und tranken:


1997 Barolo Rocche del Falletto, Bruno Giacosa - Piemont

95 Punkte - Was für eine Harmonie! In der Nase eine Kombination aus roten Früchten, feuchtem Waldboden und getrockenten Wiesenblumen. Am Gaumen Eleganz pur, subtile Frucht, unterstützt von feinen, mürben Tanninen und einer Saftigkeit, die trotz aller innerer Kraft eine Leichtigkeit besaß, die es mir schwer machte, nicht permanent zum Glas zu greifen. Der Weine baute im Glas aus und (mit viel Zurückhaltung) konnte ich so über ein Stunden immer neue Eindrücke und Aromen entdecken. Zwischenzeitlich genossen wir die anderern Weine des Abends, aber immer wieder kam ich zurück zu diesem Glas und ein stilles Lächeln und eine genussvolle Zufriedenheit stellte sich sogleich ein.

 

1997 Brunello Riserva, Poggio Antico - Toskana

86 Punkte - Eigentlich sollte dieser Wein ein adäquates Pendant zum Barolo von Giacosa aus gleichem Jahrgang sein, doch hier spielte wohl 2. Bundesliga gehen Champions League. In der Nase süße Pflaumenkonfitüre und Aromen von überreifen Früchten (bei Weinen aus diesem Hitzejahr durchaus typisch). Im Mund angekommen, empfand ich diesen Wein eher als unausgewogen, denn die Aromen von Rumtopffrüchten zeugten von überreifem Lesegut. Die für einen Brunello auffallend mürben Tannine und der mittelgewichtige Körper gingen etwas unter und so hat dieser Wein für mich einen leichten Mangel an Struktur und Finesse. Wer ihn im Keller hat, sollte ihn möglichst schnell trinken, denn ich glaube, dass dieser Wein nicht mehr besser wird.

 

1970 Barolo Cannubi Vigneto Pittatore, Casa Vinicola Ceretto - Piemont

88(-) Punkte - Dieser Wein gab mir ein kleines Rätsel auf, denn das heute berühmte und große Baroloweingut Ceretto firmierte damals eigentlich unter dem Namen des Vaters der heutigen Besitzer: "Azienda Vinicola Riccardo Ceretto" (wie ein gerahmtes Etikett bei mir in der Küche belegt), doch auf dieser Flasche stand "Casa Vinicola Ceretto". Für mich stellen sich die (bislang unbeantworteten) Fragen: nahm man es damals nicht so genau mit den Bezeichnungen für die Weingüter? Handelt es sich um unterschiedliche Weingüter oder war das Weingut doch identisch und man hat schon damals unterschieden zwischen Weinen, die aus eigenen Trauben bzw. zugekauften Trauben vinifiziert wurden?

 

Wie auch immer - dieser Barolo zeigte zunächst eine recht animalische Nase mit Eindrücken von Leder. Doch bereits nach wenigen Minunten veränderte sich der Inhalt des Glases; ich empfand medizinale Anklänge, dann Eindrücke von Veilchen und mit mehr Luft kamen die Tertiäraromen (Maggikraut/ Liebstöckel) immer stärker durch. Am Gaumen zeigte sich zunächst eine feine (Todes-) Süße mit Anklängen an Teer und Lakritze. Es folgten recht schnell Aromen Malventee und der Wein fiel immer mehr auseinander. Eine Punktewertung ist für so einen Wein sehr schwer - waren zu Beginn vielleicht 88 Punkte im Glas, so muss man doch sagen, dass er alle 10 Minuten einen Punkt verloren hat.

Beschlossen haben wir den Abend mit einem:

 

1989 Barolo Riserva, Giacomo Borgogno - Piemont

92 Punkte - Dier klassische Bordeaux vermittelt von seiner Farbe und von seiner gesamten Art eine burgundische Art, die besonders am Gaumen deutlich wird. Für mich ist dies ein klassischer Barolo, der sicherlich erst jetzt am Beginn seiner Trinkreife steht, denn das Tannin ist schon noch adstringierend, aber die Frucht ist betörend, mit Noten von roten Früchten, getrockneten Rosen und  einem Hauch Lakritz und Teer. Dieses Spannungsfeld zwischen der festen, fast unnahbaren Struktur und der andererseits femininen Aromatik, ist etwas, was nur klassischer Barolo kann.

Montag, 06.04.2009

2006 Bordeaux Arrivage - Ein Überblick

 

Es ist jedes Jahr die gleiche Frage der begeisterten Bordeauxtrinker: kaufe ich Bordeaux in Subskription (d.h. man bestellt und bezahlt den Wein ca. 2 Jahre bevor er überhaupt auf die Flasche kommt und das Weingut verlässt) – oder nicht! Dafür spricht – zumindest theoretisch, dass man die Weine zu einem günstigeren Preis bekommt, als 2 Jahre später im deutschen Weinfachhandel. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch gewichtige Argumente gegen diese Vorgehensweise:


  1. Bordeaux-Weine haben in den letzten Jahren Schwindel erregende Preise erreicht und so muss man kritisch hinterfragen, ob sich bei den aktuellen Jahrgängen durch Subskription überhaupt noch ein Schnäppchen machen lässt. Gerade in der aktuellen Finanzmarktkrise zeigt es sich, dass es auch oder gerade bei Bordeaux-Weinen eine Spekulationsblase gab/gibt. Seit dem Milleniumjahrgangleniumjahrgang (2000), der von den weinjournalistischen Sprachrohren Robert Parker und Winespectator so bejubelt wurde, haben sich Bordeaux Weine - mehr denn je - zum Spekulations- und Prestigeobjekt entwickelt. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat das Ganze mit den „Jahrhundertjahrgängen“ 2003 und 2005 erreicht, die angeblich noch besser sein sollen als der große 2000er Jahrgang. Beim 2005er mag das noch zutreffen, denn soooo groß war 2000 nun auch wieder nicht, aber die Bezeichnung Jahrhundertjahrgang passt für 2003 wohl eher auf den unglaublichen Hitzesommer als für das Ergebnis in der Flasche.

Da die Chateaubesitzer nun aber auch nicht von gestern sind und man dem Handel zwar die Butter auf dem Brot, aber nicht Austern und Kaviar gönnt, hat man bei den von der Presse lancierten „Top-Jahrgängen“ jedes mal kräftig die Preise nach oben katapultiert. Was bis dato immer so gut funktioniert hat, wollte beim 2006er Jahrgang nicht so recht gelingen, denn die Bewertung des Jahrgangs fiel in den auflagenstarken Weinzeitschriften nur mittelprächtig aus. Da aber die Chateaus das einmal erreichte Preisniveau halten wollten, wurden die Preise kaum spürbar gesenkt. Um so spannender war jetzt die arrivage-Verkostung, also die erste Möglichkeit für Otto-Normalverbraucher sich in trinkender Weise mit dem Jahrgang auseinander zu setzen. - Dies habe ich bei Mövenpick in Düsseldorf ausführlich gemacht und die Eindrücke finden sich hier im Anschluss. (Die angegeben Verkaufspreise entstammen allesamt der Preisliste von Mövenpick).

Ach, übrigens, um mal so eine Preisduftmarke aus der 2006er Subskription aufzurufen, die Premier Grand Crus (Chateau Mouton Rothschild, Latour, Lafite Rothschild, Margaux und Haut Brion) gab es kaum für weniger als Euro 500,- pro Flasche – macht bei einer 12er Kiste schlappe Euro 6.000. Dafür bekommt man in diesen Tagen schon ein Auto, sofern man ein altes zu verschrotten hat. Wenn das also keine platzende Spekulationsblase ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Wir werden sehen, für welche Preise die 2006er Weine in 6 bis 12 Monaten im Handel zu haben sind; ich schätze, dass bei Lagerverkäufen 30%-40% gespart werden können.


  1. Die Finanzkrise demonstriert eine weitere Binsenweisheit deutlich – nämlich, dass man die Leute bzw. ihre wirtschaftliche Lage ziemlich genau kennen sollte, wenn man ihnen bei der Subskription Geld für 2 Jahre im Voraus (also einen Kredit) gibt. Mir sind in diesem Jahr schon mindestens 2 Fälle bekannt geworden, wo die Insolvenz des Weinhändlers ziemlich sicher stellt, dass der bezahlte Wein den Keller seiner Käufer nie erreichen wird. Aber viele kennen das ja schon, insbesondere wenn sie ihr nicht in Wein investiertes Geld in Zertifikaten von Lehman Brothers oder bei isländischen Banken angelegt haben.

  2. Sofern man nicht mit Bordeaux-Weinen spekulieren möchte, sondern sie kauft, um sie eines Tages auch zu trinken, sollte man den Primeurverkostungen (also den Fassproben der Weinjournalisten im Frühjahr jeweils nach dem erzeugten Jahrgang) nicht blind vertrauen, sondern lieber selbst probieren und dann kaufen. Zugegeben, das geht erst, wenn die Weine – so wie jetzt beim 2006er Jahrgang – in den Handel kommen. Aber wer weiß schon, ob der Geschmack der Journalisten mit dem eigenen kompatibel ist oder vielleicht hat ein Wein auch nur so viele Punkte bekommen, weil dem Schreiberling das Dekolleté der Madame des Hauses so gut gefallen hat. Selten hat der Spruch: „Probieren geht über Studieren“ so gestimmt. Also Geld lieber trocken halten und den Wein dann kaufen, wenn man ihn bereits getrunken und für lecker und würdig befunden hat. Eine Ausnahme von der Regel ist, wenn man ein Chateau über die Jahre kennt und den Wein in allen Jahren schätzt und ihn gerne im Keller haben möchte.


Mein Eindrücke vom 2006er Jahrgang kann man hinsichtlich der Qualität vielleicht so zusammen fassen: Vieles geht, wenig muss. Auf Grund der Witterungsbedingungen scheint es so, dass viele Betriebe diverse Geräte zur Konzentration eingesetzt haben. Das Problem an der Geschichte ist nur, dass in aller Regel dem Most nicht nur Wasser entzogen wird und damit der Wein konzentrierter ist, sondern dass auch negative Einflüsse, z.B. grün wirkende Tannine aromatisch betont werden.


Bezüglich der Preise kann ich jedem nur empfehlen, noch ein paar Monate ins Land gehen zu lassen, denn die Preise werden nur eine Richtung kennen: gen Süden.

 

Für die einzelnen Verkostungsnotizen bitter "Weiterlesen" drücken


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Samstag, 04.04.2009

Hurra - die TOP 100 sind geknackt

HURRAAAAAAAAAAAA!! Die Sonne scheint auf meinen kleinen Weinblogg, denn in der internationalen Rangliste der beliebtesten food an drink bloggs durfte ich mich - Dank Deiner / Ihrer Stimme - unter die TOP 100 einreihen.

 

                                                                 


Ein großes Dankeschön und bitte weiter fleißig abstimmen !!!!

Donnerstag, 02.04.2009

2006 Punto Final Malbec Reserva, Bodega Renacer - Argentinien

89 Punkte - Malbec ist die Rebsorte, die es in Argentinien "geschafft" hat. Zwar wird sie heute noch in Frankreich, Italien und Spanien angebaut, aber ihre einstige Bedeutung als Bestandteil des sogenannten Bordeaux-Verschnitts hat sie verloren. Unter ihrem Zweitnahmen Côt prägt sie heute noch eine Vielzahl von Weinen aus dem Cahors (Frankreich), aber in ihrer neuen Heimat Argentinien bekommt sie die Beachtung, die sie verdient hat. Der französische Agronom Aimé Pouget hat sie dort Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt und seit dem hat sie sich zur bedeutensten Rebsorte des Landes aufgeschwungen.

Die Bodega Renacer liegt am Fuße der Anden in atemberaubender Landschaft und kultiviert auf über 28ha Malbec. Die Trauben für diese schöne Reserva stammen von zwei Rebanlagen, die auf einer Höhe von 900 bzw. 1100 Metern liegen. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hat dieser Wein eine schöne Säurestruktur. Er ist saftig, dicht und besitzt eine ausgewogene Extraktsüße, die mit den würzigen Aromen kombiniert, einen sehr trinkigen Wein ergibt. Die Nase ist geprägt von dunkler Beerenfrucht, edlem Holz und Würzaromen, die ich u.a. mit einer Kombination aus rotem Pfeffer, Kakao und Gewürznelken assoziiere. Am Gaumen stellt sich eine Harmonie aus Süße, Saft, Säure, dunklen Früchten (Pflaume, süße Brombeeren)  und einer schönen Würzigkeit ein, wobei auch hier wieder die Nelkenaromen und der rote Pfeffer aromatisch hervorzuheben sind. Das Tannin ist reif, rund und durchaus kräftig, sodass der Wein Lagerpotential für ein paar Jahre besitzt. 

Handwerklich ist der Wein auf hohem Niveau bereitet, die Trauben stammen von über 50 Jahre alten Rebstöcken, sind von Hand gelesen und selektioniert. Die Fermentation erfolgte mit natürlichen Hefen über 17 Tage in Stahltanks bei einer Temperatur zwischen 27° und 31° Celsius.  Die malolaktische Gärung und der Ausbau erfolgte in französicher Eiche über ca. 10 Monate. Der Wein kommt anschließend ungefiltert auf die Flasche. Mit hat er am zweitern Tag deutlich besser geschmeckt, als direkt nach dem Öffnen der Flasche, daher empfehle ich, ihn ein paar Stunden vor dem Genuss zu dekantieren, falls man ihn direkt geniessen möchte.

Dienstag, 17.03.2009

2002 Philippi Spätburgunder "R", Koehler-Ruprecht - Pfalz (Ski12)


91+ Punkte - Eigentlich hätte ich drauf kommen müssen, denn wenige Wochen zuvor hatte ich einen 1989er Pinot Noir aus gleichem Hause im Glas und das war ein ebenfalls tolles Ding, das mich total überrascht hat.  Trotz der weit auseinanderfallenden Jahrgänge gibt es Parallelen zwischen beiden Weinen - dies gilt insbesondere für die Komplexität und die feinen Würzaromen, die beide Weine auszeichnet. Der "R" aus 2002 ist zu Beginn mit etwas Erdbeerduft und Noten von rotem Tee (Hagebutte) eher unspannend. Aber im Glas baut er so etwas von aus, dass man weder Nase noch Gaumen vom Glas trennen möchte. Mich hat insbesondere die Komplexität und die feine Kräuter- und Würzaromatik begeistert. Der Wein zeigt dabei eine schöne Saftigkeit und auch die eher kräftige Säure wirkt noch gut integriert. Lediglich im Abgang gab es Abzüge aufgrund einer nicht so ausgeprägten Länge. Jetzt aus großen Gläsern trinken.

Montag, 16.03.2009

2002 Saumur Champigny, Clos Rougeard - Loire (Ski11)


88 Punkte - Die Weine der beiden Brüder Nadi und Charlie Foucault sind nicht nur biologisch erzeugt, sondern geniessen bei eingefleischten Kennern auch einen gewissen Kultstatus. Bei den Weißweinen setzt man auf die Chenin Blanc Traube, bei den Rotweinen wird fast ausschließlich Cabernet Franc angebaut. Anders als in fast allen Regionen Europas gilt - zumindest bei den Weißweinen - das Jahr 2002 als ganz, ganz großer Jahrgang. Aber auch den Roten wird ein sehr guter Jahrgang attestiert.

Dieser Wein braucht Luft, zu Beginn ist er ziemlich zugenagelt und wirkt grün (feuchtes Holz, feuchtes Heu). Aber schon am Gaumen zeigt er sich dann harmoischer, aber auch hier tut ihm etwas Luft gut. Feine Extraktsüße, dabei recht kühl und mineralisch (die Kreide auf der die Reben wachsen, ist förmlich zu erschmecken); das kleine Bitterle zum Ende verschwindet später noch. Mit zunehmend Luft (1 Std. vorher dekantieren) entwickeln sich Aromen von Kirschen, Erdbeeren und Vanille. Auch eine Brise Nelken (Gewürz) mischt sich darunter. Am Gaumen fehlt es vielleicht etwas an Komplexität; die leichte Pfeffernote am Ende überrascht. Da es sich bei diesem Wein eher um den Einstiegswein handelt, habe ich es an diesem Abend sehr bedauert, nicht noch die beiden Saumur-Champigny-Weine "les Poyeux" und "le Bourg" verkosten zu können, denn ich muss gestehen, bei reinen Cabernet Franc Weinen ist meine Trinkerfahrung bislang eher begrenzt.

 

Donnerstag, 12.03.2009

Wachau Probe 2006 & 2007


Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

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Samstag, 07.03.2009

2000 Pouilly Fuissé Vieilles Vignes, Domaine Cordier - Mâconnais (Ski10)


90 Punkte - Es war reiner Zufall, aber passend, dass wir am Vorabend mit Beaujolais aufhörten und nun einen Wein aus dem nördlich angrenzenden Mâconnais im Glas hatten. Ein Schicksal teilen sich beide Regionen leider: In Deutschland assoziiert man mit ihren Namen nur schwache Weinqualitäten, wobei dem Mâcconais noch der Umstand anhaftet, dass viel zu wenig Leute diese Anbauregion überhaupt kennen.

Jedoch gibt es im Mâcconais ein Gebiet, das sich als "gallisches Dorf" erweist und das seit jeher ein besseres Image genießt: in der Gegend von Pouilly Fuissé finden die Chardonnayreben auf  den welligen Kalksteinhügeln - mit ihren Lössböden - ideale Bedingungen. Die Domaine Cordier ist Ende der 90er Jahre bekannt geworden, nachdem Robert Parker die Weine von Christophe Cordier entdeckt hatte und sie teilweise höher bepunktete, als die weißen Burgunder (und Preisknaller) von Coche-Dury oder Comte Lafon.

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich im Glas. Unser Chardonnay verströmte reife, fruchtige Noten, insbesondere eine gereifte Birnenfrucht. Darüber hinaus wirkte er ein wenig rauchig und auch käsige Anklänge habe ich mir notiert. Am Gaumen dann recht frisch; mit gutem Extrakt und einer kräftigen Säure. Die kalkige Mineralik steht ihm gut, die Citrus- und Maracujanoten passen gut dazu und mit zunehmender Luftzufuhr wird er auch etwas geschmeidiger. Die Reife des Weines verrät sich durch eine dezente Nussigkeit und Punktabzug gab es für die wenig vorhandene Länge im Abgang.


2003 Côte de Brouilly Cuvee Zaccharie - Chateau Thivin - Beaujolais (Ski9)




89 Punkte - Mein lieber Freund Ole hat mich in 2005 ins Beaujolais "geschleppt" und wir haben viele, viele Wein verkostet und ich habe auch etliche eingelagert. Doch der damals aktuelle Jahrgang 2004 sollte nicht als Referenz herangezogen werden, wenn man diese Weinregion für sich entdecken möchte. Die angrenzenden Jahrgänge 2003 und 2005 sind deutlich besser und zeigen, dass Beaujolais deutlich mehr "drauf" hat, als man in Deutschland weitläufig verlautbart.

Die Weine der AOC (seit 1936) Côte de Brouilly gehören zu den 10 Crus im Beaujolais, und diese Weine sind LAGERFÄHIG, auch wenn man dies in Deutschland noch nicht wahrgenommen hat. Leider hat der Beaujolais primeur das Image aller Beujolaisweine so nachhaltig versaut, dass der gute Stoff kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Die gute Seite dieser Medaille ist, dass auch die CRU-Weine - nach wie vor - sehr preisWERT sind.

2003 war auch im Beaujolais - so wie in fast ganz Europa  - von viel Sonne und Sommerhitze geprägt.  Dementsprechend besitzt die Cuvee Zaccharie eine ausladende Frucht und die Aromatik erinnert mich an den Rumtopf meiner Eltern aus fernen Kindertagen, der mir zwar regelmäßig vergönnt war, von dem ich aber trotzdem ab und an im Keller heimlich genascht habe. Viel Kirschfrucht und eine fruchtige Süße, die schwer zu beschreiben ist, beherrschen den Eindruck in Mund und Nase. Wenn man es negativ formulieren möchte, würde man wohl "etwas verwaschen" sagen, aber an kalten Wintertagen - wie hier im Skiurlaub - ist es genau das Richtige. Der Wein füllt Mund und Rachen und wärmt von innen. Rosinierte Töne erinnern mich ein wenig an Amarone, aber die durchaus erkennbare Mineralik zeugt davon, dass der Wein von sehr alten, tief wurzelnden Gamay-Reben stammt, die auf Vulkangestein stehen. Die Ernte der 7.000 -10.000 Reben pro Hektar erfolgt von Hand, der Ausbau wird zu 1/10 in neuem Holz vollzogen, der Rest verbringt die neun Monate in 1-5 jährigem Holz. Der Wein hat  noch kräftige, runde  Tannine, die dem Wein Struktur geben, leider wirkt aber die Säure etwas aufgesetzt und ich möchte  nicht ausschließen, dass in diesem Hitzejahr nachgesäuert wurde, wenngleich man auf dem Chateau eigentlich den naturnahen Anbau im Weinberg und den schonenden Ausbau im Keller pflegt.

2006 Mittelheim St. Nikolaus 3 Trauben; Peter Jakob Kühn - Rheingau (Ski8)


92 Punkte - Viel habe ich hier über die Weine von Peter Jakob Kühn bereits geschrieben (um die einzelnen Notizen zu lesen, bitte die Suchfunktion, s.o., benutzen), und auch dieses Mal ist klar: "normaler" Riesling ist das nicht. Muss auch nicht, wie ich finde. Weinunikate, an denen man sich reiben und diskutieren kann, gibt es viel zu wenig - aber hier war mal wieder ein eben solches im Glas.

Zu Beginn sehr blütig, mit Anklängen an Rosen, Lavendel und Bergamotte; mit zunehmend Luft setzen sich die Fruchtnoten und die klare Mineralik (Feuerstein) mehr in Szene. Am Gaumen extrakt- und körperreich, klar und mit zupackender Mineralik; gelbe Früchte, Pfirsich und Waldmeister: schöne Würzaromen, die ich mit Baumrinde assoziiere. Kühle Art und mit geradliniger Saüre, die dem Wein ausgezeichnet steht; sehr gute Länge. Letztendlich verändert der Wein sich permanent und es ist schwierig ihn richtig zu fassen zu bekommen, aber das macht auf der anderen Seite die Faszination, die er auf mich ausübt, aus. Der Wein hat Potential für ein langes Leben und wird sicherlich auch Phasen durchlaufen, in denen er nicht so charmant daherkommt, wie ich ihn erlebt habe - aber so ist es nun mal mit Weinen, die charakterstark sind und die Phasen des Lebens voll mitnehmen.

Dienstag, 03.03.2009

2007 Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder Großes Gewächs, Weingut Bergdolt – St. Lamprecht (Ski7)


92 Punkte – Ich erinnere mich noch gut an den 2001er Jahrgang, von dem ich vor ca. einem halben Jahr die letzte Flasche getrunken habe (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=289 ) -  einerseits glücklich genossen, andererseits  hat es mich gewurmt, dass nicht noch weitere im Keller liegen, denn der Wein wäre auch in den nächsten 2,3 Jahren noch ein Hochgenuss gewesen – und welcher so alte trockene Weißburgunder kann das von sich behaupten.  

 

Auf Basis dieser Erfahrung habe ich mir vom 07er ein paar Flaschen mehr gekauft, denn ich glaube, dass es zwischen den Jahrgängen 2001 und 2007 deutliche Parallelen gibt. Vielleicht war der 01er noch etwas mineralischer und strukturbetonter, aber ich gehe fest davon aus, dass ich auch den 07er Jahrgang  locker bis zum 2014/15 trinken kann.

 

Doch bereits jetzt in seiner Jugend bringt dieses Musterexemplar von Weißburgunder reichlich Genuss ins Glas. Frisch und glockenklar verströmt er ein Parfüm von gelben Äpfeln, Melone und Cassis. Am Gaumen findet man Anklänge an Honig, Nüsse und Wiesenblumen. Der Wein besticht mit einer hohen Reintönigkeit, seiner wunderbaren, mineralischen Klarheit und einem guten Druck, mit dem er Mund und Rachen vollkommen auskleidet. Hinzu kommen eine feste Struktur, ein zarter Schmelz und eine richtig gute Länge -   für mich ist das ein Referenzwein in Sachen Weißburgunder. Well done !!

Sonntag, 01.03.2009

1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)


92 Punkte - Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie - Dank Mathias - verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung :-) verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl - gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)


85 Punkte - Es war schon lustig, wie wir um diesen - ebenfalls blind getrunkenen - Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

2004 Pinot Grigio Sialis, Agricola Franco Terpin – Venezien (Ski4)


80 Punkte - Die Farbe ist äußerst ungewöhnlich, nicht rosé, sondern eher ein sehr blasses orange mit Nuancen zu rosé und ocker. In der Nase ist der Wein zunächst recht verhalten, mit zunehmender Luftzufuhr wird sie jedoch ausgeprägter. Ich kann mich des Gefühls nicht erwähren, dass ich hier eigentlich nicht wirklich Wein vor mir habe, sondern eher ein weinhaltiges Softgetränk – so weich, rund und gemacht kommt mir der Wein vor. Von der Aromatik erinnert er mich ein wenig an roten (Malven-) Tee; ein Hauch von Tannin ist spürbar, von der Säure her wirkt er eher weich und reduziert.

 

Ein besonderes Phänomen konnten wir feststellen, als bereits ca. 2/3 der Flasche getrunken war und der Wein erneut in die leeren Gläser nachschenkt wurde. Das bislang in der Flasche verbliebene 1/3 des Weines war einerseits deutlich dunkler und trüber, andererseits auch im Aroma deutlich intensiver und so fanden wir auch noch Aromen (Walderdbeeren und gelbe Melone), die bis dato im Wein nicht auszumachen waren. Der Grund hierfür dürfte in den Trübteilen liegen, die dieser ungefilterte Wein während der Maischestandzeit mitbekommen hat. Diese für Weißwein völlig ungewöhnliche Methode, den Most während der Vergärung nicht von den Schalen zu trennen, dürfte dafür ebenso verantwortlich sein, wie für die ungewöhnliche Farbe. Zwar gehört der graue Burgunder zu den Rebsorten, die bei der Traubenreifung die Farbe wechseln und rote Farbpigmente (chemisch nicht identisch mit denen der roten Rebsorten) ausbilden, jedoch regelmäßig ohne Einfluß auf den Wein, da es keine Maischestandzeiten gibt, in denen die Farbpigmente in den Wein ünergehen können.  Auch wenn eine Maischestandzeit bei Winzern, die versuchen alte Ausbaumethoden wieder zu beleben, auch bei Weißweinen Anwendung findet (vgl. Gravner in Italien oder P.J. Kühn im Rheingau), so muss man jedoch bei diesem Erzeuger feststellen, dass solche Experimente nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

Samstag, 28.02.2009

2001 Chateauneuf-du-Pape, Domaine de la Vieille Julienne, Chateauneuf-du-Pape (Ski3)


91 Punkte – Der Wein zeigt eine etwas überreife, extraktsüße Frucht mit angenehmer Saftigkeit; dunkle Beeren, Brombeeren, Pflaumenkuchen, Lakritze, Kaffee und eine feine Würze. Die ungeschönte und ungefilterte Cuvee aus 90% Grenache (mit kleinen Anteilen von Mourvedre, Syrah, Cinsault und Counoise) zeigt eine mittlere Komplexität, ist druckvoll und zeugt von einer gewissen Eleganz. Die gute Säure und die festen Tannine verleihen ihm Struktur, sodass auch eine Lagerung über weitere Jahre kein Problem darstellen sollte.

 

Parker berichtet in einer Notiz zu Domaine de la Vieille Julienne, dass Weinmacher und Eigentümer Jean-Pierre Daumen mit dem Jahrgang 2001 sich erstmals von alten Traditionen löste. Bei den Flaschen setzt er fortan nur „normale“ Burgunderflaschen ein (die nicht mehr die traditionelle CdP – Glasgravur/-prägung aufweisen) und das Etikett wurde komplett aufgeräumt.

2001 Hardiesse Pic Saint-Loup, Chateau Valflaunès - Coteaux du Languedoc (Ski 2)


92 Punkte - Was für ein Paukenschlag, wenn man die Nase in ein mit Hardiesse 2001 gefülltes Weinglas hält. Eine so intensive Kräuteraromatik kenne ich ansonsten nur von Kräuterlikören, aber hier entfaltet sich im Wein ein Aromenstrauß von Garrigue, Thymian, Rosmarin, Chinarinde und süßer Lakritze - erinnert mich insgesamt ein wenig an Barolo Chinato, diesen mit bis zu 70 Kräutern „veredelten“ Wein aus dem Piemont. Die Kombination aus Süße, Kräutern und Gewürzen wirkt fast berauschend, man möchte die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.  Am Gaumen wirkt der Wein einerseits kühl (Noten von Eukalyptus und Menthol), anderseits zeigt er eine explosive, sehr extraktsüße Beerenfrucht, vermählt mit Noten von Chilischokolade und weißem Pfeffer. Durch die geschmeidigen Tannine und die ausreichende Säure ist dieser saftige, körperreiche Wein so strukturiert, dass das Extraktionsmonster ausreichend Frische und sogar ein wenig Eleganz entwickeln kann. Fazit: „sex in a bottle“ - für einst Euro 14,90.

Mittwoch, 25.02.2009

2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

Ski und Wein


Was passiert, wenn drei ski-, koch- und weinbegeisterte Buben eine gemeinsame, Reise in den Schnee veranstalten?? Auf der Hinfahrt in den Urlaubsort (Bad Hofgastein) ist das Auto fast doppelt so voll gepackt, wie auf dem Weg zurück. Zwar wurde die Menge dieses Jahr genau definiert, trotzdem ist es kein Pappenstiel, wenn man neben den Skisachen, dem normalen Gepäck noch 18 Flaschen Wein im Kofferraum unterbringen muss. So im Nachhinein betrachtet ist es dieses mal besonders auffällig gewesen, dass für die allabendliche Blindverkostung eher die Weinexoten bemüht wurden. Fragt sich nur, was war die Motivation dafür? Die Überzeugung, auf die enorme Qualitätssteigerung einiger Anbauregionen hinzuweisen oder ehemals berühmte Weine und Anbauregionen wieder in das Licht zu stellen, dass sie verdient haben oder war es einfach der Wunsch, die Freunde zu fordern und sich ein bisschen daran zu freuen, wenn die Kollegen beim blinden Probieren und anschließenden Zuordnen mal wieder so richtig daneben liegen ;-) ?  Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem – folgende 18 Weine haben unsere abendlichen Kochkünste (! lecker und weit weg von Spaghetti, Pizza & Co.) bereichert und werden im Folgenden vorgestellt:

Sonntag, 22.02.2009

1996 Chateau Durfort-Vivens - Margaux


87 (++) Punkte – Die auf Chateau Durfort Vivens erzeugten Weinqualitäten sind bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ihrem  Status als Deuxième Grand Cru sicherlich gerecht geworden. Inzwischen ist in großem Umfang in das Weingut investiert worden, aber an alte Glanzzeiten konnte man noch nicht anknüpfen. Der 96er Jahrgang ist ein Lichtblick, doch muss man schon verdammt viel Geduld aufbringen, wenn man diesen Wein in seinem Genussstadium erleben möchte.

 

Sehr dunkles, undurchsichtiges rubinrot; in der Nase viel würzige Holzaromen, Cassisfrucht, Paprika und grüne Walnüsse.  Am Gaumen zu Beginn Tabak/Zigarrenaromatik; sehr kräutrig; dunkle Frucht; Blut (Eisen); immer noch sehr straffe Tannine. Hat sicherlich noch Potential für etliche Jahre, dürfte sich auch weiterhin positiv zu noch mehr Harmonie und Finesse entwickeln. 

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne


94 Punkte - Dieser Blanc de Blanc (=reiner Chardonnay) Champagner ist für mich mit das Beste, was ich bislang an Champagner getrunken habe. Die champagnertypischen brotigen Anklänge sind wunderschön ausgeprägt, die Aromen reichen von exotischen Früchten wie Ananas und Papaja, über frisch aufgeschnittene Äpfel bis hin zu ganz zarten Noten von frischem Sauerkraut.  Im Mund ist er sehr frisch und trocken mit weichem, zartem Schmelz. Sehr feine, gleichmäßige Perlage und tolle Länge. Die Champagner von Pierre Moncuit werden auf Grund ihrer Qualität Jahr für Jahr bekannter und so ist dieser Champagner ab Hof bereits ausverkauft. Der aktuell im Verkauf befindliche 2002er Jahrgangschampagner ist ebenfalls eine besondere Empfehlung, denn der ab Hof Preis (etwas über Euro 30,-) ist leicht gesunken.  Auch wenn die Preise des 96er etwas höher lag (knapp Euro 40,-), so ist er doch weit, weit entfernt davon, was vergleichbare Qualitäten (z.B. Dom Perignon in sehr guten Jahren) der  großen Champagnerhäuser  kosten.

 

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau


90 (?)  Punkte - Für mich war es wichtig zu sehen, wie meinen Weinfreunden und mir dieser Wein schmecken wird, denn einerseits liebe und schätze ich die Weine von Emi Knoll Jahr für Jahr, andererseits habe ich so meine Probleme (wie schon öfters hier berichtet) mit dem fetten, alkoholstarken Jahrgang 2006 in der Wachau und Österreich insgesamt.

Schon die Nase verrät die Üppigkeit dieses Weines; ein Aroma von (über-)reifen gelben Früchten, Muskatnuss, ein wenig Rauch. Am Gaumen ein Donnerschlag an Schmelz, Frucht und Fett; sehr voller Körper; dichte, weiche (gelbe) Frucht - viel Marille/Aprikose; Anklänge an Muskat und Sahnebonbons (Werthers Echte), intensive Frucht. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Wein bei einer Blindverkostung in einer Batterie von Aromasorten wie z.B. Traminer nicht als Pirat auffallen würde. Wäre die Säure etwas ausgeprägter, würde der Wein mehr Spiel entwickeln und würde mir aktuell besser gefallen. Für mich einer typischer 2006er und die Zeit wird es zeigen, ob der kräftige Alkohohl die Frucht frisst und ein hohles, fettes Monster übrig bleibt, oder ob der Wein Power und Frucht in zusätzliche Komplexität umsetzt. Ich bleibe weiterhin skeptisch, aber auch neugierig genug, um ein paar Flaschen im Keller zur weiteren Beobachtung aufzubewahren.

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn – Rheingau


92 Punkte – Dieser Wein macht mich mal wieder fertig; mit himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt möchte ich meine Stimmungslagen beschreiben, wenn ich die Weine der letzten 4/5 Jahrgänge von Peter Jakob Kühn getrunken habe. Ich habe mit seinen Weinen schon singuläre Weinerlebnisse gehabt, die kaum zu toppen sein dürften, andererseits gab es Flaschen, wo ich den Wein scheinbar im total falschen Zeitpunkt getrunken habe, denn die waren so schwierig, dass ich selbst bei größtem Bemühen, keine Trinkfreude entwickeln konnte.

 

Seitdem Peter Jakob Kühn  (zu Beginn dieses Jahrtausends) immer mehr auf biologischen und jetzt biodynamischen Weinbau umgestellt hat, sind seine Rieslinge alles andere, nur keine typischen Rheingauer Rieslinge aktueller Prägung. Sein Credo ist es, einerseits das auf die Flasche zu bringen, was die Natur einem schenkt (d.h. totaler Verzicht auf alle chemischen Mittel; Stärkung der natürlichen Heilungskräfte von Böden und Pflanzen – und nicht nur der Reben; Beachtung natürlicher Abläufe, z.B. Mondphasen; etc.), kombiniert mit einem Ausbau im Keller, der vielleicht so schon vor 100 Jahren und früher betrieben worden ist. Man könnte zu diesem Thema noch ganz viel schreiben, doch ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal selbst mit den Weinen auseinander zu setzen und dann vielleicht den ruhigen, aber äußerst sympathischen Peter-Jakob auf seinem Weingut zu besuchen und sich Infos aus erster Hand geben zu lassen.

 

Aktuell gefällt mir der 2006er Doosberg sehr gut (ob dies so lange bleibt, muss man einfach ausprobieren, denn die Rieslinge von P.J. Kühn leben und verändern sich, wie kaum ein zweiter Wein, den ich kenne). In der Nase wirkt der Wein sehr traubig, soll heißen, er duftet für mich wie frischer Traubensaft; dazu kommen Noten von kühlem Rauch, frischen Birnen und noch etwas grünen Bananen. Auf der Zunge wirkt der Wein sehr klar und saftig; er hat ein schönes, weiches Säurespiel, das sich auch im Mundgefühl  durch  einen zarten Schmelz ausdrückt. In der Aromatik assoziiere ich so Sachen wie Bienenstich, weißen Pfeffer und ein wenig Vanille; im Abgang zeigt der Doosberg eine schöne Länge. Toller Stoff, der zum Nachdenken und Probieren anregt. Der Wein hat sicherlich großes Lagerpotential und man sollte nicht nur eine Flasche im Keller haben, denn es wird überaus spannend sein, zu beobachten, welche verschieden Phasen und Aromenbilder dieser ungewöhnliche Riesling noch durchlaufen wird.

 

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin – Südtirol


91 Punkte – Das, was ich bereits zur Kellerei St. Michael-Eppan geschrieben habe, gilt für die Genossenschaft Tramin mindestens in gleichem Maße. Hier wird seit Jahren Wein auf allerhöchstem Niveau erzielt – dies freut sowohl die genießenden Weintrinker, als auch die Genossen, denn inzwischen verdient man richtig gutes Geld und die produzierten Weine fehlen in keinem gut sortierten Weinhandel in Italien.

 

Völlig überrascht hat mich dieser Gewürztraminer aus dem Hitzejahr 2003. Auch nach 6 Jahren besitzt er noch eine angenehme Frische, die besonders bei dieser aromenintensiven Rebsorte keine Selbstverständlichkeit ist. Intensives Bukett von Rosen, Haselnüssen und Litschis, eine Spur Jod ist ebenfalls erkennbar. Am Gaumen ein ähnliches Bild, dazu gesellen sich Eindrücke von Rosinen, Muskat und Mango. Jahrgangstypisch besitzt der Wein einen vollen Körper, läuft schwer/ölig ins Glas und den Mund und besitzt einen kräftigen Alkohol. Dennoch reichen für mich Frische und Säure aus, um einen Gegenpol zum Alkohol und zur „Öligkeit“ zu bilden, sodass der Wein nie schwer, langweilig oder gar sprittig wirkt. Der Gewürztraminer Nussbaumer ist für mich Jahr für Jahr eine feste Größe und ich kaufe ihn regelmäßig für meinen Keller ein. Grundsätzlich hat er das Potential für 10(+) Jahre Lagerung, viele trinken ihn jedoch sehr gerne jung bzw. können die Finger nicht davon lassen, sodass sie ihn nie im gereiften Zustand erleben.

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol


90 Punkte - Der 2001er Sauvignon Blanc St. Valentin zeigt eine reife Frucht, die immer noch  mit einer schönen Frische glänzt, aber natürlich nicht mehr die Knackigkeit jüngerer Jahrgänge besitzt. Dafür ist er jetzt besonders harmonisch und die Säure scheint perfekt dosiert und eingebaut. Am Gaumen zeigt sich ein feiner Schmelz; der Wein ist mittelgewichtig und die Hand geht bei mir klar zum Glas. Bei der Frucht dominieren Aromen von gelben Früchten und reifen Stachelbeeren; die grasigen Noten der Jugend sind zurückgegangen; hinten heraus bleibt er leider nicht mehr ganz so lange am Gaumen stehen, wie in früheren Jahren. In den nächsten 12-18 Monaten austrinken.

 

Für mich gehört Kellereigenossenschaft St. Michael-Eppan - mit den Genossenschaften Tramin und Terlan - zu den besten Erzeugern, die Südtirol zu bieten hat. Ich frage mich, was unterscheidet diese Genossenschaftsbetriebe von den deutschen Kellereigenossenschaften, die solche Qualitäten einfach nicht auf die Flasche bekommen. Eine Vermutung meinerseits sind die klaren Organisationsstrukturen der südtiroler Genossenschaftskellereien. Da gibt es leitende Geschäftsführer (und keine Handlanger, die ausschließlich an Firlefanz-Entscheidungen der Genossen gebunden sind) in allen Bereichen, die eigene, klare Entscheidungen treffen, und an die sich die Mitglieder/Genossen halten müssen. Beispielhaft sei hier die Traubenqualität genannt: in den Südtiroler Genossenschaften gibt es klare Festlegungen, ob die Trauben einer Lage und eines Betriebes in den „Erstwein“ kommen oder für die Weinbereitung der Zweit- und Drittweine herangezogen werden. Hat ein Weinbauer Reben in sehr guten Lagen und hat er in den letzten Jahren seine Rebanlagen so gepflegt, dass hier hochwertige Trauben heranreifen können, so merkt er dies auch deutlich im Geldbeutel, denn für hervorragende Trauben zahlt die Genossenschaft bei der „Einlieferung“ einen deutlich höheren Preis als für die Trauben aus „einfachen“ Lagen. Vorraussetzung für einen guten Traubenpreis ist jedoch auch die Umsetzung der Genossenschaftsvorgaben über das gesamte Jahr. Strenge Kontrollen stellen sicher, dass z.B. die grüne Lese und andere die Qualität fördernde Maßnahmen dann vollzogen werden, wenn der optimale Zeitpunkt dafür - lt. Ansage der Verantwortlichen - gekommen ist.

Wein und Spiele


Anläßlich eines schönen, spannenden und mit der Zeit immer lustigeren Spieleabends tranken wir in geselliger Runde folgende Flaschen:

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan - Südtirol

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin - Südtirol

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn - Rheingau

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

1996 Chateau Durfort-Vivens  - Margaux

Die Notizen zu den Weinen habe ich nachfolgend (siehe oben)einzeln eingestellt.

1997 Sancta Catharina, Cantine Dei - Toscana


92 Punkte - Bereits im Jahr 1964 hat Alibrando Dei, Großvater der heitigen Eigentümerin  Maria Caterina Dei, erste Teile von Bossona, dem heutigen Weingut gekauft und erste Pflanzungen mit Prugnolo-Gentile-Reben vollzogen. Die Rebsorte Prugnolo Gentile, ein spezieller Klon der Sangiovese, ist ausschließlich der Appelation  Vino Nobile di Montepulciano vorbehalten. Sie war bereits damals (und ist es auch heute) das Maß der Dinge in der Catine Dei. Von den ca. 100 ha Land, die man aktuell besitzt, stehen 38 ha unter Regen - davon sind 31 ha mit Prugnolo Gentile bestockt.

Jedoch  erst 1985 entschied man sich, die Trauben nicht mehr ausschließlich weiter zu verkaufen, sondern produzierte in einem angemieteten Keller die ersten, eigenen Flaschen Wein. Doch bereits vier Jahre später, 1989, begann Galileo Dei, der Sohn von Alibrando bzw. Vater von Maria Caterina mit dem Bau eines eigenen Kellers in der Nähe der Villa -  mitten in den Weinbergen der Cantine gelegen. Zwei Jahre später beendete Maria Caterina ihre Karriere als Sängerin und Schauspielerin, um im familieneigenen Weingut vollständig einsteigen zu können. Wer einen Eindruck von Caterina Gesangsqualitäten bekommen möchte, folge bitte diesem link: http://www.cantinedei.com/cantinedei.asp?Lang=2


Noch mehr als die Gasangsqualitäten überzeugt mich allerdings der 1997er Sancta Catherina, eine Cuvee aus gleichen Anteilen Sangiovese (Prugnolo Gentile), Cabernet Sauvignon und Syrah. Leider ist die vor mir stehende Flasche die letzte von dreien, die ich in den vergangenen Jahren getrunken habe, aber die Qualität und die Trinkfreude sind nach wie vor bestechend.

Nach wie vor in glänzender, fast schwarzer Robe präsentiert sich dieser Wein im Glas. Die Nase ist sehr kühl, ganz dunkelbeerig und ätherisch. Auffallend ist die Graphitnote, die sich später auch deutlich am Gaumen zeigt. Dieser Wein sollte nicht wärmer als 18,19  Grad getrunken werden, damit er seine saftige Frucht und Eleganz voll ausspielen kann. Dies vorausgesetzt, hat man einen richtig eleganten, immer noch jung  wirkenden  Supertuscan im Mund, der sich sehr kühl und mit deutlich mineralischer Noten vorstellt. Insbesondere dieser an Graphit/Bleistift erinnernde Eindruck, der kombiniert mit der noblen, sehr dunklen Frucht (Heidelberren, dunkle Kirschen, Brombeeren und  Pflaumen), den Charme dieses Weins ausmacht, überzeugt mich und läßt bei mir die Hand zum Glas gehen. Die Ätherik im Mund läßt sich vielleicht am besten mit Noten von Menthol und Eukalyptus beschreiben, aber auch Anklänge an die harten "Lakritzpfötchen" von Katjes kann man nicht negieren. Die Säure ist überzeugend und die Tannine sind immer noch straff, sodass Zunge und Zähne mit einem leicht stumpfen Belag überzogen sind. Ich empfehle daher diesen Wein  zum Essen zu genießen, er passt wunderbar zu gegrilltem Fleich (mit ordentlich Röstaromen). Wird vielleicht mit der Zeit noch etwas harmonischer und kann sicherlich weitere 5-8 Jahre getrunken werden. Mit zunehmender Temperatur und Luft wird er runder und weicher.

 

Meine Notizen aus vergangenen Jahren:

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Samstag, 07.02.2009

2000 Poggio Valente Morellino di Scansano, Fattoria Le Pupille - Toscana

91 Punkte - Wow, diesen Wein habe ich in 2005 schon ziemlich (85 Punkte) abgeschrieben, meine damalige Notiz lautete:

"Dichte Farbe, ungewöhnlich streng ist die Frucht in ein Korsett aus Tannin und Holz eingebunden - wo ist die Lebendigkeit und unbekümmerte Verspieltheit dieses Weines, die ich in anderen Jahrgängen so schätze. Noten von Kirsche, etwas Schokolade und ein wenig Pflaume, ein mittlerer Körper, sehr solide Tannine bestimmen das Bild dieses Weines, der gut gemacht ist, aber mir nicht die gewohnte Freude bereitet. Im Idealfall ist er jetzt in einer Verschlußphase und wird sich vielleicht in 12 Monaten wieder von einer besseren Seite zeigen."

So falsch lag ich mit meiner damaligen Vermutung nicht, aber wahrscheinlich hat es länger als 12 Monate gedauert, bis der Wein wieder aus dem Knick kam. Jetzte jedenfalls ist der Trinkspaß zurück, denn das stramme Tanninkorsett ist immer noch spürbar, aber die Frucht hat sich zu neuen Höhen aufgeschwungen und so erlebt man eine süße Frucht mit viel Kirch-, Milchschokolade- und Pflaumenaromen. Er wirkt bei aller Tanninstrenge saftig und macht viel Spaß, denn die Tannine haben an Eckigkeit eingebüßt und die Frucht stellt sich mit aller Macht dagegen. Elegant kann man den Wein wohl nicht nennen, aber als junge, dralle  Pamela Anderson im roten baywatch-Badeanzug geht er voll durch. Besonders gefällt mir die fruchtige Süße, die er im langen Abgang behält und die mit leicht würzigen Noten und Kirschmarzipan nachklingt. Very sexy.

Donnerstag, 05.02.2009

1997 Poggio Valente Morellino di Scansano, Fattoria Le Pupille - Toscana

92 Punkte - Die Fattoria Le Pupille ist für mich auch nach Jahrem immer noch das Maß der Dinge in Sachen Morellino aus der Maremma. Die Eigentümerin Elisabetta Geppetti gehört für mich zu den großen Damen des italienischen Weins und ihr Poggio Valente ist Jahr für Jahr ein klasse Wein mit hohem Spaß- und Genussfaktor. Ende der  90er Jahre war er auch im PLV ein top-buy; inzwischen bekommt man ihn leider  nicht mehr unter Euro 30,- sodass letztere Eigenschaft nicht mehr ganz zutrifft.

1996 erwarb Elisabetta die 12ha Weinberge für den Poggio Valente, die Hälfte der Fläche wurde neu bestockt, mit der anderen Hälfte wurde Wein erzeugt. Der letzte Jahrgang der alten Reben war dann der 2006er, danach wurde gerodet und wieder neu bestockt.

Im Glas vor mir steht nun der 1997er , der erste Jahrgang dieses Weines, der auf die Flasche kam. Als Weinberater maßgeblich mitverantwortlich für diesen wunderbaren Stoff war damals Riccardo Cotarella, der viele seiner "Weinkinder" zu Welterfolgen geführt hat. Im Jahr 2000 wurde er von Christian Le Sommer, dem ehemaligen technischen Leiter von Chateau Latour abgelöst.

Mit einem sehr klaren rubinrot strömt der Wein ins Glas, die Nase wirkt erdig, die Frucht wirkt reif und dunkelbeerig, mit etwas Lakritz und Graphit. Im Mund erinnert er in seiner Frucht und vom Mundegefühl an einen Pomerol, aber die Säure ist und bleibt italienisch. Vom Hitzejahr 1997 keine Spur, dafür stramme, aber reife Tannine, perfekt strukturiert. Die Frucht ist saftig und angenehm reif. Eine feine, süßliche Würze zieht sich komplett durch den Wein. Dieser Poggio Valente  ist nicht ganz groß (dafür fehlt es ihm etwas aromatischer Komplexität), aber die Hand geht voll zum Glas und ich habe so viel Spaß beim trinken, weil er einerseits Struktur besitzt, anderseits aber nicht zu streng wirkt und wie so ein Jojo im Mund aromatisch hin und her läuft. Die Aromen von Kirschen, süßlicher Würze und mineralischen Anklängen fördern den Genuß. Schöner Abgang. Ich bedauere es sehr, dass dies meine letzte Flasche war.

Der Wen sollte nicht dekantiert werden!! Auf diesem Niveau sicherlich noc 1-2 Jahre, danach wird er es sicherlich schwer haben.  

Mittwoch, 28.01.2009

Große Spanier und andere Eroberer

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende endlich mal wieder in die Heimat nach Hamburg fahren, aber da kam am späten Donnerstag ein Anruf von einem lieben Freund aus Frankfurt: „Wie flexibel bist Du? Morgen gibt’s ein paar rote 100 Punkte Weine – bist Du dabei?“ Bei so einer Provokation kann man wohl nicht „Nein“ sagen, schließlich bin ich jung, dynamisch, flexibel und erfolgreich …., wenn es darum geht aus vollen Trouvaillen leere zu machen ;-))

 

Da Mitbringsel an so einem Abend schwer sind, habe ich mich meines Urlaubseinkaufs erinnert: Cabernet Sauvignon aus Jordanien. Wenn es ganz peinlich werden sollte, könnte ich zumindest behaupten, das Pendant des Abends, einen Wein mit 0 Punkten, mitgebracht zu haben…

Folgende Weine sind nachfolgend beschrieben:

#  1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils – Elsass

# 2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

2005 Norte, Bodegas Pujanza – Rioja

2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

2005 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

#  1988 Giacomo Bologna - Toscana (Notiz folgt)

#  1983 Hochheimer Kirchenstück Spätlese trocken (Notiz folgt)

#  1999 Gewürztraminer Passito Terminum - Südtirol (Notiz folgt)

1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils - Elsass

90 Punkte – Ein gelungener Start in den Abend! Mein Mitverkoster und ich stocherten erst mal gewaltig im Nebel, um anschließend ein paar gewaltige Luftlöcher zu schießen, denn mehr als die Eigenschaft „aus deutschsprachigem Raum“ und „Riesling“, wobei ich der zweiten Aussage heftig widersprach, haben wir nicht „erraten“. Selbst ein Anruf bei der 11880 – „Da wird Ihnen geholfen“ brachte kein brauchbares Ergebnis.

 

Dieser Riesling wirkt dicht und konzentriert, riecht nach (mehligen) gelben Früchten, Steinfrüchten und wirkt am Gaumen sehr cremig. Dem etwas fülligen Eindruck steht aber eine angenehme Mineralik entgegen, sodass der Wein nicht barock wirkt. Hinten heraus hat er eine leichte Bitternote sowie eine deutlich erkennbare Aromatik von weißem Pfeffer. Dieser Eindruck, gepaart mit den mineralischen Akzenten, war wohl auch der Grund, warum ich mir Grüner Veltliner  und Österreich notiert hatte.

 

Aber da half alle Trinkerfahrung nichts, ich lag mit meiner Einordnung komplett daneben. Was hilft da nur: noch mehr Trinkerfahrung sammeln, kombiniert mit der nötigen Recherche. Also versuchte ich über diese große Lage im Elsass Informationen zu sammeln und so stieß auf der homepage der Domaine Francois Schwach auf folgenden Text:

 

Der Rosacker verdankt seinen Namen den wilden Rosenhecken, die früher die Weinberge umrandeten. Zwischen Hunawihr und Ribeauvillé gelegen, wurde er schon im Jahre 1483 erwähnt. Einen jungen Rosacker erkennen Sie an seinem leichten, etwas pfeffrigen Aroma. Dank seines kalkhaltigen Bodens gewinnt dieser Riesling bei längerer Lagerung noch an mineralischem Aroma.“

 

Eine vielleicht interessante Info noch am Rande: Für den berühmten Riesling „Clos Sainte Hune” nutzt die Domaine Trimbach nur den Namen der kleinen, 1,3 Hektar großen Parzelle; der Name der Grand Cru Lage „Rosacker“, wovon Saint Hune ein Teil ist, wird nicht angeführt.

2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

86 Punkte – Es war schon überraschend, wo meine lieben Weinfreunde überall waren, als dieser Wein blind ausgeschenkt wurde und es darum ging, zu definieren, was da im Glas ist, und wo es herkommt. Doch eines freute mich ungemein, dieses Mitbringsel aus dem letzten Urlaub war kein schlechter Wein, sondern eher das Gegenteil, ein respektabler Stoff aus einem Land, in dem zwar viele, viele Rebstöcke stehen, aber (aus religiösen Gründen) fast nur Tafeltrauben angebaut werden. Die Weinberge für diesen Wein wurden im Jahr 1995 mit französischer Hilfe angelegt und sie befinden sich allesamt in der Region um die Stadt Madaba, ca. 30km südlich von Amman. Die von den Moabitern gegründete Stadt wird bereits in der Bibel mehrfach erwähnt. Unser Wein wurde nach der frühbyzantinischen St. Georgskirche benannt. Diese Kirche ist weltberühmt, da sie das „Madaba-Mosaik“, die älteste (6. Jh.n.Chr.), im Original erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes und insbesondere Jerusalems beherbergt.

 

Der Wein ist recht hell in der Farbe. In der Nase wirkt er frisch, mit Anklängen an Paprika, Kirschen und Lakritz. Am Gaumen zeigt er ebenfalls eine angenehme Saftigkeit (von voll ausgereiften Beeren darf man hier auch ausgehen) und eine angenehme Frische. Die recht kräftige Säure steht ihm gut. Vom Körper eher mittelgewichtig, zeigt die eher rotbeerige Frucht sich von ihrer attraktiven Seite. Die ausgereiften Tannine geben die nötige Struktur und so steht ein schöner, insgesamt in sich schlüssiger Wein vor uns. Schade, dass ich nur eine Flasche mitgenommen habe. Jetzt oder in den nächsten 12-18 Monaten trinken.

 

 

2005 Norte, Bodegas Pujanza – Rioja

96 Punkte – Es ist schwer, sich der Klarheit und Reinheit dieses Rioja zu entziehen. Dies ist keine getunte Schönheit a la Aalto PS, dies ist Natürlichkeit und Eleganz aufs Feinste miteinander vermählt. Die Frucht ist sehr dunkel, tief und kühl. Da der Wein in französischer Eiche ausgebaut wurde, fehlt es ihm an der sonst fürs Rioja so typischen Vanillenote (aus den grobporigeren amerikanischen Fässern), was mir sehr gut gefällt. Die festen, aber sehr noblen Tannine sowie eine kräftige Säure geben ihm Struktur und die balsamischen und mineralischen Noten verleihen ihm zusätzliche Komplexität. Kurzum ein edler Tropfen, den man den alten, über 80-jährigen Reben mit sehr niedrigen Erträgen, abgetrotzt hat. Der Wein endet lang und mit großer Finesse. Ich gehe davon aus, dass dieser Wein lange, sehr lange liegen und reifen kann; einzigen Problem: man muss es schaffen, die Finger von ihm zu lassen. Unbedingt 3,4 Stunden vorher dekantieren.

 

Bodegas Pujanza gelten seit wenigen Jahren als neuer Star am Sternenhimmel des Rioja. Neben dem Norte, gibt es noch den Cisma, das sehr teure und  in homöopatischen Mengen erzeugte Flaggschiff der Kellerei sowie einen „normalen“ Pujanza.  Die spanischen Weinführer haben die 05er Ausgabe ebenfalls in den Weinolymp gewählt, Penin gibt 95 Punkte (ein extrem hoher Wert für diesen Weinführer), der Guia Proensa verleiht ihm sogar die Höchstnote von 100 Punkten (in der 08er Ausgabe haben diese Note nur 4 Weine bekommen), Parkers Mitarbeiter (Jay Miller) vergibt 94 Punkte, nur der Kollege vom Winespectator hat den Wein wohl nicht verstanden oder er traut sich nicht einem immer noch jungen Weingut/Weinmacher (Gründungsjahr der Bodega: 1998) volle Punkte für die vorgelegte Qualität zu verleihen, denn wie sollen dann 100 Punkte sein, wenn er hier nur 91 vergibt?

 

2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

96 Punkte – Was für eine Aromenfeuerwerk! So stelle ich mir ein Wein gewordenes Topmodel vor: perfekt modellierter Körper, groß, mit viel power und Esprit.  Die wunderbaren Rundungen sitzen an den richtigen Stellen, das Gefühl von samtweicher Haut lässt einen dahin schmelzen – selten oder nie habe ich weichere, rundere, aber dennoch so kraftvolle Tannine auf der Zunge erlebt, wie bei diesem Aalto PS. Ein Wein für den „roten Teppich“ und ein Blitzlichtgewitter ist ihm sicher.

 

Doch im Scheinwerferlicht der großen, weiten Glitzerwelt geht es nicht ohne Schminke. So kommt auch dieser große Wein zwar von sehr alten, über 60 Jahre alten Tempranillo-Rebstöcken, aber der (Keller-)Meister hat wohl auch kräftig Hand angelegt, um dieses berauschende Weinwunderwerk zu erschaffen.  

 

Die tiefe Frucht zeigt in der Nase und am Gaumen einen reichhaltigen Strauss an Aromen, da finden sich balsamisch-holzige Noten (Zedern, Eukalyptus, Lorbeer), eine tiefe Beerenfrucht (reifen Pflaumen, Kirschen und Cassis) sowie Aromen aus dem Holz (Schokolade, Kokos und ein Hauch Vanille). Trotzdem ist das Mundgefühl angenehm kühl und keinesfalls marmeladig. Der Wein besitzt eine große Länge, man schmeckt ihn Minuten später noch. Hedonismus pur!!! Jetzt dekantiert ein großer Genuss, hat aber Potential für mindestens 10-15 Jahre. Leider kann so ein Stoff nicht beliebig vervielfältigt werden und so muss man schon tief in die Tasche greifen, Euro 80-90 kostet der Stoff, wenn man ihn denn überhaupt bekommt. Ein kleiner Lichtblick besteht jedoch, der „normale“ Aalto ist nur unwesentlich schlechter und kostet circa die Hälfte.

 

2005 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

95 Punkte – Der Gründer dieser Bodega, Rene Barbier gehört zu den Pionieren des Priorat. Da die Wurzeln der Familie an der Rhone in Frankreich liegen, verwundert es wenig, dass ihn die alten Reben (heute über 80 Jahre alt) in der „verlassenen“ Landschaft des Priorat faszinierten. Die verstreut liegenden Parzellen bilden heute die Grundlage für einen Wein, der maßgeblich dazu beitrug, den über Jahre währenden Niedergang und die Entvölkerung dieser Region zu stoppen und umzukehren.

 

In der Farbe sehr dicht und dunkel, mit deutlich purpurnen Reflexen. Die leichte Stallnote zu Beginn erinnerte schon ein wenig an CdP-Weine, auch die maßgebliche Rebsorte Garnacha (=Grenache) dieser Cuvee (Garnacha, Carinena, Cabernet Sauvignon und Syrah) dominiert heute fast alle CdP-Weine. Diese Nase ist kühl, mineralisch, duftet nach Knubber-Kirschen und Apfelmus. Am Gaumen herrlich konzentriert, fest und mit einer herrlichen Frucht und ausgestattet. Die Holznoten (franz. Eiche) ist bereits heute sehr gut integriert, aber die einzelnen Aromen (rote und schwarze Beerenfrüchte, Tabak, deutlich erkennbare Mineralik) haben sich noch nicht perfekt miteinander vermählt. Dafür besitzt dieser Weine eine wirklich tolle Struktur, die perfekten Tannine und die animierende Säure versprechen einen wirklich langen Genuss. Großes Potential (2010-2025)!!

 

Das Herz und die Zunge wichtiger Weinjournalisten/Weinführer  hat er ebenfalls schon erobert, so gibt der von mir sehr geschätzte und „Punktesparer“ Guia Penin 95 Punkte, der für Robert Parker arbeitende Jay Miller ruft ganze 98 Punkte auf und der Guia Proensa zückt sogar die Höchstnote – 100 Punkte. Letztere sind es auf keinen Fall, aber alles andere lässt sich argumentieren.

Samstag, 24.01.2009

2003 Capitelles des Mourgues, Chateau Mourgues du Gres - Costieres de Nimes


88-90  Punkte - Vor vier Jahren hatte ich diesen Wein das letzte Mal im Glas und war sehr angetan (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=2 ). Aktuell ist er deutlich schwieriger zu trinken. Die Nase ist mit ihrer kühlen, fast kalten Art sowie den balsamischen und erdigen Aromen, kombiniert mit einer pechschwarzen Beerenfrucht überaus spannend, ab am Gaumen scheint der "süße", jugendliche Charme verflogen und die Tannine und die Säure wirken zunächst etwas vordergründig - mit ausreichender Luftzufuhr (ohne dekantieren 1/2 Flasche am nächsten Tag getrunken)  baut er jedoch aus und die Süße und Balance kommen zurück. Der Wein ist kraftvoll und tief, aber er tut zur Zeit auch ein wenig weh. Man findet viel kühle Röstaromen, balsamische Noten. Insgesamt sehr erdig; blutiges Eisen.

Die Hand geht zwar irgendwie zum Glas, da der Wein tief ist, viel Widerstand bietet und spannend wirkt, aber andererseits ist er auch etwas spröde. Fazit: Knochiger Typ mit Charakter !!

Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Frucht und damit der Charme völlig untergeht und somit der Wein vor lauter Struktur gar nicht mehr gehen kann, oder ob dieser Stoff noch "Altermilde" und sich inseine zweite Genußphase entwickelt. Mit einer Quote von 40:60 tippe ich zu Gunsten der negativen Entwicklung. Vor dem Genuß ausreichend lüften und nicht zu kalt (20 Grad Celsius) trinken.

Dienstag, 13.01.2009

2002 Erbacher Honigberg, Heinz Nikolai – Rheingau


94 Punkte – Was für ein Nektar !! Bereits mehrmals getrunken und immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass Frank Nikolai mit diesem Wein ein Meisterstück gelandet hat. Die Lage Erbacher Honigberg ist eigentlich eine Großlage, hinter der man solche Qualitäten nicht vermutet. Doch nomen est omen, und Honig spielt im Aromenfächer dieses Weines eine tragende Rolle, wenngleich der Wein keinesfalls süß und pappig schmeckt, sondern das Gegenteil ist der Fall: das perfekte und nahezu unendliche Spiel zwischen Süße und Säure lässt einen in diesen Wein versinken. Eintauchen möchte ich in diesen Stoff, so harmonisch und auf hohem Niveau balanciert ist dieser druckvolle Riesling. Kein Sattmacher, sondern ein animierender, die Hand zum Glas gehender Weintraum betört Nase und Gaumen. Die hervorragende Länge bildet das i-Tüpfelchen und ich kann fast nicht glauben, dass es so einen Stoff mal für Euro 15,- ab Hof zu kaufen gab. Dies ist eine Referenz für den Rheingau Riesling und es dürfte schwer, sehr schwer werden, irgendwo auf der Welt einen besseren Wein für so einen Kurs zu finden. Hat noch viel Jahre auf diesem Niveau vor sich.

In den letzten Jahren wird das Weingut auch im Gault Millau Jahr für Jahr gelobt und trotzdem gibt man die moderate Preispolitik nicht auf, sondern setzt weiter auf preisliche Kontinuität. Den aktuellen Jahrgang kann ich dem geneigten Leser nur ans Herz legen, dies gilt im aktuellen Jahrgang besonders auch für die Großen Gewächse.

1979 Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken, Leo Kappes – Mosel Saar Ruwer

 

Ohne Wertung - Leo Kappes ist ein recht unbekanntes Weingut in Zeltingen-Rachtig. Im Freundeskreis gilt es jedoch als Geheimtipp für klassische Moselrieslinge zu sehr günstigen Preisen. Doch dieser Kupfer-farbene Riesling hat seine besten Tage schon lange hinter sich. In der Nase bestenfalls als traubig zu bezeichnen, ist er am Gaumen schon recht sauer und die Säure kommt ziemlich krass rüber. Die Noten von Orangenzesten können es dann auch nicht mehr reißen und so wird dieser Wein als Erfahrung bildend eingestuft, bleibt aber ohne Wertung.

 

1968 Imperial Gran Reserva, C.V.N.E. – Rioja

 

92 Punkte – Für diese Flasche bin ich meinem Freund Bernd besonderen Dank verpflichtet, denn es gibt nicht alle Tage einen schönen Wein zu trinken, der aus meinem Geburtsjahr stammt. Leider ist in Europa – außer in Spanien – überhaupt nichts Gescheites auf die Flasche gekommen. Umso mehr war ich erfreut, als die Flasche (nach der Blindverkostung) aufgedeckt wurde.

 

Recht hell in der Farbe und mit deutlich orangefarbenem Rand erkennt man sofort, dass dieser Wein doch schon ein bedeutendes Alter hat. In der Nase recht deutliche vegetabile Noten, medizinale Anklänge, aber auch vielschichtig (Erbsen) und kühl wirkend. Am Gaumen überrascht ebenfalls die kühle Art, wieder stark pflanzliche Aromen, aber sehr fein und betörend. In diesen Wein kann man sich intellektuell vertiefen; noch erkennbare Tannine; feine Kräuteraromatik mit schöner Länge.

 

C.V.N.E. oder ausgeschrieben: Compañía Vinicola del Norte de España ist eine sehr traditionsreiches Haus in der Rioja Alta. Im Jahr 2004 hat man den 125. Geburtstag gefeiert. Heute gehört eine Vielzahl von Kellereien zur Gruppe und seit 1997 ist man an der Börse in Madrid gelistet. Gleichwohl liegt die Verantwortung noch in den Händen der Nachfahren der Gründerfamilie. Wer mehr wissen will: www.cvne.com

 

1995 Alion, Bodegas y Vinedos Alion – Ribera del Duero

 

92 Punkte - Die Bodega gehört zum Konglomerat von Kellereien der Eigentümer von Vega Sicilia. Sicherlich ist der Alion etwas moderner in der Weinbereitung als der Unico, aber mit ca. €40 kostet er auch nur einen Bruchteil der spanischen Weinlegende. Trotzdem ist dies ein spanischer Referenzwein, der Jahr für Jahr eine bench mark darstellt.

 

Die 95er Ausgabe ist jetzt perfekt zu trinken, weiteres Verbesserungspotential sehe ich nicht, aber er wird die nächsten 3-5 Jahre dieses Niveau sicherlich halten. Frisch im Glas hat er einen leichten Stallgeruch, der jedoch vergeht. Es folgen exotische Aromen, Süßholz, Kirschen und Waldbeeren sowie eine Spur Vanille. Am Gaumen ein vergleichbarer Aromeneindruck. Die Tannine sind fest, aber fein; kühles Mundgefühl mit moderater Säure und angenehmer Aromentiefe. Klar uns saftig bis in den durchaus schönen, langen Abgang zieht dieser Alion seine Aromenspur.

1994 Côte Rôtie Cuvee La Modorée M. Chapoutier Rhone


95 Punkte - 

Diese Cuvee stammt aus Weinbergsparzellen mit 70-80 Jahre alten Rebstöcken, die direkt an Guigals berühmte Lage „La Turque“ angrenzen. Nicht ganz so teuer, aber für dieses Kleinod muss man schon tief in die Tasche greifen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass dieser Wein viel fürs Geld bietet. Die angenehm tiefe und nuancierte Nase wirkt kühl und offenbart Düfte von schwarzem Pfeffer, dunklen Beerenfrüchten, Wacholder, Oliven und Lorbeer. Am Gaumen ebenfalls kühl und sehr klar/rein. Die Tannine sind edel (wie der ganze Wein), der Körper ist mittelgewichtig und der nicht zu hohe Alkohol (12,8%) passt hervorragend dazu. Ein feiner, vielschichtiger, ja aristokratischer Tropfen, der seine Noblesse bis in das lange Finale behält. Der Wein wird auch in den nächsten 3,4,5 Jahren seine Klasse nicht verlieren (vorausgesetzt er war stets gut gelagert).

1995 Chateauneuf-du-Pape Boisrenard, Domaine de Beaurenard – Rhone


Diese Domaine wird schon in der 7. Generation von der Familie Coulon betrieben und man bewirtschaftet einen beachtlichen Besitz von 32 ha in Chateauneuf-du-Papes und 25 ha in Rasteau (Côtes du Rhône). Die webpage hält viele weitere Informationen bereit und ist wirklich lesenswert: http://www.beaurenard.fr

 

94 Punkte – Neben dem Basiswein wird jedes Jahr noch ein kleinere Menge CdP Boisrenard erzeugt. Die Rebstöcke sind durchschnittlich zwischen 60 und 100 Jahren alt und sie stehen noch als gemischter Satz im Weinberg.  So gehen in diesen Wein bis zu 13 unterschiedliche Rebsorten ein, wobei der Grenache dominiert. Der Ausbau erfolgt 18 Monate im Holz und dann kommt der Wein ungefiltert auf die Flasche.

 

Man steckt die Nase ins Glas und ist fasziniert! Aromen von Waldfrüchten, Mokka und getrockneten Kräutern umschwirren die Nase. Am Gaumen dann eine reife, intensive und dunkle Frucht von Waldbeeren und Tabak. Die Tannine sind kräftig, aber rund und reif; der Wein besitzt eine hervorragende Struktur, die kombiniert mit der schönen Säure, ganz wesentlich zu der Klasse dieses Weines beiträgt. Obwohl schon 13 Jahre alt, dürfte dieser Wein auch in den nächsten 13 Jahren noch mit viel Genuss zu trinken sein.

2007 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Erstes Gewächs, August Kesseler – Rheingau

 

93 Punkte - Helles Goldgelb; in der Nase bereits sehr offen, mit viel gelber Frucht und Pfirsich. Herrlich animierend, viel Saft und Kraft deutet sich da beim Schnuppern im Glas an. Mir gefällt dieser intensive Eindruck unheimlich gut; dies ist für mich Rheingau Riesling pur! Am Gaumen saftig, mit schönem Biss und einer animierenden Säure. Da spielen die vielen gelben Früchte auf der Sommerwiese und sind umgeben von einem Hauch von Karamell und Honig. Ein hoher Extrakt und eine hohe Extraktsüße passen zu diesem Stoff genauso, wie die Mineralität, die eine zusätzliche Facette ins Spiel bringt. Dieser Riesling klingt lange am Gaumen nach und animiert so zum nächsten Schluck. Über die Langlebigkeit des Weines wurde heftig diskutiert. Ich glaube, dass er ein Langstreckenläufer ist, der so viel power und Kraftreserven hat, dass er in der Jugend nicht geizen muss, sondern schon jetzt zeigen kann, was in ihm steckt. In den nächsten 10 Jahren wahrscheinlich zu jeder Zeit ein Genuss, eventuell kommt noch mal eine Verschlussphase.

 

2001 Sauvignon Blanc Ratscher Nussberg, Alois Gross – Steiermark

 

Die Weine des Ratscher Nussberg wachsen auf Böden aus Kalkmergel und Kalksandstein. Der Weinberg gilt mit seiner kesselförmigen Süd-Südwestlage mit Hangneigungen bis zu 30° als einer der besten Lagen der Steiermark. Die vollreifen Trauben werden mit kurzer Maischestandzeit schonend gepresst und bei 18° Celsius kontrolliert in etwa 600 lt-Fässern (Stardin) und etwa 300 lt-Fässern (Halben = halbes Stardin) vergoren. Die Reifung erfolgt im großen Holzfass. Der 2001 Jahrgang ist mit seinen 1,4 Gramm Restzucker nahezu komplett durchgegoren, was sich auch in der Gradation (14% Alc.) widerspiegelt.

 

84 Punkte – Apfelaromen, etwas flüchtige Säure, wenig komplex in der Nase, duftet wenig animierend. Am Gaumen recht dicht, trotzdem wirkt er relativ leicht und leider auch schon oxidativ nach trockenem, weißem Sherry. Apfelnoten und eine kalkige Aromatik aus dem Boden sind zu erkennen. Der Wein hat wohl (hoffentlich) schon bessere Zeiten gesehen.

2001 Chardonnay Schloßzgarten (Schlossgarten), Hirtzberger – Wachau

 

 

Keinen Schreibfehler, sondern wohl die alte Rechtschreibweise dieses Wingert findet man auf dem Etikett dieses Chardonnay. Ein Blick in das deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm zeigt dazu:

 

garten, der zu einem schlosse gehört, hortus palatii FRISCH 2, 201b: und ich läge berauscht im rasen des schloszgartens. SCHILLER räuber 5, 1 schausp.;

 

90 Punkte – Unabhängig von der Schreibweise, die echte Wahrheit befindet sich im Glas vor mir ;-) Ein kräftiges goldgelb strahlt mich an, die Nase ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig: Feuerstein und Katzenpipi (baut sich mit zunehmend Luft ab), daneben buttrige oder dezent harzige Noten. Am Gaumen dann reife Noten von Apfelmus, Orangenzesten, überreifen Äpfeln, Papaya und Rosinen. Daneben dezent buttrige Anklänge und eine recht tiefe Mineralik, die dem Wein Kontur und Tiefe verleiht. Letztlich ein schwer zu beurteilender Wein, denn ich vielleicht an einem anderen Tag weniger Punkte gegeben hätte. Bald austrinken.

2006 Kerner Praepositus, Stiftskellerei Neustift – Alto Adige (Südtirol)


Zu den Hauptaufgaben der Augustiner-Chorherren des Klosters Neustift gehört heute die Betreuung von 20 Pfarrgemeinden in Süd- und Osttirol. Seit dem Mittelalter wird eine Klosterschule betrieben und seit einigen Jahren betreibt man auch ein Zentrum zur Erwachsenenbildung. Dank eigener Wälder, Felder  und Weinberge mit Sägewerk, Mühle und Weinkeller ist man von je her wirtschaftlich selbständig gewesen.

 

89 Punkte – Die Weinberge für diesen Kerner liegen auf einer Höhe von ca. 650-700 Metern über dem Meeresspiegel. Dies ist wohl auch eine der Hauptursachen für die Frische und die hohe Mineralik im Wein, denn Dank hoher Pflanzdichte und der eher kargen Böden sind die Reben genötigt, tief zu wurzeln, um die Versorgung sicher zu stellen. Die in dieser Höhe schon recht hohe Tages-Nachtsenke bei der Temperatur dürfte sich positiv auf die Frische und Säure des Weines auswirken.

 

Die 06er Ausgabe des Kerners (aus der Prestigelinie der Kellerei, die den Namen Praepositus trägt) zeigt viel gelbe Frucht (z.B. Mirabelle, Honigmelone und Sternfrucht) und einen schönen Schmelz am Gaumen. Der cremige und stoffige Eindruck hängt wahrscheinlich auch mit den 14% Alkohohl zusammen, die dieser Wein aufweist, jedoch bilden die Mineralik und die gute Säure ein ausreichendes Gegengewicht, sodass nie der Eindruck von Schwere oder aromatischer Breite aufkommt. Mit gefällt dieser Kerner auf Grund seiner Mineralik, Dichte und guten Länge überaus gut und ich bedauere es, dass ich davon nichts im Keller habe, denn mit so einem Stoff kann man jeden Weinkenner in die Sinnkrise stürzen, denn ich glaube, dass so gut wie niemand bei dieser Qualitätsstufe die Rebsorte Kerner auf der „Liste der möglichen Rebsorten“ hat. Jetzt wunderbar, sollte in den nächsten 12-18 Monaten getrunken werden.

 

Sonntag, 11.01.2009

2004 Gourt de Mautens, Jerome Bressy - Rasteau


92+ Punkte - 1998 erblickte dieser Wein das Licht der Welt und die deutsche Weinhändler-Elite nahm diesen Wein als Geheimtip in ihr Programm auf (vgl. www.vinisud.de, www.karl-kerler.de, www.pinard-de-picard.de) Anfangs war es die schiere Konzentration, die dieser Wein aus dem Süden von Frankriech auszeichnete, inzwischen hat er seiner etwas bäuerlichen "Bums" abelegt und ist kühler, runder und komlexer geworden. Vom Jahrgang 2001 gab es wohl unterschiedliche Füllungen, denn einerseits wurde der Wein in den Himmel gehoben, andererseits machten Weinfreunde und ich die Erfahrung, dass er - auf Grund von Überrreife und wahrscheinlichen Schwefelgaben - ungenießbar war (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=316)

Der 2004er ist ein Top-Wein, der wohl für das steht, was Jerome Bressy anstrebt: Einerseits Konzentration und Fruchtfülle, andererseits Komplexität und Eleganz. Im Glas zeigt er eine tiefe, runbinrote Farbe, die nicht 100% klar erstrahlt, aber für einen unfiltrierten Wein ist dies total normal. In der Nase zeigen sich einerseits gekochte Waldbeerenaromen und Kirschkonfitüre, andererseits überzeugt die  wunderbare kühle Menthol-;Kräuter-  und Mineralienaromatik. Am Gaumen fällt zunächst die seidige Textur auf, die Tannine wirken butterweich, sind aber in Hülle und Fülle vorhanden. Der hohe Extrakt und die ausladende Fruchtikeit sind überaus positiv, denn trotz der straken Konzentration wirkt der Wein am Gaumen weder marmeladig noch überreif. Süße, fruchtfleischige Waldbeeren; Vollmilchschokolade und  Kirschen sowie eine Hauch süße Gewürze prägen das Aromenbild. Prall, fleischig und mit Frucht beladen einerseits, anderseits kühl und mit etwas "kalkiger" Eleganz kleidet er den Mundraum vollkommen aus. Ein ähnliches Bild im langen Abgang, noch Minuten später hat man einen Eindruck von diesem Wein- Dank einer perfekt harmonisierten Säure macht er überhaupt nicht satt, sondern animiert zum nächsten Schluck.  Hohes Lagerpotential - mindestens bis 2016!

DOCH VORSICHT: Von drei Flaschen hatte eine einen krassen Kork, eine war leicht beeinflusst und lediglich die letzte Flasche war perfekt. Dies ist bei einem Preis von ca. Euro 35,- eine NICHT  AKZEPTABLE KORKQUOTE.

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2008 Marlborough Sauvignon Blanc, Lake Chalice Wines - Neuseeland


85 Punkte - Ja, richtig gelesen, Jahrgang 2008. In den Kellern der deutschen Winzer blubbern und brodeln die Weine aus der 08er Ernte teilweise noch, da stehen die Weine aus der Neuen Welt schon eine ganze Zeit bei uns im Regal, denn Dank der umgedrehten Jahreszeiten (bei uns Frühjahr, auf der Südhalbkugel Herbst) haben diese Weine einen zeitlichen Vorsprung von einem halben Jahr.

 

Dieser eher einfache Sauvignon ist auf besondere Weise interessant; einerseits lebt er von seiner unglaublich frischen, direkten Art, andererseits habe ich die Flasche 4 Tage bei Zimmertemperatur in der Küche stehen gehabt und nach einer kurzen Abkühlung im Eisfach schmeckt der Wein immer noch genauso wie 4 Tage zuvor: viel frische Stachel- und schwarze Johannisbeeren, Maracuja und Grapefruit. Auch grasige Noten sind deutlich zu erkennen. Trotz aller Frische ist mir dieser Wein zu "gerade aus", da ist kein Spiel, keine versteckte Nuance, da ist nur "Ich-spring-Dich-an---ich Frucht"!!

Mit welchen Mitteln dieser Wein produziert ist, sodass er nach vier Tagen immer noch so frisch ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Das Ausgangsmaterial stammt aus 7 verschieden Weinbergen und wurde (gekühlt) zur Kelterhalle transportiert. Dort - so nehme ich es zumindest an - wird man Aromen- und Reinzuchthefen zugesetzt haben und auch vor Enzymen zur Geschmacksintensivierung nicht Halt gemacht haben. Aber ich möchte hier niemanden verurteilen, denn meine Vermutungen kann ich (leider) nicht nachweisen. Dieser Wein ist unglaublich frisch, hat ein kräftige Säure und man kann ihn durchaus als "Muntermacher" bezeichnen. Allerdings hat dies - für mich - mit klassischem Sauvignon Blanc nichts zu tun.

 

2008 war in Neuseeland für die Winzer ein perfektes Jahr: der Witterungsverlauf war nahezu optimal und die Ernte war groß wie nie - ohne dass die Qualität zu sehr gelitten hat.

Der Spass kostet ca. Euro 12,- und wird von der Weinhandlung Apell aus Kassel importiert. (www.apell.de). Andere Händler findet man über www.google.de

Montag, 05.01.2009

2007 Nadal, Domaine de Fondreche - Côtes de Ventoux

91 Punkte - Wilder Wein mit gutem PLV (knapp 12 Euro)!!  Den meisten dürfte die Appelation Côtes du Ventoux vom Radfahren bekannt sein. Jedes Jahr ist dieser Berg das Epizentrum der Tour de France. Hier übernachten die Fans in Zelten, hier stehen die Zuschauer in Massen, um ihre (gedopten ;-) Idole anzufeuern.

So liegen auch die Weinberge für diese Cuvee aus Grenache und Syrah mit einem kleinen Anteil Mourvedre in der heißen Provence etliche hundert Meter hoch am Mount Ventoux. Im Mund explosiv, viel Power, Druck und Fleisch, aber nicht schwer - die Frische stemmt sich dagegen. Nachdem man diesen Wein getrunken hat, schnalzt man mit der Zunge, um die dicken Aromen vom Gaumen zu lutschen. Da sind Wildkirschen, Pflaumen, viele getrocknete Kräuter (der Provence) und runde, reife Tannine, die dem Wein ausreichend Struktur geben. Aufgrund seiner schönen extraktsüßen Kräutrigkeit schmeckt mir der Wein solo, aber zu einem dunkel gegrillten Steak mit schönen Röstaromen paßt dieser Wein wie die Faus aufs Auge oder der Igel aufs Kopfkissen.

 

Purpur läuft der Wein ins Glas. Aus dem Glas strömt ein Duft von Pflaumen,Sauerkirschen, wilden Kräutern und Lavendel. Frisch eingeschenkt ist der Duft sehr intensiv, mit zunehmender Belüftung verflacht er jedoch etwas und der Alkohol (14,5%)  wird spürbar.

Pflaume, Blaubeeren und Johannisbeeren mit transparentem Körper und sehr ausgewogener Struktur. Eleganz aber auch schon einiges an Dampf. Tiefe mit feiner Frische. a big, sweet kiss of kirsch liqueur intermixed with licorice, loamy soil notes, and hints of pepper and lavender. It is full-bodied, fleshy, rich, and ideal for drinking over the next 4-5 years. Fondreche is the reference point for what can be done in the Cotes du Ventoux.In der betörenden Nase faszinierende Anklänge an schwarze Waldbeeren, Kräuter der Provence, Süßkirschen, weißen Pfeffer und Lavendel.
Die Zunge ist verzückt von der schmelzigen, komplexen Frucht, der phantastischen Struktur und der trinkanimierenden Säure – welch fabelhafter Nadal in einer Kunstfertigkeit wie nie zuvor. Durch den sensiblen Ausbau der traumhaft reifen Syrahtrauben in neuen Barriques mit ungemein saftigen, cremigen Tanninen versehen, die den Wein bereits ab sofort mit großem Vergnügen genießen lassen

Donnerstag, 25.12.2008

Nikolausprobe 2008


2005 Chardonnay S, Weingut Wittmann – Rheinhessen

 

89 Punkte - Sehr schönes, ausdrucksvolles und frisches Bukett; Äpfel, Birnen, feines Toffee und dezente Zitrusfrucht. Auch auf der Zunge ist dieser Chardonnay nicht müde vom Holz, sondern frisch und die Aromen aus dem Barrique sind gut integriert. Weicher Schmelz, Apfelkompott, Birnen, etwas Butter und Toffee, lässt eine gewisse Mineralik erkennen. Insgesamt ein schöner Chardonnay; die vielleicht nicht ganz so komplexe Aromatik kompensiert er mit einer sehr guten Länge. Besser wird er nicht mehr, sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

 

2003 Riesling Winninger Uhlen „Roth Lay“, Weingut Heymann-Löwenstein - Mosel

 

87-90 Punkte – Dieser Wein braucht Luft und  sollte daher dekantiert werden! Frisch aus der Flasche präsentiert sich dieses Große Gewächs eher unvorteilhaft – er wirkt zu süß, eher breit und fast ein wenig pappig. Da ist zwar viel gelbe Frucht und auch ein hohes Maß an Stoffigkeit, aber der Wein wirkt eher wie ein gedopter Bodybuilder. Mit deutlicher Luftzufuhr baut der Wein aus und gewinnt an Struktur und Klasse, indem er deutlich differenzierter wird, die Mineralik erkennbar das Spiel strukturiert und die Säure im Kampf gegen die Süße ein Wörtchen mitredet. Dann zeigt er auch kräuterwürzige Noten und eine differenziertere Frucht, die mich u.a. an die als Kind so geliebten Orangen in frischer Sahne erinnert. Letztlich glaube ich, dass auch dieser Wein sich der Stilistik des 03er Jahrgangs nicht entziehen kann und es nie ein großer Riesling wird. Dennoch halte ich es für überaus spannend diesen 03er in eine Probe mit anderen Jahrgängen des gleichen Weines zu verkosten, wenn man neugierig darauf ist, etwas über den Einfluss von Jahrgangsbedingungen zu lernen. Schwierig ist hier eine Trinkempfehlung, wenn die Säure und Frucht nicht schlapp machen, kann dieser Wein noch ein sehr langes Leben besitzen; ich halte es aber auch für möglich, dass der Wein stirbt ohne je wirklich seine Schönheit entwickelt zu haben.

 

 

2003 Recher Herrenberg Spätburgunder JS„Alte Reben“, Jean Stodden – Ahr

 

93 Punkte – Tiefe, dunkle und dezent würzige Frucht nach Waldbeeren; mit viel Luft (dekantieren mind. 1 Std. vorm Ausschank) immer differenzierter und komplexer. Einerseits kompakt und saftig und mit schönem Säuregerüst, andererseits komplex, elegant und mit mineralischer Tiefe. Wirklich überraschend ist die große Festigkeit des Weins zu Beginn, die erst langsam – mit viel Luft – zu Gunsten einer hohen Komplexität schwindet; in dieser Verfassung erinnert er an einen sehr, sehr guten Burgunder. Dann aber ein tiefer, komplexer und eleganter Spätburgunder, der keinen Vergleich zu scheuen braucht. Hat sicherlich Potential für mindestens weitere 5 Jahre, ohne dass ich mir sorgen mache, dass er danach wirklich abbaut. Die 97 Punkte von Wein-Plus empfinde ich ein wenig überhöht, aber großer Stoff ist das allemal (der aber schon damals mit seinen Euro 69,- preislich auch ambitioniert war.)

 

 

2003 Kurni, Azienda agricola Oasi degli Angeli – Marken

 

 

93 Punkte – Was für ein Wein !! Gemacht zu 100% aus Montepulciano (namensgleich mit der Region in der Toscana), einer Rebsorte, die in den Marken und angrenzenden Regionen viel angebuat wird, aber häufig ruppige und ungehobelte Weine hervorbringt. Anders hier – Eleonora Rossi and Marco Casolanetti schaffen es Jahr für Jahr in mikroskopischen Mengen einen Montepulciano zu erzeugen, der zeigt, was man mit bestem terroir und knallharter Weinbergsarbeit bei äußerst niedrigen Erträgen aus dieser Rebsorte schaffen kann. Dazu reifen die Trauben sehr lange an ihren Rebstöcken und werden anschließend – Amarone ähnlich – angetrocknet, um dann bei sehr langen Mazerationszeiten vergoren zu werden. Die sich anschließende doppelte 9-monatige Verweildauer in jeweils (!) neuen barriques dient der ausgiebigen Mikrooxidation. Wer jetzt einen zugeholzten, harten oder total mit Röstaromen überhäuften Wein erwartet, wird sich wundern.

 

Selbst im Hitzejahrgang 2003 ist dieser Wein nicht marmeladig ausgefallen, sondern zeigt enorm viel Saft und Kraft. Aromen von Waldbeerengelee, viel ätherische Noten und trotzdem eine gewisse Kühle zeichnet das Bukett des Kurni aus. Am Gaumen brutal, massiv mürbe (!) Tannine, viel power und eine eruptive Frucht mit reichlich Würze. Schlehenmarmelade, etwas Schoko, schwarze Waldfrüchte und eine erhebliche Fruchtsüße (null Restsüße) – fast fruchtmarksgleich konzentriert -  kleiden den Mund und Rachen komplett aus. Bei aller Konzentration wirkt der Wein nicht breit oder langweilig, sondern das Gegenteil ist der Fall, insbesondere wenn man ihm Zeit gibt, sich im Glas zu entfalten und ihn nicht zu warm (<20 Grad) genießt. Nichts für 100%ige Eleganztrinker, aber für Hedonisten allemal eine tolle Erfahrung.

 

 

2002 Reif, Josephus Mayr (Erbhof Unterganzner) – Alto Adige (Südtirol)

 

94 Punkte – Ein spannender Vergleich zum Kurni; denn auch hier wird höchst anspruchsvoll (mit minimalen Erträgen) im Weinberg gearbeitet, auch hier werden die Trauben zum Teil (am Weinstock) getrocknet und auch hier spielt ein perfekter Einsatz von neuem Holz eine wichtige Rolle. Der Reif besteht überwiegend aus Cabernet Sauvignon (ca.80%) und Lagrein; hinzu kommen – je nach Jahrgang – kleine Mengen von Petit Verdot, Merlot und Cabernet Franc.

 

Meine Notiz aus 2007 (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=181) beschreibt diesen Wein immer noch zutreffend, jedoch hat er an Eleganz und Harmonie weiter zugelegt, sodass ich ihm mit gutem Gewissen jetzt 94 Punkte geben kann. Besonders gut gefallen mir die „kühle“ Art, die vorzügliche Tanninstruktur, der perfekte Holzeinsatz und die super Länge im Abgang. Das ist schon großer Stoff!

 

 

1967 Barolo, Bersano – Piemont

 

87 Punkte - Ein schöner Barolo aus großem Jahrgang, mit Noten von rotem Tee, Mokka und Mahagoni. Am Gaumen ebenfalls roter Tee, getrocknete Pflaumen, Kirschen und ein Hauch Speck. Noten von Feigen, etwas Liebstöckel und eine dezente Nussaromen runden die Sache ab. Schon recht deutlich abgeschmolzene, aber immer noch vorhandene Tannine. Alter Barolo ist etwas für fortgeschrittene Weintrinker und es wird viele geben, die diese Aromatik nicht mögen, mir gefallen jedoch diese alten Weine und sie sind in ihrer Art einzigartige Zeitzeugen.

 

 

2001 Chateau de Malle – Sauternes

 

92 Punkte – Ein schöner Sauternes aus der halben Flasche. 2001 war ein großes Jahr, mit idealen Reifebedingungen für diese von Botrytis geprägten Weine. Nase und Gaumen werden verwöhnt mit viel Frucht und hoher Dichte – ohne jeden Anflug von Breite oder penetranter Süße; sehr schönes Säure-Süße Spiel. Noten von Heu, Jasmin, Mirabellen und einer kräftigen Würze (z.B. Muskatnuss, Mokkabohnen). Ein perfekter „Nachtisch“

Samstag, 06.12.2008

1994 bis 2004 Chateau La Tour de By - Medoc

10 Jahre Chateau La Tour de By

 

Vorab: Dies ist ein Bordeaux für Einsteiger mit einem sehr guten PLV (ca. € 13,-)

 

Abseits der üblichen Touristenwege liegt dieses Chateau im kleinen Ort Bégadan. Der Name des Weingutes leitet sich vom ehemaligen Leuchtturm von By ab, der 1825 aus den Mauerresten einer Getreidemühle errichtet wurde und fortan der Schiffen auf der Gironde den richtigen Weg wies.  Unweit davon, direkt am Flussufer, auf einer Kieskuppe liegt das Herrenhaus und Weingut Chateau La Tour de By. Man schaut auf eine bewegte Vergangenheit. 1599 gehörte das Lehen „de By“ noch Pierre Tizon; es blieb im Familienbesitz bis 1725 als es an den Grafen Louis de Gramont verkauft wurde. Die nachfolgenden Besitzer waren die Herrn de Lignac. Im Jahr 1860 wurde es schließlich von Alfred Rubichon erworben, der 1876 das heutige der Gironde zugewandte Château La Tour de By errichten ließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß das Weingut noch „La Roque de By“ – unter diesem Namen wird heute der zweite Wein des Hauses vermarktet.

 

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts erwarb Julien Damoy das Weingut. Die nötigen finanziellen Mittel hatte er im Lebensmittelhandel in Paris verdient. Seine Nachfolge trat sein Schwiegersohn Chaumont aus Burgund an, der das Weingut auch bis 1961 – als es an den Abgeordneten Kaskoreff verkauft wurde – geführt hatte. Nur vier Jahre später wurde es erneut verkauft. Ein paar Nordafrikaheimkehrer waren auf der Suche nach preislich und qualitätsmäßig interessantem Terroir und wurden hier fündig. Die Herren Lapalu, Cailloux und Pages sorgten für die Wiedergeburt dieser Lage im nördlichen Medoc. Seit 1999 sind Marc Pages und seine Kinder die alleinigen Besitzer von Chateau La Tour de By. In vier Jahrzehnten hat es Marc (als ehemaliger Absolvent der landwirtschaftlichen Hochschule in Tunis) und seine Familie verstanden, das Cru Bourggeois Weingut auf den Level eines Grands Crus zu hieven.

 

Heute bewirtschaftet man 74 ha Rebland, wovon ca. 65% mit Cabernet Sauvignon, 30% mit Merlot, 3% mit Cabernet Franc und 2% mit Petit Verdot bestockt sind. Der Ausbau der Weine erfolgt in Eichenholzfässern, wovon ca. 30% pro Jahrgang neu angeschafft werden. Aus der Not machte Marc eine Tugend. Als zu Beginn der 70er Jahre die Weine schwer verkäuflich waren und die Bordelaiser negociants die Weine nicht abnehmen wollten, brach er mit dem für Bordeaux typischen Handelssystem und baute seine eigene Vertriebsstruktur auf. So werden heute über 1.000 Restaurants in Frankreich direkt beliefert und über 5.000 private Weinliebhaber sorgen dafür, dass die ca. 40.000 produzierten Kisten auch ihre Abnehmer finden.

 

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Sonntag, 30.11.2008

1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA - Piemont


93-95 Punkte: im Vergleich zum 90er der bessere Jahrgang. Was für ein dunkler, tiefer und immer noch juegendlicher Barbaresco!! Die Nase wirkt frisch, mit tiefer, dunkler Frucht, Kirsche und Holunder. Einmal im Mund kann man das Alter dieses Nebbiolos kaum glauben; er ist so frisch und jung in seiner Aromatik; die noblen Tannine sind kraftvoll und strukturgebend. Am Gaumen überzeugt mich die Frucht und die Struktur dieses Weines zu 100%; so tief, rein und klar ist dieser Wein. Aber auch der 2.Gaja stand an diesem Barolo-/Barbarescoabend im Kontext mit anderen großen Weinen der Region und so fiel es mir auch beim 90er schwer, diesen Wein klar als Barbaresco zu identifizieren. Ich weiß nicht so genau, ob es die Röstaromen aus dem Holz waren, die dem Wein zwar perfekt zu Gesicht standen und die sich hervorragend in das Gesamtbild einfügten, oder ob es vielleicht die hohen Extraktwerte/Extraktsüße waren, aber so ein richtiges Bild eines Barbaresco wollten meine Sinne mir bei diesem Wein nicht malen. Trotzdem richtig genialer, kraftvoller und komplexer Stoff, der gleichzeitig sehr harmonisch und sinnlich wirkt. An dieser Stelle auch der Hinweis, dass ich den Wein deutlich über 92 Punkte erlebt habe, nur die mir etwas fehlende (oder anders ausgedrückt, die vielleicht von mir nicht wahrgenommene) Typizität eines Barbaresco gab Abzüge in der "B"-Note.  

Montag, 24.11.2008

1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA - Piemont


90-93 Punkte - GAJA, der große Name des Barbaresco, der Langhe, Italiens, ja eines der berühmtesten Weingüter weltweit. So einen Wein im Glas zu haben ist allein schon aus pekuniären Gründen etwas Besonderes. Aber auch die Geschichte der Familie ist so spannend wie abwechslungsreich und nicht immer war sie von dem Reichtum geprägt, zu dem es  heute Angelo Gaja, der "Unternehmer mit der Weltkarte in der Hand"  mit viel Herz, Verstand, unternehmerischem Geschick und Visionen gebracht hat. In dem vom Hallwag-Verlag und Slow food publizierten Buch (Hrsg: Carlo Petrini) "Barolo Barbaresco" kann man z.B. lesen:


"Entstanden war die Firma 1859, als es dem Urgroßvater Giovanni, einem wohlhabenden Fuhrunternehmer, gelungen war, durch seine Hände Arbeit den fünf Söhnen und zwei Töchtern je ein Bauernhof zu vererben. Drei seiner Söhne verloren, wie es in der Langhe fast schon Tradition hatte, den Hof auch gleich wieder beim Glücksspiel. Barba Cit, also "kleiner Onkel", wie der jüngste genannt wurde (er war fast zwei Meter groß), schaffte es sogar, die beiden Bauernhöfe, die seine reiche Frau mit in die Ehe gebracht hatte, gleich mitzuverspielen. Der zweitjüngste, unser Angelo (Anmerkung: der Großvater des heutigen Angelo Gaja) mit dem Maultier (Anmerkung: bezieht sich auf die frühere Ausführungen in diesem Artikel), war von ganz anderem Charakter, "der läuft mit dem Rosenkranz in der Hand rum", sagten die Leute. Er heiratete Clotilde Rey, eine strenge, unnachgiebige Frau, die in Chambéry den Beruf der Volksschullehrerin erlernt hatte. In Barbaresco wurde sie nur Madame genannt - allein den engsten Verwandten war die Koseform Tildin bekannt. Sie wusste genau, was gute Qualität und gute Arbeit bedeuteten und übernahm sogleich im familieneigenen Gasthaus Osteria del Valpore und im Weinkeller das Regiment. (...) Als Angelo Gaja 1961 seine Arbeit in dem Betrieb aufnahm, war er in der beneidenswerten Situation, bereits über einen in Italien berühmten Namen und 33 Hektar ausgezeichneter Barbaresco-Weingärten zu verfügen. (...)"

Noch detailliertere Informationen findet man im Buch "Sori San Lorenzo - Die Entstehung eines großen Weins" von Edward Steinberg, das 1996 von Slow Food herausgebracht wurde.

  

Der Barbaresco Sorì San Lorenzo ist regelmäßig geprägt von Kraft, Muskeln und Potential. Dies gilt auch für den 89er !! Ein unglaublich junger Wein, mit dunklem Kern steht er im Glas. Die tiefe Frucht ist geprägt von sehr dunklen Fruchtaromen, Wacholderbeeren und grüner Banane. Auch am Gaumen ist er kraftvoll, mit schönem, runden Mundgefühl, eher dunkler Frucht, guter Säure und schöner Tanninstruktur; gute Länge. Im Vergleich zu allen anderen Nicht-Gaja-Barolo/Barbarescoweinen an diesem Abend wirkte er sehr sooo jung, aber auch ein wenig zu glatt. Aber ich möchte dem Wein nicht Unrecht tun, daher die weit gefaßte (90-93 Punkte) Bewertung, obwohl ich glaube, dass man Schwierigkeiten haben wird - ihn blind verkostet - klar dem Piemont zuzuordnen. Muss nachverkostet werden.  

Freitag, 21.11.2008

1990 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa - Piemont

96 Punkte - Und da war wieder so eine süchtig machende Flasche. Für diese Sorte von Wein benötigt man jedoch Zeit, um sie zu zelebrieren und zu verstehen - dies ist kein Wein für den schnellen Genuß.

Zu Beginn im Glas (Flasche wurde mehrere Stunden vorher geöffnet) überraschend gereiftes Bukett von Rosen, Fleischbrühe und Liebstöckel, dass im Glas jedoch ausbaut und immer jünger (!) wird. Dann dunkle Fruchtnoten, etwas rauchig, Unterholz und ein Hauch Schokolade.  Am Gaumen ein unglaublich vielschichtiger Wein, mit Substanz und Tiefe. Mittelgewichtig, mit dunklen Waldfruchtaromen, erinnert an feinste Pralinen, ein Hauch malzige Süße. Wird immer  feiner und differnzierter, bestens definiert (tolle Tanninstruktur), mit lebendiger Säure und hoher Eleganz.

Donnerstag, 20.11.2008

2001 Diana Madeline, Cullen Wines - Australien


85 Punkte - Wein benötigt etwas Luft um sich zu entfalten, kühler Stil, kräftige Säure, dunkle Frucht, recht fester, aber eher schlanker Körper, keineswegs australisch fett, reife, aber kräftige Tannine, die Frucht wirkt am Gaumen ebenfalls dunkelbeerig, angenehmer Saft, ein Hauch würzig, ein Hauch Kaffee, insgesamt eine sehr stimmige und ausgewogene Cabernet/Merlot-Cuvee, aber irgendwie uninspiriert und in der Mitte mit aromatischem Löchlein. Für eine höhere Punktzahl fehlt es an Komplexität und aromatischer Länge. Für deutlich über Euro 30,- aber zu wenig Genuss. Austrinken.

Dienstag, 18.11.2008

1988 Barolo Falletto di Serralunga, Bruno Giacosa - Piemont


91 Punkte - Zu Beginn etwas stallige Noten in der Nase, dann ins kräutrige  wechselnd. Am Gaumen recht schlank; eher burgundischer Stil. Positiv ausgedrückt ein "Leise-Treter", der durchaus über eine komplexe Aromenstruktur und eine subtile Art verfügt. Angenehme Länge im Abgang. Sollte jetzt oder in den nächsten 2-4 Jahren getrunken werden.

Freitag, 14.11.2008

1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno - Piemont


94 Punkte - Die Lage Bricco Cicala ist eine muldenförmige, windgeschützte Lage im oberen Teil des Tals von Bussia Soprana. Dieser Wein wird nur in guten Jahren erzeugt, ansonsten sind auch diese Trauben Bestandteil des "Standardbarolos" Bussia Soprana. Die Böden sind karg und der hier erzeugte Barollo gilt als besonders langlebig.

Der 89er Cicala strömt dunkel ins Glas - wirkt dicht und jung. Aufregend frisch betört er die Nasenschleimhäute. Am Gaumen sehr klar, tief und aromatisch. Auffallend schön sind die reichlich vorhandenen, ausgereiften Tannine, die dem Wein ein hervorragende Struktur geben. Feine Fruchtsüße, gepaart mit einer perfekt balancierten Säure; viel innere Harmonie und Eleganz lassen diesen Barolo zu einem Trinkerlebnis werden. Wie schon beim "einfachen" Barolo Bussia Soprana überzeugt auch hier die für den Erzeuger so typische Klarheit und Reinheit dieses Barolos. Fazit: pure Barolo!!

1989 Barolo, Bartolo Mascarello - Piemont


93 Punkte - Im direkten Vergleich zum 88er getrunken - es zeigt sich einmal mehr, welchen Einfluß die Jahrgänge haben können. War der 88er eher ein wenig vorzeitig gealtert, so zeigt der 89er Barolo, was es heißt ein stolzer Nebbiolo zu sein:

In der Nase betörend reife rote Früchte, Teer und Anklänge an getrockente Kräuter und Blüten; am Gaumen frisch, präsent, mit schönem Schmelz und kräftigen, aber reifen und recht runden Tanninen. Schöner Grip am Gaumen, reichlich Frucht mit eher dunklen Fruchtaromen, etwas Kohle und dunkler, herber Kakao. Das ganze ist unterlegt mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Fruchtsüße, sodass sich ein sehr harm